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Geri G

Die Zukunft war auch schon mal besser





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Zuhause

 

 

 

Die Zukunft war auch schon mal besser

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zuhause

 

Max Miller ist ein altmodischer Mensch. Ihm selbst war das egal, aber seine Zeitgenossen bezichtigten ihn oft dieser, ihrer Meinung nach, merkwürdigen Eigenschaft. „Altmodisch, na und?“ Mit diesem Gedanken erwachte er an diesem Samstagmorgen. Er erhob seinen Oberkörper und saß nun aufrecht im Bett. Die Vorhänge waren noch zugezogen. Eigentlich sollten die Bewegungssensoren im Raum die Deckenbeleuchtung automatisch einschalten, nachdem sich Max aufgerichtet hatte. Aber das Schlafzimmer blieb dunkel. „Verdammte Technik“, grummelte er, „funktioniert immer dann nicht, wenn man sie braucht.“ Er rieb sich die Augen, schob die Bettdecke beiseite und stapfte schlaftrunken Richtung Fenster. Ein Lichtstrahl hatte sich zwischen die beiden Vorhänge in der Mitte hindurchgezwängt und ermöglichte es, dass man zumindest Konturen im Raum erkennen konnte und nicht ganz blind war. Das große Schlafzimmerfenster lag direkt gegenüber dem Bett, Max tastete sich vorsichtig in die entsprechende Richtung vor, dabei sah er fast aus wie ein Schlafwandler mit seinen vorgestreckten Armen. Endlich bekam er eine Vorhangseite zu fassen und zog sie beiseite. Grelles Sonnenlicht brach herein, blendete ihn und durchflutete das Zimmer. Im selben Moment schaltete sich die Deckenbeleuchtung ein. „Na toll!“ Max schlurfte nach links zum Schalter vor ihm an der Wand und drückte drauf. „So, aus! Gott sei Dank gibt’s auch noch einen Schalter ohne Sensoren.“ Er verschwendete keinen weiteren Gedanken ans elektrische Licht, öffnete die Badezimmertür zu seiner Linken und wurde abermals überrascht vom hellen Tagesschein, der durch das milchige Fensterglas hindurch, an den weißen Kacheln reflektierte, dabei den ganzen Raum in ein interessantes Gleißen versetzte. „Fast surreal, wie im Traum“. Max musste schmunzeln. Er hatte manchmal diese Vorstellung, dass er im Himmel auf einer Wolke saß, alles war hell erleuchtet und die Umgebung wirkte dadurch verschwommen. Genau wie jetzt, aber er befand sich nicht in einem Traum, sondern stand nur in seinem Badezimmer vor Waschbecken und Spiegel. Seine Augen hatten sich noch nicht so recht an die Helligkeit gewöhnt und so kniff er sie zusammen, stützte sich mit beiden Händen auf das Becken und betrachtete sich dabei näher im Spiegel. „Hast auch schon mal besser ausgesehen, Kumpel“, sagte er leise vor sich hin. Seine Beschäftigung gestern Abend beschränkte sich darauf, vor dem Fernseher ein paar Bierchen zu kippen. Danach war er vor dem Flimmerkasten eingeschlafen und nach dem kurzen Nickerchen hatte er sich gleich selbst ins Bett verfrachtet. Zu mehr war er am Freitagabend nicht mehr imstande. Der Arbeitstag war anstrengend gewesen. Ein weiterer Arbeitstag bei der Mordkommission. Miller war Polizeihauptkommissar, seit kurzem 52 Jahre alt, mit grau meliertem Haar an den Schläfen. Weitere Infos zu seiner Person: Knapp zwei Meter groß, manchmal etwas faul und grantig, ehemals verheiratet, seit einem Jahr glücklich geschieden (ha, ha!) und er hatte einen 15-jährigen Sohn aus dieser Ehe, der jetzt bei ihr lebt. Irgendwie fand er , dass er sich seit seiner Scheidung mit Anna-Margarete viel freier fühlte. Er konnte in seiner Wohnung nun tun und lassen, was er wollte. Soviel zum Positiven. Das Negative war, dass die Wohnung für ihn allein zu groß geworden war, nachdem Anna-Margarete oder Maggie, wie Max sie gerne nannte, mit Sohnemann Tim ausgezogen war. Er schob die letzten Gedanken beiseite, wusch sich sein Gesicht und rasierte sich nass, auf altmodische Art eben. Er streifte sich einen dunklen Bademantel über den weißen Pyjama, trottete zurück ins Schlafzimmer, vorbei am altmodischen Fernseher mit Bildröhre, und legte sich auf die Bettdecke. „Altmodisch“, wieder kam ihm dieses Attribut in den Sinn, mit dem er vorhin aufgewacht war. Er schloss nochmals für einen kurzen Moment die Augen und dachte an seinen guten bekannten Josef Kreindl. Kreindl war Antiquitätenhändler und von ihm hatte Max die Flimmerkiste erstanden, die mehr Jahre auf dem Buckel hatte, als er selber. Das Gerät war immerhin internetfähig und konnte die modernen Digitalkanäle empfangen, zwar nicht im optimalen Format, aber es reichte Max völlig aus. Überhaupt dieser ganze moderne Schnickschnack. Das meiste davon war eigentlich nur teures Spielzeug, wie er fand. Seine Mitmenschen waren da völlig gegenteiliger Meinung. SmartTV, Smartphones, Touchscreen, RFIDs, CODs und so weiter. Im Grunde sollte er aktueller Technik aufgeschlossener sein, wie er selbst manchmal dachte, schließlich wurde er in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts geboren und war damit aufgewachsen. Aber dieser Hang zur Nostalgie lag wohl in der Familie. Sein Vater Max senior war ein Wildwest-Fan und fasziniert vom 19. Jahrhundert. Ihn selbst interessierte mehr das zwanzigste. Er öffnete die Augen wieder, hob den Kopf leicht an und blickte in Richtung Fenster, durch das das Sonnenlicht hereinströmte. „Was für ein schöner Samstagmorgen, im Hier und Jetzt, in der Megametropole München des Jahres 2115.

 

 

 

Auswärts

Auswärts

 

Das Bildtelefon klingelte. Max schreckte hoch. Mit einem Anruf hatte er heute nicht gerechnet. Er wollte an diesem Wochenende eigentlich in Ruhe gelassen werden. Träge und mies gelaunt, stapfte der Kommissar zum Sprechapparat im angrenzenden Wohnzimmer. Er blieb vor dem Gerät stehen und starrte einfach darauf, solange, bis das Geklingele aufhörte. Nach ein paar Sekunden tönte es erneut. Auf dem dunklen Display blinkte eine hellblaue Schrift permanent auf, die den Anrufer identifizierte. Es war das Kommissariat. Max seufzte, entschloss sich dann dennoch, den kabellosen Hörer abzunehmen. Fast wie in Zeitlupe setzte er ihn an seine rechte Ohrmuschel. „Ja, was gibt’s?“, fragte er missmutig. „Eine Leiche“, antwortete eine weibliche Stimme in einem fast schon beängstigend ruhigen Ton. Aber in einer Megacity wie München sind solche Delikte mittlerweile ein Tagesgeschäft für die hiesige Polizei geworden. „Kruzifix!“, schimpfte der Kommissar. „Ausgerechnet an diesem Wochenende!“ Aber Tote nehmen nun einmal keine Rücksicht auf Dienstpläne, denn eigentlich hätte Max heute seinen freien Tag gehabt und sein Stellvertreter war zudem im Urlaub. „Ich kann da auch nichts dafür“, sagte die weibliche Stimme verärgert. Es war seine Kollegin, Polizeioberkommissarin Tina Meggle. „Ja, klar! Schon gut. Tut mir Leid. Du kannst natürlich nichts dafür. Ach, Kruzifix nochmal!“ Miller schimpfte ein zweites Mal. Diesmal aus einem anderen Grund. Das Bildtelefon funktionierte nicht richtig. Kein Bild, nur Ton. „Man, du hast ja vielleicht schlechte Laune heute!“ „Ja, ja. Mich regt gerade bloß dieses blöde Telefon auf. Ich kann dich momentan nur hören nicht sehen, Tina.“ Seine Kollegin war, im Gegensatz zu ihm, absoluter Technikfan und sie konnte auch viele elektronische Geräte reparieren. Außerdem war sie ein Japan-Anhänger. Die Japaner sind schon seit dem 20. Jahrhundert wahre Meister der Alltags-Technisierung und Tina teilte mit den Asiaten ihre Begeisterung für Elektronik. Deshalb hatte sie sich auch nicht lumpen lassen, vor ein paar Monaten freiwillig an einem Polizeiseminar in Tokio teilzunehmen, wo sie sich gleich mit einer japanischen Kollegin anfreundete und Kontakt hielt. Ihr Japanisch, das sie vor zwei Jahren angefangen hatte zu lernen, war mittlerweile ganz passabel. „Max, wenn du öfter Probleme mit deinem Telefon hast, komm´ich vielleicht mal rüber und seh´s mir an! Vielleicht kann ich´s reparieren.“ „Ja, von mir aus.“ Max Stimmung wurde durch Tinas Hilfsbereitschaft nicht besser. Nichtsdestotrotz konnte er seine Kollegin gut leiden, eine engere Beziehung als die berufliche war aber bisher nicht entstanden. Sie war halb so alt wie er, hatte für Rothaarige die typischen Sommersprossen, war außerdem sehr fleißig und kontaktfreudig. Schon etwas genervt von Max schlechter Laune, redete sie schroff durchs Telefon: „Die Leiche liegt in der Bert-Brecht-Straße beim Äußeren Stadtgraben. Und anschließend kommst du in die Zentrale! Der Chef möchte dich sprechen, also beweg´ dich!“ „Ja, schon gut. Ich mach´ mich auf´n Weg.“ Max legte den kabellosen Hörer wieder zurück in die rechte Mulde des Bildtelefons. Insgeheim war er jetzt sauer auf sich selber. Er mochte Tina eben und wollte ihr gegenüber eigentlich nie übellaunig auftreten. Tsja, dafür war es nun zu spät. Er ging zurück ins Badezimmer, kämmte sich ordentlich und wusch sich nochmal richtig das Gesicht mit kaltem Leitungswasser aus.

Ein paar seiner Kollegen waren schon da. Zwei von ihnen unterhielten sich gerade, als Max mit einem TaA ankam, einem Taxi auf Anfrage oder „Neudeutsch“: COD, Cab On Demand. Er bezahlte mit seiner Kreditkarte und nicht wie die meisten Fahrgäste via Smartphone. Letzteres besaß Max nicht einmal. Selbstverständlich hatte die hiesige Polizei eigene Magnetschwebe-Fahrzeuge, aber das fahrerlose Taxi holte einen direkt vor der Haustür ab und Max war dadurch schneller am Tatort. Die Spurensicherung hatte ihre Arbeit schon aufgenommen und sogar die Leute von der Forensik erfreuten mit ihrer Anwesenheit. Die waren normalerweise immer die Letzten. Alle waren im Grunde in Zivilkleidung unterwegs, nur die Gerichtsmediziner hatten sich weiße Kittel übergestreift und beigefarbene Latexhandschuhe angezogen. Die Leiche lag am Kanalufer, auf einer grünen Wiese. Der Morgentau lag noch auf den Grashalmen, ein dünner Nebelfaden schwebte dort nur wenige Zentimeter über dem Erdboden und kämpfte tapfer gegen das stärker werdende Sonnenlicht. „So, was haben wir denn hier?“, fragte Max die zwei Männer von der Gerichtsmedizin. Seine Stimmung hatte sich durch den sonnigen Tag etwas gebessert. „Eine etwa 50 Jahre alte, männliche Leiche, stark abgemagert und offenbar mit Zahnproblemen.“ Der Mediziner öffnete dabei dem Toten den Mund, indem er mit Zeige- und Mittelfinger seiner Hände dessen Gebiss langsam auseinander schob. „Todeszeitpunkt etwa gestern Abend. Genaueres kann ich erst nach der Obduktion sagen.“ Na, das war immerhin schon ein bisschen was. Max betrachtete den Leichnam genauer. Da war so einiges seltsam an ihm. Es war Sommer und er hatte einen Mantel an, einen schwarz-weiß karierten Raglan-Mantel, um es genauer zu formulieren. So einen ähnlichen hatte er auch im Schrank. Die Ärmel bei diesem Kleidungsstück waren nicht an der Schulterpartie festgenäht, sondern am Hals. Dadurch war es leichter, ihn anzuziehen. Die Enden der schmutzigen, olivgrünen Cargohose waren stark ausgefranst. „Wohl ein Obdachloser“, dachte der Hauptkommissar. Der tote Mann war wirklich sehr dünn, vermutlich fror er sogar im Sommer und hatte deswegen einen Mantel an. Letztgenannter war weder ausgefranst noch besonders schmutzig und schien eher für eine Frau gedacht zu sein. Wahrscheinlich hatte er ihn irgendwo mitgehen lassen. Aber komischerweise trug er dabei keine festen Schuhe, sondern abgetragene Birkenstock-Sandalen ohne Socken. „Merkwürdig!“ Max Kollege Stefan von der Spurensicherung trat an ihn heran und hielt ihm einen verschließbaren Klarsichtbeutel vors Gesicht. „Hier! Das haben wir im Mantel des Toten gefunden.“ Man sah eine stark vergilbte CD-ROM und ein verschmutztes Injektionsgerät. Max interessierte dabei eher Letzteres. In seiner Polizeilaufbahn kannte er es nur allzu gut, in der Drogenszene war es weit verbreitet. Der kleine beige, rechteckige Kasten hatte oben eine verschließbare Befüllungsöffnung und verjüngte sich nach unten stark. Man konnte oben zum Beispiel Kokainpulver einfüllen, es per seitlichem Knopfdruck erhitzen, verflüssigen und es sich anschließend in die Venen schießen. Drei feine, dünne Injektionsnadeln fuhren automatisch aus, wenn man das Gerät auf die Haut presste. „Sieht hier wohl eher nach einer Überdosis als nach einem Mord aus“, vermutete Max. „Wer hat die Leiche eigentlich gefunden?“ „Wir bekamen einen anonymen Anruf heute Morgen. Von der Stimme her männlich. Wir konnten ihn zurückverfolgen und herausfinden, dass er von einer Intercom-Säule in der Dieselstraße aus getätigt wurde,“ antwortete Stefan, der immer noch neben Max stand und den Beutel hoch hielt, solange bis sein Arm schmerzte. „Ja und weiter?“ „Unsere Informatiker haben die Kopfdaten des digitalen Telefonats ausgelesen und Programmiercodes entdeckt, solche, wie sie auch Computerhacker verwenden.“ „Der anonyme Anrufer könnte demnach also ein Computerprofi sein?“ „Ja, vermutlich. Aber das ist schon alles, was wir bisher wissen. In den Daten waren ansonsten keinerlei Hinweise auf die Identität des Anrufers.“ „Aber warum wollte er, dass die Polizei die Leiche einen Tag später findet? Ist doch irgendwie seltsam, oder?“ „Finde ich auch. Der hat irgendwas zu verbergen, sonst würde er sich stellen. Nur was? Wir überprüfen gerade, ob die Verkehrskameras in der Dieselstraße was Brauchbares liefern. Den Zeitpunkt des Anrufes kennen wir ja. Vielleicht hat die Verkehrsbehörde ein paar passende Bilder von unserem Anrufer. Eigentlich blöd, dass die Intercom-Säulen keine Bildfunktion haben!“ „Ja, stimmt.“ Max musste auf einmal schmunzeln. Möglicherweise sollte er einfach sein Bildtelefon zuhause gegen eine dieser Telefonsäulen tauschen. Das funktionierte sowieso nicht richtig. Er wischte seine letzten Gedanken weg, als gerade der Leichenwagen angeschwebt kam. Zwei Sanitäter stiegen aus, schlupften mit ihrer Trage unter den gelben, holografischen Absperrbändern hindurch schnurstracks zur Leiche. Die Polizeiarbeit war hier nun soweit erledigt. Der Tatort wurde wieder für die Öffentlichkeit freigegeben und alle bis auf Max schwebten mit ihren Fahrzeugen davon. Er ließ sich vorher von Stefan noch den Klarsichtbeutel mit den Beweisstücken darin geben, um ihn genauer in Augenschein zu nehmen. Erst jetzt richtete er seine Aufmerksamkeit auf die vergilbte CD. So eine hatte er schon lange nicht mehr gesehen. Sie wurden ja schließlich vor fast 30 Jahren abgeschafft und durch kleinere Laser-Discs ersetzt. Dasselbe Schicksal ereilte DVD- und Blueray-Scheiben. Die Laser-Discs waren nur fünf Zentimeter im Durchmesser, hatten eine viel größere Speicherkapazität und sogar eine viel längere Lebensdauer als ihre Vorgänger. Das Problem war nun, dass moderne Geräte eine CD nicht mehr lesen konnten. Max musste wohl seinem bekannten Antiquitätenhändler wieder einmal einen Besuch abstatten. So weit, so gut. Er steckte den Beutel in seine rechte Lederjackentasche und rief sich per Handy ein COD zur Polizeizentrale in der Gögginger Straße.

Auf dem Revier

Auf dem Revier

 

Das Polizeipräsidium Schwaben-Nord im Münchner Stadtteil Augsburg war nicht gerade ein schönes Gebäude. Der Gedanke kam ihm jedes Mal, wenn er zur Dienststelle musste. Es hatte schon über 100 Jahre auf dem Buckel, wurde aber selbstverständlich regelmäßig renoviert. Max ließ sich vom COD bis vor den großen, verglasten Haupteingang fahren. Die übrige Fassade des Gebäudekomplexes bestand aus hellen, orangebraunen Backsteinen. Er ging hinein, ohne Umschweife zum Büro des Ersten Polizeihauptkommissars, seinem direkten Vorgesetzten. Der EPHK selbst liebte Abkürzungen, genau diese Eigenschaft mochte Max nicht an ihm, ansonsten war er als Vorgesetzter ganz in Ordnung. Er hatte einen sauberen Bürstenhaarschnitt, trug eine blaue Uniformjacke mit fünf Silbersternen auf den jeweiligen Schulterklappen und dazu eine passende, blaue Hose. Sein Chef verschränkte gerade die Beine auf dem Schreibtisch, als Max die Bürotür hinter sich schloss, und zündete sich genüsslich eine Zigarre an. Er ließ ein paar Sekunden verstreichen, nachdem der PHK (Polizeihauptkommissar, Anmerkung des Autors) ihm gegenüber Platz genommen hatte und ließ dabei einige Rauchringe in die Luft aufsteigen. „Nun, Max. Wir haben DABs (Dienstaufsichtsbeschwerden, noch eine Anmerkung des Autors) über dich vorliegen. Du hast allem Anschein nach ein paar Bürger beleidigt. Was sagst du dazu?“ „Ach. Das war gar nicht so tragisch. So´n paar Idioten, Verzeihung – Schaulustige, haben letztes Mal den Tatort am Bahnhof blockiert. Die Sanitäter konnten nicht mehr durch. Da bin ich halt ein bisschen deutlicher geworden.“ Der EPHK schmunzelte. „Na schön, Max. Aber wenn das nochmal vorkommt, dann muss ich ein Disziplinarverfahren gegen dich einleiten. Verstanden?“ „Ja, ich weiß.“ „Okay, mach´n Abgang. Ach ja, schon was rausgefunden in dem nF da am Kanalufer?“ „Nein, bis jetzt noch nichts. Aber ich und mein Kollege arbeiten dran.“ Max verließ das Büro seines Chefs und stapfte wieder schlecht gelaunt ein Stockwerk tiefer in sein Amtszimmer. „Diese verdammten Schaulustigen. Sollen nicht immer so blöd glotzen und der Kriminalpolizei ihre Arbeit machen lassen. Dann gibt’s auch keinen Ärger.“ Er ließ sich in seine schwarzen Bürosessel fallen und grummelte noch eine Weile vor sich hin. Dann dachte er wieder an den neuen Fall, oder nF wie der Erste Polizeihauptkommissar sich ausdrückte. „Ach, jetzt fang´ ich auch schon mit diesen blöden Abkürzungen an. Irgendwann reden und schreiben wir nur noch in Abkürzungen und keiner versteht noch irgendwas. Merkwürdige Kommunikation“, dachte Max. „Oder LG statt Liebe Grüße, oder LD für Laser-Disc oder CD für … Moment mal!“ Er holte den Klarsichtbeutel mit den beiden Utensilien darin aus seiner schwarzen Lederjackentasche: CD für Compact Disc. Ja, genau.“ Die Scheibe sah schon ziemlich ramponiert aus, mit Kratzern und gelber Schicht überzogen. Die Frage war, ob dieses Teil überhaupt noch abgespielt werden konnte, auch auf den alten CD-Spielern, von denen es mittlerweile nur noch wenige gab. Er musste unbedingt seinen Kumpel Josef aufsuchen. Der hatte bestimmt noch so einen alten CD-Spieler in seinem Laden und dieses Drogeninjektionsgerät brachte er am besten gleich ins Labor im Keller. Mal sehen, was die so rausfinden können.