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Joachim Ringelnatz

Gedichte

ISBN: 978-3-95855-230-2

fabula Verlag Hamburg, 2017

Covergestaltung: Marta Monika Czerwinski


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Rundlauf

Heran in die Tiefe, seitab in die Höh –

Auf der Reise im Kreise gewiegt.

Die Mädels, die Buben, Madame und Monsieur,

Das baumelt und taumelt und fliegt.

Es schweben die Röcke wie Glocken dahin,

Und ein viel tätowierter Gesell,

Der fiedelt und sieht nur die Klöppel darin,

Und er spielt, und er fühlt Karussell.

Ein strudelnder Drall im ätherischen Bad,

Vor dem selbst der König sich bückt.

O Leben im Winkel von 50 Grad,

Du lachst uns und machst uns verrückt.

Bumerang

War einmal ein Bumerang;

War ein Weniges zu lang.

Bumerang flog ein Stück,

Aber kam nicht mehr zurück.

Publikum – noch stundenlang –

Wartete auf Bumerang.

Zum Schwimmen

(Die Brüder)

Plumps! Nun liegst du endlich drin,

Nun hat es wirklich nicht mehr Sinn,

Noch länger den Denker und Dichter zu mimen.

Sonst gibt’s mal was mit dem ledernen Riemen!

Lacht mal den Onkel aus, ihr Kinder!

Wißt ihr’s?

Das ist der Erfinder

Des drahtlosen Schwebeklistiers,

Der Panslapopel, der große Mann!

Wie Seidenpapier liegt die Hose an.

Der Doktor phil. und der Doktor jur. – –

Ja, pruste du nur!

Wie eifrig du spuckst

Und das Gespuckte noch einmal verschluckst.

Du „Autor“ von „Das Leben von Stosch!“ –

Eine Qualle bist du, ein schleimiger Frosch,

Ein wulstiger, schwulstiger, schwappliger, nasser.

Und willst der Verfasser

Der Biographie sein!

Ziehe das Knie ein!

Nach auswärts die Beine!

Du Stubenhocker!

Hier sind ein paar Steine

Am Ufer recht locker. – –

Sieht aus wie Blaukraut mit Sommersprossen.

Na? Eins, zwei, drei – vier, fünf, die Hände geschlossen!

Und: eins, zwei, drei – vier, fünf; noch besser, viel besser!

Ich werde dir was von wegen Professor!

Los: eins, zwei, drei – vier, fünf. Du Schlumpsack, nur weiter!

Wird’s? Eins, zwei, drei – vier, fünf. Nun ’ran an die Leiter!

Du ausgeschwängertes Schwielenschwein!

Ein Wort – und ich stoße dich nochmals hinein.