Adolf Paul


Das heilige Donnerwetter



Roman

Impressum




Klassiker als ebook herausgegeben bei RUTHeBooks,  2015


ISBN: 978-3-95923-199-2


Für Fragen und Anregungen: info@ruthebooks.de


RUTHeBooks
Johann-Biersack-Str. 9
D 82340 Feldafing
Tel. +49 (0) 8157 9266 280
FAX: +49 (0) 8157 9266 282
info@ruthebooks.de
www.ruthebooks.de

Vierzehntes Kapitel - Der größte Sieg



Alt und grau, noch rüstig, aber von Ruhm und Ehren gesättigt, kehrte er zurück zu den heimatlichen Gestaden, um die Stätten wiederzusehen, auf denen er in jugendlichem Übermut herumgetollt war.

Er trieb sich in der Stadt umher, durch die Straßen, über den Markt, in den Kirchen, auf den Friedhöfen, versäumte nicht, den Ratskeller auf seine verborgenen Schätze anzusprechen, und landete schließlich auf dem Wall, von wo aus er über den Hafen auf den Breitling hinausblicken konnte, der im Sonnenschein glitzerte und blinkte. Lange stand er da, in wehmütige Gedanken versunken.

Das Wiedersehen mit der Heimat war so ganz anders, als er es sich während seines langen Lebens vorgestellt hatte.

Damals eine Welt, die für das Aufjauchzen der ersten Lebenslust kaum Raum genug hatte, die zu eng, zu drückend war – eine Fessel, die gesprengt werden mußte –, ein Kerker, aus dem es galt möglichst schnell zu entrinnen. Und jetzt leer, tot und verlassen von allem, was sich damals in ihr drängte –, fremd und doch so vertraut zum Herzen sprechend wie ein altes, lange nicht gehörtes Lied, das auf einmal plötzlich wieder an unsere Ohren dringt.

Vanitas! Vanitatum vanitas!

Man kämpft und strebt, ringt um Erfolg und Ehren, kommt weit herum, sieht fremde Gesichter, knüpft neue Freundschaften an, bekommt Familie, schlägt irgendwo, wo's der Zufall will, Wurzel, wird in neuer Erde bodenständig, glaubt sich dort beheimatet und bleibt ihr im Innersten doch ein Fremder.

Die Wurzeln, die einen noch an die Heimaterde binden, verkümmern oft, zerreißen aber nie. Die Träume und Erinnerungen lassen Vergangenes wieder lebendig erstehen. Man wandelt in ihnen noch auf den Gefilden der längst verflossenen Kindheit, balgt sich mit den alten Gespielen herum, erlebt die ersten Hoffnungen, die ersten Enttäuschungen wieder, und bei jedem weiteren Schritt im Leben kehren die Gedanken wieder zu ihnen zurück. Und über allem anderen, über Siegesrausch und Triumph, leuchtet dann die Frage: "Was werden die alten Gespielen, die Freunde, die Verwandten dazu sagen! Sie werden sich wundern, wie weit ichs im Leben gebracht habe! Ich, von dem sie so wenig hielten und dessen Flucht ins große Leben hinaus nur ihr mitleidiges Mißtrauen in den Erfolg begleitete!"

Endlich hat man den Erfolg errungen. Man hat festen Boden unter die Füße bekommen. Und doch kommt keine rechte Siegesfreude auf, ehe nicht die engere Heimat ihren Segen zum Gelingen gegeben hat.

Man brennt darauf, diesen Triumph zu feiern, kehrt wieder heim, sucht alte Stätten, Wege, Gefilde auf, läßt die Blicke nach gewohnten Zielen schweifen und wird gleich enttäuscht.

Warum kommt nicht dort um die Ecke Freund Fritz gelaufen, munter, lustig und zu jedem Streich bereit?

Wo bleibt heute Nachbars Lene, die sonst immer durchs Gartentor huschte, sogleich bereit, den Zoll der Freundschaft von ihres Vaters Apfelbäumen zu entrichten?

Und der Herr Pastor, der würdig dort die Straße herunterschreitet, das Meßbuch in den fromm gefalteten Händen, die Blicke gesenkt, der Küster mit dem Kruzifix im gleichen Trott hinterher, wie hat er sich verjüngt! Damals Schnee in den reichen Locken, jetzt blondester Flachs!

Dort sperrt ein fremdes Haus den gewohnten Blick über den Fluß, und endlose Speicherbauten machen sich rücksichtslos auf dem Gelände breit, wo die gewaltigsten Ereignisse der frohen Kindheit sich abspielten. In den Grünspan der Kirche sind frische Flicken von blankem Kupfer getrieben – das Glockenspiel von damals knarrte und schnarrte ganz anders, ehe es zum Herunterbimmeln des altgewohnten Chorals mit hinkendem, aber würdevollem Pathos ausholte –, auch der Straße am Elternhause gab die neue Zeit neues Pflaster!

Und dann die zahllosen neuen Gräber auf dem Kirchhof, die die altvertrauten schier verdrängen wollen!

Liegen wohl da alle die, deren freundliches Staunen ob spät, aber doch endlich gewonnener Anerkennung man heranzufordern kam?

Ja –, wozu war denn schließlich alles da?

Wozu der Kampf und Sieg, wenn eben die, die die schönsten Kränze aufrichtiger, selbstloser Freude winden würden, längst die Eitelkeit alles Erdenstrebens mit etwas Besserem vertauschten? Wären sie wenigstens in der Erinnerung geblieben, wie sie waren – jung, lebenslustig, übermütig, unbesiegbar. In der Erinnerung der Kindheit lebte bis jetzt noch alles, was seither im Aufblühen die Seele erfüllte! Und jetzt, nach dem Wiedersehen, verblaßten auch dort die Bilder und schwanden für immer. Die neue Wirklichkeit löschte ihre glühenden Farben aus – eintönige, gleichgültige Leere umfing die Sinne – das treu im Herzen gehütete Heiligtum sank hin, und Bitterkeit, Enttäuschung und unendliche Wehmut lagern über dem Trümmerfeld teurer Erinnerungen.

Darüber dämmerte aber wie ein Hauch der Ewigkeit die Antwort, die die Heimat dann dem spät Wiederkehrenden gab: "Was du suchtest, fandest du: Ehren, Ruhm, Reichtum – für dich, aber nicht für mich! Hofftest du auch von mir Kränze, und spornte dich das zu immer neuem Ringen an – jetzt bist du ja am Ziel – jetzt brauchst du meine Kränze nicht mehr! Jetzt blüht dir nur noch die Erkenntnis, die ich dir als letzte Lehre auf deinem letzten Wege mitgebe: "Aus dir selbst bist du nichts! Was du geleistet hast, wurde dir vom Geber aller Gaben geschenkt! Sei dankbar, demütige dich! Was suchst du noch im Staube nach Ehren! Das Loch in der Erde ist dir sicher, mehr kommt dir nicht zu!"

Das ist hart.

Das bange Vorgefühl dieser Härte war's wohl auch, das ihn immer wieder davon abgehalten hatte, den Weg zurück zu beschreiten, um nicht eher jene Illusion zu verlieren, die ihm sooft sieghaft über alle Enttäuschungen des Lebens hinweghalf, bis sie nicht mehr gebraucht wurde.

Lange stand er noch, die Augen auf die glitzernde Wasserfläche gerichtet, mit den Gedanken spielend, die über ihn gekommen waren – am Grab der Eltern – unter den Bäumen im Garten, wo er sooft als Junge geklettert war – dort unten am Ufer, wo er sich mit all den anderen Rostocker Rüpeln nach Herzenslust gebalgt hatte – mit Hans Jörg und Jochen und Christian Faber, und wie sie alle hießen!

Am Ufer der Warnow war ihr Schlachtfeld gewesen. Die merkwürdigsten Manöver hatten sie dort unten ausgeführt, unsterbliche Heldentaten verrichtet, Siege erfochten, gegen die Hamilkars und Hannibals das reine Nichts waren – sie hatten in Blut gewatet, hatten die Leichen haufenweise übereinandergetürmt! Und nach beendigter Schlacht waren die Gefallenen ohne Ausnahme wieder lebendig geworden und zogen am nächsten schulfreien Nachmittag wieder seelenfroh in den Kampf.

Und der Festungskrieg, der sich dort zwischen den Bretterstapeln abgespielt hatte, der spottete jedes Vergleichs!

Viele brave und werte Genossen waren ihm in den späteren Kämpfen seines Lebens nahegekommen, aber keiner näher als die Gespielen, die ihm halfen, die ganzen ungeheuren Erlebnisse der Kinderphantasie zu gestalten.

Wo die wohl alle geblieben waren?

Ob sie noch lebten – wie sie wohl aussahen, und ob sie sich nicht jetzt dazu bequemen würden, ihn als den Stärkeren anzuerkennen?

Es waren obstinate Racker gewesen, steifnackige Krabaten, ganz wie er selbst. In den Jugendkämpfen mit ihnen, da hatte er wohl eben das feste Zupacken geübt – da hatte sich am Ende der Keim zu den späteren Siegen zuerst entfaltet?

Daher kam es wohl, dass er sooft im wilden Getümmel großer Geschehnisse plötzlich innehielt und sich beim ernsten Nachdenken über die hochwichtige Frage ertappte: was wohl Hans Jörg zu diesem oder jenem gesagt hätte, wäre er jetzt dabeigewesen, und was für ein Gesicht der alte Knabe wohl machen würde, wenn er in der Avis die große Begebenheit fett gedruckt aufgetischt bekäme?

Aber der Hans Jörg war wohl auch so'n dicker, aufgeblasener Spießer geworden und hatte wohl über der Sorge seines Bauches längst alles andere vergessen!

Noch eine Weile blieb Blücher oben. Er konnte sich nicht vom Blick übers Wasser trennen. Es war wohl ein allerletzter Abschied, den er jetzt nahm.

Endlich wandte er sich zum Gehen.

Da kam dort um die Ecke, gerade auf ihn zu, ein altes Männlein, hüstelnd und sich räuspernd, blieb vor ihm stehen, zog ehrerbietigst die Mütze, blickte aus alten, müden, halberloschenen Äuglein neugierig zu ihm auf, verzog sein gefurchtes, braunledernes Gesicht zu einem breiten, vergnüglichen, aber zugleich verlegenen Lächeln, indes die Zunge hinter den zahnlosen Lippen mühselig nach Worten suchte.

Endlich brachte er die Frage heraus, lange und wollüstig an jeder Silbe lutschend:

"Verzeihen," sagte er, "wollen Ihro Hochgeboren nicht übel aufnehmen, wenn ich wage, gehorsamst eine Frage zu stellen – aber Sie sind ja woll der Durchlauchtigste Feldmarschall Fürst Blücher selbst in persona?"

"Der bin ich!"

"Dachte ich mir auch gleich! Meine Alte las mir nämlich heute früh vom hohen Besuch unserer Stadt aus der Avis vor. Und da dachte ich gleich – da mußt du aber 'raus und nachschauen, ob du ihn nicht auch erwischen kannst. Na, da hätte ich ja Glück gehabt! Nee –", sagte er dann und besah ihn sich gründlich von allen Seiten, "was für'n hoher und durchlauchtiger Herr aus so'n ollen Rostocker Jungen wern kann! Das ist ja woll ganz und gar nicht mehr möglich! An so'n Mirakel hätte wohl keiner von uns damals geglaubt, als wir uns da unten mang die Bretter 'rumtollten. Aber das sind ja olle Kamellen! An die denkt so'n hoher Herr ja woll nicht mehr!"

"Was?" rief Blücher, und starrte den Alten mit unverhohlener Neugier an. "Wer ist denn ... ja, ist das nur möglich –? Das ist ja woll –"

"Jaha," meckerte der Alte und nickte vergnügt, "der Hans Jörg, der bin ich immer noch –"

"Ja, wahrhaftig! Alter Freund! Das war aber eine rechte Freude! Na, da muß ich aber wirklich sagen! Eben stand ich hier und dachte an die alten Zeiten zurück und wunderte mich, wo ihr wohl alle seid, und was aus euch geworden sein könnte! – Wo sind denn all die anderen, der Krischan Faber und Jochen?"

"Die sind all tot! Den Krischan, den haben die Franzosen totgeschossen."

"Na, das hätte er denn mit vielen braven Leuten gemeinsam gehabt. Ich war auch oft nahe dran."

"Na, da hat der Himmel zu unserem Glück Eure Durchlaucht davor bewahrt!"

"Was?! Wie hast du mich genannt? Willst du wohl?!"

"Durchlaucht, sagte ich –"

"Nenne ich dich Durchlaucht? Wie?!"

"Nee, aber ich kann mir doch nicht erlauben –"

"Wenn du der Hans Jörg bist und du erlaubst dir, mich anders als früher zu nennen – nun dann bist du eben nicht der rechte Hans Jörg. Dann fordre ich dich vor die Pistole!"

"Das wäre ja nicht der erste Zweikampf, den wir miteinander ausgefochten haben!" lachte der Alte. "Erinnerst du dich noch, Gebhard, als wir um die Wette nach der Boje da draußen hinausschwammen – ja, die schwimmt da noch – und ich kam zuerst heran."

"I wo!"

"Jawoll, das tat ich. Und das paßte dir nun nicht. Da bist du untergetaucht und hast mich am Bein gepackt und zurückgezogen, und ich drehte mich dann um und versetzte dir eine –"

"Zwei hast du dafür gekriegt."

"Jawoll – zwei – eine Balgerei ging da los, und ich habe dich noch orntlich gedoppt –"

"Das erinnerst du falsch! So war's nicht – sicher nicht."

"Ob's so war? Dadrauf kannst du Gift nehmen, im Schwimmen, da war ich dir über – da frag' nur all die anderen, die werden's bezeugen! Und zuerst kam ich doch an die Boje ran – und zuerst war ich am Land –"

"Na – schneid nur nicht auf! – Ich werd' mir wohl denn schon nichts daraus gemacht haben! Aber, das weiß ich noch bestimmt, im Schwimmen stellte ich meinen Mann, und mach's heute noch!"

"Na – damals bist du aber unterlegen, Gebhard, und das stimmt. Und dann – erinnerst du noch, als wir die große Schlacht auf dem Teutoburger Wald schlugen und du der Hermann warst und ich der Varus? Weißt du noch, wie wir dir alle deine Leute totschlugen und dich dann mit Stricken banden?" –

"Das lügst du!"

"Wahrhaftigen Gottes, das lüge ich nicht. Du siegtest sonst immer, und niederträchtig hast du uns dann immer behandelt! Und da haben wir uns schließlich verschworen und deine Germanen mit Zuckerzeug bestochen – meine ganze Sparbüchse ging drauf! Sie waren aber gern damit einverstanden, ihrem Arminius einen Schabernack zu spielen. Das nächste Mal, als der Kampf losging, da starben sie denn auch richtig wie die Fliegen von dem Zuckerzeug, kaum dass wir sie angesehen hatten! Und da dauerte es nicht lange – da hatten wir auch den Arminius bei den Hammelbeinen und schnürten sie ihm feste zusammen, daran erinnere ich mich noch, als wäre es gestern!"

"Das erinnerst du falsch, Hans Jörg, und das steck' dir hintern Spiegel!"

"Nun, das werde ich wohl wissen, wo ich dich selbst gebunden habe!"

"Das lügst du!"

"Mit 'nem richtigen Schiemannsknoten knüpfte ich dir deine Apostelpferde zusammen. Ich hatte meine Mutter ihre Wäscheleine zu dem Zweck gestibitzt. Ich fühle ja noch die Wichse, die sie mir dafür gab. Und das sollte ich mir nicht richtig erinnern?!"

"Nee – das ist nun und nimmermehr wahr!"

"Dass wir dich banden? Nun, so wahr, wie dass ich hier vor dir stehe!"

"Und wenn du doppelt und zehnfach vor mir ständest, so lügst du doch und lügst doppelt!"

"Ich werde mich wohl von dir einen Lügner schelten lassen!"

"Nun, wenn du einer bist!"

"Selbst bist du einer!"

"Was wagst du!"

"Nun, das fehlte auch noch, dass ich das nicht wagen sollte! Es kann noch besser kommen! Nimm dich nur in acht! Das wäre nicht das erstemal, dass ich dich auf den Rücken lege!"

"Nun schweig aber!"

"Schweig selbst!"

"Wenn du jetzt nicht bald still bist –!"

"Denkst wohl, ich fürchte mich vor dir!"

Hochrot im Gesicht standen die beiden Greise mit erhobenen Händen und zornig funkelnden Augen voreinander.

Da besannen sie sich wieder darauf, dass sie nicht mehr die Schulbuben von Anno dazumal waren, sondern alte, gesetzte Männer im Staate, und brachen plötzlich in ein helles Lachen aus. Sie lachten, dass sie sich auf die Knie schlugen.

"Wahrhaftig," sagte Blücher, "in einem Augenblick sind wir um sechzig Jahre zurückgekommen und zanken uns hier wie die dummen Jungen, die wir waren, und tragen unsere unerledigten Streitigkeiten von damals aus. Ich erinnere mich auch an den Vorfall, als wäre er gestern geschehen. Es war eine Niedertracht von dir, Hans Jörg, und davon gehe ich nicht ab! Aber erinnerst du noch, wie ich da gebunden lag und ihr mich alle fühlen ließet, wie ich euch meistens unter der Fuchtel hatte – erinnerst du, als ihr um mich tanztet und mich verspottetet, wie ich dann auf einmal frei unter euch stand und deiner Mutter Wäscheleine um eure Ohren sausen ließ, und wie ihr da alle lieft und euch wie die Ratten zwischen die Bretterstapel verkrocht? Weißt du das noch?"

"Nun ja – du hattest eben die Leine durchgebissen – ich hab's nachher auf meinem Rücken ausbaden müssen!"

"Das hat dir nichts geschadet! Aber wenn ich an den Sieg denke und an den Triumph – nun, Katzbach war schon eine Sache, und Leipzig auch, von Belle-Alliance und Paris nicht zu reden! Aber der Sieg über euch Rostocker Lausbuben im Teutoburger Wald, hier am Ufer der Warnow – wahrhaftig –, das war doch mein schönster Sieg! Und weil er auch der unblutigste war, müssen wir ihn jetzt ordentlich mit Rebenblut begießen! Gekneipt haben wir ja damals noch nicht. Aber den Weg zu mancher guten Pulle Rotspon habe ich wohl nachher gefunden. Und du schon auch! Komm, Hans Jörg, finden wir den Weg einmal im Leben auch zusammen!"

Arm in Arm zogen sie dann ab. Blücher lang und stattlich und Hans Jörg klein und hüstelnd, aber mit fürstlicher Haltung und mit dem Widerschein all der Siege seines großen alten Kampfgenossen in den Augen. So gingen sie zurück in die gute alte Zeit, aus der sie gekommen waren, und blieben da beisammen und ließen die "ernsthaften" Kämpfe dieser Welt sein, was sie ihnen immer gewesen waren: Schlacken am Gold ihres Kindergemüts.

Inhalt




Erstes Kapitel - Im Adlernest

Zweites Kapitel - Erster Flugversuch

Drittes Kapitel - Der alte Adler

Viertes Kapitel - Im Schatten

Fünftes Kapitel - Aus dem Nest heraus

Sechstes Kapitel - Der Solofänger Nummer Eins

Siebentes Kapitel - Vulkans Schmiede

Achtes Kapitel - "Prüske Dickköppe"

Neuntes Kapitel - Jena

Zehntes Kapitel - Zwei Welten

Elftes Kapitel - Zwischen den Schlachten

Zwölftes Kapitel - Das heilige Donnerwetter

Dreizehntes Kapitel - Das Fell des Löwen

Vierzehntes Kapitel - Der größte Sieg

 

Erstes Kapitel - Im Adlernest



In schnellem Flug huschte dann und wann der schneeweiße Körper einer Möwe vorüber und leuchtete grell gegen das von keinen Wolken bedeckte Blau des Himmels auf. Aber keiner von den drei jungen Leuten, die nebeneinander auf den zusammengerafften Segeln im Boote lagen, drehte auch nur den Kopf, um die Kunststücke des gewandten Luftseglers zu beachten. Sie starrten unentwegt nach dem kleinen dunklen Punkt, der, kaum noch wahrnehmbar, sich hoch in den Lüften bewegte.

"Aufgepaßt!" rief der eine halblaut, "seine Kreise werden enger! Er sieht Beute!"

"Er zielt!" rief der Zweite.

"Er fällt!"

Der schwarze Punkt wurde schnell größer, breitete sich zur Fläche aus, gliederte sich, wurde zum Körper, dessen Kopf, Rumpf, Flügel und Schwanz sich scharf von der klaren Luft abzeichneten. Dann schoß er rasch tiefer, hielt jäh an und stürzte pfeilschnell kopfüber in den See.

Mit einem Ruck schnellten die drei jungen Leute empor, standen da kerzengerade im Boot und blickten dem goldbraunen Körper des Raubvogels nach, der ins Wasser hineinschoß, dass der Schaum hoch aufspritzte. Bald kam er wieder zum Vorschein, hob sich zum Flug und steuerte mit ruhigen, kraftvollen Schlägen seiner mächtigen Schwingen in flacher Bahn der Küste zu, einen großen, silberweißen Fisch in den Krallen mit sich führend.

"Der Adler von gestern!" rief der längste von den dreien. "Ich kenne ihn genau! Die gleiche Größe und Zeichnung! Nicht zu verkennen!"

"Er wird wohl hier in der Gegend nisten!"

"Sicherlich! Denn als er gestern drüben bei Hiddensee fischte, stieg er mit seinem Raub jäh in die Höhe und flog nach Nordost, hierher. Jetzt steuert er flach gegen das Land. Dort auf den Kreidefelsen wird es sein!"

"Schauen wir nach!"

Im Nu saßen zwei an den Riemen, der dritte am Steuer, und von kräftigen Schlägen getrieben, glitt das Boot dem Ufer zu, wo hoch oben auf dem weiß leuchtenden Kreidefelsen ein paar uralte Kiefern wie vorweltliche Riesen ihre knorrigen Kronen aus der saftig grünen Masse des Laubwaldes emporhoben.

Auf diese Bäume setzten sie Kurs. Und lange dauerte es nicht, bis das braungeteerte Boot sich am Geröll des Ufers scheuerte.

Bald war es an Land gezogen, Segel und Ruder versteckt, und die drei Freunde sprangen von Stein zu Stein auf das Gemengsel von Sand, Schlemmkreide und Feuersteinen hinauf, aus dem der schmale Uferstreifen gebildet war, der den Felsenrand vom Wasser trennte.

"In einer der alten Kiefern da oben wird er sein Nest haben!"

"Klettern wir hinauf!"

"Wozu klettern? Weiter nach links weiß ich einen Pfad, der bequem zu steigen ist!"

"Der gerade Weg ist der beste!" antwortete der, der zuerst geredet hatte – ein lang aufgeschossener Jüngling mit Adlernase und dunklen, blauen Augen. Und ohne sich um die anderen zu kümmern, nahm er entschlossen Anlauf, packte mit kräftigem Griff den nächsten Busch, stemmte die Füße gegen die Spalten und Vorsprünge des Felsens, nahm im ersten Ansturm die halbe Höhe und blieb da auf einem breiteren Vorsprung stehen und blickte hinauf.

"Da ist er wieder!" schrie er und zeigte auf den Adler, der in raschem Flug wieder seewärts steuerte. "Was sagte ich? Sein Nest ist hier!"

"Vorwärts nur!"

Ein paar kräftige Klimmzüge, ein Keuchen und Fluchen, wenn der Fuß einmal ausglitt und Steine und Sand prasselnd in die Tiefe schickte, dann waren sie oben und fanden da den Dritten im Bunde lachend vor. Denn der bequemere, wenn auch längere Pfad hatte ihn doch zuerst ans Ziel geführt.

"Lache nur!" rief der Lange. "Hier wärest du nimmermehr heraufgelangt!"

"Wozu denn Wände hochsteigen, wenn es auch so geht?" antwortete der andere, ohne sich aus der guten Laune bringen zu lassen.

"Um auf dem geraden Weg zu bleiben! Umwege sind Abwege!"

Damit drang er den anderen voran durch den Laubwald nach der Anhöhe, wo in einsamer Majestät eine alte Kiefer thronte. Das Adlernest hatte er bald herausgefunden. Aber wie hinaufkommen? Der riesige, mannsdicke Baum, der es trug, hob sich wie eine Säule zu mächtiger Höhe. Sein von Wind und Wetter glattpolierter Stamm bot dem Kletternden fast gar keine Stützpunkte.

"Wo du da einen bequemeren Umweg finden willst, möchte ich nur wissen!" rief der Lange.

"Freund Diercks klettert auf die Bäume wie ein Affe, Bruder!" antwortete der zweite der beiden Bergsteiger. Und Diercks, der seine Kräfte vorhin geschont hatte, spuckte in die Hände, packte den Baumstamm, umschlang ihn mit Armen und Beinen und schob sich so langsam daran hoch, jede Muskel des stämmigen Körpers auf das Äußerste anspannend. Endlos schien es den Untenstehenden, bis sie ihn den Arm über den ersten Ast der Krone schieben sahen, um mit Aufbietung der letzten Kraft den Körper hinaufzuziehen.

Einen Augenblick blieb er sitzen, um Atem zu schöpfen, dann ging es weiter von Ast zu Ast, bis an das Adlernest heran. Ein Blick hinein, ein Aufschrei!

"Gebhard! Siegfried! Ein ausgewachsener Adler!"

"Schon flügge?"

"Sicher! Aber er scheint noch keine Ahnung davon zu haben! Er liegt ganz still!"

"Wirf ihn herunter!"

Einen Augenblick wurde es still da oben. Dann kam ein Aufschrei: "Verflucht! Den Schnabel weiß er schon zu brauchen!"

Dann hörte man nichts mehr als das Geräusch eines zähen Kampfes. Trockenes Reisig und Grasbüschel flogen aus dem Neste zu den Wartenden hinunter, und zuletzt sauste, mit kräftigem Schwung geschleudert, ein fast ausgewachsener junger Adler herab. Zunächst fiel er in schwindelnder Fahrt, dann auf einmal breitete er mit gellendem Aufschrei die Flügel aus, und zum ersten Male trugen sie den Körper in sanftem Flug hinunter und landeten ihn unweit der unten Harrenden. Einen Augenblick blieb er betäubt liegen, dann wurde er von vier kräftigen Fäusten gepackt und ihm eine Kappe über den Kopf gezogen.

Sein Bezwinger war unterdessen heruntergerutscht und kam jetzt heran.

"Den Vogel nehme ich mit nach Hause!" sagte er. "Da ich ihn fing, ist es nur billig, dass ich ihn behalte!"

"Wo willst du ihn bei euch hintun?"

"In den Hühnerstall, bis ich ihm einen Käfig gebaut habe!"

"Einen Adler in den Hühnerstall tun?" rief Gebhard, der längere von den beiden Brüdern, entrüstet. "Das geschieht nie und nimmer!"

Und ehe die anderen es sich versehen konnten, riss er die Kappe vom Kopf des Adlers fort und warf den Vogel in die Luft.

"Gebrauche deine Flügel, jetzt wo du weißt, wozu sie taugen!" rief er.

Der Adler machte ein paar ungelenke Bewegungen mit den Schwingen und setzte sich in einiger Entfernung wieder auf den Rasen, nahm aber dann, von seiner Angst getrieben, noch einmal Anlauf. Zwei, drei Schläge nur mit den Flügeln, und die Unsicherheit war verschwunden, er wagte den Flug und schraubte sich in sanftem Bogen um den Baum herum, bis er ins Nest hineinblicken konnte. Dann war er mit einer schnellen Bewegung darüber und ließ sich rasch hineinsinken.

"So!" sagte Gebhard und zog seine frei gewordene Kappe wieder über die Locken. "Vor dem Hühnerstall wären wir bewahrt!"

"Du bist nur neidisch," murrte sein Freund, "weil du ihn nicht selbst fangen konntest!"

"Dafür konnte ich ihm die Freiheit geben!" sagte Gebhard, und es wetterleuchtete vor trotzigem Stolz in seinen dunklen Augen. "Frei wie die Luft, die er atmet, muß der König der Lüfte sein! Ich mußte ihm da helfen. Und ich täte es nochmals, ob's dir paßt oder nicht! Da" – er zeigte landwärts auf die Wiese unterhalb des Berges –, "da fliegen andere Vögel, die nicht dem Himmel so nahe kommen. Fang' dir die ein!"

"Die schwedischen Husaren!" rief Diercks und vergaß über dem Anblick den Adler und seinen Ärger über Gebhards eigenmächtigen Eingriff in seine wohlerworbenen Rechte. Er jauchzte laut den blaugelben Reitersleuten zu, die aus dem Wald heraufsprengten, um in wildem Galopp über die Ebene hinwegzusausen.

"Den Flug machen wir mit!" rief er. "Die holen wir noch ein! Rasch, fangen wir ein paar von Vaters Pferden unten auf der Wiese ein und setzen wir ihnen nach!"

Gesagt, getan! Die drei unternehmungslustigen jungen Leute hatten sich bald je ein Pferd eingefangen und ritten, statt den Reitern auf dem großen Fahrwege über Altenkirchen zu folgen, auf ihren ungesattelten Pferden querfeldein nach der Wittower Fähre hin, wo sie gleichzeitig mit den Husaren anlangten.

Diercks fand unter ihnen seinen Bruder vor, der bei den Schweden diente, und viele Bekannte und Freunde außerdem. Über den Zweck des Streifzuges: nach dem Gang der Aushebung auf Rügen zu sehen, wurde er gleich aufgeklärt, und bald plauderten sie über die Aussichten Schwedens, seine pommerschen Grenzen im Kriege gegen Preußen zu verbessern. Denn als Schirmherr des Westfälischen Friedens hatte Schweden sich den Feinden Friedrichs des Großen angeschlossen, die ihn an seinem kühnen Unternehmen hindern wollten, die Landkarte für sich bequemer zu gestalten. Er hob also auch in seinen deutschen Provinzen Kriegsvolk aus. Und da waren die drei waghalsigen Reiter kein unwillkommener Zuzug zu der Schar, durften sich also ohne weiteres anschließen, und trabten vergnügt mit auf dem Wege nach Bergen, bis Venz in Sicht kam. Dort verabschiedeten sich die beiden Brüder von den anderen und ritten nach dem Gutshof hinauf, wo sie bei ihrem Schwager zu Gast waren. Ihr Freund dagegen folgte den Husaren, nicht ohne den lebhaften Neid seiner beiden Gespielen zu erregen, die gern noch weiter mitgeritten wären.

"Weiß Gott," sagte der jüngste, "mir ist's, als gehörte ich zu dem Kriegsvolk und müßte mit, gleichviel wohin! Wäre ich schon siebzehn, wie du, ich ließe mich anwerben!"

"Ich besorg's dir, Gebhard und mir auch!"

"Die Schulbank zu drücken habe ich satt! Wozu auch, wo's Pferde gibt? Aber nichts dem Schwager verraten!"

"Ich werde mich hüten! Der schickt mich dann gleich zurück nach der Schweriner Pagenschule, auf dass ich bei den Mecklenburgern graue Haare kriege, ehe ich ein Offizierspatent bekomme! Da möchte ich nicht dienen!"

"Ich auch nicht!"

"Bei den Preußen aber noch weniger! Ich danke für die Fuchtel Fritzens!"

"Ich auch!"

"Bei den Schweden reitet sich's viel freier und lustiger!"

"Gehen wir zu den Schweden!"

Nachdem sie so im Fluge mit echt jugendlicher Sorglosigkeit diese nicht ganz unwichtige Lebensfrage erledigt hatten, sprangen sie von den Pferden, trieben sie wieder auf die Weide und gingen zum Gutshof hinauf, um den Rest des Tages irgendwie totzuschlagen.


* * * * *


In der darauffolgenden Nacht hatte Gebhard einen sonderbaren Traum.

Von scharfen Krallen an der Brust gepackt, wurde er plötzlich von der Erde gehoben und hoch durch die Lüfte getragen. Schwindelnd schloß er die Augen, sein Atem stockte, sein Herz schlug immer stärker und stärker. Schließlich ging die Aufwärtsbewegung in ein langsames Sinken über, die Krallen ließen ihn los; er fiel, stieß sanft auf den Boden auf, öffnete die Augen und sah über sich den großen Adler kreisen, hörte dessen gellende Schreie, die zu Worten wurden. Und die Worte wiederholten kurz, schneidend, immer wieder seine beiden Vornamen: Gebhard Lebrecht, aber in verkehrter Weise.

"Leb–hart! Geb–recht!

Leb–hart! Geb–recht!" so kreischte es aus der Höhe. Und der Adler zog immer weitere Kreise, stieg immer höher und verschwand schließlich im tiefen klaren Blau des Himmels, das sich über ihm wölbte, von rotbraunen, knorrigen Ästen und blaßgrünen Kiefernadelbüscheln umkränzt.

Er atmete befreit auf, streckte sich auf dem Lager aus und fand es ganz wie es sein sollte, dass er da oben im Adlernest auf trocknem Gras und Reisig ruhte, statt in seinem Bett.

Dann setzte er sich auf und blickte neugierig über den Rand des Nestes hinaus, sah unter sich wogende Laubkronen, Felder und Wiesen, schneeweiße Kreidefelsen und weit in der Ferne, mit dem Himmel zusammenfließend, das endlose blaue Meer.

Und der Baum wuchs und schob seine Krone mit dem Adlernest immer höher in die schimmernde, klare Luft hinauf. Immer weiter wurde der Rundblick, die Insel ringsumher immer kleiner und kleiner. Frei und unbehindert sah Gebhard über das jenseitige Land hinaus, sah Städte, Burgen, Häfen, Wälder, Felder und Wiesen, Flüsse und Kanäle und weit in der Ferne schneeige Gipfel in Sonnenlicht gebadet.

Sein Herz schwoll im starken Glücksgefühl, mit dieser ganzen Herrlichkeit eins zu sein und fest in diesem Boden zu wurzeln. Wonnetrunken ließ er die Blicke immer weiter schweifen, gen Morgen, über das Meer hinaus, wo mächtige Knäuel leuchtenden Dunstes, zu einer gewaltigen Wolkenwand zusammengeballt, in den Strahlen der sinkenden Sonne goldrot aufleuchteten, während von Westen her ein stickiger, schwarzer Nebel langsam herankroch und die ganze strahlende Herrlichkeit zu verdecken begann. Immer mehr verschlang der Nebel von den gesegneten Gestaden, an deren Anblick er sich soeben ergötzt hatte. Bald würde er den Baum erreichen und sein Adlernest und ihn selbst mit einer undurchdringlichen Nebelkappe überziehn.

Eine quälende Angst beschlich ihn. Er blickte hinauf, mit der letzten Kraft seiner Augen das schwindende Licht trinkend. Da sah er den Adler heransausen, hörte wieder sein gellendes Gekreisch:

"Geb–recht! Leb–hart!

Geb–recht! Leb–hart!"

Und der junge Adler, dem er die Freiheit wiedergegeben hatte, war auch dabei. Er tummelte sich in den Lüften, in stolzem Bewußtsein, ganz wie der Alte seine Schwingen gebrauchen zu können, und schrie vor Gier danach, seinen Hunger zu stillen. Mit Windeseile schossen sie auf den im Neste Liegenden herab und gruben ihre Schnäbel in seine Brust. An sein Herz wollten sie heran! Ein mutiges Herz war die rechte Speise für den König der Lüfte! Das Herz wehrte sich aber und flog wie ein gefangener Vogel zwischen den Stäben seines Rippengehäuses hin und her, um sich dem Griff des scharfen Adlerschnabels zu entziehen. Aber das Raubtier ließ nicht von seiner Beute! Immer tiefer wühlte sich sein Schnabel zwischen die Rippen hinein und versuchte das Herz aus seinem Käfig zu reißen. Das Herz aber war tapfer, krampfte sich zusammen und zog den Kopf des jungen Adlers immer tiefer hinein. So kämpfte sein Herz mit dem Raubtier, stählte sich am Kampfe und wurde kräftiger und stärker, bis es ihm schließlich gelang, mit einem gewaltigen Ruck den jungen Adler zwischen die Rippen hineinzuziehen. Und da saß er nun im Brustkorb gefangen wie hinter dem Gitter eines Käfigs, an Stelle des Herzens, das er mit letzter Anstrengung verschlungen hatte. Das Herz pulsierte wohl noch voller Sehnsucht wie vorhin. Aber seine Sehnsucht hatte jetzt die Schwingen des Adlers bekommen und Kraft, ihn hoch über alle Erdenschwere hinauszutragen.

Er brauchte nur zu wollen. Und im nächsten Augenblick stand er drüben auf der gewitterschwangeren Wolkenwand, die sich immer noch hoch über Land und Meer und über allen quälenden Nebeln erhob. Mit Riesenkräften packte er sie und preßte sie zusammen; Blitze zuckten, die Donner grollten, und vom Feuer des Himmels verzehrt, löste sich der schwarze Nebel auf, der schon die Herrlichkeit des ganzen Landes bedeckt hatte, und alles lag wieder im stillen Glanz, befreit da, von der Abendröte umglutet.

Aber hoch über ihm, dem es im Traum gegeben wurde, die Blitze des Himmels zu schleudern, kreiste der Aar, dessen Junges ihm ans Herz gewachsen und zum zweiten Herzen geworden war. Und gellend wie die Kriegstrompete schmetterte er sein Gekreisch in die Lüfte hinaus:

"Leb–hart! Geb–recht!

Leb–hart! Geb–recht!"


* * * * *


Er erwachte jäh und lag noch lange, ehe es ihm klar wurde, dass es nur ein Traum gewesen war und dass er in seinem Bette lag in seiner Schwester Haus zu Venz auf Rügen und nicht im Adlernest draußen auf den Felsen von Stubbenkammer. Und er starrte seinen Bruder Siegfried fragend an, der lange draußen seinen Namen gerufen hatte und jetzt mit Freund Diercks hereinstürmte, um ihn aus dem Schlafe aufzurütteln.

"Auf!" riefen sie, "heraus aus dem Nest! Heute fangen wir den jungen Adler wieder ein!"

"Den Adler?" fragte Gebhard und rieb sich die Augen und griff sich an die Brust, wo er ihn hineingeträumt hatte. "Meine Mütze zieht ihr ihm aber nicht mehr über den Kopf! Das gibt dann wieder Träume, wenn ich sie aufsetze!"

Er sprang aus dem Bett, schlüpfte in die Kleider, gab sich kaum noch Zeit, den bereitstehenden Morgentrunk zu schlürfen, sagte seiner Schwester rasch guten Morgen und war eben im Begriff, den anderen auf neue Abenteuer zu folgen, als sein Schwager, der Kammerjunker von Krackwitz, ihn aus dem Fenster seines Arbeitszimmers rief.

"Ihr müßt euch heute ohne Gebhard behelfen", sagte er, ohne ihren langen Gesichtern Beachtung zu schenken. "Ich brauche ihn hier!"

Dagegen war nichts zu wollen. Gebhard mußte mit sehnsüchtigen Augen die anderen abziehen sehen und ging dann zu seinem Schwager hinein.

Der Kammerjunker war ein solider, ehrenfester Mann, ohne jeglichen Hang zu abenteuerlichen Träumereien, stand mit beiden Füßen fest auf dem Boden realer Tatsachen und packte das Leben von der nützlichen Seite an, wie sich's für einen Mann von Grundsätzen gehört.

Nach gebührender Hervorhebung des Umstandes, dass er gewissermaßen an Vaters Stelle stünde, nachdem er Gebhard in seinem Hause aufgenommen hatte, führte er dem jungen Schwager zu Gemüt, er dürfe das Leben nicht zu sehr auf die leichte Achsel nehmen. Er sei bereits sechzehn, also in einem Alter, wo der Ernst des Lebens zu beginnen und das Spiel aufzuhören hätte! Ob er sich schon Gedanken über die Zukunft gemacht habe? Und was er wohl zu werden gedenke?

"Soldat wie der Vater und die Brüder!"

Das wäre ja alles gut und schön! Aber – wo er der Jüngste unter sieben Brüdern sei, die alle dienten! Und bei dem beschränkten Einkommen seines Vaters? Ohne Zuschuß vom Vater könne er nicht daran denken, auf der Offizierslaufbahn vorwärts zu kommen!

"So hilf du mir!"

Dem wäre er wohl nicht abgeneigt! Aber gegen die militärische Laufbahn hätte er seine Bedenken! Erstens gehöre Rügen zu Schweden. Er wäre also Schwede und könnte ihn wohl durch seinen Einfluß in schwedischen Diensten vorwärtsbringen! Aber – das hätte seine zwei Seiten! Mit der schwedischen Macht ginge es abwärts. Lange würden die Schweden ihre deutschen Besitzungen nicht mehr behaupten können! Eines Tages käme man unter andere Herrschaft, und er hätte dann von vorne anzufangen. Denn lieber gar nicht! Lieber Landwirt werden! Da könne er besser helfen! Er würde ihn in allen Stücken unterrichten und ihm dann helfen, eine einträgliche Pachtung zu bekommen, damit er auf eigene Beine käme im Leben! Das wäre doch die Hauptsache! Und hätte er dann noch das Glück, eine Frau zu finden, die auch nicht mit leeren Händen käme, dann wäre er sein eigener Herr. Und dann – wenn's nicht anders ginge, und wenn die Lust in ihm übermächtig werden würde –, dann wäre es immer noch Zeit, zur Fahne zu gehen! –

Bei der Rede des Schwagers wurde es ihm zumute wie gestern, als er die Gespielen davon sprechen hörte, den jungen Adler in den Hühnerstall zu sperren. Alles in seinem Innern lehnte sich dagegen auf.

Die graue Alltäglichkeit eines unbemerkten Schicksals sagte ihm wenig zu. Im Spiele mit den Rostocker Bürgerssöhnen war er stets der Führer gewesen, der sie alle anfeuerte, allen voranstürmte und die Palmen des Sieges an sich riss! Nur so und nicht anders konnte er sich das Leben denken! Aber tagaus, tagein hinter dem Pfluge torkeln, das sagte ihm ganz und gar nicht zu. Er antwortete nicht. Und der Schwager, der sah, wie schwer ihm die Entscheidung wurde, drang nicht weiter in ihn, sondern machte ihm nur den Vorschlag, vorläufig auf seinem Gute alles zu erlernen. Er setzte ihm sogar ein Gehalt aus, sobald er sich eingearbeitet haben würde, und lud ihn zu einem Ritt durch die Felder ein, um erst alles in Augenschein zu nehmen.

Gebhard folgte ihm schweigend.

Kaum saß er aber im Sattel, so war die Mißstimmung verflogen. In der Phantasie trabte er jetzt nicht aus, um die Erdarbeiter zu inspizieren, sondern stürmte an der Spitze einer Schar Reiter auf den Feind los. Und der Schwager hatte Mühe, ihm zu folgen.

Als sie nach einem erfrischenden Ritt zurückkehrten, strahlten Gebhards Augen wieder in voller Lebenslust, seine Stirn war klar. Er tat sich gütlich bei einem reichlichen Mittagsmahl und empfing so den von der Adlerjagd zurückkehrenden Bruder. Der hatte geholfen, den jungen Adler wieder einzufangen. Und Freund Diercks hatte den Wildvogel geradeswegs nach Gagern gebracht, damit Gebhard ihm nicht wieder die Freiheit gäbe!

Abends aber, als sie zu Bett gingen, flüsterte ihm der Bruder etwas zu, das sein Blut in Bewegung brachte.

"Morgen in aller Früh', ehe der Schwager munter wird, geht's nach Bergen!"

"Nach Bergen?"

"Ja, zu den Husaren! Ich lasse mich bei den Schweden einstellen! Du auch!"

"Ist es denn möglich?"

"Diercks hat es mit mir ausgemacht. Er will auch selbst Handgeld nehmen, wie sein Bruder!"

"Was wird der Vater sagen?"

"Gar nichts! Und wenn schon –, sobald wir Handgeld genommen haben, nützt es ihm nichts!"

"Aber der Schwager?"

"Der wird schon aufbegehren! Aber das geht uns nichts an! Mit dem werden wir schon fertig!"

"Denkst du, dass man uns nimmt? Bin ich nicht zu jung?"

"Keinesfalls! Auf das Körpermaß kommt es an, und das hast du! Ich weiß außerdem, dass man uns will!"

"Ganz gewiß?"

"Ganz bestimmt! Gestern, als wir uns von den Husaren trennten und nach dem Gasthof galoppierten, da sagte der Hauptmann zu Diercks: 'Die beiden Jungen hole ich mir noch! Sie reiten ja wie die Deibel!' Und er mußte ihm versprechen, uns morgen zu ihm nach Bergen zu bringen! Ich gehe auf alle Fälle hin!"

Gebhard sagte nichts. Er ging anscheinend ruhig zu Bett. Aber er vermochte kein Auge zuzutun. Er war jetzt am Scheideweg, wo es galt, entweder den breiten gesicherten Weg zu wählen, den ihm der Schwager wies, oder den Weg seiner Träume, deren Ziel er noch nicht sah, auf den es ihn aber mit aller Macht hintrieb. Lange lag er da und sann. Plötzlich setzte er sich im Bett auf. "Was ist aus dem Adler geworden?" fragte er.

"Der Adler?" antwortete der Bruder halb im Schlaf. "Den wollte Diercks mit einer Kette an einem Pfahl im Garten anschließen, bis sein Käfig fertig wird!" Und damit schlief er ein.

Als Gebhard aber den Bruder fest schlafen hörte, stand er auf, zog sich rasch an, schlich leise aus der Kammer hinaus, die Treppe hinunter, durch den Garten und auf den Weg nach Gagern. Dort schwang er sich über den Gartenzaun und fand schnell den Pfahl, an den der Adler gefesselt war. Mit einer mitgeführten Kneifzange hatte er bald das Fußeisen durchschnitten, ergriff den Vogel, warf ihn in die Luft und sah, wie er auf mächtigen Schwingen durch die Nacht davonschwebte. Unbemerkt, wie er gekommen, ging er dann wieder nach Hause, schlüpfte rasch ins Bett und schlief bald ebenso fest wie der Bruder – jetzt aber ohne zu träumen.

Zweites Kapitel - Erster Flugversuch



"Blitz und Donner!" fluchte der Wachposten am Eingang zum Zeltlager, das sich am Waldessaum breitete. "Hier kann einer tagaus, tagein sich mit dem saudummen Postenstehen die Beine in den Leib treten! Himmeldonnerwetter! Wer endlich einmal dreinhauen dürfte! Zu denken, was ich alles an Beute gemacht hätte – von den Gefangenen nicht zu reden! Leutnant hätte ich schon sein können – Rittmeister sogar – wer weiß, vielleicht bald General! Man hat's gesehen!"

"Sachte, sachte!" mahnte ein alter Graubart, der am Schilderhaus lehnte, nahm die Pfeife aus dem Mund und klopfte sie an der Stiefelsohle aus. "Als ich dereinst ins Feld zog, da hatte ich wohl auch wie du den Marschallsstab im Tornister, obwohl ich bloß ein Trommlerjunge war. Und so muß es sein. Die wenigsten erwischen ihn aber! Mir gelang's schon! Dass ich aber auf meinen alten Tag nur Futtermarschall beim Regiment werden sollte – darauf hätte ich damals nicht schwören mögen!"

Er schwieg plötzlich, hielt die Hand vors Auge und blickte über die Felder hinaus, zwischen denen sich die Landstraße heranschlängelte. Ein plötzliches Klappern von eilenden Hufen hatte seine Aufmerksamkeit geweckt.

Der Wachposten hielt in seinem Hin- und Hertrotten inne und blickte auch hin.

"Ein durchgegangenes Pferd!"

"Wenn der sich nicht das Genick bricht!"

"Himmelsakra! Hecke und Graben im Flug genommen! Ratsch über die Wiese!"

"Jetzt klabastert's schon auf der Landstraße! Das weiß den Weg nach deiner Futterkiste!"

"Dann wird's auch wissen, wie leer sie ist! Heißa! Hussassah!" schrie der Alte und trat zur Seite. Denn jetzt sauste es heran mit rasender Schnelligkeit. Dann: ein Ruck – alle viere in die Erde gestemmt – den Reiter in elegantem Bogen abgeschleudert und – war's Zufall, war's Instinkt – still stand es gerade vor dem Futtermarschall, zitternd, schaumbedeckt und leise wiehernd, als ahne es dessen nahe Beziehung zum Hafertrog.

Die beiden Husaren hielten sich die Seiten vor Lachen.

"Habt Ihr's aber eilig, junger Herr!" sagte der Alte.

"Ich habe nur Eure Fahne gegrüßt!" sagte Gebhard, der schon wieder auf den Beinen war, und zeigte auf das blaugelbe Tuch, das über ihren Häuptern flatterte. Denn er und kein anderer war's, der in dieser übereilten Weise das schwedische Lager gestürmt hatte. "Die anderen sind aber gehörig nachgeblieben!" fügte er hinzu und blickte über den Weg hinaus. "Sie haben's nicht gemerkt, als ich ihnen ausgerückt bin. Der Adebar auf der Wiese, der paßte aber auf, ließ dicht hinter mir ein Klappern steigen, und mein Brauner legte gleich los wie gestochen!"

Er versetzte dem Pferd einen Klaps auf die Lende, ging dann herum, faßte es beim Kopf und blies ihm beruhigend in die Nüstern.

"Ein Angsthuhn bist du", gab er ihm kosend seinen Denkzettel und wandte sich dann an den Alten mit einer Frage nach der Regimentsschreiberei.

"Ihr wollt Euch als Rekrut bei uns eintragen lassen?"

"Das stimmt! Zeige mir nur den Weg!"

"Kehrt lieber um! Oder, meinetwegen, geht zu den Preußen! Bei uns ist für Euch kein Fortkommen! Das heißt, wenn Ihr vorwärts wollt! Rückwärts reiten wir schon!"

"Halt's Maul!" rief der junge Husar ärgerlich. "Und paß auf, was du redest! Wer wird sein eigenes Nest beschmutzen!"

"Ich nicht! Durch mich wurde es nicht beschmutzt! Durch dich auch nicht, obwohl du auch weidlich schimpfst!"

"Ich?!"

"Eben du! Und solange ich dich kenne! Bist Husar, bist ein Reitersmann und hast kein Pferd, wie so viele vom Regiment! Und du kriegst auch keins, wie brav du auch schimpfst! Und – wie schaut's mit der Montierung aus?"

"Kann ich dafür, dass die Offiziere das Geld für die Ausrüstung am Spieltisch vertun?"

"Nein! Aber du kannst deinen Schnabel halten, statt von deinen Vorgesetzten schlecht zu reden!"

"Wie redest denn du?!"

"Mein Reden ist eines Mannes Rede! Aber du, Lausbub, hast das Maul nicht so weit aufzureißen! Erst etwas mitmachen und dann reden! Ich," – der Alte richtete sich auf und schlug sich auf die Brust, "ich war mit bei Narwa, bei Riga, bei Clissow und Holofzin – leider aber auch bei Pultawa! Als Trommlerjunge zog ich aus mit König Karl dem Zwölften, Gott hab' ihn selig" – er zog ehrfurchtsvoll den Hut bei Nennung des Königs. "Mit ihm zog ich aus, um den Moskowiter zu verprügeln, und machte das ganze tolle Abenteuer mit bis zum Kalabalik in Bender. Der große Krieg mit dem Moskowiter und dann mit den Polacken, das war der Anfang vom Ende. Dir wünsche ich, dass du den Schluß nicht sehen mußt. Denn er wird uns wenig Ehre bringen!"

Der Wachtposten machte achselzuckend kehrt und fing wieder sein Hin- und Herwandeln an.

"Kann ich dafür, dass die Offiziere das Geld für die Ausrüstung am Spieltisch vertun?"

Gerhard stand da, das Pferd am Zügel, und fragte nochmals ungeduldig:

"Der Weg nach der Regimentsschreiberei?"

Der Alte beachtete die Frage kaum, setzte sich gemächlich auf einem Feldstein zurecht, zog den Tabaksbeutel, stopfte die Pfeife, schlug Feuer, setzte sie in Brand und zeigte auf die Fahne, deren tiefblaues Tuch sich in wogenden Wellenlinien warf. Sie breitete sich aus, ließ ihr gelbes Kreuz in der Sonne aufleuchten und sank dann in sanft weichenden Buchten zurück, um wieder Wind zu fangen und von neuem das Spiel zu beginnen.

"Die Fahne," sagte der Futtermarschall, "die kann sich schon sehen lassen! Auf die könnt Ihr stolz sein, aber nicht auf die Regierung, die heute ihre Ehre so mäßig schirmt! Einst – so vor hundertundfünfzig Jahren war's wohl –, da flatterten die blauen Fahnen mit dem gelben Kreuz lustig übers Meer hinaus. Nach allen Richtungen hin flogen sie, als wollten sie den schäumenden Fluten Eystrasalts zurufen: 'Fortan seid ihr schwedisch – die ganze Ostsee ist von jetzt ab ein schwedischer Binnensee!' Als ich mit dem hochseligen König Karl" – er zog wieder den Hut – "in den Krieg zog, da hielten wir noch das ganze Land um die Ostsee herum. Als wir aber nach achtzehn Jahren wieder geschunden nach Hause zurückkehrten – da wagte die blaugelbe Fahne sich kaum noch im Baltikum zu zeigen, die moskowitischen Mordbrenner verheerten aber lustig die schwedischen Küsten, und rein aus Gnaden ließ man uns beim faulen Friedensschluß das bisschen Pommern und die Insel. Und die sollen wir jetzt auch noch verlieren! Zu dem Zweck ziehen wir jetzt mit leeren Kriegskassen, auf lahmen Pferden hinaus in den Krieg! Und das wollt Ihr, junger Herr, noch mitmachen?!"

"Den Weg nach der Regimentsschreiberei will ich wissen, weiter nichts!" rief Gebhard nochmals ungeduldig und schlang die Zügel um das Handgelenk.

"Ich werde Euch schon den Weg zeigen! Aber wißt Ihr auch, warum Ihr ihn gehen werdet?"

"Warum denn sonst! Um mich bei euch Schweden als Kämpfer anwerben zu lassen!"

"Als Kämpfer wofür?"

"Für die Krone Schwedens –"

"Für die kämpfen wir Schweden längst schon nicht mehr! Wir führen nur noch die Kriege der anderen Mächte – bald Englands, bald Rußlands, bald Frankreichs, je nachdem – und tun es auch jetzt, nachdem jene Mächte unseren Reichsrat gekauft haben, und ziehen gegen Preußen und gegen den Schwager unseres Königs, weil – nun eben weil unser König eine Schlafmütze ist!"

"Du sollst wider die Majestät unseres allergnädigsten Herrn nichts sagen!" rief die Schildwache ärgerlich und blieb vor dem Futtermarschall stehen. Der aber ließ sich nicht dreinreden.

"Ich pfeife auf solche Herrschaft", rief er. "Das ganze Land lacht über den dicken Holstein-Gottorper, dem die Zarin unsere Königskrone über die Nachtmütze stülpte, weil er ihr Neffe war!"

"Halt's Maul!"

"Den Weg nach der Regimentsschreiberei?" rief Gebhard immer ungeduldiger.

"Wartet lieber ab, bis unsere Regimentsschreiberei in Preußen steht!" murrte eigensinnig der Alte, "denn so wird's bald kommen!"

"So wird's nicht kommen! Himmelkreuzdonnerwetter noch einmal!" schrie der junge Husar wütend. "Sorgt nur für gute Pferde, setzt uns Jungen in den Sattel und gebt uns Leute an die Spitze, die reiten können, dann sollt Ihr was erleben! Mordselement, Herr! Hört nicht auf den Unglücksraben! Geht nur immer in die Regimentsschreiberei! Geradeaus geht der Weg, dann links in die erste Gasse gebogen, und dann fragt Euch vor! Und Gott befohlen!"

Gebhard hörte den Abschiedsgruß nicht mehr. Er saß schon im Sattel und galoppierte ins Zeltlager hinein, gerade als sein Bruder und sein Freund unten auf der Landstraße zum Vorschein kamen, ihren Pferden die Sporen gaben und ihm in vollem Trab nachsetzten, ohne sich um den Anruf der Torwache zu kümmern.


* * * * *


War das eine Jagd! Über Felder und Wiesen flogen die Sturmvögel des Alten Fritzen – seine schwarzen Husaren, mit dem Totenkopf an der Stirn – auf die Landstraße zu, um die Schweden abzuschneiden, ehe sie zur Brücke gelangten.

Eine kleine Patrouille der Blaugelben nur war es, aber gut beritten.