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Karen Rose Smith, Natalie Patrick, Karen Toller Whittenburg

Ein Millionär zum Verlieben, Band 177

IMPRESSUM

BIANCA EXKLUSIV erscheint im CORA Verlag GmbH & Co. KG,
20350 Hamburg, Axel-Springer-Platz 1

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Brieffach 8500, 20350 Hamburg
Telefon: 040/347-25852
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© by Karen Rose Smith
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.
Deutsche Erstausgabe 2004 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg

© by Luanne Jones
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.
Deutsche Erstausgabe 2000 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg

© by Karen Toller Whittenburg
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.
Deutsche Erstausgabe 1997 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg

Fotos: RJB Photo Library

© by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg,
in der Reihe BIANCA EXKLUSIV, Band 177 - 2008

Veröffentlicht im ePub Format im 04/2011 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

eBook-Produktion: , Pößneck

ISBN 978-3-86349-551-0

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.
CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Führung in Lesezirkeln nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlages. Für unaufgefordert eingesandte Manuskripte übernimmt der Verlag keine Haftung. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

 

KAREN ROSE SMITH

PLÖTZLICH SPIELT MEIN HERZ VERRÜCKT

Jenna freut sich unendlich, denn sie ist schwanger! Doch was für ein Schock, als sie erfährt, dass es bei der künstlichen Befruchtung zu einem Irrtum gekommen ist. Nicht ihr verstorbener Mann ist der Vater des Kindes, sondern der reiche Blake Winston. Und der will auf keinen Fall auf das Baby verzichten. Deshalb macht er einen ungewönlichen Vorschlag …

NATALIE PATRICK

MEIN HERZ KANN MAN NICHT KAUFEN

Becky kommt sich fast vor wie Aschenputtel: Als sie zum Geldverdienen in die große Stadt kommt, begegnet sie zufällig dem Millionär Clark Winstead – und verliert sofort ihr Herz an den attraktiven Single. Mit ihm könnte sie sich wunderbar eine gemeinsame Zukunft vorstellen. Nur leider stößt sie bei Clark immer wieder auf ungeahnte Widerstände …

KAREN TOLLER WHITTENBURG

WEISSE SPITZE FÜR DIE BRAUT

Hätte Sara doch nur der Versuchung widerstanden, das Brautkleid anzuziehen, das ihr die Reinigung versehentlich geschickt hat! Dann müsste sie sich nicht in einem Kleiderschrank vor West verstecken, den sie für sich gewinnen wollte. Und sie wäre Ben nicht zu nahe gekommen, den sie für einen Boten der Wäscherei hielt. Nun steckt Sara in einer süßen Klemme …

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Karen Rose Smith

PLÖTZLICH SPIELT MEIN HERZ VERRÜCKT

1. KAPITEL

Wie sie alle hier anstarrten!

Als sie von der Empfangsdame in den großen Konferenzraum geführt wurde, hatte Jenna Winton eine böse Vorahnung, die ihr wie ein Schauder über den Rücken lief. Instinktiv legte sie eine Hand auf ihren runden Bauch. Heute Morgen hatte sie zum ersten Mal ihr ungeborenes Baby gespürt, fast zaghaft hatte es gegen ihre Bauchdecke getreten. Ihr Baby … es war schon jetzt zum Mittelpunkt ihrer Welt geworden – einer Welt, die heute in besserer Ordnung war als noch vor eineinhalb Jahren, als B.J. starb. Und dennoch …

Der Anruf der Emerson Fertility Clinic – dort hatte man sie mit den Spermien ihres verstorbenen Mannes befruchtet – hatte sie erreicht, noch bevor sie angezogen gewesen war. Die Klinik hatte sie um dieses Gespräch heute Nachmittag gebeten. Leider konnte oder wollte die Sekretärin ihr nicht sagen, worum es ging.

Als sie jetzt in die Gesichter schaute – in das ihres Arztes und der Krankenschwester, die beiden anderen Männer kannte sie nicht –, schlug ihr Herz so heftig, dass sie sich zur Ruhe ermahnte. Schließlich gab es keinen Grund zur Aufregung. Wahrscheinlich wollte die Klinik nur die Ratenzahlungen mit ihr besprechen. Sie war wieder einmal eine Rate im Rückstand.

Die herzliche, väterliche Art, mit der ihr Arzt Dr. Palmer sie normalerweise begrüßte, hatte ihr immer gutgetan. Heute jedoch war sein Lächeln eher flüchtig, fast scheu. Was war los? Warum hatte man sie hierherzitiert? Jenna schaute erwartungsvoll auf Dr. Palmer, doch statt seiner ergriff einer der Männer das Wort, den sie nicht kannte. Sein Lächeln wirkte künstlich und aufgesetzt.

„Guten Tag, Mrs. Winton.“ Der Mann reichte ihr die Hand. „Ich heiße Tom Franklin und bin der Leiter dieser Klinik, und das ist Wayne Schlessinger, unser Rechtsbeistand. Die anderen Herrschaften kennen Sie ja.“

„Ja, guten Tag.“ Jennas Unruhe wuchs. Die Atmosphäre in dem kleinen Raum war angespannt. Was war nur passiert? War etwas mit ihrem ungeborenen Baby nicht in Ordnung?

„Setzen Sie sich doch bitte!“ Mr. Franklin, der am Kopfende des Tisches saß, lud sie mit einer Handbewegung ein, auf dem Stuhl neben ihm Platz zu nehmen. Die Art, wie er dabei seinen Blick prüfend über ihr schulterlanges hellbraunes Haar und ihr weißes T-Shirt wandern ließ, gefiel ihr gar nicht.

Ihre Handtasche unter den Arm geklemmt, glitt sie elegant auf den Stuhl. Um nichts in der Welt wollte sie sich anmerken lassen, wie unwohl sie sich fühlte.

Franklin gab Jenna kaum Zeit, Luft zu holen. „Sie wundern sich wahrscheinlich, warum wir Sie heute zu uns gebeten haben.“

„Wenn es um meinen Zahlungsrückstand geht, so kann ich Sie beruhigen. Ich werde noch diese Woche überweisen.“

„Nein, nein. Nichts dergleichen. Und um es gleich vorwegzunehmen, mit Ihrer Schwangerschaft ist auch alles in Ordnung.“

„Dann verstehe ich nicht …“

Franklin strich sich mit dem Handrücken über die Stirn. „Es ist auch nicht leicht zu erklären, Mrs. Winton. Bei Ihrer Befruchtung ist uns … ein Fehler unterlaufen. Ich sage es, wie es ist: Ihnen wurden leider nicht die Spermien Ihres Ehemannes, sondern die von Blake Winston eingesetzt. Unsere Laborassistentin hat den Behälter von B. Winston genommen, statt den Ihres Mannes B. Winton. Beide kamen aus Fawn Grove, und die Namen sind so unwahrscheinlich ähnlich.“

Jenna rang nach Luft. Sie musste diesen Franklin falsch verstanden haben. „Es kann nicht sein, dass ich das Kind eines anderen austrage! Ihre Klinik hat B.J.s Spermien eingefroren, Himmel, ich war doch dabei. Ihre Ärzte rieten uns, wir sollten die Spermien vor der Chemotherapie einfrieren, falls B.J. unfruchtbar werde. Mein Mann und ich wollten immer Kinder.“

Franklin legte die Hand auf ihre zitternden Hände. „Ich weiß, Mrs. Winton. Und ich weiß auch, dass Dr. Palmer nach dem Tod Ihres Mannes helfen wollte, dass wenigstens der Wunsch eines gemeinsamen Kindes in Erfüllung geht. Nur leider war die Laborantin an dem Tag unkonzentriert. Ihr Mann war ins Krankenhaus eingeliefert worden, und sie wollte schnell zu ihm. Das verstehen Sie doch sicher.“

Jenna verstand das alles nur zu gut.

„So etwas ist uns noch nie passiert, und wir werden dafür sorgen, dass es nie wieder passiert. Von der Laborantin haben wir uns bereits getrennt.“

Langsam begriff Jenna das Ausmaß dessen, was sie da mitgeteilt bekam. „Warum hat diese Laborantin ihren Fehler nicht früher zugegeben?“

Franklin schaute Hilfe suchend zu seinem Rechtsbeistand, worauf Wayne Schlessinger erklärte: „Als sie ihren Fehler bemerkte, hatte sie zu Recht Angst um ihren Arbeitsplatz. Sie müssen verstehen, ihr Mann lag damals im Krankenhaus, sie war die Einzige, die noch Geld für ihre beiden Kinder verdiente. Darum zog sie es vor zu schweigen.“

„Und warum gibt sie ihren Irrtum jetzt plötzlich zu?“

„Nun, ihr Mann ist wieder gesund und hat auch wieder Arbeit. Das Gewissen quälte sie. Sie hätte es Ihnen gern selbst erklärt, aber wir hielten es für besser, wenn die Dame heute nicht hier erscheint.“

Jenna war sich nicht sicher, ob es ihr geholfen hätte, den Menschen zu kennen, dem sie es zu verdanken hatte, dass das Kind, das in ihr heranwuchs, nicht das von B.J. war.

Benommen hörte sie Schlessinger wie aus der Ferne weiterreden: „Die Klinik übernimmt natürlich die Verantwortung. Wir möchten Sie darum bitten, uns nicht zu verklagen. Das würde keinem von uns helfen. Wenn Sie uns das hier unterschreiben, zahlen wir Ihnen eine Wiedergutmachung von einhunderttausend Dollar. Dieser Scheck ist für Sie.“

Schlessinger schob Jenna ein sehr amtlich aussehendes Formular zu und hielt ihr seinen Kugelschreiber auf eine Weise hin, die zeigte, dass er selbstverständlich mit ihrer Unterschrift rechnete.

Wie wütend konnte man auf eine Klinik sein? Diese Emerson Fertility Clinic war nichts weiter als eine Ansammlung von Stümpern! Diese Amateure! Mit solchen und ähnlichen Gedanken stürmte Blake die Außentreppe zu Jenna Wintons Wohnung hoch. Den warmen Schein der Abendsonne nahm er dabei genauso wenig wahr wie den zerbröckelnden Putz dieses Wohnhauses, das in einem der älteren Viertel von Fawn Grove lag. Seine Gedanken kreisten noch um das Gespräch, das er gerade in der Klinik geführt hatte. Sie hatten ihm mitgeteilt, dass eine Frau in Fawn Grove sein Kind austrug. Franklin hatte ihm ihre Adresse eigentlich nicht geben wollen. Aber der Mann war klug genug zu wissen, dass Blake mit Hilfe seines Einflusses die Anschrift der Frau sowieso herausgefunden hätte.

Im zweiten Stock angelangt, drückte er auf die Klingel der Wohnung 112-C. Erst in diesem Moment wurde ihm klar, dass er gar nicht wusste, was er dieser Mrs. Winton eigentlich sagen wollte.

Sie öffnete die Tür. Die Klinik hatte ihm mitgeteilt, dass die Lady im sechsten Monat schwanger war. Dass sie so attraktiv war, hatten sie ihm verschwiegen. Sie hatte ein hübsches Gesicht, das lockige hellbraune Haar wurde über der rechten Schläfe von einer goldenen Spange zurückgehalten. Aus ihren dunkelbraunen Augen sah sie Blake fragend an. Blake Winston war gewohnt, jede Situation unter Kontrolle zu haben und immer zu bekommen, was er wollte. Doch jetzt verschlug es ihm die Sprache. Ausgerechnet ihm!

Jenna ließ den Blick über den maßgeschneiderten, anthrazitfarbenen Anzug des Mannes, sein schwarzes Haar und die Linien und Falten seines Gesichtes schweifen. Mitte, Ende dreißig, schätzte sie und lag richtig. Blake war siebenunddreißig. „Kann ich Ihnen helfen?“

Blake blickte auf ihren gerundeten Bauch, der von einem rosafarbenen Pullover leidlich kaschiert wurde. Der Gedanke, dass diese Frau sein Kind in sich trug, riss etwas in seinem Innersten auf. Eingefrorene Gefühle begannen plötzlich aufzutauen, und sein Herz öffnete sich. Jenna Winton sah so unschuldig und verwundbar aus, dass sie, einfach so, die Grundfeste seiner Welt erschütterte. Blake brauchte ein paar Sekunden, um sich wieder zusammenzureißen.

„Machen Sie jedem Fremden einfach so die Tür auf?“ Fawn Grove war nur eine halbe Autostunde von Sacramento entfernt, einer Stadt, die in den ganzen Staaten als gefährlich galt.

Jenna lächelte ihn unbekümmert an. „Wir sind hier in Fawn Grove, nicht in Sacramento oder L.A. Überprüfen Sie die Sicherheitseinrichtungen in diesem Haus, oder warum sind Sie hier?“

Ihre Frage entbehrte nicht einer gewissen Ironie. Schließlich hatten Sicherheitssysteme und – strategien Blake Winston zu dem erfolgreichen Mann gemacht, der er war. „Ich wünschte, es wäre so einfach“, sagte er, immer noch benommen von der strahlenden Schönheit dieser Frau. „Ich bin Blake Winston.“

Aus Jennas Gesicht wich plötzlich alle Farbe, während sie ihn erschrocken und zugleich prüfend ansah. „Ich glaube nicht, dass wir miteinander reden sollten. Ich habe gerade mit meinem Anwalt telefoniert und …“, stotterte sie.

„Mrs. Winton, wir müssen miteinander reden. Ich bin der Vater Ihres Kindes. Und ich werde nicht eher gehen, bis wir darüber gesprochen haben.“

Jenna zögerte kurz und bat ihn dann einzutreten. In ihrem Wohnzimmer hing ein leichter, blumiger Duft nach Flieder. Es war heiß, und Blake lockerte seinen gestärkten Hemdkragen.

„Die Klimaanlage ist gestern Abend ausgefallen, der Vermieter kümmert sich bereits darum.“ Sie öffnete die beiden Wohnzimmerfenster, doch nicht die geringste Brise war zu spüren.

Sie blickten einander schweigend an. Blake spürte plötzlich noch eine andere Hitze in der Luft. Die Art, wie die Lady ihn mit diesen großen brauen Augen ansah … Nein, das konnte nicht sein, er irrte sich! Frauen wie Jenna Winton interessierten ihn nicht. Er stand auf langbeinige Blonde, die ihren Preis kannten.

Sie spielte an ihrem Ehering. „Warum sind Sie gekommen?“, fragte sie schließlich in einer Mischung aus Angst und Angriffslust.

Tja, warum war er hier? Er hatte sie in Augenschein nehmen wollen, ob sie sich als Leihmutter eignen würde. Eigentlich hatte er erst in ein paar Jahren eine suchen wollen, doch so wie die Dinge jetzt standen …

„Warum setzen wir uns nicht?“, schlug er statt einer Antwort vor.

Dankbar ließ Jenna sich auf den alten geschnitzten Schaukelstuhl sinken. Während Blake langsam auf dem Sofa Platz nahm, nutzte er die Gelegenheit, sich im Raum umzuschauen, und einen Blick auf die Spitzenvorhänge, die Bücherregale und den Schreibtisch zu werfen. Wahrscheinlich bereitete sie dort ihren Unterricht vor. Seine Recherche im Internet hatte ergeben, dass Jenna Grundschullehrerin war.

„Ich komme gerade aus der Klinik“, begann er so beiläufig wie möglich.

Jenna schluckte. „Ich nehme an, das war auch für Sie ein Schock. Ich kann immer noch nicht glauben, dass ich nicht B.J.s Kind austrage.“

„B.J.?“

„Mein Mann. Er hieß Barry Jacob, wurde aber immer nur B.J. genannt.“

„Man sagte mir, dass er vor eineinhalb Jahren starb“, stellt Blake sachlich fest. Für Mitgefühl war in seinem Herz schon lange kein Platz mehr.

„Er hatte Krebs. Aber wir rechneten fest damit, dass er wieder gesund werden würde. Deshalb ließen wir seine Spermien einfrieren, vor der Chemotherapie. Sie wissen vielleicht, dass manche Männer davon unfruchtbar werden. Wir wollten immer eine Familie haben …“ Sie räusperte sich, um die aufsteigenden Gefühle abzuwehren. „Und nach seinem Tod wollte ich B.J. in seinem Kind weiterleben lassen.“

Wie fühlt sich ein Mann wohl, wenn er so geliebt wird, fragte Blake sich. Er hatte schon als Teenager lernen müssen, dass eine Frau nur so lange treu sein konnte, wie diese Treue sich mit ihren eigenen Interessen deckte. Ob diese Lady hier eine Ausnahme war? Er konnte es sich einfach nicht vorstellen. Nach Auskunft der Klinik war Jenna Winton hoch verschuldet, weil ihre Versicherung den Krankenhausaufenthalt ihres Mannes nicht bezahlt hatte. Die Rechnung für die künstliche Befruchtung stotterte sie in unregelmäßigen Raten ab. „Ich hörte, Sie haben das Angebot der Klinik abgelehnt.“

„Ich unterschreibe nie etwas, ohne meinen Anwalt zu fragen. Meine Freundin ist mit einem verheiratet. Sind Sie mit dem Schadenersatzangebot der Klinik zufrieden?“

Blake staunte über diese Wendung des Gesprächs. „Um Schadenersatz geht es mir nicht“, begann er vorsichtig und beobachtete sorgfältig ihre Reaktion. Er war zu dem Schluss gekommen, dass Jenna die perfekte Leihmutter war. Eine bessere würde er nicht finden. Jetzt musste er sie nur noch davon überzeugen. „Ich will das Kind.“

Sie schaute ihn verständnislos an.

„Sie haben recht, sich mit dem Angebot der Klinik nicht zufriedenzugeben. Als Leihmutter für mein Kind jedoch …“ Er zog ein Scheckheft aus der Innentasche seines Jacketts.

Jenna traute ihren Augen nicht, als sie die Summe sah, die Blake auf den Scheck schrieb. Doch plötzlich begriff sie. Wütend fuhr sie aus dem Schaukelstuhl auf. „Ich weiß nicht, für wen Sie sich halten, Mr. Winston, aber ich will Ihr Geld nicht. Für nichts in der Welt werde ich mein Baby hergeben.“

Aufgebracht, wie sie war, wurde sie in seinen Augen immer schöner. Plötzlich machte sich ein unbändiges körperliches Verlangen in ihm breit, das er nur schwer unterdrücken konnte. „Warum wollen Sie das Kind eines Mannes, den Sie noch nicht einmal kennen?“

Die Frage brachte Jenna nicht so aus dem Konzept, wie er es sich erhoffte hatte. „Stimmt. Sie kenne ich nicht, Mr. Winston, aber ich kenne das Kind, das ich seit sechs Monaten in mir trage und das ich liebe. Ich habe dieses Kind in mir wachsen gespürt. Wie könnte ich es aufgeben!?“

„Es wird Ihnen wohl nichts anderes übrig bleiben.“

Seine warnenden Worte brachten sie nun doch etwas aus der Fassung. Blake sah die Angst in ihren Augen, auch wenn sie äußerlich gelassen blieb. Langsam ging Jenna zur Tür und öffnete sie: „Sie gehen jetzt besser. Auf der Stelle.“

Niemand würde ihn jemals wieder hinauswerfen, hatte er sich vor 19 Jahren geschworen, nachdem Preston Howard – der Vater des Mädchens, das er glaubte zu lieben, und von dem er gedachte hatte, sie liebte ihn ebenso – ihn vor die Tür gesetzt hatte. Lässig blieb Blake an der Tür stehen. „Denken Sie doch mal eine Sekunde nach, Mrs. Winton. Mit dem Geld von mir und der Klinik würden Sie für lange Zeit ausgesorgt haben.“

Jenna richtete sich vor ihm auf. „Wenn Sie mich kennen würden, Mr. Winston, dann wüssten Sie, dass ich mir nicht viel aus Geld mache. Familie ist das, was mir wichtig ist. Hören Sie also auf, mir irgendwelche Dollars anzubieten. Und jetzt gehen Sie, sonst rufe ich den Hausmeister.“

Blake sah, dass ihre Hände angefangen hatten zu zittern und ihr Kinn leicht bebte. Er wollte sein Baby keinem Stress aussetzen. Dennoch sollte die Lady wissen, dass er nicht aufgab. Niemals.

„Sie werden von meinem Anwalt hören“, sagte er im Hinausgehen.

Nachdem Jenna die Tür hinter ihm geschlossen hatte, lehnte sie sich Halt suchend dagegen, denn die Beine wollten ihr den Dienst versagen. Das war nun definitiv zu viel Aufregung für den heutigen Tag gewesen. Für sie. Und ihr ungeborenes Kind.

Sie schloss die Augen und stellte sich ihre Lieblingsszene vor: Meer, Sand und sanfte Wellen. Ihr Atem wurde ruhiger. So verharrte sie ein paar Minuten, dann griff sie zum Telefon, um Rafe Pierson anzurufen. Hoffentlich war er noch im Büro. Sie hatte Glück. Seine Sekretärin stellte sie sofort durch zu ihm.

Rafe war der Ehemann von Shannon, die sie über die Schule, an der sie unterrichtete, kennengelernt hatte. Shannon war eine Kinderpsychologin, die in ihrer Therapie oft auch Pferde einsetzte. Vor drei Jahren hatte Jenna das erste Mal von ihrer Methode gehört. Einer ihrer Schüler war verhaltensauffällig gewesen, und sie überlegte, den Eltern die Pferdetherapie zu empfehlen. Zuvor wollte sie sich aber erst persönlich einen Eindruck verschaffen und war darum nach Rocky R, der Ranch der Piersons, eingeladen worden, wo sie nicht nur Shannon näher kennenlernte, sondern auch ihren Mann Rafe und deren beiden Töchter. Die beiden Frauen waren sich auf Anhieb sympathisch gewesen. Jenna war dankbar für diese Freundschaft, die ihr während B.J.s Krankheit und in den Monaten nach seinem Tod viel Kraft gegeben hatte. Shannon war es auch, die sie darin bestärkt hatte, B.J.s Kind auszutragen. Sie hatte ihr geholfen, diesen Schritt zu tun, gegen den erklärten Widerstand von Jennas Vater, einem Pfarrer.

„Jenna“, fragte Rafe besorgt. „Was ist los? Hat die Klinik sich noch mal bei dir gemeldet?“

„Nein, aber Blake Winston. Er will mich zur Leihmutter seines Kindes machen und ist bereit, dafür viel Geld zu zahlen.“

Sie hörte Rafe am anderen Ende der Leitung fluchen. So kannte sie ihn gar nicht. „Was hast du ihm gesagt?“

„Dass es mein Kind ist. Das ist es doch, Rafe, oder? Er sagt, sein Anwalt wird sich bei mir melden. Aber er kann mir das Baby doch nicht wegnehmen, oder?“

Rafe schwieg – zu lange, dachte Jenna. „Die Gesetzeslage auf diesem Gebiet ändert sich fast täglich. Ich kann dir leider nicht sagen, dass seine Position aussichtslos ist, denn schließlich ist er der biologische Vater. Und ausgerechnet Blake Winston …“

„Wie meinst du das? Kennst du ihn?“

„Nein, nicht persönlich. Aber ich weiß, dass er sehr viel Geld hat und noch mehr politischen Einfluss. Winston stammt ursprünglich aus Fawn Grove und hat ein Vermögen mit Sicherheitssystemen gemacht. Soweit ich weiß, ist seine Firma in L.A. Er ist Vorstandsvorsitzender einer Gesellschaft, die nicht nur Sicherheitssysteme aller Art entwickelt und einbaut, sondern auch den Schutz für Politiker und große Stars übernimmt.“

„Und so einer wohnt in Fawn Grove?“

„Er ist vor drei Jahren zurückgekommen, hat in Sacramento eine weitere Niederlassung seiner Firma gegründet und das Van-Heusen-Anwesen mit dem Herrenhaus gekauft.“

Jenna las zwar nicht oft die Zeitungen, doch das Van-Heusen-Anwesen kannte sie. Wer in Fawn Grove kannte es nicht? Es lag im Norden der Stadt. Wenn sie und ihr kleiner Bruder Gary als Kinder daran vorbeigingen, hatten sie sich immer ausgemalt, wie es wohl wäre, in einem solchen Haus zu wohnen.

„Glaubst du, sein Geld spielt eine so große Rolle?“

„Nein, Jenna, aber seine Beziehungen. Übrigens legt mir Donna gerade eine Nachricht auf den Schreibtisch. Die Klinik bittet um eine weitere Zusammenkunft.“

„Warum?“

„Das werde ich herausfinden. Hättest du morgen Zeit?“

„Ja klar, wir haben Sommerferien.“

„Gut. Ich nehme an, Winston wird auch anwesend sein, wahrscheinlich mit seinem Anwalt. Ich werde mal die aktuelle Rechtslage prüfen, damit wir auf alle Eventualitäten vorbereitet sind.“

„Rafe. Ich weiß, ich sollte dir einen Vorschuss oder so etwas zahlen …“

„Ich bin dein Anwalt, weil wir befreundet sind. Über Geld reden wir, wenn alles vorüber ist, einverstanden?“

„Ich weiß nicht, wie ich dir danken soll.“

„Ich aber. Entspann dich, leg die Füße hoch, und versuch, bis morgen an nichts zu denken. Ich teile dir noch den genauen Termin mit.“

Jenna gab Rafe ihre Handynummer, denn sie hatte nicht vor, hier in ihrer heißen Wohnung zu bleiben. Sie wollte sich im klimatisierten Internetcafé um die Ecke auf die Suche machen, wie die Rechtsprechung für das Sorgerecht ihres Kindes aussah. Sie musste sich dringend ablenken – von dieser irritierenden Erinnerung an die grauen Augen von Blake Winston … und der Art, wie ihr Körper darauf reagiert hatte. B.J. hatte ihr Blut nie so in Wallung gebracht. Er war der vollendete Durchschnittsmann gewesen, ein Dachdecker, der nie etwas anderes sein wollte und der jeden Tag so nahm, wie er kam. Und Jenna war glücklich damit gewesen, denn sie hatte B.J. von ganzem Herzen geliebt.

Nur hatte ihr Körper nie so auf ihren Ehemann reagiert wie auf Blake Winston. Dieser reiche Mann, der Vater ihres Kindes, beschleunigte ihren Puls auf eine Weise, die nichts mit der Schwangerschaft zu tun hatte. Das beunruhigte sie fast noch mehr als seine Drohung, seinen Anwalt einzuschalten.

Am nächsten Tag, es war Dienstag, betrat Jenna in der Klinik denselben Konferenzraum, in dem gestern die Bombe geplatzt war. Nur war sie heute nicht allein, sondern in Begleitung von Rafe. Am Tisch saßen dieselben Herren, allerdings zusätzlich noch ein Mann, den sie nicht kannte. Und natürlich Blake Winston. Ein Blick in seine rauchgrauen Augen verriet ihr, dass er zu allem entschlossen war. In seinem hellblauen Polohemd und seiner dunkelblauen Freizeithose saß er lässig am Ende des Tisches. Seine weichen Lederslipper entgingen ebenso wenig ihrer Aufmerksamkeit wie seine breiten Schultern und sein dichtes schwarzes Haar. Himmel, warum musste ihr Körper nur so auf diesen Mann reagieren! Es kam ihr wie ein Betrug an B.J. vor.

„Mrs. Winton“, begrüßte sie Wayne Schlessinger, der Rechtsbeistand der Klinik.

„Mr. Schlessinger“, grüßte sie zurück und nickte nicht nur ihm, sondern jedem am Tisch zu.

Nachdem sie Rafe den Anwesenden vorgestellt hatte, setzten sie sich. Schlessinger kam schnell zur Sache. Zu Rafe gewandt, fragte er: „Ich nehme an, Sie kennen unser Angebot?“

„Ja, das tue ich. Aber ich habe Jenna geraten, es nicht zu unterschreiben.“

„Darf ich fragen warum?“

„Ich halte es nicht für richtig, dass meine Mandantin bereits im Vorfeld auf alle Rechte verzichten soll. Wir wollen uns das Recht, vor Gericht zu gehen, nicht von vornherein nehmen lassen. Es war nicht fair von Ihnen, Mrs. Winton dermaßen unter Druck zu setzen.“

„Von Druck kann gar keine Rede sein.“

Jenna legte die Hand auf Rafes Unterarm und bat ihn leise, selbst antworten zu dürfen. „Mir einen bereits über 100.000 Dollar ausgestellten Scheck unter die Nase zu halten, nenne ich Druck, Mr. Schlessinger.“ Sie sah zu Blake hinüber. „Haben Sie das Angebot der Klinik angenommen?“

Blake antwortete genauso wie gestern. „Mir geht es nicht um das Geld der Klinik. Mir geht es um mein Kind.“

„Mr. Winston“, unterbrach Schlessinger ihn. „Wir haben heute alle Beteiligten hier versammelt, um genau dieses Problem zu lösen.“

„Das Problem lösen?“, fragte Rafe sarkastisch. „Meine Klientin hat mit Ihnen in gutem Glauben einen Vertrag geschlossen. Sie ist bereits seit sechs Monaten schwanger. Glauben Sie allen Ernstes, irgendeine Summe könnte den Fehler wiedergutmachen, den Ihre Klinik beging?“ Und zu Blake gewandt fuhr er fort: „Glauben Sie allen Ernstes, dass irgendeine Summe meine Klientin dazu bewegen könnte, ihr Kind wegzugeben?“

„Wenn es das Geld nicht kann, dann wird es das Gesetz tun. Ich bin der biologische Vater dieses Kindes, und als solcher habe ich Rechte. Gemeinsames Sorgerecht wäre das Mindeste. Aber Sie haben recht, Mr. Pierson. Das Problem können wir nicht heute lösen. Es sei denn, Ihre Klientin ist bereit, diesen Leihmuttervertrag zu unterschreiben und mir das Kind nach der Geburt zu übergeben.“

Die Entschlossenheit und Unerbittlichkeit dieses Mannes machten Jenna Angst. Was, wenn er damit durchkam? Die Informationen, die sie gestern im Internet gefunden hatte, waren nicht sehr ermutigend gewesen. Plötzlich hatte sie das Gefühl, diese ganze Sache übersteige ihre Kräfte. Nicht nur, dass sie sich damit auseinandersetzen musste, nicht B.J.s Kind auszutragen. Nein, nun musste sie auch noch darum kämpfen, dieses Kind behalten zu dürfen. Zu allem Übel hörte sie jetzt auch wieder die warnende Stimme ihres Vaters.

Sie würde ihm erzählen müssen, dass sie das Kind eines Fremden trug. Dass dieser Fremde ihr das Baby wegnehmen wollte – oder zumindest ein gemeinsames Sorgerecht verlangte.

Tränen schossen ihr in die Augen, Tränen, die sie bereits länger als vierundzwanzig Stunden zurückgehalten hatte. Sie musste raus hier, sofort!

Sie stand mit einem solchen Ruck auf, dass der Stuhl umfiel, und dann war sie auch schon aus dem Raum. Sie stürmte durch den Flur, den Gang hinunter aus der Klinik und blieb erst auf dem Parkplatz stehen. Unter einer Eiche ließ sie ihren Tränen freien Lauf, die Hände vor das Gesicht geschlagen. Warum konnte das alles nicht nur ein Albtraum sein, aus dem sie bald wieder erwachte?

Als sie eine Hand auf der Schulter spürte, dachte sie, es sei Rafe. Irrtum. Es war Blake. Ausgerechnet der Mann, der ihr das Kind wegnehmen wollte, versuchte sie zu trösten! Jenna wandte sich abrupt ab. Sie versuchte, die Tränen vor ihm zu verbergen – und vor allem diese Gefühle für ihn, die sie selbst nicht verstand.

2. KAPITEL

Seit er achtzehn war, war Blake keinem Mädchen mehr nachgelaufen. Seit der Katastrophe damals war in ihm jedes Interesse an einer ernsthaften Beziehung auf immer erloschen. Aber auch ohne diese Erfahrungen war ihm klar, dass Jenna Winton seinetwegen aus dem Konferenzraum gelaufen war. In ihrem Gesicht hatte er blanke Angst gesehen.

Er versuchte, sich in ihre Lage zu versetzen. Sie hatte ihren Mann so sehr geliebt, dass sie ihn in seinem Kind weiterleben lassen wollte. Dass sie jetzt das Kind eines anderen trug, musste sie am Boden zerstört haben. Und genau darauf hatte er ja gebaut. Er hatte gedacht, dass sie froh sein würde, das Kind nicht behalten zu müssen. Offensichtlich jedoch war sie bereits eng mit ihrem ungeborenen Baby verbunden und konnte es nicht mehr hergeben. Diese Frau würde bestimmt eine wundervolle Mutter sein.

„Jenna“, sagte er leise. Ihre Verzweiflung weckte in seinem Herzen ein Mitgefühl, das er schon lange nicht mehr gespürt hatte.

Sanft legte er die Hände auf ihre Schultern und drehte sie zu sich herum. Die vereinzelten Sommersprossen in ihrem Gesicht rührten ihn seltsam an. Ihre Lippen waren etwas dunkler als gestern, sie hatte einen sanften roséfarbenen Lippenstift aufgelegt, der ihr gut stand. Als er in ihre dunklen, von Tränen glänzenden Augen sah, spürte er einen ungekannten Schmerz in der Brust, der ihm gar nicht gefiel.

„Es tut mir leid, wenn ich Sie gekränkt habe“, sagte er sanft und war erstaunt festzustellen, dass er auch empfand, was er sagte.

„Als B.J. starb, war auch mein Leben zu Ende. Mit dem Baby hatte es neu angefangen, und jetzt wollen Sie es mir wieder wegnehmen …“

Jenna bemühte sich, ihre Fassung wiederzuerlangen, während Blake gegen die Versuchung ankämpfte, diese so zerbrechlich wirkende Frau in die Arme zu nehmen. Sie hat doch schon bewiesen, dass sie nicht so hilflos ist, wie sie wirkt, beschwor er sich.

„Ich habe in den letzten zwanzig Jahren immer bekommen, was ich wollte. Ich habe nie lockergelassen, wissen Sie. Aber ich sehe ein, dass ein Baby etwas anderes ist als eine neue Filiale oder die besten Angestellten, die es auf dem Markt gibt.“

Jenna schaute zu ihm hoch und hielt seinem Blick stand. Sanft wischte er eine Träne weg, die ihr über die Wange lief, und wunderte sich, wie ihn eine schlichte Berührung so erregen konnte.

„Mr. Winston, sagen Sie mir, wie können wir zu einer Einigung kommen? Wir wollen beide dieses Kind. Sie haben erst gestern von dem Baby erfahren, aber ich kenne es schon seit sechs Monaten, ich sorge für es, spreche mit ihm, spiele ihm Musik vor und erzähle ihm, wie schön sein Leben sein wird. Es ist mein Kind, Mr. Winston.“

„Sagen Sie bitte Blake zu mir“, bat er sie. „Und ich darf Sie doch Jenna nennen? Ob wir es wollen oder nicht, wir haben bald ein gemeinsames Kind. Wir müssen eine Entscheidung treffen, die uns beiden entgegenkommt.“

„Aber wie soll die aussehen, wenn wir beide dasselbe wollen?“

„Ich weiß es auch nicht. Wir sollten uns näher kennenlernen. Vielleicht fällt es uns dann leichter, eine Lösung zu finden.“

„Davon rate ich dir dringend ab“, schaltete sich Rafe ein, der unbemerkt zu ihnen gestoßen war. „Mr. Winston hat mehr Routine als du, andere davon zu überzeugen, dass es nach seiner Nase gehen muss.“

Jenna trat zurück, um Rafe in das Gespräch einzubeziehen. „Ich glaube nicht, dass Blake mich zu etwas überreden kann, was ich nicht möchte.“ Sie lächelte Rafe zu. „Ich muss jeden Tag fünfundzwanzig Kinder davon überzeugen, dass sie zu tun haben, was ich sage.“

Blake spürte sehr wohl, dass sie es ihm trotz ihrer Verzweiflung nicht leicht machen würde. „Lassen Sie uns doch etwas aufs Land fahren“, schlug er vor.

„Jetzt?“, fragte sie überrascht.

„Ja, jetzt. Wir können dann unterwegs etwas essen.“

„Jenna …“, warnte Rafe.

Sie legte ihm die Hand auf den Arm. „Ich verspreche dir, dass ich nichts unterschreiben werde“, beruhigte sie ihn. „Du hast selbst gehört, es ist nur eine Einladung zum Essen.“

„Hast du dein Handy dabei?“

„Nein. Der Akku war nicht aufgeladen.“

„Ich habe eins.“ Blake nahm sein Handy aus der Hosentasche und reichte es ihr. „Wenn Sie Ihrem Anwalt SOS funken wollen, können Sie das jederzeit tun.“

„Ich bin nur schwanger, meine Herren“, lehnte sie dankend ab. „Ich habe noch einen gesunden Menschenverstand und kann sehr wohl selbst auf mich aufpassen. Ich rufe dich an, wenn ich wieder zu Hause bin, Rafe.“

„Na gut“, gab der nach. „Aber ich möchte trotzdem noch kurz mit dir unter vier Augen sprechen.“

Blake wusste, wann er nachgeben musste. Pierson und Jenna waren offensichtlich befreundet. „Ich sage in der Zwischenzeit Schlessinger Bescheid, dass die Besprechung für heute beendet ist.“

Zehn Minuten später saß Jenna etwas nervös neben Blake in seinem Wagen und war sich gar nicht mehr so sicher, ob sie das Richtige tat. Die CD mit Klaviermusik, die Blake aufgelegt hatte, sollte sie anscheinend beruhigen. Vergebens. Es half ihren Nerven nicht gerade, dass dieser Mann ausgerechnet die Musik hörte, die sie liebte.

„Wohin fahren wir?“

„Ans Sacramento-Delta. Dort liegt mein Boot.“

„Ihr Boot?“

„Ja, ein Kabinenkreuzer. Ich dachte, wir können etwas hinausfahren.“

„Ich bin noch nie auf einem Schiff gewesen. Was ist, wenn ich seekrank werde?“

„Dann bringe ich Sie in den Yachthafen zurück“, sagte er lachend. „Nichts kann so entspannen wie auf dem Wasser zu sein.“

„Und das, glauben Sie, wird uns helfen?“

„Ich für meinen Teil kann jedenfalls besser nachdenken, wenn ich entspannt bin. Ob uns das dann hilft, werden wir sehen.“

Jenna war sich nicht sicher, ob er sich über sie lustig machte. „Wenigstens sollten wir in unserer Situation nichts unversucht lassen.“

Blake lachte, und sie stellte fest, sein Lachen gefiel ihr. Es klang tief und voll, wie seine Stimme.

„Welchen Rat hat Pierson Ihnen mit auf den Weg gegeben?“

Jenna sah keinen Grund, es Blake nicht zu sagen. „Er hat mich nur gewarnt, Ihnen nichts zu erzählen, was Sie vor Gericht gegen mich verwenden könnten.“

Seine Gesichtszüge verhärteten sich. „Wie lange sind Sie schon mit Pierson befreundet?“

„Etwa drei Jahre. Seine Frau Shannon ist Psychologin, und ich hatte beruflich mit ihr zu tun. Die beiden waren eine große Hilfe, als … in der schweren Zeit mit meinem Mann.“ Trotz ihrer Doppelbelastung als Therapeutin und Mutter von zwei Töchtern hatte Shannon sie regelmäßig besucht, sie zum Essen überredet und war mit ihr spazieren gegangen. Nach B.J.s Tod hatten Rafe und Shannon sie jedes Wochenende auf ihre Ranch eingeladen.

„Wie lange war Ihr Mann krank?“ Als sie zögerte, runzelte Blake die Stirn. „Jenna, ich bin Fachmann in Sicherheitsfragen und komme an alle Informationen, wenn ich will.“

„Auch an Krankenakten? Ich dachte, die wären vertraulich.“

„Jeder Computerspezialist kommt da dran, heutzutage kriegen das sogar schon Privatdetektive hin.“

„Aber so einen brauchen Sie ja nicht. Dafür haben Sie Ihre eigenen Leute, nehme ich an.“ Normalerweise wurde Jenna nicht so leicht wütend, aber Blake hatte es gerade geschafft. „Ich wette, Sie wissen sowieso schon alles, und testen mich nur, ob ich auch ehrlich antworte. Ich glaube, dieser Ausflug ist doch ein Fehler. Bitte lassen Sie uns umkehren.“

Blake ignorierte ihren Wunsch und versuchte, ruhig zu bleiben. „Natürlich weiß ich schon einiges über Sie, Jenna. Aber ich möchte eben gerne noch mehr über Sie wissen – zum Beispiel, was für eine Mutter Sie sind. Das kann mir kein Computer verraten.“

„So so, und Sie erzählen mir dann im Gegenzug, was für ein Vater Sie sind? Ist dieser Ausflug eine Art Elternwettbewerb oder was?“

Blake bremste, um am Straßenrand anzuhalten. „Wenn wir jetzt umkehren, dann werden unsere Anwälte das Problem lösen – oder der Richter. Wollen Sie das?“

Jetzt wusste sie wenigstens, warum Blake sie zu dieser Fahrt eingeladen hatte.

„Nein, das will ich nicht“, sagte sie leise.

„Heißt das, ich darf weiterfahren?“

In seinen grauen Augen las Jenna, wie erbarmungslos dieser Mann sein konnte, und dass es besser war, sich nicht auf einen Kampf gegen ihn einzulassen. „Nein, ich will nicht zurück. Aber ich will auch nicht mit Ihrem Boot hinausfahren. Bitte akzeptieren Sie das.“

Ohne den Blick von ihr abzuwenden, nickte Blake. „Einverstanden. Wie wäre es, wenn wir uns in dem Feinkostladen im Yachthafen etwas einkaufen und an Deck picknicken?“

„Das ist ein guter Kompromiss. Einverstanden.“

Nachdem Blake den Wagen geparkt hatte, gingen sie in das besagte Geschäft. Jenna hatte keinerlei Hunger, die Aufregung war ihr gehörig auf den Magen geschlagen. Dennoch musste sie dem Baby zuliebe etwas essen. Sie entschied sich für ein Truthahnsandwich. Blake hingegen schien einen Löwenhunger zu haben, er suchte sich fast von allem etwas aus.

Die Suncatcher war mehr als nur ein einfaches Kabinenboot für Wochenendausflüge. Man hätte ohne weiteres auf ihr wohnen können.

Blake ging zuerst an Bord, um Jenna dann die steile Gangway hinunterhelfen zu können. „Ich könnte Sie herunterheben“, strahlte er sie an.

„Wenn Sie mir die Hand geben, reicht das völlig“, wehrte Jenna ab. Welcher Mann trug denn heutzutage noch eine Frau an Bord?

„Dann stützen Sie sich wenigstens auf meine Schulter, bitte.“

Erschrocken stellte sie fest, dass das in der Tat eine große Hilfe war. Schließlich wollte sie es in ihrem Zustand nicht riskieren, auf das Deck zu fallen. Die Muskeln, die sie durch sein Polohemd spürte, waren hart und warm. Die Berührung war ihr eigentlich zu intim, aber sie hatte keine Wahl. Als sie schwankte, nahm Blake ihre Hand und führte sie sicher auf das Boot. Schnell ging sie zu den gepolsterten Deckstühlen hinüber, um wieder Abstand zu gewinnen. Dumm nur, dass die Stühle nicht gerade sehr weit auseinander standen. Noch nie hatte sie die körperliche Nähe eines Mannes dermaßen irritiert. Jenna hoffte, dass es nur an den Hormonen lag, die ihr schwangerer Körper ausschüttete. Und nicht an Blake Winston.

„Machen Sie es sich bitte bequem. Ich hole nur schnell Teller und Besteck aus der Kombüse.“

„Und Sie waren wirklich noch nie auf einem Boot?“, fragte Blake sie eine Viertelstunde später, als sie die mitgebrachten Köstlichkeiten teilten.

Sie ertappte sich dabei, dass sie ihn beim Essen beobachtete. Er schien großen Hunger zu haben, zumindest der Art und Weise nach zu folgern, wie er ein zehn Zentimeter dickes Sandwich verschlang und die Mayonnaise von den Fingern leckte. Diese Finger waren so … sinnlich. Jenna konnte fast den Blick nicht von ihnen wenden.

Sie gab sich innerlich einen Ruck zurück in die Realität, um seine Frage zu beantworten. „Ja. Ich war noch nie auf einem Boot. Irgendwie komme ich mir gerade vor, als ob ich auf der Terrasse eines Restaurants sitze, das am Wasser liegt.“

Blake lachte herzlich. „So habe ich es noch nie gesehen, aber es ist etwas dran. Darf ich Sie herumführen? Unter Deck sind zwei Schlafzimmer, eine Kombüse und ein Badezimmer.“

„Ich glaube, das finde ich auch alleine, ohne mich zu verlaufen.“

„Haben Sie etwa Angst, mit mir nach unten zu gehen?“

Ja! Ihm entgeht wohl nichts, dachte Jenna. „Natürlich nicht.“

„Entschuldigung, ich wollte Sie nicht nervös machen.“

Jetzt wurde sie auch noch rot! „Es liegt nicht an Ihnen, sondern an dieser absurden Situation“, entgegnete sie ehrlich.

„Wieso absurd?“

Sie war sich nicht sicher, ob er nur so tat, als ob er sie nicht verstehe. Spielte er den Arglosen nur? Sie beschloss, ehrlich und dennoch auf der Hut zu sein. „Es fällt mir eben schwer, mit einem Fremden über meine künstliche Befruchtung zu sprechen. Ich finde, das ist ein Thema, das man nur in der Familie besprechen sollte. Und mit engen Freunden. Nennen Sie mich ruhig verklemmt, aber so denke ich eben. Mittlerweile ist es nicht mehr nur künstliche Befruchtung allein, sondern künstliche Befruchtung mit einem Haken. Mein Vater war so schon dagegen. Keine Ahnung, wie ich ihm die neue Situation beibringen soll.“

Blake lehnte sich zurück, als wolle er ihr mehr Raum geben. „Was macht es so schwer, das alles Ihrem Vater zu erklären?“

„Dad ist so … konservativ. Er meint, wenn es hätte sein sollen, ein Kind von B.J. zu bekommen, dann wäre es zu seinen Lebzeiten passiert.“

„Soweit ich weiß, ist Ihre Mutter gestorben, als Ihr Bruder ein Jahr alt war. Sie waren damals erst neun.“

Wie ungeniert Blake über die Informationen sprach, die er hinter ihrem Rücken herausgefunden hatte. Es störte Jenna gewaltig, dass er ohne ihre Zustimmung so viel über sie hatte in Erfahrung bringen können. Plötzlich schien ihr, als ob ihr Leben wie ein offenes Buch vor ihm lag.

„Stimmt. Ich war erst neun. Aber für Gary war ich immer mehr als nur die große Schwester.“

„Mussten Sie sich auch um Ihren Vater kümmern?“

„Nein, Dad hat seinen Glauben und die Gemeinde. Für die Hausarbeit hatten wir eine Haushälterin. Trotzdem war es schwer ohne Mutter. Nur gut, dass ich nie ein … wildes Kind war.“

„Damit meinen Sie, Ihr Bruder gehört zu der wilden Sorte?“

„Nicht unbedingt. Es ist nur so, dass er Fawn Grove schon immer gehasst hat. Dabei war er erst zwei, als wir von Pasadena hierher zogen. Doch genug von mir. Rafe sagte mir, Sie sind vor drei Jahren zurückgekommen?“

„Ja, ich will Fawn Grove zu meinem Hauptsitz machen, obwohl ich derzeit noch vorwiegend in Sacramento arbeite und häufig nach L.A. und Seattle muss. Aber mit diesen kleinen Charterflugzeugen ist das kein Problem.“

„Wir führen sehr verschiedene Leben“, sagte Jenna leise. Blake hatte ein Boot, ein Herrenhaus und wahrscheinlich ein astronomisches Gehalt.

„Was denken Sie gerade?“, fragte er, ohne den Blick von ihr zu lassen.

Konnte der Mann denn in sie hineinsehen? Darum hatte Rafe sie wahrscheinlich auch vor ihm gewarnt. Sollte sie vorsichtiger sein? Nein, Jenna entschied, ihrem Instinkt zu vertrauen und ehrlich zu sein. „Sie können dem Kind finanziell so viel mehr bieten als ich. Ich frage mich, wie viel Wert ein Richter wohl darauf legen mag.“

„Sie glauben, ich hätte die besseren Karten?“

„Nein. Sie haben mehr Geld. Wahrscheinlich können Sie sich die besten Kindermädchen der Welt leisten. Aber ich bin die Mutter, und das nicht aus Zufall, sondern weil ich das Kind wollte. Das dürfte die Waagschale zu meinen Gunsten ausschlagen lassen. Es sei denn, Sie haben noch einen Joker im Ärmel.“

„Sie halten mich also nicht für einen ehrlichen Spieler?“, fragte er sarkastisch.

„Den Begriff Spiel halte ich für unangemessen. Immerhin geht es um ein Kind. Ich bin zwar nur eine einfache Grundschullehrerin, aber ich werde mit jeder Faser meines Herzens um dieses Kind kämpfen.“

Sie schwiegen sich einen Moment lang an. Schließlich stand Blake auf, und Jenna beeilte sich, es ihm gleichzutun, damit er sie nicht noch mehr überragte, als er es sowieso schon tat.

„Das war die erste Runde“, sagte er gelassen. „Wir wissen also, dass keiner von uns auf seine elterlichen Rechte verzichten wird.“

„Und wie soll die zweite Runde aussehen?“

„Ich denke, wir sollten uns eine Pause gönnen, bevor wir wieder in den Ring steigen, und mit dem Boot hinausfahren. Ich glaube, Sie haben weniger Angst, als Sie mich glauben lassen wollen.“

Dieses Mal hatte er sie falsch eingeschätzt. Jenna war keineswegs angstfrei. Sie hatte Angst, dass er ihr das Baby wegnahm, und sie hatte Angst, sie könne in Blake Winstons Gegenwart B.J.s Gesicht vergessen. Beides sollte der Mann besser nicht erfahren. Und daher blieb ihr nichts anderes übrig, als der Ausfahrt zuzustimmen. Nur auf diese Weise konnte sie so tun, als ob sie entspannt sei.

Blake versorgte sie beide mit Schwimmwesten, und schon bald hatten sie den Yachthafen hinter sich gelassen. Nach einigen Minuten, in denen sie sich krampfhaft an der Reling festgehalten hatte, setzte Jenna sich entspannt in den Decksessel. So schlimm, wie sie befürchtet hatte, war es gar nicht. Langsam zogen die Yachthäfen von Sacramento an ihnen vorbei, dann wurde das Boot schneller. Jenna verstand, warum es Blake hier hinauszog. Der blaue Himmel, das sanfte Brummen des Motors, die Bugwellen und die Weite, in die sie hinausfuhren … Die ganze Atmosphäre strahlte Frieden aus. Und Ruhe.

Schließlich bog Blake in eine Bucht und warf den Anker, bevor er zu Jenna auf das Deck hinunterkam. „Ich denke, es fällt Ihnen leichter, sich zu bewegen, wenn das Boot still steht“, sagte er lächelnd.

Jenna blinzelte ertappt. Sie war in ihrem Sessel fast eingeschlafen und schaute Blake an. Wie er da vor ihr an der Reling stand und in das Wasser hinuntersah … Sie spürte ein leichtes Kribbeln auf der Haut, als sie sich neben ihn stellte, sehr auf genügend Abstand bedacht.

Blake reichte ihr sein Handy. „Sie sollten Pierson anrufen, bevor er eine Vermisstenanzeige aufgibt. Es ist schon fast fünf Uhr.“

„Wie bitte? Schon so spät? Und das Handy funktioniert hier draußen?“, fragte Jenna erstaunt.

„Ja und ja. Wir sind hier in Reichweite eines Funkmasts. Ich komme oft hierher, wenn ich noch ein paar Anrufe zu erledigen habe.“

Jenna setzte sich auf die Bank an der Reling, um Rafes Nummer einzutippen. Seine Sekretärin stellte sie sofort durch.

„Rafe? Jenna hier.“

„Ich fing gerade an, mir Sorgen um dich zu machen. Wie war dein Ausflug?“

„Wir sind noch auf dem Boot.“

„Jenna, du bist leichtsinnig! Du solltest dich nicht mit dem Kerl verbrüdern. Möglicherweise müssen wir gegen ihn vor Gericht gehen, vergiss das nicht.“

„Lass uns morgen darüber reden, Rafe.“

„Du kannst genauso stur sein wie Shannon.“

„Das nehme ich als Kompliment“, sagte sie lachend.

„Ruf mich wenigstens an, wenn du wieder zu Hause bist.“

„Okay“, seufzte sie. Sie wusste, er würde sonst keine Ruhe geben. „Es ist so friedlich und ruhig hier draußen.“

„Ja, ja. Die Ruhe vor dem Sturm“, knurrte der Anwalt.

Als sie Blake das Handy zurückgab, streifte er mit seinen Fingern die ihren, und da war es wieder, dieses Kribbeln, das sie nicht ein einziges Mal bei B.J., das sie noch nie zuvor erlebt hatte, und das ihr ein schlechtes Gewissen machte.

Schnell blickte sie aufs Wasser hinaus, um sich nichts anmerken zu lassen. „Haben Sie bereits Kinder?“

„Nein. Ich war auch noch nie verheiratet, für den Fall, dass es Sie interessiert.“

„Sie wissen so viel mehr über mich als ich über Sie. Warum haben Sie ihre Spermien einfrieren lassen?“

Erst hatte sie den Eindruck, dass Blake diese Frage nicht beantworten wollte, doch nach kurzem Zögern sagte er: „Ich habe gehört, dass Spermien mit zunehmendem Alter an Qualität verlieren. Zudem will … wollte ich spätestens mit vierzig ein Kind, allerdings erschreckt mich der Gedanke an eine ernsthafte Beziehung. Das ist nichts für mich. Also ließ ich meine Spermien einfrieren, um später eine Leihmutter zu finden. Das erschien mir die praktischste Lösung.“

Jenna fühlte sich, als wäre sie in ein Minenfeld getreten. Der Mann wollte ein Kind, aber keine Frau dazu? Was störte ihn an einer „ernsthaften Beziehung“, wie er es nannte? Sie hatte noch viele Fragen, aber Blakes Gesichtsausdruck zeigte deutlich, dass die Fragestunde zu Ende war.

„Wir alle versuchen unsere Zukunft irgendwie zu planen. Leider kommt es manchmal ganz anders, als man denkt. Meinen Sie nicht?“

„Ich weiß, wovon Sie reden, Jenna. Auch ich habe Schicksalsschläge einstecken müssen“, gab er zögernd zu, wobei er ihr in die Augen schaute und ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht strich.

Plötzlich war sie wieder da, diese intime Stimmung, die sie auf jeden Fall vermeiden wollte. War es die Art, wie er sie ansah, waren es diese silbernen Funken in den grauen Augen, oder standen sie einfach nur zu dicht beieinander? Sei’s drum, sie sollte besser ganz schnell an Land kommen.

„Sie sind eine wunderschöne Frau, Jenna.“

Ihr wurde heiß, und sie spürte, wie sie rot wurde. „Ach was, ich bin schwanger“, wehrte sie in einem Ton ab, als ob Schönheit und Schwangerschaft sich widersprechen würden.

Fast verschmitzt lächelte er sie an, was nicht unbedingt dazu beitrug, dass sich ihr Herzschlag beruhigte. „Ich glaube, die Schwangerschaft hat Sie nur noch schöner gemacht.“ Und wieder dieser Blick aus seinen Augen!

Sie war sechsundzwanzig Jahre, hatte einen Beruf, wurde bald Mutter – und kam sich neben diesem Mann wie ein schüchterner Teenager vor.