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Karin Nohr

Vier Paare und ein Ring

Roman

Knaus

1. Auflage

Copyright © 2013 beim Albrecht Knaus Verlag, München,
in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Satz: Uhl + Massopust, Aalen

ISBN 978-3-641-09125-5

www.knaus-verlag.de

Für meine Freunde vom grünen Hügel –
Anja, Beate, Helga, Ulrich

Prolog

*

Kurt: Lies dir das bitte mal durch, Eva.

Eva: Was? Wo?

Kurt: Entschuldige. Hab ich dich aufgeschreckt? Ich wollte dich bitten, die Mail hier durchzulesen, ob ich sie so lassen kann. Ob du überhaupt einverstanden bist.

Eva: Mensch, jetzt bin ich doch tatsächlich über der Zeitung eingenickt. Oder besser unter. Gott, ist es warm. Einverstanden, womit? Zeig mal her ….«Eva und ich« – aber du hast mir ja noch gar nichts davon gesagt, Kurt! »Ring-Projekt!« Du immer mit deinen Projekten … Oh, Semperoper! Schöne Idee, da war ich noch nicht. Soll ja herrlich sein. Ist übrigens die bestbesuchte Oper Deutschlands, wusstest du das? Hab ich in der Brigitte gelesen.

Kurt: Ja, da buchen große Firmen. Betriebsausflug für ihre Belegschaften. Soll ich einen Kaffee aufsetzen? Dann wirst du ganz wach.

Eva: Nein, lass mal, ich will gleich noch raus zu den Pferden, ich trinke mit Annegret dann da Kaffee … Was soll das hier heißen, wir müssen nicht unbedingt zu Mutters Geburtstag? Du kannst doch nicht einfach für mich mitreden! Übrigens will ich zu ihrem Geburtstag, ich muss nicht … Und wieso lädst du zu meinem Geburtstag ein?

Kurt: Darum zeig ich dir den Text doch! Ich frag dich ja!

Eva: Fragen ist gut. »Eva und ich hätten große Lust zu diesem Vorhaben.« Kurt, das nenn ich vor vollendete Pläne stellen! Ich danke. Weißt du was? Jetzt ist Sommer, soweit geb ich deiner Seele recht, ich freu mich aufs Grüne: Mach’s gut. Bis später!

Kurt: Eva, bitte! Zugegeben, es war ungeschickt von mir, dich erst mit der Mail zu fragen. Die Idee kam eben plötzlich, du hast geschlafen, ich hab geschrieben, und jetzt sind wir in Zeitdruck wegen der Karten. Nun komm, lass uns das doch zusammen planen.

Eva: Es ist einfach immer dasselbe: Du planst, ich soll mitmachen. Na gut. Also ich weiß nicht – vier Sonntage hintereinander Wagner? Viermal Puccini – schon eher. Aber Wagner? So lang. So laut. Und dann immer nach Dresden. So weit. Und wenn viel Schnee liegt, geht’s nicht mit dem Auto. Dann müssen wir da womöglich übernachten.

Kurt: Über die neue Autobahn sind es noch nicht mal zwei Stunden. Die ist immer gestreut. Und außerdem verbringst du die Zeit nicht nur mit Wagner, sondern auch mit mir. Genauer gesagt: Erst mal mit mir – Pause. Dann mit Freunden. Und dann erst mit Wagner. In dem berühmten Opernhaus! Mit dieser einmaligen Inszenierung. Die dann für immer in der Versenkung verschwindet. Ist das nichts?

Eva: Schamanisch. Ich weiß nicht. Dafür bin ich zu nüchtern. Ich fand das damals mit dem Friedrich-Ring hier an der Deutschen Oper kein Vergnügen. Vier Vorstellungen lang nur Atombunker! Weißt du noch? Götterdämmerung nach Erstschlag. Stundenlanges Starren in den Betontunnel da auf der Bühne. So toll fand ich es nicht.

Kurt: In Dresden wird es ganz anders. Decker macht alles mit Stühlen. ’n Tunnel gibt’s da nicht. Dass du den noch so genau vor Augen hast, spricht übrigens für Friedrich, oder?

Eva: Mit Stühlen? Wald mit Stühlen? Rhein mit Stühlen? Burg mit Stühlen? Ich weiß nicht. Warum muss immer alles so ausgefallen sein? Seit dem Chérau-Ring ist eh alles flach. Stand im Tagesspiegel. Aber gut – an wen dachtest du?

Kurt: Meine Frage ist: Wen wollen wir dabeihaben.

Eva: Ich höre immer WIR?

Kurt: Ja, wir. Komm, Eva, sei keine Spielverderberin. Ist doch ’ne klasse Idee. Wie findest du das übrigens mit »semper idem«? Hättest du auf Anhieb noch gewusst, dass es von Cicero ist?

Eva: Ja, hätte ich. Neun Jahre Latein auf dem Katharinäum haben sich eben verdient gemacht. Übrigens zitiert Cicero mit dem Satz Xanthippe, wenn ich mich recht erinnere. Sie soll über ihren Mann Sokrates gesagt haben, er komme abends mit immer derselben Miene heim, mit der er morgens fortgehe.

Kurt: Als Lob?

Eva: Na, wohl eher als Kritik. Außerdem wirbt Underberg mit dem Spruch.

Kurt: Dieser Magenbitter? Wer so was trinkt, der kann doch kein Latein!

Eva: Was hast du nur für Vorurteile. Es heißt seit Urzeiten »Semper idem Underberg«. Immer derselbe Verdauungsschluck, mit dem man dies und das wegtrinkt, was einem beim Essen oder im Leben so aufstößt. Meine Oma hat ihn eingenommen wie Medizin, dabei den Zeigefinger gehoben, und alle sagten im Chor: »Semper idem Underberg.«

Kurt: Bildung am Mittagstisch – das gabs bei uns nicht. Aber war doch gut, dass ich es nicht wusste, oder? Sonst wär ich nie auf die Nibelungen gekommen! Die unterm Berg das Gold schmieden! Passt einfach alles zusammen, ha!

Eva: Du kannst es dir leisten, Nichtwissen zuzugeben, weil du einen Lehrstuhl unterm Hintern hast. Aber ich gebe zu, es ist eine schöne Idee, sich dieses Opus mit anderen zusammen anzuschauen. Dann ist man dem Ganzen nicht so ausgeliefert. Hab ich eigentlich sofort gedacht, aber nicht gesagt: kleine Rache für deine Bevormundung. Und wegen Mutters Geburtstag. Aber sicher geht Olaf hin. Also Schwamm drüber. Ja, ich hätte Lust dazu! Zufrieden? So. Also: wen?

Kurt: Auf jeden Fall …

Eva: Auf keinen Fall …

Eva und Kurt: Blasius.

Eva: Eben den nicht! Kurt, warum muss es immer wieder Blasius sein? Jedes Mal wenn er und seine Frau hier waren, haben die mir, mit Verlaub, Blasen an den Arsch geödet. Wie er schon guckt!

Kurt: Wie guckt er denn?

Eva: Merkst du das nicht? Er guckt einem nie direkt in die Augen. Immer einen Millimeter daneben. Mit so einem harten Blick. Wie mit Glasaugen.

Kurt: Eva, du übertreibst. Das ist mir noch nie aufgefallen.

Eva: Vielleicht guckt er nur Frauen so an. Und dir redet er die ganze Zeit nach dem Mund. Selbst wenn er widerspricht: Erst lobt er das, was du vorher gesagt hast. Und seine Frau sagt nie was. Allerdings bringt sie immer ausgesucht schöne Blumen mit. Eine höfliche und erzlangweilige Pute. Politically overly correct.

Kurt: Sagt man das so? Overly? Aber einem Lateiner wie dir ist ja sprachlich alles zuzutrauen. Also, dann mach du den ersten Vorschlag.

Eva: Gleich. Aber sag doch mal. Was findest du bloß an Blasius?

Kurt: Wahrscheinlich habe ich mich an ihn gewöhnt, weil ich ihn täglich in der Uni sehe. Gott, sonderlich sympathisch ist er sicher nicht. Diese angestrengte Höflichkeit, das Bemühte, ja, das nervt. Aber ein Anpasser ist er nicht. Im Gegenteil, er eckt an, ist oft viel zu extrem in seinen Ansichten.

Eva: Wenn er bei uns ist, merkt man davon aber nichts.

Kurt: In den Kommissionen ist er für mich hilfreich. Setzt was durch, wo ich schon aufgebe. Außerdem nimmt er mir eine Menge Verwaltung ab. Kurz und gut, er ist nützlich. Zum Beispiel beim Symposium. Ohne ihn könnte ich so was gar nicht machen. Und dann wird er möglicherweise bald mein Kollege: wenn er seine Habilitation schnell fertigkriegt zu Krögers Emeritierung und wenn Blasius dann auch genommen wird, was natürlich in den Sternen steht. Also wenn, wenn, wenn. Und, ja, wo wir nun schon drüber reden, er tut mir irgendwie leid. Wahrscheinlich mache ich mir Vorwürfe, weil ich ihn nicht mag, obwohl ich oft von ihm profitiere. Und seine Frau, na Gott, sie hat schon damals als Studentin nie etwas gesagt, aber klug war sie, und schriftlich konnte die großartig formulieren. Hat glänzende Arbeiten geschrieben. Ich hätte sie gern akademisch gefördert, aber sie wollte ja unbedingt Bibliothekarin werden.

Eva: Blasius wird nie im Leben genommen. Du sagst doch immer, dass es Hausberufungen nicht mehr gibt. Na, lassen wir das. Ich schlage natürlich Annegret vor. Die wird bestimmt sofort zusagen. Sie geht oft ins Konzert. Ob sie allerdings auf Wagner anspringt, weiß ich nicht. Vielleicht ist ihr Oper überhaupt zu laut und zu bunt. Immerhin hat sie neulich erzählt, dass sie früher mit Alfred ein Opernabo hatte. Jetzt, so viel ich weiß, geht sie nur in die Philharmonie. Am liebsten zu Kammermusik. Sie ist immer noch nicht so richtig drüber weg.

Kurt: Das ist doch nun schon so lange her!

Eva: Sieben Jahre. Sie hatte kürzlich Jahrestag. Todestag, meine ich.

Kurt: Hat sie nicht langsam mal einen anderen? So ’ne attraktive Frau! Erfolgreiche Ärztin! Die wirklich was auf’m Kasten und dazu noch Knete hat. Ich versteh das nicht.

Eva: Musst du ja auch nicht. Manche brauchen eben länger. Jedenfalls würd ich sie gern dabeihaben. Seit sie so oft mit zu den Pferden rauskommt, ist sie mir richtig ans Herz gewachsen. Sie vertraut mir mehr und mehr an, vor allem von ihrer Lena. Scheint ein ziemlicher Feger zu sein. Der fehlen die väterlichen Machtworte! Überhaupt Annegret: Ich muss gleich los, wir sind verabredet. Sie ist also meine erste Wahl.

Kurt: Ja, natürlich. War schon fest eingeplant. Gib mir bitte ihre Mail-Anschrift. Weiter. Diesterkamps doch auf jeden Fall. Mit Thomas zu reden ist für mich manchmal auch ein schamanisches Erlebnis. Psychoanalytiker sehen alles immer von einer Seite, auf die man nie gekommen wäre.

Eva: Thomas und Ulrike? Unbedingt. Wenn sie sich viermal hintereinander sonntags losmachen können. Das ist die Frage. Nico ist doch noch ziemlich klein.

Kurt: Wieso, ist der nicht gut drei jetzt? Und die haben doch die Oma in der Nähe.

Eva: Omas haben auch manchmal was vor. Aber klar, frag sie. Wie viele sollen es überhaupt werden? Auf eine Art Seminar habe ich keine Lust. Also höchstens noch einer. Dann wären wir sechs.

Kurt: Wir sollten mehr als sechs fragen. Es werden doch niemals alle zusagen.

Eva: Tja, und nachher sagen sie alle zu, und das sind mir dann zu viele.

Kurt: Was ist mit deinem Bruder Olaf? Den sehen wir immer nur zu hohen Feiertagen. Was schade ist.

Eva: Mein Bruder kommt nicht ohne Susanne. Und die muss ich nicht dabeihaben.

Kurt: Ach, Eva. Sie trägt doch als Musikerin Wertvolles bei! Und in einer etwas größeren Runde fällt sie gar nicht so auf.

Eva: Fällt nicht auf? Die kann gar nicht nicht auffallen. Im Elbschlösschen wird sie die Künstlerin rauskehren. Uns damit langweilen, wie Wagner zu spielen ist. Inszenierungen vergleichen, die kein Mensch je gehört und gesehen hat. Und ihr Intellektuellen verstummt dann. Nee, auf ewige Besserwisserei hab ich keine Lust. Andererseits – schreib sie ruhig an, das wirkt nett. Die kommen nämlich sowieso nicht, weil es ihnen zu teuer ist.

Kurt: Und wenn wir es ihnen zu Weihnachten schenken? Dann wär gleich das Geschenkethema abgehakt.

Eva: Was? So ein großes Geschenk? Das sehe ich nicht ein. Also dann schon lieber Blasius. Und was ist überhaupt mit deinem guten alten Otto? Den hast du lange nicht getroffen. Freundschaften muss man pflegen, weißt du.

Kurt: Otto lehnt Wagner aus politischen Gründen ab. Also Schluss – diese sechs. Ich tipp sie mal alle in den Empfänger ein, dann wissen sie gleich, wer mit von der Partie ist. Gib mir bitte noch die Mail-Anschrift von Annegret. Ach, weißt du, lass mich Olaf und Susanne doch mit einladen. Was hast du gegen ein Weihnachtsgeschenk für deinen Bruder?

Eva: Nichts. Aber wenn sie es annähmen, geht überhaupt keiner zu Mutter an ihrem Geburtstag.

Kurt: Dann schlagen wir Mutter vor, dass wir sie einen Tag vorher besuchen kommen. Am Samstag. Dann kann sie Sonntag ihre Damenrunde einladen. Ist doch gut, oder?

Eva: Ich bin dagegen.

Kurt: Ach, Eva, lass doch. Ich schick jetzt einfach mal die Mail los. Bin gespannt.

*

*

*

*

Kurt: Eva, alle haben zugesagt. Annegret will Lena mitbringen.

Eva: Ach, das klappt sowieso nie. Lena will immer mal was, und dann dreht sie wieder ab. Was soll sie auch in unserer ältlichen Runde.

Kurt: »Ältliche Runde«, ha!

Eva: Von ihr aus betrachtet. Also ich schwör’s dir, Kurt, die kommt einmal mit, langweilt sich, sagt die anderen Male ab, und wir müssen die Karte verkaufen.

Kurt: Wieso? Sie muss doch diese Pisa-Präsentation machen? Und aufs Geld kommt es bei Annegret nicht so an. Außerdem kann man mit der Karte eher noch ein Geschäft machen.

Eva: Geschäft. Wenn da ein gut aussehender Musikstudent ist, kriegt er die. Und zwar umsonst.

Kurt: Aha.

Eva: Dann sind wir also acht: Annegret und Lena, Ulrike und Thomas, die unvermeidlichen Blasii und wir. Passt doch gut um den runden Tisch im Elbschlösschen. Den sollten wir ganz rechtzeitig bestellen, dass uns den keiner wegschnappt. Hast du denn die Karten jetzt geordert?

Kurt: Ich wollte noch auf Olafs Antwort warten.

Eva: Du hast die beiden also doch mit angeschrieben?! Wir hatten klar vereinbart: Susanne nicht. Damit auch Olaf nicht. Wieso hältst du dich nicht an unsere Absprachen?

Kurt: Ich hatte dich so verstanden, dass ich sie ruhig mit anschreiben soll.

Eva: Du drehst dir immer alles so hin, wie du es haben willst! Wenn du jetzt noch nicht bestellen willst, tue ich es eben. Ich hab nun Gefallen gefunden an dem Ganzen und warte nicht mehr ab. Los, lass mich mal an den PC. Du kannst gerne inzwischen einen Kaffee aufsetzen. …

Kurt: So, hier. Pass auf, der Kaffee steht neben dir. Und? Hat’s geklappt?

Eva: Ja, acht Karten, je vier und vier zusammenhängend in Reihe fünf und sechs. Direkt hintereinander, nur ein bisschen versetzt! Und gespart hab ich auch nicht an der Kultur!

Kurt: Wie viele Karten gab es denn überhaupt noch?

Eva: Siebenundzwanzig. Die meisten jetzt überall versprengt. Manchmal noch zwei und zwei zusammen.

Kurt: Lass mich mal ran. Das schreib ich schnell an Olaf. Er soll sich beeilen, wenn er mit will.

Eva: Bitte sehr. Nimm Platz auf deinem Regiestuhl. Unglaublich, wie du einfach immer Deines durchdrückst!

Kurt: Ach, Eva, ist doch oft so: Erst willst du nicht, hinterher bist du mir dankbar. Du wolltest damals nach der OP mit dem Reiten auch nicht anfangen, stimmt’s? Ich hab dich einfach angemeldet, und heute kannst du nicht mehr ohne Pferd. Also wart’s nur ab. Oh hier, sie haben ja schon geantwortet:

Kurt: Reg dich ab, sie machen nicht mit. Ich soll dein schwesterliches Herz grüßen. Olaf und Eva. Sigmund und Siglinde. (Singt) Winterstürme wichen dem Wonnemond …

Eva: Ach, hör doch auf. Das waren Zwillinge. Aber gut so. Ich bin froh, dass er zu Mutter geht. Mensch, Kurt, hurra! Das Ring-Projekt steht! Ich fürchte, du hast recht – erst mecker ich, dann freu ich mich.

Kurt: Siehste.

*

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I

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Rheingold

Erich-Hoepner-Oberschule Halle, Kl. 10 c, 2. Klassenarbeit. Wähle einer der beiden folgenden Aufgaben aus. Du hast eine Doppelstunde Zeit. Zähle zum Schluss die Wörter, und gib sie unten an. Vergiss nicht, Deinen Namen oben einzutragen. Viel Erfolg!

Aufgabe eins: Fertige eine Inhaltsangabe zu einem der vier Wagner-Texte an: Das Rheingold, Die Walküre, Siegfried, Die Götterdämmerung. Beachte: Präsens benutzen, einen einleitenden zusammenfassenden Satz schreiben, nicht in eine Nacherzählung mit unnötigen Einzelheiten geraten, jegliche Wertungen und Meinungsäußerungen vermeiden.

Aufgabe zwei: Forme einen der vier Wagner-Texte zu einem Märchen um. Benutze die im Unterricht erarbeiteten typischen Kennzeichen der Grimm’schen Märchen.

Milan Sukri, 10c

Aufgabe 1: Das Rheingold (Inhaltsangabe)

(Hallo Frau Diesterkamp, hab die anderen Texte auch gelesen, nicht dass Sie denken: Er hat nur den ersten gelesen. Aber ich finde Ihre Aufgabenstellung ungerecht: Wenn man einen von den hinteren Texten nimmt, muss man ja alles von vorne miterzählen. Das ist ja quasi vierfach. Die anderen finden es auch ungerecht. Ich hätte lieber Siegfried genommen, aber nun nehm ich deswegen Rheingold, was ich überhaupt nicht mag.)

Der gesprochene Text von R. Wagner (den man auch singen kann) mit der Überschrift Das Rheingold handelt vom Gold. Am Anfang vom Text liegt dieses Gold mitten im Rhein. Wie es dahingekommen ist wird nicht gesagt. Vielleicht ein Schiffsunglück? Oder ein Reicher hat es da versenkt und wollte es später wieder holen, hat aber die Stelle nicht mehr gefunden. Also, das weiß man alles nicht. Der Text fängt mitten im Rhein an, also unter Wasser. Da schwimmen drei Mädels herum (ich weiß die Namen, aber sage sie nicht, wir sollen ja nichts Überflüssiges erwähnen, und ich finde diese Namen so albern, dass sie echt überflüssig sind). Zwei spielen Fangen im Wasser, und die dritte schimpft sie aus deswegen, weil sie nämlich auf das Gold aufpassen sollen. (Ich finde, bei Siegfried hat R. Wagner das besser gelöst, als er den riesigen Drachen den Schatz bewachen lässt. Das ist einfach nichts für Mädels.) Dann kommt plötzlich ein Herr Alberich dazu, der findet die Mädels niedlich, aber sie ihn nicht, sie lassen ihn ziemlich abfahren. (Ich versteh nicht: Die Mädels sind albern, aber der Mann, ein echter Nibelung, das ist doch ein richtiges Volk! Dass der Alberich genannt wird. Na. Das mit den Namen finde ich nicht gelungen von R. Wagner.) Er wird jedenfalls sauer, als sich das ’ne Weile hinzieht da im Fluss und er an keine rankommt, und dann sieht er plötzlich das Gold. Eine von den Mädels erzählt ihm – wie albern kann man sein, wo sie das Gold doch hüten sollen!! –, dass man aus dem Gold einen Ring machen kann, und wer den hat, wird der mächtigste Mann der Welt. So ähnlich wie in Herr der Ringe. Den klaut ihnen der Herr Alberich natürlich und haut damit ab, und danach ist man plötzlich nicht mehr im Rhein, sondern wie im Film – Schnitt – einfach ganz oben bei einer Burg auf einem Berg. Der Rhein fließt jetzt unten vorbei. (Wahrscheinlich hat Reiner Wagner gedacht, da der Text Das Rheingold heißt, muss man den Rhein immer sehen. Aber ich finde das Gold wichtiger als den Rhein.) Vor der Burg stehen Wotan und seine Frau Fricka. Das sind Götter oder Halbgötter, jedenfalls hat Wotan immer eine Augenklappe, er hat nur ein Auge, und darum denke ich, dass er nur ein Halbgott ist. Wotan hat sich eine tolle Burg bauen lassen, wie er sie schon immer gewollt hat. Er hat aber nicht selber gebaut, sondern zwei Riesen dafür eingestellt, die heißen Fafner und Fasolt. Wahrscheinlich Zwillinge. Die haben ihm die Burg nun fertiggebaut und wollen ihre Bezahlung. Klare Sache. Wotan hat aber kein Geld, und darum hat er den beiden Bauriesen einfach seine Schwägerin Freia angeboten. Also die Schwester von seiner Frau Fricka. So als Zweckheirat und quasi Bezahlung. Find ich keine gute Lösung. Beide sind total scharf auf Freia, und die hätte dann zwei Männer, was unter Göttern wohl vorkommt, aber ich würde natürlich meiner Freundin was husten, wenn sie noch einen anderen hätte. Freia will außerdem die Riesen gar nicht, das ist das Problem, und Wotans Frau, diese Fricka, will diese Zweckheirat auch nicht. Sie meckert so an Wotan herum, bis der nicht mehr weiß, was er machen soll und einen anderen Gott dazuholt; der heißt Loge und ist ein Feuergott. Kann alles mit Feuer. Wahrscheinlich sollte er Lohe heißen, und R. Wagner hat sich verschrieben, und dann ist es immer weiter falsch gedruckt worden. Und besonders listig ist der auch. Lügt wie gedruckt. Dieser Loge lässt die aber warten und kommt erst noch nicht. Freia hat so Äpfel, die kann nur sie pflücken, und davon leben die Halbgötter da. Die brauchen sie praktisch, wenn sie die nicht kriegen, gehen sie ein. Also werden dann alt, grau und sterben. Darum wär es eben auch blöd, wenn Wotan Freia mit den Wunderäpfeln verkaufen würde, da muss man Fricka schon recht geben, die würden ohne diese Freia und ihre Äpfel alle eingehen. Nun kommt Loge endlich und hat die rettende Idee: Er erzählt allen von dem Ring aus Rheingold, den Herr Alberich geklaut hat. Alle wollen sofort den Ring: Fricka als Schmuck, die Riesen, um sich an Herrn Alberich für irgendwas zu rächen, und Wotan, weil er der Mächtige sein will und sich nichts von Herrn Alberich sagen lassen will, der immer Zwerg genannt wird. Vielleicht ist er auch ein Zwerg, aber heute sagt man Kleinwüchsiger. Aber die Riesen sagen nun, dass sie lieber den Ring haben wollen und dafür Freia dann nicht. Das ist die Lösung. Allerdings ist es für Wotan blöd, der ja den Ring selber gern hätte, und für Fricka auch, die sich damit schmücken will, aber immer noch besser als ohne Äpfel eingehen. Die Götter werden nämlich schon ein bisschen blass und verschrumpelt und sind kurz vorm Abnibbeln. Loge hat dann die Idee, dass man dem Alberich den Ring einfach klaut. Der hat ihn ja auch geklaut. Also zurückklaut. Und das tun sie dann auch, Loge und Wotan tun das, also Wotan hält sich vornehm zurück, Loge macht alles. Er ist so ein unter-gebener Halbgott, vielleicht nur Viertelgott. Sie besuchen Alberich bei seinem Zwergenvolk, den Nibelungen, die leben ganz unten in einem Berg, und weil sie Nibelungen sind, heißt das da Nibelheim. Also erst ist man in diesem ganzen Text im Wasser, dann auf’m Berg und nun unten im Berg. Herr Alberich ist ein brutaler Typ, alle müssen tun, was er sagt. Wegen dem Ring, den er hat. Er zieht seinen Bruder, der heißt Mime, am Ohr, was sehr wehtut. Unser Vater zieht uns manchmal so am Haar, dreht die erst, das zwiebelt. Mime ist ein klasse Schmied und kann richtig was, anders als Herr Alberich, der einfach nur ein Kapitalist ist und Mime zum Beispiel zwingt, ihm aus dem ganzen Gold immer was Neues zu schmieden. Mime macht ihm einen Tarnhelm, genau wie in Herr der Ringe, da kommt auch so was vor. Wenn man den aufsetzt, ist man verschwunden. Wie in Harry Potter der Umhang, so. Nun kommen Loge und Wotan also dahin, und dann kommt auch Alberich und gibt voll an mit seinem Ring. Er ist jetzt genauso blöd wie die Mädels am Anfang, statt auf den Ring aufzupassen, gibt er an damit. Für so einen listigen Typen wie Loge ist es ganz easy, an den Ring heranzukommen, er macht es mit ’nem Rätsel. Alberich prahlt wie blöd, dass er sich mit dem Ring und Helm und den anderen Sachen in alles verwandeln kann. »Auch in eine Kröte?«, fragt ihn Loge. Wie dumm kann man sein! Als Alberich als Kröte rumhüpft, fangen sie ihn ein; voll brutal stellt Wotan seinen Fuß auf die Kröte drauf, und Loge reißt der den Tarnhelm ab, und dann kommt Alberich als Zwerg wieder zum Vorschein, sie fesseln ihn und nehmen ihn mit auf den Platz vor der tollen Burg vom Wotan, die die Riesen gebaut haben. Alberich muss ihnen nun das ganze Gold und den Tarnhelm und zum Schluss auch den Ring geben. Dann lassen sie ihn frei. Er ist voll sauer, am Anfang erst kein Mädel, jetzt alles verloren durch eigene Dummheit. Na ja. Er stößt einen Fluch aus, dass keiner sich an dem geklauten Ring freuen soll, dass der nur Unheil bringt, wieder so ähnlich wie mit Mordor im Herrn der Ringe, und verschwindet. Wahrscheinlich wieder ab nach Nibelheim.

Nun bezahlt Wotan die Riesen mit dem Gold, die wollen aber auch den Ring, aber Wotan will ihn nicht hergeben. Auf gar keinen Fall. Wieso sind die Riesen auch nicht mit dem ganzen Gold zufrieden? Und Loge hat ihnen sogar noch den Tarnhelm auf den ganzen Schatz draufgelegt! Aber da taucht plötzlich ’ne uralte Frau aus der Erde auf. Die heißt darum wohl auch Erda. Oder es war wieder ein Druckfehler, und sie sollte Gerda heißen. Jedenfalls warnt sie Wotan. Er soll den Ring nicht behalten, ihn lieber den Riesen geben. Der Ring bringt kein Glück, sagt sie. Hatte ja Alberich auch schon gesagt. Ich finde Erda am besten von allen. Wie eine weise Großmutter, die den Durchblick hat. Und Wotan hört auch auf sie. Ja, er gibt den Riesen den Ring, Freia kommt mit den Äpfeln zurück, die Götter futtern, es geht ihnen sofort wieder gut, jetzt könnte das Ende sein, aber R. Wagner setzt noch einen drauf. Die beiden Riesen streiten sich sofort um den Ring, und Fafner ermordet seinen Riesenbruder voll krass mit einem Pfahl, stopft den Ring und das ganze Gold in einen Sack und verschwindet. Die Götter sind entgeistert, aber auch froh. Denn jetzt ist der ganze Spuk vorbei, es gibt noch ein Gewitter und danach einen schönen Regenbogen, und den nutzen sie als Brücke und wandern darauf in die Burg hinein, die Wotan ja jetzt gehört, die er ja abbezahlt hat auf einen Schlag mit dem ganzen Gold. Das nennt man Kredit ablösen. Ich stell mir das gut vor, wie sie da über die Regenbogenbrücke gehen, Wotan mit seiner Frau Fricka ganz stolz voran, trotz Augenklappe, er immer mit seinem Speer als toller Hecht, die anderen hinterher, und er gibt jetzt seiner geliebten Burg einen Namen: Wahlhall. Vielleicht, weil er sie gewählt hat, die Burg und nicht den Ring. Das ist aber meine persönliche Interpretation. Damit könnte es nun wirklich aufhören, aber es kommt doch noch was: Loge ist nämlich miesepetrig drauf und guckt sich von Weitem an, wie sie über die Brücke gehen und sich freuen. Er findet die Götter dumm und sagt, dass sie blind ihrem Ende zugehen, aber schließlich ist Wotan nur halbblind, das eine Auge hat er ja noch, und die anderen sind auch noch da, und wieso Ende? Denen geht’s doch wieder gut. Loge weiß nicht, was er will: Soll er mit denen gehen oder sich wieder als Feuerspuk herumtreiben? Aber damit ist es immer noch nicht ganz zu Ende. Von unten aus dem Rhein hört man die Rheintöchter jammern, ihr schönes Gold ist ja futsch, und Loge verhöhnt die noch. Sie sollen sich am Götterglanz erfreuen statt an ihrem eigenen Gold. Voll gemein so was. So von oben herab.

Eigene Meinung: Ich finde die Geschichte gut, aber das Ende blöde. Warum konnte es nicht damit aufhören, dass sie in die schöne Burg gehen? Ab und an mal nach unten einen Ausflug machen, die Mädels trösten? Ich finde Loge von allen am schlechtesten. Ich finde ihn schlechter als Alberich. Alberich hat einfach nur versucht, sich was zu holen, und war zu blöd, es zu behalten. Das kommt vor. Aber Loge, der hat gar nichts außer seinem Feuer und tut immer so, als ob er der Schlaueste von allen ist. Ist er vielleicht auch, aber mich hat er gestört.

(Hallo Frau Diesterkamp, hab jetzt so viel geschrieben, keine Zeit mehr durchzulesen und die Wörter zu zählen. Aber sagen Sie mir mal, wie die anderen von der Götterdämmerung ’ne Inhaltsangabe machen sollen, wenn dies hier schon so krass kompliziert war und denen das ja alles fehlt! Können wir vor den Ferien zusammen Herr der Ringe angucken? Ich hab das auf DVD.)