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Albert Thiele

Präsentieren ohne Stress

Albert Thiele

Präsentieren ohne Stress

Wie Sie Lampenfieber in Auftrittsfreude verwandeln

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Albert Thiele

Präsentieren ohne Stress

Wie Sie Lampenfieber in Auftrittsfreude verwandeln

F.A.Z.-Institut für Management-,

Markt- und Medieninformationen GmbH

Frankfurt am Main 2010

ISBN 978-3-89981-512-2

Bookshop und weitere Leseproben unter:

www.fazbuch.de

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Copyright

F.A.Z.-Institut für Management-,

Markt- und Medieninformationen GmbH

Mainzer Landstraße 199

60326 Frankfurt am Main

Gestaltung / Satz

Umschlag

F.A.Z., Verlagsgrafik

Titelbild

Image Source / Corbis

Satz Innen

Anja Desch

Alle Rechte, auch des auszugsweisen

Nachdrucks, vorbehalten.

Inhalt

Vorwort

1  Qualitätsstandards für Präsentationen und Stressmanagement

Fünf Grundprinzipen für wirkungsvolles Präsentieren

Präsentieren „ohne Stress“ – Geht das?

2  Auftrittsfreude – Die innere Haltung

Selbstvertrauen

Neue Erfahrungen

Mentaltraining

3  Der souveräne Auftritt – Die äußere Haltung

Die letzten Minuten vor dem Auftritt

Überzeugen durch Körpersprache

Überzeugen durch Stimme und Sprechtechnik

4  Wie Sie Spannung und Aufmerksamkeit erzeugen

Icebreaker: Steigen Sie attraktiv ein

Storytelling: Wecken Sie Emotionen durch Geschichten

Kopfkino: Veranschaulichen Sie Ihre Botschaften

5  Fokus auf Kernbotschaften – Was will ich meinem Publikum sagen?

Wie erarbeite ich Kernbotschaften?

Der Weg zum Präsentationskonzept

Teilnehmerperspektive beachten

6  Powerpoint-Präsentationen – Tipps für zuhörergerechten Medieneinsatz

Do’s und Dont’s für Powerpoint

Folien „hirngerecht“ gestalten

Flipchart – Die ideale Ergänzung zu Powerpoint

7  Diskussion – Souverän bei Fragen, Einwänden und Störungen

Techniken zur Leitung der Diskussion

Basic Skills zum Umgang mit Einwänden

Umgang mit unsachlichen Angriffen

8  Transferhilfen – Wie Sie Ihr Präsentationsverhalten spürbar verbessern

Anwendungsplan erstellen

Die Komfortzone verlassen

Selbstgesteuerte Übungen im Alltag

9  Fazit

Literatur

Der Autor

Vorwort

Wie gelingt es, Präsentationen zu halten und dabei – statt Nervosität – sogar Auftrittsfreude zu empfinden? Diese Frage steht im Mittelpunkt dieses Ragebers. Eine positive innere Haltung zum Vortrag ist nämlich eine ganz entscheidende Voraussetzung, um Bestleistung auf der „Bühne“ zu erbringen. Je mehr Lampenfieber und Auftrittsstress Ihr Gehirn beherrschen, desto weiter entfernen Sie sich von Ihrem persönlichen Optimum. Dies gilt nicht nur für das Musizieren, das Theaterspielen und den Gesang, sondern genauso für eine Präsentation, einen Vortrag und eine Moderation,

Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie zu hohes Stressniveau in Auftrittsfreude verwandeln. Dies gelingt zwar nicht von heute auf morgen. Aber mit Willenskraft, Geduld, beharrlichem Üben und neuen Erfahrungen wird Ihre Auftrittsfreude kontinuierlich zunehmen und ein Niveau erreichen, auf dem Sie sich vor Publikum wohlfühlen, und zwar in allen Phasen der Präsentation.

Die Empfehlungen dieses Buches konzentrieren sich auf diejenigen Situationen, die beim Präsentieren erfahrungsgemäß als besonders schwierig und „stressig“ erlebt werden. Das dargestellte Know-how ist eine Art „Krisenprävention“, das Ihre Sicherheit und Erfolgszuversicht beim Auftritt steigert, weil Sie wissen, wie der Code für exzellente Vorträge aussieht und wie Sie mögliche Schwierigkeiten am besten meistern.

Im einleitenden Kapitel lernen Sie fünf Grundprinzipien kennen, die für rhetorische Bestleistungen vor Publikum unabdingbar sind und die allgemeine Anforderungen an professionelle Präsentationen kennzeichnen: Zielgruppenorientierung, Personalisierung, Emotionalisierung, Fokus auf Kernbotschaften und Visualisierung. Diese Prinzipien prägen alle Phasen des Präsentationsprozesses – wenngleich mit unterschiedlicher Gewichtung.

Dieser Ratgeber bietet Ihnen in acht Kapiteln Praxistipps zu folgenden Fragen:

1.  Welche Anforderungen sind an wirkungsvolle Präsentationen zu stellen? Und: Wie wirkt sich Stress auf den Erfolg Ihrer Auftritte aus?

2.  Wie kann ich durch Veränderung meiner inneren Haltung Lampenfieber und Nervosität in Auftrittsfreude verwandeln?

3.  Wie kann ich durch eine Veränderung meiner äußeren Haltung die Präsentation souverän und glaubwürdig durchführen?

4.  Wie kann ich meine Zuhörer fesseln und deren Aufmerksamkeit durchgängig auf einem hohen Niveau halten?

5.  Welche Bedeutung haben Kernbotschaften für Präsentationen?

6.  Welche Do’s und Dont’s sind beim Einsatz von Powerpoint und Flipchart zu beachten?

7.  Wie leite ich die Diskussion und wie gehe ich gekonnt mit Einwänden, Angriffen und Störungen um?

8.  Wie kann ich wichtige Erkenntnisse des Buches im Alltag anwenden und mein Präsentationsverhalten nachhaltig verbessern?

In diesem Buch finden Sie neben dem einschlägigen Know-how zahlreiche Übungen, Merk- und Transferhilfen, die Ihnen die Anwendung der Empfehlungen erleichtern. Betrachten Sie alle Anregungen als Lernangebote und suchen Sie sich diejenigen heraus, die zu Ihren Präsentationsanlässen, zu Ihrer Persönlichkeit und zu Ihren Karrierezielen am besten passen. Denken Sie jedoch beim Verbessern Ihres Präsentationsstils stets daran, dass Sie nur dann erfolgreich sein können, wenn Sie glaubwürdig und authentisch auftreten.

Dieser Leitfaden wendet sich an alle, die Ihre Präsentationstechnik auf den Prüfstand stellen und alle Möglichkeiten ausschöpfen wollen, um die eigenen rhetorischen Potentiale zu entwickeln und Unsicherheiten und Ängste durch Souveränität und Auftrittsfreude zu ersetzen.

Vier Hinweise zum besseren Verständnis der Ausführungen:

•  In diesem Buch konzentrieren wir uns auf die persönlichen Erfolgsfaktoren für einen souveränen Auftritt.

•  Bei den Praxistipps zu Powerpoint steht im Vordergrund, wie man die wichtigsten Fehlerquellen vermeidet und die Präsentation „hirngerecht“ durchführt. Wenn Sie Ihre Kenntnisse zur Powerpoint-Software und zum Präsentationsdesign vertiefen wollen, verweisen wir auf die Hand- und Ideenbücher im Literaturverzeichnis. „Powerpoint“ steht stellvertretend für die einschlägigen Präsentationsprogramme, zu denen beispielsweise auch „Keynote“ für Apple oder „Magic Point“ für Linux gehören.

•  Dieser Ratgeber hat eine modulare Struktur. Daher können Sie sich einzelne Kapitel ohne Berücksichtigung der Reihenfolge herausgreifen.

•  Aus Gründen vereinfachter Lesbarkeit wird im Text durchgängig die männliche Sprachform gewählt (Manager, Mitarbeiter, Zuhörer usw.), mit der stets beide Geschlechter gemeint sind.

Mein besonderer Dank gilt meinem langjährigen Kooperationspartner Siegmar Saul, meinem Trainerkollegen Bernd Gerbecks, dem Fernsehund Hörfunkmoderator Helmut Rehmsen sowie dem Journalisten Florian Vollmers für die wertvollen Anregungen und Verbesserungsvorschläge bei der Manuskripterstellung.

Viel Freude beim Lesen dieses Ratgebers!

Düsseldorf, Dezember 2010

Dr. Albert Thiele

1   Qualitätsstandards für Präsentationen und Stressmanagement

Nur noch eine Woche, dann ist es so weit: Sie müssen ein Konzept zur Neustrukturierung des Vertriebs präsentieren. Ihr Auditorium: Vorstand und Ressortchefs Ihres Unternehmens. Die zeitliche Vorgabe für Ihren Auftritt: 20 Minuten plus Diskussion. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an diesen für Sie wichtigen Termin denken?

Vermutlich kreisen Ihre Gedanken um folgende Fragen: Wie komme ich rüber? Werde ich einen kompetenten und souveränen Eindruck hinterlassen? Was mache ich, um mein Lampenfieber in den Griff zu bekommen – beim Vortrag und in der Diskussion? Wie kann ich meine Inhalte motivierend und einprägsam vermitteln? Was sind die Kernbotschaften meiner Präsentation? Mit welchen visuellen Hilfsmitteln kann ich meine Argumentation unterstützen? Wenn ich Powerpoint nutze: Wie viele Charts darf ich maximal in 20 Minuten zeigen? Wie kann ich den Erwartungen der Zuhörer bestmöglich Rechnung tragen?

Je nach Persönlichkeit, rhetorischer Begabung und Erfahrungen mit Präsentationen1 werden Inhalte und Schwerpunkte Ihrer Gedankenreise unterschiedlich sein. Und damit natürlich auch das subjektiv erlebte Stressniveau bei der Vorbereitung und später während des Vortrags.

Bevor Sie in den Kapiteln 2 bis 7 das Know-how zu den Schlüsselthemen des Präsentierens kennenlernen, werden zunächst zwei Fragen geklärt, die eng mit dem Buchtitel „Präsentieren ohne Stress“ zu tun haben:

1.  Welche allgemeinen Qualitätsstandards sichern wirkungsvolles Präsentieren?

2.  Wie kommt Auftrittsstress zustande und welche Auswirkungen hat Stress auf Ihre persönliche Leistung beim Präsentieren?

Die folgenden allgemeinen Anforderungen an erfolgreiche Präsentationen sind die Essenz aus „Best Practices“ besonders erfolgreicher Redner, einschlägiger Literatur sowie meiner langjährigen Erfahrungen als Managementtrainer und Coach. Diese Anforderungen wurden zu fünf Grundprinzipien (= Qualitätsstandards) verdichtet.

Fünf Grundprinzipien für wirkungsvolles Präsentieren

Es handelt sich um die Prinzipien

1.  Zielgruppenorientierung,

2.  Personalisierung,

3.  Emotionalisierung,

4.  Fokus auf Kernbotschaften und

5.  Visualisierung.

Nutzen Sie diese übergreifenden Qualitätsstandards, um Ihre Präsentationen zielwirksam und zeitgemäß vorzubereiten und erfolgreich durchzuführen.

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Abbildung 1: Fünf Grundprinzipien für erfolgreiche Präsentationen

1. Zielgruppenorientierung

Jede Präsentation ist Maßarbeit, die auf die Zuhörer abgestimmt sein muss. Achten Sie daher beim Präsentieren darauf, dass Ihr Auftritt mit allen Facetten positiv auf das Publikum wirkt. Die spannende Frage lautet, wie Sie die „Qualitätswahrnehmung aus Sicht der Zuhörer“ so beeinflussen können, dass Ihre Zuhörer mit dem Gesamtbild Ihres Auftritts positive Gefühle verbinden: Die Kommunikationspsychologie betont zu Recht, dass die Wahrheit im Kopf der Zuhörer liegt.

Bedenken Sie, dass das gleiche Thema (respektive die gleiche Kernbotschaft) für ein Führungsgremium anders aufzubereiten ist als für Mitarbeiter, für eine Besuchergruppe oder für einen Kundenkreis. Jeder Präsentierende sollte sich daher auf verschiedene Zielgruppen (Anspruchsgruppen) und deren Niveau einstellen können. Empathie und die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel sind hierbei unverzichtbar. Nur so ist es möglich, die präsentierte Botschaft an der fachlichen Spezialisierung, dem Vorwissen, den Entscheidungskriterien und Erwartungen der Zuhörer zu orientieren. Geschieht dies nicht, kann es zu fatalen Konsequenzen kommen: Das Publikum hat Verständnisschwierigkeiten, reagiert mit Desinteresse oder schaltet im schlimmsten Falle ab.

Das Prinzip der „Zielgruppenorientierung“ steht im Zentrum erfolgreicher Präsentationen und durchzieht daher alle Kapitel des Buches wie ein roter Faden. Es hat einen besonders hohen Stellenwert bei der Vorbereitung der Präsentation (Kapitel 5) und bei der Wahl geeigneter Medien (Kapitel 6).

2. Personalisierung

Bei allen Auftritten personalisieren Sie Ihre Botschaften: Sie geben Ihren Botschaften ein Gesicht, nämlich Ihres. Die Personalisierung kommt einem Wunsch der Zuhörer entgegen: Sie möchten wissen, mit wem sie es zu tun haben, und interessieren sich an erster Stelle für die Persönlichkeit des Vortragenden und erst an zweiter Stelle für die Inhalte.

Dieser Aspekt der Personalisierung lässt sich gezielt beeinflussen und zwar durch die Art und Weise Ihres Auftritts. Damit können Sie auch Ihre eigene Reputation fördern. Sie haben sogar die Möglichkeit, Ihre Präsentationstechnik zu Ihrem ganz persönlichen Markenzeichen und Alleinstellungsmerkmal zu machen. Sie können sich zum Beispiel als kreativer Vordenker, als Koryphäe in Ihrem Fachbereich, als großer Motivator, als durchsetzungsfähige Führungskraft oder als brillanter Entertainer profilieren.

Überlegen Sie sich daher vor Ihrer Präsentation, welches „Gesicht“ Sie Ihrem Unternehmen oder Ihrem Verantwortungsbereich geben wollen und welchen Eindruck Sie als „Mensch“ beim Publikum hinterlassen möchten. Zu Recht sagen amerikanische Berater den Spitzenkandidaten, die in den Medien oder auf Parteitagen den Wählern ihre Politik vermitteln wollen: „You are the message.“ Nicht Powerpoint, sondern der Mensch, der spricht, ist die Botschaft.

Weiterführende Anregungen und Tipps zum Prinzip der Personalisierung finden Sie insbesondere im zweiten und dritten Kapitel.

3. Emotionalisierung

Sprechen Sie gezielt Gefühle Ihrer Zuhörer an, denn nur dann werden Sie Ihr Publikum fesseln. Bedenken Sie auch, dass beim Zuhörer nicht nur die rationalen Argumente gespeichert werden, sondern und vor allem auch die begleitenden Emotionen, die Sie mit Ihrem Auftritt aktivieren.

Prinzipiell können Sie Ihre Zuhörer emotional dadurch erreichen, dass Sie ihnen signalisieren: „Ich bin von meinem Thema selbst überzeugt! Ich habe den Wunsch, mein Publikum für meine Botschaft zu gewinnen“. Dabei sind Ihre Stimme und Ihre Köpersprache Hauptträger der Emotionen und damit letztlich auch Ihrer Glaubwürdigkeit.

Wer erfolgreich präsentieren will, sollte darüber hinaus in der Lage sein, durch eine bildhafte Sprache Emotionen zu wecken. Die moderne Hirnforschung zeigt uns mit Hilfe von Hirnscannern eindrucksvoll, dass bei einer abstrakten Sprache im Gehirn der Zuhörer kaum etwas passiert. Emotionale Beispiele, unterstützende Bilder sowie anschauliche Geschichten hingegen bringen die Neuronen zum Feuern.

Das Prinzip der Emotionalisierung wird vor allem im vierten Kapitel behandelt. Ausführungen zur emotionalen Verfassung des Redners sowie die Wirkung seiner Stimme und Körpersprache finden Sie im zweiten und dritten Kapitel.

4. Fokussierung auf Kernbotschaften

Hierbei geht es um die Fähigkeit, ein komplexes Thema auf zentrale Aussagen (Kernbotschaften) zu reduzieren, die man im Kopf der Zuhörer verankern will. Vom Szenario und den zeitlichen Möglichkeiten hängt es ab, mit wie vielen Aussagen und Details Sie Ihre Kernbotschaften verknüpfen. Die Maxime „Fokussierung auf Kernbotschaften“ ist in allen Phasen der Vorbereitung zu beachten.

Für die Wichtigkeit dieses Qualitätskriteriums spricht vor allem ein psychologisches Argument: Je größer die Menge an zu vermittelnder Information, umso aussichtsloser ist es, die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu wecken und wichtige Aussagen in deren Gedächtnis zu verankern. Auch der brillanteste Kommunikator hat hierbei stets zwei Faktoren zu beachten: die begrenzte Aufnahmefähigkeit der Zuhörer und seine begrenzte Redezeit.

Wir widmen uns dem Thema „Kernbotschaften“ intensiv im fünften Kapitel.

5. Visualisierung

Durch visuelle Unterstützung können Sie Qualität und Wirkung Ihrer Präsentationen deutlich verbessern. Visualisierung ist vergleichbar mit der Gestaltung eines Bühnenbildes bei einer Theateraufführung – es steht nicht im Vordergrund.

Grundsätzlich sind Powerpoint und andere Medien nicht mehr und nicht weniger als Hilfsmittel in der Hand des Vortragenden. Nicht Powerpoint präsentiert, Sie präsentieren! Beachten Sie, dass die gewählten Medien zum Thema, zur Erwartungshaltung Ihrer Zuhörer und zur eigenen Persönlichkeit passen.

Nicht in allen Situationen sind Bildschirmpräsentationen die erste Wahl. Dafür sind die Präsentationsanlässe viel zu breit gefächert. Zum Beispiel bei Gesellschaftsreden, Grußworten, bei politischen Reden oder auch bei Motivationsvorträgen sind Medieneinsätze häufig nicht angebracht oder sogar überflüssig. Im kleinen Kreis am runden Tisch wiederum kann es günstiger sein, anhand einer Tischvorlage zu präsentieren und dadurch den persönlichen Kontakt mit den Zuhörern zu fördern. Schließlich gibt es auch Präsentationen, bei denen Sie Ihre Kommunikationsziele sowohl mit Powerpoint als auch mit Flipchart oder ohne ein Medium erreichen können.

Für Ihre Auftritte benötigen Sie das Rüstzeug für Präsentationen mit und ohne Powerpoint. Lassen Sie sich von vereinzelter Fundamentalkritik an Powerpoint nicht irritieren: Die Zeit von Powerpoint ist nicht vorbei. Wenn Sie zum Beispiel technische Neuerungen vorstellen, wissenschaftliche oder fachmedizinische Vorträge halten oder Hightech-Produkte Ihres Unternehmens präsentieren, ist Powerpoint häufig sogar zwingend erforderlich.

Allerdings ist die Art und Weise, wie Powerpoint genutzt wird, zu überdenken, wie Garr Reynolds in seinem lesenswerten Buch „ZEN oder die Kunst der Präsentation“ vorschlägt: Es kommt darauf an, Powerpoint „hirngerecht“ einzusetzen und sich von stereotypen Bullet-Charts und elektronischen Folienschlachten zu verabschieden.

Wie Sie Powerpoint-Präsentationen kurzweilig und wirkungsvoll durchführen und die eingesetzten Folien (syn. Charts, Schaubilder) „hirnfreundlich“ gestalten, erfahren Sie im sechsten Kapitel.

Mit diesen fünf Grundprinzipien haben Sie eine übergreifende Orientierung zum ersten Teil des Buchtitels „Präsentieren“ kennengelernt. Sie erfahren jetzt, was mit dem Attribut „ohne Stress“ gemeint ist.

Präsentieren „ohne Stress“ – Geht das?

Eine Präsentation wird häufig als bedrohliche Stress-Situation erlebt, wenn der Vortragende die eigenen rhetorischen Fähigkeiten für eine erfolgreiche Präsentation als unzureichend einschätzt. Die psychische Anspannung ist dann besonders groß, wenn man mit sehr hohen Ansprüchen an die eigene Person vor eine Gruppe tritt und dort vermeintlich „kritischen Blicken“ ausgesetzt ist. Vor großen Auditorien kann sich dieser Effekt noch verstärken. Ein entscheidender Grund liegt wohl darin, dass man trotz sorgfältiger Vorbereitung nur vermuten kann, wie der Vortrag ankommen und wie das Publikum darauf reagieren wird.

Die Erfahrung zeigt, dass Auftrittsstress und Lampenfieber durch Ängste unterschiedlichster Art verursacht und verstärkt werden können:

•  Angst, zu versagen und den Erwartungen der Zuhörer nicht gewachsen zu sein,

•  Angst vor der Bühne2 und den kritischen Blicken des Publikums,

•  Angst, das Publikum nicht zu erreichen und abgelehnt zu werden,

•  Angst, nicht als kompetent wahrgenommen zu werden,

•  Angst vor Verlegenheitspausen und Blackout.

Kontrollverlust durch Stressreaktion

Im ungünstigsten Fall können sich diese Faktoren gegenseitig hochschaukeln und zu einer Stressreaktion führen. Unser Denkhirn ist dann blockiert. Wir laufen Gefahr, die Kontrolle zu verlieren und in „psychologischen Nebel“ zu geraten. Aus Sicht der Hirnforschung sind wir dann nicht mehr in der Lage, ein „denk- oder handlungsleitendes Muster abzurufen“ (Gerald Hüther). Verursacht wird dieser Prozess durch Stresshormone, die in bedrohlichen Situationen ausgeschüttet werden und unseren Körper überschwemmen.

Für diese schädigende Überforderung des Organismus hat der Stressforscher Hans Selye den Begriff „Distress“ geprägt – im Gegensatz zum (positiven) Eustress, der eine günstige, gesundheitsförderliche Belastung darstellt und sich daher auf Leistung und Motivation stimulierend auswirkt.

Die Konsequenzen des negativen Stress: Es kommt zu Ängsten und zunehmender Anspannung sowie zu physiologischen Veränderungen im Körper, die jeder aus Prüfungen und Extremsituationen kennt: Der Puls rast, der Atem wird flacher, das Sprechtempo steigt, die Stimme rutscht nach oben; wir geraten ins Schwitzen, während die Gestik fahrig wird und die Mimik Unsicherheit signalisiert. Gleichzeitig häufen sich Dehnungslaute wie Ähs, Füllwörter sowie Versprecher und Verlegenheitspausen.

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Abbildung 2: Abhängigkeit von Stresslevel und Leistung

Abbildung 2 veranschaulicht, dass die Leistungsfähigkeit des Gehirns vom Stressniveau/Erregungsgrad abhängt. Die Bereiche A, B und C – unten im Bild – stehen für ein niedriges, mittleres und hohes Stressniveau. Die Kurve veranschaulicht, dass sowohl ein niedriges wie ein hohes Stressniveau mit niedriger oder mittlerer Leistung korrelieren.

Mittleres Stressniveau ist optimal

Ein mittleres Stressniveau (Bereich B) bietet die besten Voraussetzungen für einen souveränen und gelassenen Auftritt: für Bestleistung auf der Bühne. Wenn wir im Buchtitel von „Präsentieren ohne Stress“ sprechen, dann bedeutet das, Präsentieren ohne Distress. Ein gewisses Maß an Erregung und Lampenfieber ist sogar wünschenswert. Positiver Stress hilft uns, alle Kräfte zu mobilisieren und präsent zu sein. Leistungsniveau und Aufmerksamkeit sind im Bereich eines mittleren bis leicht erhöhten Stressniveaus am größten.

Während einer Präsentation kann der erlebte Stress durchaus oszillieren. So steigt die Nervosität in der Regel, wenn Situationen als besonders schwierig eingeschätzt werden. Dazu gehören zum Beispiel die ersten Minuten des Vortrags, skeptische Blicke oder augenscheinliche Langeweile der Zuhörer, Unruhe im Auditorium oder kritische Fragen und Störungen. Die Handlungsempfehlungen dieses Buches helfen Ihnen, diese Situationen zu meistern und dadurch durchgängig im Bereich B zu bleiben.

Perfektionismus mindert Souveränität

Perfektionisten laufen Gefahr, leichter unter Stress zu geraten, weil sie wegen des extremen Anspruchsniveaus an die eigene Person sehr angespannt sind. Um gelassener und lockerer rüberzukommen, müssen sie oft nur den einen oder anderen Tipp zur Auftrittsfreude beherzigen, um das beste Leistungsniveau – im mittleren Bereich der Abbildung 2 – zu erreichen. Als Gegenstück dazu müsste ein Vortragender, der mit Unterspannung (Bereich A) auftritt, lernen, ein wenig mehr Energie und Begeisterung zu mobilisieren. So kann er sich ebenfalls in Richtung Optimum bewegen. Die Situation ist zum Beispiel dann gegeben, wenn man einen Vortrag zum x-ten Mal hält oder der (irrigen) Meinung ist, dass das Vortragsthema nicht interessant und kurzweilig gestaltet werden kann.

Der Dreh- und Angelpunkt für Ihre Bestleistung auf der Bühne liegt in Ihrer Grundeinstellung zum Auftritt. Diese Dimension liegt weit im Vorfeld der später im Buch behandelten rhetorischen, körpersprachlichen und dramaturgischen Wirkfaktoren. Sie entscheiden mit Ihrer inneren Haltung zum Auftritt, mit welchen Gefühlen Sie vor das Publikum treten. Lassen Sie sich vom großen Stress gefangennehmen oder setzen Sie auf Auftrittsfreude?