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Inhaltsverzeichnis

































Die Schlangenhöhle

Es klopft. Robert schaut von seinem Buch hoch und knurrt etwas unwillig: »Herein«. Seine Schwester Rita streckt den Kopf durch die Tür und fragt: »Hast du mal Zeit?«

»Eigentlich nicht, ich muss noch Hausaufgaben machen. Was ist denn los?«

»Ich hab eine Idee!«

»Auweia, du mit deinen Ideen!« Robert hat mit den spontanen Einfällen seiner zwei Jahre älteren Schwester schon ein paar schlechte Erfahrungen gemacht und reagiert deshalb etwas zurückhaltend.

»Hab dich doch nicht so«, antwortet Rita und lässt sich auf dem Boden nieder. Sie weiß, dass ihr elfjähriger Bruder eigentlich immer für ein Abenteuer zu haben ist. Und diesmal hat sie eine ganz besonders gute Idee.

»Kennst du die → Schlangenhöhle?«, fragt sie leise.

»Natürlich, die ist unten bei den Tennisplätzen, aber der Eingang ist doch zugemauert«, antwortet Robert noch ziemlich uninteressiert.

Rita rückt etwas näher und flüstert geheimnisvoll: »Ich weiß aber wie man trotzdem reinkommt!«

Jetzt ist Robert plötzlich hellwach. »Wie soll das denn gehen?«

»Ich hab hinter einem Busch ein großes Loch in einem Felsen gefunden, das in die Höhle hineinführt.«

»Echt? Das ist ja toll, da müssen wir unbedingt mal rein. Davon hab ich schon lang geträumt!«

Nun ist Robert kaum noch zu bremsen. Am liebsten möchte er gleich losziehen, aber seine Schwester macht ihm klar, dass es dafür heute schon zu spät ist.

»Morgen gehen wir, und wir müssen einen Spaten mitnehmen, denn das Loch ist ziemlich eng. Das müssen wir noch erweitern. Und Taschenlampen brauchen wir auch, da drinnen ist es ja stockdunkel.«

Das sieht Robert ein und meint: »Da müssen wir uns aber auch noch was für Mama einfallen lassen. Die wird bestimmt fragen, was wir mit dem Spaten wollen.«

Aber auch daran hat Rita schon gedacht: »Wir sagen ihr, dass wir im Wald → Immergrün ausbuddeln. Das wollte sie doch schon immer für den Garten haben.«

Von dieser Idee ist Robert begeistert: »Prima, dann hat sie bestimmt nichts dagegen!«

»Also bis morgen«, flüstert Rita und verschwindet so schnell wie sie gekommen ist.

Robert ist ganz aufgeregt und kann sich deshalb gar nicht mehr richtig auf seine Hausaufgaben konzentrieren. Beim Abendessen ist er ungewöhnlich still und stochert gedankenverloren in seinem Essen herum.

»Was ist denn mit dir heute los?«, fragt sein Vater. »Hast du denn heute gar nichts zu erzählen?«

»Nö, alles o.k.«, tönt es zurück.

Rita nutzt die entstehende Pause, um die »Immergrün-Story« anzubringen: »Du Mama, ich hab im Wald hinter dem Tennisplatz einen ganzen Haufen Immergrün entdeckt. Das wolltest du doch im Garten haben. Robert und ich könnten da morgen nach der Schule was ausgraben.«

Die Mutter ist angenehm überrascht von dem spontanen Angebot und meint: »Oh ja, das blüht so schön blau und ist ganz anspruchslos. Das können wir unter den neu gepflanzten Sträuchern gut gebrauchen. «

Rita blinzelt Robert kurz zu. Das scheint ja problemlos zu laufen.

Aber da sagt plötzlich der Vater: »Eigentlich sehe ich es nicht so gern, wenn ihr im Wald herumstromert. Und der Förster mag es sicher auch nicht, wenn ihr Pflanzen ausgrabt.«

Aber seine Frau freut sich schon auf die kostenlosen Bodendecker und wiegelt ab: »Lass nur, das ist ganz nahe an den Tennisplätzen und Immergrün steht nicht unter Naturschutz.«

»Also von mir aus«, stimmt nun auch der Vater zu.

Robert und Rita sind erleichtert und verdrücken sich, bevor neue Bedenken aufkommen.

Am nächsten Tag können Rita und Robert das Schulende gar nicht erwarten. Schnell spurten sie vom Bus nach Hause und schlingen das Mittagessen hinunter. Die Mutter wundert sich über ihre Kinder und fragt: »Warum habt ihr es denn heute gar so eilig?«

»Wir wollen doch für dich das Immergrün holen«, verkünden die beiden im Duett.

»Woher kommt auf einmal diese ungewöhnliche Hilfsbereitschaft? «, denkt sich die Mutter. Aber sie schweigt, weil sei den erfreulichen Tatendrang ihrer Kinder nicht durch unbedachtes Nachfragen ins Stocken bringen will.

Während Robert den Spaten aus dem Gartenhäuschen holt, durchstöbert Rita möglichst geräuschlos den Keller nach Taschenlampen. Ihren Fund lässt sie in den Taschen ihrer Hose verschwinden, die sich dadurch ziemlich auffällig ausbeulen. Um nicht die Aufmerksamkeit ihrer Mutter auf sich zu ziehen, schleicht Rita leise an der Küche vorbei und ruft vom Gartenhäuschen aus: »Hallo Mama, wir gehen dann.« Und schon wollen die beiden durch die Gartentür verschwinden. Aber ihre Mutter hat sie vom Küchenfenster aus gesehen und ruft: »Halt!«

Erschreckt bleiben sie stehen. Hat die Mutter etwas bemerkt? Aber gleich kommt die Entwarnung: »Ihr müsst doch einen Behälter für die Pflanzen mitnehmen!«

Robert holt brav den Plastikeimer ab, den die Mutter ihm aus der Küche herausreicht und dann ziehen die beiden Geschwister los. Sie haben keinen weiten Weg vor sich. Hinter dem Gartenzaun verläuft ein schmaler Pfad, der sie bergab zu den Tennisplätzen führt. Sie schleichen am Clubheim vorbei direkt in den Wald, denn sie wollen möglichst nicht gesehen werden. Rita übernimmt die Führung. Bisher weiß ja nur sie, wo das Loch ist, das angeblich in die Schlangenhöhle führt. Zielstrebig geht sie voran und bleibt schon bald vor einem dichten → Busch stehen.

»Dahinter ist es«, sagt sie zu ihrem Bruder, der sie ziemlich skeptisch anschaut, weil er nirgendwo ein Loch erkennen kann. Doch tatsächlich, als Robert die Zweige auseinanderbiegt, sieht er unter einem Felsen eine ziemlich große Öffnung. Rita kramt schnell die Taschenlampen hervor und leuchtet in das Loch hinein. Man erkennt, dass ein schmaler Durchgang schräg nach unten in eine Höhle führt. Da das Loch nur wenige Meter vom zugemauerten Eingang der Schlangenhöhle entfernt ist, nimmt Rita an, dass sie einen weiteren Zugang gefunden hat. Das Loch ist aber nicht groß genug, um hindurch zu kriechen. Rita setzt deshalb den Spaten an und versucht die Erde wegzugraben. Das ist aber gar nicht so einfach, weil der Untergrund sehr felsig ist. Nach einiger Zeit gelingt es ihr, einen größeren Felsbrocken so zu lockern, dass die beiden Geschwister ihn mit vereinten Kräften in die Höhle hineinschieben können. Mit einem dumpfen Schlag fällt er dort auf den Boden.

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»Jetzt sieht es schon besser aus«, sagt Robert keuchend und versucht in das Loch hineinzusteigen.

»Halt, nicht so schnell«, ruft Rita, »wir müssen erst mal feststellen, wie tief es da hineingeht. Schließlich wollen wir ja auch wieder herauskommen.«

Das sieht Robert trotz seiner Ungeduld ein und schnappt sich eine der Taschenlampen, um das Loch noch einmal auszuleuchten. Die beiden haben Glück. Der Höhlenboden liegt nicht allzu tief unten. Trotzdem warnt Rita: »Wir sollten uns anseilen, sonst kriegen wir beim Ausstieg vielleicht Probleme.«

»Wo kriegen wir denn jetzt ein Seil her?«, mault Robert.

»Das nehmen wir morgen von zu Hause mit. Außerdem müssen wir eine Kerze mitnehmen, um zu prüfen, ob in der Höhle genug → Sauerstoff vorhanden ist. Und vorsichtshalber sollten wir auch unsere → Handys dabei haben, falls uns etwas passiert und wir Hilfe brauchen.«

»Dann gehen wir heute also gar nicht rein?«, fragt Robert ganz enttäuscht.

»Nee, da musst du schon ein bisschen Geduld haben!«, antwortet Rita und nimmt den Spaten, um den Heimweg anzutreten.

»So ein Mist«, schimpft Robert und stapft wütend hinter ihr her. Plötzlich bleibt er stehen und ruft: »Halt, wir haben den Eimer vergessen, und außerdem müssen wir noch ein paar Immergrünpflanzen ausgraben!«

»Au ja, da hast du recht, sonst kriegen wir zu Hause Ärger.«

Während Robert den Eimer holt, schaut sich Rita nach den dunkelgrünen Blättern des Immergrüns um, die sie hier in der Gegend schon öfter gesehen hat. Schnell findet sie eine Stelle, an der ein dichter Bewuchs zu sehen ist. Hier können sie problemlos einige Pflanzen ausgraben.

»Wir nehmen nur ein paar mit, damit wir morgen einen guten Grund haben, noch mal loszuziehen », sagt sie zu Robert.

Mit dem halbgefüllten Eimer gehen die zwei Höhlenforscher dann den Berg hoch und bringen ihre magere Immergrün-Beute nach Hause.

Die Mutter erwartet sie schon. »Ihr seid ja lang unterwegs gewesen und schaut aus wie Maulwürfe«, sagt sie, als ihre beiden verdreckten Kinder ins Haus kommen.

»Das Immergrün ist gar nicht so leicht aus dem Boden zu kriegen. Aber morgen holen wir noch mehr.«

Mit dieser kurzen Erklärung verschwinden Rita und Robert, um sich zu waschen und saubere Kleidung anzuziehen.

»Merkwürdig«, denkt die Mutter, »wieso interessieren sich die zwei auf einmal so für Immergrün?«

Aber sie freut sich trotzdem über die Pflanzen und gräbt sie gleich vor den Büschen ein. Auch dem Vater gefällt die neue Bepflanzung, und deshalb hat er nichts dagegen, dass die Kinder am nächsten Tag Nachschub holen wollen.

Wie entstehen Höhlen?

Robert und Rita wollen die Schlangenhöhle erforschen. Diese Höhle ist kein Fantasieprodukt, sondern sie existiert wirklich in Homburg-Schwarzenacker. Es ist eine Sandsteinhöhle, die von Menschenhand geschaffen wurde, indem Sand und Steine als Baumaterial über Jahrhunderte aus dem Berg herausgegraben wurden. In Homburg gibt es noch ein viel größeres Höhlensystem, das ähnlich entstanden ist. Es liegt im Schlossberg und gilt als Europas größte Buntsandsteinhöhle. Die Schlossberghöhle enthält große Kuppelhallen und ein viele Kilometer langes Gangsystem, das sich über zwölf Stockwerke erstreckt. Der Name Schlangenhöhle ist insofern etwas irreführend als in ihr eigentlich nie Schlangen in größerer Zahl beobachtet wurden. Es gab aber in der Nähe eine Halde, auf der Schlangen vorkamen. Aus der Bezeichnung Schlangenhalde ist dann irgendwann Schlangenhöhle geworden.

Die meisten Höhlen entstehen nicht durch die Arbeit von Menschen, sondern auf natürlichem Weg. Grundsätzlich unterscheidet man Primärhöhlen, die zusammen mit ihrem Umgebungsgestein entstehen, und Sekundärhöhlen, die sich erst später ausbilden. Typische Vertreter der ersten Gruppe sind Höhlen in vulkanischem Gestein, die z.B. durch Gasblasen entstehen. Sekundärhöhlen entwickeln sich, indem das umgebende Gestein ausgelaugt oder mechanisch ausgehöhlt wird. Beispielsweise können durch das Auslaugen von Salzlagern Hohlräume entstehen, oder ein Höhlenbach wäscht das Gestein aus. Auch durch die Meeresbrandung oder durch lang dauernde Windeinwirkung können sich Sekundärhöhlen bilden. Die Entstehung von Tropfsteinhöhlen wird auf Seite 152 beschrieben. Manche Höhlen haben gewaltige Ausmaße. Die längste Höhle der Welt ist die Mammuthöhle im US-Staat Kentucky. Sie hat eine Gesamtlänge von 563 Kilometern. Der größte Höhlenraum findet sich in der Sarawakhöhle auf der Insel Borneo. Er ist 600 m lang, 400 m breit und 100 m hoch. Der Mensch hat schon früh damit begonnen Höhlen zu nutzen. Je nach Verwendungszweck unterscheidet man Wohn-, Schutz-, Depot-, Grab- und Kulthöhlen. Der Fachbegriff für Höhlenforschung bzw. Höhlenkunde ist Speläologie. Er leitet sich von dem lateinischen Wort spelaeum (die Höhle) ab.

e9783527641482_i0009.jpg R. Köthe: Was ist was? Band 83 Höhlen. Tessloff-Verlag 1992.

H. W. Franke: Vorstoß in die Unterwelt. Bruckmann Verlag 2003.

A. Maier: Höhlen erkunden. Reise Know-How Verlag 2001.

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Was ist Immergrün?

Rita will ihrer Mutter aus dem Wald Immergrün mitbringen. Was verbirgt sich hinter diesem Namen?

Beim Immergrün unterscheidet man zwei Pflanzenarten, das Große Immergrün (Vinca major) und das Kleine Immergrün (Vinca minor). Sie unterscheiden sich vor allem durch die Größe der Blüten und Blätter. Da ansonsten die Eigenschaften beider Arten sehr ähnlich sind, fassen wir beide als Immergrün zusammen. Manchmal wird auch Efeu als Immergrün bezeichnet, aber hiermit wollen wir uns in einem anderen Abschnitt beschäftigen (siehe Seite 132).

Das Immergrün ist eine niederliegende Pflanze mit lederartigen Blättern, die über das ganze Jahr, auch im Winter, immer dunkelgrün bleiben. Daher der Name! Eigentlich kommt das Immergrün in Mittel- und Südeuropa und in Kleinasien vor. Wegen der relativ großen, blauen Blüten wird es gern in Gärten angepflanzt. Von hier verwildert es oft und bildet unter Büschen oder in Laubwäldern riesige Massenbestände. Beim Immergrün gibt es zwei Arten von Stängeln: Die einen tragen Blätter und Blüten und die anderen besitzen nur Blätter. Letztere wachsen am Boden entlang und können neue Wurzeln bilden, sodass es zu einer rasenartigen Ausbreitung des Immergrüns kommt.

Da das Immergrün gerne in Wäldern oder unter Büschen vorkommt, handelt es sich um eine Pflanze, die wenig Licht benötigt und Schatten und Halbschatten bevorzugt. Die Mutter liegt also mit ihrem Vorhaben richtig, es unter die frisch gesetzten Sträucher zu pflanzen. Allerdings hat auch der Vater Recht, wenn er behauptet, dass der Förster es nicht gerne sieht, wenn man Pflanzen aus seinem Wald ausgräbt, selbst wenn sie in großen Mengen vorkommen und nicht unter Naturschutz stehen. Stell Dir nur vor, jeder würde sich so seine Gartenpflanzen besorgen!

Hast Du gewusst, dass das Immergrün seit mehr als 400 Jahren als Heilpflanze bekannt ist? Vor allem die Blätter enthalten viele Wirkstoffe. Der bekannteste von ihnen ist das Vincamin, das gefäßerweiternd und blutdrucksenkend wirkt. Es wird bei der Behandlung von Gefäßerkrankungen eingesetzt, bei denen es zu einer Einschränkung der Blutversorgung im Gehirn kommen kann.

Zum Schluss eine Bemerkung zu den lateinischen bzw. wissenschaftlichen Namen Vinca major und Vinca minor. Mit dieser eindeutigen Namensgebung versuchen die Pflanzenwissenschaftler (Botaniker) enge Verwandtschaften auszudrücken. Der erste Name Vinca ist der so genannte Gattungsname, der zweite der Artname. Pflanzen mit dem gleichen Gattungsnamen sind sehr eng miteinander verwandt und unterscheiden sich nur in wenigen Merkmalen.

e9783527641482_i0011.jpg G. Stebbings.: Gartentipps Rasen und Bodendecker. Dorling Kindersley Verlag, Starnberg 2001.

M. Bartels-Eder u.a.: Der große ADAC Ratgeber Garten.

ADAC-Verlag, München 2000.

Schönfelder J. und P.: Der neue Kosmos-Heilpflanzenführer.

Franck-Kosmos-Verlag, Stuttgart 2001.

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oder major.html

Was versteht man unter einem Busch?

Rita hat hinter einem Busch einen Höhleneingang entdeckt. Was ist überhaupt ein Busch? Als Busch wird im allgemeinen Sprachgebrauch ein Strauch mit dichtem Blattwerk bezeichnet. Das Wort Strauch kommt vom mittelhochdeutschen Wort »Struch« und bedeutet so viel wie »Emporstarrendes«. Ganz genau stimmt das nicht, denn Sträucher wachsen nicht immer aufrecht, sondern oft auch bodendeckend. Unter einem Strauch versteht ein Biologe eine Wuchsform von verholzten Pflanzen, bei der es nicht einen einzigen »festen« Stamm gibt, sondern gleich mehrere, meistens ziemlich dünne Triebe. Bekannte Sträucher sind z.B. Holunder, Schneeball, Schlehe, Haselnuss, Liguster oder Heidelbeere. Einige Pflanzen können als Baum oder als Strauch vorkommen. Sträucher bilden im Wald eine eigene Schicht (siehe Seite 91). Sie kann bis zu 10 m hoch reichen und bietet den meisten Waldtieren wie z.B. Hasen, Füchsen, Wildschweinen oder Rehen Unterschlupf und Nahrung. Außerdem finden die Vögel eine Brutgelegenheit.

Viele Sträucher haben im Laufe der Zeit Dornen entwickelt, um sich vor dem Verbiss durch Tiere zu schützen. Viele Tiere ernähren sich von den Beeren und Nüssen der Sträucher. Sie enthalten die Samen, die nach dem Verdauen des Fruchtfleisches oft von den Tieren wieder ausgeschieden werden. Der Same kann, wenn die Umgebung es zulässt, auskeimen und eine neue Pflanzen bilden. Auf diese Weise helfen Tiere, darunter Vögel und Säugetiere, bei der Verbreitung von Pflanzen. Nur wenige Samen werden bei Sträuchern durch den Wind verbreitet.

Für die Verwendung in Gartenanlagen sind zahlreiche Zier- und Blühpflanzen gezüchtet worden, die oft auch Buschform haben (z. B. Buchsbaum, Rosen). Im Nutzgarten finden sich viele Beerensträucher, die durch gezielte Züchtung einen viel höheren Ertrag bringen als ihre wilden Urformen, zum Beispiel die Himbeere.

e9783527641482_i0013.jpg R. Bird: Mein wunderbarer Garten. Hecken und Büsche.

Bechtermünz-Verlag 2000.

U. Hecker: Bäume und Sträucher. BLV-Verlag, München 2003.

G. Amann, C. Summerer: Bäume und Sträucher des Waldes.

Neumann-Neudamm-Verlag 2004.

e9783527641482_i0014.jpg de.
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Warum brauchen wir Sauerstoff?

Der Vorschlag von Rita, die Luft in der Höhle mit einer brennenden Kerze zu testen, ist sehr vernünftig. Es kommt in schlecht belüfteten Höhlen und tiefen Gruben durchaus vor, dass die Luft nicht genug Sauerstoff (O2) enthält. Menschen und viele Tiere können dann leicht ersticken, weil sie ohne Sauerstoff nicht lange lebensfähig sind. Wir nehmen den Sauerstoff aus der Luft beim Atmen in unsere Lungen auf. Von dort gelangt er ins Blut, wo er an Milliarden von roten Blutkörperchen (Erythrozyten) gebunden wird. Sie tragen ihn in alle Organe und Gewebe und geben ihn dort an die Zellen ab. Ohne eine laufende Zufuhr von Sauerstoff können die Zellen ihre vielfältigen Aufgaben nicht erfüllen und sterben schnell ab. Am meisten Sauerstoff brauchen Gehirn, Herz, Niere und Leber. Deshalb stellen diese Organe bei Sauerstoffmangel am schnellsten ihre Funktionen ein, und das führt bald zum Tod des Organismus.

Während wir den Sauerstoff aus der Luft verwenden, können Fische ihn aus dem Wasser gewinnen. Sie sind dafür mit Kiemen ausgerüstet, die laufend von Wasser durchströmt werden. »Lungenfische« haben dagegen sowohl Lungen als auch Kiemen. In sauerstoffarmem Wasser atmen sie über Lungen, sonst über Kiemen. Kaulquappen, das sind die im Wasser lebenden Larvenformen der Frösche und anderer Lurche (Amphibien), atmen auch durch Kiemen. Während ihrer Umbildung (Metamorphose) verschwinden die Kiemen und es entwickeln sich Lungen.

Sauerstoff wird auch beim Verbrennen gebraucht. Deshalb kann man mit einer offenen Flamme feststellen, ob genügend O2 in der Luft ist. Normalerweise enthalten 1000 Liter Luft etwa 210 Liter Sauerstoff, 780 Liter Stickstoff, 9 Liter Edelgase und sehr wenig Kohlendioxid. Der von Mensch und Tier verbrauchte Sauerstoff wird dadurch wieder ersetzt, dass Algen und Pflanzen bei der sogenannten Fotosynthese aus Wasser Sauerstoff freisetzen. Wenn der Sauerstoffgehalt in der Luft zurückgeht, verändert sich zunächst die Farbe einer Flamme von gelb nach rot, dann wird sie kleiner und erlischt schließlich. Das kannst du selbst ausprobieren, indem du ein brennendes Streichholz unter ein umgestülptes Glas legst. Die Flamme wird schnell kleiner. Wenn du das Glas entfernst bevor die Flamme ganz erloschen ist, wird sie schlagartig wieder größer. Die Möglichkeit, den Sauerstoffgehalt der Luft mit einer Flamme zu testen, haben früher auch die Bergleute verwendet. Dabei besteht allerdings die Gefahr, dass sich Grubengas entzündet. Deshalb wurden spezielle explosionssichere Grubenlampen entwickelt. Eine andere recht unschöne Methode den Sauerstoffmangel im Bergwerk zu erkennen, bestand in früheren Jahren auch darin, Kanarienvögel mit in die Grube zu nehmen. Wenn sie mit dem Singen aufhörten und starben, war das ein Alarmzeichen. Heute verfügt man Gott sei Dank über andere Techniken für die Messung der Sauerstoffkonzentration.

e9783527641482_i0015.jpg A. Faller/M. Schünke: Der Körper des Menschen, Thieme Verlag 2004.

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Wie funktioniert ein Handy?

Rita will ihr Handy mit in die Höhle nehmen, um im Notfall Hilfe herbeirufen zu können. Das erscheint zunächst eine gute Idee zu sein, aber die beiden Geschwister werden bald feststellen, dass ihnen ein mobiles Telefon unter der Erde nicht viel nützt. Die elektromagnetischen Funksignale des Handys sind nämlich meist zu schwach, um dicke Erd- oder Felsschichten zu durchdringen. Das kannst du selbst feststellen, indem du versuchst, von einer Tiefgarage aus zu telefonieren. Der Empfang ist dort entweder nur schlecht oder gar nicht möglich.

Die Funktionsweise der Handys ist ziemlich kompliziert und deshalb nicht ganz einfach zu erklären. Wie der Name »Handy« entstanden ist, lässt sich heute nicht mehr eindeutig feststellen. Obwohl »Handy« sehr englisch klingt, ist diese Bezeichnung in Großbritannien und den USA nicht üblich. Dort spricht man meist von »cellular phone« oder »mobile phone«.

Wie das leitungsgebundene Telefon hat das Handy Lautsprecher, Mikrofon, Tastatur, Anzeige und Steuerungseinheit. Hinzu kommen noch ein Funkteil mit Sende-Empfänger und Antenne sowie eine eigene Stromversorgung, die meist aus einem aufladbaren Akkumulator besteht. Für den Betrieb ist auch noch eine sogenannte »SIM-Karte« notwendig, die der Identifizierung für das Mobilfunknetz dient. Moderne Handys enthalten oft noch andere Einheiten, wie z.B. eine Kamera oder einen Musikplayer. Sie haben aber mit der Telefonfunktion nicht direkt etwas zu tun. Die Mobilfunknetze (z.B. in Deutschland T-Mobile, Vodafone, E-Plus, O2) sind »zellular« aufgebaut. Das heißt, es gibt eine Vielzahl von nebeneinander liegenden Funkzellen. Das Zentrum einer solchen Zelle ist ein Funkmast – eine sogenannte Basisstation. Sie ist entweder über eine Leitung oder per Richtfunk mit einer zentralen Vermittlungsstelle verbunden, die auch eine Anbindung an das normale Telefonnetz hat. Die Größe der Funkzellen ist sehr unterschiedlich. Während sie auf dem flachen Land einen Durchmesser von mehreren Kilometern haben können, sind die Basisstationen in Städten oft nur wenige hundert Meter voneinander entfernt. Von jeder Basisstation geht ein Dauersignal aus, das von einem eingeschalteten Handy erkannt wird. Es sendet dann sein eigenes Kennungssignal an die Basisstation und von dieser wird die Information an die zentrale Vermittlungsstelle weitergeleitet. Damit ist im Netz bekannt, wo sich der Teilnehmer befindet und Anrufe können an ihn weitergeleitet werden. Das Handy misst dauernd die Empfangsqualität des Dauersignals der nächstliegenden Basisstation. Sobald man das Handy aus der Funkzelle hinaustransportiert, wird dieses Signal schwächer und das Mobiltelefon sucht sich automatisch eine neue Basisstation. Der Ortswechsel wird sofort an die Zentrale gemeldet, so dass dort immer die aktuelle Position des eingeschalteten Handys registriert ist. Jedes Handygespräch läuft also über eine Basisstation, auch wenn der andere Teilnehmer sich mit seinem Mobiltelefon in unmittelbarer Nähe befindet.

Da sowohl von den Handys als auch von den Basisstationen elektromagnetische Strahlung ausgeht, befürchten viele Menschen, dass dadurch Gesundheitsgefahren entstehen könnten. Eindeutige Beweise liegen dafür bisher allerdings nicht vor.

e9783527641482_i0017.jpg H. Thompson, D. Vode: Hero Handy. Murmann Verlag 2005.

J. Bredenkötter, M. Ring: Handy-Telefone und Funklöcher. Verlag Kinderleicht Wissen 2004.

F. Duffek, H. Luck: Handy Buch. Tomus Verlag 1999.

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Ein toter Fuchs

Robert schläft in dieser Nacht schlecht. Der Gedanke an das bevorstehende Höhlenabenteuer schleicht sich in seine Träume ein. Er sieht sich und Rita bereits in der Höhle und riecht die modrige Luft. Sie bewegen sich durch enge, feuchte Gänge. Der Lichtkegel ihrer Taschenlampen zaubert seltsam zuckende Schatten an die rauen Wände. Plötzlich hören sie ein lautes, zischendes Geräusch. Erschreckt bleiben sie stehen und lauschen in den dunklen Gang hinein, aber sie hören nichts mehr und wagen sich weiter vor. Der Gang macht jetzt eine scharfe Kurve nach rechts. Robert leuchtet um die Ecke und erstarrt vor Schreck: Nur wenige Meter vor ihm liegt eine riesige Schlange. Ihre Augen blitzen im Schein der Taschenlampe und Robert sieht, wie ihre lange, geschlitzte Zunge immer wieder aus ihrem Maul hervorzuckt. Wieder ist das unheilverkündende Zischen zu hören und dann schießt der Kopf der Schlange blitzartig nach vorn. Robert schreit laut auf, springt entsetzt zurück und fällt dabei zu Boden. Verwirrt blickt er sich um und findet sich neben seinem Bett auf dem Teppich wieder.

Die Tür geht auf und seine Mutter schaut herein: »Was ist denn hier passiert?«, fragt sie besorgt, als sie Robert mit weit aufgerissenen Augen auf dem Boden liegen sieht.

Der hat sich inzwischen wieder einigermaßen von seinem Schreck erholt und murmelt: »Ich hab schlecht geträumt und bin dabei wohl aus dem Bett gefallen.« »Das muss aber wirklich ein schlimmer Traum gewesen sein, denn du hast laut geschrien«, sagt Mama und hilft Robert wieder ins Bett. Sie deckt ihn gut zu und gibt ihm einen Kuss auf die Stirn.

»Nun schlaf schön und träum diesmal was Schönes«, flüstert sie lächelnd. An der Tür dreht sie sich noch einem um und sagt: »Ich lass die Tür einen Spalt offen. Ein bisschen Licht ist gut gegen schlechte Träume.« Dann verschwindet sie und wenig später fällt Robert in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

Morgens, als der Wecker klingelt, fragt Mama den Papa: »Hast du heute nacht gar nichts gehört?«

»Nö, was war denn los?«

»Robert hat schlecht geträumt und ist aus dem Bett gefallen!«

»Na, so was, das ist ja schon lange nicht mehr passiert. Hoffentlich fängt er nicht wieder mit dem → Schlafwandeln an.«

Beide Eltern schauen sich besorgt an, weil sie sich an die Zeit erinnern, in der Robert nachts manchmal im Haus herumgeisterte.

Nach kurzem Schweigen meint Mama: »Ich glaube, wir sollten Robert gar nicht auf heute Nacht ansprechen, es ist ihm wahrscheinlich peinlich, dass er als so großer Junge noch aus dem Bett fällt. Vor allem Rita darf nichts erfahren, sie hänselt ihn sonst damit und das ärgert ihn besonders.«

»Du hast wahrscheinlich recht«, brummt Papa und verschwindet im Bad.

Wenig später tauchen auch Rita und Robert auf und schlingen schnell ihr Frühstück hinunter, bevor sie losrennen, um noch den Schulbus zu erwischen.

Als sie mittags nach Hause kommen, liegt ein Zettel auf dem Tisch. Darauf steht: »Hallo ihr beiden, ich bin bei Oma. Sie ist krank und ich muss bei ihr bleiben bis der Arzt kommt. Das Essen steht in der Mikrowelle. Ihr wisst ja, wie man sie bedient. Seid brav und macht schon mal eure Schularbeiten. Bis bald, eure Mama.«

»Na, so was«, sagt Robert verblüfft, »am Sonntag war Oma doch noch ganz fit.«

»Na ja, sie ist ja schon über achtzig, da kann schnell mal was passieren«, meint Rita. »Einen Vorteil hat das Ganze. Wir können heute leichter zur Höhle verschwinden«.

»Ich weiß nicht so recht«, sagt Robert etwas zögerlich. »Vielleicht lassen wir das heute.

»Was ist denn mit dir los?«, faucht Rita ihn an. »Hast du auf einmal Angst?«

Da kriegt Robert feuchte Augen und erzählt seiner Schwester von seinem Albtraum. Wider Erwarten lacht ihn Rita nicht aus, sondern sagt: »Ich hab auch von der Höhle geträumt, aber nicht ganz so schlimm. Das mit der Riesenschlange kam wahrscheinlich in deinem Traum vor, weil die Höhle den Namen »Schlangenhöhle« trägt. Aber du kannst ganz sicher sein, Riesenschlangen gibt es bei uns nicht. Und mit anderen Schlangen werden wir fertig. Die meisten verkriechen sich sowieso gleich, wenn ein Mensch sich nähert.«

Da schöpft Robert wieder Mut und meint: » Aber unsere Hausaufgaben sollten wir doch vorher machen, sonst gibt es Ärger.« Rita ist einverstanden und so verschwinden beide nach dem Essen in ihren Zimmern und erledigen eilig ein paar Schularbeiten. Nach knapp einer Stunde klopft Rita bereits an die Tür von Roberts Zimmer und fragt: »Bist du schon fertig?«

»Noch nicht ganz«, tönt es zurück.

»Ich geh schon mal und such ein Seil«, ruft Rita und verschwindet im Keller. Dort findet sie schließlich eine Wäscheleine, die ihre Mutter einmal als Reserve gekauft hat.

Als Rita wieder nach oben kommt, steht auch Robert schon marschbereit mit Taschenlampe und Handy im Flur. Auch eine Kerze und Streichhölzer hat er dabei. Die beiden gehen in Richtung Schuppen, um Eimer und Spaten mitzunehmen. Da bleibt Robert plötzlich stehen und sagt: »Wir müssen Mama noch eine Nachricht schreiben.« Das sieht auch Rita ein und rennt schnell in die Küche, wo sie auf den von Mama hinterlassenen Zettel kritzelt: »Robert und ich holen noch ein paar Immergrünpflanzen«. Dann verschwinden die beiden Höhlenforscher im Wald.

Schnell ist das Einstiegsloch wieder gefunden. Rita bindet das eine Ende des Seils an einem Baum fest, das andere schlingt sie sich um die Hüften. Mit der Taschenlampe im Mund kriecht sie dann in die Höhle hinein. Robert hält das Seil mit beiden Händen und schaut gespannt zu, wie seine Schwester in dem Felsenloch verschwindet. Es dauert nicht lange, da hört er ihre dumpfe Stimme: »Ich bin auf dem Boden, du kannst das Seil jetzt hochziehen.«

Das lässt sich Robert nicht zweimal sagen, denn er kann es kaum noch erwarten auch einzusteigen. Rita hilft ihm von unten, sodass auch er schnell wieder auf seinen Beinen steht. Die Taschenlampen erleuchten den Gang, der recht hoch und geräumig ist. Die beiden Geschwister können ungebückt stehen. Robert holt gleich die Kerze heraus und zündet sie mit einem Streichholz an. Sie brennt mit großer, heller Flamme. Die Kinder können sicher sein, dass sie genug Sauerstoff zur Verfügung haben. Rita probiert ihr Handy aus, bekommt aber keine Verbindung.

»So ein Mist«, murmelt sie. »Wahrscheinlich sind die Felsen zu dick, um Signale durchzulassen. Na ja, wir kommen auch ohne Handys aus.«

Dann wendet sie sich Robert zu und sagt: »Wir gehen erst mal nach links zu dem zugemauerten Höhleneingang.«

Robert schleicht etwas ängstlich hinter ihr her, denn ihm fällt gerade sein Traum wieder ein. Schon bald sehen sie vor sich Licht, das durch die Hohlziegel fällt, mit denen der Eingang verschlossen ist. Und nun stehen die beiden Höhlenforscher an der gemauerten Wand und schauen durch die Ziegellöcher nach draußen.

»Hier konnte man früher also reingehen«, flüstert Robert ganz erregt und leuchtet mit seiner Lampe den Eingang aus. Man sieht noch Reste der Eingangstür und elektrische Leitungen, die für die Beleuchtung gelegt worden waren. Es liegt auch einiger Müll am Boden, der vermutlich noch von den letzten Besuchern stammt.

Als Robert vor sich auf den Höhlenboden leuchtet, erschrickt er. »Schau mal, Rita, da liegt ein totes Tier«, ruft er seiner Schwester zu. Die kommt sofort zu ihm und beide nähern sich vorsichtig dem Fundort. »Das ist ein → Fuchs, der ist noch gar nicht so lange tot«, meint Robert und will das Fell anfassen. »Finger weg!«, schreit Rita so laut, dass Robert ganz erschreckt zurückspringt.

»Was schreist du denn so blöd«, faucht er seine Schwester an.

»Tote Füchse sind gefährlich«, antwortet Rita. »Sie können → Tollwut haben oder → Bandwürmer

»Du übertreibst mal wieder«, murmelt Robert, bleibt aber trotzdem etwas weiter von dem Fuchs weg. Als der Strahl der Taschenlampe auf die Augen des Fuchses trifft, sieht Robert, dass sich da etwas bewegt.

»Igitt, da sind ja schon Maden dran«, ruft er seiner Schwester zu.

Die kommt jetzt auch näher und leuchtet in die toten Augen. »Ja, da wimmelt es schon ganz schön. Die werden den Fuchs bald aufgefressen haben. Ich hab irgendwo mal gelesen, dass man mit diesen Maden die → Leichenliegezeit bestimmen kann.«

Robert schaut seine Schwester fragend und sagt: »Was du alles so zusammenliest. Mir reicht es für heute. Ich glaube, wir sollten nach Hause gehen.« Rita ist der gleichen Meinung und so kehren sie zu ihrem Einstiegsloch zurück. Mit Hilfe des Seiles ist der Ausstieg nicht allzu schwierig. Sie graben schnell ein paar Immergrünpflanzen aus und machen sich auf den Heimweg.

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Zu Hause werden sie schon erwartet. »Na, da seid ihr ja endlich«, ruft ihnen die Mutter schon vom Küchenfenster aus zu.

»Wie geht es Oma?«, fragt Robert, um möglichst schnell auf ein anderes Thema zu kommen.

»Na ja«, meint Mama, »sie hat ziemlich hohes Fieber. Wenn es morgen nicht besser ist, muss sie wahrscheinlich ins Krankenhaus.«

Rita stellt schnell den Eimer mit dem Immergrün in die Küche und dann verschwinden die beiden Geschwister in ihren Zimmern.

Was versteht man unter Schlafwandeln?

Roberts Eltern machen sich Sorgen, dass ihr Sohn wieder mit dem Schlafwandeln beginnen könnte, nachdem er wegen eines aufregenden Traumes aus dem Bett gefallen ist.

Als Schlafwandler bezeichnet man jemanden, der nachts das Bett verlässt und umherwandert, ohne dass ihm das bewusst wird. Auch später erinnert er sich nicht mehr daran. Das Schlafwandeln findet überwiegend im ersten Drittel der Nacht statt und kann von wenigen Minuten bis zu etwa einer halben Stunde dauern.

Kinder sind davon besonders häufig betroffen. Man schätzt, dass bis zu 15 % hin und wieder schlafwandeln. Es beginnt oft zwischen dem sechsten und zwölften Lebensjahr und verschwindet in den meisten Fällen bis zur Pubertät wieder.

Ausgelöst werden kann das Schlafwandeln durch Fieber, aber auch seelische Belastungen und Übermüdung spielen eine Rolle. Eine gewisse familiäre Häufung ist feststellbar, sodass auch Erbfaktoren bei der Entstehung des Schlafwandelns beteiligt sein dürften. Die genauen Ursachen sind jedoch noch nicht ausreichend erforscht. Da eine Häufung in der Kindheit feststellbar ist, nimmt man an, dass Schlafwandeln ein Zeichen für ein noch nicht voll ausgereiftes Gehirn ist.

Auffällig ist, dass Schlafwandler sich fast immer zu einer Lichtquelle hinbewegen. Da der Mond in früherer Zeit oft die stärkste nächtliche Lichtquelle war, strebten Schlafwandler damals häufig dem Mond zu. So ist der Begriff »Mondsüchtigkeit« entstanden, der heute meist dem Schlafwandeln gleichgesetzt wird. Da in unserer heutigen Welt der Mond als Lichtquelle in der Nacht keine so große Rolle mehr spielt, wenden sich Schlafwandler ihm nur noch relativ selten zu, sondern steuern andere Lichter an.

Das Schlafwandeln ist oft von anderen Bewegungen wie Zupfen oder Wischen begleitet. Manchmal ziehen sich die Betroffenen auch an und können sogar essen oder trinken. Im Gegensatz zu der oft zitierten »schlafwandlerischen Sicherheit« besteht beim Schlafwandeln eine erhebliche Unfallgefahr, da die Bewegungskoordination ziemlich schlecht ist.

Eine besondere Gefahr entsteht dadurch, dass Schlafwandler sich in der Regel geradeaus bewegen, ohne darauf zu achten, wann der Weg endet. So kann es z.B. zum Sturz vom Balkon oder aus dem Fenster kommen. Man sollte Schlafwandler nicht plötzlich wecken, da sie oft sehr erschrecken und daher leicht das Gleichgewicht verlieren. Am besten versucht man, sie behutsam so zu steuern, dass sie ihr Bett alleine wiederfinden. Das ist oft leicht zu erreichen, weil ohnehin meist die Tendenz besteht, ins eigene Bett zurückzukehren. Eine Behandlung des Schlafwandelns ist schwierig und oft auch nicht notwendig, da das Phänomen in den meisten Fällen von alleine wieder verschwindet.

Manchmal helfen Entspannungsübungen wie z.B. autogenes Training. Stress und Übermüdung sollten möglichst vermieden werden. Wichtig ist, die Unfallgefahren zu reduzieren, indem man z.B. gefährliche Türen und Fenster abschließt. Bei länger anhaltendem Schlafwandeln ist oft eine Gabe von Valium oder ähnlichen Medikamenten hilfreich. Zusätzlich kann auch Psychotherapie eingesetzt werden.

e9783527641482_i0020.jpg Du kannst in einem Lexikon oder einem medizinischen Wörterbuch unter den Fachbegriffen »Somnambulismus« und »Lunatismus« nachschlagen.

J. Röschke, K. Mann: Schlaf und Schlafstörungen. Beck-Verlag 1998.

L. Fricke, G. Lehmkuhl: Schlafstörungen im Kinder- und Jugendalter. Hogrefe-Verlag 2006.

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Wie und wo leben bei uns Füchse?

Die jungen Höhlenforscher erschrecken, als sie die Leiche eines Fuchses im Eingangsbereich finden. Füchse sind mit ihrem leuchtenden, gelbroten Rückenfell, dem weißen Bauch und den schwarzen Beinen ziemlich auffällig und leicht zu erkennen. Weil sie inzwischen auch in besiedelten Gebieten heimisch geworden sind, werden sie gelegentlich überfahren, sodass man tote Füchse manchmal am Straßenrand sehen kann. Lebend sind sie dagegen nur selten zu beobachten, da sie sehr vorsichtig und scheu sind.

Der einheimische Fuchs wird auch Rotfuchs genannt, um ihn von andersfarbigen Rassen, wie etwa dem Silber- oder dem Platinfuchs abzugrenzen, die vor allem in Pelztierfarmen wegen ihres dichten und farblich attraktiven Fells gezüchtet werden. Unser wild lebender Fuchs mit seiner spitzen Schnauze, den spitzen schwarzen Ohren und dem buschigen, langen Schwanz wurde wegen seines Fells früher ebenfalls gezüchtet und in freier Wildbahn intensiv bejagt. Das Erlegen von Füchsen ist nicht einfach, weil sie sich bei Gefahr schnell in ihren Bau verziehen. Der Bau befindet sich meist in unterwuchsreichen Wäldern, weit in den Erdboden eingegraben, und hat einen Wohnkessel mit mehreren Fluchtwegen. Auch kleine, versteckte Notbaue werden angelegt. Zu Beginn des Jahres, in der Ranzzeit, kämpfen die Männchen (Rüden) um den Besitz von Revieren. Anschließend kommt es zur Partnerfindung und Paarung mit der Fähe, wie das Fuchsweibchen genannt wird. Verpaarte Tiere bleiben lebenslang zusammen. Jedes Jahr wirft die Fähe nach einer Tragzeit von bis zu 54 Tagen 3 bis 8 Welpen. Nach etwa 10 Monaten sind die Jungen geschlechtsreif. Füchse können bis zu 12 Jahre alt werden. Die Nahrung besteht vorwiegend aus Mäusen und Gelegen von Bodenbrütern, aber auch aus anderen kleinen Wirbeltieren (Junghasen und Kaninchen) sowie Insekten. Zeitweise werden auch Beeren und Obst aufgenommen.

Der Fuchs gilt zu Recht als schlau. Er hat gelernt, dass es sich in menschlichen Siedlungen gut leben lässt. Dort gibt es keine Jagd und es ist reichlich Nahrung vorhanden. Als Raubtier ist der Fuchs für den Menschen keine Gefahr, aber er kann gefährliche Krankheiten übertragen. Vor allem vor zutraulich wirkenden Tieren sollte man sich in Acht nehmen, weil sie tollwütig sein könnten und dann schnell zubeißen (siehe Seite 24). Durch die Ausscheidungen von Füchsen können Bandwürmer übertragen werden (siehe Seite 26).

e9783527641482_i0022.jpg T. Riepe: Füchse – Unsere heimlichen Nachbarn. Wagner Verlag, Gelnhausen 2006.

C. Riechelmann: Wilde Tiere in der Großstadt. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 2004.

G. Schumann: Wilde Füchse ganz vertraut. Neumann-Neudamm-Verlag, Melsungen 2006.

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Wie gefährlich ist Tollwut?

Rita hat recht als sie Robert davor warnt, den toten Fuchs anzufassen. Füchse sind nämlich bei uns die Hauptüberträger der Tollwut. Diese auch für den Menschen sehr gefährliche Infektionskrankheit hat den Namen »Tollwut« bekommen, weil erkrankte Tiere sich meist völlig verrückt (»toll«) gebärden und oft voller »Wut« um sich beißen.

Die Krankheit ist schon seit Jahrtausenden bekannt und nahezu weltweit verbreitet. Jährlich sterben daran etwa 50 000 Menschen.

Lange wusste man nicht, dass die Tollwut ansteckend ist, sondern glaubte, es wäre eine von Gott verhängte Strafe. Später hielt man eine Vergiftung für die Ursache. Erst der französische Forscher Louis Pasteur (1822 bis 1895) entdeckte, dass die Krankheit durch sehr kleine Erreger übertragen wird, die er »Viren« nannte. Er interessierte sich besonders für die Tollwut, weil er als 9-jähriger Junge erlebt hatte, wie ein tollwütiger Wolf Tiere und Menschen anfiel. Diese starben anschließend unter schrecklichen Qualen. Pasteur gelang es nach langen Vorarbeiten eine Impfung gegen die Tollwut zu entwickeln. Er schwächte dafür die Wirkung der Viren durch mehrfache Übertragung auf Kaninchen ab. Die Erreger konnten nach dieser Vorbehandlung auf andere Tiere verimpft werden, ohne die Tollwutkrankheit auszulösen. Das Abwehrsystem der Geimpften wurde dadurch so angeregt, dass ihr Organismus gegen eine Infektion mit echten Tollwutviren geschützt war.

Für die Entwicklung der Impfung musste Pasteur Tierversuche durchführen. Darüber waren seine Nachbarn so verärgert, dass er schließlich umziehen musste. Eigentlich wollte Pasteur die Impfung am Menschen erst anwenden, wenn er sicher sein konnte, dass sie bei Hunden wirkte. Doch bevor er alle Tierversuche abgeschlossen hatte, kam 1885 eine verzweifelte Mutter zu ihm. Ihr 9-jähriges Kind war zwei Tage zuvor vierzehn Mal von einem tollwütigen Hund gebissen worden. Da der Knabe mit Sicherheit qualvoll gestorben wäre, entschloss sich Pasteur seine neue Impfung einzusetzen, ohne die letzten Ergebnisse der Tierversuche abzuwarten. Die Behandlung dauerte drei Wochen und das Kind wurde gerettet. Dieser Erfolg machte Pasteur weltberühmt. In Frankreich wurde er durch die Errichtung eines großen Instituts für Impfforschung geehrt, das noch heute seinen Namen trägt.

Die Tollwutimpfung ist inzwischen stark verbessert. Aber auch heute hilft sie nur, wenn sie rechtzeitig verabreicht wird. Wenn bereits die ersten Krankheitserscheinungen (Symptome) auftreten, kann auch eine Impfung die Patienten nicht mehr retten. Zwischen der Infektion mit dem Tollwutvirus und dem Ausbruch der Erkrankung vergehen beim Menschen meist Wochen bis Monate. Es bleibt also in der Regel ausreichend Zeit für die Impfung. Heute weiß man, warum es so lange dauert, bis die ersten Symptome auftreten: Die Tollwutviren verbreiten sich im Körper nicht wie die meisten anderen Keime über das Blut, sondern sie wandern entlang der Nervenbahnen. Erst wenn sie im Gehirn angekommen sind, treten die typischen Symptome auf. Gleichzeitig dringen die Viren in die Speicheldrüsen ein. Sie erzeugen dort einen starken Speichelfluss, sodass sie bei einem Biss leicht auf andere Tiere oder den Menschen übertragen werden können.

Ein auffälliges Merkmal der Krankheit ist die ausgeprägte Wasserscheu der Patienten. Schon der Anblick von Wasser löst bei ihnen heftige Krämpfe und Wutanfälle aus. Meist sterben sie während eines solchen Anfalls. Seltener folgt vor dem Tod noch ein kurzes Lähmungsstadium.

Füchse sind in Deutschland am häufigsten von Tollwut betroffen, aber auch viele andere Wildtiere, wie Dachse und Rehe, sogar Igel und Fledermäuse können Virusträger sein. Besonders gefährlich wird es für den Menschen, wenn Haustiere (Hunde und Katzen, aber auch Weidetiere) durch einen Fuchsbiss infiziert werden. Sie können das Tollwutvirus leicht auf Menschen übertragen.

Durch intensive Bekämpfung, wie die großflächige Impfung von Füchsen, tritt die Tollwut bei uns nur noch selten auf. In vielen anderen Ländern kann die Ansteckungsgefahr aber ziemlich groß sein. Wenn in Deutschland ein Tollwutfall auftritt, wird in einem größeren Umkreis ein ausgeschildertes Sperrgebiet eingerichtet. Innerhalb dieses Gebietes gelten bestimmte Verhaltensregeln: Hunde müssen angeleint werden. Auch in Gegenden, in denen es schon längere Zeit keine Tollwut gab, kann man nicht völlig sicher sein. Infizierte Füchse wandern innerhalb weniger Tage oft sehr weite Strecken.

So kannst du dich schützen:

e9783527641482_i0024.jpg S. Winkle: Kulturgeschichte der Seuchen. Artemis & Winkler Verlag 1997.

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Wie leben Bandwürmer?

Rita warnt ihren Bruder zu Recht vor dem Fuchsbandwurm, weil er für den Menschen sehr gefährlich sein kann. Allerdings ist eine Übertragung nur durch die Berührung eines Fuchses ziemlich unwahrscheinlich.

Die Bandwürmer gehören zum Stamm der Plattwürmer. Weltweit sind etwa 3 500 Bandwurmarten bekannt, aber nur wenige von ihnen befallen Menschen. Die Gefahr, einen Bandwurm zu bekommen, ist bei uns gering, weil unsere Nahrungsmittel hygienisch gut überwacht werden. Der Name »Bandwurm« ist entstanden, weil die ausgewachsenen Tiere oft meterlang werden. An ihrem Kopf tragen sie Saugnäpfe und Hakenkränze, mit denen sie sich in der Darmwand ihres Wirtes festhalten. Dort ernähren sie sich vom Darminhalt. Typisch für Bandwürmer ist ein so genannter Wirtswechsel. Das heißt, die Larven leben in einer anderen Tierart (Zwischenwirt) als die erwachsenen Bandwürmer (Endwirt).

e9783527641482_i0026.jpg Du kannst in einem Lexikon oder einem medizinischen Wörterbuch unter den Fachbegriffen Taenia (Schweine- und Rinderbandwurm), Echinococcus (Fuchs- und Hundebandwurm) und Diphyllobothrium latum (Fischbandwurm) nachschlagen. G. Miksch, B. Bannert, R. Lucius: Parasiten, Überlebenskünstlern auf der Spur. Kosmos Verlag 2004.

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Wie kann man anhand von Insekten die Leichenliegezeit bestimmen?

Rita und Robert finden einen toten Fuchs, der schon von Maden befallen ist. Rita meint, man könne anhand dieser Insektenlarven feststellen, wie lange ein Tier oder auch ein Mensch schon tot ist, aber Robert will das nicht so recht glauben.

Die Zersetzung eines Körpers ist ein komplizierter Vorgang. Für jedes Zersetzungsstadium gibt es speziell angepasste Lebewesen. Die wichtigsten, aber zugleich am wenigsten geliebten Körper-Recyclinghelfer sind neben Einzellern auch mehrzellige Pilze und hoch entwickelte Insekten. Schmeißfliegenmaden ernähren sich von feuchtem, relativ frischem Leichengewebe, während Speck- und Teppichkäfer auf eingetrocknete Haut und Haare spezialisiert sind. Käsefliegenlarven besiedeln eine Leiche, wenn sie in einen breiigen Zustand übergeht und große Aaskäfer können mit ihren Mundwerkzeugen auch aus zäh mumifizierter Haut Stücke herausnagen.

Von den vielen Lebewesen, die sich von toten Tierkörpern ernähren, sind für Kriminalbiologen bestimmte Fliegen und Käfer am interessantesten. Diese sogenannten Leicheninsekten, von denen es Hunderte verschiedener Arten gibt, nutzen die Leiche als Brutstätte für ihre Nachkommen. Schmeißfliegenweibchen können beispielsweise einen frisch toten Körper über weite Entfernung wahrnehmen und fliegen ihn nach Todeseintritt rasch an. Sie legen ihre Eier auf Wunden oder in Körperöffnungen wie Nase, Mund und Ohren oder auf weiche Körperteile wie die Augen. Aus den Eiern schlüpfen weißliche Maden. Sie beginnen sofort mit ihren Mundhaken kleine Gewebestückchen zu fressen, die sie mit ihren Körperausscheidungen angedaut haben. Bei sommerlichen Temperaturen kann sich die Entwicklung vom Ei zur ausgewachsenen Made innerhalb einer Woche vollziehen. Unter günstigen Voraussetzungen kann man den Maden unter dem Vergrößerungsglas sogar beim Schlüpfen zusehen.

Schmeißfliegenlarven häuten sich zweimal, während sie zu einer Größe von über einem Zentimeter heranwachsen, bevor sie sich, ähnlich wie eine Schmetterlingslarve, zu einer Puppe, dem sogenannten »Tönnchen« umbilden. Aus ihr schlüpft später eine erwachsene Fliege.

Weil bekannt ist, wie schnell eine Insektenart unter bestimmten Außenverhältnissen heranwächst, sich verpuppt und schlüpft, können Kriminalbiologen aus den Tieren am Tatort und an der Leiche die Leichenliegezeit abschätzen. Je größer eine Made ist, desto länger muss sie auf der Leiche gelebt haben und desto früher wird vermutlich der Tod eingetreten sein. Ist es kalt und trocken, kann es leicht über ein Jahr dauern, bis Insekten einen Körper aufgezehrt haben. Deswegen gibt es auch keine Faustregel, mit der man aus der Größe einer Made die Liegezeit der Leiche ableiten könnte. Jeder Fall muss einzeln betrachtet werden und die Temperatur ist die wichtigste Information, die zur Fallbearbeitung nötig ist. Es ist schon vorgekommen, dass eine Leiche beispielsweise eingefroren oder in einer Chemikalientonne verpackt war. In diesem Fall spiegelt das Alter der Insekten nur den Zeitpunkt wieder, zu dem die Insekten erstmals Zugang zur Leiche hat. Der Todeseintritt kann in solchen Fällen viel weiter zurück liegen.

Die Maden der Leicheninsekten, die auf weiches Gewebe angewiesen sind, befallen eine Leiche früh und werden als »Sekundenzeiger« der postmortalen Uhr (nach dem Tod) angesehen. Käfer, die hartes Material wie Haare und trockene Häute bevorzugen, sind »späte« Tiere. Sie geben Auskunft über eine Mindest- oder Höchst-Liegezeit und sind die »Stundenzeiger«.

Die meisten heutigen Menschen vermeiden es, die von den Tieren bewirkte Rückführung biologischer Substanzen in den Kreislauf der Natur mit anzusehen. Dennoch würde ohne Verwesung, Fäulnis und Madenfraß der Kreislauf des Lebens stehen bleiben, denn es gäbe kein neues Baumaterial mehr.

e9783527641482_i0028.jpg M. Benecke: Dem Täter auf der Spur. So arbeitet die moderne Kriminalbiologie. Lübbe-Verlag 2005.

B. H. Kaye: Kriminaltechnik. Nikol-Verlag 2004.

R. Köthe: Was ist Was? Band 98 Kriminalistik. Tessloff Verlag 1994.

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