Weitere Staffeln bei Kelter Digital

MamiStaffel2     WyattEarp_1-10

Als E-Book in allen gängigen Shops erhältlich!

Inhaltsverzeichnis 


E-Book 11: Gangsterjagd

E-Book 12: Schönes Verbrechen

E-Book 13: Gift und Galle

E-Book 14:In den Wahnsinn

E-Book 15: Wer hätte das gedacht

E-Book 16: Big Boss

E-Book 17: Die weiße Göttin

E-Book 18: Die Macht aus Metall

E-Book 19: Auf der Spur

E-Book 20: Gegen den Strom

ButlerParker_011Kopie

»Die Lage erinnert mich verteufelt an einen James-Bond-Film«, sagte Stew Criswood. »Ich dachte, so etwas könnten nur Drehbuchautoren ausbrüten.«

Criswood, ein beleibter, gutmütig und durchschnittlich aussehender Mann von etwa fünfzig Jahren wanderte nachdenklich durch das große Hotelzimmer und blieb dann vor dem breiten, niedrigen Fenster stehen. Für einen kurzen Moment sah er hinunter auf den Strand von Miami, auf dem der nachmittägliche Korso der Badegäste bereits begonnen hatte.

»Calderhan wird die Drehbuchautoren noch in den Schatten stellen«, warf Anwalt Mike Rander ein. Er saß in einem tiefen, bequemen Sessel und rauchte eine Zigarette. »Er hat schließlich das ideale Druckmittel in der Hand. Er kann verlangen, was er will!«

»Was er bereits getan hat.« Stew Criswood tippte auf ein Schreiben, das er in der rechten Hand hielt. »Er verlangt vorerst nicht mehr und nicht weniger als eine Million Dollar in großen Scheinen! Was sagen Sie dazu, Rander?«

»Was sagen Sie dazu, Parker?« gab Mike Rander die Frage weiter und wandte sich an seinen Butler, der stocksteif seitlich hinter dem Sessel stand, in dem sein junger Herr saß.

»Eine äußerst bescheidene Forderung«, stellte Josuah Parker in seiner sattsam bekannten, zurückhaltenden Art fest. »Ich hätte, um ehrlich zu sein, erheblich mehr erwartet.«

»Aber das ist doch erst der Anfang«, brauste Stew Criswood auf. »Calderhan will testen, wie wir uns verhalten. Er will Erfahrungen sammeln. Und dann zieht er mit Sicherheit die Schraube an.«

»Das steht allerdings zu erwarten, Sir«, sagte Josuah Parker. »Mister Calderhan dürfte genau wissen, wo der schwache Punkt seines Plans liegt.«

»Und der wäre...?« Mike Rander wandte sich erwartungsvoll zu seinem Butler um.

Josuah Parker hatte sich seit seiner Abenteuer auf der »Insel der Haie« nicht verändert. Nach wie vor schwarz gekleidet, schien er noch würdevoller und zurückhaltender zu wirken. Trotz des vollklimatisierten Hotelzimmers verströmte er eine gewisse Kühle, die zwar nicht wie der sprichwörtliche Eiseshauch wirkte, aber doch eine fühlbare Distanz schuf.

»Mister Calderhan muß die verlangte Summe früher oder später in Empfang nehmen«, führte der Butler weiter aus. »Er muß sich irgendeinen Weg ausdenken, der für ihn gefahrlos ist. Schließlich muß er damit rechnen, daß man ihm eine Falle stellt.«

»Worauf Sie sich verlassen können«, schnaubte Criswood. »Wobei noch nicht einmal feststeht, ob er das Geld bekommt.«

»Ich fürchte, Sir, Sie werden zahlen müssen«, redete der Butler gemessen und würdevoll weiter. »Sie wissen, daß er immerhin über ein Artilleriegeschoß verfügt, dessen Ladung aus einem Atomsprengsatz besteht.«

»Wissen wir das wirklich mit letzter Sicherheit?« meinte Stew Criswood.

»Wir wissen immerhin, daß er eines der vier Geschosse von der Insel runtergeschafft hat«, erklärte Mike Rander und stand auf. »Drei der vier gestohlenen A-Geschosse wurden sichergestellt, das vierte ist zusammen mit Calderhan verschwunden.«

»Es konnte sich immerhin um einen groß angelegten Bluff handeln«, warf Criswood ein.

»Ob Bluff oder nicht, Criswood, wollen Sie das Risiko eingehen, daß Calderhan das Geschoß zündet. Es kann sich überall hier in den Staaten befinden. Es ist mit Leichtigkeit in einem großen Schrankkoffer unterzubringen. Es kann völlig unauffällig transportiert werden.«

»Ich weiß, ich weiß...« CIA-Agent Criswood nickte langsam. »Wir haben uns im Hauptquartier ausgiebig darüber unterhalten. Wir gehen von der Annahme aus, daß Calderhan das A-Geschoß besitzt.«

»Dann werden Sie auch zahlen müssen«, meinte Anwalt Rander. »Ob Ihnen das paßt oder nicht, Criswood, Sie werden zahlen müssen! Und Sie können noch froh sein, wenn Calderhan seine Erpressung nicht an die große Glocke hängt.«

»Wie soll ich das verstehen?« Criswood sah den Anwalt abwartend und prüfend zugleich an.

»Angenommen, diese Erpressung macht Schlagzeilen, angenommen, sie geht über Funk und Fernsehen. Können Sie sich vorstellen, was dann in den Staaten los sein wird?«

»Und ob ich mir das vorstellen kann«, gab Criswood mit leiser Stimme zurück. »Die Menschen werden verrückt spielen. Wir müssen dann mit einer Massenpanik rechnen...!«

»Sie drücken sich noch verdammt vorsichtig aus«, erwiderte Mike Rander. Dann fügte er leise und bedrückt hinzu: »Ich möchte nicht in der Haut der Regierung stecken!«

»Da wir gerade von der Regierung sprechen«, sagte Criswood, diesen Hinweis aufnehmend. »Sie wissen, weshalb ich Sie besucht habe, nicht wahr?«

»Parker und ich können es uns ungefähr vorstellen, Criswood.«

»Wir möchten Sie noch einmal einschalten«, redete Criswood weiter. Und plötzlich war er mehr als nur ein gemütlich aussehender, beleibter Mann von fünfzig Jahren. »Sie haben damals auf der ›Insel der Haie‹ drei der vier A-Geschosse sichergestellt. Vielleicht gelingt es Ihnen, auch das vierte Geschoß zu finden. Von Calderhan einmal zu schweigen.«

»Was meinen Sie, Parker?« fragte Rander, sich an seinen Butler wendend.

»Eine reizvolle Aufgabe.« Josuah Parker nickte würdevoll wie ein amtierender Lordrichter.

»Sie bekommen von uns selbstverständlich jede gewünschte Hilfestellung«, redete Criswood hastig weiter. »Sie können anfordern, was Sie wollen.«

»Haben wir besondere Wunsche?« frage Rander seinen Butler.

»Wohl kaum, Sir«, gab Josuah Parker zurück. »Mich interessiert allerdings ein Gespräch mit jenen beiden Gangstern, die mit Calderhan eng zusammenarbeiteten und die ich auf der »Insel der Haie‹ aus dem Verkehr ziehen konnte.«

»Ich verstehe, Sie meinen Andy und Clem, nicht wahr?«

»Mich interessiert nur dieser Andy«, gab der Butler zurück. »Bei ihm handelt es sich um die Primitivausgabe eines Menschen, bei dem noch einiges zu erreichen sein dürfte.«

»Sie können sofort über ihn verfügen«, erklärte Criswood, »aber machen Sie sich nicht zu große Hoffnungen, Parker, Andy und Clem schweigen wie die Austern. Sie haben bisher nichts ausgesagt.«

»Ich werde versuchen, ausgesprochen menschlich mit Andy zu reden«, gab der Butler zurück.

»Ich werde ihn nach... nun ja, wo wollen Sie ihn sprechen? Zur Zeit sitzt er in Washington.«

»Ich würde ihn gern hier in Miami sprechen, Sir.«

»Leite ich sofort in die Wege.« Criswood sah den Butler einen Augenblick nachdenklich an. Dann fügte er hinzu: »Glauben Sie, daß Calderhan sich hier in der Gegend befindet?«

»Möglicherweise bekomme ich von Andy einen kleinen Hinweis«, sagte Parker. »Möglicherweise läßt aber auch Mister Larry Calderhan die Katze aus dem sprichwörtlichen Sack...!«

Tony Sherman, vierschrötig, fleischig und mit dem Aussehen einer stets gereizten Bulldogge, residierte In einem geräumigen Bungalow nördlich von Miami.

Er konnte es sich leisten, in dieser teuren Gegend zu wohnen. Er verfügte über ein sehr gut gefülltes Bankkonto und wußte, daß es sich Woche um Woche vergrößerte.

Tony Sherman war der Besitzer einiger hervorragend florierender Nachtklubs entlang der Küste. Doch damit nicht genug. In diesen Nachtklubs handelten seine Angestellten mit Narkotika aller Art. Mit anderen Worten, Sherman arbeitet im Grund in der Rauchgiftbranche und hatte es verstanden, der Polizei aus dem Weg zu gehen.

Auch sonst war er nicht besonders zartfühlend. Er nahm an dunklen und illegalen Geschäften mit, was sich ihm anbot. Er entwickelte dabei die erforderliche Brutalität und Geschicklichkeit. Er selbst machte sich natürlich längst nicht mehr die Hände schmutzig. Dazu hatte er seine Leute. Gute Leute, die sich beeilten, seine Wünsche und Befehle sofort in die Tat umzusetzen. Sie wußten aus Erfahrung, daß Sherman nicht lange fackelte, wenn man ihm widersprach.

Sherman kam an diesem frühen Nachmittag von seiner starken Motorjacht und schlenderte auf seinen kurzen stämmigen und leicht gebogenen Beinen über den Bootssteg auf den großen Garten zu.

In seinem Gefolge befanden sich einige attraktive weibliche Gäste, einige stämmige Männer, die zu seiner Leibwache gehörten und ein kleiner, vertrocknet aussehender, magerer Mann von etwa vierzig Jahren.

Dieser Mann hieß Ernie Claddon. Er war mehr als nur der Privatsekretär von Sherman. Er war dessen Finanzberater und Ideenlieferant. Claddon war seinem Chef hündisch ergeben. Glaubte wenigstens Tony Sherman. Und bisher hatte er keinen Grund gehabt, daran zu zweifeln.

Sherman und Claddon, die inzwischen den Bootssteg hinter sich gebracht hatten, blieben stehen, als ihnen ein junger gutgekleideter Mann fast entgegenrannte. Keuchend und nach Luft schnappend, blieb er vor seinem Chef stehen.

»Was ist, Benson?« fragte Sherman. Er witterte irgendeine unangenehme Überraschung. Und da er solche Überraschungen keineswegs liebte, war er bereits wieder gereizt.

»Calderhan ist in der Stadt«, meldete Benson. »Ich habe ihn vor einer halben Stunde im City-Hotel gesehen.«

»Calderhan?« Sherman drehte sich halb zu Claddon um, der bereits die Ohren spitzte.

»Irrtum ausgeschlossen, Chef«, berichtete Benson weiter. »Er läuft ungeniert herum. Er hat sich sogar mit seinem richten Namen eingetragen!«

»Calderhan also... Was will er?« fragte Sherman, sich an seinen Ideenlieferanten wendend.

»Wenn er auftaucht, gibt es bestimmt Stunk, Chef«, antwortete Claddon. »Denken Sie an die Geschichte in New York...!«

»Aber wieso taucht er hier unter seinem Namen auf? Verdammt, er wird doch schließlich von der Polizei gesucht? Ob er verrückt geworden ist?«

»Calderhan bestimmt nicht, Chef«, sagte Claddon. »Er muß seine Gründe haben.«

»Finden Sie die heraus, Claddon«, knurrte Sherman. »Wenn er mir in Florida die Tour vermasseln will, kann er sich auf was gefaßt machen.«

»Vielleicht spitzelt er für die Polizei«, deutete Claddon an.

»Das könnte allerdings sein. Er soll mich provozieren. Ich soll zuschlagen. Und die Polizei braucht dann nur noch zuzuschnappen. Das könnte es sein!«

»Man dürfte ihm keine Zeit dazu lassen, Chef«, sagte Claddon. »Es gibt genug Mittel, einen Mann wie Calderhan unauffällig abzuservieren.«

»Vielleicht wartet das FBI nur darauf, daß wir so etwas versuchen«, überlegte Sherman laut. Er konnte sich das leisten, da seine weiblichen Gäste bereits hinüber zum Bungalow gingen. »Nein, Claddon, vorerst unternehmen wir mal nichts. Erst mal abwarten. Calderhan soll den ersten Zug tun!«

»Aber man könnte doch der Polizei einen Hinweis geben, daß Calderhan im Lande ist!«

»Gut, kann nicht schaden, Claddon. An der Reaktion können wir dann ablesen, wie es um ihn steht. War da nicht irgendeine dicke Geschichte mit ihm?«

»Man munkelt, daß er Ärger mit der Polizei gehabt haben soll. Einzelheiten weiß ich nicht, aber um die werde ich mich jetzt kümmern, Chef.«

»Noch einmal, Claddon, vorsichtig und nur unter der Hand! Ärger mit dem FBI kann und will ich mir nicht leisten. Und Sie, Benson, werden sich ab sofort um Calderhan kümmern. Er muß ununterbrochen überwacht werden. Nehmen Sie das in die Hand! Ich verlange eingehende Berichte, klar?«

»Klar, Chef, habe ich bereits eingefädelt. Calderhan steht bereits unter Beobachtung.«

»Bestens, Benson!« Sherman grinste anerkennend. »Wollen doch mal sehen, was dieser verdammte Gauner in der Pfanne hat!«


*


Parker, der sein Hotelzimmer verlassen hatte, bestieg den Lift und fuhr hinunter in die Halle des City-Hotels. Mike Rander und er waren dort abgestiegen. In Randers Hotelzimmer hatten sie vor etwa einer halben Stunde mit Stew Criswood vom CIA konferiert.

Parker wollte seinen jungen Herrn aus der Hotelbar abholen. Als er die Bar betrat und sich suchend umschaute, erstarrte sein Gesicht. Er wußte sofort, daß er sich nicht getäuscht hatte. Dort an der Bar saß Larry Calderhan, jener Gangster also, der das vierte A-Geschoß von der »Insel der Haie« weggeschafft hatte.

Calderhan schien sich in seiner Haut ausgesprochen wohl zu fühlen. Er verschenkte sein strahlendes Lächeln an eine junge Blondine, die neben ihm auf einem Barhocker saß. Calderhan wirkte, wie damals auf der Insel, elegant und sympathisch. Er war der nette, wohlerzogene, große Junge aus bestem Haus.

Parker ging steif und würdevoll auf Calderhan zu, blieb hinter dessen Barhocker stehen und räusperte sich unüberhörbar.

Calderhan drehte sich langsam um.

Dann lächelte und nickte er Parker freundlich zu.

»Ich freue mich, Sie zu sehen«, sagte er dann. »Wie geht es Ihnen, Parker? Alles in Ordnung?«

Parker war versucht, für einen kurzen Moment seine gute Erziehung und seine Selbstbeherrschung über Bord zu werfen. Calderhan war schließlich ein Mörder!

»Hat’s Ihnen endlich mal die Sprache verschlagen?« fragte Calderhan lächelnd weiter.

»Ich denke gerade darüber nach, mit welchen Ausdrücken negativer Art man Sie belegen könnte und müßte«, erwiderte der Butler in seiner unnachahmlichen Art. »Aber wahrscheinlich wären Sie damit noch nicht einmal zu beleidigen, nicht wahr?«

»Kaum«, gab Calderhan zurück. »Ich habe hier übrigens auf Sie gewartet.«

»Sie wollen doch nicht etwa mit mir sprechen, oder?«

»Genau das, Parker. Weshalb bin ich wohl nach Miami gekommen?«

»Ich schlage vor, wir setzen uns dort in jene Nische«, meinte Parker und wandte sich sofort ab. Er war sicher, daß Calderhan ihm sofort folgte.

Parker fragte sich, was diese Frechheit des Gangsters wohl bedeuten konnte. Woher nahm Calderhan den Mut, sich hier in aller Öffentlichkeit zu zeigen? War er allein gekommen? Hatte er hier in der Bar seine Männer verteilt?

Calderhan nahm lächelnd in der Nische Platz und zündete sich eine Zigarette an.

»Sie wundern sich natürlich, was ich hier in Miami will, nicht wahr?« begann er.

»Sie werden immerhin vom FBI und von der CIA gesucht«, gab der Butler zurück.

»Die Herrschaften können mich ohne weiteres suchen und auch finden«, meinte Calderhan gelassen und selbstsicher. »Und wenn sie es nicht schnell genug schaffen, werde ich mich sogar freiwillig bei diesen Leuten melden und in Erinnerung bringen.«

»Welches Spiel spielen Sie, Mister Calderhan?« erkundigte sich Josuah Parker. »Ich darf doch nicht annehmen, daß Sie die Million Dollar abholen wollen?«

»Aha, das hat sich also bereits bis zu Ihnen herumgesprochen, wie? »Calderhan schmunzelte. »Stehen Sie noch immer mit der CIA in Verbindung?«

»Würde Ihnen das helfen?«

»Vielleicht, Parker. Ahnen Sie nicht, weshalb ich aufgetaucht bin?«

»Inzwischen ja«, gab der Butler würdevoll zurück. »Ich, darf wohl unterstellen, daß Sie sich im Schutz des A-Geschosses äußerst sicher fühlen, nicht wahr?«

»Jetzt treffen Sie endlich den Nagel auf den Kopf«, erwiderte Calderhan. »Mir kann nämlich nichts, aber auch gar nichts passieren, Parker! Hoffentlich spricht sich das schnell genug herum.«

»Würden Sie sich unter Umständen etwas deutlicher ausdrücken?«

»Na schön... Ich bin ja an der richtigen Adresse, Parker. Also, ich besitze dieses A-Geschoß nach wie vor. Sie wissen genau, welcher verdammte Sprengstoff in diesem Ding steckt. Schön... Das Ding ist gut verwahrt, aber die Bombe tickt, wenn ich mich so ausdrücken soll! Mit anderen Worten, sie wird hochgehen, wenn man meine Bedingungen nicht erfüllt!«

»Was hätten Sie dann davon?« fragte Parker. »Sie können das A-Geschoß nur ein einziges Mal hochgehenlassen.«

»Richtig, Parker, aber darauf wird man es nicht ankommen lassen, verstehen Sie? Man kann sich das nicht leisten! Man weiß doch genau, was dann passiert. Stellen Sie sich vor, ich hätte das Geschoß irgendwo in New York versteckt. Oder in Chikago von mir aus auch in Frisco oder in Los Angeles. Eine Katastrophe, wenn die Ladung zünden würde, oder?«

Parker antwortete nicht sofort.

Er hatte schließlich sehr schnell begriffen. Im Gegensatz zu seinen Behauptungen gab es keinen schwachen Punkt in den Berechnungen Calderhans. Er brauchte sich überhaupt nichts einfallen zu lassen, um an das verlangte Geld zu kommen. Er konnte es ganz frei und ungeschoren abkassieren.

»Ich sehe Ihnen an, daß Sie begriffen haben«, ließ Calderhan sich vernehmen und lächelte wieder in seiner so gefährlich-sympathischen Art. »Ich allein weiß, wo das A-Geschoß steckt. Und ich allein kann dafür sorgen, daß der Zeitzünder nicht losgeht. Man wird sich nach meinen Wünschen richten müssen!«

»Mir scheint, Sie bluffen...«

»Selbst wenn ich bluffe, Parker, restlos sicher werden Sie niemals sein. Ich wiederhole es noch einmal, der Zeitzünder tickt ununterbrochen. Wenn ich ihn nicht anhalte, oder verstelle, wird das Ding hochgehen. Wann und wo? Naja, das ist schließlich mein Trumpf, den ich niemals aus der Hand geben werde.«

»Sie spielen ein verflixt gefährliches Spiel, Mister Calderhan!«

»Das beste Spiel, das ich jemals spielte«, meinte Calderhan und strahlte den Butler siegessicher an. »Aber da wir bereits miteinander reden, Parker. Sie haben ja einen Direktdraht zum CIA: Hören Sie sich sofort an, welche Forderungen ich noch anmelde!«

»Ich höre...«

»Ich verlange selbstverständlich nicht nur eine Million Dollar, Parker. Verzehnfachen Sie diese Summe, dann hört’s sich schon besser an! Mehr will ich dann nicht! Zusätzlich verlange ich vom höchsten Bundesgericht eine Strafaussetzung auf Lebenszeit! Ich möchte das Geld nämlich in aller Ruhe genießen. Hinzu kommt Steuerfreiheit und die Garantie, daß man mich nicht durch die Presse zerrt. Das alles muß ganz sicher und ruhig über die Bühne gehen!«

»Angenommen, man geht auf Ihre Forderungen ein, Mister Calderhan. Was wird dann mit dem A-Geschoß geschehen? Werden Sie es dann ausliefern?«

»Halten Sie mich für verrückt?« sagte Calderhan auflachend. »Dieses Ding bleibt in seinem Versteck! Ich brauche ja schließlich eine Rückversicherung. Für den Fall nämlich, daß man mich übers Ohr hauen will. Noch einmal, halten Sie mich für verrückt?«

»Schlicht gesagt, ja!« gab Parker höflich und wohlerzogen zurück, »aber meine Ansicht dürfte im Moment nicht zur Debatte stehen!«


*


»Wo steckt er jetzt?« fragte Stew Criswood eine knappe Viertelstunde später, nachdem er, von Parker alarmiert, das Hotel betreten hatte.

»Drüben in der Hotelbar, Sir«, antwortete Parker gemessen. Dann informierte er erstaunlich knapp und ohne jede Umschweife den Mann der CIA.

Criswood hörte schweigend zu.

Er sah und hörte nichts von dem Betrieb in der großen Hotelhalle, in der sie sich befanden. Er las aber Parker förmlich die einzelnen Worte vom Mund.

»Was halten Sie von dieser Geschichte?« fragte er, als Parker geendet hatte. »Bluff oder Wahrheit?«

»So lange wir Calderhan diesen Bluff nicht nachweisen können, Sir, müssen wir damit rechnen, daß er die Wahrheit gesagt hat«, antwortete der Butler.

»Ist wohl anzunehmen«, erwiderte Criswood. »Gut, ich werde mit Calderhan reden. Vielleicht bekomme ich noch weitere Details aus ihm heraus! Wo steckt Mister Rander?«

»Ich erwarte ihn in der Bar«, gab der Butler zurück, »ich werde mir jedoch erlauben, ihn hier in der Hotelhalle abzufangen.«

Stew Criswood ging und verschwand in der angrenzenden Hotelbar. Parker ging gemessen durch die Halle hinaus zum Portal und baute sich seitlich neben dem Eingang auf.

Endlich hatte er Zeit, sich Calderhans Worte und Bedingungen noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Und er mußte sich eingestehen, daß die Verhandlungsposition des Gangsters ungemein stark war.

Er hatte das A-Geschoß angeblich in irgendeiner Großstadt der Staaten untergebracht und versteckt. Er hatte dieses Geschoß angeblich mit einem Zeitzünder versehen. Calderhan allein wußte, wann der Zeitzünder diese Ladung zur Detonation brachte.

Mit diesem Druckmittel in der Hand konnte Calderhan jede beliebige Erpressung riskieren. Er konnte ja als sicher unterstellen, daß die Behörden von der Existenz dieses, A-Geschosses wußten.

Welche Druckmittel hatte Calderhan schon zu befürchten?

Gut, man konnte ihn festnehmen. Aber was dann? Calderhan brauchte nur zu schweigen. Und brauchte dann nur darauf zu warten, bis das A-Geschoß durch den Zeitzünder in die Luft gejagt wurde. Er konnte davon ausgehen, daß die Behörden dieses Risiko niemals eingingen.

Wie aber konnte man diesem Gangster beikommen? Ob er verrückt war oder nicht, spielte überhaupt keine Rolle. Es kam nur auf seine Position an, auf sie allein.

Parker, sonst durchaus erfinderisch und anpassungsfähig, zermarterte sich den Kopf, doch die rettende Eingebung wollte sich nicht einstellen. Ja, Parker stellte an sich fast so etwas wie eine Gedankenlähmung fest.

Und diese Gedankenlähmung hing mit der tödlichen Massenbedrohung zusammen, die Calderhan ausgelöst hatte. Dieser Gangster hatte den schwachen Punkt der Regierung erkannt und ausgenutzt. Wirklich, er konnte verlangen, was immer er wollte, beizukommen war ihm im Augenblick nicht.

Eine weitere, schreckliche Konsequenz zeichnete sich ab.

Angenommen, diesem Larry Calderhan passierte etwas. Angenommen, die Regierung ging zwar auf seine wahnwitzigen Bedingungen ein, aber Calderhan geriet zum Beispiel unter ein Auto, brach sich das Genick in der Badewanne oder wurde von Konkurrenzgangstern früherer Zeit einfach erschossen.

Was dann...?

Dann tickte der Zeitzünder weiter, wie Calderhan es so plastisch ausgedrückt hatte. Tickte weiter, bis das irgendwo versteckte A-Geschoß zündete und die Kernsprengladung hochjagte.

Nicht auszudenken...

Parker war innerlich von diesen Dingen derart gefesselt, daß er sich fast geistesabwesend eine seiner spezialangefertigten Zigarren anzündete. Und geistesabwesend paffte er dann die beizenden Tabakdämpfe in die nachmittägliche Luft hinein.

Er bemerkte überhaupt nicht, daß zwei weibliche Hotelgäste, die das Gebäude verlassen wollten, fluchtartig zurück ins Hotel rannten. Er bemerkte nicht, daß ein Taxifahrer, den die Tabakdämpfe erreicht hatten, halb ohnmächtig vom Sitz herunterrutschte, und er bemerkte nicht, daß zwei durchtrainierte, muntere Möwen plötzlich fluguntauglich wurden und nur noch mit Mühe und Not eine Bauchlandung auf dem Hotelrasen vollführen konnten.

Wie konnte man Calderhan beikommen, fragte Parker sich immer wieder.

Mit roher Gewalt?

Einem Mann wie Calderhan brauchte man nicht gerade rücksichtsvoll entgegenzutreten. Man konnte ihn mehr oder weniger sanft unter Druck setzen und ihn so veranlassen, das Versteck der Sprengladung zu verraten.

Doch wer sollte das tun?

Die Behörden waren nun einmal an Spielregeln gebunden, die selbst in diesem Fall nicht aufgegeben werden durften. Aber selbst wenn man sie verletzte, war Calderhan ein Mensch, der einem Druck nachgab? Doch wahrscheinlich nicht. Calderhan war besessen von dem Gedanken, die Regierung erpressen zu können. Ein Mann wie Calderhan ließ sich lieber totschlagen, bevor er redete. Und er würde kaltblütig nur darauf hinarbeiten, daß die Ladung zündete.

Konnte man ihm durch psychologische Mittel beikommen? Wenn, dann bestimmt nur auf diesem Weg. Doch wie dieser Weg aussah, welche Mittel da anzuwenden waren, das wußte auch der Butler noch nicht.

Er paffte weiter an seiner spezialangefertigten Zigarre herum.

Zwei weitere Möwen gerieten in die aufsteigenden Rauschwaden und verloren prompt das Gleichgewicht. Nur durch einen gewagten Sturzflug vermochten sie sich gerade noch zu retten.

Der hüstelnde Taxifahrer ließ sich mit letzter Kraft aus dem Taxi rollen und robbte aus dem Bereich der Rauchschwaden.

Die beiden älteren Feriendamen verlangten inzwischen vom Portier, er müsse den städtischen Katastrophendienst alarmieren, da es draußen brenne oder aber eine Giftladung ausgelöst worden sei.

Ein eindeutiges, warnendes Hüsteln ließ dann Parker zusammenfahren.

»O Mister Rander... Sir«, sagte er dienstbewußt, als Mike Rander vor ihm stand, »Ich hatte mir erlaubt, hier auf Sie zu warten!«

»Man sieht, vor allen Dingen man riecht es penetrant«, sagte Mike Rander und hustete jetzt mittelstark. »Löschen Sie doch um Himmels willen das, was Sie hartnäckig eine Zigarre nennen!«

»Oh...!« Parker wurde sich seines Fehlers bewußt. Hastig ließ er die kaum angerauchte Zigarre zu Boden sinken und zertrat sie mit großem Bedauern.

»Was ist denn mit Ihnen los, Parker?« fragte Rander weiter. Er sah es seinem Butler an der Nasenspitze an, daß irgend etwas nicht stimmte.

Bevor Parker seine Geschichte noch einmal wiederholen konnte, erschien Criswood in der Tür. Langsam kam er auf Parker und Mike Rander zu.

»Es ist reiner Wahnsinn, aber wir sitzen an der Angel«, sagte Criswood mit heiserer Stimme. »Calderhan behauptet, der Zeitzünder müsse alle vierundzwanzig Stunden auf Null zurückgestellt werden, sonst ginge die Ladung hoch!«

»Zum Teufel, was mag er wollen?« fragte Tony Sherman wütend. Sein junger Mann Benson hatte ihm gerade Bericht erstattet. »Was hat das zu bedeuten, daß dieser komische Butler in der Stadt sitzt.«

»Auch im City-Hotel«, warf Benson ein. »Sie wohnen dort praktisch Tür an Tür!«

»Es geht bestimmt gegen Sie, Chef«, mischte sich Ideenlieferant Claddon ein. »Ich hab’ ja gesagt, er will Ihnen ein Bein stellen!«

»Dann werden wir eben schneller sein als er«, meinte Sherman. Seine Stimme klang ruhiger, aber die tödliche Drohung in ihr wuchs von Wort zu Wort. »Dann werden wir Calderhan ganz unauffällig aus dem Verkehr ziehen.«

»Soll ich das in die Wege leiten, Chef?« Claddon sah seinen bulligen Chef erwartungsvoll an.

»Es braucht ja nicht sofort zu sein«, sagte Sherman nachdenklich. »Bevor wir ihn erledigen, möchte ich genau wissen, was die Gegenseite plant.«

»Das bekommen wir schnell heraus, Chef.« Claddon lächelte fast überheblich Er wußte sehr gut, wie man verschwiegene Menschen zum schnellen Sprechen brachte.

»In Ordnung, Claddon, leiten Sie alles in die Wege«, sagte Sherman und nickte bestätigend. »Aber unauffällig, wenn ich bitten darf. Fahren Sie mit Calderhan raus in die Everglades! Dort sind Sie dann völlig ungestört.«

»Der Film ist schon gelaufen, Chef. Kann ich Benson mitnehmen?«

»Natürlich, Hauptsache, ich erfahre genau, was das FBI gegen mich plant.«

»Und was ist mit diesem Butler Parker?« wollte Benson nun wissen.

»Richtig, Parker...!« Sherman verzog sein Gesicht, als habe er in eine besonders saure Zitrone gebissen. Er erinnerte sich noch sehr gut jener Jahre, als Parker ihm die Organisation in Chikago zerschlagen hatte. Bisher war es noch zu keiner Endabrechnung gekommen.

»Sollen wir ihn auch...?« Benson brach mitten im Satz ab.

»Okay, schnappt euch auch diesen Parker. Es ist ein Aufwaschen! Ich möchte doch annehmen, daß die Sümpfe auch für beide groß genug sind, oder...?«


*


Calderhan wußte, daß er auf der ganzen Linie gewonnen hatte. Er hatte mit dem Agenten des CIA gesprochen und ihm seine Bedingungen genannt. Nun brauchte er nur auf die Reaktion der Regierung in Washington zu warten. Wie diese Reaktion aussehen würde, konnte er sich leicht an fünf Fingern ausrechnen und abzählen.

Calderhan saß in der Hotelbar und trank. Er trank nicht besonders viel, aber er genehmigte sich einige harte Drinks, um seinen sehr privaten Sieg zu feiern.

Er war allein, und im Moment paßte ihm das ausgezeichnet. Er mußte erst einmal mit der Vorstellung fertig werden, daß er praktisch in einigen Tagen mehrfacher Millionär wurde. Er mußte sich mit dem Gedanken vertraut machen, daß er, Larry Calderhan, in Zukunft nur noch seine Wünsche zu äußern brauchte.

Ich muß die Daumenschraube noch fester anziehen, fuhr es durch seinen Kopf. Ich möchte mich mit irgendeinem Zeitungsmann zusammensetzen und ihm einige Schlagzeilen liefern. Die Leute in den Staaten müssen wissen, was ihnen passiert, wenn die Regierung nicht richtig spurt.

Die Sache mit dem irgendwo versteckten A-Geschoß muß um die ganze Welt gehen. Wer weiß, weiches Kapital sich sonst noch daraus schlagen läßt. Muß das Ding unbedingt in den Staaten versteckt worden sein? Ich kann verschiedene Regierungen ja auch einsuggerieren, daß ich mir ihr Land als Versteck ausgesucht habe. Wenn ich mich richtig ausdrücke und die Dinge geschickt in der Schwebe halte, dann kann ich tun und lassen, was ich will. Dann brauche ich nur noch meine Bedingungen zu kennen.

Calderhan rutschte vom Barhocker herunter und ging mit etwas zu schnellen und zu steifen Schritten hinüber in die Hotelhalle. Er ahnte, daß er bereits beobachtet und beschattet wurde. Doch das störte ihn überhaupt nicht. Er hatte sich in seinem Leben noch nie so sicher gefühlt wie innerhalb der vergangenen Stunde.

Calderhan betrat eine der vier Telefonzellen an der Stirnseite der Halle und suchte im Telefonbuch nach einem Ortsvertreter einer großen internationalen Nachrichtenagentur.

Er pfiff amüsiert, als er dann die Nummer wählte.

»Hier Larry Calderhan«, begann er mit etwas schwerer Zunge. »Kennen Sie mich nicht? Ich wette, das wird sich verdammt schnell ändern... Ich habe sensationelle Nachrichten für Sie, Schlagzeilen, wie Sie sie noch niemals hatten. Wovon ich spreche? Von einer kleinen Atombombe, die bald platzen kann... Wie ich heiße...? Calderhan. Prägen Sie sich diesen Namen ein! Sie werden ihn noch verteufelt oft hören, darauf können Sie sich verlassen... Kommen Sie nun, oder soll ich mich mit Ihrer Konkurrenz in Verbindung setzen? Schön, Sie erreichen mich im City Hotel. Ich warte in der Bar auf Sie...! Nein, kein Wort vorher... Was ich zu sagen habe, paßt nicht für den normalen Draht... Bis dahin...!«

Larry Calderhan legte auf und verließ die Telefonzelle.

Er zündete sich eine Zigarette an und sah auf seine Armbanduhr. Noch Zeit genug, den täglichen Anruf vorzunehmen, den Anruf, der den Zeitzünder auf einem kleinen Umweg zurückdrehte. Noch sehr viel Zeit. Etwa sechs Stunden...

Als Calderhan die Bar betreten wollte, kam ihm ein Page entgegen. Er drückte ihm einen Zettel in die Hand, nachdem er sich vergewissert hatte, daß er vor Calderhan stand.

»Von wem ist der Wisch?« fragte Calderhan.

»Eine junge Dame, Sir«, erwiderte der Page. »Sie erwartet Sie in der Cafeteria in der ersten Etage!«

Calderhan schmunzelte.

»Ist sie hübsch?« erkundigte er sich dann, denn jetzt hatte er nichts mehr dagegen einzuwenden, sich die Zeit zu vertreiben.

»Sehr hübsch, Sir«, erwiderte der Page. »Eine Blondine wie aus ’nem Film!«

»Genau das, was ich jetzt brauche«, sagte Calderhan, drückte dem Pagen ein großzügiges Trinkgeld in die Hand und ging zum Lift hinüber. Wie gesagt, einem Abenteuer war er wirklich nicht abgeneigt...


*


»Wo steckt Ihr Butler?« erkundigte sich Stew Criswood, nachdem er das Hotelzimmer Mike Randers betreten hatte.

»Neuigkeiten?« fragte der junge Anwalt.

»Ich bin von meinem Hauptquartier bevollmächtigt worden, mit Calderhan zu verhandeln«, sagte Criswood, ließ sich in einen tiefen Sessel fallen und wischte sich dicke Schweißperlen von der Stirn. »Fassen Sie’s nicht falsch auf, Rander, aber Ihren Butler hätte ich gern dabei. Dieser schlaue Fuchs.«

»Ich fasse überhaupt nichts falsch auf«, entgegnete Mike Rander lächelnd. »Ich bin genau Ihrer Meinung, Parker ist ein schlauer und gerissener Fuchs!

»Und wo steckt er im Moment?«

»Er wollte sich etwas die Beine vertreten und nachdenken«, sagte Mike Rander. »Er muß gleich zurückkommen. Um auf Ihr Hauptquartier zurückzukommen, Criswood, man wird also zahlen?«

»Zuerst will man Zeit gewinnen um zu verhandeln«, erwiderte Criswood und dämpfte unwillkürlich seine Stimme. »Sie wissen vielleicht nicht, daß Calderhan ausschließlich mit mir verhandeln will. Andere Gesprächspartner wie Regierungsvertreter und so weiter lehnt er strikt ab.«

»Er macht sich die Sache verdammt bequem«, sagte Rander. »Wie beurteilt man denn in Washington die Lage?«

»Ich habe bis jetzt ununterbrochen telefoniert«, sagte Criswood mit müder Stimme. »Ich habe den Leutchen klargemacht, um was es hier geht. Zuerst hielt man mich wahrscheinlich für vollkommen verrückt. Dann aber wurde man hellhörig und wurde sich klar darüber, wie tödlich Calderhans Drohungen sind.«

»Man glaubt also an das A-Geschoß in Calderhans Besitz?«

»Ob man fest daran glaubt oder nicht, Rander, man muß einfach so reagieren, als stimmte alles, was Calderhan uns erzählt hat. Ich brauche Sie nicht zu erinnern, was passieren wird, wenn dieses Ding eines Tages in die Luft geht. Und das dann in einer Millionenstadt!«

»Wie lange werden Sie Calderhan hinhalten können?«

»Keine Ahnung. Aber lange bestimmt nicht. Er kennt die Stärke seiner Position sehr genau. Er weiß, daß er allein die Bedingungen stellen kann.«

»Könnte man Calderhan nicht, sagen wir mit nachdrücklichen, aber nicht gerade lebensgefährlichen Mitteln zum Reden zwingen?«

»An welche Mittel denken Sie, Rander? Vielleicht fällt Ihnen etwas anderes und besseres ein als meinen Vorgesetzten. Natürlich haben wir über solche Dinge diskutiert. Ich sage Ihnen offen, wie ich darüber denke! Man sollte diesen Gangster Calderhan einlochen und ihn solange unter harten, körperlichen Druck setzen, bis er auspackt. Moment, ich weiß, was ich sage und vorschlage, ist keineswegs legal, aber schließlich geht es um das Leben von Millionen Menschen.«

»Lassen wir die moralischen Bedenken und Aspekte mal außer acht«, erwiderte Mike Rander. »Man könnte stundenlang darüber philosophieren, ganz klarer Fall, fragt sich nur, ob man einem Mann wie Calderhan mit körperlichen Druckmitteln beikommen kann. Und vergessen Sie nicht, daß er behauptet hat, er müsse den Zeitzünder alle vierundzwanzig Stunden wieder auf Null drehen.«

»Sie glauben, er könnte stur sein und bleiben?«

»Das mochte ich fast behaupten. Ich habe mich bereits mit Parker darüber unterhalten. Er sieht darin keinen Weg! Ein Mann wie Calderhan läßt lieber das Teufelsding hochgehen und Millionen Menschen sterben, bevor er seinen Plan aufgibt.«

»Eben, zu diesem Schluß sind schließlich auch wir gekommen«, entgegnete Criswood. »Mit anderen Worten, wir werden Calderhan die Stiefel lecken und uns beeilen, seine Wünsche zu erfüllen. Im Weißen Haus, das ganz unter uns, spricht man von einem nationalen Notstand!«

»Womit man sich noch überraschend höflich und vorsichtig ausgedrückt hat«, fiel Mike Rander dem Mann von der CIA ins Wort. »Haben Sie schon mal daran gedacht, daß Calderhan etwas passieren könnte?«

»Wie meinen Sie das?«

»Nun ja, Calderhan ist schließlich nur ein Gangster. Wir wissen, daß er sich in seinen Kreisen nicht besonders beliebt gemacht hat. Angenommen, irgendwelche Konkurrenten bringen ihn um. Nicht mehr und nicht weniger!«

»Sie denken an den Zeitzünder, Rander?«

»Sie haben es erraten. Was passiert also, wenn Calderhan den Zeitzünder nicht Tag für Tag anhält und wieder auf Null dreht?«

»Dann passiert eine Katastrophe«, erwiderte Criswood. Und seine Stimme klang in diesem Augenblick sehr heiser.

Josuah Parker saß während der Unterhaltung zwischen Criswood und Mike Rander im Fond eines regulären Taxis und ließ sich durch die Straßen von Miami fahren.

Er hatte kein bestimmtes Ziel, denn der Wagen, den er verfolgen ließ, fuhr erst einmal entlang des Miami Kanals in nordwestliche Richtung und benutzte dazu eine sehr gut ausgebaute und asphaltierte Schnellstraße.

Parker brauchte eine vorzeitige Entdeckung nicht zu befürchten. Der Verkehr auf dieser Straße war recht stark. Die Schnellstraße führte schließlich in das Wunderland der Touristen, geradewegs hinein in die berühmten Everglades, jenen ausgedehnten Sümpfen und Urwäldern, die noch so etwas wie eine unberührte Landschaft der menschlichen Vorgeschichte darstellten.

Parker folgte dem Ford nicht aus Langeweile. Er interessierte sich für die Gäste in diesem Wagen. Einer von ihnen war Larry Calderhan. Und seine beiden Begleiter hatten auf den Butler einen äußerst energischen und zielsicheren Eindruck gemacht.

Zielsicher schon deswegen, weil sie sich nicht lange geziert hatten, Larry Calderhan in den Ford zu zerren und dann schleunigst mit ihm loszufahren. Wer diese beiden Männer waren, konnte der Butler natürlich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Er rechnete aber mit Mitgliedern der Unterwelt.

Parker kümmerte sich bestimmt nicht aus reiner Menschlichkeit um das Schicksal Larry Calderhans. Calderhan war ihm im Grunde völlig gleichgültig. Im jetzigen Stadium der Entwicklung aber war Calderhan schließlich der wichtige und einzige Schlüssel zum A-Geschoß. Und dieser Schlüssel durfte sich schließlich nicht in den Everglades verlieren. Die Moore und Sümpfe waren dort leider sehr tief und verschwiegen.

Nach etwa dreißig Minuten bog der Ford in eine kleine Seitenstraße ab.

Der Fahrer des Taxis, in dem Parker saß, sah sich fragend nach dem Butler um.

»Kennen Sie sich hier näher aus?« erkundigte sich Parker in seiner höflichen, zuvorkommenden Art.

»Klar, Sir. Der Weg endet vor einem versumpften Wasserlauf.«

»Sollte es dort vielleicht irgendwelche menschlichen Ansiedlungen geben?«

»Was soll’s da geben?«

»Ich meine Häuser!«

»Ach so, Häuser. Na ja, ein paar gibt’s schon, aber die sind alle vergammelt. Zu feucht da hinten.«

»Wie weit ist es von der Straße bis dorthin?« wollte Parker weiter wissen.

»Höchstens zehn Minuten. Zu Fuß!«

»Dann möchte ich mir die Freiheit nehmen und hier aussteigen«, sagte Parker. »Womit Ihr Auftrag sich keineswegs erschöpfen soll. Fahren Sie zurück ins City. Hotel und verlangen Sie nach einem Mister Mike Rander! Prägen Sie sich diesen Namen besonders gut ein! Bringen Sie Mister Rander hierher zum Weg! Haben wir uns verstanden?«

»Verstanden schon, Sir, aber wie ist es denn mit ein paar Scheinehen zur Sicherheit?«

Parker griff nach seiner Brieftasche und blätterte dem Fahrer die Scheine in die Hand. Dann aber, bevor der Mann sie in die Tasche seiner Lederweste stecken konnte, nahm Parker sie noch einmal hoch und zerriß sie in zwei Hälften.

»Diese Hälfte bekommen. Sie nach prompter Erledigung Ihres Auftrags«, verhieß er dem verdutzten Fahrer. »Das legen Sie mir bitte nicht als besonderes Mißtrauen aus. Betrachten Sie es als eine Art nachdrückliche Erinnerung!«

Dann stieg Parker aus dem Taxi, nickte dem immer noch reichlich verdutzten Fahrer, zu und marschierte in den Feldweg hinein, der zu beiden Seiten mit hohen Sträuchern und Tropenpflanzen bewachsen war.

Es sah schon recht ungewöhnlich aus, als Parker über den Weg einherschritt.

Der Taxifahrer sah ihm betroffen und amüsiert zugleich nach. Parker trug selbst in dieser schwülen, tropischen Hitze seinen schwarzen Zweireiher, die schwarzen Schuhe und die schwarze steife Melone. Zudem bediente er sich seines altväterlich gebundenen, schwarzen Spezialregenschirms, von dem er sich nur in den seltensten Fällen zu trennen pflegte.

»Komische Type«, murmelte der Fahrer. Dann starrte er auf die halbierten Banknoten in seiner Hand und erinnerte sich seines Auftrags. Er wendete den Wagen und preschte in schneller Fahrt zurück nach Miami.

Calderhan stöhnte.

Nach einer einfühlenden Behandlung durch Claddon und Benson stand er keuchend in einer Ecke des zerfallenen Bungalows und schnappte angestrengt nach Luft.

»Das ist erst mal der Anfang, Calderhan, damit Sie wissen, wer wir sind«, sagte Claddon lächelnd und zündete sich eine Zigarette an. »Und jetzt sollen Sie endlich auch wissen, was wir von Ihnen wollen!«

»Wer hat euch geschickt?« stöhnte Calderhan und krümmte sich. »Ihr könnt machen, was ihr wollt, ich werde nicht singen!«

»Nur nicht festlegen«, meinte Claddon gemütlich. »Dann brauchen Sie später auch nichts zurückzunehmen, Calderhan. Wir möchten gern wissen, weshalb Sie plötzlich mit dem FBI unter einer Decke stecken!«

»Tu ich ja überhaupt nicht«, erwiderte Calderhan, ohne sich um die genauen Regeln der Sprache zu kümmern. »Tu ich ja überhaupt nicht. Hat euch etwa Sherman geschickt?«

»Ist doch völlig gleichgültig! Was haben Sie mit dem FBI ausgeheckt? Was ist mit diesem komischen Parker los? Wir wissen genau, daß er sich ein paarmal mit Ihnen unterhalten hat.«

»Nicht über Sherman. Ich will überhaupt nichts von ihm. Um ihn geht es doch gar nicht!«

»Um was geht es denn sonst?« bohrte Claddon gelassen weiter. »Wetten, daß Sie gleich reden werden?«

Und um diese Wette möglichst schnell zu gewinnen, nickte er Benson und dem stämmigen Fahrer des Fords zu.

Diese beiden Männer waren nicht zimperlich. Während Claddon sich selbst schonte, droschen sie auf Calderhan ein. Sie placierten die Schläge so, daß dem Mann, Hören und Sehen verging.

»Wie steht es jetzt mit Ihnen?« erkundigte sich Claddon dann, nachdem die beiden Schläger eine kleine Pause eingelegt hatten. »Wollen Sie nicht doch auspacken, Calderhan?«

»Von mir aus bringt mich um, aber ich werde nicht reden«, erklärte Calderhan, der einer Ohnmacht ziemlich nahe war. »Aber wenn ich abkratze, dann wird die Welt einen einmaligen Paukenschlag erleben!«

Während seiner letzten Worte brach er plötzlich in hysterisches Gelächter aus.

Claddon und Benson sahen sich ehrlich betroffen an. Der stämmige Fahrer und Schläger stutzte, um sich dann an die Schläfe zu tippen.

»Der ist ja verrückt!« sagte er nicht ohne Berechtigung. »Der hat ja nicht mehr alle Tassen im Schrank!«

Calderhan lachte und lachte, bis er plötzlich lautlos in sich zusammensank und ohnmächtig wurde.

»Und jetzt?« fragte Benson, sich an Claddon wendend. »Hat’s überhaupt noch einen Sinn, ihm weiter die Daumenschrauben anzulegen?«

»Keine Ahnung, aber so schnell gebe ich nicht auf. Er kommt ja mal wieder zu sich. Ich will wissen, was er mit den Paukenschlag gemeint hat.«

»irgendeine dusselige Drohung«, meinte Benson verächtlich.

»Abwarten«, sagte Claddon. »Verpaßt ihm Handschellen, damit er sich nicht absetzen kann! Ich nehme ihn mir später noch mal vor!«

Nachdem die drei Gangster ein Handschellenpaar zweckentsprechend eingesetzt hatten, verließen sie den baufälligen Bungalow und gingen zum nahen Wasserarm hinunter. Sie wußten, daß Calderhan vor einer Viertelstunde bestimmt nicht wieder zu sich kam. Sie hatten Zeit.

Plötzlich zuckte der Fahrer des Wagens zusammen. Er hatte ein deutliches scharfes Zischen gehört.

»’ne Schlange«, sagte er angewidert und sah sich ehrlich ängstlich um.

»Kamel«, meinte Claddon lächelnd. »Der hintere Wagenreifen ist undicht, das ist alles!«

»Verdammt, auch das noch«, schimpfte der Fahrer. Er konnte sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, bei dieser drückenden Hitze einen Reifen auswechseln zu müssen. Er erhob sich aber und ging hinüber zum Ford, der in der Nähe eines dichten Strauchwerkes stand.

Er sah den entlüfteten Reifen, bückte sich prüfend und wurde im gleichen Augenblick auch schon ohnmächtig. Diese plötzliche Ohnmacht hing mit dem bleigefütterten Bambusgriff eines Spezialregenschirms zusammen, der an seinem Hinterkopf höflich, aber nachdrücklich angeklopft hatte.

Der Fahrer rollte auf den weichen Boden und merkte nicht, daß er von starken Händen und Armen in das dichte Gebüsch hineingezogen wurde.

»Lauf ’rüber und geh’ ihm zur Hand«, sagte Claddon zu Benson. Sie hatten, von dem Zwischenfall seitlich neben dem Ford nichts gemerkt.

»Na gut, wenn’s sein muß«, meinte Benson träge. »Aber eigentlich müßte er mit dem Reifen allein fertig werden.«

Benson schlenderte zum Wagen hinüber und sah sich nach dem Fahrer um, der übrigens, es sei an dieser Stelle gesagt, Saul Natters hieß.

»Natters, wo steckst du?« rief Benson unwillig. Er hatte keine Lust, erst nach dem Mann zu suchen.

»Hier«, hörte er eine unterdrückte Stimme aus dem Buschwerk. »Verdammt!«

John Benson schüttelt den Kopf, teilte mit den Armen das Strauchwerk und hielt Ausschau nach Natters.

Viel sah er. nicht. Und was er sah, konnte er im Moment nicht mehr gedanklich verarbeiten. Er sah sich nämlich plötzlich einem schwarz gekleideten Mann undefinierbaren Alters gegenüber. Dann pochte etwas gegen seine Stirn und schon wurde auch Benson ohnmächtig. Er beeilte sich, ebenfalls auf den weichen Boden zu kommen, um sich dort genüßlich auszustrecken.

Claddon war inzwischen aufgestanden. Nicht, weil er etwa mißtrauisch geworden war. Nein, ihm ging das Wort »Paukenschlag« nicht aus dem Kopf. Was machte Calderhan damit wohl gemeint haben? Warum hatte er dabei fast wie ein Geisteskranker gelacht?

Claddon sah nur flüchtig zum Ford hinüber. Aber er schöpfte keinen Verdacht, als er weder Benson noch Natters sah. Er betrat den verfallenen Bungalow und bekam gerade mit, wie Calderhan sich aufrichtete.

Angst flackerte in den Augen des Gangsters.

Claddon lächelte. Er wußte nur zu gut, daß er dünn und gefährlich lächeln konnte.

»Wie steht’s denn mit der nächsten Runde?« fragte Claddon. »Immer noch stur, Calderhan? Was haben Sie da eben mit dem ›Paukenschlag‹ gemeint, he?«

»Fahrt alle zur Holle«, keuchte Calderhan. Kleine Speichelbläschen bildeten sich in seinen Mundwinkeln. »In ein paar Stunden fliegt ihr alle in die Luft. Aber aus mir holt ihr nichts ’raus!«

»Na gut, dann eben die nächste Runde«, sagte Claddon ungerührt. »Benson, Natters, hört mal für ’nen Moment mit dem Schlitten auf Calderhan braucht noch ’ne Abreibung!«

»Sind sie sicher?« fragte in diesem Augenblick eine höflich, gemessene Stimme von der demontierten Tür her.

Claddon wirbelte herum und starrte auf den Butler, der vor ihm stand.

Claddon war kein Schläger im üblichen Sinn. Mit einer Handfeuerwaffe wußte er nur sehr wenig anzufangen.

Schließlich hatte Sherman ihn nur als Ideenlieferant engagiert.

»Parker?« fragte Claddon. Seine Stimme war ein wenig belegt.

»In der Tat«, erwiderte der Butler. »Ich muß Ihnen meine deutliche Mißbilligung aussprechen. Ich habe es nicht besonders gern, wenn man Menschen mißhandelt. Mögen sie auch Calderhan heißen!«

Claddon brach der Schweiß aus. Er schielte seitlich vorbei an Parker und hielt verzweifelt Ausschau nach seinen beiden Mitarbeitern Benson und Natters.

»Ihr beide Partner sind im Moment etwas indisponiert«, entschuldigte der Butler das Fehlen dieser beiden Männer. »Sie haben sich aber, das möchte ich gleich betonen, keine ernsthafte Gesundheitsschäden zugezogen!«

»Was, was wollen Sie, Parker?«

»Erst einmal erfahren, in wessen Diensten Sie stehen! Könnte es sich nicht um Mister Tony Sherman handeln?«

»Wie, wie kommen Sie darauf?«

»Sherman residiert doch in Miami, wenn ich mich nicht sehr täusche. Ohne ihn geschieht hier nichts, was ungesetzlich ist. Oder sollte ich mich irren?«

»Ich, ich habe kein Wort gesagt«, stottert Claddon und suchte verzweifelt nach einer geeigneten Idee.

Im Gegensatz zu ihm hatte Parker bereits eine.

Er wollte die drei Gangster los werden. Er benötigte sie im Moment nicht. Es kam ihm aber darauf an, sie vorerst unschädlich zu machen.

»Ihre Schußwaffe, wenn ich bitten darf«, sagte Parker und streckte seine Hand aus.

Diese Geste war derart zwingend, daß Claddon überhaupt nicht auf den Gedanken kam, zu ziehen und etwa auf den Butler abzufeuern. Er fühlte deutlich und instinktiv, daß Josuah Parker ihm überlegen war.

»Sie werden sich noch einen Moment gedulden müssen«, sagte Parker dann, sich an Calderhan wendend, der kaum zuhörte. Dann bugsierte Parker den Ideenlieferanten vor das Haus und scheucht die beiden Gangster Benson und Natters aus den Träumen hoch. Er trieb sie wie eine Miniaturhammelherde an einem halb verfallenen Bootssteg zusammen.

»Mißverstehen Sie meine Absichten auf keinen Fall«, schickte der Butler dann höflich voraus, »aber ich muß darauf bestehen, daß Sie sich Ihrer gesamten Kleidung entledigen.«

Claddon, Benson und Natters starrten den Butler entgeistert an. Solch eine Anforderung hatten sie nicht erwartet.

»Zwingen Sie mich nicht, Sie zur Eile anzutreiben«, redete der Butler weiter.

»Sie wissen, mit einigen Schüssen aus Ihren erbeuteten Waffen ließe sich das sehr leicht bewerkstelligen.«

Die drei Gangster zögerten noch ein paar Sekunden, doch dann streiften sie ihre gesamte Kleidung ab. Parker nickte höflich und deutete auf die dunkelbraune Moorbrühe in dem ehemaligen Flußarm.

»Ich schlage vor, Sie begeben sich dort ins Wasser«, sagte er dann weiter. »So verletzten Sie wenigstens nicht das Schamgefühl zufällig vorbeikommender Touristen.«

Claddon, Benson und Natters stiegen in die moorbraune Brühe.