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IMPRESSUM

BIANCA erscheint 14-täglich im CORA Verlag GmbH & Co. KG,

20350 Hamburg, Axel-Springer-Platz 1

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Geschäftsführung:

Thomas Beckmann

Redaktionsleitung:

Claudia Wuttke (v. i. S. d. P.)

Cheflektorat:

Ilse Bröhl

Lektorat/Textredaktion:

Christine Boness

Produktion:

Christel Borges, Bettina Schult

Grafik:

Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn,

Marina Grothues (Foto)

Vertrieb:

asv vertriebs gmbh, Süderstraße 77, 20097 Hamburg

Telefon 040/347-29277

Anzeigen:

Christian Durbahn

Es gilt die aktuelle Anzeigenpreisliste.

© 2009 by Harlequin Books S.A.

Originaltitel: „The Texas Bodyguard’s Proposal“

erschienen bei: Silhouette Books, Toronto

in der Reihe: SPECIAL EDITION

Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe: BIANCA

Band 1740 (16/1) 2010 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg

Übersetzung: Patrick Hansen

Fotos: Corbis

Veröffentlicht im ePub Format im 08/2010 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

ISBN-13: 978-3-86295-069-0

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

BIANCA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Führung in Lesezirkeln nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlages. Für unaufgefordert eingesandte Manuskripte übernimmt der Verlag keine Haftung. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Satz und Druck: GGP Media GmbH, Pößneck

Printed in Germany

Aus Liebe zur Umwelt: Für CORA-Romanhefte wird ausschließlich 100% umweltfreundliches Papier mit einem hohen Anteil Altpapier verwendet.

Der Verkaufspreis dieses Bandes versteht sich einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:

BACCARA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, MYLADY, MYSTERY,

TIFFANY HOT & SEXY, TIFFANY SEXY

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Karen Rose Smith

Bleib bei mir, Gabriella

1. KAPITEL

Plötzlich öffnete sich die Tür zur Bibliothek in der Familienvilla der McCords, und eine wunderschöne Frau mit schulterlangem, dunkelblonden Haar eilte herein – Gabriella McCord. Ihr Gesicht und ihre Figur waren auf der Titelseite jeder Modezeitschrift der westlichen Welt erschienen … und in den meisten Boulevardblättern.

Auch wenn er es niemals zugeben würde, hielt Rafael Balthazar die Luft an. Er hatte keine Lust, ein verwöhntes Supermodel zu beschützen, das mit einem goldenen Löffel im Mund geboren worden war! Aber als Sicherheitsberater von McCord Juwelers hatte er keine andere Wahl, schon gar nicht, nachdem Blake McCord ihn persönlich darum gebeten hatte.

In ihrem pfauenblauen, eng anliegenden Kleid mit darauf abgestimmten High Heels und bei jeder Bewegung schwingenden goldenen Ohrringen konnte Gabriella jeden Mann bezaubern. Nur Rafe nicht. Er stand nicht auf Diven.

„Tut mir leid, dass ich erst jetzt komme“, begann sie mit einem atemberaubenden Lächeln.

Ihre Blicken trafen sich, und einige Sekunden lang spürte er, wie seine Welt aus den Fugen geriet.

Rafe reagierte nicht.

„Mein Flugzeug hatte Verspätung“, erklärte sie. „Ich war nur kurz im Hotel und bin sofort hergefahren …“ Sie verstummte, als er keine Miene verzog und auch nicht zu ihr ging, um sie zu begrüßen.

Falls sie erwartete, dass er sich ihr zu Füßen warf, hatte sie sich geschnitten. „Miss McCord, ich bin Ihr Leibwächter. Mein Dienst beginnt heute Abend, sobald Sie in die Sky Towers zurückkehren. Blake hat mir versichert, dass ein Chauffeur Sie nach dem Geburtstagsessen für seine Mutter zum Hotel bringen wird. Ich erwarte Sie dort. Dann gehen wir Ihre Termine für die kommende Woche durch.“

Gabriella hob den Kopf und reckte ihr kleines, markantes Kinn vor. „Ich freue mich auch, Sie kennenzulernen, Mr. Balthazar. Übrigens brauche ich keinen Bodyguard. Das war Blakes Idee, nicht meine.“

Rafe blieb, wo er war. Zwischen ihnen musste es eine unüberwindbare Grenze geben. „Sie brauchen keinen Bodyguard?“, gab er mit leiser, beherrschter Stimme zurück. „Wie ich höre, hat sich bei Ihrer Ankunft am Flughafen eine unangenehme Szene abgespielt.“ Blake hatte ihm davon erzählt. Rafe hatte in Houston zu tun gehabt und war gerade noch rechtzeitig eingetroffen, um Gabriella vor Eleanor McCords Geburtstagsdiner kennenzulernen.

Ihre Wangen röteten sich leicht. „Irgendwie müssen die Paparazzi herausbekommen haben, wann ich lande, aber ich bin ihnen entwischt.“

„Offenbar wussten nicht nur die Paparazzi Bescheid. Es hat einen regelrechten Menschenauflauf gegeben. Zwei Dinge werden Sie lernen, solange ich Sie beschütze. Erstens, Sie werden ehrlich zu mir sein. Zweitens, Sie werden sich nicht unnötig in Gefahr bringen. Verstanden?“

Gabriellas goldbraune Augen blitzten. „Verstanden? Ich weiß, Sie waren mal Agent beim Secret Service, und zwar ein sehr guter. Das ist toll. Ich beglückwünsche Sie zu Ihrer Leistung. Aber ich lasse mir von Ihnen nicht vorschreiben, wohin ich gehe und was ich tue. Haben Sie mich verstanden?“

Sie war hübsch und selbstbewusst. Eine reizvolle Kombination. Aber eine, die er ignorieren musste. „Meine Aufgabe besteht darin, auf Sie aufzupassen.“

„Dann machen Sie Ihren Job. Als Sprecherin des Familienunternehmens trete ich dort auf, wohin Blake mich schickt. Da wird sich Publikum nicht vermeiden lassen. Außerdem habe ich ein paar eigene Termine und kann unmöglich vorhersehen, was passiert.“

„Zum Beispiel, dass ein Stalker Sie anspricht?“ Rafe wusste, dass so etwas im vergangenen Jahr geschehen war.

Gabriella wurde blass, fasste sich aber schnell wieder und lächelte erneut. „Keine Sorge. In letzter Zeit hat mir niemand nachgestellt. Und Sie brauchen sich nur wenige Wochen um mich zu kümmern. Ende August kehre ich für kurze Zeit nach Italien zurück. Wenn ich danach wieder in den USA bin, wird Blake einen anderen Bodyguard für mich gefunden haben, und Sie können sich wieder ganz auf die Sicherheit der Juweliergeschäfte konzentrieren.“

„Bis dahin müssen wir zusammenarbeiten.“

„Nein, Mr. Balthazar. Sie müssen einfach nur sicherstellen, dass die Fans mich nicht in Stücke reißen.“

Unwillkürlich dachte Rafe an das Foto, das im letzten Monat in einer Boulevardzeitung erschienen war. Die Paparazzi hatten ihr in einem Londoner Club aufgelauert. Beim Tanzen hatte sich der Verschluss ihres Designerkleids gelöst, und ein Fotograf hatte in genau dem Moment auf den Auslöser gedrückt, in dem das Oberteil fiel …

War das wirklich nur ein Missgeschick gewesen? Oder hatte jemand den Auftritt inszeniert, um für Publicity zu sorgen?

Diesmal wurde Gabriella rot, und Rafe wusste, dass auch sie an das Foto dachte. Abrupt wandte sie sich ab.

„Miss McCord …“

„Wir reden später weiter“, sagte sie leise. „Ich möchte meine Tante nicht warten lassen.“

Und dann war Gabriella McCord weg.

„Super gelaufen“, murmelte Rafe und fuhr sich durch das kurze schwarze Haar.

Die Frau war kein leichter Fall, aber er würde mit ihr fertigwerden. Er hatte schon den US-Präsidenten beschützt; da würde ein hübsches Model ihn nicht aus der Bahn werfen.

Nicht heute. Niemals.

Eine Stunde später, am riesigen Mahagonitisch im Speisezimmer der McCords, fragte Gabriella sich noch immer, warum sie so heftig auf Rafael Balthazar reagiert hatte. Es war erst einen Monat her, dass sie die Beziehung mit Mikolaus Kutras, die schlimmste ihres Lebens, hinter sich gebracht hatte. Zu einer neuen war sie auf keinen Fall bereit.

Und sie war nicht die Einzige, die an diesem Abend nicht sie selbst war. Auch die seit einem Jahr verwitwete Eleanor McCord, Gabbys Tante, Geburtstagskind und Gastgeberin der Familie, war ungewöhnlich still. Blake, Chef des Juwelenimperiums, machte ein finsteres Gesicht. Tate, der vor seinem Einsatz als Arzt in Bagdad ein fröhlicher Mensch gewesen war, trug ebenfalls eine nachdenkliche Miene zur Schau und schien die ganze Zeit vor sich hinzubrüten.

Neben ihm saß Paige, die immer wieder zu ihrem Bruder Blake hinüberschaute. Gabby fragte sich, was die beiden wussten. Paige war immer eine Draufgängerin gewesen. Als Geologin und Edelsteinexpertin reiste sie nach Afrika und Südamerika, um die unterirdischen Schönheiten an die Oberfläche zu holen. Penny, ihre Zwillingsschwester, war viel zurückhaltender. Sie entwarf die Schmuckstücke und hatte einige davon an europäische Königshäuser, Filmstars und Angehörige des internationalen Jetsets verkauft.

Charlie, der jüngste Bruder, saß rechts von Gabby. Er war einundzwanzig und würde in wenigen Wochen an die Southern Methodist University zurückkehren. Sonst war er ein äußerst umgänglicher Mensch, aber heute hatte er kaum zwei Worte gesprochen. Er und seine Mutter mieden jeden Blickkontakt. Die Spannungen am Tisch waren deutlich zu spüren, und Gabby war sicher, dass auch die anderen sie wahrnahmen.

Sie nahm einen Bissen von ihrem Tiramisu. „Das Dessert schmeckt wunderbar“, sagte sie zu Eleanor.

„Ja“, stimmte Blake ihr zu. „Ich wünsche dir zu deinem Geburtstag nur das Beste, Mom.“

Gabby war froh, dass er endlich sein Schweigen brach.

Aber dann wurde seine Stimme eisig. „Ich habe euch noch nichts gesagt, aber wahrscheinlich wisst ihr es längst. Unsere Gewinne sind eingebrochen. Angesichts der Wirtschaftskrise geben selbst unsere reichen Kunden weniger Geld aus. Und was die anderen betrifft … die meisten begnügen sich mit einem Blick in die Schaufenster oder Vitrinen, kaufen jedoch nichts.“

„Gilt das nur für die Geschäfte in den USA?“, fragte Eleanor.

„Die, für die Joseph in Italien zuständig ist, halten sich vorläufig ganz gut, aber ich will dafür sorgen, dass das auch so bleibt.“

Gabby war stolz auf ihren Vater, auch wenn sie ihn als Kind selten zu Gesicht bekommen hatte. Inzwischen hatten sie ein herzliches Verhältnis, und sie liebte es noch immer, mit ihm durch die Filialen in Florenz, Rom und Milan zu schlendern.

„Angesichts der Konkurrenz hat unsere Marke nicht mehr dasselbe Prestige wie früher“, fuhr Blake fort. „Daher müssen wir sofort etwas unternehmen.“

Eleanor sah betrübt aus. „Du meine Güte, Blake, wie schlimm steht es um uns?“

„Schlimm genug. Deshalb sage ich es euch heute Abend. Dad ist letztes Jahr gestorben. Ich habe seine Nachfolge angetreten und festgestellt, dass McCord’s in Schwierigkeiten steckt. Wenn es so weitergeht, müssen wir die Geschäfte in Atlanta und Houston, vielleicht sogar in Los Angeles schließen. Auch unser Flaggschiff hier in Dallas braucht einen Anschub. Daher müssen wir eine PR-Kampagne starten, um unsere Marke wieder ins Gespräch zu bringen.“

Er warf Paige einen Blick zu, und Gabby fragte sich, ob Blake mit seiner Schwester schon darüber gesprochen hatte. „Ich habe eine breit angelegte Kampagne entworfen. Ausgangspunkt ist das Wiederauftauchen des Santa-Magdalena-Diamanten.“

„Der Santa-Magdalena-Diamant ist seit über zwei Jahrhunderten verschwunden!“, warf Penny ein.

„Das stimmt.“

„Schatzsucher haben das Schiff, mit dem er damals untergegangen sein soll, vor etwa sechs Monaten entdeckt“, erklärte Penny.

„Da der Diamant nicht gefunden wurde, kam wieder das alte Gerücht auf, dass jemand von der Besatzung ihn gestohlen hat“, sagte Blake.

„Gehörte nicht auch Gavin Foleys Vater zur Besatzung?“, fragte Tate.

Gabby rechnete mit einem empörten Aufschrei am Tisch. In diesem Haus wurde der Name Foley nie ausgesprochen.

„Ja“, bestätigte Paige. „Man vermutet, dass Elwin Foley den Diamanten an sich genommen hat und damit untergetaucht ist.“ Sie lächelte über ihr Wortspiel.

Dass die Foleys und McCords zutiefst verfeindet waren, wusste Gabby schon lange. Die Fehde hatte begonnen, als Gavin Foley beim Pokern eine stillgelegte Silbermine an Blakes Großvater Harry McCord verloren hatte und ihn beschuldigte, beim Kartenspiel betrogen zu haben.

Damals war die Mine wertlos gewesen, aber Harry McCord hatte nur tiefer graben müssen, um auf eine neue Ader zu stoßen und ein reicher Mann zu werden. Seitdem hassten die Foleys die McCords.

„Unsere Familie hat versucht, die Fehde zu beenden“, warf Eleanor ein. „Devon hat die Mine an Rex verpachtet.“

Gabby wusste, dass es bei dem Streit auch um ihre Tante gegangen war. Angeblich hatten Rex Foley und Blakes Vater Devon McCord gleichzeitig um sie geworben.

„Dein Vater wollte die Foleys besänftigen“, fuhr sie fort.

„Ich wette, Travis Foley, der jetzt dort lebt, verflucht uns jeden Tag bei Sonnenaufgang, weil der Boden unter seinen Füßen nicht ihm gehört“, sagte Tate.

„Das mag schon sein“, gab Blake kühl zu. „Aber die McCords haben noch immer die Schürfrechte, und es gibt Grund zur Annahme, dass der Santa-Magdalena-Diamant in einem der Stollen versteckt worden ist.“

„Das kann doch nicht dein Ernst sein!“, platzte Penny heraus. „Wie kommst du denn darauf?“

„Auf der Suche nach einer Idee, wie wir unsere Marke wieder aufwerten können, bin ich Dads private Papiere durchgegangen. Ich habe die Besitzurkunde gefunden und festgestellt, dass sie einen Hinweis darauf enthält, wo sich der Santa-Magdalena-Diamant befindet.“

„Und das ist in all den Jahren niemandem aufgefallen?“, fragte Tate skeptisch.

„Die Urkunde hat einen Schmuckrand“, erklärte Blake. „Offenbar hat niemand sie genauer betrachtet. In den Rand sind gesteinskundliche Symbole eingearbeitet. Eines davon ist ein Adler, der den Umriss eines Diamanten in den Klauen hält. Der Rand ist verblasst; deshalb habe ich die Urkunde einem Experten vorgelegt. Er hat sie untersucht und ist mit mir der Meinung, dass die Symbole erst später in den Rand eingefügt worden sind. Als Teenager habe ich die Mine mal erkundet, und ich glaube, der Adler-Stollen ist der Schlüssel zum Diamanten.“

Er sah Paige an, und sie sprach weiter. „Am Eingang zu jedem Stollen befindet sich ein in den Fels gehauenes Symbol – eine Schildkröte, eine Eidechse, ein Baum, ein Bogen und ein Adler. Wir glauben, dass Gavins Vater den Diamanten im Adler-Stollen versteckt hat. Da er ihn gestohlen hatte, konnte er ihn schlecht verkaufen. Schließlich handelt es sich um den größten gelben Diamanten, der jemals gefunden wurde. Also hat er den Hinweis auf das Versteck in den Rand der Urkunde gezeichnet, damit seine Frau oder sein Sohn den Stein nach seinem Tod suchen können.“

Blake straffte die Schultern. „Ich weiß, es ist eine gewagte Theorie, aber eine, die uns ein Vermögen einbringen könnte. Ich kaufe gerade alle gelben Diamanten auf, die ich bekommen kann. Denn ich bin sicher, dass ihr Wert enorm steigen wird, wenn wir den Santa-Magdalena-Diamanten finden und darüber berichtet wird. Unsere Geschäfte werden genügend Steine auf Lager haben, um die rasant angestiegene Nachfrage zu befriedigen. Bis dahin muss die neue PR-Kampagne angelaufen sein.“

Er sah Gabby an. „Gabby hat sich bereit erklärt, das Aushängeschild der Kampagne zu werden. Sie ist ähnlich bekannt wie Paris Hilton, verbringt allerdings so viel Zeit in Europa, dass sie bei den hiesigen Medien viel begehrter ist. Wir fangen mit PR-Aktionen in den Geschäften an und werben damit für einen verbesserten Service. Ausgewählte Kunden werden um Vorschläge gebeten, die sie ihr dann schicken können, und einige sollen sich persönlich mit ihr treffen. Penny wird an Entwürfen für die gelben Diamanten arbeiten, und Gabby kann eine dazu passende Modelinie zusammenstellen. Jeder Kunde soll unser Geschäft mit einem fliederfarbenen Etui in einer fliederfarbenen Tüte verlassen. Ich überlege sogar, ob wir vormittags Croissants und Espresso anbieten.“ Er lächelte. „Frühstück bei McCord’s. Kein schlechter Name, oder? Und an manchen Abenden servieren wir Champagner und Häppchen. Wir haben einen guten Ruf zu verlieren, und um den will ich kämpfen.“

Gabby gefielen seine Ideen. Zu ihren Lieblingsdesignerinnen in den USA gehörte Tara Grantley aus Houston. Sie würde sie noch heute Abend anrufen. Würde Rafe sie begleiten, wenn sie sich mit Tara traf? Bei dem Gedanken spürte sie ein Kribbeln im Nacken.

Blake wollte gerade aufstehen, als seine Mutter die Hand hob. „Bleib sitzen, Blake. Jetzt habe ich der Familie etwas mitzuteilen.“

Neben Gabby rutschte Charlie nervös auf seinem Stuhl herum.

„Es wird nicht lange dauern“, begann Eleanor. „Meine Erkrankung im letzten Jahr hat mich dazu gebracht, über einige Dinge in meinem Leben gründlicher nachzudenken. Jetzt, da euer Vater nicht mehr unter uns ist, möchte ich euch etwas sagen, was ich bisher verheimlicht habe. Es ist eine Last, die ich nicht mehr tragen will. Mit Charlie habe ich bereits gesprochen, weil es ihn am meisten betrifft.“ Sie legte eine kurze Pause ein. „Vor zweiundzwanzig Jahren, während einer besonders unglücklichen Phase meiner Ehe, hatte ich eine Affäre mit Rex Foley. Aus dieser Affäre ist Charlie hervorgegangen. Euer Bruder ist kein McCord, sondern ein Foley.“

Gabby sah das Entsetzen und den Schmerz in allen Gesichtern. Charlie hatte den Kopf gesenkt, als würde er erwarten, dass seine Geschwister ihn aus ihrem Kreis ausschlossen. Paige und Tate sahen verblüfft aus, und Blake starrte seine Mutter sprachlos an. So wütend hatte Gabby ihn noch nie gesehen. Sie gehörte nicht zu Eleanors Kindern, und vielleicht konnte sie ihnen helfen, mit der neuen Situation umzugehen. Aber erst einmal musste sie die schockierende Nachricht verkraften.

Gabby nahm Charlies Hand. „Es wird alles gut.“

Er hob den Kopf. „Nichts wird je wieder gut.“

Sie stand auf und strich über seinen Arm. Das tat sie auch bei Penny, dann Paige und Tate, aber bei Blake hielt sie inne. Er saß wie gelähmt auf seinem Stuhl.

Nach kurzem Zögern legte sie den Arm um seine Schultern und beugte sich zu ihm hinunter. „Ruf mich an“, sagte sie nur.

Als sie Eleanor erreichte, hatte ihre Tante Tränen in den Augen. „Ich wollte, dass du es auch weißt“, flüsterte sie, als Gabby sie umarmte.

„Dafür danke ich dir, aber ich lasse euch jetzt besser allein. Ich fahre ins Hotel zurück.“

Im Raum herrschte noch immer Schweigen, als Gabby hinausging. Wer würde es als Erster brechen? Würde einer von ihnen einsehen, dass dies die Chance war, die Fehde für immer zu beenden?

Gabby sehnte sich nach der Stille ihrer Hotelsuite. Vielleicht konnte sie sich dort etwas erholen. Nicht nur von der Anspannung dieses Abends, sondern auch von den Strapazen der letzten Monate. Niemand wusste, was in dem Londoner Club wirklich passiert war. Niemand kannte die wahre Geschichte ihrer Beziehung mit Miko Kutras.

Kaum hatte Gabby die luxuriöse Halle der Sky Towers betreten, kam ein Wachmann auf sie zu. „Miss McCord? Ich soll Sie zu Ihrer Suite begleiten.“

Gabby hielt nach Rafe Balthazar Ausschau. Er hatte versprochen, sich hier mit ihr zu treffen, aber offenbar war er noch nicht da. Sie warf einen Blick auf das Namensschild des Mannes. Er hieß Joe.

„Haben Sie einen großen Mann mit kurzem, schwarzem Haar gesehen?“, fragte sie. „Er hat sehr breite Schultern und dunkelbraune Augen. Eigentlich wollte er hier auf mich warten.“

„Er hat mich gebeten, Sie nach oben zu bringen.“

Offenbar hatte Rafael Balthazar Wichtigeres zu tun. Das sollte ihr recht sein, denn im Moment brauchte sie nichts weiter als ein Schaumbad. Sie hatte angerufen und darum gebeten, ihr ein Bad einzulassen. Nur noch etwas heißes Wasser dazu, und sie wäre im Himmel.