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Kapitel 1

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„Ganze Abteilung Haaalt!“ Das Kommando der Reitlehrerin dröhnte durch die Halle. Die Mädchen lenkten die Pferde zu ihr.

„Heute wart ihr alle richtig gut“, lobte sie Tina. „Ich denke, es ist Zeit für euer erstes Turnier.“

Ricki warf ihrer Freundin Maja einen fragenden Blick zu. Was meinte Tina?

„Ich möchte gerne in den Herbstferien ein kleines Turnier veranstalten“, erklärte die Reitlehrerin. „Für die Jüngeren wird es Slalomrennen und einen Eierlauf zu Pferd geben. Und für die Älteren einen kleinen Springparcours. Na, was haltet ihr davon? Hättet ihr Lust?“ Gespannt blickte Tina in die Runde.

„Super!“

„Au ja!“

„Klasse!“, erklang es von allen Seiten. Auch Ricki und Maja strahlten. Das klang toll!

„Wer will, kann jetzt gleich noch ein bisschen den Slalomlauf üben“, meinte Tina. Mit diesen Worten stapfte sie davon und verteilte ein paar rot-weiß gestreifte Kegel in der Halle. Mücke begann sofort, an den Zügeln zu ziehen. Er wollte los! Ein Turnier war genau nach seinem Geschmack. Er liebte es, im Mittelpunkt zu stehen. Mit flinken Schritten trippelte er um die Hindernisse herum.

„Gut gemacht!“, lobte sie Tina, als sie den letzten Kegel umrundet hatten. Maja und Minu schlossen zu ihnen auf. Das Gesicht der Freundin war ziemlich rot und Minus Fell glänzte verschwitzt.

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„Für heute reicht es, würde ich sagen“, meinte Maja. Ricki nickte. Auch sie hatte genug. Sie stiegen ab und brachten die Pferde nach draußen. Dort schien die Sonne kräftig vom tiefblauen Himmel. Es war schon Herbst, aber immer noch ziemlich warm.

Maja spritzte Minus Beine ab, während Ricki mit langen Strichen Mückes Fell bürstete. Sie sah, wie er die Augen dabei schloss. Genau wie sie genoss er diese Momente. Ricki hätte ihn stundenlang striegeln oder seine Mähne kämmen können. Irgendwie war Mücke doch ihr Pferd, auch wenn das leider nicht stimmte. Tja, Maja hatte es gut. Ihr gehörte Minu ganz alleine. Warum hatte Ricki nur keinen Onkel, der ihr ein Pferd schenkte?

Platsch, da klatschte ein Wasserstrahl auf Rickis Reitstiefel.

„He, träumst du?“, fragte Maja und blitzte sie verschmitzt an.

„Man wird ja mal kurz eine Pause einlegen dürfen“, beschwerte sich Ricki.

„Quatsch, Pause“, antwortete Maja. „Wir haben Tina doch versprochen, noch die Stallgasse zu fegen. Wenn wir uns nicht beeilen, dann wird es wieder so spät.“

Stimmt, Maja hatte recht. Rickis Mutter hatte sowieso schon beklagt, dass Ricki zu viel Zeit im Stall verbrachte. Aber für Ricki und Maja gab es einfach nichts Schöneres, als bei den Pferden zu sein. Auch heute trennten sie sich nur ungern von den beiden.

Als Ricki daheim ankam, war niemand da. Sie hatte ihrer Mutter versprochen, noch ein paar Matheaufgaben zu machen. Aber zuerst musste sie etwas trinken. Sie öffnete den Kühlschrank und ihr Blick fiel auf eine Schachtel mit Eiern.

„Kurz kann Mathe ja noch warten“, murmelte sie. Sie nahm sich ein Ei, einen großen Löffel und ging in den Garten. Vorsichtig trug sie das Ei zwischen den Kirschbäumen und Holunderbüschen herum.

„He, was soll denn das?“, hörte sie da hinter sich eine Stimme. „Spielst du jetzt schon alleine Kindergeburtstag?“

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Ricki fuhr herum und schwups, landete das Ei im Gras.

„Nein, ich trainiere“, antwortete sie schnippisch. Sie bückte sich, um das Ei aufzuheben. Zum Glück war es nicht zerbrochen. „Für ein Reitturnier. Da wird es einen Eierlauf zu Pferd geben.“

„Oh Mann“, stöhnte Franzi und verdrehte die Augen. Dann ging sie zurück ins Haus. „Immer nur Pferde, Pferde, Pferde“, hörte Ricki sie noch murmeln.

Rickis Schwester Franzi hatte mit Pferden überhaupt nichts im Sinn. Sie war drei Jahre älter als Ricki und verbrachte ihre Zeit am liebsten vor dem Spiegel. Oder sie traf sich mit ihren Freundinnen, um stundenlang irgendwelche Mädchenzeitschriften durchzublättern. Wie langweilig!

„Ricki, was machst du da? Du hast ja noch nicht einmal deine Reithosen ausgezogen!“ Rickis Mutter stand in der Tür zum Garten. Sie wirkte ziemlich sauer. „Franzi sagt, du übst für irgendein Turnier? Dabei hast du mir versprochen, für den Mathetest zu lernen.“

„Ja, das mache ich ja jetzt auch“, maulte Ricki.

„Dafür ist es nun reichlich spät“, stellte Frau Foss fest. „In einer halben Stunde gibt es Abendessen.“

„Aber, es ist noch eine ganze Woche bis zu diesem blöden Test“, erwiderte Ricki. „Da habe ich doch noch Zeit.“

„Nur, wenn du in Zukunft früher nach Hause kommst“, antwortete Frau Foss bestimmt. „Versprochen?“, fragte sie und streckte Ricki die Hand hin.

„Versprochen“, antwortete Ricki und schlug ein.

Doch schon am nächsten Tag hatte sie Mühe, ihr Versprechen einzuhalten. Tina war gerade beim Ausmisten, als Ricki erklärte: „Ich muss los. Ich habe meiner Mutter versprochen, nicht so spät heimzukommen.“

„Ja, ich leider auch“, pflichtete Maja ihr bei.

Tina sah ziemlich missmutig drein. „Schon gut“, murmelte sie. „Ich weiß sowieso nicht, was wird.“ Damit warf sie die Mistgabel auf die Schubkarre und ließ die Mädchen stehen.

„Was hat sie denn?“, fragte Maja betroffen.

„Keine Ahnung“, erwiderte Ricki. „Komm, wir fragen sie.“

Sie fanden Tina in ihrem kleinen Büro. Zaghaft blieben sie in der Tür stehen.

„Was ist denn?“, fragte Ricki vorsichtig. „Ist etwas passiert?“