Butler Parker -3-


Der große Bluff


Roman von Günter Dönges

Als Butler Parker das straff gespannte Drahtseil erkannte, war es bereits zu spät …!

Es tauchte ganz plötzlich im Scheinwerferlicht auf und blockierte die schmale, nasse Straße. Es strammte sich in Höhe der Windschutzscheibe zwischen zwei Bäumen und mußte verheerender und entsetzlicher wirken als eine Sprengladung. Josuah Parker stieg voll in die Bremsen. Er versuchte, den hinten wegrutschenden Wagen abzustoppen, wirbelte verzweifelt das Steuerrad herum und ließ sich blitzschnell vom Fahrersitz gleiten, als das Drahtseil den Wagen erfaßte und die Windschutzscheibe zerfetzte.

Die beiden Seitenholme des Wagens wurden gleichsam wegrasiert. Das Autodach verfing sich in dem zum Bersten gespannten Drahtseil, kippte nach oben und schleuderte den Cadillac hoch in die Luft.

Das häßliche Geräusch reißenden Blechs, das Splittern von Glas und der wie in Todesangst aufbrüllende Motor schufen eine Musik, die das Blut in den Adern gerinnen ließ.

Das alles dauerte nur wenige Sekunden.

Das Licht der Scheinwerfer kippte nach oben in den nachtschwarzen Regenhimmel, flackerte und erlosch. Es roch intensiv nach ausströmendem Benzin. Krachend landete der schwere, schwarze Cadillac an der Schutzplanke der Straße, durchbrach das dünne Eisenblech und polterte, sich überschlagend, den kleinen Abhang hinunter. Gleichzeitig damit zerriß das dicke Drahtseil. Ein Gewehrschuß schien aufzupeitschen, als es barst und sich dann aufrollte.

Der Benzingeruch wurde stärker, füllte die feuchte Waldluft. Das Radio des Cadillac plärrte scheppernd, hustete und spuckte, um dann endgültig zu verstummen. Eine grelle Stichflamme stieg aus den verknäulten Trümmern des Wagens. Dieses überdimensional große Blitzlicht erhellte die Unfallstelle. Aus dem Blitzlicht wurden Flammenbündel, die den Rest des Wagens einhüllten. Explosionsartig riß der gefüllte Wagentank auf. Brennendes Benzin spritzte durch die Nacht, verglühte zischend auf dem nassen Waldboden oder beteiligte sich daran, das Autowrack in eine weißglühende Hölle zu verwandeln.

Im Widerschein der Flammen waren zwei Gestalten zu erkennen, die oben an der Straße standen und hinunter in die Flammengarbe stierten. Sie rührten sich nicht, waren wie verzaubert. Gebannt beobachteten sie das Ausglühen des Wracks. Sie vergaßen darüber jede Vorsicht, mußten sie doch damit rechnen, daß andere Autofahrer diese Waldstelle passierten.

Diese beiden Männer waren fast gleich groß. Etwa 1,75 Meter mochten sie haben. Sie waren schlank, breitschultrig und trugen dünne, schwarze Nylonmäntel über ihren Anzügen.

»Der is’ hin …!« sagte Ray Forest mit heiserer Stimme, die zu seinem breitflächigen, narbigen Gesicht paßte. »Der is’ hin, sag’ ich.«

»Besser, ich seh’ mal nach.«

Norman Irving sprach langsam, fast schleppend. Er hatte das ausdruckslose Gesicht eines Pokerspielers. Seine blendend weißen Zahnreihen waren zu regelmäßig, um echt sein zu können. Er kaute an seinem Nagel des kleinen, rechten Fingers, als er langsam über die niedrige Schutzplanke stieg und über den Hang auf das brennende Wrack zuging.

Ray Forrest zuckte nur mit den Schultern. Er zündete sich eine Zigarette an, drehte sich um und kümmerte sich um die beiden Drahtseilenden. Er schaffte sie an die Straßenseiten und stieß mit dem Fuß die Glassplitter von der Fahrbahn. Besondere Mühe gab er sich nicht. Irving und er würden ja ohnehin in ein paar Minuten losfahren und diese Straße möglichst schnell verlassen.

Ray Forest war sehr zufrieden.

Der Auftrag hatte prächtig hingehauen, alles war planmäßig verlaufen. In spätestens einer Stunde konnten Irving und er die zweite Hälfte der vereinbarten Geldsumme abkassieren. Für jeden von ihnen also noch einmal 2500 Dollar. Eine Menge Geld, mit der sich schon etwas anfangen ließ. Ray Forest hatte vor, nach Los Angeles zu fahren und seine Freundin zu besuchen.

Ungeduldig wartete er auf seinen Partner Irving. Er konnte nicht verstehen, warum Norman es so genau mit dem Wrack nahm. An fünf Fingern konnte er sich schließlich abzählen, daß der Mann am Steuer des Cadillac nicht mehr lebte.

Norman Irving ahnte, daß Ray Forest ungeduldig wartete, doch das hielt ihn nicht davon ab, den Wagen genau zu prüfen. Er hatte den Job angenommen und sich für seine prompte und sichere Durchführung verbürgt. Irving war pedantisch, auf seine gute Arbeit bildete er sich sehr viel ein.

Am Nagel des kleinen Fingers knabbernd, blieb er nachdenklich stehen und beobachtete die Trümmer des Cadillac, die in einem Schmelzofen zu sein schienen. Es war schon wegen der sengenden Hitze unmöglich, näher an den Wagen heranzukommen. Irving mußte darauf verzichten, einen Blick in das glühende Wageninnere zu werfen.

Langsam wandte er sich ab und stieg hinauf zur Straße. Schön, die Leiche hatte er zwar nicht mit eigenen Augen gesehen. Doch er konnte ja wohl unterstellen, daß der Fahrer nicht nur tot war, sondern jetzt zu Asche wurde. Gewissensbisse hatte Irving nicht. So etwas kannte er nicht. Er hatte einen Auftrag ausgeführt und wollte dafür jetzt den Rest der vereinbarten Summe kassieren.

»Na, was is?« fragte Ray Forest, als er den in einer Schneise stehenden Wagen erreicht hatte.

»Hat geklappt«, antwortete Irving schleppend. »Der braucht nicht mehr eingeäschert zu werden. Los, hauen wir ab, bevor ein Streifenwagen erscheint. Die Flammen sind bestimmt bis ’runter nach Lakewood zu sehen.«

Sie stiegen schweigend in den Wagen. Ray Forest übernahm das Steuer, lenkte den Chevrolet auf die Straße und umfuhr vorsichtig die Glasscherben auf dem nassen Asphalt. Dann drehte er stärker auf und hielt auf Denver zu, wo sie seit knapp einer Woche wohnten.

»Wann verschwinden wir?« erkundigte sich Ray Forest während der Fahrt. »Länger als nötig will ich nicht in diesem Kaff bleiben.«

»Ein paar Tage sollten wir noch bleiben«, meinte Irving und lächelte dünn. Seine Zahnprothesen glänzten.

»Bist du verrückt?« Ray Forest sah seinen Partner kurz an. »Was glaubst du, wie die Bullen nach diesem Unfall wild werden …!«

»Uns wird nichts passieren, Ray. Aber bevor wir Denver verlassen, möchte ich noch anständig abstauben.«

»Na ja, die zweite Rate sollten wir ja gleich bekommen. Oder etwa nicht?«

»Von dem Zaster spreche ich nicht.«

»Von welchem denn noch, he?«

»Unser Auftraggeber wird noch mehr spucken müssen, Ray.« Irving grinste wieder dünn. »Ich glaube zu wissen, wer der Mann ist. Den nehmen wir noch aus wie ’ne fette Ente, mein Junge. Der wird uns so schnell nicht wieder los.«

Ray Forest blies die Backen auf und schnalzte. Endlich hatte er begriffen. Anerkennend fluchte, er. Er war sofort einverstanden. Gegen Geld hätte er nichts einzuwenden.

»Du bist ja vielleicht ein toller Hund«, schmeichelte er seinem Partner. »Ich hab’ ja gleich gewußt, daß Denver mir gefallen wird. Und wer soll unser Geldgeber sein?«

»Dreimal darfst du raten«, entgegnete Irving. »Mich können ’se doch nicht für dumm verkaufen. Ich weiß genau, was gespielt wird. Damit wir aber auch ganz sichergehen, werden wir uns mal diesen Mittelsmann kaufen und ihm auf den Zahn fühlen. Das wär’ doch was für dich, oder?«

»Der Kerl wird innerlich von ’ner Viertelstunde in allen Tonarten singen«, schwor Ray Forest. »Ich kenn’ da ein paar Mittelchen, die den stärksten Neger umschmeißen …!«

Josuah Parker lag reglos im Straßengraben und horchte in sich hinein. Er prüfte vorsichtig, welcher Knochen ihm nicht weh tat. Das Resultat war niederschmetternd. Alle Knochen schmerzten, jeder Muskel schien sich in glühendes Eisen verwandelt zu haben. Er wagte nicht, sich zu rühren, merkte aber, daß er noch atmete. In einer ersten, verfrühten Aufwallung wollte er sich darüber freuen, doch dann merkte er zu seinem grenzenlosen Entsetzen, daß er blind war.

Er sah nichts mehr …! Und das hing nicht mit der regennassen Dunkelheit zusammen. Er riß die Augen weit auf, spürte, daß die Lider sich öffneten, doch er konnte nichts erkennen, noch nicht einmal den vagen Umriß eines Baumes oder den von einem mißmutigen Mond nur sparsam erhellten Nachthimmel.

Unwillkürlich schluckte er, stellte bei der Gelegenheit fest, daß seine Kiefer wenigstens noch in Ordnung waren. Er zwang sich zur Ruhe. Gerade jetzt durfte keine Panik aufkommen. Parker rief sich zur Ordnung, war fest entschlossen, sein Schicksal mannhaft zu ertragen, wie es sich für einen original englischen Butler gehörte.

Es kostete ihn sehr große Überwindung, den rechten Arm anzuheben. Zögernd kroch seine Hand zum Gesicht empor. Mit den Fingern wollte er feststellen, was mit seinen Augen passiert war. Die Erinnerung hatte sich nämlich längst wieder eingestellt. Er wußte überdeutlich, daß er mit dem Cadillac gegen ein quer über die Straße gespanntes Drahtseil gefahren war.

Seine Hand zitterte nur ganz wenig, als die Fingerkuppe den Unterkiefer ertastete, dann die Nase ausmachten und schließlich mit einem entschlossenen Ruck hoch zu den Augenhöhlen zuckten. Er wollte die gnadenlose Wahrheit erfahren.

Zu seiner Überraschung wurden die Finger aber von einem harten Gegenstand gebremst. Sie kamen nicht weiter, stießen gegen ein unüberwindliches Hindernis.

Parkers Atem ging stärker. Er versuchte hinter das Rätsel zu kommen. Was mochte dieses Hindernis bedeuten? Hatte er sich etwa auch den Schädel zerschlagen? War es einfach ein Wunder, daß er überhaupt noch lebte?

Josuah Parker hätte jetzt am liebsten laut geschrien. Nur die ihm angeborene und erlernte Beherrschung verhinderte diesen Ausbruch seiner Gefühle. Selbst in dieser Situation ließ er sich nicht gehen.

Die Fingerspitzen machten sich inzwischen selbständig. Sie betasteten das Hindernis, kletterten darüber hinweg und – stießen gegen die schwungvolle Wölbung von Parkers Melone.

Parker erstarrte. Schlagartig beherrschte ihn wieder jene Kaltblütigkeit, die ihn auszeichnete. Er unterdrückte das jäh aufsteigende trockene Schluchzen der Erleichterung. Er nahm nun auch noch seine linke Hand hoch und half den Fingern der rechten Hand. Er strengte sich ungemein an, die tief in die Stirn getriebene Melone wieder hochzuschieben.

Der Sturz aus dem zersplitternden Cadillac hatte die Kopfbedeckung über Parkers Ohren und Augen getrieben. Daher die Blindheit, die Dunkelheit um ihn herum …!

Da die Melone mit Stahlblech ausgefüttert war, ließ sie sich nicht ohne weiteres lösen oder anheben. Parker schnaufte, strengte sich an, zerrte an der harten Krempe. Er vergaß darüber den Unfall und seine sagenhaft glückliche Rettung. Er wollte endlich sehen, was aus dem Cadillac geworden war. Sein Geruchssinn sagte ihm bereits genug. Ganz in der Nähe mußte der Wagen brennen. Die schmorenden Reifen verpesteten die Luft.

Endlich, mit feinem ›Plopp‹ gab die widerspenstige Melone nach und löste sich aus der Verklemmung. Augenblicklich konnte Butler Parker auch wieder sehen. Er richtete sich auf, klopfte sich den Schmutz von seinen dunklen, gestreiften Hosen und suchte erst nach seinem Regenschirm, an den er sich beim Sturz festgeklammert hatte.

Noch stand Parker reichlich unsicher auf den Beinen. Sonst hätte es nicht passieren können, daß er plötzlich ausgerechnet über den Schirm stolperte und noch einmal zu Boden schlug. Er empfand es als ausgesprochen ungerecht, daß er in einer schmutzigen, schlammigen Wasserlache landete.

Jeder andere Mensch hätte jetzt bestimmt einen mehr oder weniger treffenden Fluch ausgestoßen. Nicht aber Parker. Gelassen stand er auf, wischte sich den Schlamm aus dem Gesicht und legte sich den Griff des Schirms über den linken Unterarm. Gemessen, als befinde er sich auf sicherem Parkett, schritt Parker dann über den Steilhang zum brennenden Wagen hinunter. Neben einem Busch blieb er stehen und sah sich das glühende Wrack an.

In seinem beherrschten, glatten und ausdruckslosen Gesicht regte sich auch jetzt kein Muskel. Er wußte sehr wohl, daß er eigentlich in dieser Gluthölle liegen und verschmoren müßte. Ein unbegreifliches Glück hatte ihn aber aus dem Wagen und in den schlammigen Straßengraben geschleudert.

Wie Parker innerlich erregt war, zeigte sich daran, daß er ganz automatisch nach seinem Zigarettenetui griff und sich einen dieser schwarzen Torpedos anzündete. Er brauchte jetzt eine Ablenkung, um mit den Tatsachen fertig werden zu können.

Schon nach wenigen Minuten vertrieben ihn Hitze und Gestank der schmorenden Autoreifen. Parker ging zurück zur Straße, kletterte über die weggedrückte Schutzplanke und sah auf seine Armbanduhr. Es war 22.12 Uhr. Um diese Zeit sollte er bereits in Denver sein und Miss June Jason abholen. Demnach, so rechnete er schnell aus, hatte er fast fünfzehn Minuten im Straßengraben gelegen.

Die Wirkung der schwarzen Zigarre war ungemein eindrucksvoll. Parker erholte sich nicht nur recht schnell, die Rauchschwaden verscheuchten auch einige äußerst lästige Mückenschwärme, die sich auf den Butler stürzen wollten. Nach einer weiten Orientierungskurve zogen die Tiere es vor, schleunigst tiefer in den Wald hineinzufliegen.

Josuah Parker griff in eine der vielen Taschen seines schwarzen und altväterlich aussehenden Covercoats. Prüfend hielt er die kleine, jedoch lichtstarke Taschenlampe hoch und schaltete sie ein. Sie war noch intakt.

Der Butler machte sich sofort daran, Spuren zu sichern. Die waren nämlich in jeder Menge vorhanden. Sie führten von der Schutzplanke quer über die Straße, blieben hart am Straßenrand sichtbar und bogen dann in einen kleinen Feldweg ein, der in einer Lichtung mündete.

Parker interessierte sich vor allen Dingen für die Reifenspuren im nassen Waldboden. Er fand einige halb aufgerauchte Zigaretten, die er sorgfältig einsammelte und in einen Lederbeutel steckte. Seine Augen verengten sich, als der Lichtstrahl eine leere Zigarettenschachtel erfaßte. Es handelte sich um eine flache Orienttabak-Packung, wie sie in den Staaten nicht gerade häufig anzutreffen war. Auch sie wanderte in den Lederbeutel, in dem Parker Beweisstücke aufzubewahren pflegte.

Es dauerte nicht lange, bis Parker auch das zerrissene Drahtseil entdeckte. Die beiden Gangster hatten sich nicht die Mühe gemacht, dieses wichtige Beweisstück verschwinden zu lassen. Der Butler, der in der Bearbeitung seiner Kriminalfälle stets unorthodox war, löste die eine Hälfte, wickelte sie auf und sicherte sie sich als persönliches Beweisstück. Seiner Schätzung nach hatte die Polizei mit der anderen Drahtseilhälfte mehr als genug.

Ohne auch nur den geringsten Schock zu zeigen, marschierte Parker anschließend hinunter nach Lakewood. Er wollte sich bei Miss June Jason wegen seines ungebührlichen Fernbleibens entschuldigen, zum anderen aber seinen jungen Herr, dem Strafverteidiger Mike Rander, anzeigen, wieso es zu dieser nicht eingeplanten Verspätung gekommen war.

Weit kam Parker jedoch nicht. Schon nach etwa hundert Metern hörte er das nervenzerfetzende Geräusch einer Polizeisirene. Wenig später schimmerte das rotierende Rotlicht durch die Baumstämme. Ein Streifenwagen der Polizei brauste heran.

Parker, der stets rationell dachte, warf das Stück Drahtseil tief in das Unterholz, stellte sich mitten auf der Straße auf und winkte mit seinem Regenschirm. Mit kreischenden Bremsen hielt der schwere Wagen an. Zwei uniformierte Beamte der Staatspolizei sprangen aus dem Wagen und liefen auf Parker zu.

Parker kam den Fragen der beiden Beamten zuvor. Klar und präzise schilderte er die Vorgänge und nannte anschließend seinen Namen.

»War das Ihr Wagen?« fragte der Sergeant der Streife.

»Ich bedaure, nein. Der Cadillac dort unten auf dem Steilhäng gehört Mr. Arthur Gilpan.«

»Meinen Sie den Leder-Gilpan?«

»Ich glaube, so wird er tatsächlich genannt«, räumte Parker ein.

»Wie kommen Sie denn an seinen Wagen?«

»Mr. Gilpan beauftragte mich, seine Verlobte abzuholen«, sagte Butler Parker aus. »Ich möchte betonen, daß er diesen Entschluß ganz überraschend faßte, da eine wichtige Unterredung ihn festhielt.«

»Normalerweise wäre er also gefahren?« Der Sergeant sah den Butler sehr konzentriert und aufmerksam an. Er wußte genau, was er wollte.

»In der Tat, ich kann es nicht leugnen«, erwiderte Parker. »Um Ihrer nächsten Frage zuvorzukommen, Sergeant, auch ich nehme an, daß dieser Anschlag nicht mir, sondern Mr. Gilpan galt. Mit anderen Worten: Er sollte heimtückisch ermordet werden …!«

»Völlig ausgeschlossen, daß man mir nach dem Leben trachten könnte«, behauptete Arthur Gilpan aufgebracht. Er war 48 Jahre alt, groß, schlank und ganz der Typ eines Leistungssportlers. Sein straffes, gebräuntes Gesicht verriet deutlich, daß er sich sehr oft in der freien Natur aufhielt. Er bewohnte einen feudalen Landsitz hart am Sloan-See. Schon allein die Einrichtung der vielen Räume bewies, daß Gilpan sehr reich war. Die vielen Gemälde an den Wänden allein stellten ein riesiges Vermögen dar.

»Demnach hätten Sie also keine Feinde?« erkundigte sich Leutnant Branch, ein drahtiger, energischer Mann von knapp 40 Jahren. Sein schmales Gesicht sah angespannt und übermüdet aus.

»Ein Mann in meiner Stellung hat selbstverständlich nicht nur Freunde«, antwortete Gilpan unwillig. »Selbstverständlich habe ich Konkurrenten, aber die würden doch niemals zu solchen Mitteln greifen. Ich möchte wetten, daß der Anschlag Mr. Parker galt.«

»Sie sind Gast hier im Hause?« wandte sich Leutnant Branch an Josuah Parker.

»In erster Linie bin ich Butler, Sir«, gab Parker zurück. »Ich habe die Ehre, Mr. Rander zu begleiten. Ihm galt die Einladung hierher in Mr. Gilpans Haus.«

»Das ist schnell erklärt«, schaltete sich Mike Rander ein. Der sympathische Strafverteidiger, der sich zusammen mit Parker bereits einen Namen als Kriminalist gemacht hatte, sah auf den ersten Blick aus wie ein großer, netter Junge. Das braune Haar und die sanften braunen Augen förderten diesen ersten Eindruck. In Wirklichkeit aber galt Mike Rander in Fachkreisen als äußerst scharfsinniger Strafverteidiger, der schon viele heikle Prozesse aus dem Feuer gerissen hatte. Mike Rander konnte es sich leisten, nur solche Fälle zu übernehmen, die ihn menschlich oder fachlich besonders interessierten. Auf Geld brauchte er nicht zu sehen. Er besaß ein großes Vermögen, das ihm auch gestattete, sich einen Butler zu halten.

Parker hatte er sich aus London mitgebracht. Aus dem anfänglichen Verhältnis Butler –