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Inhaltsverzeichnis

Buch
Autorin
MÄRZ
APRIL
MAI
JUNI
JULI
AUGUST
SEPTEMBER
OKTOBER
NOVEMBER
DEZEMBER
JANUAR
DANKSAGUNG
Copyright

DANKSAGUNG

Ich weiß den Rat, die Vorschläge und vor allem die Engelsgeduld der fantastischen Mitarbeiter von Pan Macmillan sehr zu schätzen.

Mein besonderer Dank gilt Ingrid Connell, Natasha Martin, Helen Guthrie, Naomi Berwin und Toni Byrne für ihre wertvollen Beiträge zu diesem Buch.

Ein großes, ja riesiges Dankeschön geht an meinen Agenten Simon Trewin von United Agents, der all das überhaupt erst ermöglicht hat, sowie an Ariella Feiner für ihre Unterstützung.

Dank schulde ich auch David Bloom: Danke, dass du stets eingesprungen bist, wenn ich dich brauchte (aber dabei zum Glück vorsichtiger warst als ich) .

Bedanken möchte ich mich auch bei allen meinen Freunden, Kollegen und Bekannten, die mich unterstützt haben: Eure Hilfe und eure Loyalität bedeuten mir unsagbar viel. Wenn ihr euch in dem vorliegenden Buch wiederfindet, dann wisst ihr hoffentlich auch warum: weil mir so viel an euch liegt.

Danken möchte ich auch Mike Atkinson, Sasha Frieze, Darren Shrubsole, Darryl Chamberlain, Diamond Geezer, Gordon McLean, Jonathan Swerdloff und zahllosen anderen Bloggern und Internet-Freunden von damals.

Mein besonderer Dank gilt Alex Marsh, weil er immer ein offenes Ohr für mich hatte und meine Launen ertrug. Bedanken möchte ich mich auch bei Steve Sparshott, meinem äußerst geduldigen Prüfstein, der mir meine unorthodoxe Zeichensetzung niemals übelgenommen hat.

Ich bin dankbar und unheimlich stolz, die Tochter solcher Eltern zu sein: Sie haben mich mit ihrer Liebe, ihrer Unterstützung und ihrem Rat niemals im Stich gelassen, und ich kann ihnen gar nicht genug danken, dass sie ohne Wenn und Aber zu mir gehalten haben. Trotzdem hoffe ich nach wie vor, dass sie nach diesen Danksagungen nicht weiterlesen.

Zu guter Letzt möchte ich noch allen meinen Dank und meine Anerkennung aussprechen, die mein Blog und das Buch gelesen, mir ihre Kommentare und E-Mails geschickt und mich über Twitter und Facebook kontaktiert haben. Vor allem jenen Bloggern, die sich schützend vor mich gestellt haben, als ich so richtig in der Tinte saß. Ich bin euch unendlich dankbar für eure liebevolle Unterstützung!

Autorin

Mit ihrem ersten Bestseller »Immer nur das eine« sorgte Abby Lee, alias Zoe Margolis, für Schlagzeilen. Die Autorin berichtet darin freizügig über ihre sexuellen Sehnsüchte, Experimente und Erfahrungen. Ihr Online-Sex-Tagebuch hat bereits mehr als sieben Millionen Leser. Auf den Bloggies 2006 wurde es als bestes englisch/irisches Blog ausgezeichnet. Seit ihrem »Outing« engagiert sich Zoe Margolis ehrenamtlich für Sexualberatung für junge Menschen. Sie lebt in London und schreibt regelmäßig Beiträge unter anderem für die renommierte britische Tageszeitung The Guardian und das Wochenblatt The Observer.

 

Im Goldmann Verlag ist von Abby Lee außerdem erschienen:

Immer nur das eine

MÄRZ

Freitag, 17. März

Ich habe heute bei Tim übernachtet, nachdem wir im Pub waren. Tim und ich sind alte Studienfreunde. Es ist schon ein paar Jahre her, seit wir das letzte Mal im Bett gelandet sind und herausfanden, dass wir besser Freunde bleiben sollten. Heute reden wir lieber über unsere Dates und alles, was damit zusammenhängt, als unseren Worten Taten folgen zu lassen. Das ist praktisch, bekomme ich doch auf diese Weise einen tabulosen Einblick in das Sexleben von Männern – etwas, das sich vermutlich jede Hetero-Frau wünscht. Es ist einfach toll, einen Freund wie Tim zu haben, den ich unverblümt alles zum Thema Sex fragen kann, ohne dass es unsere Freundschaft auch nur im Geringsten gefährdet.

Ich wachte mitten in der Nacht auf und musste aufs Klo. Auf dem Weg ins Bad bot sich mir ein erstaunlicher Anblick: Tim saß im Dunkeln nackt auf dem Wohnzimmersofa und schaute fern.

»Ich hab mir bloß das Spiel angesehen«, sagte er entschuldigend, während er nach einem Kissen griff und damit seine Blöße bedeckte. Nicht ohne schnell umzuschalten, als ich ins Zimmer kam.

Ich lachte und zeigte auf das Kissen. »Du schaust also immer nackt Fußball?«

Peinlich berührt presste er es noch fester an seinen Unterleib. »Ich weiß, was du jetzt denkst, aber ich habe mir nur das Spiel angesehen, ehrlich.«

Ich zog die Brauen hoch. »Wie lange kennen wir uns jetzt, Tim? Komm schon, du brauchst wirklich nicht schüchtern zu sein! Wenn du dir einen runtergeholt hast, habe ich damit keine Probleme. Von mir aus kannst du gern weitermachen!«

Bei diesen Worten fiel mir wieder ein, wie er einmal neben mir im Bett seinen Schwanz liebkost hatte. Ich weiß noch, wie er mit der Linken den Penisschaft hielt und mit der Rechten sanft an seinen Eiern zog. Ob er diese Technik zehn Jahre später auch noch benutzte?

Ich sah zu, wie er rot anlief, und merkte, dass meine Gedanken unangebracht waren. Wir waren einfach bloß Freunde, und unsere Zeit sexuellen Experimentierens war lange vorbei. Ich musste dieses Bild schleunigst wieder aus dem Kopf kriegen.

»Ich geh nur kurz aufs Klo – tu, was du nicht lassen kannst«, sagte ich und unterdrückte ein Kichern.

»Ich hab mir keinen runtergeholt. Ehrlich nicht!«, rief er.

»Ja, ja, ist schon gut«, prustete ich.

Ich ging aufs Klo und ließ ihn allein. Aber insgeheim fragte ich mich schon, wie es wohl wäre, ihm noch einmal beim Wichsen zuzusehen.

Samstag, 18. März

Es ist nicht leicht, wenn man immer nur das eine im Kopf hat. Ich bin nicht nur sexbesessen und habe eine Libido, die die der meisten Männer, die ich kenne, übersteigt. Ich bin auch noch die anonyme Autorin eines beliebten Blogs über mein Sexleben, und das ist echt heftig. Es ist einfach anstrengend, die Fassade aufrechtzuerhalten, damit mein Blog anonym bleibt.

Ich begann mein Blog vor mehreren Jahren, weil er mir die Möglichkeit bietet, mich ohne Tabus aufrichtig zu äußern. Mit seiner Hilfe kann ich als Frau über Sex reden, ohne dafür verurteilt zu werden. Das bedeutet nicht, dass ich keine schrecklichen, hasserfüllten Reaktionen auf mein Blog bekomme; davon gibt es genug. Aber indem ich anonym bleibe, kann ich wenigstens vermeiden, dass man mich persönlich angreift. Angesichts des Gifts, das gegen mich verspritzt wird, bin ich für diesen Schutzschild äußerst dankbar. Nicht alle E-Mails und Kommentare sind bösartig: Die meisten unterstützen mich bei dem, was ich tue. Die Leute scheinen ein ernsthaftes Interesse daran zu haben, sich Gedanken über Sex zu machen und darüber zu diskutieren, anstatt sich nur daran aufzugeilen. Das Schönste sind die ermutigenden E-Mails, die ich von Frauen bekomme: So wie es aussieht, gibt es durchaus einige, die auch immer nur das eine im Kopf haben.

Manchmal würde ich meinen Freunden gern erzählen, was ich da zu Hause so treibe, nachdem ich mich mit ihnen getroffen habe. Ich frage mich, was sie wohl mehr verblüffen würde: mein sofortiges Einloggen im Internet, um einen neuen Blog-Eintrag zu verfassen, oder meine ständige Post-Martini-Masturbation. Wahrscheinlich fänden sie Ersteres schockierender, aber was sie über Letzteres denken, möchte ich lieber gar nicht wissen. Ich schäme mich zwar nicht für das, was ich getan oder geschrieben habe, aber deshalb müssen meine engsten Freunde und Verwandten noch längst nicht meine intimsten Gedanken und Gefühle zum Thema Sex kennen … und erst recht nicht sämtliche saftigen Details. Genauso wenig möchte ich, dass mich meine Kollegen wegen meines Lebenswandels verurteilen: Dann würde mich bei der Arbeit bestimmt niemand mehr ernst nehmen, und in der Filmindustrie, wo jeder jeden kennt, käme das mehr oder weniger einem Berufsverbot gleich.

Also erhalte ich die Fassade vor meinen Freunden aufrecht. Ich belüge meine Familie und halte mich auch am Arbeitsplatz bedeckt, damit niemand auf die Idee kommt, ich könnte ein äußerst umtriebiges, geheimes, anonymes Online-Leben führen. Aber ich liebe dieses Leben: Ich genieße die Reaktionen auf mein Blog, mir gefallen die Beiträge und Kommentare der Leute zu meinen Texten, und ich empfinde es als durchaus befreiend, über meine sexuellen Abenteuer schreiben zu können. Doch je beliebter mein Blog wird und je größer das Interesse an ihm wird – in wenigen Monaten wird er sogar als Buch erscheinen! -, desto mehr Angst habe ich davor, enttarnt zu werden. In meinem Blog mit dem Titel »Immer nur das eine« kann ich mein Innerstes nach außen kehren, aber hinter Abby Lee, der Sexbloggerin, stecke ich, Zoe, eine ganz normale Frau von Anfang dreißig, die einfach nur ihr Leben leben, Erfolg in ihrem Traumberuf, eine erfüllte Beziehung und tollen Sex will.

Letzterer beschäftigt mich allerdings am meisten, zumindest im Moment.

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»Ich finde es toll, dass wir keinen Sex mehr haben«, sagte ich beiläufig und nippte an meinem Bier.

Inmitten des Gewühls eines gut besuchten Pubs im Norden Londons nahm Blog Boy einen kleinen Schluck von seinem Pint und lehnte sich amüsiert zurück. Ich sah ihn forschend an und wartete auf die mir vertrauten Lachfältchen rund um seine knallblauen Augen, die jedoch ausblieben. Plötzlich schien es um uns herum mucksmäuschenstill zu werden.

»Was ich eigentlich sagen wollte«, stotterte ich, »ist, dass wir es in den letzten Jahren nach alldem geschafft haben, keinen Sex zu haben und trotzdem Freunde zu bleiben.«

Und das war mein voller Ernst. Da er alles über mein Blog wusste – schließlich ist er ebenfalls ein anonymer Blogger, und wir haben uns natürlich online kennengelernt –, war ich in seiner Gegenwart stets entspannt. Wahrscheinlich musste ich mich einfach in ihn verknallen – und das tat ich auch, und wie! Wir sahen uns mehrere Monate regelmäßig, in denen ich tiefere Gefühle für ihn entwickelte, sodass ich mir eine Beziehung mit ihm gewünscht hätte. Leider beruhte das nicht auf Gegenseitigkeit, anscheinend passten wir nicht zusammen. Aber ich konnte gut damit leben, da wir trotz meiner enttäuschten Gefühle in Kontakt blieben. Und ich war wirklich froh darüber, dass wir jetzt befreundet waren. Ganz zu schweigen davon, dass wir einfach gern zusammen waren. Deshalb waren wir auch heute Abend ausgegangen, um ein Live-Konzert zu hören.

»Trotzdem glaube ich«, fuhr ich, bereits vorsichtiger geworden, fort, »dass es zwischen uns immer diese sexuelle Anziehung geben wird. Ich werde dich wahrscheinlich immer attraktiv finden.«

Endlich lächelte mich Blog Boy an. »Ja, ich dich auch. So was lässt sich eben nicht so leicht abstellen …«

Ich entspannte mich und lächelte zurück. »Wir müssen bloß darauf achten, unserer Begierde nicht nachzugeben. Dann kann unserer Freundschaft nichts passieren.«

Blog Boy grinste zustimmend, und wir stießen mit unserem Bier an. Genau in diesem Moment kam eine hübsche Blondine von Anfang dreißig auf uns zu. Sie war schon etwas beschwipst, hielt sich am Tisch fest, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren, und beugte sich zu mir.

»Ist das dein Freund?«, fragte sie leise und zwinkerte mir vielsagend zu.

Ich sah zu Blog Boy hinüber. Unsere Blicke trafen sich, und wir lächelten beide ironisch. Daraufhin erwiderte ich: »Vielleicht, wer weiß« und lächelte die Frau verführerisch an.

»Wie lange seid ihr schon zusammen?«

Ich schwieg und suchte nach einer passenden Antwort. »Wir kennen uns schon seit mehreren Jahren …«

»Du siehst sehr glücklich aus«, sagte sie und schwankte ein wenig auf ihren High Heels hin und her.

»Es geht uns gut, danke«, erwiderte ich, unterdrückte ein Lachen und sah Blog Boy vielsagend an.

»Na gut, dann möchte ich nicht weiter stören«, sagte sie lächelnd. »Aber habt ihr vielleicht eine Zigarette für mich? Ich zahle auch dafür, egal, was sie kostet. Sagt einfach, was ihr dafür haben wollt, und ihr bekommt es.« Sie schwankte ein wenig auf Blog Boy zu, und ich sah ihn stirnrunzelnd an und wartete auf seine Reaktion.

Weil er im Gegensatz zu mir ein netter Kerl ist, stellte er keine Forderungen, sondern zog einfach eine Zigarette aus seiner Packung. »Bitte schön!«, sagte er. »Genieße sie.«

»Oh, die ist nicht für mich, sondern für eine Freundin,« erwiderte sie, während sie die Zigarette entgegennahm. Sie strich uns beiden über den Arm und bedankte sich vielmals. Dann verabschiedete sie sich und wünschte uns noch einen schönen Abend, wobei sie unsere Schultern tätschelte. Daraufhin wechselten Blog Boy und ich einen erstaunten Blick, und ich wusste instinktiv, dass wir dasselbe dachten.

Ich drehte mich sofort um und sah, wie sich die gut gebaute Frau entfernte. Mir schoss das Blut in den Kopf, und ich bekam Herzklopfen. Ich weiß nicht, ob es an meiner Erregung lag oder daran, dass ich vor etwa einer halben Stunde eine Live-Performance der Band The Bravery gesehen hatte. Vielleicht lag es auch an den Unmengen Bier, die ich getrunken hatte, oder daran, dass ich mich einer sinnlich-erotischen Frau gegenübersah, die eindeutig mit uns beiden flirtete. Was auch immer der Grund dafür war – ich musste einfach handeln.

»Ist dir klar, dass du sie im Tausch gegen die Zigarette um fast alles hättest bitten können? Und dass sie wahrscheinlich damit einverstanden gewesen wäre?«, sage ich und grinste Blog Boy provozierend an.

Blog Boy grinste verblüfft. »Ja, wahrscheinlich schon …«

»Jetzt mal ganz im Ernst: Die würde bestimmt mitmachen.«

Blog Boy grinste erneut, diesmal allerdings deutlich zögerlicher.

»Da bin ich mir ganz sicher.«

Ich drehte mich um, um einen erneuten Blick auf die Frau zu werfen, und wandte mich dann wieder an Blog Boy. »Meine Güte!«, flüsterte ich ihm verschwörerisch zu. »Wenn mir aufgefallen wäre, welch tolle Brüste sie hat, als sie neben uns stand, hätte ich sie gebeten, sie mir als Gegenleistung für die Zigarette ins Gesicht zu pressen.« Ich drehte mich noch einmal nach ihr um.

»Ehrlich gesagt hätte ich sie sogar gebeten, sie an deinem Gesicht zu reiben«, fuhr ich zunehmend begeistert fort. »Sie hat geile Brüste, schau nur!«

Wir starrten die Frau an: Sie hatte wirklich geile Brüste. Ehrlich gesagt war alles an ihr geil: Sie war genau mein Typ und besaß die reinste Rubensfigur mit einem üppigen Hintern und üppigen Brüsten: genau die Art Frau, auf die ich stehe. (Da ich höchstens in zwei Prozent aller Fälle lesbische Neigungen verspüre, bin ich äußerst wählerisch und lege großen Wert auf Äußerlichkeiten. Ich war unfähig, mich von ihrem Anblick loszureißen. Wie bei einer sabbernden Comicfigur schossen mir allerhand schweinische Gedanken durch den Kopf, und mein Herzklopfen wurde beinahe unerträglich.)

»Ich kann sie überreden mitzumachen«, sagte ich wild entschlossen und absolut selbstbewusst zu Blog Boy. »Da bin ich mir absolut sicher. Wenn du willst, mach ich es. Ehrlich, wenn du ihre Titten in deinem Gesicht spüren willst – und ich hätte wirklich nichts dagegen, mir das anzusehen –, würde sie es bestimmt tun, wenn ich sie darum bäte.«

Blog Boy rutschte nervös auf seinem Stuhl hin und her. »Nein, aber das will ich nicht. Das wäre mir peinlich.«

»Ich soll sie also nicht fragen? Findest du sie denn nicht sexy?«

»Darum geht es nicht. Ich meine, sie sieht echt gut aus, das schon. Es ist nur so, dass … na ja, ich weiß eben nicht, ob …« Er verstummte, und ich wusste, dass die einzigartige Gelegenheit vorüber wäre, wenn ich nicht sofort etwas unternahm.

»Ich werde dich nicht blamieren, das versprech ich dir!«, beruhigte ich ihn. »Weißt du was? Wie wär’s stattdessen mit einem Kuss? Würde dir das gefallen? Sie wäre dazu bereit, da bin ich mir sicher.«

Er lächelte mich schüchtern an und biss sich auf die Unterlippe. »Na gut, ich glaube …«

Noch bevor er seinen Satz beenden konnte, hatte ich mich nach der Blondine umgedreht, die nur wenige Meter von unserem Tisch entfernt stand. Ich sah, wie sie sich mit ihrer Freundin unterhielt, und versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen. Aber ich war wie betäubt vor Adrenalin und Aufregung. Wenige Sekunden später sah sie, dass ich sie anstarrte, und lächelte mich an. Ich gab ihr sofort ein Zeichen, zu uns zu kommen. Und als ich sah, wie sie mit wiegendem Gang in unsere Richtung lief, holte ich tief Luft und hoffte das Beste.

Als sie an unserem Tisch stand, beugte sie sich vor und legte ihre Hand auf meine Schulter. Sie kam mir so nahe, dass ihre seidigen blonden Locken mein Gesicht berührten und ich den erregenden Duft ihrer Haut wahrnahm. Ihre großen aufreizenden Brüste waren nur wenige Zentimeter von meinem Gesicht entfernt, und ich konnte mich gerade noch beherrschen, sie nicht sanft zu umfassen.

»Da bin ich wieder!«, sagte sie und beugte sich noch weiter vor, sodass sich ihr Ohr direkt vor meinem Mund befand. Ich war wie elektrisiert. Merkte sie denn gar nicht, welche Wirkung sie auf mich hatte? So als könnte sie Gedanken lesen, wanderte ihre Hand, die immer noch auf meiner Schulter lag, sanft zu meinem Nacken. Ich spürte jeden ihrer Finger, die sich sanft in meine Haut gruben. Ich interpretierte das so, dass ich sie ebenfalls berühren durfte: Ich legte meine Hand auf ihre Hüfte und begann, ihr etwas ins Ohr zu flüstern, wobei meine Fingerspitzen kleine Kreise auf dem nackten Stück Haut über dem Bund ihrer Jeans beschrieben.

»Weißt du noch, wie du vorhin gesagt hast, dass du alles für eine Zigarette geben würdest?«

»Ja?«

»Nun, da ist etwas, das ich gern von dir hätte.«

»Was denn?«

»Mein Freund, er mag dich.«

Sie wich ein wenig vor mir zurück und sah mir direkt in die Augen, als versuchte sie, in meinem Gesicht zu lesen. »Ich dachte, er wäre dein Freund?«

Ich schüttelte den Kopf. »Nein. Wir sind einfach nur Freunde – gute Freunde.«

»Oh, verstehe.« Sie wirkte erleichtert und näherte sich mir erneut, sodass ich wieder ihren Duft atmen konnte.

»Ja, und na ja … Er findet dich echt sexy.«

Sie kicherte. »Echt?«

»Echt. Und ich finde dich auch sehr sexy.«

»Ich dich auch.«

Ich schwieg und verarbeitete, was sie gesagt hatte. »Äh, danke … Würdest du ihn küssen?«

»Ihn küssen?«

»Ja.«

»Bloß küssen?«

»Ja, das würde ihm gefallen.«

»Aber mehr möchte ich nicht tun.«

»Nein, natürlich nicht. Nur ein Kuss, mehr nicht.«

»Na gut …« Sie zog sich zurück und hypnotisierte mich mit ihrem Lächeln. »Vorausgesetzt, ich darf dich auch küssen.«

»Das versteht sich doch von selbst.«

Das war mir einfach so herausgerutscht. Es dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde, und ihre Lippen berührten die meinen, während ihre Fingerspitzen mein Gesicht liebkosten. Die Zeit blieb stehen, und ich spürte nichts außer den Nachgeschmack von Pfefferminz, den ihr Mund hinterließ.

Fuck!, dachte ich. Ich küsse sie tatsächlich! So einfach ist das. So schnell schafft man es, ein sexy Mädchen zu küssen. Man muss es ihm nur vorschlagen! Aus den Augenwinkeln kontrollierte ich, ob mich jemand in dem Pub beobachtete. Doch niemand zuckte auch nur mit der Wimper. Andererseits war das die Stammkneipe von Amy Winehouse – insofern dürfte man daran gewöhnt sein, dass Betrunkene hier öffentlich rumknutschen.

Während sie ihre Lippen fest auf die meinen presste, überschlugen sich meine Gedanken. Was genau wollte ich von ihr? Natürlich kannte ich meine Motivation. Aber jetzt, wo sie es tatsächlich tat, hinterfragte ich sie. Ich stand zweifellos auf sie, aber warum um alles in der Welt hatte ich ihr vorgeschlagen, Blog Boy zu küssen? Bloß weil er mein Kumpel war und ich ihm einen Gefallen tun wollte? Oder weil mein früheres Selbst – das, das sich in ihn verknallt hatte – seiner Lust beiwohnen wollte, um selbst einen Lustgewinn daraus zu ziehen? Oder aber weil ich, die ich immer nur das eine im Kopf habe, von allem besessen bin, was auch nur entfernt mit Sex zu tun hat?

Mein Gewissen meldete sich. Ich kam mir vor, als benutzte ich sie. Als nutzte ich ihre Beschwipstheit aus, damit wir uns daran aufgeilen und etwas für Blog Boy einfädeln konnten. Und das ist ein Pornoklischee, das ich wirklich auf keinen Fall bedienen will!

Während mir das alles durch den Kopf ging, löste sie sich von mir und ging zu Blog Boy, dem sie einen dicken Schmatzer auf den amüsiert grinsenden Mund gab. Ich sah ähnlich verwirrt und erregt zu.

Plötzlich stand sie wieder vor mir und beugte sich schnell nach vorn, um mich erneut intensiv zu küssen. Alle Ängste und Sorgen, die ich bis dahin verspürt hatte, wurden sofort von einem heftigen Pochen zwischen meinen Beinen verdrängt. Hier ging es nicht um Ausbeutung oder darum, jemanden sexistisch zum Objekt zu machen. Ja, nicht einmal darum, Blog Boy einen Gefallen zu tun. Hier ging es einzig und allein um mich und sie, darum, wie erregt ich war. In diesem Moment war mir alles um mich herum vollkommen egal, ich hätte sie die ganze Nacht küssen können.

Aber der Kuss endete, wie er begonnen hatte, nämlich abrupt. Grinsend und mit einem Funkeln in den Augen drehte sich die Blondine um und verließ unseren Tisch. Ich stand wie unter Schock und sah zu Blog Boy hinüber, der genauso verdattert war wie ich.

»Was war denn das?«, fragte er.

Ich schüttelte den Kopf. »Keine Ahnung, ehrlich nicht.«

Er lachte. »Du hast gerade ein Mädchen dazu gebracht, mich zu küssen!«

Ich nickte langsam.

»Und dich!«

»So wie es aussieht …«

Blog Boy und ich sannen weiterhin über den Vorfall nach und tranken Bier bis zur Sperrstunde. Dann verabschiedeten wir uns mit einem Lächeln: der perfekte Abschluss eines Abends mit dem Ex-Lover. Ganz besonders wenn man bedenkt, wie schmerzlich es für mich gewesen war, als es nicht so lief, wie ich mir das vorstellte.

Aber erst viel später überkam mich ein frustrierender Gedanke: Vielleicht war an diesem Abend noch etwas anderes passiert – wenn auch nicht mit Blog Boy. Ich kann mich schon bei Männern ziemlich blöd anstellen, aber bei Frauen noch tausend Mal blöder: Wenn ich nicht so eine beschissene Antenne für Lesben hätte, hätte ich den Heimweg vielleicht nicht allein antreten müssen … Schön blöd!

Sonntag, 19. März

Wahrscheinlich gehen viele Blog-Leser davon aus, dass ich mit gleichgeschlechtlicher Liebe bestens vertraut bin: Eine Frau, die ein Sex-Tagebuch führt, sollte sich schließlich auf jedem Gebiet auskennen. Doch da muss ich sie leider enttäuschen. Ich mag zwar immer nur das eine im Kopf haben, hatte aber auch schon jede Menge schlechten Sex. Während die Erlebnisse von gestern Abend noch in meinem verkaterten Kopf herumspuken, muss ich wieder an meine erste lesbische Erfahrung überhaupt denken, und die war der reinste Albtraum!

Ich war schon immer nach beiden Seiten hin aufgeschlossen, verfolgte diesen Teil meiner Sexualität allerdings nur äußerst zögerlich. Zunächst einmal, weil ich einfach lieber mit Männern ficke. Außerdem falle ich weder in die Kategorie »Mannweib« noch in die der »Lippenstift-Lesbe« und war insofern stets sehr skeptisch, wenn es darum ging, andere Frauen sexuell zu erkunden.

Aber der Wunsch zu experimentieren war da, und als Claire, eine Freundin aus dem Creative-Writing-Seminar, das ich mit Anfang zwanzig belegt hatte, vorschlug, in eine Lesbenkneipe zu gehen, und mir anbot, mir beim Aufreißen behilflich zu sein, packte ich die Gelegenheit beim Schopf. Claire war lesbisch, kannte sich also hoffentlich aus und würde mir den Weg weisen. Sie versprach, mir Tipps zu geben, wie man eine Frau anmacht – »Einfach mit ihr reden! « –, und mir zu zeigen, wie man im richtigen Moment die richtigen Schritte unternimmt. Da meine bisherigen Bemühungen, eine Frau anzumachen, einzig und allein darin bestanden hatten, ein hübsches Mädchen aus der Ferne anzulächeln, konnte ich eindeutig etwas Nachhilfe im Aufreißen von Frauen gebrauchen.

Nachdem ich mich in einer Lesbenkneipe in Soho optimal postiert hatte, hoffte ich, jemand Attraktives zu entdecken. Es war komisch, ausschließlich von Frauen umgeben zu sein: Ich kam mir merkwürdig vor, ja, es war mir fast unangenehm, Frauen mit denselben Augen zu betrachten wie Männer. Aber Claire und ich tranken Unmengen Wein, was mir eindeutig half, mich zu entspannen. Doch ehe ich mich’s versah, war ich in eine angeregte Unterhaltung übers Schreiben verstrickt. Ich war natürlich aufgeregt, dort zu sein, und wollte mich umsehen, die Blicke einiger Mädels einfangen. Gleichzeitig wollte ich nicht unhöflich sein und Claire ignorieren: Sie war schließlich eine gute Freundin und hatte sich großzügigerweise angeboten, mir zu helfen. Da war das Mindeste, was ich tun konnte: Blickkontakt zu halten und mich mit ihr zu unterhalten.

Im Lauf des Abends bis in die frühen Morgenstunden war ich meinem Ziel, ein Mädchen ins Auge zu fassen, geschweige denn, es anzumachen, noch keinen Schritt nähergekommen. Ich merkte, wie ich immer betrunkener und frustrierter wurde. Warum wollte mich Claire unbedingt in eine Diskussion übers Schreiben verwickeln? Sie wollte mir doch Tipps geben, wie man hübsche Mädchen aufreißt? Sie war doch hier, um mir dabei zu helfen, eine Frau anzumachen oder etwa nicht?

Fehlanzeige.

Ich tat mich zunehmend schwerer, zu ignorieren, dass Claires Blicke sich immer öfter zu meinen Brüsten verirrten, während ich redete. Ich schob das darauf, dass meine Brüste wirklich groß sind, und dass es ihr bestimmt schwerfiel, sie zu ignorieren. Aber ich mag es nicht, wenn mir die Leute auf den Busen starren, während ich rede. Und angesichts der Tatsache, dass wir uns in einer Lesbenbar befanden, gefiel es mir ganz und gar nicht, wie Claires Blicke daran klebten. Sie sah mir kaum noch in die Augen, so magnetisch fühlte sie sich von meinen Brustwarzen angezogen. Gut, ihr gefielen meine Brüste, damit konnte ich leben. Aber irgendwann beugte sie sich vor, packte meinen Arm, strich von der Schulter bis hinunter zu meiner Hand, verschränkte ihre Finger mit den meinen und sagte: »Du bist so verdammt sexy! Meine Güte, ich stehe dermaßen auf dich, ich will dich!« Als Nächstes zog sie mich an sich und küsste mich fordernd auf den Mund.

Ich war dermaßen schockiert, dass ich gar nicht wusste, was ich tun sollte. Das kam völlig unerwartet. Wir waren bereits seit einem Jahr befreundet, ich hatte nicht die leiseste Ahnung, dass sie auf mich stand. Aber in diesem Moment war es nutzlos, das zu analysieren: Claire hatte mir ihre Zunge bereits tief in den Hals geschoben.

Andererseits war es nun mal so, dass ich nicht auf sie stand. Obwohl Claire sehr hübsch war – glatte, kupferrote Haare, intensive grüne Augen, eine durchtrainierte, schlanke Figur –, war sie einfach nicht mein Typ. Da saß ich nun und wurde von einem Mädchen niedergeknutscht, das ich nicht sexy fand, und das noch dazu meine Freundin war. Spätestens da hätte ich mich losreißen und ein ernstes Wörtchen mit ihr reden müssen, von wegen, dass wir nichts miteinander anfangen dürfen. Spätestens da hätte ich ihr gute Nacht wünschen und gehen sollen.

Aber inzwischen strichen ihre Hände bereits über meine Brüste – und das in aller Öffentlichkeit! – und ließen meine Brustwarzen hart werden. Während ihre flinken Finger meine Brüste liebkosten und zärtlich umfassten, spürte ich, wie mein Körper auf ihre Berührungen reagierte. Ich spürte ein Ziehen zwischen meinen Beinen und bekam Sehnsucht nach etwas, das diese Anspannung lindern konnte. Ich spürte, wie sich meine Atmung beschleunigte, betrachtete diese schlanke, zierliche Frau, die ich nicht besonders anziehend fand, und versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen.

Die ungute Kombination aus Alkohol und der Hitze zwischen meinen Beinen hatte zur Folge, dass ich dem Spuk aus rein egoistischen Gründen kein sofortiges Ende bereitete. Na gut, sie hat zwar so gut wie keinen Busen, ist dürr und hat keinen Arsch, ganz zu schweigen davon, dass sie meine Freundin ist, dachte ich. Aber sie ist eine Frau, und sie will mich. Ich selbst bin schon ganz feucht und brauche dringend Zuwendung, außerdem bin ich betrunken. Wenn ich die Augen schließe und mich ganz fest konzentriere, kann ich mir vielleicht einbilden, dass sie Selma Hayek ist.

So gesehen muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich sie an mich zog, intensiv küsste und ebenfalls begann, ihre Brüste zu liebkosen und ihre Brustwarzen zu stimulieren. Als sie anschließend vorschlug, Sex auf einer der Toiletten zu haben, folgte ich ihr begeistert ins Untergeschoss.

Es dauerte nicht lange, bis wir uns nackt gegenüberstanden. Ihre zierliche Gestalt wirkte geradezu winzig im Vergleich zu mir. Da wusste ich auf einmal, warum ich es nicht mag, wenn meine Sexualpartner dünn sind: Ich brauche jemanden, der eine ähnliche körperliche Präsenz hat wie ich, sonst fühle ich mich zu dominant. Und da ich im Bett gern die Rollen tausche und sowohl hingebungsvoll als auch dominant sein kann, finde ich es besser, wenn man eine ähnliche Figur und Größe hat.

Oder anders gesagt: Ich will nicht das Gefühl haben, ein Riesentrampel von Milchkuh zu sein, die Sex mit einem zarten Blümchen hat – denn so etwas macht mich einfach nicht an.

Aber ich versuchte, das alles zu ignorieren. Schließlich war ich spitz wie Nachbars Lumpi, ein hübsches Mädchen stand splitterfasernackt vor mir, und ich sollte endlich mit einer anderen Frau intim werden. Oberflächlich und egoistisch wie ich bin, konzentrierte ich mich stattdessen auf das, was vor mir lag: nämlich darauf, auf sie zuzugehen, damit sie ihre Brüste gegen meine pressen konnte.

In diesem Punkt haben Pornofilme wirklich recht: Es fühlt sich genauso gut an, wie es aussieht!

Ich rieb meine Nippel an ihren und spürte, wie das Pochen zwischen meinen Beinen stärker wurde. Ihr Oberschenkel glitt zwischen meine Beine, und unsere Hüften verkeilten sich. Es fühlte sich herrlich an – auch wenn ich es etwas frustrierend fand, da ich lieber einen Schwanz statt ihres Oberschenkels zwischen meinen Beinen gehabt hätte.

Kurz darauf verspürte ich dennoch so etwas wie Erleichterung: Ihre Finger glitten zwischen meine Beine, und ich tat es ihr gleich. Das war ein kurzer, feierlicher Moment für mich, denn es war das erste Mal, dass ich die Vagina einer anderen Frau spürte. Ich staunte, wie feucht, heiß und eng sie war – es ist einfach etwas anderes, als wenn man sich selbst berührt.

Während ihre Finger mich wie wild rieben und ich auf den Orgasmus zusteuerte, beugte ich mich vor, um sie zu küssen. In diesem Moment murmelte sie die magischen Worte: »Ich bin so verliebt in dich. Ich will dich. Komm mit mir nach Hause, ich möchte dich die ganze Nacht lieben.«

Woraufhin sich mein Höhepunkt natürlich sofort in Luft auflöste.

Da stand ich nun und genoss es aus egoistischen Gründen, in betrunkenem Zustand Sex mit einer Frau zu haben, auf die ich nicht stand, die eine enge Freundin von mir war und noch dazu die Unverschämtheit besaß, in mich verliebt zu sein. Na, toll! Eine bessere Einführung in die lesbische Liebe ist wirklich kaum vorstellbar.

Wie in den Pornos war das ganz bestimmt nicht.

Meine Lust legte sich wie eine Erektion infolge eines geplatzten Kondoms. Ich zog meine Finger aus ihr heraus und versuchte ihr zu erklären, dass ich einfach nur mit ihr befreundet sein wollte – was etwas widersprüchlich war, wenn man bedenkt, dass meine Finger immer noch ganz feucht von ihren Körpersäften waren. Aber ich war es ihr einfach schuldig, ehrlich zu sein. Und obwohl sie es gar nicht toll fand, dass unsere leidenschaftliche Umarmung ein abruptes Ende gefunden hatte, wusste ich, dass es besser war, die Sache im Keim zu ersticken, als sie völlig aus dem Ruder laufen zu lassen.

In betrunkenem Zustand Sex mit einem Mann zu haben, ist eine Sache. Aber wenn jemand in einen verliebt ist, ändert das alles: Der Sex lädt sich mit Aggressionen auf, man verletzt den anderen, Freundschaften werden zerstört. Claire und ich trennten uns kurz nach unserer Liebelei, und ich habe sie bestimmt seit zehn Jahren nicht mehr gesehen. Sex mit einer Freundin ist nichts, was ich so bald wieder erleben möchte.

Ich freue mich aber, dass ich mit den meisten meiner Ex-Lover noch heute befreundet bin. Wir haben erkannt, dass wir einfach besser harmonieren, wenn wir keinen Sex mehr haben. Obwohl das zugegebenermaßen manchmal etwas frustrierend sein kann, wenn beide scharf sind.

Aber Gott sei Dank gibt es Vibratoren, kann ich dazu nur sagen!

Mittwoch, 22. März

Als ich an den Abend mit Blog Boy und der Knutscherei mit diesem fantastischen Mädchen zurückdachte, wurde mir etwas klar: Ich glaube nicht an Glück.

Ich glaube nicht daran, dass man Glück erzwingen kann, genauso wenig daran, dass manche Leute einfach Glück haben und andere nicht. Nein, ich glaube an Gelegenheiten und daran, dass man sie beim Schopf ergreifen sollte. Man sollte sich in eine Lage bringen, in der die Chancen für Sieg oder Niederlage gerecht verteilt sind, und akzeptieren, was sich daraus ergibt.

Ich mache das regelmäßig, auch wenn mir das oft erst viel später bewusst wird. Leute, die mich kennen, fragen, woher ich bloß den Mut nehme …

… mein Kinoeintrittsgeld zurückzuverlangen, weil die Filmkopie so schlecht ist.

… mein Essen zurückgehen zu lassen, wenn ich nicht genau das bekomme, was ich bestellt habe.

… Ken Loach zu begrüßen, als wäre er ein alter Kumpel von mir (ist er das etwa nicht?).

… jemanden um einen Job zu bitten, den ich gerade erst kennengelernt habe.

… einen Wildfremden anzusprechen und ihn auf einen Drink einzuladen.

Wenn ich in Ruhe darüber nachdenke, weiß ich es selbst nicht. Nicht, dass ich keine Angst davor hätte. Ich reagiere nur äußerst zeitverzögert, sodass mich die Angst erst wieder auf dem Heimweg packt. Dann denke ich: Was zum Teufel habe ich da soeben getan? So auch bei dieser Frau und Blog Boy.

Ich kann verstehen, dass mich andere für superselbstbewusst, für extrovertiert und für eine wahre Flirtkanone halten. Aber insgeheim habe ich genauso die Hosen voll wie alle anderen auch.

Ich habe einfach die Veranlagung, extrovertiert und selbstbewusst zu sein, außerdem gefällt es mir, Chancen beim Schopf zu ergreifen und mich aus dem Fenster zu lehnen, vor allem wenn es um Männer geht. Vielleicht gefällt mir das Aufregende daran. Schließlich gibt es nicht nur die Möglichkeit zu versagen, sondern auch die, Erfolg zu haben, und beides macht mir Herzklopfen. Hier ein paar Beispiele aus dem letzten Jahr:

@ Den Verkäufer, der mir beim Aussuchen einer Skihose half, fragen, ob er mit mir was trinken geht (er hatte eine Freundin).

@ Einen Typen ansprechen, den ich aus dem Filmstudio kenne, für das ich arbeite, und ihn zum Abendessen einladen (er hatte eine Freundin).

@ Einen meiner Fitnesstrainer anmachen (er hatte Frau und Kind).

@ Einen Typen über eine Kontaktanzeige treffen (wir landeten zusammen im Bett).

@ Einen süßen Typen im Supermarkt verfolgen (er hatte einen Freund).

@ Mit einem Typen in meinem Zeitschriftenladen flirten (wir beide kauften den Guardian, er lächelte, und ich hatte es eilig – ich habe ihn seitdem nie wiedergesehen).

@ Einen Wildfremden auf ein Bier einladen (ich habe nie mehr etwas von ihm gehört).

Alle diese Situationen machten mir Herzklopfen, und das war Balsam für meine Seele, wenn nicht für meine Nerven. Auch wenn ich fix und fertig war, wenn es nicht klappte (und das ist noch untertrieben), habe ich zumindest meine Chance genutzt und mich aus der Deckung gewagt. Wie heißt es so schön? No risk, no fun – mal ganz abgesehen davon, dass das Leben doch sonst unglaublich langweilig wäre. Und ein langweiliges Leben ist es nicht wert, überhaupt gelebt zu werden, zumindest ist das meine Meinung.

Obwohl ich regelmäßig zusammenzucke und mir wünsche, nicht ganz so direkt gewesen zu sein …