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1.Auflage, überarbeitete Ausgabe

© 2011 Blue Screen Entertainment GmbH

 

Abbildungen und/oder Texte dieses Buches zu kopieren, zu scannen,

in Computern oder auf CD zu speichern, sie zu verändern oder

in irgendeiner Form zu veröffentlichen, sofern keine

ausdrückliche schriftliche Genehmigung des Herausgebers vorliegt,

ist nicht gestattet.

 

Satz und Gestaltung: Blue Screen Entertainment GmbH

Umschlaggestaltung: Guter Punkt, München | www.guter-punkt.de

Umschlagabbildung: Markus Weber mit Motiven von Shutterstock

Lektorat: Christa Melli, Berlin

 

epub-ISBN 978-3-9810305-9-4

 

www.eswirddichrufen.de
www.bluescreen-entertainment.com

 

eBook-Herstellung und Auslieferung:
Brockhaus Commission, Kornwestheim
www.brocom.de

SIMON CROSS

ES WIRD DICH RUFEN

»Lies mich!«, hörte er es immer wieder rufen.
Neugierig nahm er es zur Hand und betrachtete es.

Inhalt

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Kapitel 46

Kapitel 47

Kapitel 48

Kapitel 49

Kapitel 50

Kapitel 51

Kapitel 52

Kapitel 53

Kapitel 54

Kapitel 55

Kapitel 56

Kapitel 57

Kapitel 58

Kapitel 59

Kapitel 60

Kapitel 61

Epilog

Der reale Hintergrund

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Prolog

Rennes-le-Chateau, Garten der Villa Bethania

4. Januar 1917, früher Abend

 

Marie fröstelte.

Es war bereits dunkel geworden. Im Garten der Villa Bethania wartete sie auf zwei unbekannte Besucher, die sich für diesen kalten Januarabend angekündigt hatten.

Vor wenigen Stunden erst hatte sie eine Botschaft der Bruderschaft erhalten, die der Abbé immer als die »Bewahrer des Lichts« bezeichnet hatte. Zum ersten Mal, solange sie denken konnte, wollten die Gralshüter aber nicht Saunière sprechen, sondern sie, Marie Dénarnaud, seine Haushälterin. Weshalb, das hatten sie ihr nicht mitgeteilt. Nur, dass sie heute Abend alles erfahren werde. Und, dass sie dem Priester kein Sterbenswörtchen von dem Treffen erzählen dürfe.

Normalerweise wäre ihr das nicht leichtgefallen, denn obwohl sich der Abbé in den letzten Jahren sehr verändert hatte – er war kleinlich, kalt und berechnend geworden und hatte seine liebevolle, mitfühlende Art der früheren Jahre verloren –, war er noch immer der Mann, den sie am meisten achtete und respektierte. Manche hätten sogar von Liebe gesprochen. Doch Marie wusste, dass eine Beziehung zwischen ihr und Saunière niemals möglich wäre – allein die Kirche hätte sie verboten.

Im Arbeitszimmer des Priesters brannte noch Licht. Saunière lief unruhig auf und ab. Maries Blick folgte seinem Schatten, der sich im Licht der Lampe auf die geschlossenen Vorhänge zeichnete.

Ob er bemerkt hatte, dass sie nicht mehr im Haus war? Zumindest im Moment schien nichts darauf hinzuweisen. Wahrscheinlich war es nur das schlechte Gewissen, das sie plagte.

Sie fühlte sich beschämt. Schließlich hatte sie Saunière noch nie zuvor etwas verheimlicht.

Eine andere Wahl war ihr aber nicht geblieben, denn die Bitte der »Bewahrer des Lichts« war im Grunde genommen ein unmissverständlicher Befehl gewesen, dem sie sich nicht widersetzen durfte.

»Sie sind Madame Dénarnaud?«, holte sie plötzlich eine väterlich klingende Stimme aus ihren Gedanken zurück in die kühle Realität des Winterabends.

Marie drehte sich um. Direkt vor ihr stand offenbar einer der beiden Fremden, die sie erwartete.

Sein Begleiter verharrte einige Meter weiter dahinter – in der Nähe der Straßenlaterne vor dem Pfarrgarten.

Die beiden Besucher trugen dunkle Umhänge und schwarze Zylinder. Rein äußerlich unterschieden sie sich kaum. Der Mann, der sich vor ihr aufgebaut hatte, war um die 40 Jahre und hatte eine leicht untersetzte Statur. Er trug einen kleinen Schnauzer.

»Ich bin froh, dass Sie gekommen sind«, begrüßte er Marie mit warmem Händedruck. Seine Stimme klang freundlich und fordernd zugleich.

Marie fühlte sich unsicher, weil sie weder die nächtlichen Gäste noch den genauen Grund ihres Besuches kannte.

»Wir müssen mit Ihnen sprechen, Madame! Es handelt sich um eine Angelegenheit von äußerster Wichtigkeit. Eine Angelegenheit, bei der nur Sie uns helfen können.«

»Wer sind Sie?«, fragte Marie.

»Unsere Namen tun nichts zur Sache«, erwiderte der Mann. »Wir sind die ›Bewahrer des Lichts‹. Mehr müssen Sie nicht wissen.«

Marie nickte. »Ich verstehe! Und was kann ich für Sie tun?«

Der Mann griff sanft nach ihrem Arm und führte Marie vor Abbé Saunières Villa Bethania, direkt neben das mächtige Eingangsportal. Über ihnen breitete die Christus-Statue, die Saunière unterhalb des Daches hatte anbringen lassen, schützend ihre Arme aus.

Auf dem Weg dorthin hatte Marie nochmals zum Arbeitszimmer des Priesters hinaufgesehen. Dieser schien sich inzwischen an seinen Schreibtisch gesetzt zu haben.

Der Schnauzbärtige drehte sich Marie zu. Sein Blick wirkte traurig und entschlossen zugleich.

Im sanften Licht des Mondes, das nun direkt auf sein Gesicht fiel, bemerkte sie eine tiefe Narbe, die sich gut drei Zentimeter über die rechte Wange erstreckte.

Der Mann musterte Marie aufmerksam.

»Sie haben dem Abbé nichts von unserem Treffen erzählt?«, erkundigte er sich höflich.

»Es war mir nicht gestattet«, sagte sie ehrfürchtig.

»Das ist nicht die Antwort auf meine Frage«, hakte er freundlich, aber bestimmt nach. »Haben Sie es ihm gesagt?«

»Nein!«, versicherte Marie wahrheitsgemäß. »Das habe ich nicht.« Der Begleiter des Mannes drehte sich unruhig um, als habe er Angst, entdeckt zu werden. Das war Marie schon zuvor aufgefallen.

Nur: durch wen? Zu dieser Jahreszeit und bei den kalten Temperaturen war die Wahrscheinlichkeit, abends auf einen der wenigen Bürger des kleinen Dorfes zu treffen, äußerst gering. Zumal die nächsten bewohnten Gebäude weit entfernt hinter dem Garten der Villa lagen.

»Sie wissen von den neuesten Plänen Saunières?«

»Meinen Sie den Bau des Tempels?«, fragte Marie, die ahnte, worauf der Botschafter hinauswollte. Insgeheim hatte sie es schon befürchtet: Saunières Pläne konnten nicht unbemerkt geblieben sein. Allerdings war Marie bislang davon ausgegangen, dass er diese, wie all seine anderen Vorhaben auch, mit den »Bewahrern des Lichts« abgestimmt hatte.

»Saunière hat nicht nur uns damit sehr beunruhigt«, bemerkte der Mann nervös. »Ein Tempel dieser Größenordnung würde die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich ziehen – und damit auch auf uns. Das können wir nicht akzeptieren. Wir müssen die …« Der Mann hielt einen kurzen Moment inne. »Wir müssen das Geheimnis um jeden Preis bewahren. Verstehen Sie? Um jeden Preis!«

»Ich weiß«, sagte Marie.

»Und wir können nicht riskieren, dass es bekannt wird, nur weil der Abbé sich ein Denkmal setzen will, das er in diesem Ausmaß sicherlich nicht verdient hat!«

Marie schaute den Mann nachdenklich an.

Ein Denkmal, das er nicht verdient hat. Eine freundliche Umschreibung für das, was der Botschafter wohl eigentlich meinte: Größenwahn. Sie selbst hatte Saunière immer wieder vor den gewagten Plänen eines Tempelbaus gewarnt.

Alleine die Kosten schienen ihr unbezahlbar zu sein, selbst für einen Abbé Saunière mit all seinen Möglichkeiten.

»Madame Dénarnaud«, fuhr der Mann fort. »Wir sind außerordentlich besorgt über die jüngsten Ereignisse in Rennes-le-Château. Und auch Rom hat nicht das geringste Interesse daran, dass Saunière dieses Projekt verwirklicht.«

Seine Stimme war deutlich strenger geworden.

»Unser aller Zukunft steht auf dem Spiel, wenn dieser Tempel gebaut wird. Es wäre der Anfang vom Ende. Der Anfang der Apokalypse.«

Marie blickte ihn mit großen Augen fragend an. Sie war nicht in der Lage, die Tragweite seiner Aussage zu erfassen. Wie sollte ein simples Bauprojekt, egal welch unangemessene Größenordnung es auch haben mochte, die Zukunft der Welt gefährden?

»Madame Dénarnaud! Wir müssen davon ausgehen, dass der Abbé der Macht dessen, was er beschützen sollte, nicht mehr gewachsen ist.«

Der Mann zögerte einen Moment, als müsse er überlegen, wie er eine für alle Beteiligten unangenehme Nachricht möglichst behutsam weitergeben konnte.

»Ich fürchte, Saunière ließ sich von der dunklen Macht einnehmen.« »Das können Sie nicht ernst meinen!«, rief Marie entsetzt aus.

Die Männer erschraken aufgrund der Lautstärke und baten sie mit einer beruhigenden Geste, leiser zu sprechen.

Dann führten sie sie den Weg hinab in Richtung der kleinen Grotte, die Saunière mit eigenen Händen in den Pfarrgarten gebaut hatte. Sie war eine Ehrerbietung an Maria Magdalena, der er einen großen Teil seines Lebens gewidmet hatte.

Natürlich war es richtig, dass sich der Abbé in letzter Zeit auffallend verändert hatte. Das war keinem verborgen geblieben. Aber dass er deswegen gleich im Dienst des Teufels stehen sollte? Ein tiefgläubiger Gottesmann wie Saunière? Niemals! Das konnte nicht sein!

Marie zitterte angesichts der unglaublichen Vorwürfe.

»Sie liegen vollkommen falsch!«, widersprach sie, um den Botschafter eines Besseren zu belehren. Der blickte Marie verständnisvoll und mit einem sanftmütigen Lächeln an.

»Verzeihen Sie mir! Ich wollte Ihnen nicht wehtun, Madame. Wir wissen natürlich, dass Sie ihm näherstehen als jeder andere. Umso schmerzlicher ist es, Ihnen diese bedauerliche Nachricht überbringen zu müssen. Trotzdem: Sie entspricht nach allem, was wir wissen, der Wahrheit.«

Saunières Haushälterin stieß den Mann von sich und lief ein paar Meter Richtung Villa. Dort blieb sie stehen und schaute erstarrt auf das Haus, dessen prachtvolle Fassade die ärmlichen Gebäude des Dorfes bereits seit vielen Jahren überstrahlte. Sollte es tatsächlich zur Heimat eines Satansjüngers geworden sein, ohne dass sie es bemerkt hatte?

Auch wenn ihr Herz sich noch dagegen wehrte, ihr Verstand wusste doch nur zu genau, dass sie sich dieser ungeheuerlichen Behauptung unmöglich verschließen durfte.

Die »Bewahrer des Lichts« hätten sie niemals grundlos aufgesucht. Das war ihr vollkommen klar.

Die beiden Männer, die Saunières Haushälterin einen Augenblick lang allein gelassen hatten, folgten ihr nun.

Marie erschrak, als sie erkannte, wer der Begleiter des Schnauzbärtigen war, der nun ebenfalls direkt vor ihr stand: Monsieur de Béausejour. Der Bischof von Carcassonne. Saunières direkter Vorgesetzter!

»Haben Sie jemals von den Söhnen Luzifers gehört, Madame?«, fragte der Bischof sie.

»Nein«, schüttelte Marie den Kopf. »Wer ist das?«

»Sie wollen in den Besitz des Schreins kommen. Sie brauchen ihn, um die Welt zu beherrschen. Wir konnten den Stein der Macht bislang vor ihnen verbergen. Jetzt befürchten wir aber, dass sie ihm so nahe sind wie nie zuvor. Und wie es aussieht, ist dafür kein anderer verantwortlich als Abbé Saunière. Er war beauftragt, den Schrein zu beschützen. Stattdessen hat er ihn verraten.«

»Ich …, ich verstehe das alles nicht«, stammelte Marie. »Warum sollte er das tun?«

»Die Söhne Luzifers versprachen ihm große Macht und haben ihn zu ihrem Superior erklärt. Daran gibt es aus unserer Sicht keinen Zweifel!«, erklärte de Beauséjour.

»Es tut mir leid«, ergänzte der schnauzbärtige Mann. »Es fällt uns nicht leicht, aber wir müssen handeln, schnell, ehe es zu spät ist! Wir müssen ihn unbedingt aufhalten. Ich möchte gar nicht daran denken, was passiert, wenn die Söhne Luzifers ihren erbitterten Kampf gegen uns gewinnen. Verstehen Sie, dass wir das nicht zulassen können, Madame Dénarnaud?«

Marie sah die beiden Männer stumm an und hatte plötzlich das Gefühl, vor einem unabwendbaren Scherbenhaufen ihres bisherigen Lebens mit dem Priester zu stehen. Sie konnte ihre Tränen nicht länger zurückhalten. Wie hatte es nur so weit kommen können?

Monsieur de Beauséjour kramte mit der Hand in der Tasche seines Umhangs und zog ein kleines Amulett hervor, das an einer goldenen Kette befestigt war. Er reichte es Marie.

»Bitte nehmen Sie das!«

Die Haushälterin wischte sich die Tränen von der Wange. Dann griff sie nach dem Amulett und betrachtete es näher.

In seiner Mitte befand sich ein schwach leuchtender, grüner Smaragd, der auf einem Radkreuz angebracht worden war. Um ihn herum formierte sich eine rote Schlange mit abwechselnd schwarzen und weißen Flecken auf dem Körper, die sich in ihren eigenen Schwanz biss. Das gesamte Gebilde war auf einem goldenen Untergrund befestigt, der in zwölf identische Segmente unterteilt war, und glich dem Ziffernblatt einer Uhr. Am Rand waren seltsame Zeichen und Ornamente eingeritzt, die an Hieroglyphen erinnerten. Jede der zwölf Ecken war durch eine silberne Kette mit dem Stein im Zentrum des Amuletts verbunden.

Von den beiden Männern dazu ermutigt, hängte Marie sich das Amulett um den Hals. Es war sonderbar leicht und strahlte eine ebenso unbeschreibliche wie unerklärliche Wärme aus, die ihr Trost spendete.

»Was ist das?«, fragte sie.

»Das ist das Zeichen«, erklärte der Mann mit der Narbe. »Das Insignium der Macht und der Liebe Gottes.«

Marie drückte das Amulett gegen ihre Brust.

Sie fühlte, wie die Trost spendende Wärme plötzlich von ihrem ganzen Körper Besitz ergriff und ihr die Kraft zurückgab, die sie zuvor auf einen Schlag verloren zu haben glaubte.

»Weshalb geben Sie es mir?«, wollte sie wissen.

»Es wird Sie bei Ihrer Mission unterstützen.«

»Was muss ich tun? Was erwarten Sie von mir?«, erkundigte sich Marie. Ihre Stimme war wieder kräftiger geworden, der Fluss ihrer Tränen inzwischen gänzlich versiegt.

»Bringen Sie den Priester dazu, den Teufelsjüngern abzuschwören und halten Sie ihn vor allem von seinem wahnsinnigen Vorhaben ab, einen Tempel über ganz Rennes-le-Château zu bauen. Egal, was auch immer Sie tun werden, retten Sie seine Seele – und damit uns alle!«

Marie wollte noch etwas fragen, aber die beiden Männer deuteten ihr an, dass der Worte nun genug gewechselt waren und sie es bei dem bisher Gesagten belassen wollten.

Wortlos grüßend nahmen sie ihre Zylinder in die Hand und verschwanden in die Dunkelheit des Abends.

Marie blieb allein zurück. Alles wirkte nun wieder ruhig und vertraut, und dennoch war durch den heutigen Abend nichts mehr so wie vorher.

Während des Gesprächs hatte sie die Kälte des Abends nicht gespürt, jetzt aber schmerzte sie der stürmische Wind, der ihr erbarmungslos ins Gesicht blies.

Sie kehrte in die Villa Bethania zurück.

Mehrere Minuten stand sie unentschlossen und regungslos vor Saunières Arbeitszimmer – auf der quälenden Suche nach der richtigen Vorgehensweise. Sie wollte mit dem Priester über all die Vorwürfe reden, fühlte sich aber von einer ihr fremden Furcht zurückgehalten, die sie geradezu übermannte. Die schwierige Entscheidung, die zu treffen sie sich nicht in der Lage sah, wurde ihr jedoch abgenommen, denn von innen öffnete sich plötzlich die Tür.

»Marie?«, rief der Abbé überrascht, als er sie beinahe umgestoßen hatte, nachdem er schwer atmend aus dem Zimmer geeilt war. »Was um Himmels Willen tust du hier?«

»Ich …, ich …, ich wollte fragen, ob du einen Tee möchtest«, stammelte sie. »Ich habe gerade einen aufgesetzt.«

Saunière fiel die ungewohnte Unsicherheit in Maries Stimme natürlich sofort auf. Lügen war noch nie ihre Stärke gewesen.

»Was ist los mit dir?«, wollte er wissen. »Was hast du?«

Marie zögerte. Saunières Blick fiel auf das Amulett um ihren Hals. »Schau an! Was haben wir denn da?«

Er griff nach dem Medaillon und sah es sich an, dann schüttelte er verächtlich den Kopf.

»Ich verstehe!«, rief er aufgebracht. »Ich verstehe!«

Schnellen Schrittes eilte er zurück in sein Arbeitszimmer, setzte sich an den Schreibtisch und notierte etwas auf ein Blatt Papier.

Marie blieb derweil unbewegt an der offenen Türe stehen.

Es dauerte nur wenige Augenblicke, bis Saunière sie mehr oder minder schroff in den Raum bat, doch Marie kam die kurze Zeitspanne schier unendlich vor. Ihr Herz pochte wild.

Sie spürte, wie eine undefinierbare Angst vor dem Mann, den sie bis vor wenigen Minuten noch geliebt hatte, mehr und mehr ihr Handeln beeinflusste, wie sie innerlich verkrampfte und doch bemüht war, sich nichts davon anmerken zu lassen. Nur zögerlich setzte sie einen Fuß vor den anderen, ehe sie schließlich auf dem Stuhl vor seinem Schreibtisch Platz nahm.

Der Abbé lehnte sich entspannt zurück. Er schien sich nach seinem kurzen Wutanfall wieder beruhigt zu haben.

Marie kannte diese Stimmungsschwankungen. Mitunter lagen bei ihm zwischen tiefstem Hass und herzlichster Zuneigung nur wenige Augenblicke. Seine unerklärlichen cholerischen Anfälle waren zwar gewöhnungsbedürftig, aber sie hatte gelernt, mit ihnen umzugehen.

»Wo hast du das her?«, fragte er.

Mit einer Mischung aus Hilflosigkeit, Mitleid und Trauer sah Marie den Priester an. Dann drückte sie das Amulett fest an ihre Brust und fasste einen Entschluss – egal, wie riskant, unnötig oder falsch dieser auch sein mochte. Es war die Kraft des Amuletts, die ihr zu verstehen gab, dass sie das Richtige tat:

»Ich habe es von den Bewahrern des Lichts bekommen«, antwortete sie. Es war ihr in diesem Augenblick egal, was die beiden Botschafter später von ihr denken würden, ob sie ihr Vertrauen als unentschuldbar missbraucht ansehen oder ihr das ausgebliebene Schweigen vergeben würden. Sie respektierte den Priester nach wie vor und schuldete ihm – trotz allem – noch immer das Recht auf die Wahrheit.

So, wie sie ihm immer alles erzählt hatte, was sie bewegte, durfte sie auch jetzt nicht still bleiben. Sie brachte es einfach nicht übers Herz.

Saunière schüttelte verwundert den Kopf, obwohl er Maries Antwort auf seine Frage schon erahnt hatte. Wer anders als die »Bewahrer des Lichts« verfügte schließlich über dieses Amulett. Und wer sonst hätte es Marie anvertrauen sollen? Es gab keine andere Möglichkeit. Das wusste er. Mit seiner Frage hatte er lediglich Maries Loyalität auf die Probe gestellt.

»Dir ist klar, was es für ein Amulett ist?«

»Ja«, sagte sie demütig.

»Ich verstehe«, wiederholte Saunière monoton. Dann wandte er sich von Marie ab, um sich wieder um die Papiere zu kümmern, die vor ihm auf dem Schreibtisch lagen.

Nachdem er erneut etwas notiert hatte, stand er auf, ging ans Fenster, zog den Vorhang zurück und schaute in das Dunkel der Nacht.

Maries Blicke folgten Saunière bei jeder seiner Bewegungen.

In ihr brannte der sehnliche Wunsch, den Abbé zu den erhobenen Vorwürfen zu befragen, ihm aus seiner misslichen Lage herauszuhelfen und alles wieder so werden zu lassen, wie es früher gewesen war.

»Die ›Bewahrer des Lichts‹ sagen, du hättest etwas mit den Söhnen Luzifers zu tun.« Maries Worte kamen nur sehr zaghaft über ihre Lippen: »Sie behaupten, du bist ihr Superior …«

Saunière hatte ihr noch immer den Rücken zugedreht. Er überlegte, was er seiner getreuen Haushälterin sagen sollte. War sie wirklich stark genug für die Wahrheit?

Plötzlich begann der Priester laut zu lachen. Er wandte sich ihr wieder zu. In seinen Augen meinte Marie ein verächtliches Blitzen und in seinem Gesicht ein dämonisches Grinsen zu erblicken, wie sie es von ihm nicht kannte. Im gleichen Augenblick verwarf sie diesen Gedanken allerdings wieder. Genauso gut könnte das schwache Licht der Lampe diesen Eindruck erweckt haben, das Saunières älter gewordenes Gesicht in einem ungünstigen Winkel traf.

»Sie haben recht, oder?«, fragte sie.

»Ja«, antwortete Saunière emotionslos und ging, ohne eine einzige Sekunde auf Maries starre Miene zu achten, zum Bücherregal am gegenüberliegenden Ende des Raumes. Dort kramte er ein dünnes Heftchen mit braunem Einband hervor, das er mit an den Schreibtisch nahm.

»Ja, sie haben recht«, sagte er, den Kopf über das Buch gesenkt. Marie hatte zwar mit dieser Antwort gerechnet, fühlte sich aber trotzdem durch sie verletzt. Allein der unerklärlichen Kraft des kleinen Medaillons war es wohl zu verdanken, dass sie nicht augenblicklich in sich zusammenbrach. Erneut sorgte es auf unerklärliche Weise dafür, dass sie gefasst auf die unterkühlten Worte des Abbés reagierte.

»Aber warum?«, fragte sie ihn.

»Die ›Bewahrer des Lichts‹«, fauchte Saunière, »sind ein Nichts im Vergleich zu dem, was Luzifers Anhänger in dieser Welt bewirken können! Sieh mich an: Die Zukunft hat sich mir offenbart. Die Offenbarung des Johannes wird sich bald erfüllen, Marie. Wenn die tausend Jahre vorüber sind, dann wird der Satan aus seinem Gefängnis freigelassen. Die Zeit ist abgelaufen – und ich wurde mit der Macht ausgestattet, alles Wichtige vorzubereiten. Ich allein!«

»Aber – wieso du? Du warst doch ausersehen, den Schrein zu schützen. Wie konntest du dich nur so sehr gegen das Schicksal stemmen, das dir zugedacht war?«

»Was denkst du eigentlich, du arme, ahnungslose Marie, wer auf Erden die wahre Macht hat? Wer wirklich regiert und das Schicksal der Menschen in den Händen hält? Der Teufel ist bereits auf Erden angekommen und er wird schon bald die Macht ergreifen – und dann wird sich zeigen, wer der Stärkere ist. Fürchte dich vor seinen Machenschaften und denke daran: Par ce signe tu le vaincras, Marie! Durch dieses Zeichen wirst du siegen! Ich kenne die Antwort. Ich kenne sie!«

»Du bist wahnsinnig!«, schrie Marie, die die wahre Absicht seiner abscheulichen Worte nicht begriff.

»Wahnsinnig?«, fuhr er sie an. Sein Gesicht war rot vor Zorn. »Ich bin nicht wahnsinnig! Ich habe die Zukunft gesehen – und ich weiß genau, was jetzt zu tun ist. Schon bald wird Luzifer mit seinen Heerscharen auf diesem Kontinent herrschen. Wie damals auf Golgatha wird er versuchen, seine Lanze gegen den Sohn Gottes zu schleudern. Und damit gegen alle, die ihm folgen!«

Marie konnte und wollte Saunières Worte nicht mehr länger ertragen. Der Priester hatte offensichtlich die Maske fallen lassen, die er so lange getragen hatte. Aus dem liebevollen Saunière, den sie einst gekannt und geschätzt hatte, war ein fratzenhaftes Abbild des Teufels geworden. Sie wollte so schnell wie möglich aus diesem unheilvollen Zimmer hinaus. Weg von einem Mann, den sie nicht mehr kannte; den sie vielleicht nie richtig gekannt hatte.

Auf direktem Weg eilte sie die Treppe hinab in ihr eigenes kleines Reich, in jenes Zimmer, das sie sich im Erdgeschoss eingerichtet hatte und das sie seit einiger Zeit bewohnte. Dort angekommen, warf sie die Türe hinter sich zu und schloss ab.

Dann ließ sie sich erschöpft auf das Bett fallen und starrte, versunken in ein wildes und unwirkliches Dickicht aus quälenden, nur schwer fassbaren Gedanken, an die Decke.

»Warum?«, fragte sie verzweifelt in die fühlbare Leere des Raumes. »Warum hast du das nur zugelassen, mein Gott?«

Erschöpft bemühte sich Marie, Trost im Schlaf zu finden.

Bevor sie jedoch in ihre Träume hinabglitt, faltete sie noch einmal die Hände und betete um ein Wunder, das Saunière retten und ihr die schlimme Aufgabe, die sie vor sich hatte, ersparen würde.

Dann fielen ihr die schwer gewordenen Augenlider zu.

Sie bekam nicht mehr mit, wie der Stein des Amuletts, das sie immer noch um ihren Hals trug, zu leuchten begann und Maries Zimmer erhellte. Doch nicht nur dieser Raum wurde von dem warmen Licht durchdrungen – innerhalb weniger Minuten breitete es sich auf das gesamte Haus aus und umgab es von allen Seiten mit einer wohltuenden, schützenden Aura.

1

Frankfurt am Main, »Komet«-Verlagsgebäude

22. Juli 1999

 

»Guten Morgen!«, rief der Portier gut gelaunt Mike Dornbach zu, als dieser das Verlagsgebäude des »Komet« in der Gießener Straße betrat.

»Da ist ein Brief für Sie gekommen.«

Der Portier streckte ihm einen weißen Umschlag entgegen, den Mike an sich nahm.

»Danke!«

Ein flüchtiger Blick auf den Absender verriet ihm, dass er von Nadine war, seiner Ex-Freundin.

Seit sie sich vor wenigen Tagen vollkommen überraschend und ohne jede Vorwarnung von ihm getrennt hatte, verkehrten sie nur noch schriftlich miteinander. Was sie ihm mitzuteilen hatte, schickte sie dem angesehen Frankfurter Journalisten aber nicht an seine Privatadresse, sondern direkt in sein Büro.

Mike steckte den Umschlag kommentarlos in die Innentasche seines grauen Jacketts. Einen schwarzen Aktenkoffer in der rechten Hand ging er an der kleinen Sitzecke für wartende Besucher vorbei in Richtung Fahrstuhl, der sich am anderen Ende des großräumigen Foyers befand.

Mike Dornbach zählte zu den begehrtesten Journalisten der Frankfurter Presselandschaft. Er galt gemeinhin als unverbraucht, flexibel und somit auch als ein wahrer Glücksfall für den »Komet« – trotz seiner noch jungen 35 Jahre. Er besaß eine ungeheure Detailkenntnis in vielen Bereichen sowie einen flotten Schreibstil, der bei den Lesern des Blattes wie auch bei seinen Geschäfts- und Gesprächspartnern gleichermaßen gut ankam.

Dies waren wesentliche Gründe für Mikes Vorgesetzte gewesen, seine berufliche Karriere von Beginn an nahezu kompromisslos zu fördern, schließlich zählte der »Komet« zu den wenigen großen Tageszeitungen Deutschlands und bedurfte eines herausragenden Personals.

Dabei hatte Mike vor einigen Jahren nur durch einen Zufall dort eine Ausbildung zum Redakteur erhalten. Während seines Studiums war Walter Stein, bereits damals Chefredakteur des »Komet«, Gastdozent einer seiner vielen Vorlesungen gewesen. Er hatte damals über die Aufgaben des Journalismus als vierte und kontrollierende Macht im Staat gesprochen.

Die Schilderungen des Chefredakteurs hatten Mike derart begeistert, dass er beschloss, selbst Journalist zu werden. Das Schicksal hatte es gefügt, dass Stein nicht nur sein späterer Chef, sondern im Laufe der Jahre auch zu einem väterlichen Freund geworden war.

Mike seufzte, während er auf den Fahrstuhl wartete. Mit seinen Gedanken war er noch immer bei seiner gescheiterten Beziehung zu Nadine. Er konnte einfach nicht begreifen, weshalb sie ihn so plötzlich und unerwartet verlassen hatte.

Vor wenigen Tagen war er abends nach Hause gekommen, wo sie, wie immer, bereits auf ihn gewartet hatte. Doch dieses Mal nicht, um ihn herzlich in die Arme zu schließen.

Mike hatte sie im Flur angetroffen – auf einem ihrer Koffer sitzend, die bereits gepackt waren. Er stand vollkommen sprachlos vor ihr.

In wenigen kurzen Sätzen hatte Nadine ihm erklärt, dass zwischen ihnen beiden der Funke der Liebe für immer erloschen sei und sie ihn deshalb verlassen werde. Lange Verabschiedungsszenen seien nichts für sie. Dann war sie mit einem leisen »Machs gut«, ohne jede weitere Erklärung, gegangen.

Ob ein anderer Mann hinter all dem steckte? Mike wusste es nicht. Und möglicherweise war das auch besser so.

Der schrille Signalton des Fahrstuhls riss ihn aus seinen Gedanken. Mike betrat die spiegelverglaste Kabine und drückte auf die Taste zum fünften Stockwerk, wo sich sein Büro am Ende eines mehrere Meter langen Ganges befand.

Die morgendliche Sonne blinzelte vorsichtig in den Raum, der südseitig lag. In seiner Mitte erstreckte sich ein dunkelblauer Teppich, auf dem ein Schreibtisch aus massivem Eichenholz stand.

Wie immer hatte Mike ihn am Vorabend ordentlich aufgeräumt hinterlassen. Angesichts der Papierberge, die sich auf den Tischen der Kollegen türmten, war das zwar eher eine seltene Erscheinung auf dieser Etage, doch Mike legte großen Wert darauf. Es war vielleicht ein Relikt aus seinen Kindertagen.

Er platzierte seinen Aktenkoffer vor sich auf den Tisch. Den Brief legte er neben die Schreibtischlampe.

Im Gegensatz zu seinen Kollegen, die die Ansicht vertraten, dass das wahre Leben eines Reporters erst gegen Abend begänne, liebte Mike die Stille des Morgens, wenn von der allgemeinen Redaktionshektik, die gegen Nachmittag auszubrechen pflegte, noch nichts zu spüren war. In diesen ruhigen Momenten des Morgens studierte er normalerweise in verschiedenen Tageszeitungen die Leitartikel und Kommentare, um sich einen Überblick über die Arbeit der Konkurrenz zu verschaffen. Doch seit jenem Tag, an dem er Nadine das letzte Mal gesehen hatte, wollte ihm dies nicht mehr so recht gelingen.

Seitdem kreisten seine Gedanken nur um diese eine quälende Frage: Warum nur hatte sie ihm den Rücken zugekehrt? Er ahnte, dass er darauf vielleicht niemals eine Antwort erhalten würde.

Langsam wanderte der Redakteur in seinem Büro auf und ab.

Mehrere Male blieb er dabei gedankenverloren vor der großen Fensterfront stehen und starrte auf die Menschen hinunter, die zu Hunderten in dem dicht besiedelten Industriegebiet auf dem Weg zur Arbeit waren. Den einen oder anderen kannte er sogar – es waren Mitarbeiter des »Komet«.

»Guten Morgen«, grüßte ihn plötzlich eine weibliche Stimme.

Der Redakteur drehte sich um. Sonja, seine Sekretärin, hatte soeben das Zimmer betreten.

Mike sah auf die Uhr und schüttelte ungläubig den Kopf. Seit seiner Ankunft war tatsächlich fast eine Stunde vergangen.

»Guten Morgen«, grüßte er betont geschäftig zurück. »Ich habe Sie gar nicht kommen hören.«

Die Sekretärin sah ihn prüfend an. Ihr war natürlich nicht entgangen, was Mike seit einiger Zeit durchmachte. Sie empfand Mitleid mit ihm.

»Sie müssen sie vergessen«, sagte sie mit fürsorglicher Stimme. »Sie können sich doch nicht Ihr gesamtes Leben verbauen, nur weil Ihre Freundin nicht mehr da ist.«

»Ich weiß.« Mike seufzte. Dann ging er zum Schreibtisch und ließ sich auf seinen schwarzen Bürostuhl nieder.

Der Lederbezug knarrte ein wenig, als Mike es sich bequem machte. »Soll ich Ihnen einen Kaffee bringen?«, fragte ihn seine Sekretärin. »Gerne.«

Als habe er nichts Besseres zu tun, folgte Mike ihr bis zur Tür und schaute ihr nach, bis sie in der redaktionseigenen Küche verschwand.

Während er am Türrahmen lehnte und um die notwendige Disziplin rang, die er zur Ausübung seines Berufes benötigte, an der es ihm aber derzeit mangelte, hörte er plötzlich eine aufgebrachte, ihm vertraute Stimme vom anderen Ende des Ganges: »Dornbach! Einen Moment!«

Es war kein geringerer als Walter Stein, der mit schnellen Schritten auf Mike zueilte. In seiner Hand hielt er eine Zeitung, mit der er aufgeregt hin- und herfuchtelte.

Mike wunderte sich über den förmlichen Ton.

Warum hatte Stein ihn bei seinem Nachnamen gerufen? Immerhin hatten sie doch schon vor langer Zeit Brüderschaft getrunken.

Dafür konnte es eigentlich nur einen Grund geben.

Nur ein einziges Mal hatte er erlebt, dass Stein ihn, statt mit dem vertrauten »Du«, mit einem förmlichen »Dornbach« angesprochen hatte. Damals war Mike ein dummer Fehler unterlaufen, der große Kreise gezogen hatte. Versehentlich hatte er einen Namen vertauscht und damit ungewollt einen hohen Staatsbeamten öffentlich zum Betrüger erklärt. Stein hatte damals die alleinige Verantwortung übernommen.

Es war das erste und bislang einzige Mal gewesen, dass Mike seinen Vorgesetzten laut schreiend und fluchend erlebt hatte. Letztlich hatte der Chefredakteur ihm das Missgeschick aber verziehen. »Wir machen alle mal Fehler«, hatte Stein damals gesagt, nachdem er Mike gehörig die Leviten gelesen hatte.

Wie ein kleinlautes Bürschchen, das beim Kirschenstehlen in Nachbars Garten erwischt worden war, hatte Mike die Kritik hingenommen. Und er hatte daraus gelernt. Bis heute war ihm kein einziger Fauxpas mehr unterlaufen.

So aufgeregt, wie Walter Stein ihm nun entgegenkam, ahnte er jedoch Schlimmes.

Stein hatte sich Mike bis auf wenige Schritte genähert und blickte ihn schnaufend an. In solchen Momenten rächte es sich, dass der Chefredakteur alles andere als ein Kostverächter war, sondern sich nichts Schöneres vorstellen konnte, als einen stressigen Bürotag bei einem zünftigen Menü in einem der hiesigen Restaurants ausklingen zu lassen.

Die Kollegen schätzten ihren Chefredakteur auf gut und gerne hundertvierzig Kilo Körpergewicht. Ein gestandenes Mannsbild also. Wer sich mit ihm auf Diskussionen einließ, musste damit rechnen, als Verlierer aus einer solchen hervorzugehen.

»Mensch, Dornbach!«, fluchte Stein.

»Was ist passiert?«, fragte Mike verunsichert.

»Was passiert ist?«, gab Stein verärgert zurück. »Lass uns das bitte in deinem Büro besprechen. Es muss ja nicht jeder mitkriegen!«

Mike nickte. »Bitte, komm rein!«

Walter Stein war, ohne eine Sekunde seiner wertvollen Zeit verlieren zu wollen, Mikes Aufforderung gefolgt und an seinen Schreibtisch geeilt, um dort sofort die Zeitung, die er eben noch in der Hand gehalten hatte, auszubreiten.

Zielsicher schlug er eine der Politik-Seiten auf und deutete mit seinem rechten Zeigefinger auf einen der Artikel, während er seinen Stellvertreter gleichzeitig scharf anblickte.

»Was, um Himmels willen, hast du dir dabei gedacht, Mike?«

Die Stimme des Chefredakteurs klang streng, aber seine Miene verriet, dass er sich, abgesehen von seiner Wut, auch große Sorgen zu machen schien. Mike hatte jedoch noch immer nicht den blassesten Schimmer, was seinen Freund so sehr aus der Fassung gebracht hatte.

»Wie kannst du nur solch einen Schwachsinn schreiben?«, fragte Stein nun deutlicher. »Das ist doch tödlich!«

»Ich weiß nicht, was du willst«, zuckte Mike hilflos mit den Schultern. Er konnte sich den seltsamen Auftritt partout nicht erklären. Der einzige Artikel, den er zu der heutigen Ausgabe beigesteuert hatte, war ein Bericht über einen ersten Nachtragshaushalt der Stadt. Ein Kinderspiel.

»Bei allem Verständnis! Was du da verfasst hast, kommt einem beruflichen Selbstmord gleich!«

»Was ist denn nicht in Ordnung damit?«, fragte Mike verunsichert. »Mein Gott, Mike! Bist du noch ganz bei Trost?« Stein blickte ihn entsetzt an. »Die Frage kannst du doch nicht ernst meinen!«

Mike verstand noch immer nicht, was sein Chef von ihm wollte.

»Entschuldige, Walter – aber sag mir doch einfach, was ich verbrochen habe. Ich habe die Zahlen wie üblich dreimal überprüft. Es ist völlig unmöglich, dass da ein Fehler …«

»Zahlen?«, rief Stein erbost aus. »Was für Zahlen? Hier geht’s um keine Zahlen, Mike. Hier geht’s um einen handfesten Skandal!«

»Ich verstehe nicht …«, sagte Mike, der nach dem tieferen Sinn in Steins barschen Worten suchte.

Der Chefredakteur sah ihn unverändert ratlos an.

»Da bist du nicht der Einzige. Ich verstehe es ebenso wenig.«

Mit einem tiefen Seufzer ließ er sich in Mikes Lederstuhl fallen, der unter dem Gewicht des Chefredakteurs zusammenzubrechen drohte, und schüttelte den Kopf.

»Ich weiß nicht, wie ich dich da wieder rausboxen soll.«

Der anfängliche Ärger in seiner Stimme wich nun mehr und mehr der Verzweiflung eines guten Freundes, der zusehen musste, wie sein engster Mitarbeiter auf einem Stück Holz treibend einem Wasserfall entgegensteuerte – ohne jede realistische Chance, den Hilflosen noch zu retten.

»Ganz ehrlich, Mike: Diese Sache könnte das unwiderrufliche Ende deiner Karriere sein.«

Auf der Suche nach einer vernünftigen Erklärung für die schleierhaften Vorhaltungen Steins griff Mike nun selbst nach der Zeitung, um sich vom vermeintlichen Objekt der Tragödie zu überzeugen, das es seiner Meinung nach doch gar nicht geben konnte. Wahrscheinlich hatte Stein nur etwas falsch verstanden und die ganze Unannehmlichkeit würde sich schon in wenigen Sekunden in Luft auflösen.

Stein hatte tatsächlich eine der Politik-Seiten aufgeschlagen, die Mike gestern Abend als verantwortlicher Chef vom Dienst zum Druck freigegeben hatte. Allerdings war die Aufmachung nun geringfügig verändert. Das wunderte Mike. Er hatte dafür keine Erklärung.

Stein beobachtete unberührt, wie das Gesicht des Polit-Journalisten bei länger andauernder Lektüre der aufgeschlagenen Seite immer blasser wurde und wie seine Hände allmählich zu zittern begannen.

»Ich glaube das nicht«, stammelte Mike. »Das kann nicht wahr sein!« Da war zwar ein Artikel unter seinem Namen abgedruckt worden, aber eines wusste Mike ganz genau: Diese Worte stammten definitiv nicht aus seiner Feder! Das alles konnte nur ein einziger Albtraum sein.

Ungläubig las er die Schlagzeile vor: »Spendensumpf im Rotlichtmilieu – Ein Bericht von Mike Dornbach«, stand da in großen Lettern.

Wer auch immer den Artikel unter seinem Namen verfasst hatte, er erweckte darin den Anschein, dass ein Beamter der hessischen Landesregierung, mit dem Wissen und der Duldung des Ministerpräsidenten, in eine Schmiergeldaffäre verwickelt war.

Über ein Jahr hinweg habe jener Beamte Millionen aus dem allgemeinen Finanzhaushalt abgezweigt und für unlautere Subventionen im Rotlichtviertel zweckentfremdet. Als Gegenleistung habe nicht nur die versammelte Regierungsmannschaft die Möglichkeit erhalten, ein Bordell kostenlos zu nutzen; die Regierung selbst, so der Schreiber des Berichtes, habe die Gelegenheit genutzt, in diesem Bezirk in großem Ausmaß und gedeckt durch die Frankfurter Ermittlungsbehörden, Drogengeschäfte abzuwickeln, um somit, als Zinseinnahmen getarnt, die eigenen Staatsfinanzen aufzubessern.

Fassungslos blickte Mike auf diese Zeilen.

»Der Ministerpräsident hat mich heute Morgen aus dem Bett geholt«, erklärte Stein leise. »Ich möchte seine genauen Worte besser nicht wiedergeben. Er fordert von uns eine Klarstellung und vor allen Dingen personelle Konsequenzen …«

Fieberhaft versuchte Mike nachzuvollziehen, was soeben mit ihm passierte. Stein erhob sich derweil, ging auf Mike zu und legte freundschaftlich seinen Arm um ihn.

»Ich wünschte, ich könnte etwas für dich tun, Mike. Aber: Mir sind in diesem Fall die Hände gebunden.«

»Walter – bitte glaube mir: Ich war das nicht«, bekräftigte Mike. »Dieser Artikel ist nicht von mir! Ich schwöre es, bei allem, was mir lieb ist!«

Stein winkte ab. »Das hilft uns doch allen nicht weiter.« Er griff nach der Zeitung und hielt sie Mike unter die Nase. Dabei zeigte er auf die Stelle, an der der Name des Verfassers stand. »Lies …«

»Ich sehe selbst, was da steht, aber ich war es nicht! Das kann nur eine Verschwörung sein!«, rief Mike erbost aus.

Zumindest den letzten Satz hätte er jedoch besser für sich behalten. Schiere Abscheu über einen solch ungeheuerlichen Vorwurf stand dem Chefredakteur ins Gesicht geschrieben.

Vollkommen verständnislos blickte er Mike an.

»Ich denke, es wäre für uns alle besser, wenn du zu dem stehst, was du angerichtet hast, anstatt mit solch einer – Verzeihung – idiotischen Argumentation aufzuwarten.«

Zu der offenkundigen Verärgerung kam noch eines erschwerend hinzu: Keiner als die beiden Redakteure wusste besser, welche Kreise diese Sache noch ziehen konnte. Beiden waren die Auswirkungen, die dieser Artikel provozieren würde, sonnenklar. Der Tag war noch jung. Sobald die Bundespresse darauf aufmerksam würde, ginge hier die Hölle los.

Vor seinem geistigen Auge sah Mike bereits den Ministerpräsidenten, wie er vor den zahlreichen Kameras, womöglich noch zur besten Sendezeit, die Vorwürfe dementierte und den »Komet« aufs Schärfste angriff. Ganz zu schweigen davon, welch katastrophale Folgen dies alles für den Namen und das Renommee des Blattes nach sich ziehen würde.

Angesichts dieser Tatsachen von einer hausinternen Verschwörung zu reden – so berechtigt dieser Gedanke auch sein mochte –, machte die Angelegenheit aus Sicht des Chefredakteurs natürlich um keinen Deut besser.

Das Ärgerliche an der Situation war zudem, dass Mike seine Unschuld nur schwer, möglicherweise überhaupt nicht beweisen konnte. Wer auch immer sich das alles ausgedacht hatte – er hatte schon im Vorfeld ganze Arbeit geleistet.

Niemand, Walter Stein eingeschlossen, konnte auch nur den Hauch eines Zweifels daran haben, dass Mike der Urheber dieses Skandals war. Immerhin war er es gewesen, der vor einigen Wochen vor versammelter Mannschaft – nicht ohne Stolz – einen anonymen Brief präsentierte, der den Verlag »zu Händen von Herrn Dornbach« erreicht hatte.

Der Verfasser hatte darin genau das behauptet, was nun in diesem verhängnisvollen Artikel veröffentlicht worden war.

Alle Kollegen hatten mitbekommen, wie Stein ihm, Mike Dornbach, den Auftrag gab, diese Sache mit Samthandschuhen anzufassen. Er sollte so subtil wie möglich recherchieren, ob an der ganzen Geschichte überhaupt etwas Wahres dran war oder ob sich der anonyme Briefschreiber lediglich einen unverzeihlichen Scherz mit der Redaktion des »Komet« erlaubt hatte.

Genau das hatte Mike auch getan und seine Kontakte ins Regierungslager spielen lassen. Sehr schnell stellte sich heraus, dass sich sämtliche Vorwürfe – wie fast nicht anders zu erwarten gewesen war – als unhaltbar erwiesen.

Mike hatte dies seinem Vorgesetzten mitgeteilt. Beide waren daraufhin übereingekommen, den offenkundig erlogenen Brief mit dem redaktionseigenen Aktenvernichter bekannt zu machen und die angebliche Skandal-Geschichte fallen zu lassen.

Das war vor knapp drei Wochen gewesen. Mike hatte sie fast schon vergessen. Bis jetzt.

»Walter, glaub mir doch, das war ich nicht!«, redete er noch einmal beschwichtigend auf seinen Chefredakteur ein. »Ich schwöre dir bei allem, was mir lieb ist: Weder ist dieser Artikel von mir noch war er gestern Abend im Blatt drin. Ich weiß nicht, wie er da hineingekommen ist.«

»Bitte …« Steins Reaktion blieb kühl. Für ihn schien jedes weitere Wort überflüssig. »Ich habe vorhin die Setzerei kontaktiert. Sie haben zurückverfolgt, wer den Artikel zum Druck freigab und wann das war.«

Ein Hoffnungsfunke glomm in Mike auf.

»Und warum glaubst du mir dann nicht? Dann müsstest du doch längst wissen, dass ich nichts damit zu tun habe?!«

»Der Artikel wurde hier auf deinem Rechner geschrieben«, antwortete Stein trocken. »Freigegeben gestern um 19:38 Uhr. Irrtum ausgeschlossen.«

Kopfschüttelnd verließ Stein das Büro des Redakteurs, ohne sich eine weitere Rechtfertigung anhören zu wollen.

Die Tür fiel mit einem lauten Krachen ins Schloss. Dann war alles ruhig. Man hätte die sprichwörtliche Nadel fallen hören, so still war es plötzlich in Mikes Büro.

Mikes Verstand versuchte zu begreifen, wer ihm diesen Schlamassel eingebrockt haben könnte. Es war einer der seltenen Momente, in denen er nicht an Nadine denken musste.

Möglicherweise hatte er, ohne es je bemerkt zu haben, einen Feind, der vor nichts zurückschreckte, um ihn loszuwerden.

Mit Sicherheit wusste der Redakteur jetzt nur eines: Er war unschuldig. Davon musste er nur noch die Kollegen überzeugen.

Mike fühlte sich wie eine Fliege, die sich in den klebrigen Fäden eines Spinnennetzes verfangen hatte. Spätestens jetzt wurde ihm klar: Er war in jenem Moment in eine heimtückische Falle getappt, als er dieses unheilvolle, anonyme Schreiben präsentiert hatte.

»Verflucht!«

Wie konnte er auch nur so naiv sein? Warum hatte er die Sache damals nicht anders angepackt? Warum hatte er Stein nicht erst unter vier Augen gesprochen? Wieso nur hatte seinem Ego der Gedanken so sehr gefallen, dass ausgerechnet an ihn solch brisantes Material herangetragen worden war? Dadurch hatte er sich sein eigenes Grab geschaufelt.

Doch trotz aller Selbstvorwürfe, Mike war eine Kämpfernatur. Genau diese Eigenschaft war es, die jetzt wieder die Oberhand gewann. So einfach wollte er seinen Platz, den er sich in den letzten Jahren hart erarbeitet hatte, nicht räumen. Wo ein Komplott war, gab es schließlich immer einen, der die Hintermänner aus der Reserve locken und so das üble Spiel aufdecken konnte. Und wer sollte dafür besser geeignet sein als er selbst?

Fieberhaft versuchte sich Mike zu erinnern. Jedes noch so kleine Detail konnte entscheidend sein.

Wie war das am gestrigen Abend gewesen, als er das Verlagsgebäude verlassen hatte? Wer konnte noch im Haus gewesen sein und sich Zugriff auf seinen Computer verschafft haben?

Walter Stein sprach von einer Zeit kurz nach 19:30 Uhr – also nur wenige Minuten, nachdem sich Mike in den wohlverdienten Feierabend verabschiedet hatte. Sein Rechner war da schon ausgeschaltet gewesen. Wie immer. Ohne sein ganz persönliches Passwort konnte niemand seiner Kollegen an das Gerät herangekommen sein.

War die Manipulation also von außerhalb erfolgt? Er hielt es für technisch möglich – gemessen an dem, was man gemeinhin über Attacken auf fremde Computer erfuhr.

Mike gefiel die Idee. Er griff zum Telefon, entschlossen die vermeintliche Verschwörung gegen ihn aufzudecken.

Die wichtigsten Nummern des Hauses hatte er sich auf einen kleinen Zettel notiert, den er auf die Innenseite des Hörers geklebt hatte. Auch die Nummer der Setzerei zählte dazu.

»Vier, Drei, Acht«, sprach Mike leise vor sich hin, während er die entsprechenden Ziffern auf seinem Apparat drückte.

Ungeduldig trommelten seine Finger auf den Schreibtisch, während er darauf wartete, eine Bestätigung für seinen Verdacht zu erhalten.

»Wagner«, meldete sich wenig später ein Kollege aus der technischen Abteilung am Telefon.

»Wagner? Dornbach hier.«

»Ah, die Redaktion«, schmunzelte der Techniker. »Guten Morgen, Mike. Bist ungewöhnlich früh dran heute. Was kann ich für dich tun?«

»Rudi, ich brauche deine Hilfe!«

Mike schilderte in kurzen Worten seinen Fall und was er hinter der ganzen Sache vermutete. Dabei vermied er es allerdings, die entscheidenden Details zu verraten. Wagner musste nur wissen, dass ein Artikel, der niemals hätte freigegeben werden dürfen, angeblich vom Rechner des Redakteurs – ohne sein Zutun – autorisiert worden war.

»Und jetzt«, sagte Mike, als er mit seinen Schilderungen am Ende angelangt war, »sage mir bitte, wie ist so etwas möglich?«

Sein Gegenüber überlegte einen Moment.

»Gute Frage. Möglich ist heutzutage fast alles.«

Wusste ich es doch, dachte Mike triumphierend.

»Allerdings …«, bemerkte Wagner.

»Allerdings?« Diese Einschränkung passte nun überhaupt nicht in Mikes Konzept. Ihm gefiel der zweifelnde Tonfall seines Kollegen genauso wenig wie das Wort an sich.

»Was meinst du damit?«

»Nun«, antwortete der Techniker. »Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass sich jemand von außen in unser System einklinkt – nur wegen eines Artikels.«

»Du sagtest doch gerade noch, dass es möglich ist!«

»Theoretisch schon«, sagte Wagner. »Aber es wäre mit einem enormen Aufwand verbunden. Ganz zu schweigen von den Kosten …«

Mike wollte nicht lockerlassen. So schnell würde er nicht aufgeben. Wer sich wirklich rächen wollte, das lehrte die Erfahrung, für den kam es aufs Geld nicht an.

»Gut, dann nehmen wir einmal an: Jemand, mit dem entsprechenden Geld im Hintergrund, hätte gestern unser System sabotiert. Ist es möglich, das festzustellen?«

Der Techniker stutzte und wartete einen Augenblick, ehe er antwortete. Ihm war nicht klar, worauf der Redakteur mit seinen merkwürdigen Fragen hinauswollte.

»Sag mal, Mike, warum willst du das überhaupt wissen?«

»Frag nicht! Sag mir einfach: ja oder nein?«

Ein leises Seufzen drang durch die Leitung an Mikes Ohr.

»Weiß ich nicht, ob wir das können. Da fragst du besser Peter, ob ihm etwas Ungewöhnliches aufgefallen ist. Er war gestern Schichtführer. Vielleicht kann er dir ja weiterhelfen.«

»Okay.«

Mike konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Wagner das aus seiner Sicht zweifellos seltsame Frage-Antwort-Spiel lediglich abgeben wollte – genervt vor allem durch Mikes ungewohnte Penetranz. So ganz unrecht war Mike dies aber nicht – angesichts der Tatsache, dass er nun direkt mit dem Mann sprechen konnte, der zum fraglichen Zeitpunkt die Verantwortung in der Druckerei innehatte. Auch wenn ihm ein »Peter« in dem Zusammenhang noch nie begegnet war.

Als eine knappe Minute später Mikes Telefon klingelte und sich »Peter Seitz« am Telefon meldete, bestätigte sich sein Eindruck. Er hörte nicht nur die Stimme, sondern auch den Namen zum ersten Mal.

»Mike Dornbach, Redaktion«, grüßte Mike. »Guten Morgen!« »Moin Herr Dornbach! Worum geht’s denn?«