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Karen Rose Smith

JULIA COLLECTION BAND 78

IMPRESSUM

JULIA COLLECTION erscheint in der Harlequin Enterprises GmbH

Cora-Logo Redaktion und Verlag:
Postfach 301161, 20304 Hamburg
Telefon: 040/60 09 09-361
Fax: 040/60 09 09-469
E-Mail: info@cora.de

Zweite Neuauflage by Harlequin Enterprises GmbH, Hamburg,
in der Reihe: JULIA COLLECTION, Band 78 – 2015

© 2006 by Karen Rose Smith
Originaltitel: „Custody for Two“
erschienen bei: Silhouette Books, Toronto
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.
Übersetzung: Susanne Albrecht
Deutsche Erstausgabe 2007 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg,
in der Reihe BIANCA, Band 1565

© 2006 by
Originaltitel: „The Baby Trail“
erschienen bei: Silhouette Books, Toronto
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.
Übersetzung: Heike Warth
Deutsche Erstausgabe 2008 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg,
in der Reihe BIANCA, Band 1637

© 2006 by
Originaltitel: „Expecting His Brother’s Baby“
erschienen bei: Silhouette Books, Toronto
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.
Übersetzung: Ines Schubert
Deutsche Erstausgabe 2008 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg,
in der Reihe BIANCA, Band 1648

Abbildungen: Harlequin Books S.A., alle Rechte vorbehalten

Veröffentlicht im ePub Format in 03/2015 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783733703356

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.
CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:
BACCARA, BIANCA, ROMANA, HISTORICAL, MYSTERY, TIFFANY

 

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Unverhofft zu dritt

MINISERIE VON KAREN ROSE SMITH

Von diesem Glück hab ich geträumt

Wenn der erfolgreiche Fotojournalist Dylan Malloy doch nur endlich akzeptieren würde, dass seine Schwester vor ihrem Tod das Sorgerecht für seinen süßen Neffen Timmy ihrer besten Freundin Shaye übertragen hat. Denn Shaye will es ihm ja gar nicht vorenthalten! Sie würde es nur zu gern mit ihm teilen – und nicht nur das Sorgerecht …

Start frei für uns beide

Nie wieder will Garrett Maxwell etwas mit seinem alten Job als FBI-Agent zu tun haben. Seit seine Exfrau ihn für das Scheitern der Beziehung und den Tod ihres Kindes verantwortlich gemacht hat, lebt er allein in seiner Einsiedelei. Bis die umwerfende Gwen erscheint – mit einem Kind, dessen Eltern er finden soll. Aber Ermittler wollte er doch nie wieder sein …

Die Frau seines Bruders

Brock war immer nur ihr Schwager. Auch wenn Kylie ihn heimlich liebte. Im Gegensatz zu ihrem abenteuerlustigen und treulosen Ehemann. Nun ist er tot, und sie ist hochschwanger. Der Einzige, der ihr mit der Farm hilft, die sie nun allein leiten muss, ist Brock. Aber was wird aus ihrem Kind? Und was aus ihnen beiden? Erhalten ihre Gefühle jetzt endlich eine Chance?

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Von diesem Glück hab ich geträumt

1. KAPITEL

Er konnte es nicht fassen, dass seine Schwester ihren Sohn lieber Shaye Bartholomew anvertraut hatte als ihm. Dylan Malloy hatte zwei Reisetage hinter sich und stand noch immer unter Schock, als er die Neugeborenen-Intensivstation betrat. Eindringlich betrachtete er die Frau, die neben Timmys winzigem Bett saß – die Frau, die das Sorgerecht für seinen Neffen besaß.

Walter Ludlows Anruf war ein schwerer Schlag gewesen, von dem Dylan sich immer noch nicht erholt hatte. Sein Anwalt und langjähriger väterlicher Freund hatte ihn von Wild Horse Junction in Wyoming aus in Tasmanien erreicht.

„Ich weiß nicht, wie ich es dir sagen soll“, hatte Walter gesagt. „Julia und Will hatten einen schlimmen Unfall. Will war sofort tot. Julia hat noch so lange durchgehalten, bis Timmy geboren war. Dann haben wir auch sie verloren.“

Dann haben wir auch sie verloren.

Dylan war wie vor den Kopf gestoßen. Und gleich darauf hatte Walter hinzugefügt: „Julia hat Shaye Bartholomew die gesetzliche Vormundschaft übertragen. Sie wollte dich nicht noch einmal belasten.“

Dylan war kaum in der Lage zu begreifen, dass er Julia verloren hatte. Die Trauer hüllte ihn ein wie ein düsterer Schatten, der keinen Raum für irgendetwas anderes ließ.

„Kämpfe, Timmy. Du musst kämpfen“, hörte er nun Shaye Bartholomews leise, brüchige Stimme.

Die Ärzte hatten Dylan erklärt, in welchem Zustand Timmy sich befand. Er war erst achtundzwanzig Wochen alt und wurde künstlich beatmet, um seine Lungen zu unterstützen. Seine Überlebenschancen standen gut. Aber beim Anblick der vielen Schläuche und Drähte fiel es Dylan schwer, den Ärzten zu glauben.

Shaye hatte sich über das Baby gebeugt, und ihre Lippen bewegten sich. Vielleicht im Gebet?

Seine Arbeit als Tierfotograf hatte Dylan Stille und Geduld gelehrt. Aber nun hatte er Fragen, und Shaye Bartholomew kannte die Antworten. „Miss Bartholomew?“

Erstaunt blickte sie auf, erkannte ihn jedoch sofort. Sie hatten sich bei Julias College-Abschlussfeier kennengelernt und angefreundet.

„Mr Malloy. Das mit Julia tut mir schrecklich leid.“ Tränen standen in ihren Augen.

Am liebsten hätte er sie in diesem Moment in die Arme genommen, um ihnen beiden Trost zu spenden. Doch Dylan wusste, dass er ungepflegt aussah. Er war unrasiert, sein Haar zerzaust und das Sweatshirt völlig zerknittert.

„Ich bin so schnell gekommen, wie es ging.“ Er hatte gerade Kängurus fotografiert, als der Anruf kam. Das schien eine Ewigkeit her zu sein.

Shaye stand auf, damit er näher an das Bett herantreten konnte. Er bemerkte, wie ihre schulterlangen dunkelbraunen Haare in dem künstlichen Licht schimmerten, und sah den Glanz in ihren bernsteinfarbenen Augen. Ihre Blicke trafen sich, bevor Dylan auf seinen kleinen Neffen hinunterblickte.

Sanft meinte Shaye: „Während Julias Schwangerschaft haben wir über Namen gesprochen. Sie wollte ein Mädchen nach eurer Mutter und einen Jungen nach eurem Vater nennen.“

Ironischerweise waren ihre Eltern genau wie Julia und ihr Mann auf einer vereisten Straße ums Leben gekommen.

Die Schärfe in Dylans Stimme war nicht zu überhören, als er erklärte: „Ich möchte wissen, wieso Sie zu Timmys Vormund ernannt worden sind …“

Da begann auf einmal einer der Monitore laut zu piepen. Sofort erschien eine Krankenschwester an Timmys Bett, während eine andere schnell einen Arzt holte.

Ein Arzt im weißen Kittel eilte herein. Eine der Schwestern legte Shaye die Hand auf den Arm und sagte zu Dylan: „Bitte warten Sie draußen.“

„Ich will wissen, was hier passiert“, verlangte er. Sein Herz hämmerte wie wild vor Angst um seinen Neffen.

„Wir müssen sie ihre Arbeit tun lassen.“ Shaye zog ihn beiseite. „Der Arzt wird mit uns reden, sobald sie Timmy stabilisiert haben. Wir sind hier nur im Weg.“

Ungehalten befreite Dylan sich aus ihrem Griff und ging mit langen Schritten zur Tür.

Im Vorraum wies Shaye auf das Wartezimmer, doch er lief lediglich unruhig auf und ab. „Ich bleibe lieber in der Nähe.“ Er fuhr sich durch das sandfarbene Haar, und wieder sah sie den Schmerz in seinen grünen Augen.

Sie wünschte, sie könnte seinen Kummer lindern, aber das konnte niemand. „Haben Sie schon mit dem Arzt gesprochen?“

„Ja, als ich in London auf meinen Anschlussflug warten musste.“

„Dann wissen Sie ja auch, dass jetzt alles von Timmy abhängt. Wie er auf die Antibiotika und all die anderen Maßnahmen reagiert.“

„Das verstehe ich. Aber alles andere begreife ich nicht. Warum ist Will bei schlechtem Wetter mit Julia unterwegs gewesen? Schließlich war sie im siebten Monat schwanger!“

„Wegen des schlechten Wetters war Julia schon über eine Woche zu Hause eingesperrt. Will wollte sie nicht mal einen verschneiten Weg entlanggehen lassen, weil er Angst hatte, sie könnte stürzen. Aber sie bekam allmählich einen Lagerkoller. An dem Morgen …“ Shaye drohte die Stimme zu versagen, und sie räusperte sich. „An dem Morgen des Unfalls bin ich bei ihr vorbeigekommen, und sie war so gut gelaunt. Sie erzählte, dass sie Will dazu überredet hatte, sie abends mit zu den Johnsons mitzunehmen. Das gute Wetter sollte eigentlich bis zum nächsten Morgen anhalten.“

„Die Johnsons wohnen praktisch mitten in den Bergen“, murrte Dylan. „Die Straßen sind dort immer gefährlich, und ganz besonders, wenn sie verschneit sind.“ Fluchend wandte er sich ab, drehte sich dann aber wieder zu Shaye um. „Haben Sie gewusst, dass Julia Sie als Vormund angeben würde?“

„Ja“, antwortete sie ruhig.

Dylan presste die Kiefer zusammen. „Julia hat oft von Ihnen gesprochen, Miss Bartholomew. Ich weiß, dass Sie gute Freundinnen waren. Aber ich muss unbedingt erfahren, wie diese … Vereinbarung zustande gekommen ist.“

„Nennen Sie mich doch Shaye“, murmelte sie und machte eine Kopfbewegung zum Wartezimmer. „Kommen Sie, wir setzen uns.“

Zögernd folgte er ihr. Sie nahm auf einem Stuhl Platz, doch Dylan blieb stehen, wodurch sie sich etwas unbehaglich fühlte. Shaye holte tief Luft. „Sie wissen ja, dass Julia und ich uns vom College her kennen.“

Er nickte.

„Da wir beide aus Wild Horse Junction stammten, haben wir uns gemeinsam Mitfahrgelegenheiten gesucht, um von Laramie nach Hause zu fahren. Zuerst dachte ich, sie wollte gar nichts von mir wissen, weil sie immer so reserviert war. Dann habe ich gemerkt, dass sie aus reinem Selbstschutz zurückhaltend war. Julia erzählte mir, was Ihren Eltern zugestoßen war, und von der Zeit, die sie in Pflegefamilien verbracht hatte.“

Julia hatte ihr auch erzählt, wie Dylan und Walter Ludlow zu Freunden geworden waren. Mit achtzehn hatte Dylan die Highschool abgeschlossen und einen Job bei der Lokalzeitung bekommen. Daraufhin war er in die Kanzlei des Anwalts gekommen und hatte erklärt: „Ich brauche einen Rechtsanwalt, um die gesetzliche Vormundschaft für meine Schwester zu bekommen.“

Julia war acht und Dylan sechzehn gewesen, als sie zu Waisen wurden. Dylan wusste, dass seine Schwester in ihrer Pflegefamilie todunglücklich war, und er setzte Himmel und Hölle in Bewegung, um das Sorgerecht für sie zu erlangen. Er sorgte dafür, dass sie sich glücklich und geborgen fühlte, bis sie zum College ging. Erst dann hatte er seine Heimatstadt verlassen, um seine eigenen Träume zu verfolgen.

„Julia hat mir immer wieder gesagt, wie dankbar sie Ihnen gewesen ist, dass Sie sie gerettet haben“, setzte Shaye leise hinzu.

„Nicht schnell genug.“

„So schnell Sie konnten.“

Er ignorierte ihre Bemerkung. „Nach Ihrem College-Abschluss haben Sie noch weiterstudiert.“

„Das stimmt. Und als ich nach Wild Horse zurückkam, hatte Julia Will kennengelernt und ihn in aller Stille geheiratet.“

„Sie wollte keine große Hochzeit“, meinte Dylan. „Ich hätte gern eine für sie ausgerichtet.“

„Ich denke, Julia und Will wollten ihr gemeinsames Leben ohne großes Trara beginnen. Sie hat sehr oft zu mir gesagt, sie möchte ein Zuhause und eine eigene Familie haben. Einen Ort, an den sie gehört.“

„Sie wusste, dass sie immer auf mich zählen konnte.“

„Ja, aber ihr war auch bewusst, dass Sie ihr acht Jahre Ihres Lebens geopfert haben. Sie wusste, wie viel es Ihnen bedeutete, Tierfotograf zu sein.“

„Sie war mir wichtiger.“

„Das haben Sie bewiesen, indem Sie hier bei der Zeitung gearbeitet haben, obwohl Sie viel lieber an irgendwelchen exotischen Orten gewesen wären.“

Dylan musterte Shaye intensiv aus seinen grünen Augen. „Sie scheinen ja eine Menge über mich zu wissen.“ Er rieb sich den Nacken. „Ein unangenehmes Gefühl, weil ich Sie kaum kenne. Haben Sie irgendwelche Erfahrungen mit Kindern?“

„Als Sozialarbeiterin habe ich manchmal mit Kindern zu tun. Abgesehen davon … Meine Mutter starb, als ich zehn war. Mein Vater, ein Kardiologe, hat viel gearbeitet. Deshalb habe ich mich um meine beiden jüngeren Brüder gekümmert.“

„Ganz allein?“

„Nein, wir hatten eine Haushälterin. Aber sie hat ihnen weder Gutenachtgeschichten vorgelesen noch ihnen Cracker mit Erdnussbutter und Marshmallows gemacht oder ihnen geholfen, eine Hütte zu bauen.“

„Sie waren also gleichzeitig Schwester und Mutter?“

„Ja, sozusagen. Und ich bin davon überzeugt, dass meine Brüder es nicht immer gut fanden.“

Dylan sah aus dem Fenster. „Ich habe nie versucht, Julia den Vater zu ersetzen. Wir waren Bruder und Schwester, mehr brauchten wir nicht. Zumindest habe ich das geglaubt.“

Shaye sah ihm an, dass er an Timmy dachte und sich erneut fragte, warum Julia ihr und nicht ihm das Sorgerecht für ihren Sohn übertragen hatte. Offenbar reichte ihm ihre Erklärung nicht aus.

Von draußen näherten sich Schritte, und gleich darauf kam Dr. Carrera ins Wartezimmer. „Wir haben Timmy stabilisiert und überwachen ihn sehr genau. Ich glaube, es wäre gut für Sie und ihn, wenn Sie uns ein bisschen Zeit geben. Gehen Sie essen, oder machen Sie einen Spaziergang.“

„Was ist, wenn etwas passiert?“, fragte Shaye besorgt.

„Ich habe Ihre Handynummer“, erwiderte der Arzt mitfühlend.

„Meine haben Sie auch“, warf Dylan brummig ein. „Ich habe sie den Schwestern gegeben.“

Dr. Carrera blickte von einem zum andern. „Shaye ist der gesetzliche Vormund, aber ich weiß, dass Sie der nächste Angehörige sind, Mr Malloy. Gibt es hier etwas, was ich wissen sollte?“

Geschmeidig wie eine Raubkatze trat Dylan neben den Arzt und schob die Hände in die Taschen seiner Cargohose. „Am Sonntag habe ich von Julias Unfall gehört. Ich hatte vor meinem Abflug in Tasmanien keine Zeit zum Duschen oder Umziehen, und ich konnte im Flugzeug nicht schlafen. Bisher hatte ich noch keine Chance, den Schock zu verarbeiten, dass meine Schwester tot ist, geschweige denn, dass sie Shaye zum Vormund ihres Kindes bestimmt hat. Shaye und ich müssen dringend miteinander reden.“ Über die Schulter hinweg sah er sie an. „Was halten Sie von einem Spaziergang?“ Er ließ den Blick über ihre rote Bluse, die dunkelblaue Hose und die schwarzen Stiefel gleiten. „Oder würden Sie lieber hierbleiben?“

Shaye stand auf und nahm einen blauen Parka vom Garderobenständer. „Ich könnte ein wenig frische Luft gebrauchen.“ Dylan griff nach seiner schwarzen Lederjacke.

„Falls irgendetwas sein sollte, habe ich ja Ihre beiden Nummern“, meinte der Geburtsmediziner diplomatisch und verschwand.

Schweigend gingen sie zum Lift, wo Dylan den Rufknopf drückte. Shaye wickelte sich ihren Schal um den Hals und setzte eine Wollmütze auf. Im Aufzug spürte sie Dylans Blick und merkte, wie auf einmal ihr ganzer Körper darauf reagierte. Ihr wurde seltsam warm. Aber es war doch sicher nicht möglich, dass ihr heiß wurde, nur weil ein Mann sie ansah, oder?

Neben Dylan fühlte Shaye sich ungewohnt befangen. Normalerweise wusste sie immer etwas zu sagen. Warum jetzt nicht?

In der Eingangshalle zog sie noch Handschuhe an, bevor sie in den kalten Februarabend hinaustraten.

Wild Horse Junction war im achtzehnten Jahrhundert gegründet und lag am Fuße der Painted Peak Mountains. Einige der ursprünglichen Gebäude gab es heute noch. Daher war die Stadt eine Mischung aus Alt und Modern und hatte von allem ein bisschen.

Früher einmal hatte Shaye darüber nachgedacht, Wild Horse zu verlassen, um ihrem damaligen Freund Chad zu folgen. Aber eigentlich wollte sie das gar nicht. Ihre Familie und ihre Freunde waren hier. Während der Touristensaison kamen viele verschiedene Leute hierher, die sie interessant und aufregend fand. Doch die meisten von ihnen gingen wieder, während sie blieb. Und so gefiel es ihr.

„Sollen wir einmal ums Krankenhaus gehen oder in den Park?“, erkundigte sich Dylan.

„In den Park.“

Wild Horse Junction besaß einen ungewöhnlichen Park. Die Stadt war nach den wilden Mustangs benannt, die früher die Painted Peak Mountains durchstreift hatten, nun jedoch etwa eine Autostunde entfernt in den Big Horn Mountains lebten. Bronzeskulpturen der Tiere verschönerten den Park, und an vielen Stellen standen schwarze, schmiedeeiserne Sitzbänke.

Gerade als Shaye und Dylan die Straße überqueren wollten, fuhr ein Jeep mit überhöhter Geschwindigkeit an ihnen vorbei. Schützend fasste Dylan Shaye am Ellbogen, wobei sie selbst durch ihre dicke Daunenjacke die Wärme seiner Finger spürte.

Er sah sie an, und obwohl es allmählich dunkel wurde, bemerkte sie einen seltsamen Ausdruck in seinem Gesicht … eine Art elektrisierender Spannung zwischen ihnen.

Verlegen lief sie mit ihm über die Straße, wobei sie sich beeilen musste, um mit ihm Schritt zu halten. Sobald sie den Kiesweg erreichten, der durch den Park führte, fing es leicht an zu schneien. Shaye hob den Kopf, denn ihr war, als würden die kalten Schneeflocken sie von dem Chaos der letzten zwei Tage befreien.

Unvermittelt blieb Dylan stehen und sagte dann rau: „Ich wünschte, ich hätte meine Kamera dabei.“

„Wieso?“

„Ich habe noch nie ein Bild von einer Frau gemacht, die so aussah wie Sie gerade eben, als Sie zum Himmel geguckt haben.“

Ein erotisches Prickeln durchzuckte Shaye, und sie wusste nicht, wie sie damit umgehen sollte. „Fotografieren Sie oft Menschen? Die Bilder in den Zeitschriften, die Julia mir gezeigt hat, waren meistens von Tieren.“

„Den meisten Menschen gefällt es, fotografiert zu werden. Für mich ist es eher eine Herausforderung, ein Tier in seiner natürlichen Umgebung zu fotografieren und wie es mit seinen Artgenossen kommuniziert. Das ist alles echt und wahr.“

„Anders als bei den Menschen?“

„Menschen sind wesentlich komplizierter. Vieles von dem, was sie tun, geschieht aus irgendeinem Motiv.“

„Zum Beispiel?“

„Haben Sie öfter mit Pflegefamilien zu tun?“

„Ja.“

„Weder Julia noch ich haben in dieser Hinsicht gute Erfahrungen gemacht. Die Familien, zu denen wir kamen, haben uns nicht aus Mitgefühl aufgenommen.“

„Julia hat mir erzählt, dass ihr Pflegevater Alkoholiker war und immer laut und aggressiv wurde, wenn er trank.“

„Das stimmt“, bestätigte Dylan. „Ich musste sie unbedingt dort rausholen.“

„Und was war mit Ihrer Pflegefamilie?“

Er schüttelte den Kopf. „Ich war ja nicht lange da.“

„Zwei Jahre können eine Ewigkeit sein, wenn man unglücklich ist.“

Wieder blieb er stehen. „Sie haben eine ziemlich gute Wahrnehmung.“

„Das muss ich bei meiner Arbeit auch. Ich nutze meine Intuition genauso wie meine Ausbildung.“

Einen Augenblick sah er sie an, ehe er gestand: „Meine Pflegefamilie wollte nur das Geld, das sie jeden Monat für mich bekam. Ich war gut genug, um im Haushalt und am Haus mitzuarbeiten, aber im Grunde war ich ihnen egal.“

„Das tut mir leid“, sagte Shaye aufrichtig.

„Es ist lange her, und ich habe es schon fast vergessen. Aber ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die meisten Menschen nicht aus Nächstenliebe handeln.“

„Aber Sie haben nicht an sich gedacht, als Sie für sich und Julia eine Existenz aufgebaut haben.“

„Sie war meine Schwester.“

Ein paar Minuten gingen sie schweigend unter den russischen Olivenbäumen entlang, auf denen sich der Schnee sammelte. Espenzweige bewegten sich leicht im Wind.

„Glauben Sie, dass Julia eine Vorahnung hatte?“, fragte Dylan plötzlich. „Hat sie deshalb einen Vormund benannt, noch bevor das Baby geboren war?“

„Das kann ich Ihnen wirklich nicht sagen. Aber ich weiß, dass Julia unter allen Umständen die Zukunft ihres Kindes sichern wollte.“

Dylan blieb stehen, fasste Shaye am Arm und sah ihr eindringlich in die Augen. „Sie sind alleinstehend und berufstätig. Wollen Sie Timmy überhaupt eine Mutter sein?“

„Oh ja, von ganzem Herzen. Ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, damit er zu einem Mann heranwächst, auf den Julia stolz sein könnte.“

Forschend betrachtete er sie. Ihr weißer Atemhauch vermischte sich miteinander, und in diesem Moment entstand eine innere Verbindung zwischen ihnen.

Dylan nickte und ließ Shaye los. „Gehen wir zurück.“

Doch sie wusste, es gab kein Zurück, und das machte ihr Angst.

„Geh nach Hause, und sieh zu, dass du etwas Schlaf kriegst“, sagte Walter Ludlow am späteren Abend zu Dylan.

Rastlos lief dieser in der Anwaltskanzlei auf und ab, die sich in Walters Haus befand. Walter war mittlerweile verwitwet und lebte in einem der Backstein-Reihenhäuser nicht weit vom Stadtzentrum entfernt.

„Ich fahre zurück zum Krankenhaus“, erklärte Dylan.

„Du tust dem Baby keinen Gefallen, wenn du dich kaputtmachst.“

Dylan war noch gar nicht in seiner Wohnung gewesen. Sein Gepäck, sein Laptop und die Kamera lagen noch im Kofferraum des Mietwagens, den er sich am Flughafen genommen hatte, um so schnell wie möglich ins Krankenhaus zu kommen.

Nach dem Spaziergang hatte er eine Stunde lang mit Shaye zusammen an Timmys Bett gesessen. Schließlich war sie zum Essen gegangen, und als sie zurückkehrte, war Dylan zu Walter gefahren.

„Ich bin unbequeme Schlafstellen gewohnt. Auf einem Stuhl im Wartezimmer zu schlafen, wird mich nicht umbringen. Für Timmy zählt jetzt jede Stunde. Ich muss das für Julia tun.“

„Du bist es ihr schuldig, auf dich aufzupassen.“

Dylan setzte sich auf einen Ledersessel vor Walters Schreibtisch. „Ich dachte, ich kenne meine Schwester in- und auswendig, aber dieses Testament von ihr … Vielleicht sollte ich einen Privatdetektiv engagieren, damit er mir einen Bericht über Shaye Bartholomew liefert.“

„Reine Geldverschwendung“, entgegnete Walter. „Ich kenne Shayes Familie sehr gut. Carson Bartholomew war nicht gerade der beste Vater. Er ist Herzchirurg. Du kannst dir also vorstellen, wie viel er arbeitet.“

„Woran ist Shayes Mutter gestorben?“

„An einem Hirnaneurysma, von dem sie nichts wusste. Sie ist einfach eines Abends eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht. Danach hat Carson sich zwar um die materiellen Bedürfnisse seiner Kinder gekümmert, aber das war’s dann auch. Obwohl er eine Haushälterin einstellte, hat Shaye die Mutterrolle für ihre Geschwister übernommen. Deshalb ist sie eine ausgezeichnete Sozialarbeiterin geworden. Sie ist wirklich ein wundervoller Mensch, Dylan. Sie war Julia eine gute Freundin, und ich denke, deine Schwester wusste, was sie tat.“

Dylan fuhr auf. „Willst du damit etwa andeuten, dass ich das Sorgerecht nicht verdient hätte?“

„Darum geht es nicht, mein Junge. Julia hat dich geliebt. Sie wollte nur das Beste für dich. Sie wusste, dass deine ganze Leidenschaft deiner Arbeit gehört. Warum hätte sie dich mit einem Baby belasten sollen? Und wenn Timmy bei Shaye ist, kannst du, wenn du hier bist, so viel an seinem Leben teilhaben, wie du willst. Ich bin sicher, sie würde es dir nicht verwehren.“

„Ich habe das Gefühl, ich trage eine Verantwortung …“

„Du hast deine Verantwortung mehr als erfüllt, als du Julia aufgenommen und für sie gesorgt hast. Spiel jetzt nicht den Märtyrer.“

Walter hatte ihm gegenüber nie ein Blatt vor den Mund genommen, und zum ersten Mal heute entspannte Dylan sich, wobei er auf einmal merkte, wie erschöpft er war. Er stand auf und zog den Reißverschluss seiner Jacke zu. „Okay. Ich fahre jetzt nach Hause, um mal nach dem Rechten zu sehen und mich zu duschen. Aber wenn du mich brauchst, ich bin im Krankenhaus.“

„Du warst schon immer ein Sturkopf.“

„Das musste ich sein.“ Dylan ging zur Tür. „Danke für alles. Ich halte dich auf dem Laufenden.“

Als er das Haus verließ, sah er Bilder von Julia vor sich. Wie glücklich sie gewesen war, als sie zu ihm gekommen war, um mit ihm zusammenzuleben. Wie sie für ihn gekocht hatte oder an ihrem Bleistift kaute, wenn sie über ihren Matheaufgaben saß. Dieses Mal war Dylan nicht über Weihnachten nach Hause gekommen, sondern hatte geplant, sich zur Geburt seines Neffen einige Zeit freizunehmen.

Dylans Augen brannten. Er stieg in den Wagen, und trotz seiner Sorge um Timmy dachte er plötzlich an Shayes Gesicht, als sie zu den Schneeflocken hochgeblickt hatte. Entschlossen verbannte er das Bild.

Sie ist bloß eine Frau wie jede andere.

Doch dann erinnerte er sich daran, wie sehr seine Schwester Shaye gemocht hatte, und daran, dass sie beschlossen hatte, ihr Kind ihrer Freundin anzuvertrauen.

Ein Aufruhr der Gefühle tobte in ihm, und Dylan wusste, dass die nächsten paar Tage darüber entschieden, ob er in Wild Horse Junction bleiben oder zu dem Leben zurückkehren sollte, das er liebte.

2. KAPITEL

Dylan trug die letzten Gepäckstücke in seine Wohnung, die er seit sechs Monaten nicht mehr betreten hatte. Sie lag im oberen Stockwerk eines weitläufigen alten Farmhauses am Stadtrand. Der pensionierte Farmer, der unten wohnte, kümmerte sich um die Wohnung, wenn Dylan unterwegs war, und schickte einmal im Monat jemanden zum Saubermachen hinauf. Bisher hatte die Wohnung für Dylan immer ihren Zweck erfüllt. Nun jedoch fühlte er sich von den vielen Erinnerungen an Julia und ihre gemeinsamen Jahre bedrängt.

Die Einrichtung war einfach und funktional, und abgesehen von dem bequemen Sofa hatte er nach Julias Auszug kaum etwas verändert. Ihr früheres Zimmer war jetzt voll von Aktenschränken, in denen er Dias und Negative aufbewahrte. Überall standen Kartons mit fotografischer Ausrüstung herum. Und das dritte Zimmer war hochwertigen technischen Geräten vorbehalten – Computer, Scanner, zwei Drucker sowie ein Faxgerät. Julia hatte oft lächelnd den Kopf geschüttelt und ihrem Bruder gesagt, er solle sich lieber anständige Gardinen anschaffen, anstatt seinen Computer aufzurüsten. Ohne Erfolg.

Die Atmosphäre dieses leeren, unbewohnten Apartments machte ihm zu schaffen, obwohl es ihn sonst nie gestört hatte. Vielleicht, weil ich Julia verloren habe und sie nie wieder vorbeikommen wird, um mit mir zu reden, während ich arbeite? fragte er sich. Weil sie nie wieder ein neues Rezept an mir ausprobieren wird? Nie wieder …

Seine Brust zog sich zusammen, und er konnte kaum atmen.

Nachdem er die Heizung aufgedreht hatte, zog Dylan seine Sachen aus und stellte sich unter die Dusche. Der wohltuende heiße Wasserstrahl half ihm dabei, die schmerzlichen Bilder zu verdrängen.

Gerade hatte er saubere Jeans und ein hellbraunes Flanellhemd angezogen, da klingelte sein Handy. Hastig griff er danach.

„Mr Malloy? Hier ist Dr. Carrera.“

Dylans Herz fing an zu hämmern. „Ja, Doktor?“

„Welche Blutgruppe haben Sie?“

„AB positiv.“

„Gut. Timmy ist anämisch, und wir glauben, dass eine Bluttransfusion ihm helfen wird. Glücklicherweise hat auch er AB positiv. Wären Sie bereit, Blut zu spenden?“

„Selbstverständlich! Ich bin in fünf Minuten bei Ihnen.“

„Fahren Sie vorsichtig. Die Straßen sind glatt, und wir wollen keine weiteren Unfälle riskieren.“

„Ist Miss Bartholomew noch da?“

„Ja. Sie wollte ebenfalls spenden, aber ihre Blutgruppe passt nicht.“

Innerhalb kürzester Zeit war Dylan in der Notaufnahme, wo er von Dr. Carrera in Empfang genommen wurde.

Eine halbe Stunde später steckte Shaye den Kopf in die Kabine. „Wie geht es Ihnen?“

„Gut. Das Schlimmste an der ganzen Sache sind die vielen Papiere, die man unterschreiben muss“, scherzte er. „Das ist umständlicher, als ein Visum zu beantragen.“

Achselzuckend kam sie herein. „Das kann ich nicht beurteilen. Ich war noch nie außerhalb der USA.“

Dylan rollte seinen Ärmel herunter und knöpfte die Manschette zu. „Haben Sie eigentlich nie Lust gehabt, sich den Rest der Welt anzusehen?“

„Eigentlich nicht. Ich war mal auf einem Kongress in New York und fand es schrecklich. Viel zu viel Trubel und Hektik. Ich bin auch schon in Kalifornien gewesen, das hat mir schon eher gefallen. Da gibt es einige schöne Gegenden. Aber ich liebe die Berge, die Prärie und die heißen Quellen, die Kakteen und den wilden Salbei. Ich liebe die altmodische Atmosphäre dieser Stadt und ihre Geschichte.“ Wieder zuckte sie die Achseln. „Ich bin glücklich hier.“

Dylan registrierte die Haarsträhne, die ihre Wange streifte, ebenso wie ihre schönen Augen. „Wahrscheinlich ist das der Unterschied zwischen uns. Richtig glücklich war ich hier nie. Ich wollte immer mehr. Ich wollte frei sein, irgendwo bleiben, wo es mir gefiel, und dann wieder weiterziehen.“

„Wie die wilden Mustangs“, meinte sie.

Eine Krankenschwester kam herein und brachte Dylan ein Glas Saft. Durstig leerte er das Glas und gab es ihr dankend zurück.

Nachdem sie gegangen war, sagte Shaye: „Julia hatte kein Bedürfnis nach Wanderschaft. Vielleicht sind Frauen so. Ich kenne auch andere Männer, die offenbar immer auf der Suche nach irgendetwas sind.“

„Ich glaube nicht, dass der Wunsch nach Freiraum und die Lust am Reisen etwas damit zu tun hat, ob man ein Mann oder eine Frau ist“, widersprach er.

Als er von der Liege aufstand, fühlte er sich erschöpft. Sofort war Shaye bei ihm. „Sie sehen mitgenommen aus. Ist alles in Ordnung?“

„Ich bin nur müde. Ich werde mich auf das Sofa oben im Wartezimmer legen.“

Mit ihren sanften goldbraunen Augen betrachtete sie ihn prüfend. „Wann haben Sie zuletzt etwas gegessen?“

Bevor er antworten konnte, erschien ein hochgewachsener, bärtiger Mann an der Kabinentür. „Dasselbe könnte ich dich fragen.“

Shaye drehte sich um. „Randall! Was machst du hier?“

„Barb schickt mich. Sie hat gesagt, ich soll dich zu uns mitschleppen, damit du mal wieder etwas Anständiges zu essen kriegst. Wieso bist du eigentlich hier unten?“

Der ältere von Shayes beiden Brüdern sah aus, als würde er in einem Holzfällercamp arbeiten. Aber er war Röntgentechniker und hatte offenbar gerade Feierabend.

Shaye wandte sich an Dylan. „Das ist mein Bruder Randall. Randall, dies ist Julias Bruder Dylan Malloy. Er hat gerade für Timmy Blut gespendet.“

Nachdem Randall ihm sein Beileid ausgesprochen hatte, musterte er Dylan nachdenklich. „Sie wirken tatsächlich ein bisschen blass um die Nase. Warum kommen Sie nicht einfach mit uns? Meine Frau hat immer genug Vorräte im Kühlschrank.“

„Ich hole mir etwas in der Cafeteria“, wehrte Dylan ab.

„Die ist geschlossen“, erklärte Shaye. „Kommen Sie doch mit. Wir müssen ja nicht lange wegbleiben. Wenn Sie etwas gegessen haben, wird es Ihnen gleich besser gehen.“

Er überlegte. „Aber vorher will ich noch mit Dr. Carrera sprechen.“

„Einverstanden. Randall, wenn du nicht warten möchtest, können wir nachkommen.“

„Nein, ich möchte auch wissen, wie es Timmy geht. Ich warte und fahre euch nachher wieder zurück.“

Kurz darauf saß Dylan am Küchentisch der Bartholomews und ließ sich Rippchen mit Petersilienkartoffeln und grünen Bohnen schmecken. Nach einer Weile standen Randall und Barb auf, um ihre beiden Kinder ins Bett zu bringen.

Randall zeigte auf einen Teller mit Brownies auf der Küchentheke. „Bedient euch“, meinte er augenzwinkernd, bevor er seiner Frau folgte.

Zwischen Shaye und Dylan entstand nun ein unbehagliches Schweigen.

Nachdem Dylan seine Kartoffeln aufgegessen hatte, blickte er auf. „Randall hat mir erzählt, dass er Röntgentechniker ist.“

„Ja, er wollte im medizinischen Bereich arbeiten, aber nicht Arzt werden wie unser Vater.“ Shaye legte ihre Gabel beiseite.

„Arbeitet Barb auch?“

„Nein, sie ist zu Hause. Und sie hat angeboten, auf Timmy aufzupassen, wenn er aus dem Krankenhaus kommt und ich wieder zu arbeiten anfange.“

„Sie haben also schon feste Pläne.“

„Ich glaube einfach fest daran, dass alles gut wird. Ich weiß nicht, wie lange Timmy im Krankenhaus bleiben muss. Sobald er nach Hause kommt, nehme ich mir einige Monate frei und reduziere meine Arbeitszeit danach auf dreißig Stunden die Woche.“

„Timmy wird alles von Julia und Will erben“, bemerkte Dylan.

„Ja, aber das wird alles auf ein Ausbildungskonto gehen. Ich werde es nicht anrühren.“

„Ist Wills Mutter bei Timmy im Krankenhaus gewesen? Ich weiß, dass sie an Arthritis leidet.“

„Sie war heute Vormittag da, aber es tut ihr weh, weil er sie an alles erinnert, was sie verloren hat. Sie wird gleich nach der Trauerfeier nach Nebraska zurückfahren. Ich habe ihr versprochen, sie oft anzurufen und ihr zu berichten, wie es Timmy geht.“

Dylan zögerte. „Ich weiß nicht, ob ich es zulassen soll, dass Sie diese Aufgabe übernehmen. Ich bin Timmys Onkel, und eigentlich müsste ich die Verantwortung für ihn tragen.“

Shaye wurde blass. „Ein Kind ist mehr als bloß eine Verantwortung, und ich denke, Julia war sich dessen bewusst. Sie wusste auch, dass ich Kinder liebe und mich liebevoll um ihn wie um ein eigenes kümmern würde – und nicht bloß aus Verantwortungsgefühl. Irgendwann werde ich auch die Adoption beantragen, aber erst, wenn Timmy gesund und alles in Ordnung ist. Ich will seine Mutter sein.“

Noch etwas beschäftigte Dylan. „Sind Sie mit irgendjemandem zusammen?“ Eine schöne Frau wie Shaye saß abends sicherlich nicht allein zu Hause.

„Nein“, erwiderte sie. „Ich kann Timmy also meine gesamte Zeit und Aufmerksamkeit widmen. Darüber brauchen Sie sich keine Gedanken zu machen.“

„Aber Sie gehen doch bestimmt öfters aus.“

„Kaum. Meine Arbeit nimmt mich sehr in Anspruch. Und am Wochenende treffe ich mich mit Freunden oder mit meiner Familie. Ich brauche keinen Mann in meinem Leben.“

Brauchen Sie keinen, oder wollen Sie keinen?“, fragte er interessiert.

Shaye schob ihren Teller zurück und kreuzte die Arme vor sich auf dem Tisch. „Sie reden um den heißen Brei herum. Was genau wollen Sie wissen?“

Dylan lächelte unwillkürlich. Ihre direkte Art gefiel ihm. „Ich frage mich, ob Sie vielleicht eine schlechte Erfahrung gemacht und sich deshalb Ihr Leben auf diese Weise eingerichtet haben.“

Sie strich sich eine seidige Haarsträhne hinters Ohr, die sich über ihrer Schulter kringelte. „Auf dem College war ich mal mit einem Mann zusammen, aber es hat nicht funktioniert. Er war Gastdozent, Archäologe.“

„Er wollte, dass Sie Wild Horse Junction verlassen, aber Sie sind lieber hier geblieben“, hakte Dylan behutsam nach.

„Nicht ganz. Ich habe ihn geliebt und glaubte, wir würden uns gemeinsam etwas aufbauen. Wenn er mich darum gebeten hätte, wäre ich mit ihm gegangen. Aber er hat mich nicht gefragt. Er bekam ein Forschungsstipendium für eine Ausgrabung in Indien und hat nicht einmal daran gedacht, mich mitzunehmen.“

„Vielleicht hat er nicht gefragt, weil er ahnte, dass Sie dort nicht glücklich sein würden.“

„Ich hatte nie die Chance, das herauszufinden. Offensichtlich waren seine Gefühle für mich nicht so stark wie umgekehrt.“ Obwohl Shaye ihre Geschichte nüchtern erzählte, spürte Dylan, dass sie die Erinnerung noch immer schmerzte. „Und wie steht’s bei Ihnen?“, fragte sie.

„Mein Leben bietet sich nicht gerade für eine ernsthafte Beziehung an.“

„Aber für eine weniger ernsthafte schon?“

Die leise Missbilligung in ihrem Tonfall entging ihm nicht. „Selbst ein Weltenbummler braucht doch gelegentlich Gesellschaft.“

Nervös spielte Shaye mit ihrem Besteck herum, stand dann auf, holte den Teller mit den Brownies und stellte ihn vor Dylan hin.

„Kein Interesse?“, meinte er belustigt.

„Ich gebe meiner Lust auf Schokolade selten nach, weil ich weiß, dass sie süchtig macht.“

„Ich bewundere Ihre Willenskraft.“

„Mit Willenskraft hat das nichts zu tun.“ Sie lachte. „Ich bin eben eitel.“

„Das bezweifle ich.“

Erstaunt sah sie ihn an. „Warum?“

„Weil nur selbstsüchtige Leute eitel sind, und Sie sind nicht selbstsüchtig.“

Shaye wurde rot und begann, den Tisch abzuräumen. „Wir sollten wieder zu Timmy zurück. Ich möchte nicht allzu lange weg sein.“

„Ich auch nicht.“ Timmy war die einzige Verbindung zu Julia, die Dylan noch geblieben war. Ein Teil seiner Schwester, an dem er sich festhalten konnte.

Shaye drehte sich zu ihm um, und ihre Blicke trafen sich. Seine körperliche Reaktion war so intensiv, dass Dylan sein Brownie wieder auf den Teller zurücklegte. Anscheinend führte der Schmerz über Julias Tod dazu, dass er sich heftig von Shaye angezogen fühlte.

Er senkte den Blick und brummte: „Ich glaube, ich lasse den Nachtisch auch ausfallen.“

Im Krankenhaus ging zuerst Shaye zu Timmy hinein, dann folgte Dylan. Nachdem die Besuchszeit abgelaufen war, kehrte er ins Wartezimmer zurück. Shaye war nicht dort, obwohl ihr Parka an der Garderobe hing. Dylan trat ans Fenster und blickte hinunter auf die erleuchtete Straße. In diesem Augenblick kam Shaye mit einem Arm voller Kissen und Decken herein.

„Ich dachte, wir könnten die gebrauchen.“

Das seidige braune Haar fiel ihr ins Gesicht, und Dylan betrachtete ihre bernsteinfarbenen Augen. Wenn er ihr nahe genug war, konnte er die einzigen Sommersprossen auf ihren Wangen erkennen. Sie benutzte kein Make-up, und er mochte diesen natürlichen Look. Als sie nun den Raum durchquerte, musterte er anerkennend ihre schlanke Figur.

Im Wartezimmer gab es ein langes Sofa und mehrere Stühle.

„Ich schiebe zwei Stühle zusammen“, meinte er und nahm ihr ein Kissen und eine Decke ab.

„So können Sie doch nicht schlafen.“

„Ich habe schon Schlimmeres erlebt. Vergessen Sie nicht, ich bin an ein Zelt gewöhnt.“

„Ob Sie es nun zugeben oder nicht, Sie sind todmüde“, wandte Shaye ein. „Und mir geht es auch nicht viel anders.“ Sie warf einen Blick auf das Sofa. „Wir teilen uns das Sofa. Es ist so lang, dass wir uns sogar beide darauf ausstrecken können.“

„Wir können es ja versuchen“, sagte er zweifelnd. „Aber Sie könnten auch nach Hause fahren und sich richtig ausschlafen. Ich rufe Sie an, sobald etwas passiert.“

„Oder Sie könnten nach Hause fahren, und ich rufe Sie an.“

Es war klar, dass Shaye nicht darauf eingehen würde.

„Na schön, dann also das Sofa.“ Dylan ging hin und schüttelte seine Decke aus.

Shaye setzte sich an das eine Ende und sah ihn fragend an.

„Sie können Ihre Beine nach innen legen“, schlug er vor.

Sie legte ihr Kissen auf der Armlehne zurecht und streckte dann die Beine entlang der Rückenlehne aus. „Gut, dass es so breit ist.“

Sobald Dylan sich ebenfalls hingelegt hatte, kreuzte er die Beine, um weniger Platz zu beanspruchen. Shaye war klein, und er war lang. Irgendwie schienen sie wie zwei Puzzleteilchen zusammenzupassen. Da ihre Beine sich berührten, konnte er nicht anders, als sich vorzustellen, wie glatt und zart ihre Haut wohl wäre.

Um seine Erregung zu verbergen, breitete er schnell die Decke über sie beide aus. Ich war einfach schon zu lange nicht mehr mit einer Frau zusammen, dachte er. Das ist alles. Doch während er so dalag, nahm er ein süßes, nach Rosen duftendes Parfum wahr, das ihn ebenso erregte wie die Berührung ihrer Körper.

„Sie sagten, Sie haben noch einen anderen Bruder“, brach er schließlich das Schweigen. „Was macht der denn?“

„John ist der Inhaber der Tierfutterhandlung.“

„Ist er auch verheiratet?“

„Nein.“

Dylan dachte an das Essen vorhin. „Sie können gut mit Randalls Kindern umgehen. Man merkt, dass sie sich freuen, wenn Sie kommen.“

„Ich verbringe fast jeden Sonntagabend mit ihnen.“

„Wie haben Sie es eigentlich geschafft, in einem Haus voller Männer zu überleben?“, erkundigte er sich plötzlich.

Shaye lachte. „Das war nicht leicht. Ich habe mich oft wie auf einem fremden Planeten gefühlt. Aber ich habe zwei sehr gute Freundinnen. Wir kennen uns schon seit der Grundschule. Sie waren sozusagen meine Schwestern, und mit ihnen habe ich viele Mädchensachen gemacht.“

„Und Sie sind immer noch miteinander befreundet?“

„Ich wüsste nicht, was ich ohne sie täte. Gwen, Kylie und ich haben schon eine Menge zusammen durchgestanden. Wir sind immer füreinander da gewesen.“

Dylan hatte zwar auch Freunde, aber sie waren Kollegen, und an keinen von ihnen hätte er sich mit seinen Problemen gewandt.

Morgen musste er die Trauerfeier organisieren und sich deshalb mit Will Graysons Mutter in Verbindung setzen. Nach einem Moment der Stille fragte er Shaye: „War Julia glücklich?“

Ihre Stimme war sanft. „Ja, das war sie. Haben Sie das nicht gemerkt?“

„In den beiden letzten Jahren war ich nicht sicher, ob sie nicht nur ein fröhliches Gesicht aufgesetzt hat, wenn ich in der Stadt war. In ihren E-Mails machte sie einen glücklichen Eindruck. Sie hat mir alles erzählt, was sie und Will zusammen unternommen haben. War das echt, oder hat sie mir nur etwas vorgemacht?“

„Es war echt. Sie und Will waren gern zusammen, und ich habe sie nur selten getrennt gesehen. Als Will von ihrer Schwangerschaft erfuhr, hat er Luftballons und einen Riesen-Teddybär mit nach Hause gebracht. Die beiden sind sehr glücklich miteinander gewesen, Dylan.“

Er fürchtete die vor ihm liegende Woche. „Ich muss ihre Sachen durchsehen.“

„Ja. Aber vielleicht ist es einfacher, sie erst einmal irgendwo einzulagern und ein paar Monate zu warten, bevor Sie das tun. Nach dem Tod meiner Mutter hat mein Vater ihre Sachen monatelang nicht angerührt. Dann, nach und nach, sahen meine Brüder und ich, wie erst ein Karton zur Kleidersammlung ging … und ein paar Wochen später der nächste. Jeder hat seine eigene Weise, mit der Trauer umzugehen.“

Dylan dachte an die Nächte bei seiner Pflegefamilie nach dem Tod seiner Eltern. Er war nicht imstande gewesen zu weinen, doch seine Augen brannten, und sein ganzer Körper fühlte sich unendlich schwer an. Nach einigen Tagen, in denen er sich wie ein Zombie vorkam, hatte er angefangen, einen Plan zu entwerfen, um seine Schwester wiederzusehen und für sie beide eine Existenz aufzubauen. Er war schon immer ein Mann der Tat gewesen, und so war es jetzt für ihn besonders schlimm, Timmy auf der Neugeborenen-Intensivstation zu sehen. Denn er konnte absolut nichts für den Kleinen tun.

Shaye bewegte sich und berührte dabei mit der Hüfte sein Bein. „Sorry“, murmelte sie.

„Kein Problem“, antwortete er und schloss die Augen.

Sechs Stunden später erwachte Dylan aus einem tiefen, traumlosen Schlaf. Durch das Fenster sah er den ersten kleinen Lichtschimmer am grauen Himmel.

Sein Blick fiel auf Shaye, die mit dem Gesicht zur Rückenlehne des Sofas lag, das Haar auf dem Kissen ausgebreitet. Unwillkürlich durchzuckte Dylan das Verlangen, es zu berühren. Um diesen Impuls zu unterdrücken, setzte er vorsichtig die Füße auf den Boden.

Da erwachte auch Shaye und richtete sich auf.

„Ich wollte Sie nicht wecken.“ Dylan sah auf seine Uhr. „Ich werde mal eine der Schwestern fragen, wie es Timmy geht.“

„Sie hätten uns Bescheid gesagt, falls eine Veränderung eingetreten wäre.“

Shaye fuhr sich durch die Haare und schwang ebenfalls die Beine vom Sofa. Sie war ihm so nahe, dass ihre Knie sich berührten. „Ich sehe bestimmt furchtbar aus.“

„Sie sehen gut aus.“ Sehr gut sogar. Dylan hatte auch schon früher den Wunsch gehabt, die eine oder andere Frau zu küssen, aber noch nie so drängend und sehnsüchtig.

Er rieb sich über die Bartstoppeln. „Ich muss mich rasieren.“

„Sie haben sich doch erst gestern Abend rasiert“, gab Shaye nun zurück.

„Tja, wenn ich mir einen Bart stehen ließe, wäre mein Leben sehr viel einfacher.“

„Haben Sie jemals einen Bart getragen?“

„Manchmal, wenn ich auf einer Kameratour bin.“

Irgendwie hatte er das Gefühl, dass sie ihn berühren wollte, genauso wie er sie. Ob er es herausfinden sollte? Wenn ich meiner Neugier nachgebe, fühle ich mich vielleicht nicht mehr ganz so stark von ihr angezogen, dachte er. „Nehmen Sie ein Parfum?“, fragte er leise.

Sie sah ihn an und schüttelte den Kopf. „Nur Lotion und Puder. Es heißt Rose Glory.“

Auf einmal legte Dylan eine Hand auf ihre Schulter, und als er den Kopf zu ihr neigte, hob Shaye das Gesicht. Es gab eine Verbindung zwischen ihnen, die mit Julia und Timmy und allem zu tun hatte, was sie beide verloren hatten. Aber da war auch noch etwas anderes … Eine elektrisierende Spannung, die zwischen ihnen vibrierte, als Dylan sich ihrem Mund näherte. Als er die Sehnsucht in ihren großen Augen las und ihm bewusst wurde, was es bedeutete, eine Frau wie Shaye zu küssen.

Eine Frau wie sie … Ich muss verrückt sein!

Er ließ die Hand sinken und hob den Kopf. „Wir sollten nichts anfangen, was wir nicht zu Ende führen können.“

Verblüfft brauchte sie einen Moment, um zu begreifen, was er damit sagen wollte. Dann blinzelte sie und stand auf. „Es gibt nichts anzufangen oder zu Ende zu führen. Ich werde jetzt mal nachsehen, ob Timmys Arzt schon da ist.“ Damit eilte sie hinaus.

Dylan beschloss, ihr nicht zu folgen, sondern sich stattdessen einen starken schwarzen Kaffee zu besorgen, um für alles Weitere gewappnet zu sein.

Als Dylan am Samstagmorgen auf die Kinderstation kam, schlug Shayes Herz plötzlich schneller. Er war heute etwas später dran als sonst.

„Wie geht es ihm?“, erkundigte er sich.

„Dr. Carrera scheint mit den Laborergebnissen zufrieden zu sein.“

Sein schwarzer Rollkragenpullover, die schwarzen Jeans und Stiefel bildeten einen starken Kontrast zu dem allgegenwärtigen Weiß im Krankenhaus. Dylan stellte sich ans Fußende des Bettes. Die vergangene Woche war nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Die Fältchen um seine Augen und seinen Mund hatten sich tiefer eingegraben.

Seit er versucht hatte, Shaye zu küssen, waren sie einander aus dem Weg gegangen. Und vor allem hatten sie keine Nacht mehr im selben Raum verbracht.

Gestern, bei der Trauerfeier für Julia und Will, war Shaye voller Mitgefühl für ihn gewesen. Sie hatte gesehen, wie er sich von Wills Mutter verabschiedete, die noch am gleichen Abend nach Nebraska zurückkehrte. Dylan hatte stoisch gewirkt, doch Shaye wusste, dass ihn innerlich der Schmerz zerriss, weil es ihr genauso erging.

Sie stand auf, doch bevor sie sich abwenden konnte, hielt Dylan sie zurück. „Sie brauchen nicht zu gehen.“

Es war, als berührte er sie mit glühenden Fingern, was sie selbst durch ihre Bluse hindurch spürte, und sie erschrak. Sie konnte sich unmöglich mit einem Mann wie ihm einlassen – einem Mann, der den einen Tag hier war und am nächsten schon wieder fort. Dennoch blieb sie stehen.

„Ich habe heute Morgen Julias Asche verstreut.“ Die Qual spiegelte sich in seinen Augen.

„Wo?“, fragte Shaye behutsam.

„Sie hatte einen Lieblingsplatz am Bear Ridge, ungefähr eine Meile außerhalb der Stadt. Wir sind dort gewandert, haben Picknicks gemacht oder auch nur gesessen und geredet. Dort hat sie mir auch erzählt, dass sie schwanger ist.“ Er schob die Hände in die Hosentaschen. „Ich konnte die Asche nicht einfach in ein Grab tun. Ich wollte, dass sie an einem Ort ist, den sie geliebt hat. Verstehen Sie?“

Shaye wurde die Brust so eng, dass sie kaum Luft bekam. „Ja, das verstehe ich sehr gut.“ Diesmal berührte sie seinen Arm. „Es war sicher schwer für Sie.“

Dylan sah weg und schluckte.

Da kam Dr. Carrera mit Timmys Unterlagen herein und überprüfte die Monitore. „Ich habe gute Neuigkeiten. Wir werden Timmy vom Beatmungsgerät nehmen, aber dazu möchte ich, dass Sie beide hinausgehen. Ich sage Ihnen Bescheid, wenn Sie wieder reinkommen können.“ Lächelnd meinte er: „Gehen Sie frühstücken.“

„Ein Kaffee wäre jetzt nicht schlecht“, stimmte Dylan zu und blickte besorgt zu seinem Neffen hinunter, ehe er auf den Flur hinausging.