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STAR TREK

THE NEXT GENERATION ®

MEHR ALS
DIE SUMME

CHRISTOPHER L. BENNETT

Based on
Star Trek: The Next Generation
created by Gene Roddenberry

Ins Deutsche übertragen von
Bernd Perplies

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Die deutsche Ausgabe von STAR TREK – THE NEXT GENERATION: MEHR ALS DIE SUMME wird herausgegeben von Amigo Grafik, Teinacher Straße 72, 71634 Ludwigsburg. Herausgeber: Andreas Mergenthaler und Hardy Hellstem, Übersetzung: Bernd Perplies; verantwortlicher Redakteur und Lektorat: Markus Rohde; Lektorat: Anika Klüver und Gisela Schell; redaktionelle Mitarbeit: Julian Wangler; Satz: Rowan Rüster/Amigo Grafik; Cover Artwork: Mojo.

Titel der Originalausgabe: STAR TREK – THE NEXT GENERATION: GREATER THAN THE SUM

German translation copyright © 2010, 2011 by Amigo Grafik GbR.

Original English language edition copyright © 2008 by CBS Studios Inc. All rights reserved.

© 2010 Paramount Pictures Corporation. All Rights Reserved.

This book is published by arrangement with Pocket Books, a Division of Simon & Schuster, Inc., pursuant to an exclusive license from CBS Studios Inc.

Print ISBN 978-3-941248-65-6 (Mai 2010) · E-Book ISBN 978-3-942649-84-1 (November 2011)

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Für die Drachen

HISTORISCHE ANMERKUNG

Die Hauptereignisse dieses Buchs finden im September 2380 statt, über drei Monate nach der fehlgeschlagenen Untersuchung des nur dem Anschein nach toten Borg-Kubus durch das Raumschiff Einstein. Die daraus resultierende Assimilierung der Besatzung der Einstein und der Angriff auf die Erde haben die Föderation in ihren Grundfesten erschüttert (STAR TREK – THE NEXT GENERATION »Heldentod«). Die Ereignisse enden Anfang Januar 2381.

PROLOG

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U.S.S. Rhea

Sternhaufen NGC 6281

Sternzeit 57717

»Sind wir schon da?«

Die Frage ließ Lieutenant Commander Dawn Blair mit den Augen rollen. »Werden Sie mir diese Frage jetzt den ganzen Morgen stellen, Trys?«

»Zumindest, bis wir da sind«, erwiderte T’Ryssa Chen und strich sich den zerzausten Pony aus den Augen. Die Geste enthüllte kurz eines der elegant geschwungenen, oben spitz zulaufenden Ohren, die sie normalerweise unter ihrem schulterlangen schwarzen Haar verborgen hielt.

»Sie zielen doch nur darauf ab, mir dermaßen auf die Nerven zu fallen, dass ich Sie ins Außenteam stecke«, sagte Blair.

»Und? Klappt es?«

»Hm ... nein.«

»Ach, kommen Sie schon, Dawn!«, jammerte T’Ryssa. »Ein ganzer Sternhaufen voller Kohlenstoffplaneten, und Sie erwarten von mir, dass ich hier sitze und mich einer langweiligen alten Konsole widme?«

»Nun, es könnte helfen, wenn Sie sich daran erinnern würden, mich ‚Commander‘ zu nennen, während wir im Dienst sind, Lieutenant

T’Ryssas schräge Augenbrauen verzogen sich auf eine Weise, die Blair noch immer leicht irritierend fand. Sie wusste, dass die jüngere Frau von ihrer menschlichen Mutter großgezogen worden war und ihren vulkanischen Vater kaum gekannt hatte. Dennoch war es schwer, die Vorstellungen abzuschütteln, die man von Vulkaniern und dem ihnen eigenen Verhalten gemeinhin hatte. Was vielleicht der Grund war, weshalb T’Ryssa so energisch gegen eben jene Vorstellungen verstieß. »Stimmt, das vergesse ich immer wieder.«

»Absichtlich. Sie müssen immer so eine Nonkonformistin sein, Trys! Genau das ist der Grund, weshalb Sie mit sechsundzwanzig immer noch Lieutenant Junior Grade sind.«

»Ich muss es nicht«, gab T’Ryssa geziert zurück. »Ich bin nur ziemlich gut darin. Man soll auf seine Stärken bauen, wissen Sie?« Doch dann wurde sie ernst – oder zumindest so ernst, wie es ihr möglich war. »Und ich bin nicht sehr gut darin, in einem Kabuff herumzusitzen, weswegen Sie mich nach unten gehen und ein bisschen Wissenschaft betreiben lassen sollten! Wenn wir da sind«, fügte sie hinzu. »Kommen Sie schon, Daw... Commander Dawn, Sir, Ma’am ...« Der vernichtende Blick des Wissenschaftsoffiziers ließ sie noch einmal anders anfangen. »Ich meine, das hier ist doch ein Schiff der Luna-Klasse, oder nicht? Alles dreht sich um Vielfalt in der Besatzung und interkulturelle Synergien und das Erforschen neuer Denkansätze. Was, kurz gesagt, bedeutet, dass wir ein ganzes Schiff voller Nonkonformisten sind – und stolz darauf! Nonkonformieren ... ität ... ismus ... ist hier unsere Methode, unsere Arbeit zu machen, oder nicht?« T’Ryssa ging auf die Knie und legte flehend die Hände zusammen. »Bitteeee!« Und sie klimperte tatsächlich mit den Augenlidern.

Blair seufzte, denn sie wusste, dass T’Ryssa keine Ruhe geben würde, bis sie ihr nachgegeben hatte. »Na schön! Okay. Janyl kann die Konsole bemannen, Sie können mit dem Außenteam runtergehen. Und jetzt geben Sie endlich Ruhe.«

»Oh, danke, ich danke Ihnen! Habe ich Ihnen schon gesagt, wie sehr mir Ihre Frisur heute gefällt, oh, meine Kommandantin?«

»Treiben Sie es nicht zu weit«, warnte Blair. Sie war sehr empfindlich, was ihr Haar anging, eine widerspenstige Masse zimtbrauner Locken, die sie im Dienst für gewöhnlich in einem Dutt oder einem französischen Zopf zu bändigen versuchte – auch wenn Derek aus der Umwelttechnik behauptete, es sei das Wundervollste, was er jemals zu Gesicht bekommen habe.

Trotzdem konnte sie nicht anders, als über T’Ryssas Possen zu schmunzeln. Blair hatte ein zu weiches Herz, um die Zügel der jungen Frau so straff zu halten, wie es eigentlich nötig gewesen wäre. Auf lange Sicht mochte das T’Ryssa möglicherweise zum Nachteil gereichen. Aber vielleicht half es ihren Karriereaussichten ja, wenn sie sie auf diese Außenmission gehen ließ. Die Halbvulkanierin mochte nicht besonders gut darin sein, Sternenflottendisziplin an den Tag zu legen oder die Befehlskette zu respektieren, aber sie war eine fähige Wissenschaftlerin mit einem natürlichen Talent dafür, das Verhalten fremder Lebewesen, ganz gleich ob intelligent oder nicht, zu begreifen. Wenn die ungewöhnlichen Biosignaturen, die von den Kohlenstoffplaneten des Sternhaufens NGC 6281 ausgingen, korrekt waren und dort tatsächlich höher entwickeltes Leben zu finden war, würde sie in der Tat hilfreich sein. »Trotzdem«, fuhr Blair fort, »müssen wir erst einmal dort ankommen.«

T’Ryssa verzog das Gesicht. »Ich bin es dermaßen leid. Wir treffen auf eine Zone veränderten Subraums, wir werden aus dem Warp geschleudert, wir verbringen fünf Stunden damit, den Warpantrieb anzupassen, dann fliegen wir vier Stunden, bevor sich die Struktur des Subraums ändert und wir wieder aus dem Warp fallen. Ich schwöre, ich werde langsam reisekrank. Sind wir eigentlich schon einen Schritt weiter darin, ein Muster hinter diesen Störungen auszumachen?«

Blair schüttelte den Kopf. »Wir wissen nur, dass sie mit den Energieemissionen von den Kohlenstoffplaneten in Verbindung zu stehen scheinen. Und dass diese Emissionen wohl aus dem Inneren der Planeten stammen, statt ihren Ursprung im Umfeld der Biosignaturen zu haben.«

»Was ist mit den Kosmozoen?«

»Wir haben keinerlei Bestätigung dafür, dass deren Energiemesswerte damit in Zusammenhang stehen. Es könnte sich um von den Subraumstörungen ausgelöste Interferenzen handeln.«

T’Ryssa seufzte, und Blair teilte ihre Enttäuschung. Im Weltraum existierende Lebensformen neigten dazu, Sternentstehungsregionen zu bewohnen, wie ihr Schwesterschiff Titan noch vor einem halben Jahr bestätigt hatte. Die offenen Sternhaufen, die die Rhea im Augenblick erforschte, lagen zwischen dem Orion- und dem Sagittarius-Carina-Arm der Milchstraße, also abseits der Sternentstehungsregionen, aus denen diese Arme bestanden. Sie waren noch ziemlich jung (offene Sternhaufen wurden generell nicht alt, denn früher oder später wurden ihre Bestandteile durch Zusammenstöße mit anderen Sternhaufen oder Gaswolken zerstreut).

NGC 6281 selbst, eine Gruppe von etwa hundert jungen Sternen, die sich über ein Raumvolumen von kaum fünfzehn Lichtjahren im Durchmesser erstreckte, war weniger als eine Viertelmilliarde Jahre alt und wies noch immer schwache Überreste des Nebels auf, aus dem sie sich gebildet hatte. Daher war es nicht völlig überraschend, hier Organismen vorzufinden, die im Raum lebten. Doch die Kosmozoen, die sie in diesem Sternhaufen entdeckt hatten, waren so seltsam, wie der Raum, den sie bewohnten. Von ihnen gingen anomale Energiemesswerte und Biosignaturen aus, und sie schienen unvorhersehbar auf den Sensoren aufzutauchen und wieder von ihnen zu verschwinden. Vielleicht ließ sich mehr herausfinden, wenn sie ihnen ein bisschen näher kamen. Das allerdings würde eine nicht unerhebliche Zeitspanne in Anspruch nehmen, wenn es Blair und Chefingenieur Lorlinna nicht gelang, eine Methode zu entwickeln, den Warpantrieb so einzustellen, dass dieser mit der sich auf unerklärliche Weise verschiebenden Subraumgeometrie des Sternhaufens klarkam. Wenn ihnen hierzu keine Lösung einfiel, würde Captain Bazel eventuell entscheiden, nach der Untersuchung des nächsten Objekts innerhalb des Sternhaufens, NGC 6281-34, umzudrehen und zu einem anderen offenen Sternhaufen weiterzufliegen, nachdem sich die Rhea erst einmal zurück in den normalen Raum gekämpft hatte.

Es hing alles davon ab, was sie auf den Planeten des Systems 34 fanden und ob es aufregend oder geheimnisvoll genug war, um eine Untersuchung einiger weiterer Systeme des Sternhaufens zu rechtfertigen. Doch es würde mindestens noch einen weiteren Tag dauern, bevor sie in besagtem System eintrafen, obwohl sie es unter normalen Umständen binnen weniger Stunden erreicht hätten.

Dawn Blair merkte, dass sie den Unwillen ihrer Freundin teilte, wenn auch nur in Gedanken. Sind wir schon da?

T’Ryssa Chen hasste es, den Transporter zu benutzen. Es war nicht so, dass sie Angst davor gehabt hätte; sie war vielmehr kitzlig, und gebeamt zu werden fühlte sich jedes Mal so an, als würde sie innerlich gekitzelt. Alle Welt versuchte, ihr einzureden, dass sie sich das nur einbildete, dass es beim Beamen keinerlei besondere Sinneseindrücke gab, von einer leicht kribbelnden Taubheit einmal abgesehen, aber sie wusste, was sie spürte. Vielleicht war es ein Nebeneffekt ihres hybriden Nervenkostüms. Vielleicht verspürten alle menschlich-vulkanischen Mischlinge diese Reaktion, waren aber zu diszipliniert, um es zuzugeben. Oder vielleicht hatten die Transportergötter auch nur entschieden, sie im Speziellen zu piesacken. Sie versuchte, das Gefühl abzuschütteln, nachdem sie materialisiert war, eine zuckende Bewegung, als wolle sie Spinnen von ihrem Körper abstreifen, aber der schwere Schutzanzug, den sie trug, behinderte ihre Beweglichkeit.

Nicht, dass sie es bereut hätte, den Anzug in dieser Umgebung zu tragen. NGC 6281-34 III war, wie die meisten planetaren Körper, die die Langstreckensensoren in diesem Sternhaufen entdeckt hatten, ein Kohlenstoffplanet: eine Welt, in dessen mineralischer Zusammensetzung Kohlenstoff das vorherrschende Element darstellte. In kohlenstoffreichen protoplanetaren Scheiben neigten Graphit, Carbide und anderen Kohlenstoffverbindungen dazu, sich schneller zu verdichten als die Silikate, aus denen der Großteil gewöhnlicher Planeten bestand, wodurch Welten mit Eisenkernen, Carbidmänteln und einer Kruste aus Graphit und Diamant entstanden. Die daraus resultierende Oberflächenchemie war sauerstoffarm, mit teerhaltigen Kohlenwasserstoffozeanen und einer Atmosphäre aus Kohlenmonoxid und Methan.

Und es sieht ungefähr so einladend aus, wie es klingt, dachte Trys, als sie sich durch die Sichtscheibe ihres Helmes umblickte. Der felsige Untergrund, auf dem sie stand, war dunkel und bröcklig wie ein kohlenstoffhaltiger Asteroid. In den Senken der Landschaft hatten sich Teergruben gebildet, Schwarz in Graubraun, und am diesigen blaugrünen Himmel hingen schmutzige Wolken aus Graphitstaub.

Während der Erste Offizier Sekmal und der Rest des Außenteams ihre Trikorder zückten, machte T’Ryssa eine Bewegung, als würde sie eine unsichtbare Flagge aufstellen und proklamierte: »Ich nenne diesen Planeten Bleistift!«

Sekmal drehte sich um und warf ihr einen fragenden Blick zu, wobei sich eine seiner Augenbrauen auf diese typische Art hob, die Vulkaniern geradezu explizit anerzogen zu sein schien. »Erklären Sie das.«

»Bleistift. Sie wissen schon. Altertümliches Schreibinstrument? Aus Graphit hergestellt? Woher Graphit auch seinen Namen hat? Weil Leute damit geschrieben haben?«

Sekmal starrte sie einfach nur weiter an.

Trys seufzte. »Vergessen Sie es«, sagte sie und zog ihren Trikorder hervor. Vulkanier. Bei all ihren Behauptungen, keine Gefühle zu haben, waren die Vulkanier an Bord der Rhea doch erstaunlich konsequent in ihrer Verachtung gegenüber Trys, so als würde es ihr genetisches Erbe irgendwie erforderlich machen, dass sie deren kulturellen Standards gerecht würde. Sie hatte die Logik dahinter nie verstanden.

»Ich fand es lustig«, sagte Paul Janis und grinste sie durch seinen Helm an.

Trys schenkte ihm ein schwaches, dankbares Lächeln, auch wenn sie ahnte, dass seine Komplimente vermutlich nur darauf abzielten, sie dazu zu verführen, ein weiteres Mal mit ihm ins Bett zu steigen. Nicht, dass sie etwas dagegen gehabt hätte, zumindest nicht auf einer rein körperlichen Ebene, aber eigentlich bevorzugte sie aufrichtiges Lob und aufrichtige Männer.

»Immerhin sieht es nicht so aus, als würden wir auf dieser Dreckkugel von einem Planeten ansonsten viel Spaß haben«, fuhr Paul fort, »Das ist ja wohl das trostloseste Loch, das ich jemals gesehen habe.«

»Lehnen Sie ihn nicht vorschnell ab«, sagte Thyyshev zh’Skenat, der andorianische Geologe. »Während die Milchstraße altert und Supernovae zunehmend Kohlenstoff in den interstellaren Raum abgeben, wird die Zahl der Kohlenstoffplaneten im Vergleich zu den Sauerstoffplaneten immer weiter zunehmen. In einer Milliarde Jahren oder so könnten alle neuen Planeten Kohlenstoffwelten sein.«

»Danke, Thyyshev. Sie haben mir gerade den Grund gegeben, den ich brauchte, um mich zu freuen, dass ich nicht unsterblich bin.«

»Woher wissen Sie das?«, fragte Trys.

»Was?«

»Dass Sie nicht unsterblich sind? Ich meine, es gibt schließlich nur eine Art, das herauszufinden, oder?«

Paul brauchte einen Moment, um dahinterzukommen. »Oh! Gutes Argument.«

»Auf der anderen Seite«, fuhr Trys fort, als hätte er gar nichts gesagt, »gibt es keine Möglichkeit, zu beweisen, dass jemand tatsächlich unsterblich ist. Nur die Tatsache, dass er bislang noch nicht gestorben ist. Eigentlich also ein ziemlich bedeutungsloser Begriff, wie mir scheint. Vielleicht sollte man sich einen neuen Namen ausdenken, etwas wie ‚sterblich behindert‘.«

Thyyshevs Antennen zuckten unter seinem speziell angefertigten Helm. »Haben Sie nicht irgendetwas zu tun – Ihren Job beispielsweise?«, fragte er.

»Ja, soll schon vorgekommen sein«, erwiderte sie. Aber sie blickte endlich auf ihren Trikorder und schritt langsam von der Gruppe fort. »Ich verstehe trotzdem noch nicht, wie hier irgendwelches Leben entstanden sein könnte. Das System ist nur ein paar hundert Millionen Jahre alt. Wenn diese Planeten nicht aus Carbiden und Graphit bestehen würden, befänden sie sich wahrscheinlich noch im geschmolzenen Zustand.«

»Es sind viele Planeten in jungen Sternsystemen bekannt, die bewohnt sind«, bemerkte Sekmal. »Normalerweise infolge von Terraforming und Kolonisierung. Möglicherweise finden wir hier ebenfalls Spuren intelligenten Lebens.«

»Ich finde hier überhaupt nichts Lebendiges, weder intelligent noch dumm«, erklärte Trys. »Keine Pflanzen, keine Mikroben. Dieser Planet wirkt so brandneu und steril, als käme er direkt aus dem Replikator.«

Es war klar, dass ihr Trikorder genau diesen Augenblick wählte, um ein piependes Geräusch von sich zu geben. »Ah, Ausnahmen bestätigen die Regel. Neue Messwerte von irgendwo jenseits dieser Anhöhe«, sagte sie und deutete mit einem Arm in die entsprechende Richtung. »Keine Ahnung, wo die auf einmal herkamen. Sie befinden sich deutlich innerhalb der Reichweite des Trikorders.«

Der Trikorder gab erneut Laut und wies sie damit auf ein starkes Signal hin, das urplötzlich hinter ihr aufgetaucht war. T’Ryssa drehte sich um ...

... und schrie auf. Die Lebensform stand praktisch unmittelbar vor ihrer Nase. Es war ein seltsam amorphes, fahlgraues Ding, das von der Form her sehr vage an einen Zweibeiner erinnerte, auch wenn es keine deutlich erkennbaren Beine besaß, sondern seine untere Hälfte annähernd kegelförmig war, wie ein langes Kleid oder ein Gewand, das sich am Boden aufwölbte. Aus dem Oberkörper traten ungefähr dort, wo menschliche Arme liegen würden, zwei Auswüchse hervor. Doch dabei handelte es sich um kaum mehr als bewegliche Stängel mit flügelartigen Membranen, die jene mit den Seiten des Rumpfs verbanden. Der Kopf, wenn man ihn so nennen wollte, war groß und ohne Gesichtszüge. Aber das Wesen schien irgendeine Art von Sinnesorganen zu besitzen, denn es reagierte auf T’Ryssas überraschtes Zurückschrecken mit einer gleichartigen Bewegung, wenn auch etwas langsamer und würdevoller.

»Ähm, Commander?«, sagte Paul. Trys blickte sich um und sah, dass weitere dieser Kreaturen neben den anderen Mitgliedern des Außenteams aufgetaucht waren.

»Machen Sie keine plötzlichen Bewegungen«, sagte Sekmal. Er wandte sich dem Geschöpf vor ihm zu, hob die Hand und bot ihm den vulkanischen Gruß – soweit ihm das der Handschuh seines Raumanzugs erlaubte. »Langes Leben und Frieden«, sagte er. »Ich bin Commander Sekmal von der U.S.S. Rhea. Wir repräsentieren die Vereinigte Föderation der Planeten.«

Das Geschöpf hob einen seiner Arme oder Flügel und ahmte die Bewegung nach, allerdings ohne einen Laut von sich zu geben.

»Wir befinden uns auf einer Mission der friedlichen Erforschung. Können Sie mich verstehen?«

Die Kreaturen gaben keine Antwort – nicht ganz überraschend, da sie keine Münder besaßen. Stattdessen fuhren sie schlicht damit fort, die Bewegungen des Außenteams nachzuahmen. »Großartig«, murmelte Trys. »Willkommen auf Pantomimia.«

»Bitte beschränken Sie sich auf konstruktive Bemerkungen, Lieutenant«, wies sie Sekmal zurecht.

Sie schenkte ihm einen finsteren Blick. »Es gibt nicht viel, das ich Ihnen sagen kann, Commander. Die Messwerte dieser ... Pantomimenengel sind abenteuerlich. Ihre molekulare Zusammensetzung ist ... Es handelt sich nicht um normales lebendes Gewebe. Ich bin nicht einmal sicher, ob diese Wesen überhaupt biologischen Ursprungs sind. Sie sind kohlenstoffbasiert, aber sie passen irgendwie nicht zu der Planetenchemie.« Sie trat einen Schritt auf das ihr gegenüber stehende Geschöpf zu und begutachtete neugierig die Stelle, an der eigentlich ein Gesicht hätte sein sollen. »Es werden auch keinerlei Stoffwechselvorgänge angezeigt. Ihre Körpertemperatur entspricht der Umgebung. Und ihre inneren Energiemesswerte ... Ich habe so etwas noch nie gesehen.«

»Ich schon«, sagte Sekmal. »Sie ähneln den Quantenenergieemissionen aus dem Inneren dieses Planeten. In diesem Quantenfeld lassen sich schwache Fluktuationen ablesen, die synchron mit dem Auftauchen und den Handlungen der Geschöpfe auftreten.«

»Hm«, sagte Trys. »Also vielleicht sind sie irgendwie mit ihm verb... He!« Sie hatte sich kurz von dem Pantomimenengel abgewandt und wurde nun davon überrascht, dass dieser auf einmal den Anflug eines Gesichts aufwies. Es handelte sich tatsächlich nur um einen Anflug, ein paar grobe Konturen, die Augen, Nasenöffnungen und einen Mund nachahmten, wenn auch statisch und unbewegt. »Seht ihr Jungs das auch?«

Die anderen bestätigten, dass auch ihre Engel maskenartige Gesichter ausgebildet hatten. Trys wandte sich erneut zu ihrem um, nur um festzustellen, dass sich seine Augen geweitet hatten, so als versuche er, ihre Überraschung nachzuahmen. Dennoch vermochte sie keine offensichtliche Bewegung auf seinen Zügen zu erkennen. Sie versuchte es mit Grimassenschneiden, grinste, zwinkerte ihm zu, streckte ihm die Zunge heraus. Seine eigenen Züge verwandelten sich unter ihrem aufmerksamen Blick auf ungleich subtilere Weise: nicht durch irgendeine Art von Muskelbewegungen, sondern vielmehr, indem ein Ausdruck in den nächsten zerfloss oder indem sich ein einzelnes, winziges Detail veränderte, dem sie mit ihren Augen nicht folgen konnte. Sie fühlte sich an die Masken des japanischen Noh-Theaters erinnert, an die Art, wie sich deren statische Gesichtszüge aufgrund geschickter Schnitzkunst zu verändern schienen, je nachdem, wie die Schauspieler ihren Kopf hielten. »Ich habe mich geirrt«, sagte T’Ryssa staunend. »Es sind keine Pantomimenengel. Es sind Noh-Engel.«

»Was sind das für Biester?«, fragte Paul und senkte damit entschieden seine Chancen, sie jemals wieder unbekleidet zu Gesicht zu bekommen.

Doch seine Frage war nicht ganz unberechtigt. »Was seid ihr?«, flüsterte T’Ryssa ihrem Noh-Engel zu. Er beugte sich nach vorne und schien ihr dieselbe Frage zu stellen.

»Rhea an Außenteam!« Die Dringlichkeit in Captain Bazels Stimme ließ sie aus ihren Träumereien aufschrecken.

»Sekmal hier.«

»Bereiten Sie sich darauf vor, an Bord gebeamt zu werden!«, befahl Bazel. »Ein Schiff ist soeben aus dem Warp gefallen. Die Sensoren sagen, es ist die Einstein.«

Alle erstarrten. Dieser Name war seit dem Borgangriff auf Sektor 001 im letzten Juni geradezu berüchtigt. Das Forschungsschiff war von einem, wie man angenommen hatte, schlafenden, entvölkerten Kubus assimiliert worden und hatte eine Schlüsselrolle in dem sich daran anschließenden Schlag gegen die Erde gespielt.

»Aber die Einstein wurde zerstört«, sagte Paul.

»Man glaubte, sie sei zerstört worden«, verbesserte ihn Bazel. »Diese Annahme war offensichtlich falsch. Sie ist nicht nur vollständig intakt ... sie ist auch gewachsen.«

Captain Bazel starrte mit hervorquellenden Augen auf das Bild auf dem Schirm – nicht weil er Angst gehabt hätte, sondern weil er als Saurianer einfach hervorquellende Augen hatte. Der Anblick dessen, was einst die Einstein gewesen war, ließ wenigstens zwei seiner Herzknoten schneller schlagen. Ihre Konturen verschwanden jetzt unter einem klotzigen Durcheinander aus nicht zusammenpassenden Schiffsteilen, die durch ein Netzwerk aus Röhren und Verstärkungsträgern im Schwarz und Grün der Borg verbunden worden waren. Aber Bazel hatte nicht siebzig Jahre in der Stemenflotte überlebt, indem er die Beherrschung verlor.

»Bitte erklären Sie das, Captain«, sagte Sekmal. »Sie sagten, sie sei größer geworden?«

»Bestätigt. Es scheint, als hätten die Borg weitere Schiffe assimiliert und dann an ihrer Hülle befestigt. Wir versuchen, ihnen lange genug auszuweichen, um die Schilde senken und das Außenteam an Bord holen zu können, aber die Fähigkeiten des Feindes sind im Augenblick noch unbekannt. Halten Sie sich bereit.« Während er sprach, versuchte Nuax, der edosianische Steuermann, unter Einsatz all seiner drei Hände verzweifelt, den Planeten zwischen der Rhea und dem Borg-Schiff zu halten und gleichzeitig in Transporterreichweite des Außenteams zu bleiben.

Bazel drehte sich zu Caithlin Tomei um, die an der taktischen Station stand. »Extrapolieren Sie auf Basis des letzten bekannten Kurses der Borg eine Flugroute und schicken Sie eine Salve Torpedos entlang der Planetenkrümmung durch die Atmosphäre. Sorgen Sie dafür, dass die Borg sie erst im letzten Moment bemerken.« Tomei nickte und machte sich an die Arbeit.

»Ziel verfehlt, Sir«, meldete sie eine Minute später. »Kein Anzeichen eines Treffers.«

»Sir!«, rief Nuax. Doch Bazels weites Sichtfeld hatte ihn bereits sehen lassen, was sich auf dem Schirm ereignete: Die ehemalige Einstein tauchte über der Krümmung des Planeten auf und befand sich auf einer anderen, engeren Flugbahn als zuvor, auf Abfangkurs zur Rhea. Es gab keine Möglichkeit, die Schilde zu senken.

Im nächsten Augenblick zeigte sich, dass die Schilde ohnehin nutzlos waren, denn ein grünes Schimmern kündete von der Ankunft eines halben Dutzends Borg-Drohnen auf der Brücke. Die Drohnen unterschieden sich von denen, die bisher bekannt waren. Ihre bionischen Bestandteile wirkten glatter und kompakter, ihre Bewegungen waren schneller und aggressiver. Bazel hechtete aus seinem Kommandosessel, um einem Klingenarm, der nach ihm geschwungen wurde, auszuweichen. Er erinnerte sich an die Berichte, dass der gewaltige Borg-Kubus, der die Einstein übernommen hatte, eine neue, weiterentwickelte Form der Assimilierung angewandt hatte. Ihm wurde klar, dass bisherige Erfahrungswerte vermutlich wenig hilfreich waren, um mit diesen Drohnen fertig zu werden.

Tatsächlich zeigte sich bereits bei den ersten Schüssen der Sicherheitsleute, dass sich die Strategie der Borg geändert hatte. Zuvor war es immer möglich gewesen, wenigstens eine oder zwei Drohnen durch Phaserfeuer auszuschalten, bevor diese sich anpassten und ihre persönlichen Schilde aktiv wurden. Doch die Schilde dieser Drohnen gingen bereits in dem Augenblickhoch, als der erste Phaserschuss abgegeben wurde. Sie reagieren nicht mehr nur – sie denken voraus.

»Allgemeines Notsignal!«, rief Bazel. »Alarmieren Sie die Sternenflotte!« Während die Wachen ihre Phaser rekalibrierten, um eine Frequenz zu finden, mit der sie die Schilde durchdringen konnten, ging Bazel zum Angriff über und warf sich auf die nächstbeste Drohne. Diesen Zug hatten sie offensichtlich nicht erwartet, denn gleich darauf ging die Drohne zu Boden. Der kräftige Saurianer hatte ihr das Genick gebrochen. Bazel bemerkte, dass die Drohne, die er soeben umgebracht hatte, keiner Spezies angehörte, die ihm bekannt war, was belegte, dass das Schiff in den letzten paar Monaten frisches Blut assimiliert hatte. Ihm war bewusst, dass es eigentlich keinen Unterschied machen sollte, aber irgendwie fühlte er sich erleichtert, dass er keinen ehemaligen Sternenflottenoffizier getötet hatte.

Doch Bazel blieb nicht viel Zeit zum Nachdenken. Eine weitere Drohne tauchte von rechts auf und schien ihn von hinten überraschen zu wollen. Sie hatte allerdings Bazels weites Blickfeld nicht bedacht. Er duckte sich, wirbelte herum und riss der Drohne mit einem schwungvollen Tritt die Beine unter dem Leib weg. Er erwischte ihren Kopf, als sie stürzte, und rammte ihn auf das Deck. Ein zweiter Schlag beendete ihr Martyrium.

Die übrigen Drohnen setzten ihren Angriff fort, und über die Schiffskommunikation kamen immer mehr Berichte herein, dass weitere Drohnen gegen den Maschinenraum, die Umweltkontrolle und andere Schlüsselbereiche des Schiffes vorgingen. Bazel sah, wie Nuax und T’Hala den Drohnen zum Opfer fielen, niedergestreckt statt assimiliert, wie es die Art dieser neuen, aggressiveren Borg war. Augenblicke später flackerte das Licht und ging aus. Ein grimmiges Lächeln trat auf Bazels Züge. Können Drohnen in der Dunkelheit sehen?, fragte er sich, während er seine Filterkontaktlinsen herausnahm, die es seinen Nachtsichtaugen erlaubten, auch unter normalen Beleuchtungsverhältnissen der Sternenflotte zu funktionieren. Ein rascher Rundumblick zeigte ihm, dass der Rest der Brückenbesatzung hilflos in der Finsternis umhertastete, und er erkannte, dass es nun an ihm lag.

Bazel stürmte hinüber zur taktischen Station, wo Tomei von einer Drohne bedrängt wurde. Er riss sie von ihr los und schleuderte sie davon, doch dann sah er die Stichwunden in Tomeis Nacken. Er schloss seine inneren Augenlider und filterte das, was die Menschen ‚sichtbares Licht‘ nannten, heraus, um sich ganz auf den Infrarotanteil seines Sehspektrums zu konzentrieren. Caithlins Körpertemperatur fing bereits an, zu sinken, wobei sich die Kälte von ihrem Nacken her ausbreitete, während die Nano sonden durch ihren Blutkreislauf strömten und sich selbst replizierten. Warum wird sie assimiliert statt getötet?, fragte er sich und kam dann zu dem Schluss, dass die Borg vermutlich in den Besitz ihrer taktischen Kenntnisse gelangen wollten. So oder so musste er dies rasch beenden, wenn er irgendeine Chance haben wollte, sie und die anderen zu retten.

Er wandte sich der taktischen Station zu und bereitete den Ausstoß von Betäubungsgas vor. Er war sich nicht sicher, ob es bei Drohnen irgendeine Wirkung haben würde, aber einen Versuch war es wert. Und wenn es nicht klappte, würde zumindest er noch bei Bewusstsein sein, denn seine natürlichen Atemfilter schützten ihn vor dem Gas. Er würde noch immer die Möglichkeit haben, andere Methoden auszuprobieren.

Andererseits, so begriff Bazel, mochte die einzige andere Möglichkeit, die ihm in diesem Fall blieb, die Aktivierung der Selbstzerstörung sein. Nun, zumindest konnte er auf diese Weise versuchen, die ehemalige Einstein mit sich zu nehmen.

In diesem Augenblick traf ein Phaserstrahl die taktische Station. Sie explodierte ihm ins Gesicht, und der Hitzeschub blendete seine Wärmesicht. Er ignorierte den sengenden Schmerz und ließ die Nickhaut zurückschnappen, um erneut sichtbares Licht in seine Augen zu lassen – nur um zu sehen, dass ihm die Drohne mit dem Phaser entgegenkam, während sich zwei weitere von links und rechts näherten.

Er schlug erneut zu, doch seine Verletzungen verlangsamten seine Bewegungen. Die Drohnen packten ihn, und er spürte, wie kalte Stacheln in seinen Nacken bissen. Mit seinem letzten freien Gedanken betete er, dass das Außenteam diese Katastrophe irgendwie überlebte ... und irgendwie lange genug in der lebensfeindlichen Umwelt auf dem Planeten durchhielt, bis jemand zu ihrer Rettung kam.

T’Ryssa Chen hatte sich nie sonderlich für ihr vulkanisches Erbe interessiert. Sie war immer der Ansicht gewesen, dass das Unterdrücken von Gefühlen dem Leben allen Spaß nahm. Doch dann lauschte sie den Schreien, die über den Kommunikationskanal der Rhea an ihre Ohren drangen. Und auf einmal materialisierte eine Gruppe Borg-Drohnen um das Außenteam und die Noh-Engel, und T’Ryssa musste zusehen, wie Thyyshev und Paul ihre Phaser zogen und sofort niedergeschossen wurden. Und zum ersten Mal in ihrem Leben wünschte sie sich, sie wüsste, wie man aufhört, Gefühle zu empfinden.

Sekmal befahl einen taktischen Rückzug, feuerte erfolglos auf die durch Schilde geschützten Drohnen und bellte in gänzlich unvulkanischer Lautstärke: »Bewegung!«, um T’Ryssa aus ihrer Starre zu reißen. Es war zu spät für ihn. Eine Drohne holte ihn ein und durchbohrte ihn mit einer Klinge, die aus ihrem Arm herauswuchs. »Laufen Sie!«, befahl er mit seinem letzten Atemzug.

T’Ryssa schluchzte hemmungslos – sie weinte nicht nur um ihre zwei Freunde, sondern auch um den Commander, den sie nicht hatte ausstehen können –, doch sie drehte sich gehorsam um. Bevor sie loslief, hielt sie jedoch inne und wandte sich dem nächsten Noh-Engel zu.

»Wenn du mich verstehen kannst, lauf bitte weg«, drängte sie ihn, aber sie wusste, dass es zwecklos war. Er ahmte einfach nur die Trauer und das Grauen auf ihren Zügen nach, nicht mehr als eine Maske, die ein unergründliches Inneres verbarg. Als Trys losrannte, warf sie einen Blick zurück und sah, dass eine der Drohnen sich ihm näherte. Der Engel verwandelte sich. Sein Gesicht verschwand aus ihrem Sichtfeld und tauchte vermutlich auf der anderen Seite des Kopfes auf, um die Drohne zu betrachten. »Nein!«, schrie sie, als die Drohne ihre Injektionsröhrchen in seiner Haut versenkte...

... und dann wieder hervorzog und es erneut versuchte. Und wieder. Der Noh-Engel schaute ihr neugierig dabei zu und bog seine Flügel, um in einer Geste der Nachahmung die Schulter der Drohne zu berühren, aber ansonsten zeigte er keinerlei Veränderung. Trys blieb stehen und blickte voller Verwunderung auf das Geschehen.

Entsprechend wurde sie vollkommen von der Drohne überrascht, die sich ihr von hinten genähert hatte. Sie spürte bereits, wie die Röhrchen ihren Anzug und ihre Haut durchstachen, bevor sie auch nur nach ihrem Phaser greifen konnte.

Warum ich?, fragte sie sich. Die anderen waren getötet worden, warum wurde sie assimiliert?

Weil du dich nicht rechtzeitig gewehrt hast. Weil du erst vor Angst erstarrt und dann weggerannt bist. So, wie du immer wegrennst.

T’Ryssa spürte, wie eisige Kälte ihre Venen durchflutete, spürte, wie ihr das Bewusstsein entglitt, und sehnte sich nach einem Ort, an den sie rennen konnte. Einen Ort, an dem sie sicher sein würde.

Als ihr Bewusstsein Stück für Stück wiederkehrte, stellte T’Ryssa fest, dass sie das Gefühl, dessen sie sich bewusst wurde, nicht besonders mochte. In ihrem Kopf drehte sich alles, und ihr halber Körper prickelte, wie er es im Transporter tat, nur schlimmer, während die andere Hälfte einfach nur schmerzte. Als Nächstes bemerkte sie, dass sie in etwas lag, das sich wie feuchtes Gras auf ihrer Haut anfühlte. Benommen öffnete sie die Augen und blinzelte in das helle Tageslicht. Eine dunkle Gestalt bewegte sich in ihr Blickfeld und warf einen Schatten auf sie. »Danke, ich...«

Ihre Augen stellten sich scharf, und sie sah einen Drachen, der auf sie herabblickte.

Schreiend sprang T’Ryssa auf die Beine und erschreckte dabei die große, violette Kreatur, die daraufhin ein durchdringendes, anschwellendes Kreischen von sich gab. Trys, die nicht den Zorn des Drachen riskieren wollte, zog sich ein paar Schritte vom Ufer des Sees zurück, denn sie wusste, dass das beinlose Geschöpf an Land nicht sehr beweglich war. Und sollte es versuchen, seine Flügel zu benutzen und auf sie zufliegen, konnte sie sich immer noch zum nahen Waldsaum zurückziehen und...

»Einen Augenblick. Was zum Teufel mache ich auf Maravel?« Sie blickte an sich selbst herab. »Und warum bin ich nackt?« Der Drache öffnete nur seinen gezackten Schnabel und krächzte erneut, ohne damit eine Antwort zu liefern.

Sie erinnerte sich an die Rhea, den Kohlenstoffplaneten, den Borg-Angriff. Sie erinnerte sich daran, dass Injektionsröhrchen in ihre Schulter eingedrungen waren. Ein Blick darauf zeigte ihr zwei kleine Einstichlöcher, die noch immer fahlgrün waren. Es war also real! war es das? »Wie kann ich dann aber hier sein?«, fuhr sie laut fort. »Warte mal«, sagte sie, weiterhin an den Drachen gewandt, der sich anscheinend nicht länger bedroht fühlte. Er hatte seine fledermausartigen Schwingen zusammengefaltet, ließ sich nun im seichten Wasser treiben und blickte sie mit unbewegtem Blick an.

In ihrer Kindheit, während des allzu kurzen Jahrs, in dem ihre Mutter hier auf einer Forschungsstation der Sternenflotte gearbeitet hatte, war sie immer hierher gekommen, um mit den vergleichsweise sanftmütigen Seedrachen zu sprechen, die unweit der Kolonie lebten und gelernt hatten, dass sie von den Humanoiden nichts zu befürchten hatten, solange sie für diese keine Gefahr darstellten. Sie hatte sich vorgestellt, dass ihr würdevolles Auftreten eine Intelligenz verbarg, die größer war, als die Wissenschaftler behaupteten, dass sie sie an ihrer kosmischen Weisheit teilhaben lassen würden, wenn sie nur die richtige Frage auf die richtige Art und Weise stellte. In ihrer Gegenwart hatte sie sich immer seltsam geborgen gefühlt. Vielleicht nicht zuletzt deshalb, weil sie sich im Gegensatz zu Lieutenant Commander Antigone Chen stets die Zeit genommen hatten, den Gedanken und Sorgen eines zehn Jahre alten, menschlich-vulkanischen Mädchens zu lauschen.

»Warte mal«, wiederholte sie. »Unimatrix Zero. Ich habe darüber gelesen. Manche Leute, die assimiliert werden, weisen eine Mutation auf. Sie können eine virtuelle Traumwelt erschaffen, wenn sie regenerieren.«

Der Drache legte seinen knochigen Schädel schief. Er wirkte skeptisch.

»Nein, du hast recht«, erklärte sie ihm. »Schon richtig, die Königin hat Unimatrix Zero abgeschaltet. Oder Janeway war es, keine Ahnung. Läuft auf das Gleiche hinaus. Aber könnte das hier eine Art persönlicher Unimatrix Zero sein? Meine eigene kleine Regenerationstraumwelt zwischen zwei Schichten, in denen ich Leute töte und assimiliere?« Sie blickte erneut auf die Einstiche in ihrer Schulter. »Aber warum tut mir dann alles weh?« Sie versuchte, den Schmerz wegzuwünschen, aber es klappte nicht. Sie versuchte, sich das Waldelfenkostüm herbeizurufen, das sie als Kind im Geiste immer getragen hatte, wenn sie zum Spielen in den Wäldern gewesen war, grüne und braune Lederkleider mit einem Bogen und einem Köcher auf dem Rücken. Aber ihr geschmeidiger Körper blieb unbeirrbar nackt.

Sie seufzte. »Also entweder habe ich weniger Fantasie, als ich dachte«, erklärte sie dem Drachen, »oder ich bin wirklich hier auf Maravel. Aber wie ist das möglich? Ich war hundert Sektoren entfernt! Und hatte Borgitis im Endstadium!«

Der Drache ließ ein weiteres Kreischen hören, reckte seinen dünnen Hals und bewegte seinen bootsförmigen Unterleib, um sich umzudrehen, wobei er seine Flügel als Paddel einsetzte. Dann schlug er kraftvoll mit seinen Flügeln und erhob sich aus dem Wasser. »Ach, komm schon, so schlimm war es auch nicht«, rief ihm Trys nach.

In diesem Moment vernahm sie das Geräusch von Luftgleiterturbinen, die sich ihr näherten. Dazu gesellte sich das Flirren eines Transporters, als Leute in einem weiten Kreis um sie herum auftauchten, direkt zwischen den Stämmen der gewaltigen Mammutbäume. Trys erinnerte sich daran, dass sie nackt war und machte Anstalten, sich zu bedecken ... doch dann hielt sie inne. Okay, entweder träume ich oder hier geht etwas wirklich Großes vor sich, und ich bin die Einzige, die ihnen davon erzählen kann. So oder so kann ich es auch mit Stil tun.

Also spazierte sie völlig entspannt los, um das Sicherheitsteam der Sternenflotte nackt und ohne jedes Anzeichen von Verlegenheit willkommen zu heißen, als es unter den Bäumen hervortrat. »Hallo Jungs!«, rief sie. »Habt ihr meinen Freund gesehen? Nahöstlicher Typ, hört auf den Namen Adam? Nicht zu übersehen ...«

KAPITEL 1

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U.S.S. Enterprise

Sternzeit 57725

Als Jean-Luc Picard aufwachte, war er allein.

Lange Jahre hatte er das als normal angesehen. Doch das war in einem anderen Leben gewesen. Sein neues Leben begann zwar gerade erst, aber trotzdem fühlte sich all das, was davor gelegen hatte, bereits an, als sei es das Leben eines anderen Mannes gewesen. Nicht, dass es das erste Mal wäre, dachte er ironisch.

Dieser Tage, in diesem Leben, erwachte er normalerweise an Beverlys Seite. Obwohl sie als Ärztin immer früh auf den Beinen sein musste, war er normalerweise derjenige, der zuerst aufstand. Heute allerdings war sie abwesend. Sie konnte keinen Notruf aus der Krankenstation empfangen haben, denn seine Reflexe als Captain hätten ihn geweckt, kaum dass der Ruf eingetroffen wäre. Nein, irgendetwas anderes stimmte nicht.

Kannst du dir dessen so sicher sein?, fragte er sich, als er aus dem Bett aufstand und einen Morgenmantel überzog. Das ist alles so neu. Du kannst nicht davon ausgehen, dass du bereits jede ihrer Eigenheiten kennst. Doch intuitiv war er sich sicher. Er kannte Beverly nun schon beinahe sein halbes Leben, und das Ungewohnte seiner gegenwärtigen Lage wurde durch ein Gefühl der Vertrautheit ausgeglichen, so als hätte all das hier schon lange auf ihn gewartet.

Und so fand er sie auch am ersten Ort, an dem er sie suchte. Sie stand im Wohnbereich ihres Quartiers und blickte hinaus auf die Sternenschweife, die im Warp an ihnen vorbei strichen wie waagerechte Regentropfen. Er wusste, dass sie merkte, wie er sich ihr näherte, spürte ihre Offenheit ihm gegenüber, und daher stellte er sich hinter sie, nahm sie sanft in die Arme und küsste ihr Haar. »Guten Morgen ... Mrs. Picard.«

Sie gluckste. »Guten Morgen, Mister Crusher. Oder vielleicht eher Howard?«, fügte sie hinzu, während sie ihre Hand ausstreckte, um das goldene Band zu betrachten, das ihren linken Ringfinger zierte. »Ich habe mich noch nicht entschieden.«

»Beides wäre mir eine Ehre«, erklärte er, auch wenn er wusste, dass sie beide nur scherzten. Bereits nach der Rückkehr aus ihren kürzlich verlebten Flitterwochen in La Barre hatten sie sich dafür entschieden, dass sie beide ihre eigenen Namen behalten würden, um die Verwirrung von zwei Picards (oder Howard-Picards oder Picard-Crushers) auf demselben Schiff zu vermeiden.

Abgesehen davon wollten sie beide keinen großen Wirbel um den Umstand machen, dass sie nun verheiratet waren, genauso wenig wie sie ihn um ihre Hochzeit gemacht hatten. Sie waren Zeugen gewesen, wie Lwaxana Troi die Vermählungszeremonie von Will und Deanna auf Betazed zum wichtigsten gesellschaftlichen Ereignis seit dem Ende des Dominion-Kriegs gemacht hatte (Picard war noch niemals mit so vielen nackten Menschen an einem Ort gewesen, und er hoffte inständig, das würde auch nie mehr geschehen). Danach waren sie beide darin übereingekommen, dass sie nur eine kleine, schlichte Zeremonie im engsten Freundes- und Familienkreis abhalten wollten, um der öffentlichen Aufregung aus dem Weg zu gehen, die zweifellos durch Jean-Luc Picards Heirat losgetreten worden wäre.

Ein Teil von Picard wünschte sich, es wäre eine große Zeremonie gewesen, um die Bedeutung dieses Schrittes angemessen widerzuspiegeln. Er war sich so lange Zeit sicher gewesen, dass er niemals heiraten würde – denn Beverly war die Einzige, die er hätte heiraten wollen, und sie war für ihn stets unerreichbar gewesen. Abgesehen davon hatte er zu dem einzigen Zeitpunkt, an dem die Ehe für ihn bislang jemals überhaupt ein Thema gewesen war – und der nun zwanzig Jahre zurücklag –, unter dem schändlichen Einfluss einer unsterblichen Fremdweltlerin gestanden, die seine Gefühle manipuliert hatte, um ihn dazu zu bringen, sie zu lieben. Dieser Zwischenfall hatte ihm den Gedanken an eine Ehe ziemlich lange verleidet.

Und dann gab es da noch Eline ... aber das war wirklich ein anderes Leben gewesen.

Doch nachdem er Beverly auf Kevratas beinahe verloren hatte, waren beide endlich bereit gewesen, sich ihre Gefühle zu gestehen. Vielleicht hatte sie Wills und Deannas letztendliche Hochzeit beeinflusst oder vielleicht lag es auch an Datas Tod – seinem Selbstopfer, um Shinzon vom Remus davon abzuhalten, die Enterprise zu zerstören –, der ihnen vor Augen führte, dass die Zeit, die ihnen blieb, um glücklich zu sein, endlich war. Jedenfalls waren sie zu guter Letzt ein Paar geworden, und in den folgenden Monaten hatte sich Picard mehr als nur einmal dabei ertappt, wie er über einen Heiratsantrag nachdachte.

Dann aber, vor fünf Monaten, hatte er die Stimmen der Borg erneut in seinem Kopf vernommen, und ihm war klar geworden, dass die Föderation nicht sicher war. Er hatte die Enterprise zu einem Mond geführt, wo die Borg damit beschäftigt gewesen waren, einen gigantischen Superkubus zu konstruieren, hatte ihre neu geborene Königin vernichtet und die unmittelbare Gefahr gebannt.

Doch er kannte die Borg. Es lag in ihrer Natur, sich anzupassen, und sie schienen immer noch ein Ass im Ärmel zu haben. Nachdem Kathryn Janeway und die Voyager vor zwei Jahren ihr Transwarp-Netzwerk hatten zusammenbrechen lassen und ihnen damit der schnelle Weg in die Föderation verbaut worden war, hatten sich die Überreste vergangener Schlachten als Trojanisches Pferd erwiesen, in denen sich ein Assimilierungsvirus verbarg, das nur darauf gewartet zu haben schien, von einer Borg-Königin aktiviert zu werden – oder in diesem Fall von einem psychisch kranken Sternenflottenadmiral, der versucht hatte, eine zu werden. Ein Nanitenimpfstoff gegen das Virus war entwickelt worden, und die Sternenflotte hatte sich sicher gefühlt, wodurch sie gefährlich unvorbereitet gewesen war, als der Superkubus plötzlich angriff.

Nach Picards Sieg über den Kubus und der Entfernung all seiner Drohnen war man erneut davon ausgegangen, es sei alles in Ordnung. Doch weniger als zwei Monate später hatte sich der Kubus selbst angepasst, war zum Leben erwacht und hatte Admiral Janeway assimiliert, um sie zu seiner neuen Königin zu machen. Anschließend hatte er zu dem bislang vernichtendsten Schlag der Borg gegen das Sol-System ausgeholt, und nur durch das Opfer unzähliger tapferer Sternenflottenoffiziere, darunter Kathryn Janeway selbst, war ein Sieg gegen den Kubus möglich gewesen.

Entsprechend war Picards Wachsamkeit in den folgenden Wochen um ein Vielfaches gestiegen. Obwohl die Enterprise ihre eigentliche Mission der Erforschung der Galaxis wieder aufgenommen hatte, war Picard noch nicht bereit gewesen, innerlich den Frieden als gegeben zu akzeptieren. Die Zerstörung der Einstein, des Forschungsschiffes, das Janeway in den Untergang geflogen hatte und gemeinsam mit ihr assimiliert worden war, ließ sich anfangs nicht zweifelsfrei nachweisen. Er hatte nicht zu ruhen vermocht, ehe nicht einzelne Wrackteile des Schiffes innerhalb des Trümmerfelds der Schlacht gefunden worden waren – zugegeben nur kleine Stücke, aber es war wahrscheinlich, dass das kleinere Schiff während des furchtbaren Todeskampfs seines Mutterschiffs größtenteils vaporisiert worden war.

Picard allerdings war nicht vollends bereit gewesen, das als gegeben anzunehmen, aber je mehr Zeit verstrichen war, ohne dass es zu irgendwelchen Berichten über Borg-Aktivitäten, Sichtungen der Einstein oder aber ungeklärten Ionenspuren, die aus dem Sol-System herausführten, kam, desto mehr hatte er zugelassen, dass seine Wachsamkeit nachließ. Mit jeder Nacht, die Beverly in seinen Armen verbracht hatte, war sein Unwille gewachsen, die Aussicht auf ein gemeinsames Leben nur aufgrund seiner schleichenden Angst vor den Borg hinauszuzögern. Schließlich gab es auch andere Gefahren, denen sich die Besatzung wieder und wieder ausgesetzt sah – genau genommen hatte sich Picard zwischen den zwei letzten Borg-Zwischenfällen mit der möglichen Zerstörung des gesamten Universums durch eine Bedrohung jenseits seines Verständnishorizonts konfrontiert gesehen, einer Bedrohung, die nur dadurch hatte überwunden werden können, dass ausgerechnet Q dafür gesorgt hatte, dass ausgerechnet Picard zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort gewesen war.

Also hatte er letzten Monat, auf der Oberfläche eines bewohnbaren, jovianischen Mondes, der damals gerade vom Schiff vermessen wurde, auf einer idyllischen Waldwiese und mit dem gewaltigen, beringten Planeten über ihren Köpfen, der den Nachthimmel in ein prächtiges Rotgold tauchte, Beverly die alles entscheidende Frage gestellt. Und er war gleichermaßen überrascht und erleichtert gewesen, als sie sofort Ja gesagt hatte.

Kurz darauf war er in ein neues Leben gestartet. Ein frisch Verheirateter zu sein, war eine unglaubliche, bisher nicht dagewesene Erfahrung für ihn. Er hatte, gewissermaßen, einige Erfahrung in der Ehe selbst – dank des Gedächtnisdownloads, der ihm durch die Sonde der Kataan, einer Rasse, die schon seit tausend Jahren tot war, vor zwölf Jahren übermittelt worden war. Statt ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse oder ihre Geschichte zu bewahren, hatte die Sonde die lebenslange Erfahrung eines einfachen Mannes namens Kamin enthalten. Picard hatte Kamins Erinnerungen an die Ehe mit seiner Frau Eline noch einmal durchlebt, ebenso die Geburt und das Großziehen von dessen Kindern Batai und Meribor. Aber der Download hatte nicht die ersten drei Jahre der Ehe von Kamin und Eline enthalten, daher waren die Hochzeit und die Flitterwochen mit Beverly – wie es sich in seinen Augen gehörte – eine einzigartige Erfahrung für ihn gewesen. Und der Nervenkitzel all dessen war bislang alles andere als abgeklungen. Dies hier waren keine geborgten Erinnerungen, sondern sein eigenes, echtes Leben – selbst wenn es sich noch immer zu gut anfühlte, um tatsächlich wahr zu sein. Zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten, vielleicht sogar noch länger, war er wirklich glücklich.

Daher beunruhigte ihn der Hauch der Melancholie, der von seiner Frau ausging. »Was treibt dich hier nach draußen, um die Sterne anzustarren?«, fragte er.

Beverly seufzte. »Weißt du, was für ein Tag es ist?«

Er zögerte. »Ich nehme an, du meinst nicht die Sternzeit.«

Sie drehte sich zu ihm um. »Es ist auf den Tag genau zehn Jahre her, seit Wesley uns verlassen hat, um ein Reisender zu werden.«

Picard nickte verständnisvoll. Der junge Wesley Crusher war schon immer ein Wunderkind gewesen, unglaublich brillant und gleichzeitig ungehalten über das langsame Fortschreiten seines Wachstums und die damit einhergehenden geringen Erwartungen, die andere an ihn hatten. Als der Junge vor mehr als sechzehn Jahren auf die Enterprise-D kam, erwies er sich schnell als Quälgeist sondergleichen. Er hatte Beschränkungen missachtet und war unfassbar von sich selbst eingenommen gewesen, mehr noch als andere heranreifende Jugendliche. Aber dann hatte ein hoch entwickelter Fremder, der sich der Reisende nannte, Picard von Wesleys besonderer Gabe, seinem außergewöhnlichen Verständnis für die Zusammenhänge des Universums, erzählt und ihn dringend gebeten, den Jungen zu fördern. Vier Jahre als Ensign ehrenhalber hatten Wesley Disziplin und Bescheidenheit gelehrt. Am Ende war er an die Sternenflottenakademie gegangen, wo er erwartet hatte und von ihm erwartet wurde, dass er in die Fußstapfen seines verstorbenen Vaters treten würde.