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Copyright © 2014 Picus Verlag Ges.m.b.H., Wien
Alle Rechte vorbehalten
Grafische Gestaltung: Dorothea Löcker, Wien
Umschlagabbildung: Michael Sowa

Die Kurzgeschichte stammt aus:
»Mordserfolg. Sechzehn Kurzkrimis«
Eine Anthologie aus Anlass des dreißigjährigen Bestehens
des Picus Verlags 2014
ISBN 978-3-7117-2014-6
eISBN 978-3-7117-5240-6

Informationen über das aktuelle Programm
des Picus Verlags und Veranstaltungen unter
www.picus.at

Judith W. Taschler, 1970 in Linz geboren, im Mühlviertel aufgewachsen. Studium der Germanistik und Geschichte. Sie lebt mit ihrer Familie in Innsbruck, arbeitete als Lehrerin und ist freie Schriftstellerin. Im Picus Verlag erschienen ihr Roman »Sommer wie Winter«, 2013 der Bestseller »Die Deutschlehrerin«, 2014 der Erzählband »Apanies Perlen« und der Roman »Roman ohne U«.

www.jwtaschler.at

Inhalt

Autorenporträt

OPERATION MOZARTKUGEL

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Judith W. Taschler

OPERATION MOZARTKUGEL

Der Sanftmütige wird nur im
Zorn erkannt
.

Aus Tausendundeiner Nacht

(79. Geschichte)

Mauretanien, Land der Wüstensteppe, in der Strauße, Warzenschweine und Falbkatzen herumstolzieren, grunzen und schleichen, Land der weißen Sanddünen, Land der ausgedehnten Salzsümpfe, Land der Oasen mit Dattelpalmen und Affenbrotbäumen, Land der Dornsavanne mit ihren Herrschern, den Elefanten, Löwen, Antilopen, Hyänen und Leoparden, Land der Nomaden, Land der Mädchenmästung. Darüber sollte ich für einen Wiener Verlag, der neben Belletristik auch Reiseliteratur verlegte, das Buch Lesereise Mauretanien – Der Nomade, der mit dem Skorpion flüstert schreiben.

Verschiedene Informationsquellen rieten mir, unbedingt zu versuchen, mit Scheich Ibrahim Mustafa Omar Ibn Mohammed Ali al Assaba Kontakt aufzunehmen, er sei im Süden Mauretaniens eine zentrale Figur, eine charismatische Persönlichkeit, jemand, der sich sehr um den Aufbau und die Modernisierung des Landes kümmere.

In Nouakchott, der Hauptstadt Mauretaniens, landete ich, am nächsten Tag flog ich nach Kiffa, der Provinzhauptstadt der südlichen Region Assaba, weiter, wo mich ein kleines Privatflugzeug des Scheichs erwartete und bis zu dessen streng bewachtem Anwesen auf einem Plateau unweit eines Flussarms des Flusses Senegal brachte.

Scheich Ibrahim Mustafa Omar war tatsächlich eine charismatische Persönlichkeit. In seinem Arbeitszimmer begrüßte er mich mit einem warmen und festen Händedruck und einem herzlichen Grüß Gott. Ich überreichte ihm mein Geschenk, eine sogenannte Nostalgiedose, die dreißig Stück Mozartkugeln enthielt, und er freute sich sichtlich darüber; einer seiner Sekretäre hatte diesen Wunsch des Scheichs in einer E-Mail zum Ausdruck gebracht.