Josephine Siebe


Kasperle im Kasperland



Das fünfte Abenteuer des lustigen Kasperle

Impressum



Klassiker als ebook herausgegeben bei RUTHeBooks, 2016


ISBN: 978-3-944869-61-2


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Inhalt




Kapitel 1 - Kasperle denkt nach

Kapitel 2 - Kasperle denkt weiter nach und liest einen Brief

Kapitel 3 - Die Reise nach Genua

Kapitel 4 - In Genua

Kapitel 5 - Erkannt

Kapitel 6 - Das gestörte Wiedersehen

Kapitel 7 - Die unterbrochene Geschichte

Kapitel 8 - Was in Neapel geschieht

Kapitel 9 - Wie die Geschichte weitergeht

Kapitel 10 - Sturm

Kapitel 11 - Die merkwürdigsten Dinge geschehen

Kapitel 12 - Auf der Kasperleinsel

Kapitel 13 - Die Flucht

Kapitel 14 - Die Kasperleeinladung

Kapitel 15 - Peringel

Kapitel 16 - Schluß

 

Kapitel 16 - Schluß



Am nächsten Tag konnte das Schiff seine Reise fortsetzen.

Kein Kasperle hatte sich mehr blicken lassen. Still lag die Insel und Kasperle stand auch still an Bord des Schiffes und schaute hinüber.

Wie schwer war ihm doch sein Herz!

Da hatte er noch nicht einmal das ganze kleine Land gesehen, wußte wenig vom Leben seiner Brüder, wie ein Traum lag alles hinter ihm.

Marlenchen stand neben dem Kasperle, als das Schiff sich in Bewegung setzte. Ganz langsam tat es das und langsam verschwand auch die Insel in der Ferne. Kasperle konnte sie noch lange sehen, und der Wind wehte einen köstlichen Blumenduft herüber. Der letzte Gruß von Valrosa, Kasperles Heimat. Da legte das Kasperle den Kopf auf die Holzplanke, an der er stand, und weinte bitterlich. So bitterlich, wie ihn noch nie jemand hatte weinen hören.

Und seitdem wurde Kasperle gar nicht mehr das alte, putzvergnügte Kasperle.

Er machte noch Streichlein. O ja!

Auf dem Schiff, das nun ohne Unfall seine Fahrt nach Amerika fortsetzte, passierte noch allerlei.

Der Prinzessin Gundolfine lag ein Fisch in der Nachthaube und in ihrer Wasserflasche war bitteres Meerwasser. Sie hatte auch einmal Teer, wie Kasperle sagte, an dem Hosenbödle, obgleich so etwas eine Prinzessin eigentlich nicht hat, und es fand sich, daß auf ihrem Stuhl Teer war. Wie er darauf gekommen war, wollte niemand wissen, auch Kasperle nicht, obgleich er wie eine Teerjacke aussah.

"Ja Kasperle!"

Mister Stopps lachte noch manchmal herzhaft, wenn auch nie so wie durch die Lachkanone, und dann bat er jedesmal: "Kahspärle, mein liebes Kahspärle, komm zu mich und uenn nur in den Ferien!"

Aber Kasperle wollte nicht. Wenn er sich auch besser mit der Prinzessin vertrug und die seine Streichlein nicht mehr so schlimm fand: mit ihr zusammen hausen, das mochte er doch nicht.

Man fuhr nach Amerika und fuhr wieder zurück, und eines Tages kam man wieder in Genua an.

Und wer stand da?

Angela, aber die junge, Florizel und Bob.

War das eine Freude! Florizel wollte gleich von Kasperles Insel wissen, aber da fing das kleine Kasperle zu weinen an, und Florizel sang ihm später dazu dies Lied:

"Liegt eine Insel im blauen Meer,
Finde sie nimmer und nimmermehr.
Ließ aus Treue dich Inselland,
Weil Marlenchen den Heimweg nicht fand.
Ich armes, armes Kasperlein
Mußte ein Held auf dem Meere sein.
Mußte entsagen so bitterschwer
Und seh' meine Insel nun nimmermehr."

Da weinte Kasperle jedesmal, wenn er das Lied sang. Er sang es aber gerne.

Angela und Florizel kehrten nun in die Heimat zurück. Bob blieb bei Mister Stopps. Erst wurde noch Hochzeit gefeiert, bei der Kasperle "aus Versehen" das ganze Tischtuch mit allen Gläsern, Schüsseln, Tellern und Gerichten herunterzog, es geschah aber nur aus Versehen. Die Prinzessin kriegte dabei das ganze Kompott auf das Kleid und Kasperle dachte, schade um das schöne Kompott, und schleckte es ab.

Es war eben Kasperle.

Und nach der Hochzeit kam man nach Torburg.

Lieber Himmel, gab das ein Geschrei, als Kasperle ankam! Alles, was Beine hatte, vier oder zwei, je nachdem, rannte herbei, um Kasperle zu sehen, und Kasperlebrötchen gab es wieder in jeder Bäckerei, und wie Kasperle wollten wieder alle Buben sein, auch die Mädels.

Acht Tage lang sprach die Stadt nur vom Kasperle, und man hätte noch länger von ihm gesprochen, wenn Kasperle nicht abgefahren wäre.

Aber die guten Torburger hätten am liebsten ihre Stadt umgetauft und sie Kasperleburg genannt, doch der Bürgermeister wollte nicht. Er sagte, das täte man nicht, wenn eine Stadt schon ein paar hundert Jahre einen Namen habe, müsse sie ihn auch behalten.

Also wurde aus Torburg kein Kasperleburg, und das ist schade, denn dann wüßte man heute, wo Kasperle damals gelebt hat.

An einem wunderschönen Frühlingstag kam Kasperle endlich wieder nach Lindeneck. Das sollte nun seine Heimat werden und bleiben.

Das feine Marlenchen war recht wie eine kleine, liebevolle Schwester zu Kasperle. Über Mangel an Liebe brauchte sich Kasperle nicht zu beklagen. Das ganze Land liebte ihn. Der alte Herzog August Erasmus freute sich genau so, wenn Kasperle kam, wie die Straßenbuben in Torburg. Es gab niemand im Land, der so beliebt war wie Kasperle. Wenn Kasperle auf einen Jahrmarkt kam, und das tat er sehr gerne, war es allemal ein Fest. Dann meinten alle Leute, so schön wäre es nie, denn Kasperle wäre eben Kasperle. Und Kasperle kasperte dann auch und aß Schmalzkuchen, bis er beinahe platzte. Und wenn er zum Herzog kam, kriegte er einen Pudding ganz für sich allein. Der Herzog söhnte sich auf Kasperles Zureden auch mit seiner Base Gundolfine aus, und Mister Stopps mit seiner Frau kamen einmal zu Besuch.

Und dabei geschah ein großes Wunder.

Die Prinzessin brachte für Kasperle eine riesengroße, sie war schon ungeheuer groß, Zuckertüte mit und sie sagte nicht: "Schling nicht," sondern: "Iß nur tüchtig!"

Das tat Kasperle dann auch.

Aber auf einmal konnte er die Tüte voll Zuckerzeug nicht aufessen, dazu war sie zu gewaltig.

Überhaupt vertrug sich Kasperle sehr gut mit der Prinzessin bei dem Besuch. Es sagten aber auch alle, Frau Stopps wäre viel netter, als die Prinzessin Gundolfine gewesen wäre.

Kasperle besuchte dann später auch einmal Mister Stopps, und Mister Stopps fuhr mit ihm nach Torburg und diesmal gab es eine Empfangsmusik, bei der zwar nicht die Trommel platzte, aber des Bürgermeisters Hosen, weil der so schrecklich viele Verbeugungen machte.

Sonst platzte nichts, es war aber sehr schön.

Am liebsten aber war Kasperle doch auf Lindeneck bei Marlenchen.

Marlenchen hatte überall, wo es möglich war, Blumen hingepflanzt. Blumen gab es an jedem Fenster, Blumen im Schloßhof, Blumen im Garten, Blumen im alten Schloßgraben. Die Leute nannten das Schloß deshalb immer das Blumenschloß.

Und dem Kasperle war es wie die Heimat.

Aber Marlenchen wuchs und wuchs und Kasperle blieb klein. Darüber grämte er sich sehr. Er wäre so gern groß geworden und hätte das Marlenchen geheiratet. Aber da kam der Prinz, der aus einem blassen Prinzlein ein schöner stattlicher Prinz geworden war, und wollte Marlenchen heiraten. Doch Marlenchen sagte: "Das geht nicht, ich muß bei Kasperle bleiben."

Treue um Treue.

"Kasperle hat mich gerettet, ich habe versprochen, bei ihm zu bleiben, und sein Wort muß man halten!"

Ja, sein Wort muß man halten.

Kasperle sah aber wohl, Marlenchen hätte gern den Prinzen geheiratet. Da sagte er: "Marlenchen, heirate, ich ziehe in die weite Welt."

Das war ein Wort.

Marlenchen wollte es jedoch nicht gelten lassen. Aber Kasperle zog es hinaus in die blaue Ferne, und an einem Frühlingstag ging Kasperle wieder auf Reisen. Er lief wieder durch die Wälder, sprang über Bäche, plumpste hinein, schlief auf Bergwiesen und kasperte auf Messen und Märkten herum. Er erlebte wieder die wunderlichsten Dinge, wurde geliebt und ausgelacht und die Kinder sangen vor Freude bei seinem Anblick:

"Heirassassa,
Kasperle ist da,
Der kleine Wandersmann,
Der alles kann.
Er heißt Peringel
Und ist ein Schlingel,
Wir lieben ihn alle,
Singt drum mit lautem Schalle:
Heirassassa,
Kasperle ist da."

Vielleicht kaspert er noch heute in der Welt herum und noch heute muß jeder lachen, der ihn sieht: Peringel, den Schlingel.

Kapitel 1 - Kasperle denkt nach



Kasperle lag unter einem Palmenbaum, streckte beide Beine in die Luft und ließ sich die Sonne auf die Nase scheinen, was diese auch gründlich tat. Die kleinen, schmalen Blätter des Palmenbaumes vermochten vor den Sonnenstrahlen nicht zu schützen, die sich Kasperles große Nase zum Zielpunkt nahmen.

Eino, der Gärtnerbursche, stand vor Kasperle, als der so mit seinen Beinen in der Luft herumfuchtelte, und fragte: "Was machst du?"

"Ich denke nach."

"Worüber denn?"

"Wie's früher war."

"Was denn früher?"

"Dummkopf!"

"Bist selbst einer, Kasperle, das stimmt."

"Nä, du bist einer!"

Doch mit dieser Bezeichnung war Eino nicht einverstanden, er drohte: "Kasperle, ich werfe dich in den Springbrunnen!"

"In den kann ich allein gehen." Und hoppla-hopp! purzelbaumte Kasperle über Eino hinweg - pardauz - lag er im Springbrunnen. Der war kühl und erfrischte Kasperle. Dann sprang er wieder aus dem Brunnen, lief zu seinem Palmbaum zurück, dabei schüttelte er sich wie ein Spatz nach einem Regenguß und spritzte Eino ganz naß.

Der mußte lachen: "Du bist ein Strick, ich werd's Mister Stopps sagen."

"Meinetwegen," brummte Kasperle. "Nun störe mich nicht, ich muß nachdenken."

"Erzähl' mir, an was denkst du?" Eino war neugierig wie eine Elster, denn wenn Kasperle nachdachte, kam meist nachher ein Streichlein heraus, und Eino hatte Kasperles Streichlein gern. Er mochte überhaupt das Kasperle gut leiden, und er paßte auch immer auf das Kasperle auf, weil dessen Besitzer, Mister Stopps, gesagt hatte: "Kahspärles reißen manchmal aus. Paß auf ihn auf, Eino!"

Kasperle mochte aber keinen Aufpasser leiden, darum fuhr er jetzt Eino mit seinem rechten Bein an die Nase und als der schrie: "Laß das!" kriegte er auch einen Nasenstüber mit dem linken Bein. "Schwippdiwipp, der war nicht von Pappe," sagte Bob, der gerade dazu kam. Bob war Mister Stopps Diener und Kasperles guter Freund. Als Bob jetzt kam, klagte Kasperle ärgerlich: "Eino langweilt mich."

"Er denkt nach," rief Eino, "da wird er wieder ein Streichlein machen wollen."

"Ja," Kasperle nickte, "ich fall dir heute abend in dein Essen."

"Lieber nicht."

"Doch, ich falle."

"Ich sag's Mister Stopps."

"Dann bin ich böse."

"Warum?"

"Darum."

"Dumm, dumm."

Eino war wütend. Und weil er ohne dies Bob nicht leiden konnte, lief er davon. Bob aber sagte: "Kasperle, an was denkst du?"

"An Marlenchen und an Herrn Severin und Frau Liebetraut, an Rosemarie und Michael, an Mutter Annettchen, an Vater Friedolin, an ..."

"An alle, die du lieb hast?"

"Ja." Auf einmal sah Kasperles Schelmengesicht tief traurig aus und Bob merkte, daß Kasperle wieder einmal Heimweh hatte. Denn wenn Kasperle nachdachte, kam nicht immer ein Streichlein heraus, sondern manchmal auch Heimweh. Bob tröstete: "Du wirst sie bald wiedersehen."

"Nein," schrie Kasperle und machte ein bitterböses Gesicht, "er erlaubt es nicht."

"Er" war Mister Stopps, ein reicher Engländer, der Kasperle vor zwei Jahren für zwei Millionen in Torburg gekauft hatte. Von dem Geld war die kleine Stadt Torburg nach einem großen Brande wieder neu aufgebaut worden. Und aus Torburg schrieben immer wieder die guten Freunde: "Kasperle, komm doch und sieh, wie schön es bei uns geworden ist. Kasperle, hast du nicht bald Ferien? Mister Stopps hat doch versprochen, dir Ferien zu geben."

Das war es eben, versprochen hatte Mister Stopps wohl die Ferien, aber er gab sie Kasperle nicht. Mister Stopps war ein wunderlicher Herr, er konnte sehr gut sein, wenn er wollte, aber er wollte nicht immer. Manchmal wollte er gar nicht, dann war er so verdrießlich, als wäre sein Großvater ein Brummbär gewesen. Das Kasperle hatte er sehr lieb, und aus lauter Liebe war er eifersüchtig auf jeden, den das Kasperle gern hatte. Er dachte immer, Kasperle würde ausreißen, weil er ihm das Versprechen mit den Ferien nicht hielt, aber das wollte er nicht halten, weil er eifersüchtig auf alle Torburger war. Am liebsten hätte er das Kasperle in einen Glasschrank gestellt und nur zum Spaßmachen herausgenommen.

Bob wußte das wohl, auch daß Mister Stopps das mit den Ferien nur gesagt hatte, um Kasperle zu trösten. Aber Kasperle schrie wütend: "Er gibt mir keine, er ist schlecht, er hält sein Wort nicht!"

"Aber Kasperle!" rief Bob.

"Ja, schlecht, schlecht!" schrie Kasperle und machte sein allerbitterbösestes Räubergesicht, "ich kann ihn nicht leiden."

"Uen kannst du nicht leiden?"

Ein langer Schatten fiel über Kasperle hinweg. Himmel, Mister Stopps war es, der die Frage tat.

"Dich kann ich nicht leiden," schrie das wütende Kasperle.

"Aber du sein ein böses Kahspärle."

Mister Stopps war böse, Kasperle aber war noch viel böser, er sah aus wie Mister Stopps an Schlechtelaunetagen. "So bist du!" schrie er.

"Aber Kasperle!" mahnte Bob. Der dachte, es gehe nicht gut aus. Und es ging auch nicht gut aus.

Mister Stopps wurde wütend. Sehr böse. Und Kasperle sollte Streiche bekommen, der jedoch meinte, eigentlich hätte Mister Stopps die Strafe verdient, denn wenn einer nicht Wort hielte, müsse er bestraft werden. Mister Stopps dachte aber gar nicht daran, sich selbst zu bestrafen, sondern rief: "Oh Kahspärle, du sein böse, wirst eingesperren."

"Nä," rief Kasperle, "ich will nicht."

"Aber ich uill. Bob, sperren ihn ein!"

"Nä," schrie Kasperle und heidi hoppsasa! purzelbaumte er über Mister Stopps hinweg und ... weg war er.

"Er sein ausgerissen," schrie Mister Stopps erschrocken. "Uo ist er?"

"Weg." Bob sah sich um und um, er sah Kasperle nicht mehr. Auf einmal aber hörte er etwas plätschern, da dachte er: "Der liegt im Springbrunnen." Da sagte er, um den kleinen Schelm vor dem Eingesperrtwerden zu retten, flink zu Mister Stopps: "Ich denke, Kasperle ist im Haus."

Mister Stopps wollte gerade dorthin eilen, als Eino kam. Und Eino war ein Verräter und schrie: "Kasperle liegt im Springbrunnen."

Da lag er auch wirklich drin und Mister Stopps rief erschrocken: "Oh, er sein ertrinkt!"

"Ja, ich bin ertrinkt!" schrie Kasperle aus dem Brunnen heraus mit einer wahren Bärenstimme, wie einer sicherlich nicht schreit, der ertrunken ist.

"O Kahspärle, du sein schlimm."

"Du auch," brummte Kasperle. Da war es gut, daß plötzlich der Briefbote kam und meldete, er habe einen Brief für Mister Stopps. Da vergaß dieser, daß Kasperle eingesperrt werden sollte. Kasperle stieg patschnaß aus dem Springbrunnen und schüttelte sich da, wo Eino stand. Da wurde auch der wieder patschnaß. Mister Stopps nahm den Brief von dem Briefträger entgegen, aber auf einmal sah er ungemein nachdenklich aus, und Kasperle, der schon wieder die ihm zugedachte Strafe vergessen hatte, kam ganz nahe an Mister Stopps heran, reckte und streckte neugierig seine Nase hoch und schrie: "Vom Michele?"

Der Brief war wirklich von dem berühmten Geiger Michael, Kasperles Freund, und Mister Stopps erschrak gewaltig darüber, daß Kasperle das herausbekommen hatte.

"Du sein neugierig, Kahspärle," sagte er streng.

"Der Brief ist für mich," schrie Kasperle.

"Nein, für mich."

"Ich will ihn lesen."

"Du sein frech."

"Ich will ihn lesen." Kasperle machte wieder ein bitterböses Gesicht, und Mister Stopps schrie wieder: "Du uirst eingesperren!"

Hoppla-hopp! Mister Stopps saß auf einmal auf dem Rasen und Kasperle verschwand im Hause.

"Suchet ihn, er soll eingesperren uerden," rief Mister Stopps ganz wütend. Weg war Kasperle.

Alles Suchen half nichts, Kasperle war nirgends zu finden. Bob und Eino suchten überall; Eino wollte sogar die Speisekammer durchsuchen, aber das litt die alte Haushälterin Angela nicht, die sagte: "Den Schlüssel habe ich in der Tasche, da kommt mir keiner rein."

"Aber Kasperle."

"Kasperle hin, Kasperle her, durch das Schlüsselloch kann er nicht kriechen."

"Nein, das kann er nicht. Komm, Eino, wir sehen auf dem Boden nach," sagte Bob lachend. Er wußte ganz genau, wo Kasperle war, aber er verriet den kleinen Schelm nicht. Und die alte Angela tat es auch nicht. Die holte ihren Speisekammerschlüssel aus der Tasche und redete in die geöffnete Kammer hinein: "Sei nur recht ruhig, Kasperle, du wirst überall gesucht, und wenn du hungrig bist, kannst du etwas essen."

Na, das hätte sie dem Schelm nicht zu sagen brauchen. Der hatte schon einen halben Kuchen aufgegessen und platzte beinahe.

Während Mister Stopps in jeden Schrank, in den Waschtisch und unter jedes Bett schaute, ob Kasperle da nicht steckte, saß Kasperle ganz ruhig in der Speisekammer und dachte wieder nach. Er dachte an den Brief vom Michele, den er himmelgern gelesen hätte. Was mochte wohl darin stehen? Gewiß, daß er in den Ferien auf Rosemaries Schloß kommen sollte, oder sonst etwas Schönes.