Josephine Siebe


Kasperles Schweizerreise



Das vierte Abenteuer des lustigen Kasperle

Impressum



Klassiker als ebook herausgegeben bei RUTHeBooks, 2016


ISBN: 978-3-944869-60-5


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Kapitel 15 - Am schönen, blauen See



Kasperle schlief lange. Es sah nichts von der schönen Welt, es hörte nicht Florizel singen und Mister Stopps schnarchen. Es schlief und schlief, und als es aufwachte, war es heller, lichter Morgen, und es lag in einem großen weichen Bett. Florizel saß neben ihm, Bob packte einen Koffer ein, und Kasperle fragte: "Sind wir in Mister Stopps’ Haus?"

"Noch nicht. Wir sind in Amsteg und fahren jetzt die Gotthardstraße entlang."

"Und dann?"

"Weiter über den Paß."

"Und dann?"

"Wieder hinab."

"Und dann?"

"Nach Lugano."

"Und dann?"

"Dann fällst du in den See, du Gescheitle. Und nun steh auf, wir fahren gleich fort."

Doch Kasperle stand nicht auf, sondern schrie: "Frühstück!" Und als es gefrühstückt hatte, rief es: "Nun wünsch ich mir was!"

"Noch nicht, noch nicht," mahnte Bob.

Da trat Mister Stopps in das Zimmer, der war sehr herzlich gegen Kasperle und fragte: "Uünschst du dir nun uas?"

"Nä," sagte Kasperle, "ne Zuckertüte möcht’ ich, aber das ist kein Wunsch. Gelt, Mister Stopps, den hab’ ich noch frei?"

Da sagte Mister Stopps, ja, den hätte es noch frei, und eine Zuckertüte wäre auch kein Wunsch. Aber bekommen sollte Kasperle trotzdem eine.

Oh, Mister Stopps, das war nicht klug!

Kasperle erklärte an diesem Tage so oft, es habe noch keinen Wunsch, nur was zu schlecken möchte es, daß Mister Stopps zuletzt sagte: "Dir uird es noch schlimm gehen, und uenn du das noch einmal sagst, dann ist es doch ein Uunsch."

Bob winkte und zwinkerte mit den Augen, und Kasperle schwieg seitdem ganz still. Es war aber ein Schelm, seufzte ein paarmal und klagte: "Mir wird schlecht!"

Und dann schlug Mister Stopps allemal allerlei Mittel vor, und immer klagte Kasperle: "Davon wird mir’s noch schlechter!" bis Mister Stopps "Zuckerkand" sagte, und davon wurde das kleine Schleckermaul, merkwürdig genug, gleich gesund.

Sonst ging die Reise ohne Unfall weiter. Einmal warf Kasperle die Kaffekanne um, gerade Mister Stopps ins Bett, einmal setzte es sich in den Pudding, einmal fiel es aus dem Fenster einer Geiß auf den Rücken, aber das waren eben alles richtige Kasperle-Stücke, und außer Mister Stopps, der Wirtin und der armen Geiß regte sich niemand darüber auf.

Die Fahrt ging über das Gebirge. Immer höher und höher wuchsen die Berge empor, immer kälter wurde es. Kasperle wagte kaum noch seine Nase hinauszustrecken, so sehr fror es. Doch dann senkte sich der Weg, blauer wurde der Himmel, wärmer schien die Sonne, Frühlingsblumen blühten, dann Sommerblumen, und an einem Nachmittag fuhren die Reisenden in ein Städtchen hinein, in dem alle Gäßlein bergan und bergab liefen.

Rumpelpumpel ging es eine holprige Straße entlang, und Kasperle schrie auf einmal: "Da liegt Seide, nein, da liegt der Himmel unten." Es war aber weder himmelblaue Seide, noch der Himmel selbst, den Kasperle sah, es war der schöne, blaue See von Lugano. Der Wagen rollte an ihm entlang, und Kasperle beugte sich weit, weit hinaus.

"Gescheitle, falle nicht," mahnte Florizel, der oben auf dem Wagen saß, doch platsch, da lag das Kasperle schon im See. Der war nun aber nicht wie der wilde Wasserfall, er trug das Kasperle nicht gleich himmelweit fort. Im sonnenwarmen Wasser lag das Kasperle, und als Mister Stopps angstvoll rief: "Es wird ertrinken!" da steckte Kasperle seine Nase weit hinaus und rief vergnügt: "Nä, hier ist’s fein, ich bleib’ liegen."

Doch eins, zwei, drei kam Bob an, und Kasperle saß dann naß wie ein Fröschlein wieder im Wagen. Der fuhr in eine Seitenstraße ein, und da lag auf einer Anhöhe ein schönes, weißes Säulenhaus, ganz von Rosen umrankt waren die Säulen.

"Fein!" rief Kasperle. "Da werden wir wohnen?" Mister Stopps nickte. "Das sein mein Haus, und da steht Angela!"

"Angela sitzt auf dem Wagen," schrie Kasperle.

"Oh nein, sie stehen da."

"Wo?"

"Da!"

Himmel, die häßliche Frau sollte Angela sein? "Sie ist es nicht!" schrie Kasperle, "ich seh’ sie doch sitzen!"

"Aber Kasperle, Dummköpfle," rief Florizel, "es gibt eben zwei Angelas."

"Kann’s auch zwei Marlenchen geben?" fragte Kasperle.

"Freilich!"

"Nä, ist nicht wahr, Marlenchens gibt’s nur eins." Kasperle wurde ganz zornig und ging mit einem so bösen Gesicht in das Haus hinein, daß die alte Angela vor Entsetzen laut schrie. "So einen Diavolo hat der Herr mitgebracht?" rief sie klagend. Da blickte Kasperle sie an und sah, wie gut und freundlich die alte Angela aussah, wenn sie auch häßlich war. So lieb wie Frau Annettchen oder die alte Apfelfrau.

"Heißt du wirklich Angela?"

"Schon, schon," antwortete die Alte, der das Kasperle auch gefiel, und die sich gar nicht mehr ängstigte. "Du kannst aber auch Nonna sagen."

"Was heißt das?"

"Großmutter!"

"Dann," rief Kasperle, "dann sag’ ich Großmutter!" und von dem Augenblicke an war zwischen ihm und Angela die Freundschaft geschlossen.

Es war schön in Mister Stopps Hause, so schön, daß Kasperle gleich am ersten Tage sagte: "Hier will ich bleiben."

"Ist das dein Geuunschen?"

"Nä, das möchte ich nur. Morgen wünsch’ ich mir aber etwas, Mister Stopps, das mußt du mir geben."

"Ja," versprach Mister Stopps. "Bin neugierig, was es ist."

Sie schliefen alle gut in dem schönen Hause. Florizel sang schon in der Morgenfrühe von dem Land Italia, dem sie so nahe waren. Bob aber ging mit Kasperle in den Garten und erzählte ihm etwas. Er fragte zehnmal: "Hast du es auch verstanden, Kasperle?"

"Nä," rief Kasperle, "du mußt’s nochmal sagen." Und Bob erklärte Kasperle noch dreimal den Wunsch, den Kasperle Mister Stopps sagen sollte. Und dann rannte Kasperle in das Haus zurück und schrie: "Ich sag’s jetzt gleich!"

Ist auch besser, dachte Bob, es bringt doch sonst alles durcheinander. Kasperle lief im Haus herum, Mister Stopps war aber nicht da. Die Alte und die junge Angela, denn aus Tom war nun wieder eine Angela geworden, standen in der Küche und sagten, Mister Stopps säße am See. Da rannte Kasperle an den See und fand Mister Stopps, der ernst und feierlich dasaß und angelte. "Uas willst du, Kahs ... pärle?" fragte er.

"Ich wünsche mir was, Mister Stopps."

"Uas denn?"

"Geld!"

"Geld?" rief Mister Stopps erstaunt. Da aber seine Börse neben ihm lag, und er dachte, das naschlustige Kasperle wollte sich etwas zu schlecken kaufen, sagte er: "Da, nimm, ueil ich es einmal versprochen habe." Und Kasperle nahm ein kleines Geldstück, nicht mehr als ein Gröschlein war es wert, und rannte damit zu Bob. "Da," rief er, "nun habe ich gewünscht, und nun können Florizel und Angela nach Rom zu ihrer Großmutter fahren."

"Aber Kasperle, du Schafsköpfle," rief Bob enttäuscht, "das ist viel, viel zu wenig. Viel mehr muß es sein."

Und Kasperle rannte zurück und rief: "Mister Stopps, ich habe mir doch Geld gewünscht, nun langt es nicht."

Mister Stopps, der gerade auf einen großen Fisch aufpaßte, brummelte etwas unwirsch: "Nimm mehr!"

Da schüttelte Kasperle die ganze Börse in seine Hosensäcklein und lief zu Bob. "Da," rief er, und das Geld kollerte in der Stube herum.

Es ist schwer, es jemand recht zu machen. Bob rief erschrocken: "Aber Kasperle, das ist zuviel." Dann zählte er sein Sümmlein ab und gebot: "Das andere trägst du Mister Stopps zurück und sagst ihm noch schönen Dank."

Kasperle rannte wie besessen den Weg zurück, wollte Mister Stopps das Geld geben, das entrutschte ihm und kollerte ins Wasser. Der Fisch, der just anbeißen wollte, schwamm fort, die Angelschnur zerriß, und Mister Stopps rief vorwurfsvoll: "Oh Kahs ... pärle, du sein böse!"

"Nä, ich bin dir nicht böse, Mister Stopps!" Kasperle fiel Mister Stopps um den Hals, der fiel um, und der Wirrwarr dauerte erst eine Weile, ehe Kasperle erzählen konnte, warum er sich Geld gewünscht hatte. Florizel hätte keines, Angela hätte keines, und doch wollte Florizel Angela zu ihrer Großmutter nach Rom bringen. "Die will er dann heiraten!"

"Uen ... die Großmutter?"

"Hach! nä, Angela!" Kasperle lag auf seinem Bäuchlein vor Lachen und schnaufte und quiekte, so komisch kam ihm Mister Stopps’ Frage vor. Und schließlich mußte der ernsthafte Herr herzlich mitlachen. Auch war ihm die Reise der beiden recht, zumal Florizel an ein Wiederkommen dachte. Wenn er aber mit Angela verheiratet war, dann konnte der böse Oheim sie nicht wiederbekommen, und Herr von Löwenzahn sie auch nicht heiraten. Schon am nächsten Morgen reisten die beiden ab, und Florizel sang dazu sein Lied vom Scheiden und vom Wiedersehn. Kasperle hätte sonst vielleicht geweint, wenn das Wiedersehen nicht dabei mitgeklungen hätte. So lief es vergnügt der Kutsche nach, purzelte lustig in das Haus zurück und brachte dort die alte Angela so zum Lachen, daß diese meinte, in ihrem ganzen Leben hätte sie nicht einen solchen Kauz wie das Kasperle erblickt. Und dann legte sich Kasperle in den Garten, ließ sich die Sonne auf die Nase scheinen und fand die Welt wunderschön.

Zwei Tage vergingen so hin in Frieden und Heiterkeit, am dritten aber rasselte ein Reisewagen vor das Haus, just als Kasperle vor dem Hause saß und von allem Sonnenglanz ein wenig dösig war.

"Hallo, da ist Kasperle!" Herr von Löwenzahn, er war es wirklich, lief auf ihn zu und schrie ihn an: "Ist Angela im Haus?"

"Nä, im Garten." Kasperle gähnte und sah Herrn von Löwenzahn erstaunt an. War er etwa vom Himmel gefallen?

"Ruf sie!" gebot der.

"Was willste denn von ihr?"

"Man nennt mich gnädiger Herr."

"Meinetwegen," brummelte Kasperle schläfrig.

"Heiraten will ich sie," rief der kleine, dicke Herr und stampfte mit dem Stock auf, "gleich heiraten. Geh flink, hole sie!"

Da rannte Kasperle davon, und drei Minuten später kann er mit der alten Angela an. Die hielt sich die Schürze vor das Gesicht. Es kam ihr doch sonderbar vor, daß ein adeliger Herr sie so auf der Stelle geschwind heiraten wollte.

"Da, sie will dich nicht!" rief Kasperle.

"Wenn’s aber durchaus sein muß, ..." Angela nahm die Schürze vom Gesicht, und Herr von Löwenzahn schrie laut: "Das ist nicht Angela."

"Doch ich bin’s."

"Das ist eine Lüge."

Patsch schlug ihm Angela, die ein handfestes Weiblein war, den Hut vom Kopf. "Ich lüge nie, und was will Er eigentlich von mir?"

"Heiraten will er dich," Kasperle krähte wie ein Hähnlein. "Heiraten, heiraten."

"Die doch nicht, die junge Angela will ich."

"Ach," sagte Bob, der hinzugekommen war, gelassen, "die ist bei ihrer Frau Großmutter und heiratet den Sänger Florizel. Wenn Sie sich recht, recht sehr sputen, kommen Sie gerade zur Hochzeit."

Und so war es auch. Die schöne Angela heiratete in Rom den Spielmann Florizel, und Herr von Löwenzahn, die Tante und der griesgrämige Oheim konnten noch so viel schelten, weinen und brummen, den Kutscher noch so sehr zur Eile antreiben, sie kamen wirklich zu spät.

Kasperle freute sich, und Kasperle war traurig, denn er dachte, Florizel würde nicht wiederkommen, doch Bob tröstete ihn. Florizel und Angela dürften, solange sie wollten, in Mister Stopps schönem Hause wohnen, und sie würden schon wiederkommen.

"Mister Stopps ist doch gut," meinte Kasperle nachdenklich.

"Ja, das ist er." Bob dachte freilich, etwas sonderbar wäre zwar sein Herr, aber das sagte er nicht.

Da rannte Kasperle davon und suchte Mister Stopps und fand ihn in seinem Schlafzimmer. "Oh Mister Stopps, du bist gut!"

Wenn Kasperle jemand so anrannte, so mußte man schon feststehen. Mister Stopps stand aber nicht gerade fest, er wankte und setzte sich in eine große Badewanne. "Oh Kahs ... pärle," rief er, "ich sitzen im Uasser!"

"Das schadet nichts," schrie Kasperle vergnügt, "ich habe schon mal im Heringsalat, in der Schlagsahne, im Pudding, in ..."

"Oh, ich ueiß, aber du bist ein Kasperle." Mister Stopps seufzte, stand auf und dachte: "Es ist manchmal schlimm mit einem Kasperle." Dann sah er in des Kleinen gutherziges Gesichtlein und sagte froh: "Ich habe dich sehr lieb, mein Kahs ... pärle."

"Ich dich auch, Mister Stopps," antwortete Kasperle. "Aber gelt, nun gibt es bald Ferien."

"Erst reisen wir nach Italien."

"Hurra!" schrie Kasperle, "das wird fein, wir reisen nach Italien! Da sind Florizel und Angela, Michele und Rosemarie auch. Hurra! Hurra! Wir reisen nach Italien! Hurraaa!"

Inhalt




Kapitel 1 - Mister Stopps kommt nach Torburg

Kapitel 2 - Kasperle wird verkauft

Kapitel 3 - Eine vergnügte Abschiedsfeier

Kapitel 4 - Die Abreise

Kapitel 5 - Eine furchtbare Räubergeschichte

Kapitel 6 - Eine schreckliche Nacht

Kapitel 7 - Im Krug zum Grünen Kranze

Kapitel 8 - Mister Stopps Diener Bob

Kapitel 9 - Bob und Kasperle machen eine Entdeckung

Kapitel 10 - Der Prinz von England

Kapitel 11 - Eine lustige Fahrt

Kapitel 12 - Kasperle will Schlagsahne essen

Kapitel 13 - Mister Stopps und der Stier

Kapitel 14 - Kasperle erlebt zu viel

Kapitel 15 - Am schönen, blauen See

 

Kapitel 1 - Mister Stopps kommt nach Torburg



"Brrr, halt!" Da hielt die Postkutsche vor Torburg, und der dicke Postillon drehte sich um und sagte zu seinem einzigen Fahrgast: "Da sin mer, aber scheene ist’s nicht."

Mister Stopps, ein schrecklich reicher, etwas verdrehter Engländer, streckte den Kopf zum Fenster hinaus und schrie: "Ueiter!"

"Nee, hinein lohnt es sich nicht zu fahren."

"Uarum?"

"Darum, weil’s gebrannt hat."

"Uas?"

"Na, die Stadt."

"Uo?"

"Na, potz Wetter, das sieht doch ein Blinder," brummte der Kutscher. "Halb Torburg ist niedergebrannt, ein schreckliches Unglück."

"Ich uill fahren hinein." Mister Stopps sah ziemlich ungerührt auf die Brandspuren neben dem Tor. Vor zwei Tagen hatte ein Brand das hübsche, freundliche Städtchen heimgesucht; ganze Gassen lagen in Schutt und Asche. Am Tor standen klagende und jammernde Menschen, und Mister Stopps schaute sie erstaunt an und fragte: "Uas machen sie?"

"Na, tanzen tun se nicht." Der Postillon tippte mit dem Finger an die Stirn, sein Fahrgast kam ihm schon etwas seltsam vor. Der aber lehnte sich in den Wagen zurück, schaute in ein rotes Buch und rief: "Ueiter! Von Brand steht hier nichts drin, ich uill nur sehen Merkuürdiges."

In diesem Augenblick schrien die Leute draußen laut: "Kasperle, oh unser gutes Kasperle!"

"Uas sein das?" Mister Stopps blickte nun wieder zum Wagen hinaus und sah zu seinem grenzenlosen Erstaunen ein putzlebendiges Kasperle mitten zwischen den Leuten stehen. Es heulte schrecklich, weil ihm die armen Abgebrannten so bitter leid taten.

"Na, das ist halt Kasperle."

"Uer sein ... Kahs ... Kahs ... Kasperle?"

"Na, Kasperle ist Kasperle. Potz Wetter, so ein saudummes Gefrage!" murrte der Postillon. "Jetzt fahr’ ich den närrischen Herrn zum Bürgermeister, der mag ihm Antwort geben."

Und mit hü und hott rumpelte die gelbe Postkutsche durch das Tor in das Städtchen hinein, und Mister Stopps rief: "Halten, ich sehen uill Kahs ... Kahs ..."

Aber wenn der alte Postillon Heinrich einmal fuhr, dann fuhr er, da mochten die Fahrgäste rufen soviel sie wollten. Und weil er seinen Gast für übergeschnappt hielt, fuhr er noch schneller als sonst. Rumpelpumpel, vorbei ging’s an Häusern und Schutthaufen. Da war endlich das Bürgermeisterhaus, und Heinrich blies so lange: Trara, trara, ich bin da! bis der Bürgermeister, seine Frau und die Mägde alle angelaufen kamen. "Himmel, was ist los? Brennt’s schon wieder?"

"Da drinne sitzt wer!" Heinrich deutete mit der Peitsche auf Mister Stopps. Der steckte sein rundes, großes Gesicht zum Fenster hinaus und fragte; "Sein Sie Vater von Kahs ... Kahs ... Kahs?" Das verstand niemand, denn Mister Stopps hatte den ganzen Namen schon vergessen, und das war ein Glück. Der Bürgermeister von Torburg hätte es gewaltig übelgenommen, als der Vater Kasperles angesehen zu werden. So sah er aber, daß der Fremde ein reicher Mann war, und weil Heinrich noch schrie: "’s ist ’n reicher Engländer," bekam er nach deutscher Art ungeheuren Respekt. Er machte eine tiefe Verbeugung, noch eine, und fragte: "Was wünschen Sie, mein Herr?"

"Kahs ... Kahs ...," Mister Stopps würgte an dem Wort herum, und die Frau Bürgermeisterin sagte: "Ach, der Goldene Adler ist niedergebrannt, der Fremde hat Hunger, er will Käse. Komisch, diese Engländer!"

"Aussteigen soll er, meine Pferde sind müde," brummte Heinrich. Einen richtigen, lebendigen Engländer hatte man noch nie in Torburg gesehen, darum verneigte sich der Bürgermeister noch einmal und lud den Fremden ein, in sein Haus zu kommen. Der dachte, das ist sicher ein Wirtshaus. Er stieg also aus und rief: "Mein room!"

Daß dies auf deutsch Zimmer hieß, wußte die gute Bürgermeisterin nicht, sie nahm es für englische Sitte und rief: "Flink, Trine, bring Käse und Rum." Und dann nötigte sie den Gast in das Wohnzimmer; in dem warf der sich lang auf das Sofa, legte die Beine auf den Tisch und rief wieder: "Ich uill Kahs ... Kahs ...!" "Jemine, der hat aber Hunger," dachte die Bürgermeisterin und rief flink der Magd zu: "Eil dich doch!"

Und kaum hatte Mister Stopps wieder seinen Mund aufgetan und noch einmal "Kahs" gesagt, als Trine hereinmarschierte. Sie trug allen Käse, den es im Hause gab, herbei, und weil es so viel war, hatte die Käseglocke nicht gereicht, und sie hatte den Käse auf eine Bratenschüssel gelegt. Er duftete nicht sehr lieblich, und Mister Stopps schrie auf einmal: "Oh!" und hielt sich seine Nase zu, und dann wieder: "Ooooh!"

"Das ist der Käse," sagte die Bürgermeisterin. "Und gut ist er."

"Oh, no, no, Kahs ... Kahs ...." Mister Stopps merkte, daß man ihn mißverstanden hatte, und weil er Kasperles Namen nicht herausbekam, fing er an Gesichter zu schneiden, mit Händen und Füßen zu zappeln, und der Bürgermeister, seine Frau und Trine starrten verdutzt den sonderbaren Gast an. "No, no, oh schrecklich," schrie der und zeigte auf Trine.

"Na, das verbitt’ ich mir, schrecklich bin ich nicht," brummte die. "Der Herr ist aber, weiß der Himmel, das reine Kasperle."

"Oh ja, den ich meine, nicht das da," schrie Mister Stopps, deutete auf den Käse und schnitt ein fürchterliches Gesicht dazu. Da rannte Trine mit dem Käse wütend hinaus und rief zweimal: "Alter Kasper, alter Kasper!"

"Dies ich meine! Uas sein das für ein merkuürdiges Ding?"

"Kasperle meint er!" Der Bürgermeister tippte sich an die Stirn und brummte: "Da kommt ein Kasper zum andern."

"Erzählen! Ist es ein Menschen?"

"Ih bewahre, Kasperle ist Kasperle."