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Dana Reinhardt

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Aus dem Amerikanischen von
Sabine Hübner

cbj ist der Kinder- und Jugendbuchverlag
in der Verlagsgruppe Random House

Für Noa, die mir netterweise erlaubt hat, viele ihrer
Ideen zu klauen. Und für Zoe und den Rest von
Johnny Galangs Klasse in der Live Oak School, danke,
dass ihr dieses Buch als Erste gelesen habt.

D. R.

Gesetzt nach den Regeln der Rechtschreibreform

1. Auflage 2014

© 2014 der deutschsprachigen Ausgabe cbj, München

Alle deutschsprachigen Rechte vorbehalten

© 2013 Dana Reinhart

Die amerikanische Originalausgabe erschien 2013 unter dem Titel:

»Odessa Again« bei Wendy Lamb Books,

einem Imprint von Random House, Inc., New York

Übersetzung: Sabine Hübner

Lektorat: Christina Neiske

Umschlagkonzeption: *zeichenpool, München,
unter Verwendung folgender Fotografien:
© Shutterstock (Real Deal Photo, Ringlet)

MP · Herstellung: AJ

Satz: Uhl + Massopust, Aalen

ISBN 978-3-641-11010-9

www.cbj-verlag.de

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Es kommt der Tag im Leben jeder großen Schwester, wo sie sich mit ihrem Ekel von Bruder, dieser kleinen Kröte, einfach kein Zimmer mehr teilen will.

Für Zoe Green-Light war dieser Tag ein Dienstag.

Sie wohnten erst seit ein paar Monaten in dem neuen Haus. Zoe und Oliver teilten sich ein Zimmer, wie schon im alten Haus und wie in Papas Wohnung. Zoe mochte dieses neue Haus nicht besonders und vermisste das alte sehr, aber einen Vorteil hatte das neue Haus dann doch.

Es besaß eine Dachkammer.

Schon als die Besitzerin sie damals durch die Räume geführt hatte – auf der Küchenwand prangten fremde Kritzeleien, am Wäschetrockner, der die Wäsche von jemand anderem getrocknet hatte, klebten fremde Sticker, und die schmale Holztreppe war von fremden Schuhen ausgetreten –, hatte Zoe ein Auge auf diese Dachkammer geworfen.

»Hier wird’s dir wunderbar gefallen!«, blaffte die alte Frau, als sei dies kein Wunsch für Zoe, sondern ein Befehl.

Zoe hegte starke Zweifel, dass es ihr hier wunderbar gefallen würde, aber in der Dachkammer zu wohnen war vielleicht wirklich wunderbar, eine ganze Treppe von Oliver entfernt!

Sie fragte ihre Mutter, aber die sagte natürlich Nein. Wenn Zoe sich auf eins verlassen konnte, dann darauf: Ihre Mutter sagte zu allem, was sie sich am meisten wünschte, Nein.

Und so hatte Zoe vor ein paar Monaten am Einzugstag – Mama machte auf gute Laune, ließ altmodische Musik dudeln und sang in einen Besenstiel, als wär’s ein Mikrofon – ihre Sachen in der einen Hälfte eines viel zu kleinen Zimmers ausgepackt, während Oliver, das Ekel, seine Sachen in der anderen Hälfte verstaute.

Und seitdem hatte Zoe jeden Abend, oder zumindest jeden Werktagsabend und jedes zweite Wochenende – das waren die Nächte, die sie bei ihrer Mutter übernachtete –, Mama darum gebeten, in diese Dachkammer ziehen zu dürfen, aber es hatte nicht geklappt.

Bitten nützte selten was.

Sie hatte gefleht und geschmeichelt, gebittelt und gebettelt.

»Keine Chance«, sagte Mama.

Doch manchmal kommt der Sieg aus einer ganz unerwarteten Richtung.

In diesem Fall aus dem Garten, wo Oliver die Feldmaus entdeckt hatte. Oliver hatte irgendwie Probleme mit Menschen, echten, lebendigen Menschen: Das lag an seiner fürchterlichen Schüchternheit. Aber mit Nagetieren konnte er, das musste man ihm lassen.

Es war ein Dienstag, und das hieß, dass der nächste Tag ein Mittwoch war, der Tag, an dem regelmäßig der Wörtertest stattfand, und Zoe hatte sich diesmal vorgenommen, in die Wörtergruppe N vorzurücken, und dafür musste man ziemlich büffeln.

Die vierte Klasse war in die Wörtergruppen L, M und N unterteilt, und obwohl Mr Rausche die Buchstaben mitten aus dem Alphabet raussuchte, wusste Zoe, dass M nur mittelmäßig hieß.

Sie lag also genau in der Mitte.

Zoe liebte Wörter. Und sie bemühte sich nach Kräften, Wörter zu benutzen, die andere Leute allzu oft missachteten.

Aber Wörter zu lieben und zu wissen, wie man sie buchstabiert, ist zweierlei, und Zoe wusste, dass sie es nie in die N-Gruppe schaffen würde, wenn sie sich nicht die unlogischen Rechtschreibregeln einprägte, was fast unmöglich war, solange Oliver in ihrem viel zu kleinen gemeinsamen Zimmer andauernd Lärm machte.

Also fauchte sie: »verschwinde!«, ohne zu ahnen, dass ihn dies in den neuen Garten hinterm Haus führen würde, wo er dann eine Feldmaus entdeckte, die an einem Gummiknochen schnüffelte, den irgendein Hund im Gras vergessen hatte.

Zoe ahnte auch nicht im Entferntesten, dass Oliver dieser Maus leise etwas vorsang, bis sie auf seine freundlich ausgestreckte Hand kletterte, er sie ins Kinderzimmer tragen und Zoe hinten in ihr pinkfarbenes T-Shirt mit den türkisblauen Streifen stecken konnte.

Tja.

Zoe tat, was jeder vernünftige Mensch tun würde. Sie kreischte wie am Spieß, rannte zu ihrer Mutter in die Küche und drohte, zum Kinderschutzbund und vor Gericht zu gehen, wenn sie nicht sofort in die Dachkammer ziehen dürfte.

Da sagte ihre Mutter drei wunderbare Worte: »Ich. Geb’s. Auf.«

Und so lag Zoe an jenem Dienstagabend um 19:45 Uhr unter der Steppdecke, die ihre Mutter aus einer Kiste in der Dachkammer gezogen hatte.

Eine Steppdecke, vor langer Zeit genäht, als Geschenk für das süße Baby Oliver, das zu einer ekligen, nervigen Kröte geworden war.

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Zoe hatte genau drei Nächte in der Dachkammer geschlafen, als es passierte.

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Einer der Gründe, warum Zoe das Haus nicht mochte, war der Zeitpunkt, an dem sie es zum ersten Mal gesehen hatte – nämlich einen Tag, nachdem Papa ihnen eröffnet hatte, dass er wieder heiraten wolle.

Etwas wieder tun heißt doch, das Gleiche noch einmal tun, also hätte wieder heiraten eigentlich bedeuten müssen, dass er Mama wieder heiratete, nicht jemand anderen.

Aber das sagte Zoe nicht, als sie, Oliver und Papa in einer Nische im Pizzicato saßen und er ihnen die Neuigkeit verkündete. Zoe und Oliver liebten das Pizzicato. Papa hasste es. Dass er sie freiwillig dorthin eingeladen hatte, war schon ein Alarmsignal und hätte sie stutzig machen müssen.

Das zweite Alarmsignal kam, als er mit der Gabel an sein Glas klopfte und sagte, er habe große Neuigkeiten.

Zoe waren kleine Neuigkeiten lieber. Große Neuigkeiten hatten immer einen Haken.

An jenem Abend weinte sie in Mamas Armen.

»Ich will meinen Doppelnamen behalten!«, jammerte sie. Sie hatte den Namen Green-Light nie besonders gemocht. Wenn eine Frau namens Green einen Mann namens Light kennenlernte – müssten sie dann nicht so schnell wie möglich davonrennen? Nicht so ihre Eltern. Von denen rannte keiner weg. Sie verliebten sich, heirateten und kriegten Kinder, deren Nachname einen Bindestrich bekam, und dann entliebten sie sich wieder und ließen sich scheiden, und jetzt war es für Zoe das Wichtigste auf der Welt, den Namen Green-Light zu behalten.

»Niemand nimmt dir deinen Doppelnamen weg«, sagte Mama und strich ihr übers Haar. »Du wirst immer Zoe Green-Light heißen, in guten wie in schlechten Zeiten.«

An jenem Abend hatte es sich eindeutig nach schlechten Zeiten angefühlt.

Am nächsten Tag nahm Mama sie in das neue Haus mit, das sie gemietet hatten, weil sie das alte Haus, aus dem Papa ein Jahr zuvor ausgezogen war, schließlich verkauft hatten.

Zoe hatte das Haus also vom ersten Tag an gehasst, doch jetzt, wo sie in die Dachkammer gezogen war, hatte sich das geändert.

Olivers Verhalten änderte sich allerdings nicht.

Es begann damit, dass er sie nachäffte (»Oliver, hast du mein Federmäppchen gesehen?« – »Oliver, hast du mein Federmäppchen gesehen?«) und einfach nicht aufhören wollte (»Du bist so was von bescheuert!«, »Du bist so was von bescheuert!«) und es endete mit seinem leisen Kommentar: »Du magst Theo Summers also so richtig …«, und dabei hatte sie das heute Nachmittag nur ihrer besten Freundin Sofia gestanden!

Sofia hatte, wie immer, angerufen, als Zoe gerade mit ihrem Mittagssnack fertig war.

Sofia hatte Zoe und Theo beobachtet, seit man sie in der Schule an den gleichen sechseckigen Tisch gesetzt hatte.

»Du magst ihn!«, sagte Sofia. »Ich seh doch, wie du ihn dauernd anstarrst.«

Theo saß Zoe genau gegenüber, wen sollte sie sonst anstarren?

»Klar«, meinte Zoe. »Er ist witzig.« Schlau fand sie ihn auch, aber sie wusste, dass Sofia das nicht besonders interessierte. In der Welt der vierten Klasse war es wichtig, dass man witzig war. Schlau musste man nicht sein.

»Aber magst du ihn, na du weißt schon – magst du ihn so richtig

Und heute hatte Zoe zugegeben, dass sie ihn süß fand, vor allem, seit er sich die Haare wachsen ließ; und, ja, dass sie ihn so richtig mochte.

Und genau das hatte Oliver ihr zugemurmelt: »Du magst Theo Summers also so richtig …«

Sie hatte Oliver schon immer im Verdacht gehabt, dass er ihre Telefonate belauschte, und das war der Beweis. Also schubste sie ihn.

So heftig, dass er von seinen O-Beinen kippte.

Er fiel hin.

Sie waren in der Küche und räumten den Tisch ab, wie jeden Abend vor dem Nachtisch. Und heute Abend gab es zum Nachtisch Toffee-Eiscreme, Zoes Lieblingssorte.

Mama stand am Ausguss, genau dort, wo sie drei Tage vorher auch gestanden hatte, als sie die Hände hochgeworfen und gesagt hatte: »Ich. Geb’s. Auf.«

Einer der Gründe, warum Zoe Wörter liebte, war der, dass manchmal völlig gleiche Wörter eine total andere Bedeutung haben konnten. Als ihre Mutter heute Abend schrie: »ICH! GEB’S! AUF!«, meinte sie nicht Okay, du kriegst deinen Willen. Sondern diesmal meinte sie »Jetzt hast du echt ein Problem!«

»Ich hab eure Streitereien satt!«, brüllte sie. »Ab in dein Zimmer, Zoe. Jetzt! Rote Karte!!«

Zoe hätte erklären können, warum sie Oliver geschubst hatte, aber sie war zu wütend. Es hing ihr zum Hals raus, dauernd ausgeschimpft zu werden, obwohl er das Ekel war. Deshalb stürmte sie aus der Küche und schrie: »Mit Vergnügen!«

»Und lass dich erst wieder blicken, wenn ich es sage!«, rief ihre Mutter ihr nach.

Zoe stampfte durchs Haus, rannte die schmale Treppe zur Dachkammer hinauf und knallte die Tür zu.

Sie ließ sich aufs Bett plumpsen. Ich bin fast zehn Jahre alt, dachte sie, obwohl sie erst in einem halben Jahr Geburtstag hatte.

Welcher Zehnjährigen zeigt man die Rote Karte?

Zoe sprang auf und rannte auf den knarrenden Bodenbrettern hin und her. Anderen Leuten gegenüber war Oliver schüchtern, warum nicht auch ihr gegenüber? Warum steckte er dauernd seine Nase in ihre Angelegenheiten?

Sie hätte gerne irgendwas zerschmettert. Wenn sie in einer solchen Stimmung war, schnappte sie sich meist den überdimensionalen Sockenaffen, den ihr Sofia zum sechsten Geburtstag geschenkt hatte, und biss ihn in den Bauch.

Es schien ihm nichts auszumachen.

Es war zwischen ihnen abgesprochen.

Aber der Sockenaffe war unten im Zimmer, das jetzt Oliver gehörte, weil ihr Umzug in die Dachkammer noch nicht abgeschlossen war. Zum Beispiel hatte sie immer noch keinen Schreibtisch. Keinen Spiegel. Und die Poster aus den Mädchenzeitschriften, die Mama sie nicht lesen lassen wollte, waren auch nicht da.

In diesem Moment bemerkte Zoe, dass zwar alle wichtigen Dinge unten waren, aber dafür ein handbemalter Keramik-Muffin oben in ihrem leeren Bücherregal lag.

Und dieser Muffin gehörte Oliver.

Mama musste ihn versehentlich hier raufgebracht haben. Zoes handbemalte Keramik sah nämlich aus wie eine Eistüte. Diese Sachen hatten sie neulich im Kindertöpferkurs gemacht, an einem Samstagnachmittag mit Onkel Milo.

Zoe schnappte sich den Muffin, warf ihn mit voller Wucht auf den Boden und sah gespannt zu, wie er in winzige Scherben zersprang.

Das fühlte sich gut an.

Aber noch besser fühlte es sich an, als diese Scherben unter den Sohlen ihrer orangefarbenen Turnschuhe knirschten.

Also stampfte sie.

Und stampfte lauter.

Sie sprang auf dem zerbrochenen Muffin herum, stampfte die Scherben zu Staub, bis die knirschenden Dielen plötzlich nachgaben und sie ins Nichts fiel.

Seid ihr schon mal gefallen?

Eine Treppe runter? Vom Klettergerüst? Mitten in der Nacht aus dem Bett?

Gut, dann wisst ihr ja, was mit Zoe geschah: Es war ein Gefühl, als würde sie kopfüber ins Bodenlose stürzen.

Sie landete mit einem dumpfen Aufschlag.

Mitten auf dem Boden ihres Zimmers.

Das war aber nicht der Boden ihres alten Zimmers direkt unterhalb der Dachkammer. Das war der Boden der Dachkammer. Sie lag genau auf dem Boden, durch den sie gerade gefallen war!

Zoe presste die Hände gegen den Magen. Dann kratzte sie sich am Kopf. Das war doch völlig verrückt.

Mamas Befehl hallte ihr in den Ohren: Lass dich erst wieder blicken, wenn ich es sage. Die Art von Befehl, die ihre Mutter »nicht verhandelbar« nannte.

Und so stieg Zoe leise die Treppen hinunter. Wenn man einem nicht verhandelbaren Befehl zuwiderhandelt, ist es das Beste, nicht laut die Treppe hinunterzustampfen.

Mama und Oliver saßen am Esstisch und ließen sich den Nachtisch ohne sie schmecken, was ziemlich unfair schien, wo Toffee-Eis doch ihr Lieblingsnachtisch war.

»Hallo, Schatz«, sagte Mama grinsend.

»Hallo …«, erwiderte Zoe vorsichtig.

Vielleicht war alles vergeben und vergessen. Vielleicht sollte sie sich einfach nur hinsetzen und gar nicht lang erklären, warum sie ohne Erlaubnis aus ihrem Zimmer gekommen war.

Also setzte sie sich hin. Direkt vor ihr stand ein Stück Karottenkuchen.

Karottenkuchen war definitiv nicht ihr Lieblingsnachtisch.

Außerdem hatten sie den doch schon am Vorabend gehabt.

Zoe wollte nichts riskieren, aber sie konnte nicht anders. Manchmal musste man eben was riskieren, zum Beispiel wenn man seinen kleinen Bruder schubst.

Sie fragte höflich: »Wo ist denn das Toffee-Eis?«

»Es gibt keins«, sagte Mama. »Aber ich besorge für morgen Abend welches, wie wäre das?«

Wieder bemühte sich Zoe um größte Höflichkeit. »Klar haben wir welches, Mama. Wir haben es heute gekauft. Weißt du nicht mehr? Es ist im Eisschrank.«

Logo. Wo sollte man Eiscreme sonst aufbewahren?

Zoe stand auf und ging in die Küche. Sie öffnete den Eisschrank, fand aber dort, wo das Toffee-Eis gewesen war, nur ein leeres Fach.

»WER HAT DENN DAS GANZE EIS AUFGEGESSEN?«, schrie sie.

Als sie ins Esszimmer zurückkam, starrten Mama und Oliver sie ganz komisch an.

»Heute Abend gibt’s Karottenkuchen«, sagte Mama langsam. »Und morgen, wenn du ein bisschen netter fragst, kaufe ich sehr gerne Toffee-Eiscreme für dich. Und jetzt setz dich.«

Zoe setzte sich. »Aber das gab es doch schon gestern Abend«, sagte sie missmutig.

»Nein, gab es nicht.« Oliver hatte Zuckerglasur auf den Lippen. »Gestern gab’s Ananasscheiben.«

Zoe wusste, wenn sie jetzt den Mund aufmachte, um Oliver zu erklären, dass es gestern Abend Ananasscheiben gegeben hatte, dann würde das so genervt rauskommen, dass Mama sie gleich wieder in die Dachkammer schicken würde. Also schob sie stattdessen ihren Karottenkuchen mit der Gabel auf dem Teller hin und her.

»Alles okay mit dir?«, fragte Mama.

Nein, hätte Zoe gern gesagt. Es gibt kein Toffee-Eis, und außerdem kapiere ich nicht, dass du nicht mehr sauer auf mich bist.

»Ich habe Bauchweh«, sagte sie.

Mama legte die Hand auf Zoes Stirn. »Vielleicht solltest du dich hinlegen.« Sie schob Zoe eine Haarsträhne hinters Ohr.

Als Zoe aufstehen wollte und ihr Blick noch einmal über den Tisch glitt, fiel ihr noch etwas auf.

Etwas, das ihr das Gefühl gab, kopfüber ins Bodenlose zu stürzen.

Mama und Oliver hatten genau die Klamotten an, die sie schon gestern Abend angehabt hatten, als es zum Nachtisch nicht Ananasscheiben, sondern Karottenkuchen gegeben hatte.

Zoe sah an sich selbst hinunter. Erstaunlicherweise trug auch sie die Klamotten von gestern, obwohl sie sich nicht erinnern konnte, sich umgezogen zu haben.

Nein, es ging ihr nicht gut.

Es ging ihr gar nicht gut.

Oben in der Dachkammer warf Zoe ihre Kleider in den Wäschekorb und zog ihren Lieblingsschlafanzug an. Sie kroch unter die Teddybärendecke und streckte die Hand aus, um das Licht auszuschalten. Das Letzte, was sie sah, bevor sie einschlief, war: Olivers Keramik-Muffin.

Oben auf ihrem leeren Bücherregal.

Nicht in tausend Scherben zerstampft, sondern völlig intakt.