Rolf Krenzer

Hast du heut schon mal gelacht?

Sechzehn fröhliche neue Geschichten für Kindergarten- und Grundschulkinder














Neuausgabe als eBook
© 2018 Rolf Krenzer und Verlag Stephen Janetzko,
www.stephenjanetzko.de
http://www.kinderliederhits.de

(in Kooperation mit Rolf Krenzer Erben).
Alle Rechte vorbehalten.

eBook-Aufbereitung: Elke Bräunling & Paul G. Walter
Illustration: Dagmar Domina

eISBN: 9783941923225
Hinweis: Die frühere Printausgabe erschien zuerst 1993 im Herold Verlag Brück KG Fellbach unter der ehemaligen ISBN 3-7767-0541-8.

 

 

 

INHALT

 

Guten Morgen, Kaja Kim!

Warum Bastian es nicht eilig hat

Der Schornsteinfeger im Kindergarten

Der erste schöne Frühlingstag

Lea und der Osterhase

Anna-Julias Geburtstagsfeier

Nicht nur Muttertag

Pacci Patent

Ja, gleich!

Kirsten oder Kerstin?

Monas Meisterfotos

Florians Flohmarktgeschäfte

Babsi im Birnbaum

Der kleine Laternenträumer

Es wichtelt überall

Wo steckt nur der Weihnachtsmann?

Der kleine und der große Jan und das silberne Schäfchen

 

 

GUTEN MORGEN, KAJA KIM!

“Guten Morgen, Kaja Kim!”
Kaja Kim tut so, als hätte sie nicht bemerkt, dass Mutti ins Zimmer gekommen ist. Sie hält fest die Augen geschlossen und atmet tief und fest.
Nein, Kaja Kim ist heute Morgen noch nicht bereit, die Augen zu öffnen und Mutti anzuschauen.
“Guten Morgen, mein Liebling!”, sagt Mutti und setzt sich auf Kaja Kims Bett. Kaja Kim hält die Augen fest geschlossen.
“Hallo”! Mutti kitzelt sie ganz zart am Kinn. Das ist etwas, was Kaja Kim sehr gern hat. Aber nicht heute Morgen!
Mit einem Ruck dreht sie sich mit dem Gesicht zur Wand.
“Hm”!, sagt Mutti und merkt, dass Kaja Kim heute Morgen nicht so gut gelaunt ist wie gestern und vorgestern. Und als Mutti ihr ganz leicht über die Schulter streicht, da knurrt Kaja Kim leise wie ein Tigerbaby.
“Schade”!, sagt Mutti und steht von Kaja Kims Bett auf. “Da habe ich Kakao für dich gekocht, und Vati hat extra heute Morgen für uns alle frische Brötchen geholt.”
Sie geht zur Tür. “Schade!”, sagt sie. “Dann müssen Vati und ich allein frühstücken!”
Als sich die Tür hinter Mutti geschlossen hat, richtet sich Kaja Kim im Bett auf. Vati ist nicht zur Arbeit gefahren. Also muss heute Samstag oder Sonntag sein. Natürlich Samstag, denn gestern war Freitag.
Kaja Kim liebt es, zusammen mit Vati und Mutti zu frühstücken. Meistens gibt es immer etwas Besonderes.
Aber heute Morgen ist Kaja Kim schlecht gelaunt. So schlecht gelaunt, dass sie noch nicht einmal selbst weiß, warum das so ist. Solche Tage gibt es manchmal. Auch Mutti und Vati haben Schlechte-Laune-Tage. Dann muss man sie ganz in Ruhe lassen und abwarten, bis sie wieder gut gelaunt sind.
Kaja Kim will, dass Vati und Mutti sie heute auch in Ruhe lassen. Sie legt sich wieder auf ihr Kissen zurück und strampelt solange mit den Beinen, bis die Decke wieder einigermaßen richtig über ihr liegt. Dann schließt sie die Augen und versucht, wieder einzuschlafen. Doch so sehr es Kaja Kim auch versucht, es gelingt einfach nicht mehr. Nicht auf der einen Seite, nicht auf der anderen. Und auf dem Rücken auch nicht.
“Guten Morgen, Kaja Kim!”
Jetzt ist Vati auch noch gekommen. Er hockt sich neben Kaja Kims Bett, so dass er mit seinem Gesicht ganz nah an ihrem Kopf ist.
“Schläfst du noch?”, fragt Vati.
Da nickt Kaja Kim ein bisschen. Aber nur soviel, wie man im Schlaf nicken kann.
“Schade!”, sagt Vati. “Jetzt sitzen Mutti und ich schon so lange am Kaffeetisch und warten auf Kaja Kim. Der Kakao wird kalt, und das Rosinen-Schnecken-Stückchen wird ganz hart und trocken.
“Welches Rosinen-Schnecken-Stückchen?”, fragt Kaja Kim leise und blinzelt mit einem Auge. Rosinen-Schnecken-Stückchen isst sie am allerliebsten. Sogar lieber noch als Eis oder Pommes frites. Aber Mutti hält nicht so viel von den süßen Sachen. Deshalb gibt es für Kaja Kim Rosinen-Schnecken-Stückchen nur sehr, sehr selten einmal.
“Es liegt auf deinem Teller!”, sagt Vati.
“Mit Zuckerguss?”, fragt Kaja Kim.
“Mit Zuckerguss!”, antwortet Vati. “Und der Zuckerguss wird auch ganz hart und trocken!”
Kaja Kim hält ihre Augen so fest geschlossen, dass sie noch nicht einmal die Sonnenstrahlen sieht, die durch das Fenster hereinhuschen. Jetzt kitzeln sie sie schon an der Nase.
“Lass das!”, sagt Kaja Kim ärgerlich.
“Ich tu gar nichts!”, meint Vati und steht wieder auf. “Dann hast du sicher nichts dagegen, wenn ich dein Stückchen esse. Denn hart werden soll es ja nicht!”
O ja! Kaja Kim weiß nur zu gut, wie gern Vati Rosinen-SchneckenStückchen isst.
Blitzschnell richtet sie sich im Bett auf und hält Vati fest.
“Du darfst nur einmal beißen!”, sagt Kaja Kim.
“Hm!”, sagt Vati und lacht ein bisschen.
Und Vatis Gesicht ist beim Lachen so lieb und seine Augen glitzern, so dass Kaja Kim einfach mitlachen muss. Dann breitet sie beide Arme aus und schlingt sie ganz fest um Vatis Kopf. So fest, dass Vati fast keine Luft mehr bekommt.
“Du bist heute Nacht ja schon wieder stärker geworden!”, lacht Vati, als er sich endlich befreit hat. “Und so gut gelaunt!”
Da muss Kaja Kim gleich noch einmal lachen.
“Komm, ich helfe dir beim Anziehen!”, sagt Vati.
“Das kann ich doch längst allein!”, juchzt sie.
“Seit wann?” Vati kann es nicht glauben.
“Seit gestern!”, lacht Kaja Kim glücklich. “Aber da warst du ja schon fort!”
“Wirklich?”, fragt Vati.
“Du darfst zusehen!”, sagt Kaja Kim und springt aus dem Bett.
Und Kaja Kim zieht sich wirklich ganz allein an. Zuerst das Hemdchen und den Schlüpfer, dann das knallrote Sommerkleid darüber und zum Schluss noch die Sandalen.
“Fertig!”, sagt Kaja Kim.
“Toll!”, lacht Vati.
Dann nimmt er Kaja Kim an die Hand, und zusammen gehen sie zum Frühstückstisch, wo Mutti auf sie wartet. Es riecht nach Kaffee und frischen Brötchen, nach Kakao und Rosinen-Schnecken-Stückchen. Und die Sonne scheint durch das Fenster mitten auf den Kaffeetisch.
“Guten Morgen, Mutti!”, ruft Kaja Kim und schlingt beide Arme um ihren Hals.
“Bist du wieder gut gelaunt?”, flüstert ihr Mutti ins Ohr.
Kaja Kim nickt.
“Guten Morgen, Kaja Kim!”, lacht Mutti und gibt ihr einen dicken Kuss.


 

 

WARUM BASTIAN ES NICHT EILIG HAT

Wenn es oben über Omas und Opas Wohnung rumpelt und pumpelt, wenn schnelle kleine Schritte überall über ihnen zu hören sind, dann stößt Opa Oma an und schmunzelt.
“Jetzt ist er wach!”, sagt er, und Oma nickt fröhlich. Dann gießt sie Opa noch eine Tasse Kaffee ein.
Wenn dann eilige schnelle Füße die Treppe hinunter holpern und stolpern und etwas langsamere Füße ihnen folgen, dann legt Opa seine Zeitung zur Seite und nimmt die Brille von der Nase.
“Jetzt geht er in den Kindergarten!”, sagt Opa und nickt wieder.
“Aber zuerst sagt er uns auf Wiedersehen!”, lacht Oma und greift nach dem dicksten und schönsten Apfel in dem Korb auf dem Kühlschrank.
Dann stürzt er auch schon zur Tür herein: Bastian, Omas und Opas Enkelkind, das mit seinen Eltern in der Wohnung über ihnen wohnt. Opa breitet beide Arme weit auf, und Bastian fliegt hinein.
“Guten Morgen, Bastian!”, sagt Opa und gibt ihm einen dicken Kuss auf die Stirn.
Aber Bastian hat nicht viel Zeit. Er läuft bereits zu Oma.
“Guten Morgen, Bastian!”, sagt Oma und greift nach dem dicksten Apfel in dem kleinen Korb auf dem Kühlschrank. Sie legt Bastian den Arm um die Schulter und fragt: “Willst du dir den mitnehmen?
Der Apfel ist so dick, dass er nicht einmal in Bastians Hosentasche passt.
“Jetzt komm!”, sagt Bastians Mutter und will mit ihm wieder gehen.
Doch da fragt Opa: “Hast du heut schon mal gelacht?”
Bastian schüttelt den Kopf.
Da nimmt Opa die Brille ab und zieht seine Nase kraus. Und dann, ja, dann kann Bastian es deutlich sehen, dass Opa mit seinen Ohren wackelt. Das sieht so lustig aus, dass Bastian laut lachen muss.
Bastians Mutter aber lacht überhaupt nicht. “Jetzt ist es höchste Zeit für den Kindergarten!”, sagt sie und packt Bastian am Arm. “Komm!”, sagt sie und zieht ihn hinter sich her.
Und Oma blickt Opa nur an und schüttelt den Kopf.
Zum Kindergarten ist es nicht weit. Doch Bastian bleibt immer wieder stehen, weil es so viel zu sehen gibt.
Schumanns haben kleine Hasen. Da muss er unbedingt auf das Mäuerchen steigen, um über den Zaun zu schauen. Drei niedliche Hasen flitzen in einem Käfig auf dem Rasen hin und her. Heute Mittag will Bastian Herrn Schumann unbedingt fragen, ob er einen Hasen einmal auf den Arm nehmen kann. Oder vielleicht gleich? Wenn die Hasen schon draußen sind, dann ist bestimmt auch Herr Schumann schon wach.
“Heute Mittag!”, sagt seine Mutter und zieht ihn hinter sich her. Frau Krämer schaut aus dem Fenster. Sie hat ein Kissen auf die Fensterbank gelegt und stützt sich darauf mit ihren Armen. Das macht sie oft, denn dann kann sie genau sehen, was alles in der Straße passiert. Frau Krämer wohnt ganz allein in ihrer Wohnung.
“Na, Bastian, willst du in den Kindergarten?”, fragt Frau Krämer, obwohl sie das doch genau weiß. Sie sieht ihn ja jeden Morgen.
“Ja!”, sagt Bastian und bleibt stehen.
“Wir haben es heute sehr eilig!”, sagt seine Mutter und zieht ihn hinter sich her.
Dann bleibt Bastian plötzlich stehen, schaut auf den Boden vor sich und kniet auch bereits vor einem winzigen Käfer, der eilig weiter krabbeln will.
“Sieh doch nur, Mutti!”, sagt Bastian. “Was ist das für ein Käfer?”
“Vielleicht ein Junikäfer!”, meint seine Mutter. Aber so genau weiß sie es nicht.
Dafür weiß sie umso besser, dass Bastian jetzt keinen Schritt weiter geht, bevor der Käfer davon gekrabbelt ist.
“Komm jetzt, Bastian!”, sagt sie dann, und Bastian trottet hinter ihr her.
Jetzt muss ihnen auch noch der alte Herr Schmidt begegnen. Er kommt schon vom Einkaufen. Milch und frische Brötchen hat er geholt. Und Herr Schmidt hat immer Zeit, viel Zeit.
“Na, junge Frau!”, sagt Herr Schmidt und bleibt stehen.
“Wir haben es heute sehr eilig!”, sagt Bastians Mutter.
“Hast du wieder Brötchen und Milch gekauft?”, fragt Bastian.
“Und noch etwas!”, sagt Herr Schmidt und zeigt auf eine kleine Tüte in seinem Korb.
Bastian blickt ihn fragend an.
“Na, was kann das wohl sein?” fragt Herr Schmidt.
Bastian weiß es nicht.
“Du darfst es einmal anfassen!”, meint Her Schmidt.
Da holt Bastian die kleine Tüte aus dem Korb und versucht, mit seinen Händen herauszufinden, was in der Tüte ist. Er tastet ganz behutsam.
“Vielleicht Bonbons?”, fragt er.
Herr Schmidt schüttelt den Kopf.
“Kirschen? Oder ganz kleine Plätzchen?”