Sternenstädte: Das 1134 Seiten Science Fiction Abenteuer Paket

Alfred Bekker et al.

Published by Alfred Bekker, 2018.

Inhaltsverzeichnis

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Sternenstädte: Das 1134 Seiten Science Fiction Abenteuer Paket

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Gäste der Erde

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Prolog

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SALPETERWELTEN

Mutabor

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1. Als die Sterne sangen

2. Zeit der Träume, Zeit der Wünsche

3. Jagdzeit

4. Mordzeit

5. Rauhnächte

6. Traumzeit

7. Endzeit

Postlagernd Hesperos City 3000

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Raumschiff Prokyon und der Schicksalskreis Stonehenge

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Die Hauptpersonen des Romans:

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Brandfackel aus dem Kosmos

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Mit hundertfacher Lichtgeschwindigkeit

Spuk aus dem Raum

Dreißig Sekunden Störung

Die Straße des Todes

Quiz an der toten Straße

Der ultraviolette Stern

Die Harke des Todes

Sturz ins Unbekannte

Landung auf Gol

Unter den Riesen

Ein Liliputaner aus dem Raum

Gefahr für Biggy

Gefangener auf Gol

Das Wunder von Hammerfest

Der unsichtbare Käfig

Der verwaiste Strahl

Der Tod vom anderen Stern

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Prolog

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Die abgelegene Sternenstadt

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Bedrohung aus dem Hyperraum

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Further Reading: 30 Sternenkrieger Romane - Das 3440 Seiten Science Fiction Action Paket: Chronik der Sternenkrieger

Also By Alfred Bekker

Also By Gerd Maximovic

Also By Horst Weymar Hübner

Also By Harvey Patton

Also By Freder van Holk

Also By W. W. Shols

Also By W. K. Giesa

About the Author

About the Publisher

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Sternenstädte: Das 1134 Seiten Science Fiction Abenteuer Paket

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Science Fiction von Alfred Bekker, Horst Weymar Hübner, W.K. Giesa, Harvey Patton, Freder van Holk, W.W.Shols, Gerd Maximovic

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DIESES BUCH ENTHÄLT folgende Science Fiction Abenteuer:

Horst Weymar Hübner: Gäste der Erde

Gerd Maximovic: Salpeterwelten

W.K.Giesa: Mutabor

W.W.Shols: Postlagernd Hesperos City 3000

Harvey Patton: Raumschiff Prokyon und der Schicksalskreis Stonehenge

Freder van Holk: Brandfackel aus dem Kosmos

Horst Weymar Hübner: Der Tod vom anderen Stern

Alfred Bekker: Die abgelegene Sternenstadt

Alfred Bekker: Bedrohung aus dem Hyperraum

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DIE GROßE MAGELLANSCHE Wolke ist das Ziel. Aber der Weg dorthin wird unterbrochen, weil der Leerraum zwischen den Galaxien nicht einmal mehr Dunkle Energie und Materie enthält, wodurch der Überlichtflug unmöglich wird. Sind die spinnenartigen Wesen auf den Trümmern eines zerstörten Planeten dafür verantwortlich? Der Leerraum scheint doch nicht ganz so leer zu sein, müssen auch die Menschen an Bord eines Fernraumschiffs  lernen.

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Gäste der Erde

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TIMETRAVEL - Reisen mit der Zeitkugel

von Horst Weymar Hübner

Der Umfang dieses Buchs entspricht 112 Taschenbuchseiten.

Seit Jahren bereits ist das irdische Sonnensystem von einem Ring interstellarer Beobachtungsstationen umgeben. Schwerpunkt der Beobachtung ist Epsilon Eridani. Dorthin flüchteten drei fremde Raumschiffe, und dort erwartet man ihr Wiederauftauchen.

Mit Beginn des Jahres 2642 häufen sich die Verluste an terranischen Händlerschiffen, die in das Gebiet zwischen Alpha Centauri und Tau Ceti vorstoßen. Diese Raumsektoren gelten als gefährlich, seit vor zehn Jahren eine gewaltige interstellare Gaswolke durchzog und ein Ausläufer im Schwerkraftfeld von Alpha Centauri hängen blieb und sich zu einem Materiewirbel zusammenzog.

Schiffsrouten mussten verlegt werden, Handelsraumer, die vom Kurs abwichen und dem Wirbel zu nahe kamen, konnte man nur noch als Wracks aus der Gefahrenzone schleppen. Totalverluste gab es bisher jedoch nicht.

Doch nun verschwinden Schiffe spurlos von den Ortungsschirmen. Als man den Vorgängen erhöhte Aufmerksamkeit schenkt, entdecken die Beobachtungsstationen fremde Kugelraumschiffe von nie gesehener Größe, die aus dem verdichteten Materiewirbel hervorstoßen und Kurs auf das irdische Sonnensystem nehmen.

Die irdische Raumflotte wird in Alarmbereitschaft versetzt, denn jedem wird klar - die Fremden kommen!

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Cover nach einem Motiv von Pixabay, 2017

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Prolog

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Professor Hallstrom glückte das fantastische Experiment, winzige Substanzteile zu ent- und zu rematerialisieren. Er errechnete, dass diese Substanzteile im Zustand der Körperlosigkeit mit ungeheurer Geschwindigkeit in der 4. Dimension zu reisen vermochten – also nicht nur durch den Raum, sondern auch in die Vergangenheit und in die Zukunft. Mit seinem Assistenten Frank Jaeger und dem Ingenieur Ben Crocker begann er, diese Entdeckung für die Praxis auszuwerten. Er wollte ein Fahrzeug bauen, das sich und seinen Inhalt entmaterialisieren, dann in ferne Räume und Zeiten reisen, sich dort materialisieren und nach dem gleichen Verfahren wieder an den Ursprungsort und in die Ursprungszelt zurückversetzen konnte. Nach vier Jahren musste der Professor seine Versuche aus Geldmangel einstellen.

Die superreichen Mitglieder vom „Konsortium der Sieben“ in London boten ihm aber die fehlenden Millionen unter der Bedingung an, dass sie über den Einsatz der Erfindung bestimmen könnten. Der Professor erklärte sich einverstanden, konnte weiterarbeiten und vollendete sein Werk: die Zeitkugel. Seit diesem Zeitpunkt reisen der Professor, sein Assistent und der Ingenieur im Auftrag des „Konsortiums der Sieben“ durch die 4. Dimension.

Dieser Roman erzählt die Geschichte der Ausführung eines derartigen Auftrags.

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Zwei Lichtwochen von der Funkfeuerstation entfernt stand der Materiewirbel im Universum.

Zehn Jahre zuvor war er nichts weiter als der Randarm einer gigantischen Dunkelwolke gewesen, die aus dem Zentrum der Galaxis gekommen und mitten durch ein benachbartes Sonnensystem hindurchgegangen war.

Die Dunkelwolke war weitergezogen, der armförmige Wolkenausläufer war vom Schwerkraftfeld des Systems Alpha Centauri eingefangen und abgetrennt worden.

Seitdem blockierte er die wirtschaftlichsten Flugrouten zwischen Alpha Centauri und Tau Ceti. Die kürzesten Strecken waren auch die billigsten.

Anfangs hatte der stationär gewordene abgetrennte Wolkenarm Durchflüge lichtschneller Raumschiffe gestattet. Die Elektronik der Schiffe war allerdings außer Rand und Band geraten.

Insgesamt betrachtet war der Nutzen damals aber größer gewesen als die Summe aller Schäden.

Nach einem halben Jahr bereits gab man die Durchflüge auf. Ohne erkennbaren Anlass hatte sich die Wolke zusammengezogen.

Ein paar Schiffe der Raumflotte waren in die Zusammenballung hineingestoßen und auf der anderen Seite auch herausgekommen, doch waren die elektronischen Einrichtungen so nachhaltig ruiniert, dass eine Reparatur teurer gekommen wäre als ihre Neuanschaffung.

Von diesem Kostenpaket hatte sogar die Flotte kapituliert. Für einen Handelskapitän wäre ein Flug durch die sich verdichtende Wolke vorsätzlicher finanzieller Selbstmord gewesen.

Fortan flogen die Händler und die Flottenkapitäne nur noch durch die Randzonen. Der Umweg kostete Zeit, doch war er sicher.

Derweil stellten Astrophysiker und Mathematiker Berechnungen und Vermutungen darüber an, wieso die längst entschwundene große Dunkelwolke nicht unterwegs schon in einem Sonnensystem hängen geblieben war, warum Alpha Centauri eine Randwolke herausgelöst und eingefangen, aber nicht in ihr Doppelsternsystem hineingerissen hatte, und weshalb sich die Randwolke zusammenzog.

Die Vermutungen überwogen.

Die Erkenntnis setzte sich durch, dass Gaswolken aus dem Zentrum der Galaxis anderen Eigengesetzlichkeiten unterworfen waren als jenen, die am Rande der Milchstraße Gültigkeit besaßen.

Die Kontraktion der Wolke hatte sich fortgesetzt. Ihre Ausdehnung von ursprünglich fünf Lichtwochen schrumpfte auf drei. Die Verdichtung der Materie machte auch das Durchfliegen der Randzonen unmöglich.

Vor fünf Jahren hatte es dann begonnen. Die Wolke war in Rotation geraten.

Ohne erkennbaren Anlass. Ohne Einwirkung der Doppelsonne Alpha Centauri, wie Messungen ergaben.

Gleichzeitig traten die Behinderungen im ohnehin schon auf Ausweichkurse angewiesenen Flugverkehr auf.

Schiffe, die näher als sechs Lichttage an der Rotationswolke vorbeiflogen, wurden von einem unvorstellbaren Sog erfasst und nach wenigen Stunden um Lichttage versetzt als Wracks ausgestoßen.

Über die Abläufe dieser Vorgänge in den Randzonen der Rotationswolke herrschte Unklarheit.

Beobachtungen von außen waren wegen der Materieballung nicht möglich.

Die Aussagen von Überlebenden solcher Unfälle deckten sich nur in dem einen Punkt - dass sie nämlich in dem Augenblick bewusstlos geworden waren, als ihr Schiff aus dem Kurs gerissen wurde.

Die automatischen Aufzeichnungen der Schiffe brachten ebenfalls keine Aufklärung. Die Anlagen waren durch unbekannte Kräfte zerstört worden.

Die herausgeschleuderten Wracks stellten gefährliche Hindernisse auf den Ausweichrouten dar.

Die Flotte wurde angewiesen, die manövrierunfähigen Schiffe aus der Gefahrenzone zu schleppen und möglichst kostendeckend zu arbeiten.

Ein Wrack erbrachte im günstigsten Fall ein Zehntel der Anschaffungskosten eines Neubaues, eine Bergung kostete zwei Zehntel des Neupreises.

Die Flotte legte gehörig drauf, und es ging die Rede, dass man nach jeder Wracksichtung ein deutliches Zähneknirschen aus dem Rechnungshof der terranischen Raumflotte hören könne.

Der Mindestabstand der Flugrouten zur rotierenden Materiewolke wurde auf zehn Lichttage festgesetzt. Schlagartig ging die Zahl der Unfälle zurück.

Natürlich gab es ein paar Kapitäne, die sich für hartgesotten genug hielten, dem Teufel ein Bein abzuhandeln. Um den Preis ihres Schiffes und ihrer Mannschaft wichen sie von den vorgeschriebenen Routen ab, versprachen sich einen Zeitgewinn von fünf oder sechs Tagen und hofften im Übrigen, dass es gut ging.

Andere gerieten infolge fehlerhafter Navigationsinstrumente in den Sog.

Das Bergungsgeschwader der Raumflotte wurde nicht arbeitslos.

Ein emsiger Kostenmathematiker errechnete schließlich, dass die Einrichtung und Unterhaltung von bemannten Funkfeuerstationen billiger kam als die Soldzahlungen eines Jahres an die Mannschaften der Bergungsschiffe.

Seitdem umgab ein Kranz von Stationen die rotierende Wolke.

In der Folgezeit waren nur noch drei Schiffe in den Sog geraten.

Unbestechliche Messeinrichtungen in den Funkfeuerstationen hatten die Vorgänge festgehalten, soweit sie von mechanischen Geräten überhaupt verfolgt werden konnten.

Das Fazit war, dass der Sog von unsichtbaren Trichtern ausging, die erstaunlicherweise völlig stabil waren und mit dreifacher Lichtgeschwindigkeit am Rande der Rotationswolke entlangjagten. Entgegen der Rotationsrichtung, die dem Uhrzeigersinn entsprach.

Der Sog reichte dort besonders weit in den Raum hinaus, wo die Trichter in den Streubereich des Sonnenwindes gerieten, der von dem Doppelgestirn kam.

Man vermutete, dass die Rotationswolke Energie tankte.

Die späteren Vorgänge schienen diese Annahme zu bestätigen. Die Rotationsgeschwindigkeit nahm laufend zu, und die Wolke zog sich auf einen Durchmesser von einer Lichtwoche zusammen.

Ein grimmiger Witzbold verbreitete in der Flotte das Gerücht, man habe es gar nicht mit einer Zusammenballung interstellarer Materie zu tun, sondern mit einem unbekannten und unbegreiflichen Intelligenzwesen, das sich an der Doppelsonne Alpha Centauri etwas aufwärmen wolle, bevor es die Weiterreise anträte.

Der Mann wurde gefeuert. Das Gerücht kursierte weiter.

Die weiteren Vorgänge schienen zu bestätigen, dass man es mit einer kosmischen Intelligenzform zu tun hatte. Die unsichtbaren Saugtrichter machten regelrecht Jagd auf Flugobjekte, die auch nur in die Nähe des geheimnisvollen Materiewirbels kamen.

Eine Funkfeuerstation ging auf diese Weise verloren. Die anderen wurden um drei Lichttage zurückgenommen.

Um zu erforschen, was sich im Zentrum des Wirbels abspielte oder möglicherweise verbarg, bekam ein Flottenkapitän den Auftrag, ein Raumtorpedo mit sauberem Kernsprengsatz in die Materiezusammenballung zu schießen.

Zugegeben, keine sehr feine, aber eine probate Methode.

Das Raumtorpedo verschwand so spurlos wie die Funkfeuerstation.

Auf die Explosion des Kernsprengsatzes wartete das Flottenkommando noch heute.

Die Saugtrichter rissen in einem Monat vier Schiffe von bisher als sicher geltenden Routen in die Rotationswolke hinein.

Der Materiewirbel wurde aggressiv und entwickelte sich zu einer ernsthaften Gefahr für die äußeren Planeten von Alpha Centauri.

Einwandfrei konnte angemessen werden, dass Methan und Ammoniak und freier Wasserstoff aus der Atmosphäre der Planeten gezogen wurde und ebenso im Wirbelzentrum verschwand wie die Raumer.

Vorsichtige Astrophysiker deuteten die Möglichkeit an, dass die Materieballung für weitere unliebsame Überraschungen sorgen könne.

Andere sprachen unverblümt von einer stellaren Katastrophe, die sich am Rande von Alpha Centauri anbahnte.

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In der Funkfeuerstation vier führten sie eine Strichliste.

Jeder Strich stand für einen Totalverlust.

Im Augenblick war die Besatzung vollauf damit beschäftigt, einen havarierten Frachter von Tau Ceti in einen anderen Raumsektor zu dirigieren. Sein Tetraplasmatriebwerk war zusammengebrochen. Mit dem Hilfsaggregat führte er vorsichtige Brems- und Umlenkungsmanöver aus.

Ein paar Lichtminuten vor der zuletzt beobachteten Einfanggrenze des Materiewirbels erreichte er den Scheitelpunkt seiner flachen Flugkurve.

Den Männern in der Funkfeuerstation standen die Haare zu Berge.

Mit Ach und Krach gewann der Frachter den rettenden Kurs und glitt buchstäblich im Zeitlupentempo aus der Gefahrenzone. Hilfsaggregate wurden nur zu Korrekturen bei Andockmanövern verwendet.

Der Schub, der erforderlich war, um den 10000-Tonnen-Frachter in Schwung zu bringen, verkürzte die Lebenszeit des Hilfstriebwerkes rapide.

Drei Minuten nach Passieren des Scheitelpunktes der Bahnkurve glühten auch tatsächlich die Ringe der Schwenkdüse auf, lösten sich und schossen mit der ionisierten Plasmawolke nach hinten weg.

Gebannt starrte die Besatzung der Funkfeuerstation auf die Orterreflexe der Düsenringe. Der Frachter trudelte auf dem rettenden Kurs weiter. Um ihn brauchten sich die Männer nicht mehr zu kümmern.

Sie interessierte, ob der Materiewirbel auf so winzige Gegenstände wie ausgeglühte Düsenringe reagierte.

War er eine Intelligenzform, übersah er vielleicht die kleinen Trümmer.

Ein Raunen ging durch den Beobachtungsstand, als die Reflexe wie weggewischt vom Orterschirm verschwanden.

Der Wirbel hatte sich die Trümmer geholt und auch die Reststrahlung der ionisierten Rückstoßwolke geschluckt!

Mit dem Verdauen der Plasmawolke schien er jedoch Schwierigkeiten zu haben. In seinem Zentrum glühte es rötlich auf und machte die Materieballung teilweise transparent.

Ringe wurden erkennbar, in denen die Materie stärker konzentriert war als in der Umgebung. Sie lagen hintereinander um ein gemeinsames Zentrum.

„Aufzeichnung!“, schrie jemand.

Der Anblick des aufleuchtenden Materiewirbels war derart faszinierend, dass kein Mensch daran gedacht hatte, die optische Speicheranlage mitlaufen zu lassen.

Bevor sich eine Hand auf den Druckschalter senkte, war das Schauspiel bereits vorbei.

Und dann krachte es in der Station, als habe ein Raumtorpedo eingeschlagen.

Die Männer stürzten durcheinander. Die Mess-, Registrier- und Peileinrichtungen rissen aus den Verankerungen an den Wänden. Der Boden hob und senkte sich. Die Beleuchtung fiel aus.

Kein Besatzungsmitglied hatte den Schutzanzug angelegt.

Die Männer schlossen mit dem Leben ab.

Etwas hatte ihre Station getroffen. Dass sie noch nicht tot waren, ließ sich nur als wundersame Fügung bezeichnen.

Dem schmetternden Schlag und dem Kreischen reißender Metallanker folgte Stille.

Die Männer lagen starr und steif, wohin sie der heftige Stoß geschleudert hatte.

Bangen Herzens lauschten sie auf das typische Zischen entweichender Luft. Die Station konnte die Explosion gar nicht ohne Risse in der Außenhülle überstanden haben.

In die Todeserwartung mischte sich nach Sekunden ungläubige Verwunderung.

Die Sauerstofferneuerungsanlage summte so verhalten wie eh und je. Die Luft blieb atembar. Der Druck fiel nicht ab.

Nur langsam begriffen die Männer, dass sie vorläufig davongekommen waren.

Sie krochen unter den Peilerkonsolen und Messkästen hervor, schafften etwas Ordnung und machten eine Bestandsaufnahme.

Vier Besatzungsangehörige waren leicht verletzt, ein Mann hatte Rippenbrüche.

Sie waren billig davongekommen.

Was mit der Station geschehen war, konnten sie vom Beobachtungsstand aus nicht in Erfahrung bringen.

Die Bildübertragungs- und Sprecheinrichtungen zu den übrigen Räumen waren unterbrochen. Das Licht ging nicht an, und auch die Notbeleuchtung streikte.

Das dienstälteste Besatzungsmitglied übernahm das Kommando, ließ die Schutzanzüge anlegen und die wenigen Handlampen verteilen, die üblicherweise als Lichtquellen bei kurzen Ausflügen aus der Station dienten.

Die Verletzten blieben im Beobachtungsstand zurück. Die anderen erkundeten die Station, um das Ausmaß der Schäden festzustellen und herauszufinden, was eigentlich passiert war.

Die Schleusentür klemmte, eine Folge der Verwindung, die mit der Station vor sich gegangen war.

Sie ließ sich jedoch mit einem Stemmeisen aufbrechen und in die Wand schieben.

Der Stationskorridor war mit dem vorgeschriebenen Luft-Sauerstoff-Gemisch gefüllt. Teile der Verkleidung waren heruntergefallen.

Jemand hämmerte mit einem Metallgegenstand gegen die Tür des Ruheraumes.

Die Männer setzten wieder das Stemmeisen ein und befreiten sieben Besatzungsmitglieder, die während der Ruhephase überrascht und eingeschlossen worden waren.

Da hier niemand verletzt war, wurden die Männer zum Beobachtungsstand geschickt, weil sich dort die Schutzanzüge in einem zum Magazin umgebauten Nebenraum befanden.

Der Erkundungstrupp drang weiter vor.

Bisher deutete nichts auf eine Explosion hin.

Über Helmfunk tauschten die Männer Vermutungen aus. Einer meinte, dass ein Flottenkapitän aus zu großer Entfernung ein Raumtorpedo abgefeuert hatte, weil er angesichts des Materiewirbels das Hosenflattern bekam und versehentlich die Station erwischt hatte.

Der Dienstälteste unterband die einsetzende Diskussion: „Habt ihr überhaupt eine Vorstellung von der Zerstörungskraft eines Torpedos? Nein? Dann seid still und sucht weiter.“

Aus der Bordküche strömte den Männern Wasser entgegen. Der Tank war geborsten.

Im Maschinenraum, wo der Gravitationserzeuger und der Generator standen, entdeckten sie die Ursache für den Lichtausfall.

Der Kabelbaum war gegen eine gesplitterte Stahlplastikstrebe geschlagen und hatte sich regelrecht daran aufgespießt. Die Isolation einiger Stränge war beschädigt worden. Der Strom war vagabundierend über die Strebe ins Gerüst und die Hülle der Station gelangt, statt im Netz zu verbleiben.

Die Sicherheitsautomatik am Generator hatte den vorschriftswidrigen Abfluss des Stromes registriert und die Anlage abgeschaltet.

Die Männer isolierten die beschädigten Stränge, befestigten den Kabelbaum und setzten den Generator in Gang.

Augenblicklich strahlte wieder das gewohnte Licht aus den Leuchtbändern der Räume und des Korridors.

Die bisherige Erkundung hatte weder ein Leck noch einen Explosionsort erkennen lassen.

Nur der Hangar war noch nicht kontrolliert. Er lag hinter den Schlafräumen.

Als einziger Raum des Schiffes besaß er eine Druckanzeige, die von jedem Besatzungsmitglied beachtet werden musste, das den Hangar betreten wollte.

Der Eintritt in den Hangar bei geöffneter Außenschleuse hätte nicht nur für den Eintretenden fatale Folgen gehabt, sondern für die gesamte Station.

Nach der Anzeige war der Druck im Hangar etwas über Normal. Eine Lichttafel signalisierte, dass die Außenschleuse geschlossen war.

Auch hier klemmte die Tür. Viel stärker als bei den anderen Räumen.

Erst nach zehn Minuten hatten die Männer den Zugang geöffnet.

Die beiden Stationsboote waren von ihren Katapultvorrichtungen gestürzt und lagen auf der Seite.

Der Hangarboden war unter der Einwirkung einer unbekannten Kraft verformt und wölbte sich in der Mitte der Halle fast einen Meter hoch auf.

Verdutzt betrachteten die Männer die Verwüstung.

Die Aufwölbung des Bodens verriet, dass von unten her etwas gegen die Station gekracht war. Der Hangarboden war dicht geblieben, ebenso die Außenhülle.

Die Männer erkannten, dass sie unwahrscheinliches Glück im Unglück gehabt hatten.

Der Dienstälteste schleuste sich mit drei Freiwilligen aus, um das Ausmaß der äußeren Beschädigung festzustellen.

Die Hülle war exakt unter dem Hangar eingedrückt. Der vierköpfige Trupp fand bequem in der Delle Platz. An der tiefsten Stelle waren die Stahlplastikplatten zerkratzt und wiesen fingerstarke Rillen auf.

Etwas hatte hier die Station getroffen und war abgelenkt worden - etwas, das die Orter nicht erfasst hatten.

Feindselig spähte der Dienstälteste über den Rand der Delle auf den Materiewirbel.

Hatte das rotierende Gebilde das Trümmerstück eines Schiffes ausgestoßen und gegen die Station geschleudert?

Oder hatte die Station mit einem interstellaren Asteroiden Bekanntschaft gemacht?

Plötzlich wischte sich der Dienstälteste mit dem Panzerhandschuh über die Helmscheibe, als müsste er kosmischen Staub entfernen.

Im Licht der Doppelsonne Alpha Centauri sah er es unweit der Station golden aufblinken.

Dann konnte er drei runde Gegenstände erkennen.

Er schaltete das Rückstoßaggregat ein und flog aus der Delle.

Kaum zwanzig Meter von der Station entfernt schwebten drei goldene Kugeln im Raum, nicht größer als ein Kinderspielball.

Er flog zweimal um sie herum.

Die Bälle wurden offensichtlich von der Masse der Station angezogen, denn sie trieben langsam hinüber.

Vorsichtig streckte er die Hand aus.

Wie nicht anders zu erwarten, waren die Dinger praktisch gewichtslos.

Er schubste sie auf das helle Rechteck der erleuchteten Hangarschleuse zu und flog hinterher.

Kinderbälle!

Er hatte keine Kinder. Aber sicher gab es goldene Kinderbälle.

In der Schleuse drehte er sich um und betrachtete den Wirbel.

Vielleicht hatte einer der spurlos verschwundenen Frachtraumer eine Kiste mit goldenen Bällen an Bord gehabt. Der Wirbel hatte die Kiste gegen die Station geschleudert und die Hülle eingedrückt.

Der Dienstälteste schüttelte den Helm. Wo waren dann die Kistentrümmer?

Die Kiste musste zerplatzt sein, sonst wären die Bälle nicht herausgelangt. Und zudem waren sicher mehr als nur drei Bälle in dem Behälter gewesen.

Doch dort draußen schwebte nichts mehr herum.

Er starrte lange zu der rotierenden Materieballung hinüber. War der Treffer purer Zufall oder Absicht gewesen?

Als er die Schleuse zugleiten ließ, dachte er an das Gerücht.

Er kniff den Mund zusammen. Wenn er den Verdacht äußerte, dass der Wirbel sie mit goldenen Bällen bombardiert hatte, flog er mit Sicherheit ebenfalls. Oder man sperrte ihn in ein psychiatrisches Institut.

Über den Helmfunk teilten ihm seine Leute mit, dass die Schleuse gefüllt war.

Er kippte den Helm nach hinten und trat durch das aufgleitende Innenschott in den Hangar.

Die drei Freiwilligen waren vor ihm hereingekommen.

Sie hatten sich der Schutzanzüge bereits entledigt und machten mit den anderen Männern Jagd auf die drei goldenen Bälle, die von unbekannten Kräften getrieben kreuz und quer durch die Halle schossen.

Ächzend lehnte sich der Dienstälteste an die Schotteinfassung und überzeugte sich mit einem zweiten Blick, dass ihm seine Augen keinen Streich vorgaukelten.

Die Gravitation war normal, und eigentlich hätten die Bälle am Boden liegen müssen.

Unruhe befiel ihn. Er brachte die Bälle mit dem Materiewirbel in Verbindung.

Unvorstellbar, wenn die Zusammenballung am Ende doch eine Intelligenzform war!

„Schluss mit dem Unfug!“, sagte er heiser. „Fangt die Dinger ein und bringt sie nach vorn!“

Er stampfte aus dem Hangar und stieß auf dem Korridor herumliegende Verkleidungsteile beiseite.

Im Beobachtungsstand waren die Aufräumungsarbeiten in vollem Gange. Er schälte sich aus dem Anzug und hängte ihn weg.

Nach zehn Minuten erst kamen die Leute aus dem Hangar. Ihren Gesichtern sah er an, dass etwas geschehen war.

„Ja?“ Seine buschigen Brauen gingen in die Höhe.

„Die goldenen Bälle sind weg“, sagte jemand zögernd. „Einfach verschwunden.“

Der Dienstälteste hatte das Gefühl, statt des Magens einen Eisklumpen im Leib zu haben. „Nichts verschwindet einfach! Was ist passiert?“

Der Mann räusperte sich. „Sie setzten sich plötzlich an die Wand. Genau neben der Schleuse. Dann verschwanden sie.“

„Ein guter Witz! Und weiter?“

„Wir sind alle Zeugen. Die Bälle sind durch die Wand verschwunden. Wir haben die Stelle untersucht und abgeklopft. Es gibt keine Beschädigung und kein Loch. Wir verstehen es nicht.“

Der Dienstälteste kehrte mit den Leuten in den Hangar zurück. Er überzeugte sich selber.

„Vielleicht sind sie wieder draußen“, meinte einer der Freiwilligen. Das Grinsen, das er dabei zur Schau trug, wirkte sehr gekünstelt.

Der Dienstälteste betrat eine der Sichtkuppeln und schaltete den schwenkbaren Scheinwerfer ein.

Die drei goldenen Bälle waren draußen!

Sie schwebten ungefähr dort, wo er sie angestoßen hatte.

Er schaltete hastig den Scheinwerfer aus und wischte sich über die Augen.

Es war offensichtlich zwecklos, sie erneut einzufangen. Große Lust dazu verspürte er auch nicht.

Es war wohl besser, wenn sich die Flotte darum kümmerte und ein Schiff herschickte.

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In der Nacht weckte Mrs. Muller ihren Mann, weil sie im Garten hinterm Haus ein Fahrzeug herumfahren hörte.

„Ed, jemand ist auf dem Grundstück! Sieh bitte nach!“

„Ja ja“, machte Ed Muller verschlafen und drehte sich auf die andere Seite. „Sobald es hell ist.“

Tamy Muller lauschte mit einem Ohr den Geräuschen hinterm Haus und mit dem anderen den tiefen Atemzügen Ed Mullers, der bereits wieder entschlummert war.

Mit einem Griff zog sie ihm die Thermodecke weg. „Ed, jemand fährt hinterm Haus herum!“

Ed Muller angelte in der Dunkelheit nach der Decke. Als er sie nicht fand, setzte er sich auf.

Er gähnte herzhaft und ungeniert und fingerte am Kopfende des Bettes herum, bis er die Drucktaste gefunden hatte.

Ein dünner Laserstrahl stach durchs Zimmer und warf die Uhrzeit an die Wand. Drei in der Frühe!

Er ließ seufzend die Drucktaste los. Mit den Nerven seiner Frau war nicht mehr alles in bester Ordnung.

Er entsann sich des schrecklichen Augenblicks vor ein paar Wochen, als ihn das Gefühl drohender Gefahr aus dem Schlaf gerissen hatte. Tamy stand mit dem entsicherten Strahlschussgewehr am offenen Fenster und zielte auf den Müllkonverter neben der Hintertür.

Die Explosion hatte die Hintertür eingedrückt, in den umliegenden Häusern waren ein paar Scheiben eingefallen, und Mrs. Muller hatte den verdutzten Polizisten gegenüber erklärt, sie hätte den Müllkonverter für einen durchgegangenen Roboter gehalten.

Die frostige Zurückhaltung der Nachbarn danach war nicht so schlimm wie das heimliche Getuschel.

Dann war erst kürzlich die Sache mit dem künstlichen Waschbär der Nachbarskinder passiert.

Das Tier hatte sich von der Versorgungsdose abgeklemmt, als sein Energiespeicher gefüllt war, und hatte begonnen, geräuschvoll auf den Dächern herumzuklettern. Mrs. Muller hatte den Lärm einem Einbrecher zugeschrieben.

Weil der Schrank abgeschlossen war, in dem das Strahlschussgewehr aufbewahrt wurde, hatte sie die Bezirkspolizei alarmiert.

Seit dreißig Jahren waren in diesem Distrikt keine Einbrüche mehr vorgekommen. Darum war die Polizei innerhalb von drei Minuten mit vier Fluggleitern und elf Mann zur Stelle, baute Scheinwerfer auf, durchkämmte die Gärten und weckte das gesamte Viertel.

„Hier sind wir doch schon mal gewesen“, hatte ein Polizist beim Anblick des Muller-Hauses skeptisch gemeint.

Seine Kollegen fingen da gerade den künstlichen Waschbären vom Dach herunter und schalteten ihn ab.

„Na ja!“ Der Polizist hatte vernehmlich geseufzt und dann den Befehl zum Abbau der Scheinwerfer gegeben.

In der Folgezeit hatte die kleine Edda immer wieder erzählt, wie die Nachbarskinder hässliche Bemerkungen über Tamy Muller machten.

Ed Muller seufzte auch. „Tamy, es ist drei Uhr früh. Um diese Zeit fährt niemand in fremden Gärten herum. Versuch zu schlafen.“

Er gab ihr aus seinem Vorrat eine Tablette und hörte, wie Tamy sie zerbiss.

„Es war aber ganz deutlich“, sagte Mrs. Muller. „Obendrein war mir, als hätte Edda gelacht.“ Die Tablette wirkte schnell, sie sprach schon schläfrig.

„Ich sehe nach“, versprach Ed Muller. „Schlaf jetzt.“

Er schwang die Füße aus dem Bett und schob das Fenster hoch. Die kalte Nachtluft ließ ihn frösteln. Tamys Zustand beunruhigte ihn.

Im Garten war alles still. Edda lachte nicht, und es fuhr auch niemand hinter dem Haus herum.

Er kannte niemand, der Geräusche und Stimmen hörte, die es gar nicht gab.

Doch hatte er gehört, dass es solche Menschen gab und dass die Behandlung äußerst kostspielig war.

Er rechnete nach, ob er das überhaupt schaffen konnte. Das Haus war erst zur Hälfte bezahlt, für den kleinen Fluggleiter bekam der Händler noch elf Raten, und bei der Bank stand er vom letzten Familienurlaub her noch mit zwei Kreditscheinen in der Kreide.

Wenn er mit dem Händler redete, nahm der Mann den Gleiter vielleicht für einen guten Preis zurück.

Er schloss das Fenster und schaute nach Edda.

Sie schlief tief und fest und fühlte sich auch nicht durch das helle Licht behelligt.

Ihr blondes Seidenhaar floss in weichen Wellen über das Kissen. Ihr Gesichtchen trug einen kindlich glücklichen Ausdruck.

Als Ed Muller sich abwenden wollte, entdeckte er, dass aus dem Glas auf der Fensterbank eine Eidechse fehlte.

Er unterdrückte den Wunsch, die Eidechse jetzt zu suchen. Aber am Morgen musste er ernsthaft mit Edda reden; es ging nicht an, dass sie ein Tier mit ins Bett nahm.

Auf ihrem Nachttisch lag eine goldglänzende Kugel, die er noch nie unter ihrem Spielzeug bemerkt hatte.

Ein frischer Grashalm haftete an ihr.

Dafür fehlte der aufziehbare Elefant vom Wandbrett. Edda musste ihn bei einem der Nachbarskinder gegen die Kugel eingetauscht haben.

Ed Muller lächelte und löschte das Licht Die Kinder verstanden sich also wieder untereinander.

Er hoffte, dass auch zwischen den Erwachsenen bald alles in Ordnung kam.

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Vor dem Frühstück legte er sich ein paar Worte wegen der Eidechse zurecht und schaute dabei Tamy nach, die mit der Vibroschere in den Garten ging, um Blumen für die Tischvase zu schneiden.

Plötzlich hörte er sie rufen.

Sie stand am Ende des Betonplastweges, wo ihre Blumenbeete begannen, und deutete auf einen ovalen Fleck mitten im Rasen. Das Gras war gelb wie mit einem Vernichtungsmittel besprüht.

Außerdem war der Boden schuhtief eingedrückt.

Ed spürte Ärger aufsteigen. Er pflegte seinen Rasen mit großer Hingabe. Voller Unmut betrat er das Grün und untersuchte die beschädigte Stelle. Danach verzieh er Tamy den Müllkonverter und den vermeintlichen Einbrecher.

Diese Nacht war tatsächlich jemand im Garten gewesen. Nur war er nicht mit einem Fahrzeug herumgefahren, sondern mit einem Fluggerät auf dem Rasen gelandet.

Es konnte sich nur um eine sehr umweltfeindliche Maschine handeln, wie das gelbe Gras verriet. Ein altes Modell mit heißem Gasmassenausstoß.

Ed beschloss, das Oval am Nachmittag mit frischer Erde aufzufüllen und neu einzusäen.

Was den unbekannten Piloten bewogen hatte, ausgerechnet nächtens in seinem Garten zu landen, blieb ihm unerfindlich.

Tatsache blieb, dass Tamy keine Halluzinationen gehabt hatte.

Und Edda konnte im Schlaf gelacht haben.

Da er keine Meinung über das Loch im Rasen äußerte, wandte sich Tamy ihren Blumen zu.

Zum Frühstück erschien Edda reichlich verschlafen. Angezogen war sie auch nicht.

Ed empfing ihren Gutenmorgenkuss.

„Meinst du nicht, dass sich die anderen Eidechsen sehr benachteiligt vorkommen, wenn sie nicht im Bett schlafen dürfen?“, fragte er und nahm von der künstlichen Marmelade.

Edda schaute verwundert, wie es nur Kinder mit absolut reinem Gewissen können.

„Aber Pa, Miranda hat doch nicht bei mir geschlafen! Ich habe sie weggegeben.“

Er nickte. „Den Elefanten auch. Er ist nicht mehr da.“

Sie nickte mit wichtiger Miene. „Den habe ich auch Marubeni geschenkt. Dafür habe ich die goldene Kugel bekommen.“

„Marubeni?“ Ed Muller zog die Stirn in Falten. Er kannte niemand, der so hieß. Vielleicht war jemand zugezogen, von dem er nichts wusste.

„Mein großer Freund“, erklärte Edda. „Dir gehört auch etwas davon, Pa.“

„Wovon?“

„Von der goldenen Kugel. Es ist eine Zauberkugel.“

„Aha.“ Er biss kräftig in das Algenbrot. „Hat Marubeni das gesagt?“

„Nicht so richtig. Aber wenn dir die Hälfte gehört, bist du vielleicht nicht böse auf ihn.“

„Warum sollte ich böse auf ihn sein? Ich kenne ihn nicht.“

„Er brauchte etwas aus deinem Fluggleiter. Er hatte einen Unfall. Aber er bringt es heute Nacht wieder. Er hat es mir versprochen.“

Tamy setzte hastig die Tasse ab, und Ed legte sein Algenbrot auf den Teller. „Aus unserem Gleiter?“

„Pa, er bringt es ganz bestimmt wieder.“

Ed verließ den Frühstückstisch und ging in den Abstellraum ihres Gleiters, der aus Platzersparnisgründen unter dem Haus lag.

In der Bunkerkammer war nichts verändert. Der Gleiter ruhte auf der Hebevorrichtung, die ihn auf Straßenniveau brachte. Ed untersuchte die Armaturen. Es war nichts ausgebaut.

Er hatte Edda nie beim Lügen ertappt. Dass sie nun eine ganz und gar unwahrscheinliche Geschichte um die goldene Kugel wob, schob er weniger ihrer erwachenden kindlichen Fantasie zu als dem Umgang mit diesem Marubeni. Er musste Erkundigungen über die Leute einziehen und Edda notfalls den Kontakt untersagen.

Er ließ sich nichts anmerken, als er an den Tisch zurückkehrte.

Edda beobachtete ihn voller Misstrauen, und weil er nichts sagte, fragte sie: „Bist du jetzt böse, Pa?“

„Nein.“

„Dann bin ich aber froh.“

„Seit wann wohnt denn dein großer Freund hier?“

„Pa, aber er wohnt doch nicht hier.“

„Dann kennst du ihn von der Schule?“

Sie betrachtete ihren Vater mit jener Nachsicht, die Kinder verständnislosen Erwachsenen manchmal entgegenbringen. „Er geht nicht mehr zur Schule, Pa.“

Ed warf seiner Frau einen hilfesuchenden Blick zu. Er hatte den Eindruck, dass Tamy etwas sagen wollte. Doch sie schwieg.

„Wieso kennst du ihn dann?“

Eddas Schmollmund verriet Trotz. „Er kam mit seiner Flugmaschine in unseren Garten.“

„Letzte Nacht?“

Edda nickte. „Er hatte einen Unfall. Pa, er ist ein sehr netter Mann, und er wollte Miranda und den Elefanten erst gar nicht nehmen. Ich glaube, er hatte Angst.“ Sie kicherte.

„So, dein Freund Marubeni ist ein Mann? Edda, du hättest uns wecken sollen. Hat er an dein Fenster geklopft?“

„Ich bin von dem hellen Licht wach geworden, das aus seiner Flugmaschine kam. Die sah drollig aus.“

„Das wollen wir jetzt nicht erörtern, Edda. Was sagte er?“

„Pa, das war ganz komisch. Ich habe ihn gar nicht verstanden. Da schenkte er mir die Zauberkugel, und dann konnten wir miteinander sprechen. Er hat sich über unser Haus gewundert. Er wollte wissen, ob alle Häuser so aussehen.“

Ed Muller fuhr der Schreck ins Herz. Marubeni war ein Verrückter - nichts anderes. Ein Verrückter, der mit einem Fluggerät nachts fremde Gärten beschädigte und kleinen Mädchen Unsinn erzählte. Der Mann musste eingefangen werden.

„Hat er gesagt, wo er wohnt?“

Edda dachte nach. „Er weiß nicht, ob das seine Stadt ist. Er kommt aus Redang. Er hatte eine weite Reise.“ Von einer Stadt mit dem Namen Redang hatte Ed Muller nie etwas gehört. Er war sehr beunruhigt, bemühte sich aber, seine Frau und Edda nichts von dieser Unruhe spüren zu lassen.

„Warum kam er ausgerechnet in unseren Garten?“

„Er sucht einen Schacht, Pa. Ich sagte, es gibt keinen Schacht, nur Häuser. Aber er sagte, es müsse hier einen Schacht geben, er werde wiederkommen. Und er will deinen Gleiter reparieren.“

„Der Gleiter ist nicht kaputt“, erwiderte Ed Muller, während ihm heiß und kalt wurde.

Als vor zehn Jahren diese Siedlung gebaut wurde, hatte man im Untergrund Urgestein gefunden und Reste einer Schachtanlage mit geglätteten Wänden. Das Verrückte daran war, dass nach Auskunft der Archive hier nie Bergbau betrieben worden war.

Eine sofortige Untersuchung erbrachte, dass es auch keine Erze und abbauwürdigen Minerale gab oder je gegeben hatte. Zweck und Alter der Anlage waren unbekannt geblieben.

Schließlich hatte man die Kammern zugeschüttet und verdichtet, damit nicht Teile der Siedlung später einbrachen.

Dieser Marubeni musste aus der näheren Umgebung stammen, wenn er von der Anlage wusste. Und er musste schon vor zehn Jahren hier gewohnt haben.

Ed Muller machte sich zur Arbeit fertig und beschloss, einen Umweg zur Polizei zu machen.

Er ließ die Hebevorrichtung den Gleiter hinaufhieven. Als er abfliegen wollte, rührte sich der Gleiter nicht von der Stelle.

Nach drei Startversuchen öffnete er die Klappe zum Antriebsraum und starrte betroffen auf das, was noch vorhanden war.

Marubeni hatte beide Wandlerkuppeln und den Kessel mit dem schweren Venusium ausgebaut!

Blass im Gesicht kehrte Ed Muller ins Haus zurück und schickte Tamy und Edda weg.

Als sich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, informierte er die Polizei.

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Die Kinderpsychologin unterhielt sich mit Edda im Zimmer der Kleinen.

Tamy und Ed Muller hörten die beiden lachen und dann wieder von der Eidechse Miranda, dem Elefanten, Marubeni und seiner Zauberkugel sprechen.

Manchmal hob der Zivilist den Kopf, der mit den Polizisten gekommen war, und lauschte. Dann las er wieder im Protokoll, das er angefertigt hatte.

„Sagte Ihre Tochter sonst noch etwas über diese - hm, Zauberkugel?“, fragte er unvermittelt.

„Nichts, was ich nicht schon gesagt hätte.“

„Oder wie der Mann aussah?“

„Darum bemüht sich doch Ihre Kollegin. Wollen Sie mir bitte erklären ...?“

„Sie ist keine Kollegin“, unterbrach ihn der Zivilist. „Hat Ihre Tochter tatsächlich gesagt, der Mann komme heute Nacht wieder, um die aus Ihrem Gleiter ausgebauten Teile zurückzubringen?“

„Hat sie, und Sie haben es aufgeschrieben“, sagte Ed Muller mit bissiger Gereiztheit, die seinem Unbehagen entsprang.

Dieser ganze Aufwand! Die Leute sollten besser diesen Verrückten suchen, statt ehrbare Bürger zu belästigen.

Der Zivilist las weiter.

Nach einer Weile kam die Kinderpsychologin aus Eddas Zimmer. Ed bemühte sich umsonst, aus ihrem Gesichtsausdruck eine Antwort zu gewinnen.

Edda kam hinter der Frau her. Sie warf die goldene Kugel hoch und fing sie auf.

Der Zivilist faltete das Protokoll zusammen und schob es in die Tasche. Sein Blick suchte die Augen der Psychologin.

Ed Mullers misstrauischer Wachsamkeit entging nicht das leichte Kopfschütteln der Frau.

Als er die Polizisten, die Frau und den Mann hinausließ, fragte er: „Mit Edda ist doch alles in Ordnung, oder?“

„Absolut“, beruhigte ihn die Psychologin. Sie tauschte mit dem Zivilisten einen Blick und fügte hinzu: „Nehmen Sie ihr nicht die Kugel weg.“

„Das hatte ich vor. Fangen Sie den Verrückten ein.“

Der Zivilist schmunzelte. „Wir werden bei Einbruch der Dunkelheit wiederkommen und mit Ihrer Erlaubnis den Garten besetzen. Übrigens sollten Sie der goldenen Kugel keine allzu große Bedeutung beimessen. Es wurden heute früh schon zwei in der Nachbarschaft gefunden. Marubeni hat offensichtlich auch andere Grundstücke aufgesucht.“

„Aber die Beschreibung von dem Burschen hilft Ihnen doch!“

Der Zivilist glaubte in Ed Mullers Worten Sorge um den gepflegten Garten wegen der geplanten nächtlichen Aktion zu erkennen.

„Die Beschreibung trifft auf niemand in dieser Gegend zu. - Im übrigen werden wir uns in Acht nehmen und entstehende Schäden selbstverständlich ersetzen. Bis später, Mister Muller.“

Ed Muller murmelte etwas und ließ die Tür hinter ihnen zugleiten.

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Im Gleiter der Polizei holte der Zivilist seine Aufzeichnungen hervor. Er ging sie mit der Psychologin Punkt für Punkt durch.

„Rotbraunes Gesicht, kurzes rotes Haar, so dicht wie ein Teppich, mit einer Spitze, die tief in die Stirn reicht - können Sie mir verraten, was wir damit anfangen sollen? Es hört sich nach Maskerade an.“

Die Psychologin war anderer Ansicht. „Ich habe die Kleine zweimal den Mann beschreiben lassen und keine Abweichung festgestellt. Geben Sie mir mal die Folie!“

Sie malte unter die Niederschrift ein auf der Seite liegendes S mit einem kleinen oberen und einem großen unteren Bogen.

„Was bedeutet es?“, fragte der Mann interessiert.

„Dieses Zeichen sah die Kleine auf seiner Flugmaschine. Ein ungewöhnliches Symbol, und sehr hilfreich.“

Er lächelte. „Das finde ich auch.“

Noch vom Gleiter aus ließ er die Fahndung nach einem Fahrzeug mit einem liegenden S einleiten.

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Ed Muller sprach mit der Leiterin der Schule und erklärte ihr die Umstände von Eddas Ausbleiben.

„Schicken Sie sie her, Mister Muller“, empfahl die Frau. „Es wäre jetzt verkehrt, dem nächtlichen Erlebnis besondere Bedeutung zu geben, indem Sie sie zu Hause lassen. Ein normaler Tagesablauf hilft ihr am ehesten über den Vorfall hinweg.“

Dieser Ansicht war er ebenfalls und versprach, Edda jetzt loszuschicken.

Unzweifelhaft hatte Edda auf einen freien Tag gehofft, denn sie zog einen fürchterlichen Schmollmund, als er ihr eröffnete, dass man sie in der Schule erwarte.

Sie machte Ausflüchte. Die nette Frau könnte ja wiederkommen und mit ihr sprechen wollen. Oder der komische Polizist, der keine Uniform anhatte.

Ed Muller kannte solchen Widerstand an ihr nicht und war ziemlich betroffen. Darum gestattete er Edda auch, die goldene Zauberkugel in die Schule mitzunehmen, wenn sie nur ging.

Ganz gewiss würde sie vor den Mitschülerinnen und Mitschülern eine Vorstellung geben, von Marubeni und seiner Flugmaschine erzählen und zum Beweis die Zauberkugel herumzeigen.

Er entschied, dass dies ein Problem der Schulleiterin war.

Wenige Minuten nach Eddas Weggang hörte er sie auf der Straße herzzerreißend weinen und dazwischen auf die unartige Kugel schimpfen.

Er eilte in den Flur und blieb unweit der Vordertür betroffen stehen.

Aus der Wand schwebte die goldene Kugel.

Ed Muller zog den Kopf ein, als die Kugel über ihn hinwegglitt und in Eddas Zimmer verschwand.

Er rieb sich mehrmals die Augen, trat zögernd an die Wand und strich ungläubig über die Stelle, an der er die Kugel hatte heraustreten sehen.

Die Wand war unbeschädigt. Es gab auch keine verborgene Öffnung.

Eddas Weinen war jetzt vor der Tür.

Ed ließ seine Tochter herein, deren Gesicht von den salzigen Tränen etwas entstellt war und neben banger Sorge auch kindlichen Zorn ausdrückte.

„Die Zauberkugel ist einfach davongeflogen“, gestand sie schluchzend. „Viel schneller als ich laufen konnte.“

„Sie ist hier“, sagte Ed beruhigend. „Vielleicht will sie nicht, dass du sie aus dem Haus bringst“

Davon, dass das Ding durch die Wand gekommen war, sprach er wohlweislich nicht. Er verstand auch nicht, wie er die Vermutung hatte aussprechen können, die Kugel wolle viel lieber im Haus bleiben. Es war nur ein Gedankenblitz gewesen - und er hatte ihn in Worte gefasst.

Edda wollte sich überzeugen, dass die Kugel wirklich da war.

Ed schickte sie ins Kinderzimmer und folgte ihr.

In der Küche hörte er Tamy das Einweggeschirr zusammenräumen, das im neuen Müllkonverter vernichtet wurde; von Eddas Rückkehr hatte sie nichts bemerkt.

Abgründige Gefühle wallten in Ed Muller auf, als er die goldene Kugel auf dem Nachttisch liegen sah.

Edda stand davor und strich mit der Hand behutsam darüber. Wenn er das Ding vielleicht ganz tief im Garten vergrub?

Es stand zu befürchten, dass die Polizei, der Zivilist und die Kinderpsychologin noch öfter herkamen und die Sache mit dem nächtlichen Einsatz im Garten nicht ihren Abschluss fand. Er hasste es, wenn Fremde in sein Familienleben eingriffen.

Andererseits hatte auch dieser Marubeni nicht unwesentliche Eingriffe gemacht. Wenn er nicht gefasst wurde, kam er womöglich noch öfter her.

Edda nahm behutsam die Kugel auf und legte sie zu den Eidechsen ins Glas auf der Fensterbank.

„Dann bleibt sie eben da“, meinte sie getröstet, wischte sich das Gesicht ab und verließ das Haus.

Ed Muller beschloss, die dämliche Kugel morgen verschwinden zu lassen. Im Garten gab es ein paar geeignete Plätze.

Er betrachtete sie unfreundlich. Zwei Eidechsen schickten sich gerade an, auf sie hinaufzuklettern. Ein neuartiges elektronisches Spielzeug, vermutete er. Marubeni musste es in größerer Zahl erstanden haben. Es gab sicher nicht viele Geschäfte, die es führten. Der Weg zum Käufer musste doch leicht zu finden sein.

Er fand, dass dieser Zivilist, der so viele Fragen gestellt und eine Menge Notizen gemacht hatte, eigentlich entsetzlich dumm war.

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Der Mann, an den Ed Muller so geringschätzig dachte, war zunächst ziemlich aufgebracht, als ihm die Registrierungsstelle meldete, dass nirgendwo ein Gleiter oder ein vergleichbares Fluggerät mit einem liegenden S als Kennzeichen zugelassen war.

Über seinen Ärger wurde er ziemlich schnell Herr. Danach pfiff er durch die Zähne und betrachtete die Psychologin von der Seite.

„Ich denke, der Rest ist eine Sache für uns“, sagte er.

„Was wird aus dem Mädchen? Einen Schock habe ich nicht bemerkt, das Erlebnis wird aber entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung haben.“

„Uns interessiert nur Marubeni. Sie können ja eine Betreuung durchführen, wenn Sie die für angebracht halten“, schlug er vor.

„Was vermuten Sie?“

„Spionage.“

Die Kinderpsychologin verzog amüsiert den Mund. „Ich bitte Sie! Was gibt es in diesem Wohnbezirk zu spionieren?“

„Da wohnen eine Menge Leute, die in wichtigen Stellen arbeiten. Mit diesen blödsinnigen Kugeln erschleicht sich dieser Marubeni das Vertrauen der Kinder. Bis zum Kontakt mit der Familie ist es nur ein Schritt.“

„Sie werden die Leute also warnen?“

„Das muss ich. Außerdem steht zu befürchten, dass die Kugel ein Übersetzungsgerät darstellt. Erinnern Sie sich, was die Kleine sagte. Zuerst konnte sie den Burschen nicht verstehen, aber als sie die Kugel in der Hand hatte und für einen goldenen Ball hielt, klappte die Verständigung reibungslos.“

„Gewissermaßen ein Trojanisches Pferd?“

„Bitte? Ich spreche von der Kugel!“, meinte der Zivilist.

Die Kinderpsychologin seufzte tief und mitleidig. „Vergessen Sie es.“

Der Mann machte hastig eine Notiz auf seinem Protokoll. „Ich werde eine Kugel öffnen lassen.“

„Sie erwarten Hinweise? Wer verwendet zum Beispiel in seiner Schrift ein liegendes S?“

„Eben. Alles nur Bluff. Aber ein Übersetzungsgerät besteht aus Bauteilen, und Bauteile tragen Beschriftungen. Keine Sorge, wir kommen Marubeni auf die Schliche.“

Der Gleiter flog in die unterirdische Hangaranlage der Polizeistation.

Auf dem Weg nach oben schaute der Mann in der Gerätekammer vorbei. „Nachher werden Spezialisten kommen, die eine der goldenen Kugeln öffnen werden“, teilte er dem Verwalter mit. „Das nur, damit Sie informiert sind.“

„Ist was damit?“, erkundigte sich der grauhaarige Verwalter und wandte sich nach dem Regal um, in das er die beiden eingebrachten Kugeln gelegt hatte.

Er murmelte etwas und ging näher heran, weil er sie nicht sah.

Als er sich aufrichtete und den Zivilisten anblickte, schauten seine Augen verstört.

„Sir, sie sind aber nicht mehr da“, sagte er.

Der Zivilist murmelte etwas von Unzuverlässigkeit und Schlamperei und kramte selber im Regal. Anschließend untersuchten sie zu zweit sämtliche Regale in der Kammer.

Die Kugeln waren verschwunden. Und im Ausgangsbuch war nicht vermerkt, dass sie abgeholt worden waren.

Nachdenklich blickte der Zivilist den Verwalter und das Regal an. Dann ging er wortlos hinaus.

Eine Viertelstunde später wimmelte es in der Polizeistation von Zivilisten. Sie drehten das Unterste zuoberst.

Die goldenen Kugeln fanden sie nicht.

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Dafür wurden die Polizisten nach einer Stunde in das Wohngebiet gerufen. Dort waren die beiden Kugeln wieder gesichtet worden.

Der Vorfall war von einer solchen Ungeheuerlichkeit, dass vorgesetzte Dienststellen damit befasst wurden.

Bis zum Mittag hatte man bereits eine Art Ausnahmezustand über das betroffene Wohngebiet verhängt und gab sich daran, die Gärten sorgfältig zu durchkämmen.

Es wurden noch drei Kugeln zutage gefördert.

Ihr Abtransport gestaltete sich als undurchführbar - im Gegensatz zu der problemlosen Abholung am Morgen. Die Kugeln entwischten zunächst aus den Gleitern und kehrten an ihre Fundorte zurück.