Wir riskieren nichts,

wenn wir uns Gott zur Verfügung stellen;

und da seine Jugend unveränderbar ist,

wird auch unsere Jugend sich erneuern

wie die der Kirche.


Maurice Zundel




Jugend, groß, lustvoll, liebend –
Jugend voller Anmut, Stärke, Bezauberung,

Weißt du, dass nach dir das Alter kommen könnte
mit gleicher Anmut, Stärke, Bezauberung?


Walt Whitman

Inhalt

An die Leser jeden Alters
Für eine Revolution der Zärtlichkeit

I
Junge Propheten
und alte Träumer

II
Unsere Welt

III
Lehren ist Lernen

Über die Autoren

An die Leser jeden Alters

FÜR EINE REVOLUTION
DER ZÄRTLICHKEIT

»Gott ist jung, er ist immer neu.«

Wir saßen einander in einem Raum des Erdgeschosses der Casa Santa Marta gegenüber, als Papst Franziskus diese Worte sagte. Ich erinnere mich noch genau an diesen Moment und vor allem an das Funkeln in seinem Blick, als wolle der Papst mit diesen Worten etwas Tiefgründiges und Befreiendes zugleich verkünden. Wir befanden uns inmitten unseres fünften Treffens zur Vorbereitung dieses Buches, und dieser Satz berührte mich auf außergewöhnliche Weise: als bediene sich die Geschichte vorübergehend meiner Hände, die gewissenhaft eine Notiz nach der anderen zu Papier brachten, um tausend andere Hände zu drücken und tausend andere Herzen zu erreichen.

Mit jenen denkwürdigen Worten wollte der Papst zum Ausdruck bringen, dass die jungen Leute, die im großen Stile »Weggeworfenen« unserer heutigen bewegten Zeit, in Wirklichkeit »aus dem gleichen Teig« wie Gott sind. Dass ihre besten Eigenschaften die seinen sind. Die eines Gottes, der nicht nur Vater – und Mutter, wie schon von Johannes Paul I. hervorgehoben worden war – ist, sondern zugleich Sohn und damit auch Bruder. Franziskus fordert, diese jungen Menschen wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Er holt sie aus dem Abseits, in das sie verbannt worden sind, und zeigt sie als die Protagonisten der Gegenwart und der Zukunft. Unser aller Geschichte.

Wenn es stimmt, dass die Jungen die ewigen Untergebenen der Konsumgesellschaft sind – verschlungen von endlosen Anfängen ohne logische Enden und fortwährend enttäuscht von einer gesellschaftlichen Linearität, die nicht mehr existiert –, entspringen diese Seiten dem Wunsch, sie aus diesem Zustand zu befreien, und die Jugendsynode 2018 wird, wie mir der Papst bestätigt hat, der ideale Rahmen sein, um die Bedeutung hiervon zu begreifen und in ihrer ganzen Tiefe zu erfassen.

Franziskus hat diesem Projekt unzählige Stunden seiner kostbaren Zeit gewidmet, und ich war gewissermaßen nur der Kurier, den der Papst gewählt hat, damit seine Botschaft die Jugendlichen auf der ganzen Welt ohne Filter erreichen möge.

Die Jugendlichen sind nicht die einzigen »Weggeworfenen« dieser Gesellschaft, auch viele Erwachsene zählen zu diesem Kreis, namentlich die Alten, die sich gegen die Logiken des Marktes und der Macht sträuben.

Wir müssen uns, so mahnt der Papst, auf die Kraft, die Entschlossenheit, aber auch die Zärtlichkeit besinnen, um täglich eine Brücke zwischen Jung und Alt zu bauen: Denn nur aus der Umarmung dieser beiden Seiten heraus kann sich die Gesellschaft tatsächlich erneuern – zum Wohle all derer, die auf der Strecke geblieben sind, und auf die sich unser Blick fortwährend richten sollte.

Mut und Weisheit sind die wichtigsten Zutaten der sanften Revolution, die wir alle so dringend benötigen.

T. L.

I

Junge Propheten
und
alte Träumer