Einfach nur ein Engel

Anthologie

Einfach nur ein Engel

In dieser Anthologie erwarten Sie viele unterschiedliche Engelsgeschichten – und Gedichte.

Von Schutzengeln, die über ihre Erdenbürger wachen, bis hin zu Engeln, die eine zweite Chance auf der Erde erhalten oder sich gar in Menschen verlieben, oder auch Geschichten über das Leben von Engeln im Himmel – es ist für jeden Geschmack etwas dabei!

Wir wünschen allen Lesern

einige unterhaltsame Stunden!

Ihr net-Verlag-Team

Inhaltsverzeichnis

Cover

Titel

Impressum

Vorwort

Simone Schwarze - Vendix – Der Preis der Perfektion

Anja Dreier - June & Jamie

Christina Fischer - Ein himmlischer Beschützer

Varia Antares - Gefangen in Albtraumland

Christian Reul - Am hellsten Tag und in der dunkelsten Nacht

Ramona Stolle - Amors Pfeile

Sophie Seifert - Für immer lebendig

Renate Roos - Haben Engel wirklich Flügel?

Dörte Müller - Dinner mit einem Engel

Anke Bastelberger-Gustavus - Der Preis des Lebens

Marie Claire Chargallet - Engel der Nacht

Brigitte Wacker - Wunder Engel

Peter Suska-Zerbes - Ein himmlischer Plan

Doris Schmitz - Engelsgefühl

Martina Köhler - Und Engel gibt es doch

Maria-Luise Sonja Kleineberg - Schutzengel

Regina Schleheck - Engels-Fallen

Gabriela Bornemann - Schutzengel

Kerstin Cimbal-Marocke - Eine magische Nacht

Cosima Konrad - Gibt es Engel?

Halina Monika Sega - Der perfekte Engel

Yvonne Bohrer - Wenn Engel reisen

Gerrit Hauswirth - Der Todesengel

Sophie R. Nikolay - Anetta

Rainer Wüst - Mein Schutzengel

Gitte Hedderich - Das Mahnmal!

Frederieke Ruberg - Wenn Engel sterben

Miriam Schäfer - Engel

Arndt Waßmann - Die Brücke im Nebel

Tanja Maria Pütz - Begegnungen mit einem Engel

Lotte Maria Kaml - Die Feuerprobe

Raaga - Der Rauschgoldengel

Marie-Luis Rönisch - Engelgeflüster

Lioba-Dyrane Shadowmoon - Zwei kleine Engel

Linda Schmitz - Zwischen Himmel und dir

Edith Theisen - Siehe, ich bin in Euch alle Tage

Claudia Timpen - Emanuel

Melanie Vogltanz - Der Verfolgte

Autorenbiografien

Illustratorenbiografien

Buchempfehlungen

Simone Schwarze

Vendix
Der Preis der Perfektion

Mijan ging in den Ruhestand, als seine Seele sich in dem Klumpen Zellen einnistete, der im Leib seiner Mutter schon seit einigen Wochen mehr und mehr heranwuchs. Er hätte sich auch in den ewigen, seligen Schlaf begeben können, doch dies war seine Wahl, der Abschluss seines Daseins: Er wollte eine Lebensspanne lang einer von denen sein, die er sein Leben lang beschützt hatte.

Im Gegensatz zu jedem normalen, menschlichen Kind hatte Mijan sich das Leben aussuchen können, in das er hineingeboren wurde – allerdings ohne in die Zukunft sehen zu können. Diese blieb auch ihm verborgen. Zumindest aber hatte er sich Eltern ausgesucht, die sich ein Kind von Herzen wünschten und sich bewusst dafür entschieden hatten, eines zu zeugen. Seine Kindheit verlief daher ruhig, geborgen und sorgenfrei, und er wuchs zu einem jungen Mann heran, der immer wieder für seine Ruhe, Gutmütigkeit und Liebe zu den Menschen Bewunderung erhielt.

Schon mit sechzehn fand Mijan Neele, die Frau, die er vier Jahre später heiratete. Gemeinsam zogen sie hinaus aus der Stadt ans Ende der Welt, wie sie ihren kleinen Dreiseitenhof liebevoll nannten, denn er stand malerisch am Rand von Klippen über einem schmalen Geröllstrand. Und aus den nordwärts gerichteten Fenstern sahen sie bis zum Horizont nichts anderes als Wasser.

Ihre Tochter kam in einer sternklaren Nacht zur Welt, während das Licht des Leuchtturms drüben auf der Halbinsel in regelmäßigen Abständen ins Zimmer sah. Ein paar Tage lang ging es Neele schlecht, aber sobald sie sich von den Strapazen der Geburt erholt hatte, fädelte sich das Leben mit dem Baby in funktionierende, glatte Bahnen. Freunde kamen zu Besuch, bestaunten das winzige, blonde Mädchen und bemerkten – mal gönnerhaft, mal mehr oder minder neidvoll – die Vollkommenheit des Lebens auf diesem kleinen Flecken Land: zwei wunderbare Menschen, in beneidenswert intensiver Liebe vereint, mit Haus und Hof an einem idyllischen Ort, und nun als Sahnehäubchen des Glücks noch dieses zuckersüße Baby, das aufgeweckt und neugierig war und so gut wie nie schrie. Sie nannten die Kleine Minou. Und Neele sah Mijan oft an, wenn sie stillte, streichelte dem Baby das Köpfchen und sagte: »Minou – ein Engel, wie du.«

Mijan war glücklich. Sein Leben war nahezu perfekt. Er wusste sehr genau, dass das nicht die Norm war. Vor seinem Ruhestand hatte er oft das genaue Gegenteil erlebt. Er hatte viel Elend gesehen, viel Leid. Aber er hatte es sich gegönnt, sich sein eigenes Leben besser auszusuchen. Da war nur diese eine Sache, die er Neele nie erzählt hatte. Dieses Geheimnis, das er immer mehr mit ihr teilen wollte, je mehr sein Leben dem vollendeten Glück entgegenstrebte.

Neele lehnte ihre Wange gegen Mijans Schulter und seufzte. »Sie ist so goldig.« Ihre Augen ruhten auf ihrer friedlich am Strand zwischen den Steinen spielenden Tochter. »Ein Engelchen.«

»Wie ich«, ergänzte er, bevor sie es tun konnte. Das hatte er noch nie getan. Stets hatte er Neeles kleinen Reim unkommentiert gelassen.

»Genau. Minou – wie du.« Ihre Hand lag auf seinem Oberschenkel. Jetzt tätschelte sie sein Knie. Er fing sie ein und hielt sie fest.

»Du sagst das immer so, Neele. Aber …« Kurz zögerte er. Er war angehalten, nicht über sein Dasein vor diesem Leben zu sprechen. Doch mit jedem Jahr, das verging, wollte er es Nele mehr und mehr sagen. Er kannte sie besser als jeden anderen Menschen auf dieser Welt. Sie würde ihn nicht deswegen verlassen. Sie würde es, so gut es ihr möglich war, verstehen. Und sie würde nicht mit ihrem Wissen zu den Medien gehen und alles verraten. Nele war ein ruhiger, fürsorglicher Mensch, der stets willig war zu glauben, anstatt von vornherein abzulehnen. Vielleicht war es genau diese Tatsache, die Mijans Wunsch, ihr alles zu erzählen, in letzter Zeit so in den Vordergrund gerückt hatte. Wäre Nele eine Skeptikerin, wäre er möglicherweise niemals auf diesen Gedanken gekommen.

» … du ahnst nicht, wie sehr du damit recht hast«, beendete er schließlich seinen Satz.

Neele lachte auf, hob ihre Wange von seiner Schulter und griff nach der Thermoskanne, die neben ihr auf dem Fels stand. Es war ein windiger Herbsttag, aber Minou hatte am Strann schpieln wollen, also hatten sie sich warm angezogen, Tee aufgebrüht und waren über die lange Holztreppe von ihrem Haus aus die Klippen hinuntergestiegen.

»Schatz!«, antwortete Neele tadelnd. »Du bist der wunderbarste Mensch, der mir je begegnet ist, aber Eigenlob stinkt!« Mit einem beherzten Schwung ließ sie den Deckel der Kanne wirbeln, so dass er sich ganz von selbst abschraubte, und drehte ihn dann um, um etwas von dem heißen Tee hineinzugießen.

»Ein Engel hat eine gewisse Schutzkraft«, erzählte Mijan. Niemals zuvor hatte er ein Wort darüber verloren, jetzt würde er es aussprechen – sein letztes und gleichzeitig größtes Geheimnis mit seiner Familie teilen. »Sie reicht für etwa acht bis zehn Menschen – je nach dem, wie oft der Engel in das Leben eingreift. Und wenn die Schutzkraft aufgebraucht ist, beendet der Engel sein Dasein.« Mijan sprach einfach. Ihm war bewusst, dass Neele ihm nicht glaubte – noch nicht. Das konnte sie jetzt noch gar nicht. Er blickte geradeaus und erzählte, weil er es erzählen wollte. Weil er wollte, dass sie wusste, wer er gewesen war.

»Er kann es sich aussuchen«, setzte er fort. »Entweder er legt sich einfach zur Ruhe und versinkt in unendlichen, tiefen Schlaf – dem Tod ähnlich, aber doch nicht das Gleiche. Oder er verbringt noch ein Leben als ganz normaler Mensch auf Erden. Wir nennen das den Ruhestand. Und … in dem bin ich gerade.«

Neele hatte den Tee eingegossen und die Kanne zur Seite gestellt. Jetzt sah sie ihm ins Gesicht – forschend. Aber sie sagte nichts.

Mijan wartete geduldig. Sie musste das verarbeiten, das war ihm klar. Er war nicht so naiv zu glauben, sie würde das einfach hinnehmen und ohne es zu hinterfragen damit leben – trotz ihrer Tendenz zur Gutgläubigkeit. Dass sich ihr Mund schließlich aber zu einem amüsierten Lächeln verzog, erstaunte ihn.

»Du solltest Schriftsteller werden«, sagte sie. »Das ist guter Stoff für einen schönen Roman.« Sie musterte ihn weiter. Und er begegnete ihrem Blick. Deshalb bemerkte keiner von beiden, wie eine schwarze Daunenfeder – völlig ungerührt des Windes – sanft vom Himmel schwebte und neben Minou auf einem flachen Stein landete. Das kleine Mädchen bemerkte es.

Eine halbe Ewigkeit sagte niemand etwas. Neele las in den Augen ihres Mannes, während der Becher mit Tee vergessen in ihrer Hand ruhte. Sie las, und Mijan schwieg und ließ sie nachdenken, die Erkenntnis bei ihr ankommen. Irgendwann blinzelte sie heftig und legte den Kopf etwas schräg. Noch immer war ihr Blick auf sein Gesicht gerichtet.

»Du meinst das ernst«, hauchte sie schließlich, um Fassung bemüht, während Minou ungeschickt die schwarze Feder in die Luft warf und dabei zusah, wie der Wind mit ihr spielte.

Mijan nickte sachte. »Ich würde dir gern meine Flügel zeigen oder meine Hand leuchten lassen, wie man es in Filmen oft sieht, aber das kann ich nicht. Ich bin ein ganz normaler Mensch – nur war ich das eben vorher nicht.« Er betrachtete Neele intensiv, sah ihr dabei zu, wie sie darüber nachdachte. Offenbar bastelte sie gerade verschiedene Puzzleteile ihres gemeinsamen Lebens neu zusammen: Bei ihrer Hochzeit hatte sie eine Rede gehalten und darin erwähnt, wie alt und weise Mijan manchmal auf sie wirke. Auch wie detailliert er sich mit der Herstellung von Turmuhren aus dem 19. Jahrhundert auskannte, war ihr aufgefallen. Aber sie hatte es als skurriles Hobby abgetan. Wie hätte sie auch auf die Idee kommen sollen, dass Mijan ab 1876 einen Menschen begleitet hatte, der dreißig Jahre lang in einer Turmuhrenfabrik gearbeitet hatte?

»Dein Name ist so ungewöhnlich«, sagte Neele mitten in ihren Überlegungen. Sie war vollkommen ruhig, was es Mijan leichter machte. Auch das war etwas, was er schon immer an ihr geschätzt hatte: Ruhigbleiben war ihre Art, mit schwierigen Situationen umzugehen.

»Mein Name hat damit nichts zu tun«, erklärte er ihr. »Den haben meine Eltern mir gegeben. Der Klang hat ihnen gefallen.«

»Wie hast du denn vorher geheißen?«

Die Frage erstaunte ihn. Und nicht weniger die Neugier, die in Neeles Augen kroch. Das kam ihm trotz allem zu einfach vor. Sie glaubte ihm zu schnell! Er musste in nächster Zeit gut auf sie aufpassen – auf sie und ihre geistige Gesundheit. Vielleicht nahm sie jetzt erst einmal alles wertungslos auf, und der Schock kam später.

»Ich hatte keinen Namen«, antwortete er. »Brauchte ich nicht. Engel kommunizieren mental.« Jetzt hatte er es ausgesprochen, das Wort. Das Schlüsselwort, das ihr sagte, was er gewesen war, wenn sie es nicht schon von selbst begriffen hatte. Er hatte es auch schon vorher benutzt, jedoch allgemeiner, nicht in so direkter Verbindung mit sich selbst.

Unterdessen verstaute Minou die schwarze Feder in der großen Bauchtasche ihres braunen Wollkleidchens.

»Und ihr lebt … in den Wolken?«, fragte Neele.

Mijan schüttelte sachte den Kopf. »In einer parallelen Sphäre – zeitgleich mit den Menschen, im selben Raum, in derselben Zeit, aber parallel.« Spätestens jetzt würde sie sicher aufgeben. Das war zu kompliziert, um es einfach so hinzunehmen.

Aber Mijan irrte sich. Neele fragte weiter. Und so kam es, dass sie beide mehrere Stunden lang auf dem Felsen saßen und über das Dasein eines Engels sprachen, während Minou zwischen den Steinen Muscheln und Donnerkeile suchte und die schwarze Feder in der Tasche ihres Kleidchens mit sich herumtrug.

Dieser Herbsttag am Strand veränderte das Leben der kleinen Familie. Neele sagte nie wieder Minou – ein Engel, wie du. Der Satz hatte seine ursprüngliche Bedeutung verloren. Und erst jetzt, da sie ihn nicht mehr sagte, wurde Mijan bewusst, wie viel er ihm bedeutet hatte. Doch er sprach sie nicht darauf an.

Mijan spürte, dass sich an Neeles Liebe zu ihm nichts veränderte, jedoch an ihrem Blick auf die Welt. Sie beschäftigte sich viel mit Spiritualität, dem Wesen Gottes und paranormalen Erscheinungen. In den ersten drei Jahren nach Mijans Offenbarung war dies ihr oberstes Interesse. In ihrem Wahn neigte sie sogar dazu, die Fürsorge ihrem Kind gegenüber zu vernachlässigen.

Minou reagierte darauf gänzlich normal: Sie forderte mehr Aufmerksamkeit von ihrer Mutter. Und je erfolgloser sie war, desto drastischer wurden ihre Mittel. Anfangs gelang es Mijan noch, Neeles Fehlen ein wenig abzufangen, indem er sich in jeder freien Minute mit Minou beschäftigte. Er ging mit ihr schwimmen, nahm sie mit zum Segelfliegen, spielte und bastelte mit ihr, fuhr sie zu Freunden und zum Reitunterricht. Doch das Kind brauchte nicht nur Vater, sondern auch Mutter.

Immer wieder versuchte Mijan, zwischen Neele und Minou zu vermitteln, ihre Bindung wieder zu stärken, auch Neele in die Hobbys von Tochter und Vater einzubinden. Das war etwas, was er jahrhundertelang geübt hatte, doch hier auf Erden – bei seiner eigenen Familie – wollte es ihm nur unzureichend gelingen. Neele lebte in ihrer Besessenheit an ihrer Familie vorbei, und Minou entwickelte sich zu einem hyperaktiven, quengelnden Kind, das nicht damit umgehen konnte, wenn es keine Aufmerksamkeit bekam. Dass sie sich eine Weile allein beschäftigte, wie sie es noch mit drei Jahren stundenlang gekonnt hatte, war nicht mehr denkbar.

Freunde, die sie noch bei Minous Geburt um ihr perfektes Leben beneidet hatten, seufzten nun mitleidig und empfahlen einen Gang zur Familientherapie. Aber diesen Schritt wagten weder Mijan noch Neele. Es wäre ein Eingeständnis gewesen, dass sie mit der Situation nicht mehr zurechtkamen. Noch bestand ihre Hoffnung, sie würden den richtigen Weg zurück zur Harmonie allein wiederfinden.

Ein Eingeständnis jedoch machte sich Mijan – wenn er des Abends zu Bett ging, über den vergangenen Tag nachdachte und feststellte, dass Minou von Jahr zu Jahr bösartiger wurde: Dass es ein Fehler gewesen war, Neele von seinem Dasein zu erzählen. Damit hatte alles begonnen, auch wenn er es anfangs nicht hatte sehen wollen. Und er begann zu begreifen, warum er aufgefordert worden war, darüber zu schweigen. Er war kurzsichtig gewesen, nur darauf bedacht, alles von sich zu offenbaren. Für sein Leben, seine Familie und sich.

»Minou, jetzt ist aber Schluss!«, rief er, als sie bestimmt zum fünften Mal die Decke von ihrem Bett strampelte. Dieser Tag war besonders schlimm gewesen. Minou hatte einen hysterischen Anfall nach dem anderen gehabt, in der Küche einen Teller zu Boden geworfen, ihre Hausaufgaben nicht gemacht und eine Seite aus dem Mathematik-Buch gerissen. Sie hatte Mijan als Hurenbock bezeichnet – einen Ausdruck, den sie mit Sicherheit in der Schule aufgeschnappt hatte, – und Neeles Lippenstift zerbrochen, weil sie es absolut nicht akzeptieren wollte, dass ihre Eltern sich für einen Kinoabend zurechtmachten und sie allein zu Hause bleiben würde.

»Ich will aber nicht schlafen, und ihr sollt nicht gehen!« Sie trommelte mit den Fäusten auf der Matratze herum.

Mijan griff nach der am Boden liegenden Decke und warf sie lieblos auf seine Tochter. »Es wird geschlafen! Punkt! Wir gehen doch erst um elf. Da schläfst du sowieso schon.« Er drehte sich herum und wollte zur Tür des Kinderzimmers eilen, aber ihn traf etwas großes Weiches direkt im Nacken und ließ ihn vorwärtsstolpern.

Wütend wirbelte er wieder herum. Minou lachte höchst begeistert, weil etliche weiße Daunen vor seinen Füßen zu Boden segelten. Das Kopfkissen war hinüber. Mijan hingegen starrte fassungslos auf das Bett seiner Tochter – an die Stelle, wo das Kopfkissen eben noch gelegen hatte.

Er erkannte eine Engelsfeder, wenn er eine sah. Sie waren kompakter als jede andere Feder, die er je gesehen hatte, und die Federäste glänzten silbrig. Das taten sie bei allen Engelsfedern. Bei den weißen, wie sie die Schutzengel besaßen, und auch bei den schwarzen, den Federn der Vendices.

»Warum sagst du nichts?«, fragte Minou und legte den Kopf schief, um ihren Vater genau zu mustern. Aber ihre Frage klang nicht nach kindlicher Neugier oder Verwunderung, eher nach Spott.

Mijans Blick wanderte zwischen der schwarzen Feder und dem Gesicht seiner Tochter hin und her. Was hatte das zu bedeuten? Weshalb war eine Vendix-Feder in Minous Zimmer? Womit hatte sie das verdient? Wofür wurde sie bestraft?

»Woher hast du die?«, fragte er – fassungslos auf die Feder starrend – und sah nicht, wie das blonde, lange Haar seines Mädchens sich im Ansatz plötzlich verdunkelte.

»Weiß ich nicht mehr«, antwortete Minou kichernd. »Ich hab’ sie schon lange. Hab’ sie immer vor dir versteckt.«

Schon lange? Und weshalb vor ihm versteckt? Mijan wendete ihr den Blick zu – und schrak mit einem Aufschrei zurück. Gerade dunkelte sich ihr Haar bis in die Spitzen gänzlich ein und ringelte sich zu künstlich gedrehten, großen Locken.

Mijan schlug die Hände vor das Gesicht und rieb sich über die Augen. Das durfte nicht wahr sein! Was wollte ein Vendix von seiner Tochter? Wie lange hatte sie schon diese Feder?

»Du weißt ganz genau, was dein Fehler war, Daddy!« Minou sprach hämisch, zog das Daddy boshaft in die Länge, um ihn zu verspotten, ihm klarzumachen, dass er Schuld an der Feder war, nicht sie. Ihre Worte und ihr Ausdruck klangen nicht nach einer Achtjährigen. »Du hast die Regeln vergessen, Daddy!«, spottete sie weiter. Sie saß im Schneidersitz auf ihrem Bett und drehte kokett eine lockige Strähne ihres rabenschwarzen Haares um ihren Zeigefinger. Dabei fuhr sie mit der linken Hand ihren Oberschenkel hinauf, schob das Nachthemdchen zur Seite und entblößte ihre helle, zarte Haut.

»Minou!?« Neele sprang entsetzt in das Zimmer, überstieg das Federchaos des zerfetzten Kissens und wollte zu ihrer Tochter, doch Mijan packte sie beherzt am Oberarm und hielt sie von ihrem Kind fern.

Die Achtjährige verzog den Mund zu einem süßlichen Lächeln und leckte sich die Lippen. »Hallo Mama!« Sie winkte Neele. »Ich zeige Daddy gerade, was aus mir wird, wenn er sich keine Entschuldigung einfallen lässt!«, antwortete sie und formte einen Kussmund, dem nur noch glänzend roter Huren-Lippenstift fehlte, um die Wirkung komplett zu machen.

»Eine Entschuldigung?«, rief Neele aus und zerrte an Mijans Arm. »Wofür sollst du dich denn entschuldigen? Was hast du getan?«

Mijan wusste es nicht. Fieberhaft sortierte er die Puzzleteile zusammen. Minous störrisches, ärgerliches Wesen. Die Feder. Er selbst. Was hatte er getan? Und wenn doch er Schuld hatte, warum hatte dann Minou die Vendix-Feder?

»Der Chef ist bööööööse!«, flötete Minou. Ihre großen, runden Augen funkelten teuflisch, während ihre Hand in ihre Körpermitte wanderte.

»Nein, hör auf!« Mijan stürzte auf sie zu – betend, dass dies auf dem Bett maximal der Körper seiner Tochter war, nicht ihre Seele und schon gar nicht ihr Geist.

»Mijan, was ist hier los?« Neeles Stimme überschlug sich vor Panik, aber er hatte keine Zeit, auf sie zu achten.

»Bleib weg!«, zischte er ihr über die Schulter zu und hoffte, dass sie auf ihn hörte. Er kniete vor dem Bett seiner Tochter, so dass er ihr in die Augen sehen konnte. »Was habe ich getan?«, fragte er das Mädchen, aus dessen dunklen Pupillen ihm eine fremde Macht entgegensah.

»Geredet!«, fauchte Minou und beugte sich vor, so dass ihr Gesicht nur noch ein paar Zentimeter von seinem entfernt war. »Geredet hast du!« Sie klang so zischend und schneidend wie ein garstiger Kobold. »Dabei hättest du nur schweigen müssen, und wir hätten unser langweilig perfektes Leben behalten. Aber nein, du musstest ja schwatzen! Wolltest ehrlich sein, wie du es deinen Schützlingen immer empfohlen hast. Hach, du guter Mensch!« Sie lehnte sich wieder zurück und schlug spöttisch verzückt die Handflächen aufeinander. »Schweigen wär’s gewesen. Schweigen!« Ihre dunklen Augen fixierten ihn streng. »Und erzähl’ mir nicht, das wäre dir neu!«

Mijan starrte sie an. Alles in seinem Inneren zog sich zusammen. Eine Gänsehaut lief ihm über den Rücken. Es war seine Schuld! Er hätte Neele nicht erzählen dürfen, wer er vor seinem Ruhestand gewesen war. Ihm war klar, dass es ein Fehler gewesen war. Seine Offenbarung hatte ihr gemeinsames Leben nicht zerstört, jedoch schrecklich kompliziert gemacht. Vorher war sein Leben vollkommen gewesen. Aber er hatte es noch perfekter haben wollen, indem er dieses eine Geheimnis vor Neele offenbarte. War es seine Gier nach Perfektion gewesen, die die Strafe für seinen Fehler so hoch hatte ausfallen lassen? Indem man Minou von dem kleinen Engel, der sie gewesen war, in den Satansbraten, der sie zu werden drohte, verwandelte, entriss man ihm sein perfektes Leben – Stück für Stück. Langsam und qualvoll. Und jetzt, da er wusste, dass ein Vendix dahintersteckte, war ihm auch klar, dass jedes Bemühen um die Erziehung seiner Tochter vergebens gewesen war und weiter sein würde. Die Wirkung einer Vendix-Feder war unbezwingbar.

Der Chef ist böse, hatte sie gesagt.

Entsetzt schüttelte Mijan den Kopf. »Das würde er nicht tun«, flüsterte er. »Er würde nicht mein Kind belangen, wenn mir die Strafe gilt.«

»Ach, komm schon!« Minous Hand schlug ihm kumpelhaft lässig auf die Schulter. »Ich lebe doch noch! Hab' dich nicht so!«

»Nein!« Mijan sprang auf und wich zurück. »Das würde er nicht tun!«

»Wer hat denn behauptet, dass dein Chef die Strafe verhängt hat?« Minous Grinsen war teuflisch. »Von den Absprachen der beiden wisst ihr nur nichts! Ja, sieh mich nicht so an! Es gibt eben Dinge, von denen auch du keine Ahnung hast.« Die Feder erhob sich von der Matratze und schwebte langsam auf Minou zu. Ein Schatten, der von keinem Licht geworfen wurde, bildete sich unter ihrem Schlüsselbein und zeigte dieselbe schwarze Feder wie eine auf Haut gezeichnete Kopie.

»Was ist das?« Erst Neeles panischer Ruf riss Mijan aus seiner fassungslosen Erstarrung.

»Es gibt nicht nur Schutzengel, Mama!«, erklärte Minou in kindlichem Tonfall, aber mit Wissen, das sie nicht haben dürfte. »Gut und Böse. Yin und Yang.« Sie machte eine Pause, in der sie ihren Blick quälend langsam auf ihren Vater richtete. »Schutzengel und Vendices.«

»Die einen schützen die Menschen«, fügte Mijan atemlos hinzu. »Die anderen strafen sie, wenn sie Unrecht tun.« Sein Blick hing an der schwarzen Feder fest, die Minou fast erreicht hatte. Wenn sie das Gegenstück auf der Haut seiner Tochter berührte, würde es zu spät sein. Sie waren wie Kletten, die sich an einem Menschen festhefteten. Normalerweise drang der Wille des Vendix’ sofort in den Menschen ein und vergiftete sein Wesen. Warum Minou die Feder so viele Jahre gehabt hatte und nur schleichend langsam zum Negativen von ihr beeinflusst worden war, konnte er sich nicht erklären. Vielleicht hatte man ihm eine Gnadenfrist gewährt – eine Chance, weil er nichts Böses gewollt hatte. Nur ein perfektes Leben. Aber wenn die Feder sein Kind jetzt berührte, wäre Minou unwiderruflich dem Vendix ausgeliefert. Das wusste er einfach.

Mit einem Satz sprang er vor, um nach der Feder zu langen.

»Vorsicht!«, zischte der Mund seiner Tochter und brachte ihn damit zum Innehalten. »Das solltest du dir gut überlegen!«

»Da gibt es nichts zu überlegen!«, antwortete er und griff die Feder aus der Luft, bevor sie Minou berühren und sich mit dem schwarzen Schatten auf ihrer Haut verbinden konnte. Augenblicklich kribbelte seine Handfläche. Eine kühle Taubheit breitete sich von ihr aus und kroch seinen Arm hinauf.

»Doch, gibt es!«, widersprach das Mädchen und starrte auf Mijans Faust, in der die Feder gefangen war. »Aber jetzt ist es zu spät. Du hast sie schon berührt.«

Neeles schrille Stimme übertönte Minous gehässiges Lachen: »Was ist hier los? Mijan, was passiert hier?«

Aber Mijan antwortete ihr nicht. Ihm war schwindlig. Am Ende eines Engeldaseins gab es nur zwei Möglichkeiten: entweder den Ruhestand, oder den ewigen, tiefen Schlaf. Er hatte den Ruhestand gewählt, aber einen Fehler gemacht. Einen Fehler, der das Leben seiner kleinen Familie verändert hatte und irgendwann zur Qual machen würde. Einen Fehler, den er korrigieren musste, wenn er Minou das Leben ersparen wollte, welches sie ihm gerade unmissverständlich angedeutet hatte.

Er konnte Neele ihr Wissen nicht wieder nehmen. Er konnte nicht mehr rückgängig machen, wie sie geworden war und dass sie ihre Tochter vernachlässigt hatte. Aber all das war nur passiert, weil er ihr von seiner Vergangenheit erzählt hatte. Weil er geglaubt hatte, dass sie dies zu wissen verdiente.

Krampfhaft hielt er die Feder in seiner Faust umklammert und wandte sich Neele zu, die hinter ihm auf dem Boden des Kinderzimmers kauerte.

»Es tut mir leid«, flüsterte er. »Ich wollte ein perfektes Leben für uns.«

Neele starrte ihn nur mit offenem Mund an. Von Vendices wusste sie nichts. Sie waren so selten und agierten so versteckt, dass sie in den Aufzeichnungen der Menschen nicht auftauchten. Aber Mijan hatte weder die Zeit noch die Kraft, ihr jetzt noch davon zu erzählen.

»Jetzt wird alles wieder gut!«, sagte er, aber er war nicht sicher. Vielleicht hatte er die Zeichen falsch gedeutet. Vielleicht war sein Versuch vollkommen umsonst. Vielleicht würde der Vendix sich nicht damit zufriedengeben, dass Mijan die Strafe an Minous statt auf sich nahm.

Er konnte nur beten, aber ihm war es jedes Risiko wert, seine Tochter vor einem Leben in Sünde und Bösartigkeit zu bewahren.

Das Schwindelgefühl in ihm wurde stärker. Plötzlich war er müde und schwach. Er sackte auf dem Boden zusammen, während sich ein dunkler Rahmen um sein Sichtfeld zog.

»Mijan, nein!« Neele kroch auf ihn zu und rüttelte an seinen Schultern. Das war die Frau voller Liebe, die er geheiratet hatte. Das war die Frau mit ganzer Aufmerksamkeit bei ihrer Familie, die er in den letzten Jahren immer hatte zurückhaben wollen. Intuitiv griff sie nach seiner Hand und versuchte, seine Faust zu öffnen. »Lass das Ding los, bitte!«, flehte sie, doch Mijan legte alle Kraft, die er noch übrig hatte, in seine Finger, damit sie ihm die Feder nicht nehmen oder sie gar selbst berühren konnte.

»Geh’ ins Kino!«, hauchte er schwach und lächelte für sie. »Ich schlafe jetzt. Es wird alles … wieder gut.«

Und dass er recht hatte, sah er daran, dass Minous Gesicht neben dem ihrer Mutter auftauchte. Tatsächlich Minous Gesicht – ihre freundlichen Augen, ihre rosigen Wangen, ihr kindlicher Ausdruck, umrahmt von blondem Haar. Der dunkle Schatten unter ihrem Schlüsselbein war verschwunden, von dem Einfluss des Vendix' nichts mehr zu sehen.

Der Engel der Bestrafung war zufrieden und Mijans kleines Mädchen zurück.

Und Mijan entschlief nach fast dreißig Jahren Ruhestand in die Perfektion der Ewigkeit.

Anja Dreier

June & Jamie

June gähnte herzhaft und reckte sich. Heute war wieder einer dieser Tage, an dem sie sich fragte, was sie hier oben eigentlich zu suchen hatte. Sie habe eine Aufgabe, von wegen!

Ob sie jetzt hier oben säße und die Beine baumeln ließe oder nicht, was würde das schon für einen Unterschied machen?

Sie stützte sich mit den Händen auf die fluffig-weiche Wolkendecke, die leicht nachgab, und schaukelte mit den Beinen. Wieder gähnte sie.

Vor knapp zwei Jahren war sie hierhergekommen, hatte eine Aufgabe zugeteilt bekommen und hockte seit dem Tag für Tag auf dieser Wolke und überwachte ihren Schützling von früh morgens, wenn er aufstand, bis er sich schließlich spät abends wieder schlafen legte. Seit knapp zwei Jahren war nichts passiert, rein gar nichts, das auch nur annähernd so gefährlich gewesen wäre, als dass es ein Eingreifen ihrerseits nötig gemacht hätte. Der heutige Tag würde da bestimmt keine Ausnahme bilden.

Gelangweilt beobachtete sie das Treiben in der Großstadt zu ihren Füßen. Es war Freitagnachmittag. Nur langsam wälzte sich die blecherne Feierabendlawine durch die verstopften Straßen in der Innenstadt. Menschen wuselten ameisengleich und geschäftig über die Gehwege. Egal, ob sie noch ein paar letzte Einkäufe zu erledigen hatten, oder aber nur nach Hause wollten: Sie alle hatten es eilig.

June schüttelte über den Starrsinn der von hier oben aus gesehen stecknadelkopfgroßen Menschen den Kopf. Sie konnte sich nur zu gut vorstellen, was gerade in den Köpfen der Leute unter ihr vor sich ging. In Gedanken waren sie immer noch bei der Arbeit, schalteten nie ab. Sie konnten gar nicht schnell genug von einem Ort zum anderen kommen, hasteten blind durch die Welt und an ihren Mitmenschen vorbei, nur auf sich selbst konzentriert, und waren peinlichst darauf bedacht, bloß keine Zeit zu verschwenden. Sie wollten effizient sein, produktiv, da konnten sie es sich nicht leisten, wertvolle Minuten ungenutzt verstreichen zu lassen, wenn sie im Stau oder an der Supermarktkasse standen.

Diese Art des Denkens kannte June nur zu gut, sie war schließlich selbst so gewesen. Sie hatte gedacht, ihre Zeit sinnvoll zu verbringen, indem sie dem beruflichen Aufstieg hinterhergejagt war. Doch im Endeffekt war ihr Leben einfach so an ihr vorbeigerauscht. Von selbst auferlegtem Zeitdruck bestimmt, ohne dass sie es aktiv nach ihren Wünschen gestaltet hatte. Erst jetzt, wo sie Zeit im Überfluss hatte, wusste sie den Wert jeder Minute, jeder einzelnen Sekunde, wirklich zu schätzen.

Aber genau dieses Verhalten, das die da unten an den Tag legten, um mit der schnelllebigen Gesellschaft mithalten zu können, war ihr zum Verhängnis geworden.

Der Blick ihrer blauen Augen verklärte sich, als ihre Gedanken in die Vergangenheit schweiften.

An einem kalten, dunklen Wintermorgen hatte sie wie so oft den kurzen Weg von ihrem Wohnhaus bis zu dem wenige Straßen entfernten Bürokomplex, in dem sie gearbeitet hatte, zu Fuß zurückgelegt. In Gedanken war sie noch einmal die wichtige Präsentation durchgegangen, die sie an diesem Tag hätte halten sollen, noch dazu hatte sie sich sehr beeilt, um nicht zu spät zu kommen, denn an diesem Morgen hatte sie zum ersten Mal seit langem verschlafen. Vollkommen in ihre gedankliche Erörterung der Geschäftsbilanzen vertieft war sie blindlings auf die Straße gehastet, als plötzlich – wie aus dem Nichts – zwei helle Scheinwerfer in der Dunkelheit aufgetaucht waren.

Die wenigen Sekunden, in denen das Auto auf sie zugerast war, hatte sie wie in Zeitlupe erlebt. Sie konnte sich noch genauestens an alles erinnern: an den kratzigen Stoff ihres Mantels, die eiskalte Luft, die in ihren Lungen gebrannt und nach Schnee gerochen hatte, ihren ruhigen Herzschlag 

Dann war alles ganz schnell gegangen, und ehe sie sich versehen hatte, war sie von einem gleißend hellen Licht umhüllt gewesen, das sie geblendet hatte. Eine große, schwere, aufwendig gestaltete gusseiserne Pforte, vor der eine strahlende Gestalt aus warmem, goldenem Licht gestanden hatte, war vor ihr aufgetaucht.

»June«, hatte sie eine Stimme gehört, die von überall und nirgends zu kommen schien. »Wer … wer bist du?«, hatte sie fassungslos gestammelt, nachdem sie ihre Stimme wiedergefunden hatte. »Ich bin der, von dem aus alles beginnt und bei dem alles endet.«

»Heißt das, ich bin … tot?«, hatte sie verzweifelt gewispert.

»So ist es«, hatte die Stimme geantwortet, »aber deine Zeit ist noch nicht vorbei, June.«

Sie hatte fragen wollen, was die Stimme damit meinte, doch plötzlich hatten ihre Hände und Füße zu kribbeln begonnen. Sie hatte sich erschrocken, wusste nicht, was mit ihr geschah, aber als das Kribbeln ihre Arme und Beine hinaufgekrochen war und schließlich ihr Herz erreicht hatte, hatte sie ein seltsames Gefühl der Ruhe und des Vertrauens durchströmt, das ihre Verunsicherung, ihre Zweifel und ihre Angst weggespült hatte.

Dann war die Lichtgestalt und mit ihr die gleißende Helligkeit und das Kribbeln verschwunden. June hatte immer noch vor der gusseisernen Pforte gestanden, über ihr der azurblaue Himmel, links und rechts neben ihr – und zu ihrem großen Erstaunen auch unter ihren Füßen – hatten sich aufgebauschte silbrige und weiße Wattewolken erstreckt.

Von allein war das Tor nach innen aufgeschwungen, und ein großer Mann war vor ihr aufgetaucht. Er war in eine lange, dunkelblaue Robe gehüllt und von einem Leuchten umgeben gewesen. In der Hand hatte er eine kleine, goldene Waage gehalten.

Eben dieser Mann, Michael, hatte ihr erklärt, dass ihr irdisches Leben zwar vorbei sein möge, sie aber noch eine Aufgabe zu erfüllen habe. Er hatte ihr ein Bild von einem jungen Mann gezeigt, der etwa in ihrem Alter gewesen sein musste, und gemeint: »Von nun an wirst du Tag und Nacht über ihn wachen und alles Leid und alle Gefahren von ihm fernhalten.«

Genau das tat sie auch heute noch, und niemand, weder die Lichtgestalt, noch Michael, hatten June jemals gefragt, ob sie das überhaupt wollte.

Aber mit der Zeit hatte sie gelernt, dass man dem Erzengel, der am Tag des jüngsten Gerichts über das Schicksal der Seelen entschied, besser nicht widersprechen sollte. So war June nun also dazu auserkoren, als Schutzengel über diesen jungen Mann zu wachen, der scheinbar so ein großer Glückspilz war, dass er sie eigentlich gar nicht brauchte.

Plötzlich schrillte die kleine, goldene Alarmglocke, die sie am Handgelenk trug, los und riss sie aus den Gedanken. Einen Moment lang war sie irritiert, dann fiel ihr wieder ein, was dieses Signal, das sie nun zum allerersten Mal hörte, zu bedeuten hatte: Ihr Schützling schwebte in Gefahr!

Hektisch versuchte sie, ihn irgendwo in dem Menschengetümmel ausfindig zu machen, denn sie hatte ihn völlig aus den Augen verloren. »Toll gemacht, June! Das erste Mal, dass du gebraucht wirst, und dann so was«, schalt sie sich ärgerlich, breitete die Arme aus und ließ sich nach vorne fallen. Augenblicklich sprossen ihr große, weit gefächerte Schwingen aus dem Rücken. Als sie mit angelegten Flügeln auf die Erde zuschoss, entdeckt sie auch ihren Schützling wieder. Sie hatte keine Ahnung, was ihm gleich passieren würde, und konnte deshalb auch nicht abschätzen, wie viel Zeit ihr noch für ihre Rettungsaktion blieb.

June breitete die Schwingen aus, bremste ihren Fall ab und landete in einer menschenleeren Seitenstraße. Mit dem unguten Gefühl, vielleicht zu spät zu kommen, rannte sie los, mitten hinein in das Gedränge auf dem Gehweg entlang der Hauptstraße und bahnte sich ihren Weg zu ihrem Schützling.

Sie entdeckte ihn, wie er unachtsam auf die viel befahrene Straße trat. Er befand sich so dicht vor dem hohen Führerhaus eines Lkw, dass der Fahrer, der zu allem Überfluss gedankenverloren aus dem Seitenfenster schaute, ihn unmöglich sehen konnte. Die Ampel sprang um, und der Motor des Lkw brüllte auf.

Es war genau wie in dem Augenblick vor ihrem Tod: Es war totenstill, alles um sie herum passierte in Zeitlupe, nur sie war die Einzige, die sich mit normaler Geschwindigkeit bewegte. Sie spurtete auf die Straße und auf ihren Schützling zu, riss ihn mit sich, und sie stürzten beide auf den Bürgersteig. Sobald sie nicht mehr auf der Straße standen, lief die Zeit wie gewohnt weiter, und June hörte den dröhnenden Großstadtlärm.

Mit vor ungläubigem Erstaunen weit aufgerissenen, braunen Augen starrte der junge Mann sie irritiert an. Er zitterte ein wenig und schien sein Glück kaum fassen zu können, dem Tod so knapp von der Schippe gesprungen zu sein.

June war nicht weniger überrascht, doch noch rechtzeitig gekommen zu sein. »Ist alles okay bei dir?«, wollte sie besorgt wissen, und er schluckte schwer, ehe er antwortete: »Ich denke schon.« Er schien einen Moment über das Geschehene nachzudenken, dann murmelte er: »Ich … ich müsste tot sein, aber du … du hast mir das Leben gerettet. Ich hab dich gar nicht gesehen, und dann hast du plötzlich hinter mir gestanden und mich …, wie um Himmels Willen hast du das gemacht?« Forschend sah er sie an, doch ihr fiel auf die Schnelle keine logische Erklärung ein, und sie zuckte nur mit den Schultern, in der Hoffnung, dass er der Sache nicht weiter nachgehen würde.

Wenig elegant rappelte sie sich wieder auf und klopfte sich den Staub von den Klamotten. Als ihr Schützling sie immer noch anstarrte und keinerlei Anstalten machte aufzustehen, hielt sie ihm die Hand hin und half ihm auf die Beine.

Verlegen fuhr er sich durch das kastanienbraune Haar, dann bemerkte er: »Ich hab' mich noch gar nicht dafür bedankt, dass du mir das Leben gerettet hast.«

»Schon gut«, wehrte sie ab, doch er bestand darauf. »Sei doch nicht so bescheiden. Ich kenne nicht viele Leute, die sich vor einen Lkw geworfen hätten, um einem Wildfremden das Leben zu retten, genau genommen kenne ich niemanden. Ich weiß gar nicht, wie ich mich dafür bedanken soll, aber wäre eine Einladung zum Abendessen vielleicht ein guter Anfang?«

Nun war sie es, die ihn vollkommen perplex anstarrte.

»Wenn du nicht willst, ist das auch okay«, meinte er, als sie immer noch keine Antwort gab. »Ähm … also … Abendessen klingt gut«, erklärte sie und lächelte.

»Gut. Dann würde ich sagen, treffen wir uns heute Abend im Angel. Soll ich dich abholen?«

»Nein, das musst du nicht«, sagte sie schnell.

»Wie du willst. Ich bin übrigens Jamie.«

»June«, stellte sie sich vor.

»Dann sehen wir uns also heute Abend, June?«, wollte er wissen, und sie nickte. Er erklärte, dass er gern noch ein bisschen mit ihr plaudern würde, aber er habe es eilig und müsse dringend weiter, deshalb verabschiedete er sich.

Langsam schlenderte June zurück in die ruhige Seitenstraße und flog nur widerwillig zurück, denn was der Erzengel Michael dazu sagen würde, dass sie sich verbotenerweise mit ihrem menschlichen Schützling treffen würde, wollte sie sich lieber gar nicht so genau vorstellen.

***

Sie wusste, dass es falsch war, was sie hier tat. Sie war Jamies Schutzengel und sollte nun wirklich nicht diejenige sein, die er heute Abend zum Essen ausführte, Dankbarkeit hin oder her. Warum hatte sie seine Einladung nicht einfach abgelehnt? Heute Abend hier zu sein verstieß gegen so ziemlich jede Vorschrift, an die sich ein Schutzengel zu halten hatte, aber glücklicherweise war Michael heute so beschäftigt gewesen, dass er gar nichts von ihrer Verabredung mitbekommen hatte.

Beim Gedanken an den Erzengel blieb ihr der Bissen des sündhaft teuren Hummers fast im Hals stecken. Warum hatte Jamie auch darauf bestanden, ins teuerste Restaurant der Stadt zu gehen? Selbst zu Lebzeiten hatte June sich hier nicht einmal ein Getränk leisten können, aber sollte sie sich nicht eigentlich fragen, warum sie überhaupt hier war, mit dem Mann, den sie eigentlich beschützen sollte?

»Wo wohnst du eigentlich?«, wollte er neugierig zwischen zwei Bissen wissen und unterbrach ihre Grübeleien.

»Ich bin nicht von hier«, wich sie seiner Frage aus.

»Heißt das, dass du …«

»Ja, ich bin nicht mehr lange in der Stadt.«

»Oh …« Er wirkte enttäuscht, als er sich in seinem Stuhl zurücklehnte. »Wann fährst du?«

»Morgen«, erwiderte sie leise. June wusste, dass sie ihn nicht wiedersehen sollte. Am besten hätte er sie heute Morgen gar nicht erst gesehen, aber da sie als Schutzengel noch ziemlich unerfahren war, hatte sie nicht so agiert, wie Schutzengel es eigentlich tun sollten: unerkannt im Verborgenen.

Kurz nachdem sie das Essen beendet hatten, zahlte Jamie, und sie traten in die kühle Abendluft. Der Nachthimmel war von schweren Wolken verhangen, und es hatte geregnet. Die beiden warfen lange Schatten auf die von Laternen beleuchtete Straße, während sie in stillschweigender Übereinkunft noch ein Stück zusammen gingen. Seit June erwähnt hatte, dass sie die Stadt morgen verlassen würde und sie sich deshalb vermutlich nie wiedersehen würden, war Jamie seltsam still und nachdenklich.

Sie spürte, dass der Abschied immer näherrückte, und das stimmte den Engel traurig. Jamie war wirklich ein toller Mann. Er war charmant, hatte einen wunderbaren Charakter, eine tolle Ausstrahlung und ein ansteckendes Lachen, das selbst das Strahlen der Sonne in den Schatten stellen konnte. Ja, er war wirklich ein toller Mann, einer, in den June sich glatt hätte verlieben können.

Mit aller Macht versuchte sie, diesen letzten Gedanken aus ihrem Kopf zu verbannen. Es war unmöglich. So etwas durfte nicht sein. Sie war ein Engel und er ein Mensch, noch dazu ihr Schützling!

Aber wenigstens wusste sie jetzt, dass sie über keinen Idioten wachen musste, und diese Erkenntnis brachte sie zum Schmunzeln.

An einer Kreuzung blieben sie stehen. »In der Straße da vorne wohne ich«, bemerkte Jamie leise und starrte, die Hände in den Hosentaschen, auf den Lichtschein, der sich auf der nassen Straße spiegelte. »Möchtest du vielleicht noch auf einen Kaffee mit zu mir?«, fragte er zögerlich und blickte sie mit schräg gelegtem Kopf an.

»Tut mir leid, aber ich muss morgen früh raus«, flunkerte sie.

»Schade«, meinte er und presste die Lippen fest zusammen.

»Danke für den schönen Abend«, bedankte sich June schließlich, und Jamie nickte. »Nicht dafür. Ich danke dir, dass du mir das Leben gerettet hast.«

Sie mussten beide lächeln. Dann trat Jamie einen Schritt auf sie zu, sah ihr tief in die Augen und näherte sein Gesicht dem Ihrigen. Kurz bevor sich ihre Lippen berührten, grollte in der Ferne Donner wie eine Warnung, und June wandte sich von ihm ab.

»Ich sollte jetzt gehen«, wisperte sie leise.

Resigniert wich er einen Schritt zurück und seufzte: »Das solltest du wohl.«

»Jamie, versprich mir, dass du von jetzt an besser auf dich aufpasst«, verlangte sie leise.

»Versprochen«, entgegnete er mit traurigem Lächeln.

»Leb wohl«, verabschiedete sie sich, dann wandte sie sich um und ging. Obwohl sie sich nicht mehr umblickte, wusste sie, dass Jamie ihr hinterhersah. Erst, als sie in eine Seitenstraße einbog, ließ das Gefühl, seinen Blick in ihrem Rücken spüren zu können, nach.

Nachdem sie sich vergewissert hatte, dass sie niemand sehen würde, breitete sie die Engelsflügel aus, stieß sich kräftig vom Boden ab und flog zu den bedrohlichen Gewitterwolken hinauf. Ein greller Blitz erleuchtete den schwarzen Nachthimmel, und sie wusste, dass ein alles anderer als erfreuter Erzengel bereits auf sie warten würde.

***

Wie hatte sie nur glauben können, dass Michael nichts von ihrer Verabredung mit Jamie merken würde?!?

Genau wie erwartet hatte der Erzengel nach ihrem Treffen auf sie gewartet und war außer sich vor Zorn gewesen. Er hatte sie an die Regeln für Schutzengel erinnert, von denen sie an jenem Tag so ziemlich jede gebrochen hatte, worüber er wahnsinnig wütend gewesen war. Und wenn ein Erzengel erstmal wahnsinnig wütend war, war das auch auf Erden spürbar. So auch in diesem Fall, in dem ein schweres Unwetter Jamies Heimatstadt heimgesucht hatte. June hatte ihre Strafe auch nach drei Wochen noch nicht abgebüßt. Nicht nur, dass sie nur dann reden durfte, wenn sie angesprochen wurde, sie musste auch noch die Babysitterin für die Putten spielen. Auf diese kleinen, pummeligen, aber doch erstaunlich quirligen Engelchen aufzupassen war doch weit schwerer, als einen Sack Flöhe zu hüten.

June saß wieder auf ihrer Lieblingswolke und versuchte gleichzeitig, weder Jamie unten auf der Erde, noch die um ihren Kopf schwirrenden Putten aus dem Blick zu verlieren. Das glockenhelle Lachen der kleinen Engelchen ging ihr langsam gehörig auf die Nerven. Jeder, aber auch wirklich jeder Engel, der vorbeikam und die Kleinen spielen sah, konnte gar nicht anders, als seine Entzückung über die ach so süßen kleinen Kerlchen laut kundzutun. Aber June wusste inzwischen, dass die Putten es faustdick hinter den Ohren hatten.

»Guck mal, June«, quiekte einer von ihnen, purzelte über die Wolke, rollte gegen June und giggelte vergnügt. Sie piekte den Kleinen in die Seite, und er lachte noch lauter. Als sie anfing, ihn durchzukitzeln, wand er sich hin und her, flüchtete schließlich zu seinen Freunden, und June hatte wieder ihre Ruhe.

Vorerst, denn dann schrillte die Alarmglocke an ihrem Handgelenk los. Das durfte doch nicht wahr sein 

»Ich muss kurz weg, aber ich kann ja darauf vertrauen, dass ihr nichts anstellt, oder?«, wandte sie sich an die herumtollenden Engel.

»Ja, June«, sagten die Putten mit Unschuldsmiene im Chor.

June seufzte, dann stürzte sie sich hinab in Richtung Erde.

Jamie lief grade an einem Haus vorbei, dessen Fassade renoviert wurde, als sich plötzlich ein Teil des Gerüstes löste, doch June war rechtzeitig zur Stelle, um Jamie zur Seite zu ziehen. Mit einem metallischen Klirren schlug die Gerüststange genau dort auf, wo der junge Mann wenige Sekunden zuvor noch gestanden hatte.

»Das war knapp«, murmelte er mit Blick auf das herabgestürzte Gerüstteil und wandte sich dann seiner Retterin zu. »June?«, fragte er ungläubig.

»Hallo, Jamie.«

»Was … was machst du hier? Ich dachte, du hättest die Stadt schon vor ein paar Wochen verlassen«, stammelte er überrascht.

»Gut, dass ich doch noch hier bin«, entgegnete sie und deutete auf die Gerüststange.

»Da hast du recht«, bemerkte er, und sie liefen ein Stück weiter.

»Du hast mir das Leben gerettet, schon wieder«, stellte er erstaunt fest. »Du scheinst wohl mein Schutzengel zu sein.« Darüber musste er selbst lachen, und auch June lächelte.

»Das kann man so sagen«, bemerkte sie schmunzelnd.

Ein lautes Poltern ließ sie herumfahren. Das Gerüst war vollends eingestürzt, doch es schien niemand zu Schaden gekommen zu sein.

»Unglaublich«, murmelte Jamie fassungslos, doch als er sich wieder zu June umwandte, war sie bereits verschwunden.

Christina Fischer

Ein himmlischer Beschützer

Klar war der Tag nicht der allerbeste. Nicht nur, dass Jacqueline, die hübsche Blondine, mir die Beförderung vor der Nase weggeschnappt hatte. Nein, ich musste sie auch noch dabei erwischen, wie sie mit Mark, unserem Abteilungsleiter, hemmungslos knutschte. In diesem Moment war für mich alles klar: Die jahrelang freiwillig geleisteten Überstunden besaßen keinen Wert neben Jacquelines prallem Busen. Aber okay, ich, Katharina Hellwig, kurz Kathy genannt, war eine junge, aufstrebende Frau. Gerade einmal fünfundzwanzig stand mir die Welt offen. Mit dem letzten Rest meiner Würde hatte ich bei Mark meine Kündigung eingereicht, ihn vor versammelter Mannschaft gefragt, wie sich Jacquelines Busen im Umkleideraum angefühlt hatte, und war gegangen.

Jetzt war ich zwar arbeitslos, aber diesen doofen Gesichtsausdruck hätte ich um nichts in der Welt missen wollen. Soweit so gut! Zielstrebig nahm ich den Heimweg in Angriff.

Mehrere Minuten später hatte sich der Triumph etwas gelegt, und an seine Stelle trat tiefe Verunsicherung. Was sollte ich nun anfangen? Ich sah recht passabel aus, war jedoch keinem Modeheft entsprungen. Dafür wären meine Hüften sowieso zu breit gewesen, und meinem Lockenkopf brachte noch nicht einmal ein Glätteeisen Benehmen bei. Das Gesicht sah vielmehr frech als klassisch schön aus, die unzähligen Sommersprossen auf Nase und Wangen trugen auch nicht dazu bei, mich wie eine Dame aussehen zu lassen. Vielmehr wirkte ich wie der freche Pumuckl in weiblicher Form. Eine Rolle im Zirkus als Clown wäre mir sicher, dachte ich murrend und trat in den Park.

Es war gerade einmal zwölf Uhr. Die meisten Menschen befanden sich auf der Arbeit, so dass ich den Park für mich alleine hatte. Noch immer in meine Gedanken vertieft hob ich das Bein für den nächsten Schritt und prallte gleich darauf zu Boden. Zu meiner Verwirrung bekam ich kaum Luft und hatte Federn im Mund. Während mein Gehirn noch versuchte, das Geschehene zu begreifen, spie ich die Federn aus. Ich dachte im ersten Moment an einen riesigen Truthahn, der mich gerade zerquetschte und schalt mich daraufhin eine blöde Nuss, denn woher sollte zu dieser Jahreszeit und in diesem Park ein Truthahn herkommen? Ein Geier, schlussfolgerte ich weiter, allerdings hatte ich noch nie so ein gewaltiges Exemplar gesehen, immerhin quetschte es mich halb zu Boden, und für die Beute eines Geiers war ich definitiv zu groß.

»Oh, das tut mir leid.«

Und bisher schien es der Wissenschaft vollkommen entgangen zu sein, dass große Vögel sprechen konnten.