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Hartmut Wächtler

WIDERSPRUCH

Als Strafverteidiger in politischen Prozessen

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www.transit-verlag.de

Seite 2: Zeichnung Theis, 89

INHALT

Vorwort von Christian Ströbele

Warum ich Strafverteidiger wurde

Woher ich komme

Universitäten Berlin und München 1965 bis 1968

APO, Springer und ein Praktikum im Knast

Schellingstraße 52

Der Prozess gegen Rolf Pohle

Gertraud Will

Ulrike Meinhof

Staatsfromme Justiz in München

Das Verfahren gegen Hanns Marzini und andere

Das Verfahren gegen Rechtsanwalt Fritz Gildemeier

Der Tenno-Prozess in Bonn

Gegen Panzerknacker und das BLATT

Das Werkstattkino

Freizeit 81

Andrea Wolf

Gert Bastian

Der Widerstand gegen die WAA

Ingrid Strobl

Deutch-deutsche Spionage

Epilog: 1968 und die Folgen

VORWORT

Es war ein heißer Tag, als ich Hartmut Wächtler im August 1976 in Athen traf. Nur mit eisgekühlter Wassermelone an jeder Ecke konnte ich ihn überstehen. Wir waren beide zum altehrwürdigen höchsten griechischen Gericht, dem Aeropag, geladen, wo über die Auslieferung des in Griechenland festgenommenen Deutschen Rolf Pohle an die Bundesrepublik verhandelt wurde. Seine griechischen Verteidiger hatten uns als sachverständige Zeugen benannt. Wir sollten aussagen, dass Pohle in Deutschland wegen einer politischen Straftat verfolgt werde. Beide berichteten wir über das, was wir als Verteidiger von Gefangenen aus der RAF erlebt hatten.

In seinem Buch schreibt Hartmut Wächtler über unser Zusammentreffen in Athen. Er selbst hatte Rolf Pohle in München zwei Jahre vorher gegen den Vorwurf der Mitgliedschaft in der RAF in einem Prozeß fünfzig Verhandlungstage lang verteidigt. Er sagte aus, wegen welches strafrechtlichen Vorwurfs sein Mandant verfolgt und verurteilt worden war, aber auch über dessen lange Untersuchungshaft und die Besonderheiten deren Vollzuges. Nach der Rückkehr aus Athen nach München bekam er öffentlichen Ärger wegen seiner Aussage zu dem, was er als Verteidiger erlebt hatte. In der Presse war unrichtig berichtet worden.

Harmut Wächtler gehört zu den Anwälten in der damaligen Bundesrepublik, deren Tätigkeit als Strafverteidiger durch eine Reihe von Besonderheiten und zusätzliche außerordentliche Aufgaben zu denen der Verteidigung gegen die vorgeworfenen Straftaten geprägt waren. Und sie haben Strafverteidigung und die Strafprozesse nicht nur in politischen Verfahren nachhaltig verändert.

Die Anwälte waren in der Zeit der Außerparlamentarischen Opposition Ende der Sechziger/Anfang der Siebziger politisiert worden. Sie hatten erste Erfahrungen häufig schon vor Ende der Ausbildung noch als Referendare in politischen Strafverfahren gegen Studenten und andere Demonstranten gemacht. Viele kannten sie aus der Uni oder von der gemeinsamen Teilnahme an Demonstrationen und anderen Protestveranstaltungen. Sie gaben dann Rechtsrat für das Verhalten vor und nach einer Festnahme, sie besuchten Verhaftete im Polizeigewahrsam und später im Gefängnis. Sie organsierten das Sammeln von Beweisen, nahmen Einsicht in Verfahrensakten. Dann bereiteten sie die Verteidigung im Prozeß vor und traten auch vor Gericht auf in Untervollmacht für die wenigen Anwälte auf, die bereit waren, solche Mandate überhaupt und gar in großen Mengen zu übernehmen. Die Anzahl der sogenannten Demonstrationsverfahren und damit der Beschuldigten war unübersehbar groß. Zuweilen waren es nach einer Protestveranstaltung viele Dutzende Verfahren. Die Vorwürfe waren schwerwiegend, die Festnahmen zahlreich, die Beweislage meist mager.

Die Anwälte, häufig selbst politisch engagiert, sahen ihre Aufgabe darin, den Mandanten zur Seite zu stehen und deren Rechte als die »Subjekte der Verfahren« uneingeschränkt durchzusetzen. Sie verstanden sich weniger als »Organ der Rechtspflege«, vielmehr als parteiische Vertreter der Interessen der Mandanten nach deren Festnahme und in einem fairen Prozess.

Fast vergessene rechtliche Möglichkeiten der Verteidigung, die in der Strafprozessordnung schlummerten, entdeckten sie wieder. So etwa das Recht, sich in jeder Situation, auch unmittelbar nach einer Festnahme, der Hilfe eines Verteidigers bedienen zu dürfen. Das Recht, Prozesserklärungen zu Beginn oder im Laufe der Verhandlung zu Vorstellungen der Mandanten und Zielen der Verteidigung abzugeben. Sie nutzen die rechtliche Möglichkeit, Richter und Sachverständige, die voreingenommen schienen, wegen der Besorgnis der Befangenheit abzulehnen. Und sie setzten schon früh moderne technische Möglichkeiten ein wie das Anfertigen von Kopien der vollständigen Verfahrensakten. So konnten sie die Akten im eigenen Büro gründlich studieren und hatten diese im Prozess jederzeit zur Hand. Das Ausschöpfen der schon existierenden gesetzlichen Rechte und Möglichkeiten war kein Privileg »linker Anwälte«. Sie waren in Vergessenheit geraten und ihre Nutzung nur nicht mehr üblich. Mittlerweile gehört es nun schon seit Jahrzehnten längst zur Normalität – jedenfalls in größeren Strafverfahren.

Viele Gerichte waren davon anfangs nicht begeistert. Die Prozesse dauerten länger und machten mehr Arbeit, zumal sich Richter auch intensiver mit der Strafprozessordnung und der Rechtsprechung dazu befassen mussten. Immer mehr Angeklagte jedoch legten Wert auf solch engagierte Verteidiger.

Die veränderte Einstellung zu Aufgaben und Pflichten eines Anwalts und Strafverteidigers sowie ihr politisches Engagement bedeutete für die engagierten Anwälte in größeren politischen Strafverfahren auch zusätzlichen Aufwand und Aufgaben. Das galt vor allem, wenn die Beschuldigten in Haft waren. Es ging dann zusätzlich auch um die Wahrung der Rechte im Haftvollzug und die Erhaltung der Gesundheit der Mandanten.

Hartmut Wächtler berichtet das ausführlich im Fall Rolf Pohle. Der Mandant wurde lange Zeit in Isolation nicht nur von der Außenwelt, sondern auch vom Anstaltsleben und den Mitgefangenen isoliert untergebracht. Er erkrankte erheblich und war bald gar nicht mehr in der Lage, eine Verteidigung mit seinem Verteidiger zu besprechen und gemeinsam vorzubereiten. Der Verteidiger war damit auch in einer verzweifelten Situation. Schon deshalb und aus humanitären Gründen besuchte Wächtler den Gefangenen über lange Zeit in dem von München hunderte von Kilometer entfernt gelegenen Gefängnis häufiger. Schließlich war er der einzige Mensch, mit dem der Mandant sich frei und ungestört unterhalten konnte. Die Besuche waren also auch der Versuch, die Gesundheit des isolierten Gefangenen zu stabilisieren und zu schützen. Eigentlich keine Aufgabe für die Anwälte nach dem Handbuch für Strafverteidiger.

Das gilt auch für die Reise von Hartmut Wächter und mir als Rechtsanwalt, um in Athen vor dem Aeropag Zeugnis abzulegen zu den politischen Prozessen und insbesondere zu den Haftverhältnissen der politischen Gefangenen. Kaum ein Anwalt wird in seinem Berufsleben in einer Art Fernwirkung des Verteidigermandats auch einmal mit der Aufgabe konfrontiert werden, im Interesse seines Mandanten vor einem Gericht im Ausland über das im Mandat Erlebte zu berichten.

In Athen erlebten wir eine nachrevolutionäre Situation. Die Militärdiktatur war gerade erst gestürzt. Auch deshalb reagierte die Öffentlichkeit, insbesondere Studenten und andere junge Menschen auf das deutsche Gesuch, Rolf Pohle auszuliefern, sehr sensibel und mit heftigen Protesten. Es gab große Demonstrationen und Protestveranstaltungen. Als die Polizisten die Demonstration auflösten und die Demonstranten verfolgten, musste die Polizei vor der Tür der Häuser, in die Demonstranten geflüchtet waren und von Bewohnern hineingelassen worden waren, Halt machen. Sie durfte nicht eindringen. Das war eine Konsequenz aus Zeiten der soeben überwundenen Militärdiktatur, während der die Polizei die Privatsphäre hemmungslos missachtete. Eine bemerkenswerte Erfahrung für mich war der Besuch eines Strafprozesses in Athen. Es ging hoch her im Gerichtssaal. Die Verteidiger präsentierten sich laut und wortreich als »Anarchisten«. Als Anarchisten, so erfuhr ich auf erstaunte Nachfrage, bezeichnete sich in Griechenland eine respektierte politische Gruppierung. Dem lag ein völlig anderes Verständnis von Anarchismus zugrunde als in Deutschland.

Soweit wollten Hartmut Wächtler und die neue Generation der engagierten Anwälte in Deutschland natürlich nicht gehen. Im deutschen politischen Kontext wäre für sie auch undenkbar, sich als Anarchist zu begreifen und sich selbst so zu bezeichnen.

Aber weit über die anwaltliche Hilfe für ihre Mandanten haben die Anwälte wichtige Anstöße für die Läuterung des Berufsverständnisses und der Praxis der Strafverteidigung gegeben. Sie wirken heute noch.

Christian Ströbele, 20.6.2018

WARUM ICH STRAFVERTEIDIGER WURDE

Justizgeschichte ist Kulturgeschichte. Die feuilletonistische Gerichtsreportage war lange ein hoch angesehenes publizistisches Genre. Unvergessen Moritz Goldsteins Bericht über den Freispruch des gesellschaftskritischen Malers und Karikaturisten George Grosz, Kurt Tucholskys Attacken gegen die reaktionäre Weimarer Justiz und nach 1945 Gerhard Mauz’ Artikel im Spiegel.

Ein Blick in die Gerichtssäle zeichnet oft ein schärferes Bild einer Gesellschaft als es ein ganzer Zirkel von Starsoziologen zustande bringen kann. Obwohl diese journalistische Gattung verkümmert ist, gilt nach wie vor: Zeige mir deine Staatsanwälte, Richter und Anwälte und die verhandelten Delikte und ich sage dir, in welchem Staat du lebst.

Ich habe den größten Teil meines Lebens in der Rolle des Strafverteidigers zugebracht und tue das weiterhin. Dass ich hier als Linker gelte, hat mit dem Lagerdenken unserer politischen Kultur zu tun. Und mit meiner Sozialisation als sogenannter 68er. 2018 jährt sich die Studentenrevolte zum fünfzigsten Mal. Die Revolutionäre von einst sind in die Jahre gekommen, haben schütteres Haar und neue Hüften, andere sind längst an ihren Verwundungen gestorben wie Rudi Dutschke oder haben eine erstaunliche Reise vom linken ins neonazistische Lager hinter sich gebracht wie Horst Mahler; es gibt grandiose Karrieren beim Gang durch die Institutionen wie bei Otto Schily und Joschka Fischer und glanzvolle Beispiele, wie sich einst scharfsinnige Salonrevolutionäre zu staatstragenden, konservativen Intellektuellen entwickelt haben.

In diesem Buch beschreibe ich Menschen, die mit der Justiz aneinander gerieten und zu »Fällen« wurden, die ich vor Gericht ausgefochten habe und über die oft genug das ganze Land debattierte. Sie liegen zwischen 1973, als ich Anwalt wurde, und der Zeit nach der Wiedervereinigung, und stehen für ihre jeweilige Epoche. Was jedoch hatte Rolf Pohle, der Münchner Studentenführer, der die Universität demokratisieren wollte und im Umkreis der RAF und der Bewegung 2. Juni landete, mit den Aktivisten des Protestes gegen die Atomfabrik in Wackersdorf gemein, was diese mit der Feministin Ingrid Strobl?

Sie alle leisteten Widerstand gegen die als unerträglich empfundenen Verhältnisse, sie gehörten zu der Minderheit, die sich weder von den Integrationsangeboten der Regierung Brandt/Scheel ab 1969 noch von der allgemeinen Wohlstandswelle der achtziger Jahre davon abhalten ließ, für ihre Sache einzustehen. Und sie waren allesamt Linke- das heißt, sie wollten die Grundsätze der französischen Revolution durchsetzen: Gleichheit (auch für die Geschlechter). Freiheit (auch für die anders Denkenden) und Brüderlichkeit (Solidarität mit den Benachteiligten und mit der Natur).

Widerstand ist gerechtfertigt. Diesem Impuls folgt schon jedes kleine Kind, wenn es einer Zumutung ein trotziges »Nein« entgegensetzt. Widerstand ist ein Recht und in der Verfassung verankert. »Gegen jeden, der es unternimmt, die verfassungsmässige Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist«, heißt es in Art. 20 des Grundgesetzes. Widerstand ist auch fruchtbar. Aus ihm entstehen neue Kräfte, die eine Welt verändern können.

Die deutsche Universität war bis in die sechziger Jahre eine hierarchische Veranstaltung, gefesselt von einer verleugneten braunen Tradition, über die nicht gesprochen werden durfte. Ich habe mich zunächst um die NS-Vergangenheit vieler Jura-Professoren, die uns unterrichteten, nicht gekümmert. Für mich waren die Vorlesungen an der Ludwig-Maximilians-Universität in München einfach quälend langweilig – vielleicht eine Folge der vielen Tabus, die es gab. Der Staatsrechtler Theodor Maunz hatte in seinen Schriften unter dem Motto »Der Führer ist das Recht« das außergesetzliche Gewaltregime der Nazis »wissenschaftlich« gerechtfertigt. Jetzt musste er zwar als Kultusminister zurücktreten, aber lehrte die Studenten weiter das Grundgesetz. Ich erfuhr das und wunderte mich, nahm aber gerne die guten Noten entgegen, die ihn bei den Studenten so beliebt machten. Ich war wirklich kein geborener Revolutionär. Ich schloss mich dann den rebellierenden Studenten an, weil viele meine Freunde waren, weil die provokativen Aktionen Spaß machten und weil wir auf einmal das Gefühl hatten, wir könnten die Welt verändern. Dann kam Ostern 68, die drei Tage im April, in denen viele Tausend Demonstranten versuchten, die Auslieferung der BILD-Zeitung zu verhindern, weil sie die Springer-Presse für den Anschlag auf Rudi Dutschke verantwortlich machten. Als dann massenhaft Strafverfahren gegen die Demonstranten eingeleitet wurden, gründeten wir die Rechtshilfe der APO (Außerparlamentarische Opposition). Die Erfahrung, dass ich dort etwas Nützliches mit meinem Studium anfangen konnte, brachte mich dazu, Strafverteidiger zu werden. Ich las die Schriften Karl Liebknechts, der Anfang des 20. Jahrhunderts ein bekannter Verteidiger in politischen Strafsachen gewesen war und selbst wegen seiner politischen Aktivitäten als Kriegsgegner im Gefängnis gesessen hatte, bis er 1919 umgebracht wurde, und ich verschlang die Bücher Heinrich Hannovers, der sich in den fünfziger und sechziger Jahren einen Namen als Verteidiger vor allem von KPD-Anhängern gemacht hatte und in der konservativen Zunft der Rechtsanwälte gemieden wurde, als hätte er die Pest im Leibe.

WOHER ICH KOMME

Ich stelle mir vor, der 19. April 1945 war ein regnerischer, trüber Tag, erst recht im Bayerischen Wald. Dort kampierte in einem Gebäude, das später einmal als Hundeschule der bayerischen Polizei dienen sollte, der Gauleiter Bayerische Ostmark und SS-Obergruppenführer Fritz Wächtler, mein Vater. Er war am 12. April aus Bayreuth, seiner Gauhauptstadt, mit seinen engsten Mitarbeitern hierher nach Herzogau gekommen. Der amtierende Bürgermeister Kempfler hat nach ’45 berichtet, Wächtler habe ursprünglich in Bayreuth Widerstand gegen die immer näher kommenden Amerikaner leisten wollen, habe diesen Plan jedoch aufgegeben und mit seinem Stab die Stadt verlassen. Meine Mutter hat im Spruchkammerverfahren gegen meinen Vater, das merkwürdigerweise noch nach seinem Tode geführt wurde, in einer langen Verteidigungsschrift mitgeteilt, Bayreuth sollte nicht weiter den verheerenden Luftangriffen der Alliierten ausgesetzt sein. Deshalb habe ihr Mann das lange vorbereitete Ausweichquartier im Bayerischen Wald bezogen. Am 14. April nahmen die Amerikaner Bayreuth kampflos ein.

Am 19. April erschien der SS-Sturmbannführer Ludwig Ruckdeschel, der bis 1940 stellvertretender Gauleiter in Bayreuth gewesen war an der Spitze eines SS-Kommandos in Herzogau. Er behauptete, auf Befehl Hitlers, der damals noch wenige Tage zu leben hatte und im Bunker unter seiner Reichskanzlei in Berlin saß, zu handeln und verlas einen angeblichen Führerbefehl, der von Zeugen folgendermaßen wiedergegeben wurde (eine schriftliche Fassung ist niemals aufgetaucht): »Wächtler wird mit sofortiger Wirkung aus der Partei ausgeschlossen und seiner Ämter enthoben. Er ist wegen Feigheit vor dem Feinde und wegen Verlassens der Gauhauptstadt sofort zu erschießen. Sein Nachfolger ist Ruckdeschel.«

Das SS-Kommando erschoss meinen Vater noch am gleichen Tage in einem nahen Waldstück und verscharrte ihn dort notdürftig. In den fünfziger Jahren veranlassten die Behörden seine Exhumierung und ließen ihn auf dem Dorffriedhof von Herzogau begraben. Meine Mutter reiste zur Identifizierung an und berichtete später, wegen günstiger Bodenverhältnisse sei sein Leichnam noch verhältnismäßig gut erhalten gewesen. Sie zeigte mir Jahre später die Erschießungsspuren an einem Baum. Im April 1945 war ich fünf Monate alt.

Ruckdeschel regierte noch bis zur Kapitulation am 9. Mai. Er war unter anderem verantwortlich für die Exekutierung des Regensburger Dompredigers Dr. Johann Maier und von Josef Zirkl. Beide hatten am 23. April 1945 in Regensburg als Sprecher einer Gruppe, meist Frauen, fungiert, die vor der örtlichen Parteileitung demonstriert hatte, um eine kampflose Übergabe der Stadt an die Amerikaner zu erreichen. Einen Tag nach dieser Vorsprache sahen die Regensburger ihre Abgesandten öffentlich an Stricken aufgehängt. Regensburg wurde am 27. April 1945 ohne Gegenwehr eingenommen. Ruckdeschel war vorher geflohen. Er wurde vom OLG Nürnberg am 2. November 1948 wegen seines Verbrechens in Regensburg zu acht Jahren Haft verurteilt, kam jedoch schon 1952 frei. Danach arbeitete er im Volkswagenwerk in Wolfsburg als eine Art Empfangschef für prominente Gäste.

Meine Mutter verließ zeitgleich mit meinem Vater Bayreuth. Sie wurde in Begleitung ihrer Mutter, meinem 1936 geborenen Bruder und mir nach Passau gebracht. Der dortige Oberbürgermeister brachte sie zunächst in der Veste Oberhaus und dann in der Oberilzmühle bei Passau unter. Dort lebten auch einige Zwangsarbeiter eines KZ-Außenkommandos, von denen meine Mutter später schrieb, sie seien ihr »in den Zeiten des Umsturzes eine große Hilfe gewesen«. Jedenfalls benutzten wir bis in die fünfziger Jahre das etwas verbeulte Aluminiumgeschirr, das sie von ihnen geschenkt bekommen hatte.

Von der Oberilzmühle zogen wir dann in das nahegelegene Dorf Limbach. Dort stellte uns ein Angestellter des Passauer Bischofs ein Zimmer in seinem kleinem Holzhaus zur Verfügung. Hier verbrachte ich eine herrliche frühe Kindheit bis 1949. Während die Erwachsenen damit beschäftigt waren, das Notwendigste zum Leben zu beschaffen, hatten wir Kinder völlige Freiheit. Ich streifte stundenlang mit der Tochter unseres Hauswirts durch den Wald. Wir sammelten Pilze und Beeren. Raffaela war etwa so alt wie ich und schielte ein wenig. Nie hatten wir Angst, nie verliefen wir uns.

Wir waren bitterarm. Meine Eltern hatten sich nicht im Geringsten mit der Frage beschäftigt, wie ihr Leben nach dem verlorenen Krieg aussehen könnte, obwohl sie den Ausgang wohl sehr frühzeitig gesehen hatten. Meine Mutter hatte fast nichts mitnehmen können. Da wir oft nichts zu essen hatten, gingen wir bei den bäuerlichen Nachbarn »hamstern«, wie es hieß, also betteln. Ich war als Kleinster meist erfolgreich und brachte stolz ein Ei oder eine andere Kleinigkeit heim. Wir bauten Gemüse an und hielten Stallhasen; auch »Dachhasen«, gemeint sind Katzen, wurden nicht verschmäht.

Wenn morgens der Bauer von nebenan mit seinem Odelgespann vorfuhr, zog mich meine Großmutter schnell an und setzte mich auf den Ochsen. Von Hunger und Entbehrung habe ich nichts mitbekommen oder ich habe es vergessen. Sicher ist, dass die durchwegs armen Kleinbauern des Bayerischen Waldes, die um uns herum lebten, uns stets etwas abgegeben haben und uns nicht verhungern ließen, obwohl wir nichts zum Tauschen hatten. Beispielsweise wurde später erzählt, meine Mutter hätte von einer Bäuerin etwas Schweineschmalz geschenkt bekommen, weil ich Mumps hatte und das dagegen helfen sollte. Die Familie zog es vor, das Geschenk zu verzehren – ich wurde auch so gesund.

In der unmittelbaren Nachkriegszeit war ich noch zu klein, um konkrete Erinnerungen zu haben, aber noch heute fühle ich eine positive Grundstimmung, wenn ich an die Zeit zurückdenke. Das ist einigermaßen erstaunlich: Mein Vater war erschossen worden, als Gauleiter war er Repräsentant des untergegangenen Nazi-Reichs gewesen, meine Mutter, die bis zu ihrer Hochzeit Lehramtskandidatin gewesen war, hatte kein Einkommen und kein Vermögen. Auf die Lehrerpension, auf die mein Vater an sich Anspruch gehabt hätte, hatte er irgendwann verzichtet, meine Mutter erhielt auch keine Witwenpension aus seinen Ämtern als Minister in Thüringen noch vor 1933 oder als Abgeordneter.

Von meinem Vater wurde nicht viel gesprochen. Auf meine Fragen wurde eher ausweichend geantwortet, im Sinne von »gefallen« oder »im Krieg geblieben«. Das war nichts Ungewöhnliches, vielen meiner Altersgenossen ging es ebenso. Meine Aufklärung wurde von meiner Mutter Jahre später regelrecht inszeniert. Als ich ungefähr zwölf Jahre alt war, besuchten wir die Familie meines Onkel Rudolf, eines Bruders meines Vaters, der in Goslar lebte. Man saß wie oft in großer Runde und unterhielt sich – es war die Zeit noch ohne TV und natürlich ohne Internet –, als jemand wie zufällig die Sprache auf meinen Vater brachte. Dann wurde Stück für Stück die ganze Geschichte reihum erzählt. Ich hörte atemlos und stumm zu. Ich fragte nichts, sprach auch nicht mit meiner Mutter darüber. Erst Jahre später erkundigte ich mich nach Einzelheiten ihres Lebens in der Bayreuther Zeit und erfuhr so etwas zu Winifred Wagner, mit der sie immer noch in Briefkontakt stand. Wenn die Rede auf meinen Vater kam, vermittelte meine Mutter den Eindruck einer guten Ehe. Nie verlor sie ein böses Wort über ihn. Nie fragte ich nach der Schuld.

Als ich viel später die Spruchkammerakte meines Vaters durchlas, ich war schon Jurist, habe ich ziemlich bang nach einer Beteiligung meines Vaters an den bekannten Greueltaten der Nazis gesucht. Zu meiner großen Erleichterung habe ich nicht viel Konkretes gefunden, und auch das Spruchkammerurteil enthält nicht viel. Es bleibt die Tatsache, dass Fritz Wächtler nach Kriegsdienst und Lehrerausbildung seit 1926 in der NSDAP aktiv war, dass er schon vor 1933 in Thüringen für die NSDAP in der Regierung und im Reichstag saß, dass er den NS-Lehrerbund jahrelang anführte und dass er seit 1935 die Gauleitung in Bayreuth innehatte als Nachfolger des bei einem Flugzeugabsturz verunglückten Lehrers Hans Schemm. Von individuellen Schweinereien gegen Juden oder Andersdenkende brachten die Untersuchungen der Spruchkammer nichts zu Tage. Er war als aktiver Nazi natürlich mitverantwortlich für alles, was nach 1933 geschehen ist, er könnte sicher auch nicht behaupten, nichts gewusst zu haben, wie es viele andere nach ’45 vorgaben. Wenn man gnädig ist, kann man sagen, er hat persönlich nicht profitiert, er hat sich nicht bereichert, er war überzeugter Nationalsozialist, und er hat mit dem Leben gebüßt. Trotzdem muss man fragen, für welche Sache hat er sich eingesetzt, auch wenn er kein Freund von Hitler und seiner Umgebung war, wie Zeugen ausgesagt haben, warum hat er so lange mitgemacht, ahnend, welcher Ausgang bevorstand. In seiner Heimat Thüringen. nicht weit von dem Familienwohnort Weimar, lag das KZ Buchenwald. Natürlich wusste er, was dort geschah. Das richtige Wort für das, was ich empfinde, wenn von meines Vaters politischer Tätigkeit die Rede ist, ist Scham.

Das Schweigen um meinen Vater wirkte sich selbstverständlich auf die Atmosphäre in der Familie nach 1945 aus. Zunächst waren seine Stellung im Dritten Reich und sein Tod tabu, es wurde nicht darüber gesprochen, obwohl alle außer mir Bescheid wussten. Ich glaube, dass ein Kind dieses Unausgesprochene, Verborgene ahnt oder jedenfalls unbewusst wahrnimmt. Nachdem ich es schließlich erfahren hatte, habe ich viele Jahre keine Anstrengungen unternommen, mehr heraus zu bekommen, als meine Mutter freiwillig erzählte. Es gab in meiner Familie keine Diskussionen über das Dritte Reich, auch nicht bei den Geschwistern meines Vaters, mit denen ich Kontakt hatte. In der Schule in Niedersachsen, wo ich Grundschule und Gymnasium absolvierte, hatte ich das Glück, einigermaßen unbefangene Geschichtslehrer zu haben, die uns Fakten über das Dritte Reich vermittelten. Unsere letzte Geschichtslehrerin, »Fräulein« Pohlenz, die Tochter eines völlig unbelasteten nationalliberalen Altertumsforschers, erzählte uns, wie sie selbst die NS-Zeit erlebt hatte. Sie ließ mich im mündlichen Abitur die Wahlergebnisse der Nazis mit den Arbeitslosenzahlen verbinden und gab mir für die naheliegenden Schlussfolgerungen die Bestnote. Später habe ich von Hannes Heer, der in den achtziger Jahren für die Reemtsma-Stiftung die Aufsehen erregende Wehrmachtsausstellung organisierte, erfahren, dass meine Schule vollkommen durchsetzt von Altnazis war. »Fräulein« Pohlenz saß als Unbelastete in der Entnazifizierungskommission, und weil sie eine so gute Seele war, ließ sie jeden passieren, der ihr einen guten Eindruck machte. So kamen wir zu einer stattlichen Anzahl Altnazis. Das äußerte sich allerdings nicht direkt in den Unterrichtsinhalten. Die Lehrer hielten sich an die Vorgaben des Schulrats und des Ministeriums. Allerdings hatten wir echte Sadisten, die sich einen Spaß daraus machten, uns erst zappeln zu lassen und dann »vorzuführen«. Ansonsten benahmen sich alle vorsichtig, was die Lehrinhalte betraf. Am 17. Juni, dem »Tag der deutschen Einheit«, verkauften wir kleine silberne Abzeichen des Brandenburger Tores auf der Straße. Der Erlös ging angeblich an das Lager Friedland, wo die Flüchtlinge aus der DDR, die damals »SBZ« genannt werden musste, untergebracht waren. Abends versammelten wir uns um ein großes Lagerfeuer und sangen patriotische Lieder. Das war auch die Zeit, als der Bundesminister Seebohm, Vorsitzender der Deutschen Partei, die man heute als rechtsradikal bezeichnen würde, und unter Adenauer zuständig für den Verkehr, seine berüchtigten Sonntagsreden hielt, in denen er die Rückgabe der verlorenen Ostgebiete »in den Grenzen von 1937« forderte.

Heute wundert mich, dass ich die politischen Zusammenhänge nicht durchschaut habe. Im Gegenteil: wir hatten einen höchst originellen Lateinlehrer, Herrn Calliebe. Er brachte uns das Altertum und die lateinische Sprache nahe, ohne zu langweilen. Ich mochte ihn, obwohl er streng war und uns mit allerlei Zicken wie »Hände auf den Tisch« zu erziehen versuchte. Es kam heraus, dass er in der Nazi-Zeit Lehrer in einer »Napola« gewesen war, einer der Eliteschulen der Nazis. Seine Belastung war anscheinend so groß, dass selbst die großzügige niedersächsische Schulverwaltung Bedenken hatte, seinen Arbeitsvertrag zu verlängern – Beamter sollte er ohnehin nicht werden. Als wir das erfuhren, organisierten wir eine Art Sympathisanten-Demo, in deren Verlauf wir ihm eine Flasche Whisky, die ich im Shop des britischen Militärs organisiert hatte, überreichten. Er blieb dann bei uns an der Schule.

Herr Hartmann war unser Deutschlehrer. Im Krieg hatte er ein Bein verloren und offenbar auch ein Kriegstrauma erlitten. Manchmal unterbrach er den Unterricht und stammelte unzusammenhängende Sätze. Er war launisch und unbeherrscht und warf mit seinem Schlüsselbund nach uns (traf aber nie). Viele Jahre später erzählten zwei Mädchen aus unserer Klasse, dass er ihnen nachgestellt habe. Sie wiesen ihn ab, was zur Folge hatte, dass er in der Klasse vor allen Schülern darüber räsonierte, dass die beiden charakterlich ungeeignet für die Oberstufe des Gymnasiums wären, seine Noten waren entsprechend. Eine verließ entnervt die Schule. Die andere blieb bis zum Abitur und machte später im Kultusministerium Karriere.

Herr Hartmann veranstaltete mit interessierten Schülern ein Nachmittagsseminar. Dort wurden Kriegsbücher besprochen. So lernte ich Theodort Pliviers »Stalingrad« kennen, Brechts »Mutter Courage« und das nationalistische Buch eines Jungen, der im Ersten Weltkrieg den Stellungskrieg mitgemacht hatte und dann gefallen war. Ich wurde zum Pazifisten.

Das Gefühl, das ich aus meiner Schulzeit mitnehme, ist eine große Solidarität in unserer Klasse gegen alles, was »von oben« kam. Wir hielten zusammen. Noch heute treffen wir uns.

Nach unserer Zeit im Bayerischen Wald waren wir nach Goslar im Harz gezogen. Dort hatte sich ein jüngerer Bruder meines Vaters niedergelassen und betrieb einen Uhren- und Schmuckgroßhandel. Mein Großvater hatte dieses Gewerbe in Weimar betrieben und einige seiner acht Söhne setzten es nach 1945 fort. Die Ehefrauen hatten die verbliebenen Reste des Geschäfts über die »grüne Grenze« in den Westen geschafft, wo sie den Grundstock für den Neuaufbau lieferten. Meine Mutter kam als Sekretärin im Geschäft meines Onkels unter. Wir hatten erstmals eine eigene Wohnung mit Küche und Bad, das mit einem Kohleboiler betrieben wurde. Ich gewöhnte mich schnell in die neue Umgebung ein. Wir Kinder führten auch hier ein freies und ungebundenes Leben und kamen nur zu den Essenszeiten, und wenn es dunkel wurde, nach Hause.

Aus dieser Idylle wurde ich plötzlich herausgerissen, als man bei mir eine seltene Hüftkrankheit feststellte, einen »Perthes«. Die Schmerzen machten normale Bewegungen unmöglich, als Ursache erwies sich ein wohl durch eine Entzündung verursachter Schwund des Hüftgelenkknorpels. Ich kam ins Krankenhaus, wo man mir einen Gips von den Zehen bis zur rechten Hüfte verpasste und mir eröffnete, dass ich ruhig liegen müsse, bis der Gelenkknorpel wieder nachgewachsen sei. So lag ich ein ganzes Jahr lang im Bett. Ich war gerade sechs Jahre alt geworden, und meine Freunde wurden eingeschult.

Ich hatte Glück im Unglück. Der behandelnde Arzt war so verständig, dass er mir meine Krankheit anhand der Röntgenbilder erklärte und mir Hoffnung machte, dass sich der Knorpel schon wieder bilden werde, wenn ich nur still liegen würde. Er zeigte mir auch den Fortschritt, wie er sich in den Bildern abzeichnete. So glaubte ich immer daran, dass ich gesund werden würde.

Meine Mutter brachte mir zwar nicht das Lesen bei, weil sie der Meinung war, dass solle die Schule leisten, aber sie ließ mir eine feste Unterlage anfertigen, die es möglich machte, dass ich direkt am Fenster unserer Wohnung lag und hinausschauen konnte. Außerdem stellte sie das Radio in Reichweite. Es fand gerade der Koreakrieg statt, ich verfolgte gespannt das Hin und Her und sympathisierte natürlich heftig mit den »Guten«, den GIs. Seit dieser Zeit kann ich auch die meisten Schlager der frühen Fünfziger mitsingen, von Rudi Schuricke bis Peter Schneider und Evelyn Künnecke (»Sing, Nachtigall sing, das Lied von alten Zeiten«, »Man müsste noch mal zwanzig sein und so verliebt wie damals«, »Ham se nicht, ham se nicht, ham se nicht ne Frau für mich – ja ja ja, das ham wir alles da«). Nach einem Jahr war wie angekündigt der Spuk vorbei. Ich erhielt eine Gehschiene angepasst und konnte mit Krücke zur Schule gehen. Das dauerte noch ein weiteres Jahr, aber war viel leichter zu ertragen, weil ich ja raus konnte und unter Mitschülern war. Dann kam auch die Schiene weg, und ich musste wieder lernen, mit beiden Beinen zu laufen. Die Ärzte hatten mir mit auf den Weg gegeben, ich sollte mich viel bewegen und das vormals geschiente Bein ordentlich belasten. Ich begann Fußball zu spielen und hörte damit nicht mehr auf, bis ich fünfzig Jahre alt war.

Es war die Zeit des beginnenden Wirtschaftswunders. Mein Onkel schaffte sich einen Ford an, den wir Kinder heftig bewunderten. Allerdings wurde mir regelmäßig schlecht, wenn wir in den Harz fuhren, das Schaukeln der weichen Federung vertrug ich nicht. Wir Kinder warteten oft den ganzen Nachmittag auf den Onkel. Wenn er dann kam, um zum Beispiel die Post wegzubringen, nahm er uns mit und manchmal spendierte er uns eine Thüringer Bratwurst vom Grill, höchster denkbarer Luxus.

Die Hüftkrankheit hatte auch ihr Gutes. Zwölf Jahre später erwähnte ich sie beiläufig bei meiner Musterung zur Bundeswehr. Die Ärzte liefen zusammen, weil die Krankheit anscheinend nicht so häufig ist, sie vermaßen mich gründlich und gaben mir das Prädikat »untauglich«.

Meine Mutter hatte nun, Ende der fünfziger Jahre, im Alter von immerhin 45 Jahren, das Zweite Staatsexamen als Lehrerin abgelegt und eine Stelle in Munster in der Lüneburger Heide gefunden. Zuvor war eine Bewerbung in Bayern gescheitert. Sie sollte als Frau eines NSDAP-Gauleiters nicht eingestellt werden, obwohl sie selbst nie in der Partei gewesen war. Von 1957 bis 1964 war dafür der Staatsrechtler Theodor Maunz Kultusminister in Bayern verantwortlich. Maunz musste 1964 zurücktreten, weil herauskam, dass er seine wissenschaftlichen Arbeiten im Dritten Reich stramm nationalsozialistisch ausgerichtet hatte. Seine Stellung als Hochschullehrer blieb davon unberührt, bis er in Ehren pensioniert wurde. Nach seinem Tode im Jahre 1993 kam heraus, dass er unter Pseudonym bis zuletzt in der rechtsradikalen »Nationalzeitung« des Münchner Verlegers Frey geschrieben hatte. Der Rechtshistoriker Michael Stolleis, der dies in der FAZ veröffentlichte, erzählte, er sei deshalb erheblichen Anfeindungen seiner Kollegen ausgesetzt gewesen. Aus der »Schule« von Theodor Maunz an der Ludwig-Maximilians-Universität München gingen prominente und einflussreiche Schüler hervor wie Roman Herzog, Präsident des Bundesverfassungsgerichts und späterer Bundespräsident, und Rupert Scholz, späterer Bundesverteidigungsminister. Maunz selber war Mitherausgeber des viele Jahre lang einflussreichsten Kommentars zum deutschen Grundgesetz.