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Nr. 155

 

Die Sklaven von Nowhere

 

Sie wurden zu Verbrechern – weil ihre medizinische Kunst versagte ...

 

von KURT MAHR

 

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Das Jahr 2326 irdischer Zeitrechnung ist angebrochen, und in der seit dem Geschehen des Bandes 149 verstrichenen Zeit haben sich in dem von terranischen Astronauten durchforschten Teil der Milchstraße wesentliche Veränderungen vollzogen.

Seit dem 1. Januar 2115, dem Datum von Atlans Verzicht auf die Position als Imperator von Arkon, gibt es kein Solares Imperium mehr und auch kein Arkonidenreich, sondern das Vereinte Imperium, dem Perry Rhodan als Großadministrator vorsteht, während der Arkonide Atlan als Chef der United Stars Organisation (USO) fungiert, deren Spezialisten die »galaktische Feuerwehr« bilden.

Immer dann, wenn Probleme oder Gefahren auftauchen, die nicht rein planetarischer Natur sind, sondern auch galaxisweite Auswirkungen haben können, tritt die von Lordadmiral Atlan geschaffene und geleitete USO auf den Plan.

Die überstürzte Flucht des Geistwesens vom Kunstplaneten Wanderer und die Ausstreuung des 25fachen ewigen Lebens in Form von Zellaktivatoren haben jedoch alle Völker der Milchstraße in Aufruhr gebracht. Raumschiffe eilen von Planet zu Planet – doch meistens sind es die Besatzungen terranischer Schiffe, denen bei der Suche nach der relativen Unsterblichkeit Glück und Erfolg beschieden sind. Schließlich ist ja die Flotte des Vereinten Imperiums auch die größte in der bekannten Galaxis.

Diesmal ist es jedoch nicht ein Schiff der Flotte, sondern ein privates Raumschiff, dessen Sender die unverkennbaren Zeichen eines noch unentdeckten Zellaktivators empfängt.

Die Spur führt zu den SKLAVEN VON NOWHERE!

Die Hauptpersonen des Romans

 

 

Marr Toss, Bran Cathay und Bakter Brown – Ehemalige Offiziere der Solaren Flotte.

Garika und Hayda – Zwei Mädchen, die glauben, alle Menschen hassen zu müssen.

Lemmy Pert – Beherrscher der Kranken.

Gerpo-Kha – Leiter einer geheimen Versuchsstation.

Kappak – Agent der Aras.

Atlan – Der Unsterbliche sieht persönlich nach dem Rechten, als die Flotte das CQD-Zeichen empfängt.

Die Suche nach dem Stein der Weisen, nach dem Gold des Lebens – oder »dem Fluchtweg aus der akausalen Existenzhaftung«, wie es die Philosophen auf Ponderon nennen – ist in vollem Gang. Kein materieller Schatz hat jemals vermocht, intelligente Wesen in einen solchen Fiebertaumel zu versetzen wie die fünfundzwanzig Zellaktivatoren, Apparate, die das Leben seines Trägers bis ins Unendliche verlängern, die das Kollektivwesen auf Wanderer in der Galaxis ausstreute, bevor es die Flucht ergriff und von der Bildfläche verschwand.

Wesen aller Rassen, Schiffe aller Bauarten sind auf den galaktischen Schifffahrtsrouten und abseits davon in den unbekannten Tiefen des Raumes unterwegs. Empfänger mit allen denkbaren Funktionsmechanismen sind auf die Hyperfrequenz eingestellt, auf der die schicksalhafte Impulsfolge kurz-kurz-lang-kurz-kurz zu hören sein wird, wenn der Empfänger sich dem Versteck eines Aktivators bis auf eine bestimmte Distanz genähert hat.

Unter den Suchern sind Terraner und Arkoniden, Springer und Akonen, Swoon und Aras. Es gibt Verbrecher und Ehrbare, Anständige und Unanständige. Die Sehnsucht nach dem ewigen Leben macht vor keinem halt, und die Ehrbaren und Anständigen haben es schwer, nach ihrem Ruf zu leben, wenn sie erst einmal feststellen, dass ihnen einer um Tage, Stunden oder auch nur um Minuten zuvorgekommen ist.

Es ist ein Treppenwitz der Weltgeschichte, dass kein Motiv die Erforschung weiter, unbekannter Sternenräume in den abgelegenen Gebieten der Galaxis jemals rascher vorangetrieben hat als das Fieber, das die Intelligenzen der Milchstraße ergriff, als sie von der Ausstreuung der Zellaktivatoren erfuhren.

 

1.

 

Hinter Marr Toss ragte der plumpe Rumpf der NEU BRISBANE dreißig Meter weit in die Höhe. Marr stand zwischen zwei der weitauslaufenden Stabilisatorflächen, die das Schiff für langsame Flüge in mehr oder weniger dichten Planetenatmosphären brauchte. Nach rechts und links war Marr also die Sicht abgeschnitten. Aber über sich sah er das verwaschene, trübe Blau eines fremden Himmels, und vor sich, allerdings in einigem Abstand, hatte er die Silhouette einer Stadt, von deren Existenz der Galaktische Katalog der Zivilisationen nichts wusste.

Zwischen ihm und der Stadt waren ein paar Leute, drei insgesamt. Sie waren humanoid. Marr hätte sie für Akonen oder Arkoniden gehalten, wenn er ihnen anderswo begegnet wäre. Zwei von ihnen machten einen heruntergekommenen Eindruck. Ihre Kleidung sah so aus, als hätten sie sie aus ein paar alten Lumpen geschneidert. Der eine von ihnen ging an einer Art selbstgeschnitzter Krücke, der andere hatte eine dicke, gelblich-grüne Beule auf der rechten Wange. Von dem dritten konnte Marr sich zuerst kein rechtes Bild machen. Dann trat er zwischen den beiden Stabilisatorenflächen hervor und sah, dass es eine Frau war, eine ziemlich junge sogar. Das bunte Etwas, das sie trug, versuchte unmissverständlich den Eindruck einer Uniform zu erwecken.

Marr Toss empfand das Empfangskomitee keineswegs als bedrohlich. Aber allein die Tatsache, dass es auf dieser Welt, die in den Katalogen als unbewohnt und unerforscht geführt wurde, überhaupt ein solches Komitee gab, machte ihn misstrauisch. Er hielt die rechte Hand in Gürtelhöhe und zeigte jedermann, dass der Daumen nur fünf Zentimeter vom Griff des Blasters entfernt war. Marr sah jetzt, nachdem die beiden Finnen seine Sicht nicht mehr behinderten, dass die weite Grasebene, auf der die NEU BRISBANE gelandet war, ruhig und still unter dem Schein der trüben roten Sonne lag. Außer den drei Merkwürdigen da vor ihm ließ sich kein Bewohner dieser Welt sehen. Das Mädchen, ein paar Schritte abseits von den beiden Kranken, stand gegen ein Fahrzeug gelehnt, das an ein altmodisches Turbinenauto erinnerte. Wahrscheinlich war es auch eins. Sie mussten mit dem Ding aus der Stadt gekommen sein, als sie das Schiff zur Landung ansetzen sahen.

Marr setzte sich in Bewegung. Die geringe Schwerkraft von 0,89-normal ließ seine Schritte ein wenig zu groß ausfallen, aber er wahrte das Gleichgewicht. Von vornherein ließ er keinen Zweifel daran, mit wem er zu sprechen wünschte. Über die beiden Zerlumpten hinweg hielt er den Blick auf das Mädchen gerichtet. Und als er nahe genug gekommen war, wichen die beiden Männer vor seiner hochgewachsenen, breitschultrigen Gestalt scheu zur Seite. Zwei Schritte vor dem Mädchen blieb er stehen, machte eine kleine Verbeugung und sagte: »Guten Tag. Ich bin froh, so etwas wie Sie hier zu sehen!«

Er sprach Interkosmo, die neue Sprache der Galaxis.

Das Mädchen streckte sich.

»Hallo, Großer«, antwortete sie. »Ich weiß nicht, wie lange Sie froh sein werden. Ich bin hier nämlich die Polizei.«

»Marr Toss von Terra«, sagte Marr Toss. »Ich wollte, sie hätten überall eine solche Polizei.«

Das Mädchen war so groß wie Mädchen sein sollen. Die Uniform war von einem Dilettanten geschneidert, und trotzdem störte sie den vorteilhaften Eindruck nicht.

»Leutnant Garika von Nowhere«, antwortete sie mit dunkler Stimme.

»Sie haben kein Recht, hier zu landen.«

Marr fing an zu lachen.

»Das hätte uns jemand sagen sollen!«

Garika kniff die Augen zusammen.

»Wir haben keine Sendeanlagen«, zischte sie. »Es kommt Ihnen wohl ziemlich witzig vor, sich über uns lustig zu machen, wie?«

Marr hob beide Hände.

»Nun mal langsam, Mädchen«, versuchte er sie zu beruhigen. »Wir hatten keine Ahnung ...«

»Ach was, keine Ahnung!«, schrie sie ihn an. »Niemand hat eine Ahnung! Joopa, Trepik ... los, an die Arbeit!«

Marr drehte sich um. Das hätte er nicht tun sollen. Noch während der Bewegung spürte er, wie eine rasche Hand nach seinem Gürtel griff. Bevor er noch etwas dagegen tun konnte, hatte das Mädchen ihm den Blaster aus dem Gürtel gezogen.

»Nur mit der Ruhe!«, warnte sie ihn.

Joopa und Trepik, die beiden Zerlumpten, kamen auf Marr zu.

»Was wollen die beiden?«, knurrte Marr.

»Ihnen eine 'runterhauen«, antwortete Garika hinter ihm.

Joopa und Trepik waren schon ganz nahe. Sie trugen keine Waffen, soweit Marr sehen konnte. Marr fasste einen raschen Entschluss und drehte sich wieder so herum, dass er das Mädchen sehen konnte.

»Ich ergebe mich freiwillig«, erklärte er. »Halten Sie die beiden Halbaffen da zurück.«

»Ach was«, blitzte Garika ihn an. »Sie werden festgenommen, mit der üblichen Prozedur!«

Dicht über Marrs Kopf rauschte etwas, und dann bekam er einen Schlag auf den Schädel. Er fiel vornüber. Er versuchte, sich an Garika festzuhalten. Aber das Mädchen schob ihn mit dem Knie zur Seite. Er stürzte zu Boden. Etwas Schweres fiel ihm mit beachtlicher Wucht ins Kreuz. Einer der beiden Männer trommelte ihm die Fäuste auf den Schädel.

Da erwachte in Marr Toss schließlich die Wut. Mit einem Ruck hob er sich auf die Knie. Der Zerlumpte, der ihm bisher auf dem Rücken gesessen hatte, wurde in hohem Bogen davongeschleudert. Marr stand auf. Dicht vor sich hatte er Joopa oder Trepik, der sich auf das gesunde Bein stützte und mit einem Arm die Krücke schwang. Marr fing den Schlag ab, riss dem Mann die Krücke aus der Hand und schlug sie ihm auf den Arm. Schreiend wandte der Kerl sich ab und lief davon.

Der, der Marr auf dem Rücken gesessen hatte, war an einer Fortsetzung des Kampfes nicht interessiert. Fluchend stolperte er hinter seinem Kumpan her.

Garika strahlte.

»So etwas sieht man gerne«, eröffnete sie Marr. »Es gibt nur noch wenige Leute, die richtig kämpfen können.«

Marr sah sie von oben bis unten an.

»Eine schöne Polizei sind Sie«, brummte er. »Sie haben wohl auf nichts anderes zu achten, als dass die Leute einander verprügeln, wie?«

Garika schüttelte den Kopf.

»Irrtum«, antwortete sie und brachte mit einer eleganten Handbewegung den Blaster in Anschlag. »Ich habe immer noch die Aufgabe, Sie und die übrigen Mitglieder der Besatzung gefangen zu nehmen und in die Stadt zu bringen.« Von einer Sekunde zur anderen veränderte sich ihr Gesicht. Der Mund wurde zu einem schmalen Strich, die Brauen hoben sich um ein paar Millimeter. Die Augen schienen um einen Ton dunkler zu werden. Fasziniert beobachtete Marr den erstaunlichen Wechsel.

»Rufen Sie den Rest der Leute aus dem Schiff!«, befahl Garika.

 

*

 

Marr brachte es immer noch nicht fertig, die Sache ernst zu nehmen. Er hob den linken Arm und sprach auf englisch in das kleine Gerät am Handgelenk: »Bran, Bakter ... sichert das Schiff und kommt 'raus! Hier geht's lustig zu!«

Brans helle Stimme antwortete: »Bist du sicher, Marr? Der Blaster, den sie auf dich richtet, und das Gesicht, das sie dazu macht ... brrr!«

Marr lachte.

»Nur keine Angst. Kommt ruhig!«

»Na schön«, meldete sich Bakter, brummig wie immer, »aber sag ihr, dass sie eine Abreibung bekommt, wenn sie nicht bald freundlich wird.«

Marr schaltete das Gerät aus und sah das Mädchen an.

»Ich nehme an, Sie haben nicht verstanden, was ich da eben ...«

»Nein«, unterbrach sie ihn grob. »Und es interessiert mich auch nicht.«

Marr warf einen misstrauischen Blick auf seinen Blaster. Immerhin war es ein ziemlich schweres Gerät. Aber Garika hielt es gerade und ohne mit der Hand zu zittern.

»Hören Sie mal«, fing er von neuem an, »Sie können doch nicht so einfach ...«

»Halten Sie den Mund! Wenn ich etwas von Ihnen hören will, dann sage ich Ihnen Bescheid.«

Marr Toss schwieg verblüfft. Langsam stieg die Ahnung in ihm auf, dass die ganze Angelegenheit vielleicht nicht ganz so spaßig sei, wie er zuerst angenommen hatte. Bran Cathay und Bakter Brown kamen jetzt den Laufgang vom Schiff herunter. Bran bewegte sich in der üblichen hastig-nervösen Weise, die so schlecht zu seinem stämmigen, breitschultrigen Körperbau, dem wachen Gesicht mit den klugen blauen Augen und dem blonden Haarschopf passte. Bran war nicht sonderlich groß, ein wenig unter dem Durchschnitt, wenn die Statistiken recht hatten. Aber man sah ihm die Kraft an, die in ihm steckte.

Bakter Brown war ganz anders. Hoch aufgeschossen und dürr, starrte er mit finsterem Gesicht in die Welt. Er hatte etwas gegen Friseure und die Kunst des Haarschneidens. Die Strähne, die ihm über die Stirn bis auf den Nasenrücken fiel, war sein persönliches Wahrzeichen.

Bran machte den Anführer. Rasch, aber misstrauisch kam er auf Marr und das Mädchen zu. Marr hatte plötzlich das Gefühl, er würde die Lage nie mehr retten können, wenn er nicht jetzt gleich etwas unternahm. Er wollte Bran eine Warnung zurufen. Aber Garika erfasste seine Absicht rechtzeitig. Mit einem kräftigen Ruck stieß sie ihm den Lauf des Blasters in die Seite.

»Ruhe!«, zischte sie. »Das Sprechen besorge ich.«

Sie stellte sich äußerst geschickt an. Weder Bran noch Bakter konnten den Zwischenfall bemerkt haben. Nicht gerade ahnungslos, aber doch mit unzureichender Vorsicht kamen sie so nahe heran, dass Garika sie bequem mit dem Blaster erreichen konnte.

»Bleiben Sie stehen!«, befahl sie mit schneidend harter Stimme. »Lösen Sie die Gürtel und lassen Sie sie fallen!«

Bakter schloss die Augen, als wollte er den Rest des grässlichen Spiels nicht mehr mit anschauen. Bran machte einen entrüsteten Schritt nach vorne, aber in der nächsten Sekunde fuhr dicht vor ihm ein Strahlschuss in den Boden, brachte die Erde zum Qualmen und verspritzte glühende Steinstücke.

»Lassen Sie das!«, sagte Garika ruhig.

Der Rest war einfach. Ein kleines Kind konnte sehen, dass das Mädchen alle Vorteile auf ihrer Seite hatte. Bran und Bakter schnallten die Gürtel mitsamt den Waffen ab und ließen sie fallen. Garika rief ihre beiden zerlumpten Helfer herbei. Sie kamen hinter dem Schiff hervor, wo sie sich versteckt hatten, nahmen die Gürtel auf und kletterten in den Turbowagen. Garika ließ auch ihre Gefangenen einsteigen. Sie selbst übernahm den Platz am Steuer. Und während das Fahrzeug mit singenden Motoren in Gang kam, passten Joopa und Trepik mit den frisch erbeuteten Waffen darauf auf, dass keiner von den Terranern Unfug machte.

Marr Toss konnte sich inzwischen des Eindrucks nicht erwehren, dass er eine bodenlose Dummheit begangen hatte.

 

*

 

Die Stadt sah aus der Nähe weit weniger beeindruckend aus als von der Landestelle der NEU BRISBANE her. Man hätte beinahe sagen können, das einzig Beeindruckende überhaupt war die Erkenntnis, dass es im vierundzwanzigsten Jahrhundert terranischer Zeitrechnung auf einer Welt, die offenbar nur mit den Segnungen moderner Zivilisation hatte erreicht werden können, noch ein solches Konglomerat aus architektonischer Hässlichkeit und unzureichender Hygiene geben konnte.

Straßen hatte man offenbar erst angelegt, als die Einwohner ihre Häuser schon erstellt hatten. Pflaster oder eine andere Art von Straßenbefestigung gab es nicht. Ein Wirrwarr von Fahrrinnen schlängelte sich zwischen den wahllos angeordneten Gebäuden hindurch. Die Häuser selbst waren ein Kapitel für sich. Jedes erdenkliche Baumaterial, von hochmodernen Plastikbauteilen positronischer Rechenanlagen bis zu hauchdünnen Druckfolien interstellarer Zeitungsausgaben, hatte Verwendung gefunden. Das einzige, was man den Gebäuden zugute halten konnte, war, dass sie zweckmäßig waren. Sie boten ihren Bewohnern ein Dach über dem Kopf.

Der Straßenverkehr bestand zum größten Teil aus Fußgängern. Jeder einzelne von ihnen schien an irgendeiner Art Gebrechen zu leiden. Es gab Humpelnde, Hinkende, Blinde, Arm- oder Beinamputierte, Torkelnde, Schreiende und eine ganze Menge Leute mit Ausschlägen auf der Haut. Wenn Garika mit ihrem Turbowagen sich näherte, blieben sie stehen, schwenkten ihre Krücken oder was sie sonst gerade hatten und fingen an zu schreien. Die einen vor Begeisterung, wie Marr Toss im Vorüberfahren feststellte, die anderen voller Abscheu. Über die Macht, die Garika mit ihrer Uniform repräsentierte, schien man hier geteilter Meinung zu sein.

Marr entdeckte unter den Passanten ein paar Nicht-Humanoide. Es gab Kugelwesen von Kolaal, blaugraue Geschöpfe aus einer weichen Fleischsubstanz, die sich in unaufhörlicher, verformender Bewegung befanden. Er sah eine Menge Stockgleiter, pfahlähnliche Wesen von Akkadia, die an der Unterseite ihres Körpers Tausende haarähnlicher Fortbewegungsorgane besaßen und immer so aussahen, als glitten sie schwerelos dicht über den Boden. Es gab noch ein paar andere Rassen, sogar einige, von denen Marr nie etwas gesehen oder gehört hatte.

Mitunter tauchten irgendwo am Straßenrand Leute auf, die die gleiche Uniform trugen wie Garika. Die meisten waren Männer. Marr sah nur zwei Frauen. Im Gegensatz zu den anderen Bewohnern der Stadt gingen sie aufrecht, hatten keine Flecken im Gesicht und machten einen gesunden Eindruck. Gewöhnlich grüßten sie Garika durch kurzes Winken, aber manche von ihnen waren so sehr damit beschäftigt, einer Prügelei zwischen Passanten zuzusehen, dass sie den Turbowagen überhaupt nicht bemerkten.

Eines wurde Marr Toss völlig klar: Die Polizei in dieser Stadt war nicht dazu da, für Ordnung zu sorgen. Der Teufel mochte wissen, was sie sonst für eine Aufgabe hatte.

Marr schüttelte den Kopf, als er daran dachte, wie sie an Bord der NEU BRISBANE in sämtlichen verfügbaren Katalogen nach Angaben über die große rote Sonne und ihr Planetensystem gesucht hatten. Unter den Koordinaten war lediglich vermerkt, dass das Zentralgestirn ein Z-5-Stern war und dass es fünf Planeten besäße. Weiter war über dieses System nichts bekannt. Der Zusatz »Keiner der Planeten ist bewohnt« war Marr, nachdem er das Voranstehende gelesen hatte, überflüssig vorgekommen.

Der Katalog hatte sich also getäuscht. Es gab Menschen hier, und nicht nur Menschen. Nach ihrer Größe zu urteilen, hatte die Stadt zwischen dreißig- und fünfzigtausend Einwohner. Wer mochte wissen, wie sie hierhergekommen waren und was sie hier zu suchen hatten?