cover.jpg

img1.jpg

 

Nr. 141

 

Station der Unsichtbaren

 

Der Robot-Sergeant jagt Unsichtbare! – Ein neuer Einsatz der Abteilung III

 

von KURT MAHR

 

 

 

Pabel-Moewig Verlag GmbH, Rastatt

 

Cover

Vorspann

Die Hauptpersonen des Romans

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

Schluss

Impressum

PERRY RHODAN – die Serie

 

img2.jpg

 

Man schreibt das Jahr 2114 irdischer Zeitrechnung. Für die Erdmenschen sind also seit der erfolgreichen Mondlandung einer Rakete mit chemischem Antrieb, dem Auftakt der echten Weltraumfahrt, noch nicht einmal anderthalb Jahrhunderte vergangen.

Trotz dieser nach kosmischen Zeitmaßen unglaublich kurzen Spanne hat es das von Perry Rhodan geschaffene und geleitete Solare Imperium fertiggebracht, zu einem Eckpfeiler galaktischer Macht zu werden.

Natürlich fanden die Terraner bei ihrer sich selbst gestellten Aufgabe wichtige Helfer – denken wir nur an den Arkoniden Crest und das Energiewesen von Wanderer, an Atlan, Harno, die Swoon und Gucky, den Mausbiber! – Doch wäre diese Aufgabe nie vollbracht worden ohne den selbstlosen, opferbereiten Einsatz all der Terraner, die die Sehnsucht nach den Sternen im Herzen trugen.

Die durch das vernichtende Wirken der positronisch-biologischen Roboter in der Galaxis geschaffene Lage hat sich etwas entspannt. Die Allianz zwischen Terra, den Arkoniden und den Akonen ist vertraglich festgelegt. Damit hat Perry Rhodan den Rücken frei, zumal die Akonen bislang ihre heimtückischen Anschläge, für die sie berüchtigt sind, unterlassen.

Doch dann geschehen auf Aptulad, einer Welt in den Tiefen der Galaxis, unheilvolle Dinge. Ein sterbender Báalol-Diener macht einige diesbezügliche Aussagen – und Nike Quintos Agenten werden in den Einsatz geschickt.

Sie stoßen auf die STATION DER UNSICHTBAREN ...

Die Hauptpersonen des Romans

 

 

Molol – Er riskiert sein Leben, um die Galaxis zu warnen.

Tetzte – Patriarch einer Springersippe und Kommandant der TETA VIII.

Ron Landry, Larry Randall, Lofty Patterson und Meech Hannigan – Geheimagenten der »Interkosmischen Sozialen Entwicklungshilfe«.

Tappan – Selbst für einen Anti ist es nicht leicht, sich mit den Unsichtbaren zu verständigen.

Oberst Nike Quinto – Der Chef der Abteilung III überzieht sein Budget.

Dilan – Ein junger Mann, der den Kontakt mit den Unsichtbaren schlecht verträgt.

1.

 

Molol sah sich sterben.

Er brauchte sich gar nicht anzustrengen. Sein geschulter Geist, mit paralogischen Fähigkeiten den gegenwärtigen Zustand in die Zukunft hinein extrapolierend, malte das Bild des jungen Mannes, der irgendwo in den Tiefen der Galaxis zugrunde gehen würde, weil er nirgendwo Hilfe finden konnte. Für ein paar Augenblicke sah Molol den Führerstand seines kleinen Raumschiffes anders, als er in dieser Sekunde war. Er sah sich selbst auf dem Boden liegend, gekrümmt vor Schmerz, mit blutender Schulter, halb bewusstlos. Er sah die Wände des Raumes entlang der Bruchlinien bersten, die die schweren Treffer hinterlassen hatten. Er spürte die Kälte des Weltalls durch die Brüche hereindringen und seinen Körper sich unter dem Schock der explosiven Dekompression aufblähen.

Er musste das Bild mit Gewalt zurückdrängen. Er kannte die Gefahren einer zu intensiven Extrapolation. Der Schmerz und die Angst konnten wahnsinnig machen.

Er sah seine Umgebung so, wie sie wirklich war. Die Bruchlinien waren noch nicht geborsten. Er saß noch auf dem Sitz des Piloten und lag nicht am Boden. Seine Schulter blutete nicht mehr; aber sie verstrahlte dumpfen Schmerz durch den ganzen Körper. Er hatte keine Zeit, sich um die Wunde zu kümmern. Das kleine Raumschiff, das er sich aus einem Hangar auf Aptulad buchstäblich unter den Augen der Wachen gestohlen hatte, war ein altmodischer, halbautomatischer Typ. Zu einem sicheren Interstellarflug waren außer dem Piloten noch zwei Co-Piloten nötig. Molol aber war allein. Er hätte genaugenommen nicht einmal extrapolieren dürfen, so wichtig war jede Sekunde für die Überwachung der Geräte.

Molol verglich das Chronometer mit dem Zeitplan, den er aufgestellt hatte. Die letzte Transition stand kurz bevor. Wenn das Schiff den mechanischen Schock überstand, der mit jeder Transition verbunden war, dann würde es am Ende des Hypersprunges irgendwo im Zentrum der Galaxis auftauchen. Molol kannte sich dort nicht besonders gut aus. Aber er glaubte, dass seine Chance, Hilfe zu finden, dort am besten war, wo die Sterndichte am größten war.

Er fragte sich, ob er recht handele. Die Frage zog eine Gegenfrage nach sich. Wem recht? Gab es ein Gesetz, nach dem sich seine Handlungsweise beurteilen ließ? Er hatte sich darüber den Kopf schon oft genug zerbrochen. Bevor er zur Ausführung seines Plans schritt, glaubte er auch, eine endgültige Antwort zu haben. Aber jetzt war er nicht mehr ganz sicher.

Eines allerdings war immer noch richtig. Von Aptulad drohte der Galaxis Gefahr. Und wenn Recht war, den Nutzen der gesamten Milchstraße im Auge zu haben und für die Sicherheit der galaktischen Zivilisationen in ihrer Gesamtheit zu sorgen, dann gab es in diesem Augenblick keinen Mann im weiten Universum, der rechtmäßiger handelte als er, Molol.

Das gab ihm ein wenig von seinem Mut zurück. Er dachte mit leisem Behagen daran zurück, wie er die Wachen an der Nase herumgeführt hatte. Er hatte ihnen weisgemacht, er wolle ein Gerät untersuchen, wie es in so altmodischer Form nur noch an Bord dieses alten Kleinraumschiffes vorhanden war. Er wolle sozusagen die Geschichte des Gerätes studieren und herausfinden, wie es entstanden war. Sie hatten ihm geglaubt. Sie hätten nicht gewagt, einen Lehrpriester aus dem Kult des Hohen Báalol des Diebstahls zu verdächtigen. Vor allen Dingen dann nicht, wenn er sich von allen vorhandenen Fahrzeugen gerade das älteste aussuchte.

Er war eingestiegen und hatte sich vergewissert, dass ausreichende Energievorräte vorhanden waren. Dann hatte er das Fahrzeug startbereit gemacht und war durch die sich automatisch öffnende Hangarpforte hinausgeflogen. Er hatte mit Höchstwerten beschleunigt und die Doppelsonne schon so weit hinter sich gelassen, dass sie nur noch wie ein Einzelstern erschien, als die Verfolger ihn einholten. Sie eröffneten das Feuer sofort. Sein eigenes Schiff hatte so gut wie keine Bewaffnung. Und die Verfolger waren ihm an Beschleunigungsvermögen weit überlegen. Es gab nur noch eines, was ihn retten konnte: eine planlose Transition.

Eine Transition erfordert eine gewisse Vorbereitungszeit, wenigstens zwei oder drei Minuten. In der Zwischenzeit waren die schwachen Schirmfelder seines Schiffes zusammengebrochen. Das Fahrzeug hatte drei Treffer erhalten, glücklicherweise keine Volltreffer. Eines der schweren Sendeaggregate hatte sich aus der Halterung gelöst und ihm beim Herabstürzen die rechte Schulter zerschmettert. Aber er hatte die Transition schließlich doch ausgelöst und war den Verfolgern entkommen.

Seitdem hatte er noch zehn weitere Hypersprünge hinter sich gebracht, jedes Mal in der Furcht, das Schiff werde die Beanspruchung nicht mehr aushalten und auseinanderbrechen. Jetzt lag nur noch ein Sprung vor ihm.

Die alte Verzweiflung wollte wieder zurückkehren. Dieser letzte Sprung barg keine Hoffnung mehr. Es war Unsinn zu glauben, man brauchte nur in die Stelle der größten Sternballung hineinzuspringen, um sofort Hilfe zur Hand zu haben. Der Raum war auch dort noch endlos weit. Molol fand keine Zeit mehr, länger darüber nachzudenken. Der Zeitpunkt der Transition war da. Mit der frei beweglichen linken Hand drückte er den Auslöseschalter. Mit unheimlichem Getöse erhob sich das kleine Schiff in den Hyperraum. Molol schrie unter dem heftigen Anprall des Transitionsschmerzes.

Es dauerte nicht lange. Molol kam aus der Benommenheit zu sich und sah auf den Bildschirmen den fast lückenlosen, strahlenden Sternenteppich der galaktischen Mitte. Ein paar Augenblicke lang war ihm nach Jubel und Triumph zumute. Aber recht schnell kehrte ins Bewusstsein zurück, worüber er zuvor gegrübelt hatte. Die Sterne waren es nicht, nach denen er suchte. Schiffe waren es.

Müde wandte er sich um, ohne Hoffnung, auf dem Orterschirm den grünen Punkt eines anderen Fahrzeugs zu finden, das sich irgendwo in einer Entfernung von nicht mehr als zwei Lichtjahren herumtrieb.

Der Anblick des hellen, grünen Leuchtflecks traf ihn wie ein elektrischer Schlag. Für eine Weile saß er starr, unfähig zu begreifen, dass er soviel Glück gehabt haben könnte.

Dann verstand er. Das war kein Schiff weit draußen irgendwo an der Grenze der Reichweite seines Ortergeräts – das war ein Fahrzeug in seiner unmittelbaren Nähe, nicht mehr als zwei oder drei Lichtstunden entfernt!

Er sprang auf. Den Schmerz in der Schulter hatte er vergessen. Es galt jetzt, schnell zu handeln. Das Schicksal hatte ihm eine einmalige Chance eingeräumt. Er musste sie nutzen!

 

*

 

Der Patriarch Tetzte war ein gütiger, geduldiger Mann; aber was Yatik ihm da an Geduld abnötigte, während er ihm das Patalak-Spiel beizubringen versuchte, war zuviel.

»Du solltest einen Hypnokurs nehmen, mein Sohn«, seufzte Tetzte mit dem Rest seiner Beherrschung, lehnte sich tief in seinen Sessel zurück und stieß das Brettspiel mitsamt den Figuren darauf mit dem Fuß vom Tisch.

Yatik stand auf und machte eine leichte Verbeugung.

»Ich weiß, dass ich dumm bin, mein Herr«, erklärte er ergeben.

Das regte Tetzte noch mehr auf.

»Eben nicht!«, rief er. »Du bist der intelligenteste unter meinen Dienern. Deswegen habe ich dich ausgesucht, mit mir Patalak zu spielen. Aber«, er schien zu resignieren, »vielleicht kann ich es nicht gut genug erklären.«

Das merkwürdige Gespräch fand in Tetztes langer Haupthalle statt. Lange Tische liefen in drei Bahnen den Raum entlang. Stuhl drängte sich an Stuhl. Am Kopfende gab es einen Quertisch mit tiefen Sesseln dahinter. Auf zweien dieser Sessel hatten Tetzte und Yatik gesessen. An der linken Wand der Halle, von Tetzte aus gesehen, hingen zwischen den breiten Portalen Trophäen von allen bekannten Welten des Universums, ausgestopfte Tiere, seltene Pflanzen, sorgfältig präpariert, und glitzernde, bunte Gesteinsproben in Vitrinen. Auf der rechten Wand befand sich ein hohes Fenster, fast so lang wie die Halle selbst, und ließ das helle Gefunkel der Sterne ungehindert in den Raum dringen. Wenigstens sah es wie ein Fenster aus. Die komplizierte Elektronik des hundertkanaligen Bildgerätes war in den Wänden des Raumschiffes verborgen.

Yatik fing an, das Brett und die Figuren aufzuheben. Tetzte sah ihm gelangweilt dabei zu. Dann hob er den Blick und überflog die leere Halle. Er freute sich ein wenig daran, wie gut es ihm gelungen war, die altmodische Herrenromantik der großen Springer-Fürsten in diesem Raum wieder aufleben zu lassen. Jeder, der hier Platz nahm, vergaß binnen weniger Sekunden, dass er sich an Bord eines Raumschiffes befand.

Tetztes Überlegungen wurden gestört. Mit einem leisen »Plop« hüpfte aus einem bisher unsichtbaren Loch in der Platte des Tisches vor ihm ein helles, zylindrisches Röhrchen. Tetzte nahm es auf. Die Wärme seiner Hand öffnete einen Deckel. Der Anfang eines Stücks Schreibfolie wurde sichtbar. Tetzte zog die Folie heraus und las: »Funkstelle Mitte empfängt Notruf eines unbekannten Schiffes. Ortergruppe fünf ermittelt schwere Transitionserschütterungen im Umkreis von zehn Lichtjahren.«

Tetzte ließ den Zettel fallen und sprang auf. Er war ein wuchtiger, großer Mann, wie alle Springer. Mit seinem weißen Haar und dem langen, gepflegten Bart hätte ihm niemand große Beweglichkeit zugetraut. Trotzdem war er schon fast bei der nächsten Pforte, als sein Diener Yatik darauf aufmerksam wurde, dass da etwas Außergewöhnliches vorging.

Ein paar Augenblicke später tauchte Tetzte im Kommandostand auf. Die Offiziere grüßten ehrerbietig. Tetzte schritt quer durch den weiten, kreisrunden Raum hindurch und warf einen Blick auf die mit den einzelnen Ortergruppen gekoppelten Reflexschirme. Er sah darauf nichts, was ihn beunruhigt hätte, nur einen winzigen, schwachen Punkt rechts oben auf dem Schirm der Gruppe drei.

Tetzte drehte sich um und sah seine Offiziere an, junge Männer aus den Untersippen, die zusammen seine Sippe formten. Er brauchte kein Wort zu sagen. Sie wussten, dass er informiert werden wollte.

»Keine weiteren Transitionen, Tetzte«, erklärte ein breitschultriger Hüne vom Pult des Piloten her. »Aber der Unbekannte ruft weiter um Hilfe. Er ist nicht weit von uns entfernt. Ortergruppe drei hat ihn schon im Bild.«

»Was will er?«, fragte Tetzte.

»Er sendet den interstellaren Notruf«, war die Antwort. »Das ist das einzige, das er von unserem Kode zu verstehen scheint. Der Rest ist unverständlich.«

Tetzte brauchte nur ein paar Sekunden, um eine Entscheidung zu treffen.

»Wir sehen ihn uns aus der Nähe an!«

Er blieb im Kommandostand, während das gewaltige Schiff sich in Bewegung setzte. Laute Kommandos hallten durch die Gänge. Mit meisterhafter Präzision lief der Alarmplan ab, der alle achthundert Mann Besatzung einschließlich der Freiwache innerhalb von vier Minuten auf ihre Plätze beorderte. Für ein Springer-Schiff war ein Alarm immer dann gegeben, wenn es sich einem unbekannten Fahrzeug näherte. Die Springer hatten viele Feinde, und das Weltall war der einzige Ort, an dem sie ihnen begegnen konnten. Die TETA VIII, der Stolz der Tetzte-Sippe, verwandelte sich in eine Kampfmaschine, bereit, jeden zu vertreiben, der sich mit böser Absicht in die Reichweite ihrer schweren Geschütze wagte – oder aber auch, einem zu helfen, der in Not geraten war.

Der Fremde hörte in dem Augenblick auf zu funken, in dem die TETA VIII sich auf ihn zuzubewegen begann. Seine Ortergeräte schienen also noch zu arbeiten. Die Entfernung zwischen den beiden Fahrzeugen schwand rasch. Aus einem Abstand von wenigen Lichtminuten konnten die Ortergruppen der TETA VIII erkennen, dass es sich bei dem Fremden um ein kleines Schiff unbekannter Bauart handelte. Tetzte ließ sich von der Kleinheit des Fahrzeugs nicht beirren. Dass es zu einem unbekannten Typ gehörte, genügte ihm als Anlass, sein eigenes Schiff in den höchsten Alarmzustand zu versetzen.

Die TETA VIII begann mit dem Bremsmanöver. Der kleine Punkt auf dem Orterschirm fing an zu wandern. Im Kommandostand des Springer-Schiffes war nur noch das Summen der Triebwerke zu hören.

Der Fremde kam langsam längsseits.

 

*

 

Mit dem Gefühl unbeschreiblichen Glücks sah Molol die Walze des mächtigen Schiffes auf sich zugleiten. In ein paar Minuten würde er in Sicherheit sein. In ein paar Minuten würde er wissen, dass alle Gesetze der Wahrscheinlichkeit in diesem Fall getrogen hatten – dass er die eine Möglichkeit aus einer Million von Möglichkeiten verwirklicht hatte.

Er kam dem fremden Retter zu Hilfe, so gut er konnte. Er bugsierte sein kleines Boot an die Seite des großen Schiffes, wo die große Lastschleuse sich deutlich abzeichnete. Wahrscheinlich würde man ihn aufnehmen wollen, mitsamt seinem Schiff. Er gab sich Mühe, die Manöver fehlerfrei auszuführen.

Das nahm seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch. Er hatte keine automatischen Warngeräte, die die Strukturerschütterung einer Transition anzeigten. Er sah auch das kugelförmige Gebilde nicht, das auf seinen Bildschirmen zuerst nebelhaft, dann mit deutlichen Umrissen aus der Tiefe des Raumes hervortrat, ein Schiff von gewaltigen Ausmaßen.

Er hätte es sofort erkannt. Aber das erste, was ihn warnte, war das Knistern in der Hülle seines kleinen Bootes. Und danach blieb ihm nicht mehr viel Zeit. Mit der Wucht einer Riesenfaust traf die erste Salve das Boot. Molol wurde aus seinem Sitz gerissen und davongeschleudert. Danach spürte er nichts mehr.

 

*

 

Wie das Prasseln von Gewehrsalven drang die hörbar gemachte Strukturerschütterung aus den Lautsprechern der Ortergruppen. Die Hand des hünenhaften Piloten schnellte nach vorn und drückte die Signaltaste UNERWARTETE FEINDBERÜHRUNG. Er sah nicht einmal auf. Jedermann war sicher, dass das Schiff, das da so überraschend irgendwo aus dem Hyperraum hervorgebrochen war, die TETA VIII erst erreichen würde, wenn der Fremde in seinem kleinen Boot gerettet war.

Tetzte erhob sich aus seinem Sitz, als er das Schrillen der Warnklingeln hörte. Unwillkürlich sah er zum großen Bildschirm hinüber – und erstarrte vor Schreck.

Riesengroß, unglaublich nahe schob sich der Leib eines mächtigen fremden Schiffes zwischen die TETA VIII und das Meer der Sterne. Ein mattleuchtendes Loch gähnte plötzlich im Lichtteppich der Galaxis. Züngelnde Flammen schossen aus dem fremden Schiff hervor und griffen nach dem kleinen Boot, das sich schutzsuchend an den Leib der TETA VIII drängte.

Das war genug für Tetzte.

»Alle Geschützstände Feuer frei!«, dröhnte seine mächtige Stimme, bevor noch einer der Orter auf die Nähe des Feindes aufmerksam machte.

Die Lautsprecher in den Geschützständen gaben das Kommando wieder. Eine Sekunde später handelten die Kanoniere. Die TETA VIII verwandelte sich in einen Vulkan. Unter den hageldichten Treffern begann der Schutzschirm, der das gegnerische Schiff umgab, in allen Farben des Spektrums zu leuchten.

Mit einem derart prompten Gegenschlag hatte der Fremde offenbar nicht gerechnet. Vor Überraschung ging er ein paar Kilometer zurück. Es sah aus, als drücke ihn das Geschützfeuer von der TETA VIII fort. Aber Tetzte gab sich keinen falschen Hoffnungen hin. Wenn die Bewaffnung des Gegners auch nur halbwegs der Größe seines Schiffes entsprach, dann war die TETA VIII weit unterlegen. Sie würde dem feindlichen Geschützfeuer nicht lange standhalten können. Tetzte entschied sich für sofortige Flucht. Zuvor allerdings hatte er noch zwei Dinge zu erledigen.

Während die Geschütze weiter auf den Gegner einhämmerten, trat er hinter den Piloten. Bevor der begriff, was vorging, hatte Tetzte das Mikrophon der Rundsprechanlage aus dem Pult gezogen und rief hinein: »Funkstelle Mitte! Gebt Hilferuf an alle!«

Er griff ein zweites Mal über die Schulter des Piloten hinweg und drückte einen Knopf auf der Schaltleiste.

»Freiwache Hauptschleuse! Öffnet das Schott und lasst das fremde Boot ein! Beeilt euch, Männer!«

Dann ließ er das Mikrophon sinken und starrte auf den Bildschirm. Vielleicht hatte er jetzt einen unklugen Entschluss gefasst. Das Einholmanöver würde kostbare Minuten verbrauchen. Vielleicht hätte er lieber fliehen sollen. Aber es widerstrebte ihm, ein kleines, hilfloses Boot mitsamt seinen Insassen einem offenbar skrupellosen Gegner zu überlassen. Um es zu retten, ging er das Risiko ein, Schiff und Leben zu verlieren.

Er wandte sich ab und dachte amüsiert, du hättest zu einem arkonidischen Feldherrn der alten, heroischen Zeiten besser getaugt als zu einem Springer. Aber im Grunde genommen war Tetzte sehr mit sich zufrieden.

Das war, als der Feind sich von seinem Schreck erholte und das Feuer zu erwidern begann.

 

*

 

Die Überlegenheit des Gegners war noch bedeutender, als Tetzte gefürchtet hatte. Der erste Treffer verwandelte die Feldschirme der TETA VIII in ein waberndes Flammenmeer. Die Bildschirme strahlten blendende Helligkeit aus. Hinter der Helligkeit lauerte das feindliche Kugelschiff und spie Tod und Verderben gegen die TETA VIII.