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Nr. 102

 

Abteilung III greift ein

 

Terras Spürhunde auf heißer Fährte! – Wer hat die CAROLINA vernichtet ...?

 

von KURT MAHR

 

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Eine neue Menschheitsepoche ist angebrochen!

Seit Crests Tod sind 57 Jahre vergangen – man schreibt also jetzt auf der Erde das Jahr 2102.

Viel hat sich in der Zwischenzeit ereignet!

Dem Arkoniden Atlan ist es mit Unterstützung der Menschen gelungen, seine Stellung als Imperator zu festigen. Das Bündnis zwischen Arkon und dem Solaren Imperium hat Früchte getragen – speziell für die Terraner, von denen viele bereits wichtige Positionen auf Arkon selbst einnehmen. Atlan muss dies dulden, da er sich auf die meisten seiner Landsleute nicht verlassen kann.

Das Solare Imperium ist zur bedeutendsten Handelsmacht am Rande der Milchstraße geworden. Seit 22 Jahren gibt es geradezu einen Strom von Auswanderern zu geeigneten Siedlungswelten. Desgleichen existieren auf vielen von anderen Intelligenzen bewohnten Planeten terranische Gesandtschaften und Handelsniederlassungen.

Dass es in den Weiten des Alls oft genug zu gefährlichen Zwischenfällen kommt, liegt klar auf der Hand.

Doch wer auch immer sich an Terranern vergreift, muss damit rechnen, dass die ABTEILUNG III zum Einsatz kommt ...

Die Hauptpersonen des Romans

 

 

Nike Quinto – Chef der von Perry Rhodan ins Leben gerufenen »Interkosmischen Sozialen Entwicklungshilfe«.

Ron Landry – Captain in Nike Quintos Abteilung.

Larry Randall – Ein terranischer Leutnant auf einsamem Posten.

Alboolal – Chef der Springersippe auf dem Planeten Ghama.

Richard Silligan, Lyn Trenton, Dynah Langmuir, Tony Laughlin und E. D. Rykher – Die Überlebenden der CAROLINA.

1.

 

Relais XIV an Frachter CAROLINA: SIE NÄHERN SICH DEM AKTIONSBEREICH DER SPRINGER. VORSICHT IST GEBOTEN. ENDE.

Frachter CAROLINA an Relais XIV: DANKE FÜR DIE WARNUNG. WERDEN VORSICHTIG SEIN. AN BORD ALLES WOHLAUF. ENDE.

 

*

 

Nichts ist unangenehmer für einen Raumschiffkommandanten, als ein fremdes Schiff in der Nähe seines eigenen Fahrzeugs plötzlich aus dem Raum auftauchen zu sehen – so nahe, dass er nicht sicher ist, ob er noch rechtzeitig ausweichen kann.

Nichts ist erschreckender für einen Kommandanten, als auf seinen Messgeräten hohe energetische Aktivität an Bord des Fremden zu erkennen. Denn gewöhnlich bedeutet eine solche Aktivität nur eines: die Geschütze werden feuerbereit gemacht.

Nichts macht den Kommandanten eines Frachtschiffes hilfloser als das Aufleuchten der Prallschirme seines Schiffes; denn das bedeutet, dass der Fremde ohne vorherige Warnung das Feuer eröffnet hat.

Diese drei Dinge passierten Kommandant Odie Rhyan, nachdem sein Schiff auf dem Wege von Terra nach Arkon drei Transitionen und damit etwa die Hälfte des Weges hinter sich gebracht hatte. Odie Rhyan war kein furchtsamer Mann; im Gegenteil! Er übersah die Lage klar und wusste, dass er gegen den hinterhältigen Überfall nichts, aber auch gar nichts unternehmen konnte. Ein Frachter besaß nicht die Möglichkeiten, sich gegen ein Kriegsschiff zu wehren. Und das, was dort draußen aufgetaucht war, war ein Kriegsschiff. Eine lange, schmale Zigarre mit einem Ringwulst in der Mitte.

Odie Rhyan blieb, an seinem Platz und gab Alarm. Das war in dem Augenblick, in dem die Zeiger der Messinstrumente klickend und zitternd gegen den oberen Rand der Skalen schlugen und das Feuer in den Prallschirmen draußen erlosch. Odie Rhyan wusste, was das zu bedeuten hatte! Die nächste Salve würde das Schiff selbst treffen, denn die Prallschirme waren zusammengebrochen.

Odie Rhyan gab den Notruf. Er war kodifiziert. Odie hatte nichts weiter zu tun, als auf einen Knopf zu drücken.

Das tat er, und dann war um ihn herum plötzlich eine Lichtflut, in der er rasch und ohne Schmerz versank.

 

*

 

Man hätte Lyn Trenton zu den Männern gerechnet, die so eine Art zweiter Frühling überkam, wenn die Schläfen zu ergrauen begannen. Lyn Trenton behauptete von sich selbst, dass sein erster Frühling niemals eine Unterbrechung erfahren habe und dass es demnach verfehlt sei, nun von einem zweiten zu sprechen. Da Lyn eine Position in der terranischen Hierarchie bekleidete, von der die meisten anderen Menschen nur zu träumen wagten, wurde seine Feststellung beachtet, und niemand erlaubte sich mehr, in seiner Gegenwart von dem »gefährlichen Mann mit den grauen Schläfen« zu sprechen.

Im Augenblick war Lyn Trenton darauf aus, seinem Ruf Ehre zu machen. Er hatte bis jetzt noch keine Gelegenheit gefunden, mit Dynah Langmuir mehr als ein paar belanglose Worte zu sprechen. Dabei war Dynah, was Lyn Trenton in seiner abstrahierenden, zielsicheren Ausdrucksweise »eine Gelegenheit« nannte, »die man nicht versäumen sollte«.

Das Schiff hatte die Hälfte seines Weges nach Arkon bereits hinter sich, und Lyn begann zu fürchten, dass er den Anschluss vollends verpassen würde, wenn er nicht bald einen wirkungsvollen Vorstoß machte.

Mit elastischen Schritten durchquerte er den Teil des Ganges, der seine Kabine von der Dynah Langmuirs trennte. Er hatte nicht mehr und nicht weniger vor, als an Dynahs Tür zu klopfen und Dynah rundheraus zu fragen, ob sie gewillt sei, seine Einladung zum Dinner anzunehmen.

Lyn Trenton war überzeugt, dass die Einladung seine Wirkung nicht verfehlen werde. Man schlägt, selbst wenn man eine so faszinierende Frau wie Dynah Langmuir ist, keine Einladung des obersten terranischen Verbindungsbeamten auf Arkon ab.

Lyn Trenton stand vor Dynah Langmuirs Tür, als die Alarmsirenen ihr unerträgliches Geräusch von sich zu geben begannen.

Lyn drehte sich ärgerlich um und machte sich auf den Weg zum Beiboothangar, wie es das Reglement für den Notfall vorschrieb. Er hatte sich kaum von Dynah Langmuirs Tür abgewandt, als die sich öffnete und Dynah, vom Alarm aufgeschreckt, auf den Gang heraustrat. Lyn bemerkte sie, als er über die Schulter zurücksah, wandte sich um und ging ihr entgegen. Plötzlich empfand er den Alarm nicht mehr als persönlichen Affront des Schicksals.

»Ich war gerade auf dem Wege«, lächelte er Dynah an, »Sie untertänigst um Ihre Begleitung zum Dinner zu bitten. Aber so, wie die Sache aussieht, werden wir das Dinner im Hangar einnehmen müssen, und dort, glaube ich, findet man nicht die richtige Atmosphäre.«

Dynah war viel zu verwirrt, um auf seine scherzende Art einzugehen.

»Was ist das?«, fragte sie. »Was bedeutet der Alarm?«

Angesichts ihrer Angst beschloss Lyn Trenton, seine väterlichen Seiten zu zeigen.

»Niemand weiß es, mein Kind. Aber im Hangar sind wir auf jeden Fall am besten aufgehoben. Kommen Sie!«

Dynah zögerte. Lyn fasste sie sanft am Arm und zog sie neben sich her.

In diesem Augenblick begann das Schiff zu schwanken. Von irgendwoher schallte brüllendes Gedröhn. Dynah zuckte zusammen. Lyn Trenton verstand, dass die Lage wirklich ernst war. Er beschleunigte seine Schritte, aber auch Dynah hatte bereits zu laufen angefangen.

 

*

 

Richard Silligan fluchte über den langweiligen Dienst im Beiboothangar, bis das Unglück begann. Die ganze Zeit über hatte er sich auszureden versucht, dass Odie Rhyan eine persönliche Abneigung gegen ihn hege, so dass er ausgerechnet ihn so oft als Wachoffizier für den Hangar einteilte. Das war natürlich Unsinn; denn niemand auf der Welt konnte ernsthaft an Odie Rhyans Unparteilichkeit zweifeln.

Dann kam der Alarm, und kurz darauf begann das Schiff, Bocksprünge zu machen, die der Antigrav nicht mehr auffangen konnte. Richard Silligan öffnete die Hauptschleusen der Beiboote.

Die Sergeanten und Korporale, die Silligan unterstellt waren, schlüpften in die Raumanzüge und kletterten in die Pilotensitze der Boote. Die Triebwerke liefen an. Der Hangar war plötzlich von dröhnendem Getöse erfüllt, das die Jammerlaute des gequälten Schiffskörpers übertönte.

Richard Silligan wartete. Die Beiboote waren für die Passagiere bestimmt. Aber es kamen keine Passagiere. Richard Silligan begann, sich an seine Verantwortung den Untergebenen gegenüber zu erinnern. Wenn keine Passagiere kamen, dann würde er die Beiboote allein starten lassen, um wenigstens die Soldaten der Wache zu retten. Denn darüber, dass es dem Schiff an den Kragen ging, bestand für Richard Silligan nicht der geringste Zweifel. Er wusste nicht, was die Ursache war; aber er wusste, was ein Schiff vertragen konnte und was nicht.

Richard war drauf und dran, sich in die Schleuse des am weitesten hinten liegenden Bootes hineinzuschwingen, als zwei der Zugangsschotts sich beinahe gleichzeitig öffneten. Unter dem einen hervor traten ein Mann und eine Frau in den Hangar, unter dem andern ein einzelner Mann.

Richard Silligan verlor für einen Augenblick die Beherrschung.

»Beeilt euch, ihr Narren!«, schrie er die Passagiere an, von denen jeder für den Flug nach Arkon zweiundzwanzigtausend Soli bezahlt hatte.

 

*

 

Das Schiff zerplatzte in einem Feuerwerk glühender, bunter Eruptionen, die die Finsternis des Raumes für eine Zeitlang mit nie gesehener Helligkeit erfüllten.

Der Angreifer verschwand. Plötzlich war die Stelle leer, an der vor Sekunden das langgestreckte Schiff mit dem Ringwulst den Kurs des terranischen Frachters begleitet hatte.

Eine Wolke glühenden Gases breitete sich durch den Raum aus. Winzige Trümmerstücke befanden sich darunter und glühten noch lange nach. Und am Rande des Chaos entfernte sich rasch ein kleines Objekt, von dem niemand hätte sagen können, was es eigentlich war – ein größeres Trümmerstück oder ein Raumboot.

Aber niemand wäre geneigt gewesen zu glauben, dass auch nur ein einziger den Untergang der CAROLINA hatte überleben können.

2.

 

CAROLINA an Relais XIV: CQD EA (Hilfe! Gefahr im Verzug! Feindlicher Angriff!)

Relais XIV an CAROLINA: HALTEN SIE AUS! HILFE IST UNTERWEGS. SENDEN SIE PEILZEICHEN! ENDE.

CAROLINA an Relais XIV: – – – – –

 

*

 

Du liebe Güte, dachte Ron Landry, ich habe schon sympathischere Chefs gehabt als den da!

»Der da« war ein kleiner, dicker Mann mit einem roten, schwitzenden, pausbäckigen Gesicht. »Der da« hatte dünne, blonde, straff zurückgekämmte Haare und ein Paar wulstige, stets feuchte Lippen. Er sah so aus, als wäre seine körperliche Entwicklung im Alter von fünfundzwanzig Jahren stehengeblieben, dabei musste er mindestens doppelt so alt sein.

Ron Landry mochte ihn nicht leiden, vom ersten Augenblick an schon nicht.

Das Schlimmste war, wenn das dicke Männchen den Mund aufzumachen begann. Es hatte eine Stimme wie ein ägyptischer Haremswächter: Hoch und schrill.

Fast ebenso schlimm fand Ron Landry, dass auf die Schulter dieses Mannes eigentlich die Rangabzeichen eines Obersten gehörten – und Ron hatte es nicht weiter als bis zum Captain gebracht. Sie trugen beide Zivil, der Art ihres Berufes Rechnung tragend; aber der Rangunterschied war ihnen wohl bewusst.

Der Unsympathische war Nike Quinto, der Chef der Interkosmischen Sozialen Entwicklungshilfe.

»Strapazieren Sie mich nicht, Mann!«, fuhr er Ron Landry mit hoher Stimme an. »Wie sind Sie überhaupt Captain geworden, wenn Sie so dumm sind? Was soll aus meinem Blutdruck werden, wenn ich lauter solche Untergebene habe?«

Aus deinem Blutdruck kann von mir aus werden, was will, dachte Ron grimmig. Im übrigen war er der Ansicht, dass er sich den Vorwurf der Dummheit selbst von einem Obersten nicht gefallen lassen müsse.

»Ich wäre Ihnen dankbar, Sir«, versetzte er daher mit Nachdruck, »wenn Sie den Auftrag spezifizieren könnten. Mit drei oder vier Worten allein kann vermutlich selbst ein Genie nichts anfangen.«

Nike Quinto sah ihn verdutzt an.

»Was?«, keifte er. »Ein unverschämtes Mundwerk haben Sie auch noch?«

Ron Landry war nach Aufbrausen zumute; aber irgendwie gelang es ihm nicht, die Szene so ernst zu nehmen, wie sie eigentlich sein sollte. Ron Landry schwieg also und wartete darauf, dass Nike Quinto zu reden fortführe.

»Was, zum Donnerwetter«, schrie Quinto, »ist so schwer daran zu verstehen, dass Sie sich ein Schiff nehmen und an eine genau bezeichnete Stelle des interstellaren Raums fahren sollen?«

»Nichts, Sir«, antwortete Ron und gab sich Mühe, ein Lächeln zu unterdrücken. »Ich möchte nur wissen warum?«

»Warum?«, pfiff Nike Quinto. »Hat ein Soldat zu fragen, warum er einen Befehl bekommt? Fahren Sie hin, sehen Sie sich an, was es zu sehen gibt, und machen Sie einen genauen Bericht darüber. Aber bedenken Sie, dass die Sache eilig ist! Wenn ich so lange auf den Bericht warten muss, bis ich vor lauter Aufregung einen Herzschlag bekommen habe, taugt die Sache nichts mehr.«

Ron nickte.

»Jawohl, Sir.«

Nike Quinto blitzte ihn mit seinen Froschaugen an.

»Das ist alles«, stieß er unfreundlich hervor. »Sie können gehen!«

Ron salutierte – obwohl es ihm ziemlich einfältig vorkam, in Zivil zu salutieren – wandte sich um und ging zur Tür.

»Nicht dorthin«, keifte Nike Quinto hinterdrein. »Zum Donnerwetter, wo wollen Sie eigentlich hin?«

Verwundert wandte Ron sich um.

»Mir ein Schiff suchen, Sir«, antwortete er. »Und losfliegen.«

Nike Quinto machte ein kummervolles Gesicht und legte die Hand auf die Brust, ungefähr an der Stelle, unter der er sein Herz vermutete.

»Sie machen mir zu schaffen, Landry«, seufzte er. »Ich wette, ich bin schon auf zweihundertundzwanzig, dabei dürfte ich nur hundertsechzig haben.« Plötzlich brach sein Temperament wieder durch. »Glauben Sie wirklich«, fuhr er Ron an, »ich lasse Sie so gehen? Was würden Sie draußen anfangen, wenn ich Sie nicht darüber aufklärte, was da gespielt wird und worum es geht?«

Ron wollte sagen, dass er sich genau das gleiche schon die ganze Zeit über gefragt hätte; aber Nike Quinto ließ ihn nicht zu Worte kommen.

»Gehen Sie dorthinein!«, quiekte er und deutete auf eine Seitentür. »Setzen Sie sich auf den Stuhl, der dort steht, und entspannen Sie sich. Und wenn Sie fertig sind, kommen Sie wieder heraus und sagen mir, was Sie von der Sache halten! Verstanden?«

»Verstanden, Sir«, antwortete Ron, ein wenig verwirrt.

Er ging auf die Tür zu und öffnete sie. Er sah auf den ersten Blick, was für ein Raum das war, in den Nike Quinto ihn schickte. Der ultrabequeme Sessel, die gelbgrüne Farbe der Wände und das graue, mit violettem Schimmer durchsetzte Licht, der absolute Mangel an anderem Mobiliar als dem Sessel – das konnte nur eines bedeuten: Hypnoschulung.

Ron Landry sah seinen Auftrag plötzlich mit anderen Augen an. Wenn sie sich solche Mühe machten, dann musste mehr dahinterstecken, als er bisher geglaubt hatte.

Die Tür schloss sich hinter ihm. Er setzte sich in den Sessel, wie Nike Quinto es ihm befohlen hatte, und streckte die Beine weit von sich. Er schloss die Augen und gab sich Mühe, an nichts zu denken.

Er wurde schläfrig.

 

*

 

Ein paar Stunden später wusste er genau, worum es ging.

Ein paar Stunden später hatte er eine andere Meinung von Nike Quinto, dem kleinen, dicken Mann mit dem hohen Blutdruck und dem ständig schwitzenden, roten Gesicht.

Ein Raumschiff war verschwunden. Der letzte Notruf des Kommandanten besagte, dass das Schiff, ein Frachter, von einem feindlichen Fahrzeug angegriffen worden war. Wer der Feind sei, warum er den terranischen Frachter angriff, das wusste niemand. Vermutungen waren müßig und nutzlos, solange sich niemand an Ort und Stelle umgesehen hatte.

Das war Ron Landrys Aufgabe. Sie war keineswegs so leicht, wie es auf den ersten Blick schien. Der Feind, wer immer es sein mochte, würde wissen, dass die Terraner nicht geneigt waren, den Verlust eines Frachtschiffes ohne weitere Reaktion hinzunehmen. Er würde vermuten, dass man eine Suchexpedition ausschickte, die nach den Überresten des Schiffes Ausschau hielt und Rückschlüsse zu ziehen versuchte. Denn aus den Resten eines vernichteten Fahrzeugs konnte, wenn keine Störungen eintraten, so ziemlich alles ermittelt werden, was die Suchexpedition und die terranischen Behörden interessierte.

Nike Quinto hatte an all dies gedacht. Die terranischen Flotteneinheiten im Bereich der Katastrophenstelle waren alarmiert. Ron Landry würde einen mächtigen Kampfverband in seinem Rücken wissen, wenn er die Überreste des Frachters inspizierte. Nike Quinto hatte an noch mehr gedacht: Das Schiff, das er Ron Landry zugewiesen hatte, war ein Schwerer Kreuzer, eine Einheit, die es mit jedem bekannten Schiffstyp der Galaxis aufnehmen konnte, solange der Gegner nicht zu viele waren. Ron Landry war autorisiert, die Verfolgung des unbekannten Gegners aufzunehmen, sobald es ihm gelungen war, eine Spur zu finden. Und der Schutz der terranischen Flotte würde Ron Landry und sein Schiff auch weiterhin begleiten.

Ron Landry gab zu, dass er selbst die Vorbereitungen nicht mit der gleichen Wirksamkeit hätte treffen können. Er hätte eine Menge Dinge übersehen, die Nike Quinto aufgefallen waren. Als er sich von Quinto verabschiedete, gab er sich Mühe, den kleinen, schwitzenden Mann merken zu lassen, dass er Achtung vor ihm empfand.

Nike Quinto schien das nicht zu berühren. Er rief Ron nach: »Der Teufel soll Sie holen, wenn Sie nicht alles zur Zufriedenheit erledigen!«

 

*

 

Das war alles, was von der CAROLINA übriggeblieben war: Eine kalte Gaswolke, die sich mit der Geschwindigkeit, die das Schiff im Augenblick der Katastrophe innegehabt hatte, durch den Raum bewegte und sich außerdem, den Gesetzen der Thermodynamik folgend, ständig ausbreitete.

Als die ROYAL IRISH die Wolke erreichte, betrug ihre Dichte nur noch ein paar Trillionstel Gramm pro Kubikzentimeter. Das bedeutete, dass die vergaste Schiffsmaterie nur eine Kugel von tausend Kilometern Durchmesser erfüllte und infolge ihrer Verdünnung gegen den schwarzen Hintergrund des Raums mit den unzähligen Lichtpunkten der Sterne auf dem Wege der Normaloptik fast nicht mehr wahrgenommen werden konnte.

Für die Analytiker hingegen war die Dichte der Gaswolke noch vollkommen ausreichend. Gegen das Licht der Sterne, deren Spektren bekannt waren, maßen sie das Absorptionsspektrum der Gasmasse und vergewisserten sich zunächst einmal, ob es sich bei der Wolke tatsächlich um die Überreste der CAROLINA handelte. Das Spektrum zeigte die bekannten Linien der Metalle, aus denen eine Schiffshülle und die tragenden Zwischenwände bestanden. Das Spektrum zeigte auch die Linien der Kohlenwasserstoffe, der Plastikteile, die einen großen Teil der Schiffsinneneinrichtung ausgemacht hatten – und der ehemals lebenden, menschlichen Substanzen, die an Bord der CAROLINA gewesen war.

Nein, es bestand kein Zweifel daran, dass der Frachter CAROLINA mit Mann und Maus zugrundegegangen war.

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