ToyBoy



Vivien Länquis

Über die Kurzgeschichte

Da liegt sie nun neben ihm im Bett, das junge Mädchen, das seine Welt auf den Kopf gestellt hat. Lukas liebt Jana. Um Jana glücklich zu machen, willigt er ein, sich bei ihren Eltern vorzustellen, obwohl er diesen Akt als überflüssig empfindet. Doch bei diesem Besuch holt Lukas die Vergangenheit ein. Damals – weit vor Jana – war Lukas einer Frau hörig, bis sie ihn verließ. Genau diese Frau stellt sich nun als Janas Stiefmutter vor und sie hat Lust – auf Lukas. Wird Lukas auf das für ihn gefährliche Spiel eingehen oder siegt seine Liebe zu Jana?

I've made mistakes, I'm just a man! — Seit Bon Jovi diesen Satz in seinem Song Always untergebracht hatte, haben Männer wie ich immer die perfekte Ausrede für unsere Untaten. Was sollen wir auch machen? Wir sind Männer und können gar nicht anders. Wäre es anders, würden wir wohl kaum die Damenwelt erobern können.

Eben genau dieses Zugeständnis, gepaart mit der entsprechenden Unschuldsmiene, kann die härtesten Frauen weichklopfen. Der größte Wirbelwind einer Frau wird zu einem lauen Lüftchen. Sie vergisst alle etwaigen Mordgedanken und Foltermethoden, die sie sich vorher so wunderbar zurecht gelegt hatte. Denn genau in diesem Moment geben wir es zu: Wir zeigen Schwäche, da wir all unsere Fehler zugeben, genau so wie es die Frauen gerne hätten. Jede Frau würde sich darin bestätigt fühlen, dass sie die intelligentere Seite der Partnerschaft ist und wir Männer haben erst einmal unsere Ruhe. Bis zum nächsten nahenden Wirbelsturm und auch den würden wir dann wieder auf die gleiche Art und Weise besänftigen.

Doch mein Fehltritt ist nicht so einfach wegzuwischen. Da hilft auch der treuste Dackelblick nichts. Und selbst, wenn ich ihr einen Antrag machen würde, und so wahr Gott mir helfe, dazu würde es niemals kommen, würde sie mir das nie verzeihen. Jana darf es einfach nie erfahren.

Alles fing an einem schönen Frühjahrsmorgen Mitte April im Bett mit Jana an:

Durch die doch schon recht warme Morgenluft, die durch einen Windhauch in mein Schlafzimmer wehte, bewegten sich die Jalousien. Ich hatte wie immer nachts das Fenster offen gelassen. Ich genoss es, wenn sich meine Auserwählte kaum zusammenreißen konnte vor Lust und es dennoch versuchte, da sie immer im Hinterkopf behielt, dass die Fenster offen standen. Ein Lächeln umspielte meine Lippen. Die Jalousien klapperten am Fensterbrett, als sie zurück schwangen. Ich Idiot hatte sie im Eifer des Gefechts wohl wieder zu weit heruntergelassen.

   Noch immer im Halbschlaf blinzelte ich durch meine verklebten Lider und versuchte durch die Lamellen zu sehen. Mehr als das sanfte Blau des Himmels und eine Schönwetterwolke konnte ich nicht erkennen. Die Sonne würde erst gegen späten Nachmittag den Weg in mein Schlafzimmer bahnen. Genauso wie gestern, als ich ins Bett gegangen war. Jetzt war es kein Lächeln mehr, das meine Lippen umspielte, es war ein wissendes Grinsen. Die vorherige Nacht würde ich nicht so schnell vergessen. Diese Gedanken im Kopf suchte mein Blick nach meiner Uhr. In großen, roten Ziffern strahlte mich die Sieben an, als würde sie mich verhöhnen wollen. Zu früh, schoss es mir durch den Kopf. Ich konnte ausschlafen verdammt, es war Sonntag.

Ich ließ Kopf und Schultern wieder zurück in mein Kissen sinken und meine Lider wurden schwer. Sie sanken herunter und eine wohlige Schwärze umgab mich, obwohl ich das Gefühl hatte, dass die Helligkeit immer noch an meinen Lidern kitzelte und einzelne kleine Lichtfetzen versuchten durchzudringen.

Ich spürte eine sanfte Bewegung am Ende meiner Bettdecke und diese holte mich zurück in den frühen Tag. Die Bewegungen kamen geschmeidig die Bettdecke herauf und umschmeichelten meinen Oberkörper. Ich wusste genau, dass das Ziel mein Gesicht war.

Ich versuchte mich nicht zu bewegen und meine Atmung auf ein Minimum zu reduzieren. Nichts, aber auch wirklich gar nichts, durfte verraten, dass ich wach war.

Angestrengt verfolgte ich die Annäherungsversuche. Die ersten Beschmusungen und Liebkosungen der höchst egoistischen Art begannen an meinem Hals.

Er hatte nach der Zeit, die wir zusammen verbracht haben einfach ein Gespür dafür, wann ich wach war. Und genau dann witterte er seine Chance.

Endlich war er an meinem Gesicht angekommen und leckte mit seiner rauen Zunge meine Nase. Als ich immer noch nicht zugeben wollte, dass ich wach war, schmiegte er seinen gestreiften Kopf gegen meinen und schnurrte immer lauter werdend aus tiefster Brust. Ich öffnete leicht ein Auge und hatte sofort den kompletten Kater inklusive seines Schwanzes auf meinem Gesicht zu liegen, gefolgt von einem herzzerreißenden Miau! Weiter schnurrend begann er wieder seinen Kopf gegen meinen zu drücken. Und das alles nur, um sein Futter zu bekommen. Man könnte jeden Morgen aufs Neue meinen, dass das arme Tier am Verhungern war.

Als ich endlich beide Augen öffnete und mich zum wiederholten Male fragte, warum ich diesen Kater überhaupt aufgenommen hatte, sprang Felix lautstark vom Bett und miaute wieder herzzerreißend.

Damals fand ich den armen Kerl völlig verhungert und ohne Familie vor meinem Büro. Ich brachte ihn zum Tierarzt und doch wurde mir schnell klar, dass ich diesen kleinen Kater nicht mehr so schnell loslassen würde.

Und seitdem ist Felix bei mir. Er hat sich prima erholt. Manchmal denke ich zu gut. Er hat nur Blödsinn in seinem kleinen Kopf und nichts, aber wirklich gar nichts, ist vor ihm sicher.