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Inhaltsverzeichnis
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Zum Buch
Eine finanzielle Lebensplanung ist heute gerade für Frauen mehr denn je von Bedeutung. Trennung und Scheidung, Zeiten der Arbeitslosigkeit und der beruflichen Unsicherheit gehören zum Leben, weit mehr als früher. Altersvorsorge ist zum wichtigen Thema geworden.
Helma Sick berät seit 20 Jahren Frauen zu Vermögensplanung und existenzieller Absicherung. In diesem Buch schreibt sie engagiert und spannend, was Anlegerinnen über Geldanlagen wissen sollten, welche Versicherungen wirklich wichtig sind und wie Frauen in jeder Lebensphase finanziell unabhängig bleiben können.
Viele praktische Beispiele machen das Buch zu einem echten Lesevergnügen.

Zur Autorin
Helma Sick ist Inhaberin des Unternehmens »frau & geld, Finanzdienstleistungen für Frauen« in München. Sie hält Vorträge zum Themenkomplex Frauen und Geld und schreibt seit vielen Jahren regelmäßig Finanzkolumnen in BRIGITTE und BRIGITTE WOMAN.

Vorwort
»Your Daddy is rich and your Ma is good looking.«
GEORGE GERSHWIN, Porgy and Bess
 
 
 
So hieß ein Song der berühmten Jazzsängerin Ella Fitzgerald aus den 40er-Jahren. Und der entsprach genau dem damaligen Rollenverständnis: Es reichte vollkommen aus, wenn eine Frau gut aussah und ihr Mann Geld hatte.
Das hat sich zum Glück verändert!
Heute legen die meisten jungen Frauen Wert auf eine gute Ausbildung und ein Studium, so viele wie nie zuvor. In den Schulen sind sie den Jungs überlegen. Inzwischen machen mehr Mädchen als Jungen Abitur. Frauen sind selbstbewusster geworden und erobern viele männlich dominierte Lebensbereiche.
Nur »Geld« ist weitgehend ein Tabuthema geblieben. Es fehlt immer noch die positive Einstellung dazu sowie die Lust, sich damit zu beschäftigen. Sie ist bei Frauen deutlich geringer ausgeprägt als bei Männern, wie viele Untersuchungsergebnisse bestätigen.
Dabei steht fest: Eine finanzielle Lebensplanung ist heute mehr denn je von Bedeutung. Trennung und Scheidung, Zeiten der Arbeitslosigkeit und der beruflichen Unsicherheit gehören zu unserem Leben, weit mehr als noch vor 20 Jahren. Die Existenzgründung scheint riskanter und die Rückkehr in den Beruf nach einer längeren Pause höchst schwierig. Die Probleme der gesetzlichen Rentenversicherung sind in aller Munde.
Aber neben diesen eher beunruhigenden Motiven, sich mit Geld zu befassen, gibt es auch noch andere, und zwar erfreulichere. Geld zu vermehren, macht Spaß! Ein dickes Finanzpolster beruhigt! Ein langer Ruhestand bietet ungeahnte Möglichkeiten, allerdings nur, wenn die Kasse stimmt.
Und Frauen haben erstmals in der Geschichte unseres Kulturkreises die Möglichkeit, selbstbestimmt und wirtschaftlich unabhängig zu sein. »Wer unabhängig ist, muss weniger Angst haben«, sagte kürzlich der Schriftsteller Martin Walser. Wie wahr!
Aber warum hat all das bisher nicht zu mehr Interesse an Geldanlagen geführt? Warum stecken so viele immer noch den Kopf in den Sand nach dem Motto: Es wird schon irgendwie alles gut gehen? Weshalb lassen vor allem Frauen ihr Geld zu niedrigen Zinssätzen auf Bankkonten herumliegen?
Die Gründe sind vielschichtig – in den folgenden Kapiteln wird davon noch oft die Rede sein. Aber sicher hat es auch damit zu tun: Noch vor 20 Jahren war der Kapitalanlagemarkt für Normalanleger relativ übersichtlich. Die meisten Leute hatten ein Sparbuch und Sparbriefe von der Bank. Viele besaßen zusätzlich eine Lebensversicherung und einen Bausparvertrag, einige ein Haus oder eine Eigentumswohnung. Wohlhabende kauften darüber hinaus noch Aktien. Fonds waren kaum bekannt. Geld hatte man oder auch nicht. Darüber gesprochen wurde jedenfalls nicht.
Das ist anders geworden: Es gibt mittlerweile unzählige Möglichkeiten, Geld anzulegen. Banken, Investmentgesellschaften und Versicherungsunternehmen sind ausgesprochen erfinderisch und kreieren beinahe wöchentlich neue Anlagen. Aktienanleihen, Zertifikate, Hedgefonds, geschlossene Fonds, Schiffsbeteiligungen, Tausende von Investmentfonds mit klingenden Namen. Wer soll da noch durchblicken? Kein Wunder, wenn Frauen ihr Geld lieber resigniert auf dem Tagesgeldkonto liegen lassen!
Und dann noch diese wichtigtuerische Sprache! Auch sie schreckt meiner Meinung nach viele davon ab, sich näher mit Geldanlagen zu befassen. Wo es früher um Kursschwankungen ging, heißt es jetzt Volatilität. Statt von der Titelauswahl bei Aktien spricht man jetzt von Stockpicking. Die Messlatte oder der Index heißt Benchmark. Es gibt keine Streuung von Anlageformen mehr, sondern nur noch eine Asset Allocation.
In einer Kurzinformation zu einem Aktienfonds habe ich neulich gelesen: »Dem Fonds liegt grundsätzlich ein Value-Stil zugrunde, es können aber auch growthlastige Aktien mit ins Portefeuille genommen werden. Die Tracking-Error-Zielvorgabe liegt etwa 3 % über der Benchmark.«
Ich finde, das ist ein besonders abschreckendes Beispiel dafür, wie weit sich diese Sprache von unserer wegentwickelt hat. Wer soll denn das noch verstehen? Dieses Fachchinesisch, mit dem oft nur Banalitäten aufgewertet werden sollen, degradiert Anleger zu Idioten und führt nur dazu, dass einem die Lust vergeht, sich mit interessanten Geldanlagen zu beschäftigen.
Dass es auch anders geht, habe ich mit meinen Büchern bewiesen. Und mit meiner Kolumne zu Geldfragen, die ich seit fast zwölf Jahren im Frauenmagazin »Brigitte« veröffentliche und seit fünf Jahren in »Brigitte Woman«. Aus Tausenden von Briefen weiß ich, wie dankbar die Leserinnen sind, dass ich in einer ganz normalen Sprache schreibe. Sehr oft lese ich: »Zum ersten Mal habe ich begriffen, worum es da überhaupt geht. Sie schreiben immer so verständlich und interessant.«
Das ist kein Wunder, ich berate ja seit 20 Jahren Frauen zu ihrer Vermögensplanung und Altersvorsorge. Junge Frauen und ältere, Frauen mit viel Geld und mit wenig, Angestellte und Selbstständige. Frauen, die in einer Partnerschaft leben, und Singles. Ich weiß also, was Sie bewegt, was Sie wissen möchten, was Sie sich wünschen. Aber auch, was Sie brauchen!
Ihre Fragen und meine Antworten zu Vermögensaufbau, Absicherung, Altersvorsorge in verschiedenen Lebensphasen und noch vieles mehr finden Sie in diesem Buch.
 
Viel Freude beim Lesen!
 
Ihre Helma Sick

Geld – immer noch ein Tabu für Frauen
Woher das kommt und wie sich das auswirkt
»Das ist mir nicht so wichtig« – ich kenne keinen Satz, den Frauen in Zusammenhang mit Geld häufiger sagen. Während Geld Männern Macht verleiht und sie sexy erscheinen lässt, ist der Besitz von Geld für die meisten Frauen immer noch wenig erstrebenswert. Dabei ist ein beruhigendes Geldpolster für Frauen wichtiger denn je. Sie leben im Durchschnitt sechs Jahre länger als Männer und brauchen deshalb im Alter eine bessere Absicherung. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus:
Frauen haben in der Regel sehr viel weniger Geld zur Verfügung als Männer. Die durchschnittliche Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung liegt für sie bei nur 465 Euro in Westdeutschland (Männer 976 Euro) und bei 663 Euro in den neuen Bundesländern (Männer 1056 Euro).
Die Ursachen dafür liegen klar auf der Hand: Noch immer verdienen Frauen im Schnitt ein Drittel weniger als Männer. Noch immer haben Frauen große Lücken in ihrer Erwerbsbiografie – wenn Kinder kommen, sind in der Regel sie es, die pausieren, oft jahrelang. Noch immer arbeiten viele Frauen in Teilzeit oder in Jobs mit geringfügiger Beschäftigung meist zu niedrigsten Löhnen.
Alle mir bekannten Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass
➜ zwei Drittel der Frauen sorglos in die Zukunft blicken nach dem Motto: »Bislang bin ich doch auch immer irgendwie durchgekommen.«
➜ jede vierte Frau der Meinung ist: »Es lohnt sich nicht, Geld für das Alter zurückzulegen, schließlich weiß man nie, was die Zukunft bringt.«
➜jüngeren Frauen und alleinstehenden Frauen die Motivation fehlt, sich heute schon mit dem Thema Rente zu beschäftigen.
➜ sich Hausfrauen und Frauen im Erziehungsurlaub bei der Alterssicherung überwiegend auf ihren Partner verlassen, ohne für den Fall der Trennung die entsprechenden Vereinbarungen zu treffen.
Ich frage mich immer wieder, wie es möglich ist, dass Frauen auch heute noch so blauäugig sind.
Besser als es die russische TV-Moderatorin und Schriftstellerin Oksana Robski neulich tat, lässt es sich kaum formulieren: »Abhängigkeit lohnt sich nicht. Ist der Mann weg, ist auch das Geld weg.«
Die amerikanische Autorin Colette Dowling hat das traditionelle Rollenverhalten von Frauen schon Anfang der 80er-Jahre in ihrem Buch »Der Cinderella-Komplex« beschrieben:
»Von Geburt an werden Männer auf die Unabhängigkeit vorbereitet. Und ebenso systematisch wird Frauen beigebracht, dass sie etwas anderes erwarten können: Sie werden eines Tages auf irgendeine Weise gerettet. Das ist das Märchen, die Botschaft, die wir mit der Muttermilch eingesogen haben.
Vielleicht wagen wir uns eine Zeit lang allein in die Welt. Wir studieren, wir arbeiten, wir reisen. Vielleicht verdienen wir sogar gut. Aber bei alldem haben wir im Innern das Gefühl, dass dies nur ein vorübergehender Zustand ist. Du musst nur durchhalten, heißt es in dem Kindermärchen, und eines Tages kommt ein Mann und befreit dich aus der Angst, für immer allein zu leben. Der Junge lernt: Niemand rettet dich, wenn du es nicht selbst tust.«
Meine Beobachtung ist, dass sich diese Einstellung, das Hoffen und Warten auf den Prinzen, trotz der viel besseren Schul- und Berufsausbildung der Mädchen und Frauen nicht grundlegend geändert hat. So leid es mir tut, ich muss Ihnen die Illusion rauben!Auch Sie rettet niemand, wenn Sie es nicht selbst tun, denn:
➜Es ist doch eine Illusion,wenn Frauen immer noch glauben, dass gerade ihre Parterschaft lebenslang hält. Bundesweit wird jede dritte Ehe geschineden, in Grofßstäten sogar jede zweite.
➜Es ist doch eine Illusion,zu glauben,der Staat könnte uns trozt der demografischen Entwicklung auch in Zukunft dauerhaft versongen.
➜ Es ist doch eine Illusion, zu denken, wir bräuchten im Alter weniger Geld. Noch nie gab es so viele gesunde, lebensfrohe Rentnerinnen und Rentner wie heute, noch nie haben sie so lange gelebt.
➜ Und es ist doch eine Illusion, zu glauben, dass es nicht eilt mit der Altersvorsorge, dass man sich darum noch viel später kümmern kann.
➜Auch wenn diese Fakten schon seit Jahren bekannt sind, ziehen Frauen daraus leider nur selten die nötigen Konsequenzen.
➜ Oder sparen sie von früher Jugend an?
➜ Vertreten sie auch in einer langjährigen Partnerschaft ihre wirtschaftlichen Interessen?
➜ Kümmern sie sich um einen finanziellen Ausgleich während der Kindererziehungszeit?
➜ Sichern sie sich für den Fall einer Trennung oder Scheidung ab?
➜ Achten sie auf angemessene Renditen bei der Geldanlage?
➜ Verfolgen sie langfristige Anlagestrategien, um ihre Renditen zu optimieren?
Leider nein. Das Emnid-Institut hat im Auftrag des Frauenmagazins »Brigitte« vor einiger Zeit mehr als tausend Frauen zum Thema Altersvorsorge befragt und festgestellt, dass inzwischen zwar jede zweite Frau Geld für ihre eigene Altersvorsorge investiert. Aber aus der repräsentativen Untersuchung geht auch hervor, dass sich immer noch fast die Hälfte aller Frauen durch Lebensversicherungen oder durch das Vermögen ihres Mannes gut abgesichert fühlt – eine Blauäugigkeit, die im 21. Jahrhundert nicht mehr vorkommen sollte.
Meine Kolleginnen und ich haben in unserer bundesweiten Arbeitsgemeinschaft der »Finanzfachfrauen« in über 20 Jahren mehr als 60 000 Frauen aller Altersgruppen beraten. Unsere Erfahrung: Während die meisten Männer schon Anfang 20 beginnen, mit regelmäßigen Einzahlungen für ihre spätere Rente Geld anzulegen, zum Beispiel in einer Rentenversicherung oder einem Aktienfonds, kommen Frauen oft erst mit 30 und später auf diese Idee. Häufig sogar erst dann, wenn sie durch eine schwerwiegende Veränderung ihrer Lebensumstände wie Trennung, Scheidung oder den Tod des Partners zum Umdenken gezwungen sind. Oder wenn der erste Rentenbescheid der Deutschen Rentenversicherung Bund einen gewaltigen Schock auslöst.

Dass sich Frauen nicht ums Geld kümmern,
hat eine lange Tradition

Denn in Geldangelegenheiten unterstanden Frauen über Jahrhunderte hinweg der Kuratel von Männern. So heißt es zum Beispiel in einer Rechtsvorschrift aus dem Jahr 1117: »Wo zwei in der Ehe leben, da soll der Ehemann schalten über ihre Habe und die Geschäfte.«
Bis in die Neuzeit war die Frau – rechtlich gesehen – kein öffentliches Wesen. Sie war der Alleinherrschaft ihres Mannes unterstellt und wurde gleichgestellt mit Sklaven, Vieh und Sachen. Aufgrund ihrer vermeintlichen Geschlechtsschwäche war man der Auffassung, dass sie bei allen wichtigen Geschäften einen Vormund benötige.
Ausgenommen davon war die Zeit zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert, in der Frauen mehr Rechte eingeräumt wurden. Sie konnten damals Berufe erlernen, wurden Meisterinnen, organisierten sich in Zünften. In den Städten waren Frauen generell von keinem Gewerbe ausgeschlossen, für das ihre Kräfte reichten. Sogar von einer Handelsfrau wird berichtet, die im 15. Jahrhundert Geschäftsreisen nach England unternahm.
Aber: Es ist zu vermuten, dass es sich auch damals schon um das bekannte »Trümmerfrauen-Syndrom« handelte, wie wir es aus der Zeit nach 1945 kennen. Denn auch im Mittelalter herrschte gravierender Männermangel, bedingt durch Kreuzzüge, beschwerliche Handelsreisen und durch die Pest, an der mehr Männer als Frauen starben.
Als diese schweren Zeiten vorbei waren, kam schon bald wieder die Tendenz auf, Frauen in die alleinige Rolle der Hausfrau und Mutter abzudrängen. Und wenn das nicht so einfach gelang, gab es ja noch das probate Mittel der Hexenverfolgung. Mir scheinen die neueren Darstellungen von Religionswissenschaftlern sehr plausibel, die in der Verfolgung selbstständiger Frauen als Hexen ein Instrument zu ihrer Unterdrückung sehen. Sie behaupten, dass dieses düstere Kapitel der Kirchen – aller christlichen Kirchen übrigens – auch einen deutlich wirtschaftlichen Aspekt hatte: Das Vermögen von »Hexen« fiel den jeweiligen Kirchen anheim, deshalb gerieten reiche Witwen besonders leicht in den Verdacht, eine Hexe zu sein.
Kaum zu glauben, aber das Bestimmungsrecht des Mannes über die Frau bzw. ihre Bevormundung bestand bis Mitte des 20. Jahrhunderts. Daran änderte auch das von den Frauen erkämpfte Wahlrecht und ihr Zugang zu den Universitäten erst einmal nichts.
Nach dem Familienrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) entschied noch bis nach 1945 der Mann aufgrund »der natürlichen Ordnung der Verhältnisse« in allen das gemeinschaftliche Leben betreffenden Angelegenheiten. Die Frau hatte den Haushalt zu führen.
Es gab kaum Möglichkeiten für sie, eigenes Geld zu verdienen. Einen Beruf durften Frauen nur mit Zustimmung des Mannes ausüben. Nicht einmal ein Bankkonto konnten sie ohne Einwilligung ihres Mannes eröffnen. Brachten sie eigenes Vermögen in die Ehe mit ein, so galt noch bis 1953, was schon 1117 gegolten hatte: »Das Vermögen der Frau wird durch die Eheschließung der Verwaltung ihres Mannes unterworfen.«
Da half auch der 1949 in Artikel 3, Absatz 2 festgeschriebene Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes (»Männer und Frauen sind gleichberechtigt«) nichts. Die ausführenden Bestimmungen im Gesetz zur Gleichstellung von Mann und Frau, mit dem sich die rechtliche Situation von Frauen fundamental veränderte, wurden erst 1958 in Kraft gesetzt, einzelne Bestimmungen sogar noch später geändert! Zum Beispiel legte erst das neue Scheidungsrecht von 1977(!) offiziell fest, dass ein Mann seiner Frau ihre Berufstätigkeit nicht mehr verbieten darf – und den Job auch nicht mehr in ihrem Namen kündigen kann.
Die rechtliche Situation, die Frauen Zugang zu Geld und dessen Verwaltung verwehrte, wurde durch ein gesellschaftliches Bild der Frau gestützt, das klischeehaft und millionenfach von der Trivialliteratur verbreitet wurde – als gravierendstes Beispiel nenne ich da Hedwig Courths-Mahler. In der Nachkriegszeit prägten Filme wie die »Försterchristl« ein bestimmtes Frauenbild: Danach waren sie begehrenswert und eine »echte« Frau, wenn sie lieb und bescheiden waren, also nichts für sich forderten, sozial engagiert, aufopferungsbereit und natürlich in gar keiner Weise an Geld interessiert. Und war eine Frau so, dann klappte es auch mit dem Traummann und in der Folge natürlich mit der Altersvorsorge: Die Krankenschwester bekam den Chefarzt, die Sekretärin den Unternehmer und die arme Försterstochter den reichen Grafen. Die Botschaft war immer dieselbe: Wer lieb und bescheiden ist und nichts für sich fordert, wird auf jeden Fall belohnt.

Dieses Frauenbild wird auch heute noch millionenfach verbreitet

Der Markt der sogenannten Groschenromane, also der DIN-A5-Hefte mit ihren Arzt- und Heimatserien, boomt, wie Artikeln der »Süddeutschen Zeitung« und dem »Handelsblatt« zu entnehmen war. 98 % werden von Frauen gelesen.
Und wer nicht zum Heftroman greift, schaut sich vielleicht die moderne Version an: Rosamunde Pilcher oder Telenovelas, die jeden Nachmittag über die privaten Sender flimmern. Da geht es dann um Bianca, die vom Land in die Stadt zieht. Dort begegnet sie Sportarzt Oliver, dem sie, nach einigen Irrungen und Wirrungen, an die Brust sinkt und fortan von ihm versorgt wird …
Auch wenn sich vordergründig eine ganze Menge verändert hat, die alte Rollenverteilung ist immer noch in vielen Frauenköpfen, wie die von mir zitierten Untersuchungsergebnisse und meine tagtäglichen Erfahrungen zeigen. Nur einige Beispiele – ich könnte Ihnen viel mehr davon nennen:
Gehalt: Die Personalchefin eines großen Münchner Unternehmens sagte mir nach einem Vortrag, dass Frauen selten in einem Einstellungsgespräch nach ihrem möglichen Gehalt fragen, während dies für Männer einer der entscheidenden Punkte ist.
Altersvorsorge: In einer Sendung des Bayerischen Fernsehens wurden vor einiger Zeit junge, verheiratete Frauen zu ihrer Altersvorsorge befragt. Die Antwort war meist: »Das brauche ich nicht, ich bin ja verheiratet.«
Erbschaft: Viele Frauen überlassen nach wie vor die Anlage des gemeinsamen Geldes, oft sogar ihres eigenen Erbes, ihrem Partner. Mit der Folge, dass sie bei Trennungen oft nicht wissen, wie viel Geld wo angelegt ist.
Erziehungszeit: Viele junge Frauen geben ihren Beruf auf, ermöglichen ihrem Partner den seinen und erziehen die gemeinsamen Kinder, sind aber nicht verheiratet – »weil das ja heutzutage nicht mehr sein muss«. Ein verhängnisvoller Irrtum! Solange unser Steuer-, Erbschafts- und Scheidungsrecht Ehe und Familie bevorzugen, ist meiner Meinung nach jede Frau, die nicht heiratet, äußerst unklug: Stirbt der Partner, ist sie nicht erbberechtigt oder bezahlt horrende Erbschaftssteuern. Und sie ist für den Fall der Trennung nicht abgesichert – den Zugewinnausgleich gibt’s nur in der Ehe und den Versorgungsausgleich für die spätere Rente auch.
Soziale Arbeit: In unserer Gesellschaft finden Sie viele eindrucksvolle Beispiele im sozialen Bereich, in dem überwiegend Frauen umsonst oder für wenig Geld tätig sind. Männer leiten die Projekte – für gutes Geld natürlich.
Öffentlichkeit: Auch in der Presse spielt das Thema Frauen & Geld kaum ein Rolle. Meines Wissens ist »Brigitte« die einzige große Frauenzeitschrift, die sich seit über zehn Jahren intensiv damit auseinandersetzt und für ein Extra-Heft zur Altersvorsorge mit dem »Zukunftspreis Altersvorsorge« ausgezeichnet wurde.
Ich bin froh, dass jetzt eine große Diskussion angefangen hat, ob wir eine neue Frauenbewegung brauchen. Wer hätte noch vor einigen Monaten gedacht, dass die derzeit wieder auftauchenden »Thesen« – Frauen zurück an den Herd und in die Mutterrolle – einen so heftigen Proteststurm auslösen würden? Schön, dass auch junge Frauen, wie zum Beispiel die Schriftstellerin Thea Dorn, darauf aufmerksam machen, dass es selbst mit exzellenter Ausbildung nicht einfach ist, als Frau Karriere zu machen, und vor allem dass es in Deutschland nicht so einfach ist, Beruf und Familie zu vereinbaren.
Doch diese Probleme dürfen Frauen heute nicht dazu verführen, die Rezepte der 50er-Jahre wiederzubeleben. Frauen müssen erkennen, dass sie für ihr Leben selbst verantwortlich sind – für ihr ganzes Leben. Auch die beste Partnerschaft, die liebevollste Ehe darf sie nicht dazu verführen, ihre Eigenständigkeit aus der Hand zu geben.
Dazu gehört auch, sich um das eigene Geld zu kümmern, eine finanzielle Lebensplanung zu entwerfen, sich Ziele zu stecken und rechtzeitig für das Alter vorzusorgen. Dafür brauchen Sie Basiswissen, das Sie sich in den folgenden Kapiteln dieses Buches mühelos erwerben können.
Denn: Viel zu selten tritt ein Prinz ins Leben, viel zu oft entpuppt sich der Prinz als Frosch. Das Ende der Illusionen ist der Anfang vom Erwachsensein.

Gut abgesichert lebt sich’s leichter
Welche Versicherungen Sie wirklich brauchen
Das ist womöglich ein eher langweiliges Thema für Sie. Wer denkt schon gern darüber nach, was im Leben alles passieren kann. Deshalb gibt’s erst einmal etwas zum Schmunzeln: Dass eine Police, die den Verlust des männlichen Brusthaares abdeckt, nicht existenziell wichtig ist, da sind wir uns bestimmt alle einig. Obwohl es eine solche Versicherung in Großbritannien (wo denn sonst?) tatsächlich gibt.
Auch eine Hochzeitsausfallversicherung (ebenfalls aus Großbritannien) muss nicht unbedingt sein, das sehen Sie sicher genauso. Sie deckt ohnehin den Schaden nicht ab, der entsteht, wenn sich Braut oder Bräutigam in letzter Minute anders entscheiden und zur Trauungszeremonie gar nicht erscheinen. Wie Julia Roberts in dem Film »Die Braut, die sich nicht traut«. Gedacht ist bei der Police vielmehr an Schäden am Hochzeitskleid oder Anzug, das sind jedenfalls die häufigsten gemeldeten Versicherungsfälle. Gefolgt vom Ausbleiben des Fotografen.
Halt, doch, es gibt eine Versicherungsgesellschaft (diesmal in Holland), die eine »Abgeblitzt-Police« bietet. Wenn sich da ein Partner davonmacht, erhält der Verlassene einmalig 300 Euro als »Entschädigung für das erlittene Herzeleid«.
Aber jenseits solcher Skurrilitäten gibt es Versicherungen, die Sie unbedingt kennen müssen, weil sie existenzbedrohende Risiken abdecken. Denn das beste Anlagekonzept nützt nichts, wenn Ihre wirtschaftliche Existenz oder die Ihrer Familie durch Krankheit, Unfall oder Tod gefährdet ist.
Bevor Sie also Geld anlegen, müssen Sie vorsorgen – für den schlimmsten Fall! Versichern Sie sich also nicht gegen alles und jedes. Überlegen Sie vielmehr, welche Schadensfolgen Sie selbst tragen können.
Aber fragen Sie sich: Was ist für Sie der finanzielle GAU, also der (G)rößte (A)nzunehmende (U)nfall?
➜ Dass Sie jemand anderem großen Schaden zufügen?
➜ Dass Sie schwer krank werden oder einen Unfall erleiden und länger nicht mehr arbeiten können?
➜ Dass der Hauptverdiener stirbt und Sie mit kleinen Kindern und Schulden, beispielsweise nach einem Immobilienkauf, dastehen?
➜ Dass Ihren Kindern etwas passiert, unter Umständen mit lebenslangen Folgen?
Es geht also darum, welche Gefahren tatsächlich existenzbedrohend sind. Und um die Frage, woher Geld kommt, wenn so ein Fall eintritt.

Was müssen Sie absichern?

Neben einer gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung brauchen Sie auch noch eine Kfz-Haftpflichtversicherung, wenn Sie Fahrzeughalterin sind.
Die wichtigsten Risikoversicherungen sind darüber hinaus:

Private Haftpflichtversicherung

Ein Drittel aller Bundesdeutschen hat keine Haftpflichtversicherung, dabei ist gerade diese Versicherung ein absolutes Muss. Denn: Wer anderen schuldhaft einen Schaden zufügt, ist laut Gesetz zum Schadenersatz verpflichtet. Dieser Rechtsgrundsatz kann leicht zum finanziellen Ruin führen. Wer den Schaden verursacht, zum Beispiel beim Inline-Skaten oder bei einem Fahrradunfall, haftet nämlich grundsätzlich mit seinem gesamten Vermögen und – bis zur Pfändungsgrenze – auch mit seinem Einkommen. Schmerzensgeld und lebenslange Rente für die Geschädigten könnten Unfallverursacher finanziell in den Ruin treiben.
Bei vielen Haftpflichtversicherungen sind die Schadenssummen allerdings zu niedrig. Heute geht man davon aus, dass eine Schadenssumme von fünf bis zehn Millionen Euro bei Personenschäden eine wirkliche Absicherung bedeutet.
Eine Privathaftpflichtversicherung gilt normalerweise weltweit. Mitversichert sind außer dem Ehepartner auch die Kinder, solange sie minderjährig oder noch in der ersten Ausbildung sind. Bei nicht verheirateten Paaren wird der Partner mitversichert, wenn er in der Police namentlich genannt wird.
Als Privatperson brauchen Sie eine Privathaftpflichtversicherung, als Selbstständige zusätzlich eine Berufs- oder Betriebshaftpflichtversicherung, als Häuslebauerin eine Bauherrenhaftpflicht-Versicherung, als Grundstücksbesitzerin eine Haus- und Grundbesitzer-Haftpflichtversicherung, als Öltankbesitzerin eine Gewässerschaden-Haftpflichtversicherung und als Tierhalterin (Hund, Pferd) eine Tierhalter-Haftpflichtversicherung.

Wohngebäudeversicherung

Verpflichtet sind Sie nicht, eine solche Versicherung abzuschließen. Sie ist jedoch allen Hauseigentümerinnen auf jeden Fall sehr zu empfehlen. Schließlich geht es dabei ja um so schwerwiegende Risiken wie Feuer (Brand oder Blitzschlag), Leitungswasser (Bruch und Frost an Leitungen, Rohren usw.) sowie Sturm- oder Hagelschäden, die immer mehr zunehmen. Versichert sind dann unter anderem die Reparaturen am Gebäude bis hin zum Wiederaufbau, aber auch die Kosten, die bei Abbruch und Aufräumarbeiten anfallen. Deshalb ist es meiner Meinung nach kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit, sich mit einer solchen Versicherung vor größeren Schäden zu schützen, die durchaus existenzbedrohend sein können.

Tipp

Achten Sie darauf, dass Ihrem Vertrag die sogenannte Unterversicherungsverzichtsklausel zugrunde liegt. Nur so können Sie sicher sein, dass Ihr Gebäude unabhängig von Baupreiskosten immer zum Wiederaufbauwert versichert ist.

Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)

Woher bekommen Sie Geld, wenn Sie nicht mehr in Ihrem Beruf arbeiten können? Besitzen Sie ein großes Vermögen oder stammen Sie aus einer reichen Familie, dürfte das kein Problem sein. Ist dies aber nicht der Fall, sollten Sie unbedingt privat vorsorgen.
Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine der wichtigsten Risikoversicherungen – und wird leider völlig unterschätzt. Nur jeder siebte Erwerbstätige ist dagegen abgesichert. Besonders pflichtversicherte Angestellte sind häufig der Meinung, dass sie über die gesetzliche Rentenversicherung und über die gesetzliche Unfallversicherung im Fall der Berufsunfähigkeit ausreichend abgesichert sind. Das ist leider ein Trugschluss.

Für wen gibt’s noch was vom Staat?

An die Stelle der Berufsunfähigkeitsrente ist seit 1. 1. 2001 die Erwerbsminderungsrente getreten. Eine volle Erwerbsminderungsrente erhält, wer täglich weniger als drei Stunden auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein kann. Eine halbe Erwerbsminderungsrente erhält derjenige, der noch drei, aber weniger als sechs Stunden am Tag arbeiten kann. Wer täglich sechs Stunden und mehr erwerbstätig sein kann, erhält keine Rente. Ausschlaggebend ist die Erwerbsfähigkeit auf dem »allgemeinen Arbeitsmarkt«, das heißt in jeder denkbaren Tätigkeit auf dem Arbeitsmarkt. Der bisher ausgeübte Beruf, die Kenntnisse und Fähigkeiten werden nicht berücksichtigt. Die neue gesetzliche Regelung gilt für alle, die nach dem 1. 1. 1961 geboren sind. Von ihnen erwartet der Gesetzgeber, dass sie privat für den Fall der Berufsunfähigkeit vorsorgen.
Die gesetzliche Unfallversicherung kommt nur nach berufsbedingten Unfällen für die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit auf und zahlt – in schweren Fällen – eine Unfallrente. Geld gibt es derzeit bei Unfällen auf dem Weg zu und von der Arbeit und bei Berufskrankheiten, aber nicht bei Unfällen in der Freizeit.
Sie sehen also, wenn Sie durch eine schwere Erkrankung oder auch durch einen Unfall nicht mehr in Ihrem Beruf arbeiten können, kann Ihre wirtschaftliche Existenz auf dem Spiel stehen.

Und so funktioniert’s

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine Risikoversicherung. Das heißt, sie zahlt ausschließlich, wenn der versicherte Fall eintritt, wenn Sie also durch eine schwere Erkrankung oder einen Unfall nicht mehr in Ihrem zuletzt ausgeübten Beruf arbeiten können. Passiert nichts – zum Glück -, gibt es kein Geld zurück.
Eine solche Versicherung sollte so früh wie möglich abgeschlossen werden, da ja im jugendlichen Alter kaum gesundheitliche Probleme bestehen. Sie sollte mindestens bis zum 60., besser noch bis zum 67. Lebensjahr laufen. Gesundheitliche Beeinträchtigungen werden ja mit zunehmendem Alter wahrscheinlicher.
Und wenn Sie beruflich für einige Zeit ins Ausland gehen, gibt es Versicherungsgesellschaften, die Berufsunfähigkeitsschutz nur für wenige Länder Europas anbieten, andere wiederum sichern weltweiten Versicherungsschutz zu. Sie sind also nur dann abgesichert, wenn in Ihren Versicherungsbedingungen »weltweiter Versicherungsschutz« gegeben ist. Achten Sie darauf!
Wenn Sie eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen möchten, sollten Sie sich vorher unbedingt qualifiziert beraten lassen. Bei den Angeboten, die auf dem Markt sind, gibt es große Unterschiede in den Bedingungen. Darüber hinaus muss im Beratungsgespräch abgeklärt werden, ob Vorerkrankungen bestehen, die eventuell den Abschluss einer BU-Versicherung verhindern. Wählen Sie auch eine Versicherungsgesellschaft, die bereits langjährige Erfahrung mit dem Risiko der Berufsunfähigkeit hat. Und schauen Sie nicht allein auf die Höhe des Beitrags. Gerade bei dieser existenziellen Absicherung kann billig sehr teuer werden!
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Nachgefragt:
Keine BU-Versicherung bei Psychotherapie?
Mein Antrag auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung wurde abgelehnt, weil ich seit meiner Scheidung vor einem Jahr eine Gesprächstherapie mache. Ist das ein Grund, jemandem eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu verweigern? Mir ist dies völlig unverständlich, schließlich ist Psychotherapie eine anerkannte und bewährte Möglichkeit zur Krisenbewältigung und Selbstfindung.
Ihre Frage beleuchtet eine gängige Praxis, die meiner Meinung nach dringend geändert werden sollte. Es ist zwar verständlich, dass sich Versicherungsgesellschaften vor hohen Risiken schützen wollen – immerhin sind circa 30 % aller Berufsunfähigkeitsfälle durch psychische Erkrankungen bedingt. Nicht verständlich ist aber, dass pauschal und undifferenziert alle Versicherungsanträge abgelehnt werden, wenn sich jemand in einer laufenden Psychotherapie befindet, die keinen medizinischen Hintergrund hat. Sie haben derzeit leider nur eine Chance, dass Ihr Antrag auf Berufsunfähigkeitsversicherung angenommen wird: bei einigen wenigen Versicherungsgesellschaften, wenn der Abschluss Ihrer Therapie mindestens zwei Jahre zurückliegt.

Wie steht’s mit dem Datenschutz?

Viele von Ihnen fragen, wie es denn bei Versicherungen um den Datenschutz bestellt ist. Denn wie kann eine Versicherungsgesellschaft wissen, dass eine Vorerkrankung besteht oder bei Abschluss eine Psychotherapie durchgeführt wird, wenn Sie dies im Antrag nicht angeben?
Aber um den Datenschutz geht es hier nicht. Natürlich fallen Ihre Angaben darunter. Es geht vielmehr um den gesamten Versicherungsschutz, wenn Sie nicht wahrheitsgemäß antworten. Verschweigen Sie nämlich beim Abschluss eine Vorerkrankung und werden später aufgrund dieser Krankheit berufsunfähig, darf die Versicherung die Rentenzahlung verweigern. Sie sollten die Gesundheitsfragen also auf jeden Fall nach bestem Wissen und Gewissen beantworten.
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Nachgefragt:
LV gekündigt, BU weg
Immer wieder habe ich gehört und gelesen, dass eine Lebensversicherung unrentabel ist. Daraufhin habe ich meine gekündigt. Allerdings habe ich dabei nicht berücksichtigt, dass damit eine Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung verbunden war. Nun wollte ich so eine BU-Versicherung separat abschließen und höre, dass dies nicht möglich ist, weil ich inzwischen einen Bandscheibenvorfall habe. Was soll ich jetzt tun?
Ich wundere mich schon länger darüber, wie leichtfertig in einigen Medien zur Kündigung von Lebensversicherungen geraten wird. Ich finde solche pauschalen Ratschläge unverantwortlich. Leider können Sie im Moment gar nichts tun. Durch die Kündigung Ihrer Lebensversicherung mit Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung haben Sie keinen Schutz mehr, falls Sie berufsunfähig werden, also wegen Krankheit oder Unfall nicht mehr arbeiten können. Je nach Art der Diagnose müssen Sie bei einem Neuantrag mit einem Leistungsausschluss oder einem Risikozuschlag rechnen.

Dread-Disease-Versicherung statt BU

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung garantiert eine monatliche Rente, wenn Sie krankheits- oder unfallbedingt Ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Eine Dread-Disease-Versicherung (Dread Disease bedeutet so viel wie »schwere Krankheit«) zahlt dagegen eine einmalige Summe, zum Beispiel bei Krebs, Nierenversagen oder multipler Sklerose, bei einem schweren Herzinfarkt oder einem Schlaganfall. Einige Anbieter zahlen außerdem bei anderen Erkrankungen, die genau definiert sind.
Ein weiterer Unterschied: Eine BU-Versicherung läuft immer bis zum vereinbarten Vertragsende, zum Beispiel bis zum 67. Lebensjahr, auch wenn Sie während dieser Zeit berufsunfähig werden sollten und eine BU-Rente beziehen. Bei einer Dread-Disease-Versicherung dagegen endet der Vertrag, wenn die Versicherungssumme ausgezahlt wird. Sie müssten sich dann anschließend neu versichern, was nach einer schweren Erkrankung allerdings schwierig wird.
Besonders interessant ist die Dread-Disease-Versicherung beispielsweise für Selbstständige, die mit und nach einer schweren Erkrankung nicht automatisch auch berufsunfähig sind.

Grundfähigkeitsversicherung statt BU

Bestimmte Berufsgruppen haben Schwierigkeiten, überhaupt eine Absicherung zu erhalten.
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Nachgefragt:
Keine Absicherung für Schauspieler?
Ich bin Schauspielerin und bekomme keine Berufsunfähigkeitsversicherung. Das Risiko ist der Versicherungsgesellschaft zu hoch. Kann ich mich denn nun gar nicht absichern?
Die Gesellschaften verwehren oft bestimmten Berufsgruppen den Zugang zur Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie als Schauspielerin gehören dazu, weil bereits eine geringe körperliche Beeinträchtigung oder der Verlust der Kreativität zu einer Berufsunfähigkeit führen kann.
Eine Alternative bietet die Grundfähigkeitsversicherung: Beim Verlust bestimmter Fähigkeiten wie Sehen, Hören, Sprechen, Gehen, Stehen, Autofahren usw. zahlt sie eine monatliche Rente. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie Ihre Fähigkeiten durch Körperverletzung, Kräfteverfall oder Erkrankung verlieren. Die Voraussetzung für eine Rente aus dieser Versicherung liegt deshalb auch vor, wenn die Pflegestufen II oder III zuerkannt sind. Ob diese Risikoabsicherung, die in Deutschland längst nicht so verbreitet ist wie in angelsächsischen Ländern, für Sie geeignet ist, ergibt ein Gespräch mit einer unabhängigen Finanzberaterin, einem Finanzberater.
Ein Vorteil der Grundfähigkeitsversicherung ist, dass sie auch dann zahlt, wenn der Beruf noch ausgeübt werden kann. Die Gesundheitsprüfung ist einfacher, der aktuell ausgeübte Beruf spielt für die Aufnahme keine Rolle.
 
Welche Art der Absicherung für Sie persönlich geeignet ist, muss unbedingt eine qualifizierte persönliche Beratung ergeben.

Schulunfähigkeitsversicherung

Ab dem sechsten Lebensjahr ist für Kinder eine Schulunfähigkeitsversicherung sehr zu empfehlen. Sie zahlt eine monatliche Rente, wenn das Kind durch Unfall oder Krankheit für längere Zeit nicht am Unterricht teilnehmen kann oder sogar lebenslang erwerbsgemindert ist. Bei guten Anbietern wird die Schulunfähigkeitsversicherung später ohne erneute Gesundheitsprüfung in eine Berufsunfähigkeitsversicherung umgewandelt.

Unfallversicherung

Fast alle haben eine. Aber sie ersetzt nicht die Berufsunfähigkeitsversicherung, denn die zahlt ja bei Unfall und Krankheit. Wichtig für Sie zu wissen: Nicht einmal 10 % der Berufsunfähigkeitsfälle sind auf Unfälle zurückzuführen.
Eine Unfallversicherung ist dann sinnvoll, wenn aus bestimmten Gründen keine Berufsunfähigkeits-, Dread-Disease- oder Grundfähigkeitsversicherung möglich ist, zum Beispiel mit einer schweren Vorerkrankung. Die einzige Möglichkeit der Absicherung ist sie auch, wenn Sie ein gefährlicheres Hobby haben – wie Tauchen etwa.
Ein absolutes Muss ist eine Unfallversicherung für Kinder. Denn die gesetzliche Unfallversicherung deckt nur den Weg zum Kindergarten, zur Schule oder zur Universität ab. Alles, was Ihrem Kind in der Freizeit passiert, muss privat abgesichert werden. Und Kinder sind in besonderem Maß unfallgefährdet, weil sie oft unbedacht handeln und Risiken noch nicht einschätzen können. Ein Unfall im Kindesalter kann unter Umständen gravierende und lebenslange Folgen haben.