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Estelle Surbranche

So kam die Nacht

Aus dem Französischen
von Cornelia Wend

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Originaltitel: Ainsi vint la nuit
© LaTengo, Editions
Published by Arrangement with Agence litteraire Astier-Pécher
ALL RIGHTS RESERVED

Deutsche Erstausgabe, 1. Auflage 2017
Aus dem Französischen von Cornelia Wend
©2017 Polar Verlag GmbH Hamburg

Inhalt

Bilbao, Spanien, 10. September 2003, 3.02 Uhr morgens

10. September 2003 in Anglet, Frankreich, 6.30 Uhr morgens

Guéthary, 15. Oktober 2003, 1.12 Uhr morgens

Paris, 20. September 2003

Biarritz, Oktober 2003

Biarritz, 18. Oktober 2003, früh morgens

Paris, Herbst/Winter 2003

Biarritz, 19. Oktober 2003

Biarritz, 19. Oktober 2003

Paris, 28. November 2003

Biarritz, 20. Oktober 2003

Biarritz, 15. Dezember 2003

Biarritz, 19. Dezember 2003

Paris, 21. Dezember 2003

Montmorency, 22. Dezember 2003

Paris, 22. Dezember 2003, 23.05 Uhr

Biarritz, 19. Dezember 2003

Montmorency, 23. Dezember 2003, 11.47 Uhr

Paris, 23. Dezember 2003, nachts

Paris, 24. Dezember 2003, nachts

Paris, 16. Arrondissement, 24. Dezember 2003

Biarritz, 24. Dezember 2003

Montmorency, 25. Dezember 2003

Biarritz, 26. Dezember 2003, früh morgens

Biarritz, 27. Dezember 2003

Paris, 26. Dezember 2003

Ibarritz, 15. Januar 2004

Paris, 30. Dezember 2003

Lyon, 14. Februar 2003, 9 Uhr morgens

Sipan, an der kroatischen Küste, Oktober 2004

»Svayambh, das bedeutet, etwas ist aus sich selbst geboren. Die eine Sache, auf die ich immer wieder zurückkomme, ist etwas Redundantes, Gewöhnliches, Konstantes; es ist die Idee, dass es keinen erkennbaren Autor gibt. Die Idee, dass das Objekt, wie ich schon sagte, aus sich selbst geboren ist, sich selbst erzeugt hat, also in gewisser Weise einen mythologischen Ursprung besitzt. Das ist der eine Punkt. Darüber hinaus muss man sich im Klaren darüber sein, dass dieses Objekt reich an fremden Geschichten, fremden Vergangenheiten ist. Diese unterschiedlichen Vergangenheiten haben zum größten Teil etwas Magisches – ein Objekt, das sich selbst erschaffen hat, ist etwas Magisches.

Es hat etwas Verschlingendes.«

Anish Kapoor im Gespräch mit Gilles A. Tiberghien

»Das sieht übel aus. Wir müssen einen Arzt rufen!«, sagte sie außer Atem, die Hände blutbeschmiert.

»Hier gibt es kein Telefon, Mama.«

»Aber wenn ihr niemand hilft, dann überlebt sie das nicht!«

»Ja, aber wir könnten ihr Wasser behalten«, erwiderte das schlaksige junge Mädchen, ohne zu zögern.

Die Bemerkung war nicht ganz abwegig, denn der einzige Trinkwasserbrunnen der Stadt befand sich hier in der Ulica Zmaja od Bosne Straße. Wer sie betrat, lief jedoch Gefahr ins Visier der Heckenschützen zu geraten, die sich in den umliegenden hohen Gebäuden verschanzt hatten. Ihnen machte es offenbar großen Spaß, auf der verlassenen Straße nach menschlichen Zielscheiben zu suchen und sie wie Hasen um ihr Leben rennen zu lassen.

Inzwischen hatte sich der dunkelrote Fleck auf dem Oberkörper der Frau über ihr gesamtes Kleid ausgebreitet. Der blutgetränkte, geblümte Stoff klebte auf eine obszön wirkende Art in ihrem Schritt und über ihrem hochschwangeren Bauch.

»Potrebna mi je tvoje pomoc, so helfen Sie mir doch«, röchelte die Verletzte mit vor Schmerz geweiteten Augen.

Als Jelena sah, wie sie sich quälte, presste sie ihre Hand noch fester auf die Wunde und versuchte vergeblich, die Blutung zu stoppen. Die Kugel hatte die rechte Brust der Frau zerfetzt und war nicht wieder ausgetreten. Durch die Schockwelle war sicher auch das angrenzende Gewebe zerstört worden, der Blutkreislauf würde zusammenbrechen. Tränen liefen über Jelenas staubverschmiertes Gesicht. Sie war geduckt über den Boden gekrochen, um die Verletzte hierher in »Sicherheit« zu bringen, hinter diesen Verteilerkasten. Jetzt konnten sie nur noch eines tun: sich so eng wie möglich an diese behelfsmäßige Deckung drücken, in der Hoffnung, mit dem Metall zu verschmelzen.

»Mama, du weißt, dass sie hinüber ist. Wir können nichts mehr für sie tun. Du weißt, dass ich recht habe.«

Jelena wusste nicht, was sie antworten sollte. Ihr Blick war wie gebannt auf ein Graffiti gerichtet, das auf eine der zerschossenen Mauern des Gebäudes gesprüht war, vor dem sie nun in der Falle saßen: »Pazi – Snajper! Achtung, Heckenschützen!« Danke, ist uns auch schon aufgefallen.

Das Mädchen sog mehrere tiefe Atemzüge der bleigrauen Luft ein, die allen Lichts beraubt schien. Dann sprang sie auf einmal auf und lief im Zickzackkurs zu den Plastikkanistern, die die Frau fallen gelassen hatte, als die Kugel sie traf. Die Mutter unterdrückte einen Schrei und blickte ihr voller Entsetzen nach. Man durfte vor allem keine Aufmerksamkeit erregen. Vor Schreck erstarrt beobachtete sie, wie ihre Tochter ungeschickt nach den kostbaren Behältern griff und sie unter großer Mühe bis zu ihrem Versteck schleifte. Die Teenagerin stellte sie in der Blutlache ab, die sich unter der Verletzten gebildet hatte. Ihr Gesicht, mit unschönen Akne-Pickeln übersät, war vor Angst kreidebleich. Fünf Minuten vergingen, zehn Minuten. Allein der Wind schien noch das Recht zu haben, durch die Sniper Alley zu wehen – die Straße des Unglücks, die das Gewerbegebiet mit der Altstadt von Sarajewo verband –, ohne dabei draufzugehen. Es herrschte Totenstille. Dabei wussten sie, dass sich noch ein Dutzend andere irgendwo in dieser Straße versteckt hielten und den richtigen Moment abwarteten, um es bis nach Hause zu schaffen. Den Moment, in dem man sich aus Mut oder schlicht aus Überdruss auf das Russisch-Roulette-Spiel mit einem Unbekannten einließ, der sich entweder dreihundert Meter entfernt verborgen hielt oder aber weiter weg in den Hügeln versteckte, die die Stadt umgaben. In einer Sicherheitszone. Sicherheit, ein Wort, das nicht mehr viel bedeutete. Das Mädchen kroch weiter und presste sich an seine Mutter, die jetzt mit leiser Stimme der immer fahler werdenden Verletzten etwas ins Ohr flüsterte und ihr dabei über den Arm strich.

»Mama, wir haben das Wasser. Wir müssen los. Sie ist hinüber. Du weißt es. Und sie weiß es auch. Die bekommen doch eine Prämie, sie bekommen das Doppelte, wenn sie eine Schwangere abschießen. Kann sein, dass der Schütze sich gerade seine Prämie abholt, was weiß ich. Wir müssen jedenfalls die Gelegenheit nutzen und abhauen, solange er noch abgelenkt ist. Lass uns jetzt verschwinden. Ich flehe dich an!«

Sie klapperte vor Angst mit den Zähnen, konnte es nicht kontrollieren. Jelena sah ihre Tochter entsetzt an. Sie wusste, dass sie recht hatte.

»Ich kann dich nicht zwingen hierzubleiben, mein Schatz. Du hast mir gezeigt, dass du inzwischen gut auf dich selber aufpassen kannst. Das macht mich sehr stolz«, sagte sie mit unendlicher Zärtlichkeit. »Du bist so mutig.«

Sie löste ihre blutverschmierte Hand von dem totgeweihten Körper der Frau und strich dem Mädchen zärtlich über die Wange.

»Aber was soll aus uns werden, wenn wir eine schwangere Frau allein auf dem dreckigen Asphalt sterben lassen, Nathalie?«

Bilbao, Spanien, 10. September 2003, 3.02 Uhr morgens

Juan bekam keine Luft. Sein Mund war voller Blut. Man hatte ihn so heftig verprügelt, dass es sich anfühlte, als seien seine Gedärme in zwei Teile gerissen worden. Oder vielmehr in fünfzehn. Wenn man gefesselt ist und zwei hünenhafte Muskelprotze einen wie zwei Lastwagen überrollen, dann ist das Schlimmste der Frust. Natürlich hatte man Schiss draufzugehen, aber hinzu kam der Frust, sich nicht wehren zu können. Denn Juan war normalerweise jemand, der sich nichts gefallen ließ. Wenn seine beiden Folterknechte zwischen zwei Ohrfeigen eine kurze Pause einlegten, malte er sich aus, auf welche Art und Weise er sie quälen würde, wenn er sie erst mal in die Finger bekäme. Auch wenn ihm klar war, dass seine Chancen in dieser Hinsicht gegen null gingen. Wie lange war er nun schon in dieser Lagerhalle? Er hatte jedes Zeitgefühl verloren. Vielleicht fünf Stunden.

Man wolle nur eine kleine, geschäftliche Angelegenheit mit ihm besprechen, hatte man ihm am Telefon gesagt. Da war er natürlich misstrauisch geworden.

Sein Bauchgefühl hatte ihm gesagt, dass er am besten sofort ans andere Ende der Welt verschwinden sollte. Aber aus Erfahrung wusste er, dass man ihnen nicht entkommen konnte. Sie hätten ihn früher oder später eh gefunden. Leider.

Er hatte zu viele familiäre Bindungen. Man müsse »das Missverständnis« jetzt klären. Jetzt. Er war also in der Bar aufgekreuzt. Sie hatten ihn direkt am Eingang abgefangen und ihn aufgefordert, sie an einen »ruhigeren Ort« zu begleiten. Ruhig, ja! Dieses Lagergebäude im Hafen von Bilbao war so ruhig, ruhiger ging es gar nicht: Abgesehen vom Krachen seiner Knochen, seinem Stöhnen und ihren Fragen, war kein Laut zu hören.

Ein Geräusch an der Tür. Seine Peiniger hatten ihm die Nase gebrochen. Und ein Auge zu Brei geschlagen. Mit dem anderen, das noch intakt war, machte er eine Frau aus. Soweit er es erkennen konnte, war sie eher zierlich, hatte kastanienbraune Haare, die sie nachlässig zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hatte. Ein Durchschnittsgesicht. Er wartete darauf, dass sich ihre Blicke kreuzten, um aus ihren Augen etwas herauslesen zu können. Aber sie hielt sie beharrlich gesenkt und mied seinen Blick, presste die Lippen aufeinander. Ihr Mund war nur ein schmaler Strich. Sie redete lange vertraulich mit den beiden Gorillas. Schließlich wandte sie sich ihm zu und beugte sich zu ihm herunter. Ihre Stimme klang sanft, aber entschlossen.

»Juan, du kennst mich nicht.«

Sie sprach Englisch, aber mit einem osteuropäischen Akzent. Vielleicht Russisch oder doch eher Serbokroatisch, wie die beiden Schlächter, die ihn einkassiert hatten.

»Wir sind uns vermutlich nie begegnet. Aber ich weiß viel, sehr viel über dich. Du weißt, dass du eine große Dummheit gemacht hast, Juan. Also versuchen wir beide, das Problem zu lösen. Kannst du mir folgen?«

Nein. Aber sein Gefühl sagte ihm, dass es besser war, ihr nicht zu widersprechen.

»Ich gebe dir etwas Wasser und dann unterhalten wir uns.«

Sie machte einem der Gorillas ein Zeichen, er brachte eine Wasserflasche mit einem Strohhalm. Sie schob ihm den Strohhalm in den Mund. Es gelang ihm, ein paar kleine Schlucke zu trinken. Das tat unglaublich gut, auch wenn es im Hals brannte.

Die Frau nahm sich einen Stuhl, setzte sich und betrachtete ihn eine Weile mit einem freundlichen Lächeln. Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor. Wie sie so dasaß, zusammengesunken, die Hände hinter sich aufgestützt, konnte man fast meinen, sie wäre genauso mitgenommen wie er.

»Geht es nun besser? Also gut, und jetzt erklär mir das alles mal.«

Wegen seiner geschwollenen Lippen hatte er Mühe, zu artikulieren.

»Lass dir Zeit. Ich möchte das Ganze nur noch einmal von dir hören, um genau zu wissen, wie sich das abgespielt hat. Keine Sorge.«

Seltsam. Ob er wollte oder nicht, er fand sie sympathisch. Sie wirkte nicht besonders selbstsicher, dabei hatte sie ihn doch in der Hand. Sie hatte den Blick erneut abgewandt, als wagte sie es nicht mehr, ihm in die Augen zu sehen.

»Wie ich den anderen bereits gesagt habe. Ich bereitete auf dem Boot gerade die Überführung der Ladung nach Spanien vor. Wir hatten irgendwo im Nichts unseren Anker geworfen. Alles lief nach Plan, wie immer. Es war noch nicht mal stürmisch in dieser Nacht. Um uns herum war es pechschwarz, perfekt für unser Vorhaben. Pedro war mit mir auf dem Boot. Wir wussten selbst nicht, wie uns geschah. Mit einem Schlag wurde es taghell. Da waren ein Hubschrauber und andere Boote. Ich denke, das war die Guardia Civil. Aber beschwören kann ich es nicht. Wir haben die Päckchen kurzerhand ins Meer geworfen. So wie man es uns immer gesagt hat. Und als die Bullen dann an Bord gekommen sind, haben sie nichts gefunden. Tja, mehr weiß ich auch nicht. Genau so ist es gewesen«, wiederholte er inzwischen zum zehnten Mal.

Eine unerträgliche Stille machte sich breit.

»Das ging alles so schnell! Ich schwör es, das ist die Wahrheit.«

»Ich verstehe. Ihr habt euer Bestes gegeben. Und du erinnerst dich nicht mehr an eure genaue Position?«

Juan hätte gerne noch etwas Wasser gehabt, aber er wagte nicht, darum zu bitten. Sie hob den Blick. Sah ihn voller Mitgefühl an. Er befeuchtete seine trockenen Lippen.

»Möchtest du noch etwas Wasser?«

»Da…danke.«

Sie gab ihm etwas zu trinken und stützte dabei seinen geschundenen Kopf. Allein wegen dieser freundlichen Geste hätte er gerne geweint. Nachdem er so viele Schläge eingesteckt hatte, erschien ihm ihr Mitgefühl, so flüchtig es auch sein mochte, beinahe wie eine andere Form der Folter.

»Wie gesagt, wir waren irgendwo im Nichts … Ich habe alles, was ich zur Lage sagen kann, bereits Ihren … Ihren beiden Kollegen mitgeteilt. Ich weiß nicht, bis wohin die Päckchen getrieben sein könnten. Ich glaube nicht, dass sie plötzlich untergegangen sind. Sie sind abgetrieben, aber wohin? Das lässt sich nicht berechnen. Aber sie tauchen bestimmt wieder auf, Sie werden sehen!«

Die Frau nickte zustimmend. Er war jetzt nur wenige Zentimeter von ihrem Gesicht entfernt, dabei fiel ihm auf, dass sie ein Glasauge hatte. Man konnte ihr daher nicht wirklich in die Augen sehen. Ihr anderes Auge schien ihm ein wenig feucht zu sein. Hatte sie Mitleid mit ihm?

»Du weißt, was mit Pedro passiert ist, Juan?«

»Nein, die Guardia Civil hat uns gemeinsam verhaftet, aber wir wurden dann sofort voneinander getrennt. Das machen die Bullen immer so … Sie hatten nichts gegen mich in der Hand, da wir alles ins Wasser geworfen haben. Sie mussten mich wieder laufen lassen. Und Pedro, ich weiß nicht, was mit ihm passiert ist … Ich glaube, sie haben ihn dabehalten. Ich habe sofort die Notfallnummer angerufen.«

Der Blick der Frau wurde immer starrer, als wollte sie den Raum so verengen, dass nur noch Platz für sie beide darin war.

»Und um wie viel Uhr kam die Guardia?«

»Ich weiß nicht, vielleicht 3 Uhr morgens …«

»Und die Guardia hat dich einfach so laufen lassen?«

»Sie hatten nichts gegen uns in der Hand, das sagte ich doch schon … wir haben alles ins Meer geworfen …«

»Warum haben sie dann Pedro dabehalten und dich nicht, Juan? Hast du da darüber mal nachgedacht?«

»Ich … ich weiß nicht …«

»Warum haben sie Pedro dabehalten, Juan?«

Wie gesagt, ich weiß es nicht.

»Warum haben sie dich laufen lassen, Juan?«

Das Trommelfeuer ihrer Fragen, die sie in stets gleichem Tonfall stellte, zermürbte ihn. Dabei hatte er eigentlich starke Nerven. Hätte er sich mit Verhörmethoden ein wenig ausgekannt, dann hätte er gewusst, dass es sich dabei um den von den Scientologen sogenannten »Ton + 40« handelte, bei dem der Sprecher in einer F-Tonlage beginnt und sich zu einer C-Tonlage steigert, eine gefürchtete Technik, mit der man Personen dazu bringt, sich zu offenbaren.

Er konnte nicht anders, er fing an zu weinen. Die Frau schwieg und rang die Hände. Ihre Bewegungen waren langsam, als wäre auch sie gefesselt.

»Juan, du willst doch nicht sterben.«

Er hoffte, sie würde ihm einen Deal anbieten, mit dem er aus der Sache rauskäme. Aber bei dem, was sie dann sagte, gefror ihm das Blut in den Adern.

»Du willst doch erst recht nicht, dass deiner Mutter etwas zustößt, oder? Aber genau das wäre um ein Haar passiert. Dreihundert Kilo Ware zu verlieren. Unser Chef war wirklich sehr, sehr wütend. Er musste sich irgendwie abreagieren. Also habe ich deine Mama in ihrer Wohnung in Salamanca abgeholt. Scheint ein hübsches Städtchen zu sein, dieses Salamanca. Schade, ich hätte es mir gerne angesehen, aber ich hatte keine Zeit. Weißt du, was wir mit deiner Mutter gemacht haben, Juan?«

Ihre Andeutung erschütterte ihn bis ins Mark. Scheiße nochmal, seine Mutter hatte mit dieser ganzen Sache nichts zu tun. Warum zog man sie da mit rein? Und woher kannten sie überhaupt seine Familie? Er hatte bei seinem Job immer darauf geachtet, bloß nichts über sie zu erzählen. Er wusste, dass man sich durch familiäre Bindungen angreifbar machte. Nicht mal Pedro kannte seinen Nachnamen. Dabei hatten sie sicher an die tausend Mal gemeinsam ihr Leben riskiert, beim Transport der Ware in der tiefschwarzen Nacht. Der Globus war ihr Spielplatz. In ihren 800-1000 PS starken Schnellbooten steuerten sie mit Vollgas die Frachter an, die vor einsamen Stränden in Westafrika, in Gambia, im Senegal und in Mauretanien oder aber an den südlichen Ufern des Mittelmeers, in Marokko, Algerien oder Libyen ankerten, und holten den Stoff ab. Sie jetteten sogar an der spanischen Ostküste entlang, den Balearen, aber auch an Perpignan vorbei und an der Küste des Var. Es war ein gefährlicher Beruf. Man durfte sich auf keinen Fall schnappen lassen. Aber jeder Seemann, der Drogen transportierte, kannte die Risiken und war bereit, sie in Kauf zu nehmen. Denn es war nun einmal das lukrativste Geschäft der Welt.

Trotz ihrer Bemühungen hatte die europäische Polizei nach wie vor große Schwierigkeiten, ihnen das Handwerk zu legen. Seit 2002 arbeitete die Polizei von sieben Ländern informell zusammen. Ihr Ziel war es, mit vereinten Kräften die Kontrolle über die Atlantikküste zurückzugewinnen. Ein neues Zentrum zur Koordination des Anti-Drogen-Kampfs im Mittelmeerraum war im Gespräch, es sollte in Toulon angesiedelt werden. Aber alle wussten, dass es ein aussichtsloses Unterfangen war, angesichts der unbegrenzten Mittel, die den Drogenhändlern zur Verfügung standen. Ein Beispiel? Einmal war Juan an Bord eines U-Bootes gegangen, dass ein »Boss« der russischen Armee abgekauft und bis oben hin mit Drogen vollgestopft hatte.

Nein, er hatte seinen Kameraden nie irgendetwas über seine Herkunft erzählt. Er hatte kein einziges Mal auch nur das kleinste Geheimnis ausgeplaudert, hatte sich nie schnappen lassen oder irgendeine Dummheit begangen. Und trotzdem machten diese verdammten Jugos ihm jetzt das Leben zur Hölle. Verflucht nochmal! Ihn überkam eine maßlose Wut. Scheiße, woher sollte er denn wissen, warum die Bullen Pedro dabehalten hatten?

»Du Schlampe, was hast du meiner Mutter angetan? Ich haue dir die Fresse zu Brei, wenn du sie angerührt hast, du dämliche Ziege!« schrie er auf Spanisch. Bei dem Versuch aufzustehen spuckte er einen Schwall Blut aus.

Er kochte vor Wut. Das Letzte, was er sah, war die Hand der Frau. Blitzschnell war sie aufgesprungen, um mit ihrem ausgestreckten Mittelfinger sein bis dahin noch intaktes Auge zu durchbohren.

Nathalie wischte sich die Hände mit Klopapier ab. Juan lag am Boden in einer Blutlache. Nach dem Angriff auf sein Auge hatte sie ihm noch einen Schraubenzieher ins Ohr gerammt. Warum? Die beiden Gorillas, Milos und Oliver, so waren ihre Vornamen, dachten nicht weiter darüber nach. Nathalies Wutausbrüche waren in der Organisation berüchtigt. Niemand wunderte sich mehr darüber. Sie sprach Serbokroatisch mit ihnen.

»Wisst ihr, Jungs, manchmal denke ich, das Problem besteht einzig und allein darin, dass unser Leben nicht von Beginn an durchgeplant ist. Wenn jeder mit einem bestimmten Ziel auf die Welt käme, das er von Anfang an kennt, wäre alles viel einfacher. Man würde es zum Maßstab des Erfolgs machen: Hat er es geschafft, das bei seiner Geburt festgelegte Ziel zu erreichen oder nicht? Trotz unserer Entscheidungsfreiheit stehen uns letztendlich auch nur zwei Möglichkeiten zur Auswahl: Entweder wir jagen ein Leben lang dem großen Profit hinterher oder dem großen Glück. Das sind nur zwei Seiten einer Medaille. Wir sind zum Scheitern verurteilt, weil es beides nie in ausreichender Menge gibt. Dann drehen wir durch, sind frustriert, wütend.«

Nathalie warf das schmutzige Klopapier zu Boden und presste die Lippen aufeinander. Die Muskelpakete starrten sie an, schwiegen, und fragten sich, was ihre philosophischen Ausführungen mit dem Typen zu tun hatten, der blutüberströmt auf dem Betonboden lag. Nathalies Stimme wurde weicher:

»All das wisst ihr natürlich selber. Juan wusste es sicherlich auch, das hat ihn jedoch nicht daran gehindert, uns zu bestehlen. Oder vielleicht auch nicht … Aber in dieser Organisation darf man sich kein Versagen erlauben. Das akzeptiert der Chef nicht. Er beschäftigt nur die Besten. Er bezahlt sie sehr gut. Könnt ihr mir folgen? Wir müssen wenigstens einen Teil des Stoffs zurückbekommen, der wegen dieser Idioten von Spaniern verschwunden ist. Es kann nicht alles untergegangen sein. Wir wissen, dass ein Teil an die Küste getrieben wurde. Die Bullen haben vermutlich nur einen Bruchteil eingesammelt. Der Rest ist irgendwo da draußen bei irgendeinem Arsch, der glaubt, er könne auf unsere Kosten Profit machen. Ihr müsst diesen Mistkerl Pedro finden, der uns verpfiffen hat. Ihr habt ja gesagt, dass jemand versucht hat, euch zu folgen, als ihr euch Juan geschnappt habt. Und wenn ihr dabei Schädel einschlagen und Knochen brechen müsst oder jemanden lebendig begrabt … Weder er noch seine Familie können sich zehn Jahre lang verstecken. Ihr findet ihn und statuiert ein genauso schönes Exempel wie bei dem hier. Und zwar bitte mit Foto, das geht an den Chef. Damit ein für alle Mal klar ist: Niemand beklaut einen serbischen Skorpion und das muss die ganze Welt kapieren. Brzo! Schnell!«

10. September 2003 in Anglet, Frankreich, 6.30 Uhr morgens

Wenn die Welle sich um einen schließt, einen scheinbar gefangen nimmt, dann hilft nur gleiten, um das Licht am Ende des Tunnels nicht aus den Augen zu verlieren. Das war der Moment, den er am meisten liebte. Die Leute konnten stundenlang darüber faseln, wie sich das anfühlte: Als liefe man übers Wasser, als würde man eins werden mit dem Meer und so weiter. Aber am allermeisten liebte Matthieu am Surfen das Gefühl, dass jede Mauer überwindbar war. Früher oder später öffnete sich der Tunnel immer.

Er ging noch tiefer in die Hocke, versuchte eins zu werden mit seinem Brett, indem er die Zehen noch stärker hineindrückte, und ließ sich bis zu dem erlösenden Moment tragen. Das Brett zog eine kleine Furche durchs Meer, gefolgt von winzigen Wellen mit schaumigem Saum. Ein anderes unglaubliches und einzigartiges Gefühl war es, ein Teil dieses Ganzen zu sein: das Meer, der Himmel, das Brett, sein Atem, seine Muskeln. Die Füße ein klein wenig bewegen. Stehen bleiben, übers Wasser laufen … Verdammt, Mann, übers Wasser laufen! Der Traum, ein Übermensch zu sein. Er dachte an all diese Diktatoren: Wäre Pol Pot lockerer gewesen, wenn er gesurft hätte? Diese Frage war so dämlich, dass er grinsen musste. Wie konnte er nur an so etwas Bescheuertes denken in diesem perfekten Moment?

Es war früh, 7 Uhr höchstens. Am frühen Morgen waren die Wellen am besten, wenn sie noch all das Zeug aus den Ozeanen mitschleppten. Auf der anderen Seite, in sechstausend Kilometer Entfernung, war die amerikanische Küste. New York. Diese verdammten Wellen waren auf jeden Fall weiter gereist als er. Er zögerte, ob er noch länger im Wasser bleiben sollte. Jetzt surfte er schon eine Stunde und der Atlantik war im September alles andere als ein wohltemperierter Whirlpool. Er zitterte unter seinem Neoprenanzug, schüttelte sich und beschloss, dass er genug hatte.

Als er sich bäuchlings auf dem Surfbrett zum Strand treiben ließ, hörte er hinter sich lautes Rufen.

»Matthieu Manjeois, du bist echt ein Pariser Weichei! Wir hatten schon viel schlechteres Wetter als heute, wir haben das Meer für uns allein und nach einer knappen Stunde haust du schon ab.«

Der, der ihn da gerade beleidigte, war kein anderer als sein bester Freund Romain Le Roux.

»Glaubst du vielleicht, du bekommst solche Wellen am Paris Plage geboten?«

Da sein Freund nicht reagierte, drehte Romain sein Brett um und ruderte mit aller Kraft zum Break. Matthieu waren die super Surfbedingungen jetzt egal, er wollte sich einfach nur an den Strand setzen und das fantastische Setting genießen. Er hatte seine Dosis gehabt. Ihre Ferien hatten sich zu einem echten Härtetest entwickelt: Jeden Morgen um 5 Uhr aufstehen und um 6 Uhr surfen. Bevor die Massen kamen, wie Romain meinte. Darauf entgegnete Matthieu: »Die Massen, das sind in diesem Fall wir. Die Touristen, die den Einheimischen auf die Nerven gehen.« Er wäre gerne abends öfter mal in eine Bar gegangen, um einen zu trinken, und um ein paar Mädels anzubaggern, aber wegen der Surf-Obsession seines Kumpels konnten sie nicht die halbe Nacht durch die Kneipen ziehen. Bei der Armee dürfte es im Vergleich zu einem Urlaub mit Romain direkt gemütlich zugehen. Trotzdem bereute er keine Sekunde, dass er diesen Sommer gearbeitet hatte, um sich diese Woche in Biarritz zu leisten. Die Wellen waren perfekt. Er hatte einen Riesenspaß.

Als er aus dem Wasser kam, wickelte er seinen zitternden Körper in sein Badetuch und kostete den Moment voll aus: der fast leer daliegende Miramar-Strand, sein bester Kumpel, der am Horizont surfte, die Ruhe, die Sonne, die gerade herauskam, seine Zehen, die sich leicht in den Sand bohrten … Die Aussicht, zurück nach Paris zu fahren und sein Studium fortzusetzen, erschien ihm in diesem Moment wenig verlockend, ja, nervte ihn regelrecht. Aber so war das Leben, man musste nun einmal studieren, in der Hoffnung, später eine Arbeit zu finden, die nicht allzu ätzend war. Aber welche? Er hatte keinen blassen Schimmer, da er bisher für keinen Beruf ein besonderes Interesse entwickelt hatte. Schon als kleiner Junge wollte er nicht wie andere Feuerwehrmann oder Bulle werden, das schon gar nicht. Höchstens professioneller Surfer, nachdem er mit seinen Eltern in den drei obligatorischen Wochen Sommerferien an der baskischen Küste gewesen war. Aber er hatte diesen Plan schnell wieder aufgegeben. Die Vorstellung, dass er, der kleine Pariser, sich in einen Surf-Champion verwandeln könnte, war genauso absurd, wie der Wunsch eines Arbeitersohnes, Präsident zu werden. Es war zwar nicht unmöglich, einen solchen Traum in die Tat umzusetzen, aber das setzte einen starken Willen voraus und die Bereitschaft sich anzustrengen. Beides Fähigkeiten, die er nicht einmal annähernd in ausreichendem Maße besaß. Mangels Alternative schrieb er sich für Jura ein, ohne besonderes Ziel, damit hielt man sich alles offen. Seine Eltern, die ein Geschäft in der Pariser Banlieue hatten, waren hocherfreut. Sein Studium würde ihm zu einer ordentlichen Stellung verhelfen. Wie wäre es mit Anwalt für Unternehmensrecht? Warum denn nicht?

Er war so in seine Gedanken vertieft, dass er nicht bemerkte, wie Romain aus dem Wasser stieg und sich ihm näherte.

»Langsam sind mir hier zu viele Leute! Wollen wir nicht lieber woandershin? Vielleicht da drüben zu den Felsen?«, rief er ihm zu, während er mit seinem Brett unterm Arm auf ihn zusteuerte.

»Du bekommst nie genug, Romain. Du bist echt anstrengend. Komm, lass uns zurückgehen!«

»Verdammt, das ist unser letzter Tag. Wir fahren morgen, wenn ich dich daran erinnern darf! Sei kein Spielverderber, tu es für mich, du musst nicht mal surfen. Setz dich einfach in den Sand und bewundere meinen unglaublich tollen Stil, bewundere den Gott der Wellen«, scherzte er und nahm dabei eine Bodybuilder Pose ein. Um den letzten Widerstand seines Freundes zu brechen, fügte er hinzu: »Wenn du mitkommst, übernehme ich eine Woche lang den Wohnungsputz in unserem Palast!«

Ein sehr verlockendes Angebot. Matt und sein Freund teilten sich seit anderthalb Jahren eine Wohnung in Paris, und nachdem sie zu Hause ausgezogen waren, mussten sie feststellen, dass Putzen nicht gerade ihre Lieblingsbeschäftigung war.

»Abgemacht, ich komme mit«, sagte er lächelnd.

Er begleitete Romain bis zu den Felsen. Im Sand sitzend beobachtete er, wie er sich ins Wasser gleiten ließ. Der Freund paddelte sogleich los, um eine möglichst hohe Welle zu erwischen, die er, wenn sie sich brach, für sein Take off nutzen konnte.

»Scheiße!«

Der Idiot trieb geradewegs auf die Felsen zu. Er stand auf und wedelte mit den Armen, um ihn zu warnen. Romain hatte scheinbar gemerkt, dass er sich verschätzt hatte und versuchte, sein Brett nach rechts zu lenken. Nur so könnte er verhindern, dass es in Richtung der scharfkantigen Felsen gerissen wurde und dort unweigerlich zerschellte. Aber die Wucht des Meeres war zu stark. Schon im nächsten Moment wurde er von einem Strudel aus weißem Schaum verschluckt. Das Brett wurde gen Himmel geschleudert und wie ein Crêpe herumgedreht.

Matthieu rannte nach vorne bis zur Buhne und suchte das Meer mit immer größerer Panik ab.

»Scheiße, Scheiße … Wo ist er denn abgeblieben?«

Er sah unverwandt zu den Felsspitzen hinüber. Er malte sich schon aus, wie er seinen Freund dort finden würde, bewusstlos, verstümmelt, bis ans Ende seiner Tage gelähmt oder vielleicht sogar tot. Aber Romain war nicht dort. Er war nirgendwo.

Matthieu sprang von einem Felsblock zum nächsten rund um die Spitze der Buhne, suchte mit den Augen die bräunliche Gischt ab. Da sah er sie zwischen zwei Felsen. Zwei dicke rechteckige Päckchen aus schwarzem Plastik, die aneinanderklebten. Es stand nichts drauf. Neugierig beugte er sich herunter, um sie zu untersuchen. Dann fiel ihm wieder ein, dass sein Freund vermutlich gerade irgendwo verreckte. Panisch richtete er sich auf, rief um Hilfe, brüllte Romains Namen. Aber das Geräusch der Brandung verschluckte jeden Ton. Die Surfer am anderen Ende des Strandes hörten ihn nicht, und niemand wagte sich bis hierher. Wie gelähmt vor Angst, fragte er sich, was er tun sollte: Hier bleiben, um einem womöglich mit dem Tode kämpfenden Romain Erste Hilfe zu leisten oder zum Strand laufen, um einen Krankenwagen zu rufen.

Er musste sich entscheiden.

Jetzt.

Ich wusste, dass ich ein Versager war und war fest davon überzeugt, dass mir das gleiche Schicksal bevorstand wie zigtausend anderen. Wenn ich sah, welches unverschämte Glück manche hatten, im Fernsehen oder in den Hochglanzmagazinen, bekam ich die Krise. Warum stellte mich keiner vor eine große Herausforderung, durch die ich herausfinden konnte, was wirklich in mir steckte? Warum hatte ich keine besondere Gabe, durch die ich mich von den anderen abhob?

Vor Leidenschaft vergehen oder aus Leidenschaft draufgehen. Einmal wirklich das Gefühl haben, in der Gegenwart zu leben.

Aber leider war ich nur ein mittelmäßiger Jurastudent und brachte gerade mal genug Fleiß auf, um mit Ach und Krach zu bestehen. War das nicht die jämmerlichste Art zu sterben, ein Tod durch Ertrinken? Zu ertrinken, weil eine Welle stärker war als die vorherigen und mich in Richtung der Felsen geworfen hatte. Selbst für jemanden wie mich, der nicht das große Los gezogen hatte, war das zu erbärmlich. So idiotisch verhielt man sich also, wenn man im Begriff war abzunippeln? Man dachte über blödsinnige Banalitäten seines Lebens nach, während die Situation es doch erforderte, dass man alle seine Sinne in höchste Alarmbereitschaft versetzte?

Eben genau im Hier und Jetzt zu sein.

Leicht benommen wurde mir schließlich klar, dass ich mich mithilfe der an meinem Knöchel befestigten Leash zurückhangeln und auf das Brett legen könnte, das oben auf dem Wasser schwamm.

Als mein Kopf endlich wieder über Wasser war, schnappte ich nach Luft, sie brannte in meinen Lungen. Mein Brett war in zwei Teile zerbrochen und die Strömung trieb mich unweigerlich auf die Felsen zu.

Ich löste meine Leash, schwamm mit aller Kraft gegen die Strömung an und versuchte dabei, mich Richtung Ufer zu bewegen. Es war furchtbar anstrengend und so sehr ich auch kämpfte, die Strömung war einfach zu stark und riss mich mit. Meine Arme brannten, ich hatte keine Puste mehr. Weiterer Widerstand war zwecklos. Ich musste mich vom Meer mitnehmen lassen und versuchen, beim Aufprall auf diese verdammten Felsen möglichst wenig Schaden zu nehmen. Erschöpft kippte mein Körper nach vorne. Dann passierte das Wunder: Ich spürte, wie meine Zehen sich in den schlammigen Grund gruben. Ich kämpfte die ganze Zeit gegen die Wellen, dabei hatte ich Grund unter den Füßen! Ich musste mich nur noch bis ans Ufer schleppen. Ich lief immer geradeaus und in meinem erschöpften Zustand erschienen mir die 25 Meter, die mich vom Ufer trennten unüberwindbar zu sein. Meine Beine zitterten. Meine Arme waren tonnenschwer. Endlich reichte mir das Wasser nur noch bis zum Hintern. Nur noch wenige Meter. Die wackligen Beine zum Weitergehen zwingen. Alle Kräfte mobilisieren, bis das Wasser nur noch bis zum Knöchel reicht.

Ein letzter Schritt, ein letzter Ruck, dann brach ich erschöpft am Strand zusammen. Ich schloss die Augen und öffnete sie wieder, nur um sicherzugehen, dass ich diesen frühen, grauen Morgen wirklich erlebte. Ja. Die Kälte, die ich durch meinen Neoprenanzug hindurch spürte, sagte mir, dass ich offensichtlich am Leben war. Verdammt, fast wäre ich ertrunken und niemand hätte es mitbekommen. Niemand. Wo war eigentlich Matthieu? Und wo befand ich mich überhaupt? Ich blickte mich um, immer noch wie betäubt, um herauszufinden, wo das Meer mich abgesetzt hatte. Dabei waren meine Sinne ziemlich mitgenommen von der Tracht Prügel, die mir das Meer verabreicht hatte. Ich versuchte, die Landschaft um mich herum wiederzuerkennen und zu kapieren, wo ich war. Aber meine nähere Umgebung schien nur aus Pixeln zu bestehen, die keinen Sinn ergaben.

Wie viele Minuten waren vergangen, seit Matthieu um Hilfe gerufen hatte? Vermutlich viel zu viele. Momentan beschränkte seine Initiative sich darauf, von einem Bein aufs andere zu hüpfen. Er wusste immer noch nicht, ob er zurück an den Strand gehen oder auf diesen Felsen bleiben sollte, von denen aus er immerhin einen guten Überblick hatte. Er starrte unentwegt auf die glitzernde Wasseroberfläche, gegen das blendende Licht, bis ihm die Augen wehtaten.

»Wo kann er verdammt nochmal sein?!«

In dem Moment sah er, wie ein Punkt aus dem Wasser auftauchte. Romain, der wie eine alte, modrige Alge von der Strömung hin- und hergerissen wurde. Sichtlich am Ende kämpfte er auf der anderen Seite der Buhne dagegen an, unterzugehen und wurde dabei in regelmäßigen Abständen von den Wellen getroffen. Matthieu rannte los, um zu ihm zu gelangen, sprang von Stein zu Stein. Endlich wusste er, wo er hinmusste. Am Strand fand er seinen erschöpften Freund vor, der ganz verstört auf ein Stück seines zerbrochenen Bretts starrte, das zwischen zwei Felsen hin- und hergeschleudert wurde.

»Romain, was machst du für einen Scheiß? Du hast mir eine Mordsangst eingejagt, Alter!«, keuchte Matthieu, während er ihn umarmte.

Er zitterte.

»Ich … weiß nicht. Ich glaube, ich bin durch die Priele abgedriftet. Verdammt, diese Dinger sind der Wahnsinn. Ich dachte, ich würde draufgehen … Scheiße. Ich sah dich schon vor mir, wie du meinen Eltern erklärst, dass ich beim Surfen ertrunken bin. Hast du es überhaupt mitbekommen? Hast du gesehen, wie es mich umgenietet hat?«

»Ja, und ich kann dir sagen, dass ich echte Panik bekommen habe, als du nicht wieder aufgetaucht bist. Ist dir klar, was das für eine Killerwelle war, die dich mitgerissen hat? Hast dich wohl für Kelly Slater gehalten, du Idiot«, sagte Matthieu lachend.

Er klopfte ihm auf die Schulter, einerseits, um seinen Worten mehr Nachdruck zu verleihen und andererseits aus purer Erleichterung. Dann rubbelte er ihm mit dem Handtuch den Rücken und die Füße ab, um ihn aufzuwärmen und seine Durchblutung wieder in Gang zu bringen. Romain hatte blaue Lippen und zitterte an allen Gliedern.

»Ja, ich habe es vielleicht etwas übertrieben, zugegeben, aber jetzt nimm die Finger weg, du Homo!«, rief er aus und stieß Matthieus Arm zurück. »Verdammt, ich bin echt sauer, ich habe mein Brett verloren!«

Er schüttelte zutiefst verärgert den Kopf.

»Wo warst du eigentlich, als ich kurz vorm Abkratzen war?«

»Auf der Buhne. Ich hatte gehofft, dich von dort aus entdecken zu können. Du warst mit einem Mal in den Wellen verschwunden. Ich dachte, das kann nicht wahr sein.«

Beide schwiegen einen Moment lang. Matthieu hatte erneut damit begonnen, seinem Freund den Rücken zu rubbeln, um ihn aufzuwärmen und auch zu seiner eigenen Beruhigung.

»Die Hauptsache ist, ich bin davongekommen. Lass uns gehen! Jetzt brauche ich erst mal einen heißen Kaffee und einen Haufen Schoko-Croissants.«

Als er aufstand und dabei seine Arme und Beine ausschüttelte, wunderte er sich, dass Matthieu zögerte und irgendwie gehemmt wirkte.

»Was ist los? Ich wäre fast ertrunken und du bist total schräg drauf. Schon gut, ich sag doch, es ist alles okay!«

»Es ist nur … eine echt krasse Sache. Ich weiß auch nicht …«

»Du hattest Angst? Ich auch, das kann ich dir sagen! Aber es bringt nichts, das auszuwalzen … Es ist jetzt vorbei.«

»Nein, darum geht es nicht. Ich habe auf der Buhne was entdeckt. Ich würde gerne nochmal nachsehen gehen, was es ist.«

»Was hast du denn entdeckt?«, fragte Romain neugierig.

»Du wirst das total bescheuert finden, aber am Ende der Buhne habe ich so kleine schwarze Päckchen aus Plastik entdeckt. Du weißt schon. Es sieht aus wie …«

Mehr brauchte er nicht zu sagen, Romain hatte schon verstanden. Ob in den Bars oder im Wasser, alle Surfer in der Gegend redeten seit Tagen von nichts anderem. Matt hatte offenbar zwei der berühmt berüchtigten Päckchen gefunden, von denen alle hofften oder fürchteten, beim Surfen auf sie zu stoßen. Päckchen mit reinem Koks. Weißes Gold oder Weiße Scheiße, je nach Gesichtspunkt. Seit einigen Tagen fanden Spaziergänger oder Surfer immer wieder welche an den Stränden des Baskenlandes und im Süden des Département Landes. Er hatte im Sud-Ouest gelesen, dass mehrere sieben Kilogramm schwere Päckchen, insgesamt mehr als 84 Kilogramm Kokain, an den Strand von Hendaye in den Pyrénées-Atlantiques gespült worden waren, gerade erst vorgestern.

»Verstehe, und was hast du damit gemacht?«

»Was denkst du wohl? Nichts! Ich habe schließlich nach dir gesucht, schon vergessen? Als du endlich aufgetaucht bist, habe ich die Päckchen Päckchen sein lassen und bin sofort zu dir gelaufen!«

»Und würdest du die Stelle wiederfinden?«

»Ja. Ich frage mich allerdings, ob ich wirklich noch mal zurückgehen sollte. Ich denke, diesen Scheiß überlassen wir lieber anderen. Weißt du, Koks macht mich nicht wirklich high …«

Matthieu gluckste über seinen unfreiwilligen Witz.

»Mich auch nicht«, stimmte Romain zu. »Aber ich würde es mir trotzdem gerne ansehen! Alle reden von nichts anderem. Gerade eben wolltest du doch selber auch noch einmal nachsehen.«

»Nein, das war eine blöde Idee. Komm, lass uns gehen. Vergessen wir das.«

Romain trat von einem Fuß auf den anderen. Gerade wäre er beinahe abgekratzt. Wie ein unbekannter Soldat. Und nun nahm sein Leben auf einmal eine aufregende Wendung durch das Auftauchen dieser berühmten Kokain-Päckchen, von denen in der Presse andauernd die Rede war.

»Komm, zeig’s mir, ich will es sehen. Ich schau sie mir an und dann verschwinden wir. Das bist du mir schuldig, oder? Ich wäre immerhin fast krepiert!«

Fünf Minuten später beugten sie sich über die glänzenden, schwarzen Päckchen. Sie waren fasziniert von ihrer Form und dem Geheimnis, das sie bargen: Sie führten ein Eigenleben, das bewies schon allein die Tatsache, dass ihr Weg sie ausgerechnet bis zu diesen Felsen geführt hatte. Und denen, die sie entdeckten, eröffneten sie ungeahnte Möglichkeiten. Beiden Jungen war durchaus bewusst, wie gefährlich es war, sich in ihrer Nähe aufzuhalten: Sollten die Bullen sie hier überraschen, könnten sie ihnen vorwerfen, sie wären die Besitzer. Und sollten die Dealer sie erwischen, würden sie sicher teuer für ihre Neugier bezahlen müssen. Keiner von beiden wagte etwas zu sagen, nicht einmal Romain, der darauf bestanden hatte, hierherzukommen. Matthieu brach als Erster das Schweigen.

»Gut, du hast sie gesehen, lass uns abhauen.«

Ja, er sah sie.

»Du hast ganz blau gefrorene Lippen und klapperst mit den Zähnen, Alter. Wir müssen zurückgehen, du brauchst eine heiße Dusche.«

Ja, es war höchste Zeit, zurück in ihr kleines Apartment zu gehen und ganz normal weiterzumachen wie bisher. Aber Romain hatte keine Lust dazu. Sein ganzes Wesen, jede Faser seines Verstandes und selbst sein Unterbewusstsein, schleuderten ihm entgegen, dass er hier verschwinden sollte. Sich möglichst schnell von diesen schwarz-glänzenden Päckchen entfernen. Dennoch hörte er sich zu seinem eigenen Erstaunen sagen:

»Und wenn wir sie behielten?«

Die Frage schien Matthieu nicht zu schockieren. Er wirkte furchtlos. Offenbar hatte er auch schon mit dem Gedanken gespielt, die Päckchen zu behalten. Vielleicht hoffte er ja, dass Romain aussprach, was er nicht über die Lippen brachte. Auf jeden Fall griffen beide gleichzeitig nach den Päckchen. So teilten sie die Verantwortung. Sie hatten sich nicht abgesprochen, bevor sie das taten, als hätte diese Szene so in einem Drehbuch gestanden.

Schweigend und ohne Blickkontakt zu suchen, gingen sie nebeneinander her zu ihrer kleinen Ferienwohnung in Anglet. Sie liefen den asphaltierten Weg hoch, der am Strand entlang führte, und drückten dabei die kostbaren Päckchen an sich. Normalerweise liebten sie diesen Weg. Aber heute empfanden sie keinerlei Vergnügen dabei. Sie hatten nur noch eins im Kopf: So schnell wie möglich an einen sicheren Ort zu kommen. Alles andere um sie herum existierte nicht mehr.

Bald geriet der Parkplatz in ihr Blickfeld, der die in Fertigbauweise errichteten Häuser umgab. Kurz darauf spiegelten sie sich in der gläsernen Eingangstür. Sie betraten das Gebäude und drückten auf den Fahrstuhlknopf. Romain hielt den Haustürschlüssel mit der linken Hand so fest umklammert, dass er in die Haut schnitt. Behindert durch die Last, die er trug, hatte er Mühe, ihn ins Schloss zu stecken. Er konnte sich nicht dazu durchringen, dieses verdammte Päckchen auch nur für einen kurzen Moment loszulassen. Die Tür öffnete sich mit einem ächzenden Laut. Endlich waren sie in der Wohnung.

Matthieu stieß einen erleichterten Seufzer aus und schloss die Tür. Er legte sein Päckchen auf dem Couchtisch ab und ließ sich auf einen kleinen Gartenstuhl aus Plastik fallen. Wie jemand, der gerade Schwerstarbeit verrichtet hatte. Bleierne Stille machte sich in der ganzen Wohnung breit. Die beiden vermieden es, sich anzusehen. Sie versuchten, den Blick auf etwas anderes zu richten, aber wie magnetisiert wanderte er immer wieder in die gleiche Richtung: zu den Päckchen auf dem Tisch. Sie wagten es jedoch nicht mehr, sie anzurühren.

»Scheiße, was ist denn auf einmal in ihn gefahren?«, dachte Romain, als Matthieu zum Fenster stürzte, um die Jalousie aus Metall herunterzulassen. Im nächsten Moment verstand er es. Klar, jemand hätte sie von draußen sehen können. Ein neugieriger Nachbar. Vielleicht ein Nachbar, der Bulle war. Wer kennt schon seine Nachbarn wirklich? Die Wohnung lag auf einmal im Dunkeln. Dadurch wurde ihr Schweigen noch beklemmender.

»Super! Das ist ja ein großartiges Leben. Bei geschlossenen Rollläden, nur weil mich plötzlich die Angst packt. Ich merke, dass ich jetzt schon paranoid werde, das gefällt mir überhaupt nicht. Kannst du mir erklären, warum wir diese Päckchen eigentlich mitgenommen haben?«, brummte Matthieu vor sich hin.

Dabei erwartete er nicht ernsthaft eine Antwort von Romain, denn er fügte kurz darauf lautstark hinzu: »Scheiße, ich bin doch kein Drogendealer. Und du auch nicht. Wir sind Scheiß-Jurastudenten! Wir wissen genau, was uns erwartet. Wir können noch nicht mal auf unschuldig plädieren. Ich habe noch nie in meinem Leben eine Linie Koks geschnupft. Ich finde das komplett bescheuert. Mehr noch, das ist entwürdigend für jedes halbwegs denkende Wesen. Das ist nicht meine Welt. Und trotzdem bin ich drauf und dran, meine Überzeugungen in den Wind zu schießen, um einen Haufen Kohle zu machen. Ich weiß nicht, wie das gehen soll. Kannst du dir vorstellen, wie ich mich abends an der Metro Stalingrad rumdrücke, um diese Scheiße zu verkaufen? Oder wie ich durch die Clubs von Paris ziehe, und allen, die mir über den Weg laufen, etwas ins Ohr zische? Nein, nie im Leben. Das ist einfach undenkbar. Aber warum haben wir diesen Mist überhaupt mitgenommen?«

Er stützte den Kopf in die Hände. Als er wieder aufblickte, kicherte er plötzlich amüsiert und stürzte sich ganz aufgeregt auf die Päckchen:

»Moment mal, vielleicht mache ich mich ja grundlos verrückt. Total umsonst. Wir haben, als wir die Päckchen gesehen haben, sofort gedacht, dass da Drogen drin sind, aber es kann auch was ganz anderes drin sein, möglicherweise ist das Ganze nur ein übler Scherz!«

Das Paket war sehr sorgfältig zugeklebt worden, und er hatte große Mühe die vielen Schichten aus Plastik abzuwickeln. Das Wunder, auf das er gehofft hatte, stellte sich nicht ein. Als er sämtliche Klebebänder abgerissen hatte, ergoss sich ein gelbliches Pulver aus dem Päckchen und verteilte sich auf dem Tisch. Das aufgerissene Paket entsandte eine klare Botschaft: »Jetzt bist du echt am Arsch, Junge, denn jetzt bin ich auch noch offen. Habe meine jungfräuliche Unschuld verloren. Du kannst mich nicht mehr einfach irgendwo in der Gegend entsorgen.«

Er erstarrte, als er das Pulver sah, dann senkte er den Blick und fing an zu schluchzen. Romain seinerseits glotzte wie hypnotisiert darauf. Zunächst einmal, weil er noch nie einen so großen Haufen von diesem Zeug gesehen hatte, außer in Scarface. Und dann, weil es überhaupt nicht die Farbe hatte, die er sich ausgemalt hatte. Jedenfalls nicht die gleiche Farbe, wie das Koks, das er schon mal probiert hatte. Er kannte sich nicht aus, hatte es nur einmal genommen, an einem Silvesterabend, einfach nur, um es mal gemacht zu haben. Aber er hatte davon nicht besonders viel gemerkt. Dieses Pulver hier war nicht weiß und jungfräulich, wie in seiner Fantasie, es bildete eher große Klumpen und die Farbe war ein blasses Senfgelb.

Nun, da er die Ware vor sich sah, holte die Realität ihn wieder ein. Ihm wurde bewusst, dass die Bombe, die da vor ihnen auf dem Tisch lag, sie dazu zwang, eine Entscheidung zu treffen. Und dabei musste man wirklich sämtliche Konsequenzen mitbedenken, da all das Folgen für ihr gesamtes restliches Leben haben konnte. Eine Möglichkeit war, das Zeug ins Klo zu werfen und das Leben von Romain, dem 24 Jahre alten Jurastudenten weiterzuführen, dem keine glänzende Zukunft beschieden war. Und die andere, das Leben von Romain … Romain, was? Die Ungewissheit hatte zugleich etwas Beängstigendes und etwas Aufregendes. War die Tatsache, dass er dieses Päckchen gefunden hatte, nicht in gewisser Weise ein Zeichen? Wartete doch noch ein außergewöhnliches Schicksal auf ihn? Unter Millionen Menschen hatte das Päckchen sich gerade ihn ausgesucht. Es ermöglichte ihm, sich einer vorgezeichneten Zukunft zu entziehen, sein Leben gegen ein anderes einzutauschen, das besser war … oder, das war wahrscheinlicher, schlechter als sein jetziges. Wenn die Polizei ihn mit einem solchen Päckchen schnappte, bekäme er mindestens zehn Jahre für Drogenhandel aufgebrummt.

Er schloss die Augen. Er hatte Angst. Aber wovor eigentlich?

Mit einem Mal musste er an eine Umfrage denken, an der er vor Kurzem teilgenommen hatte: »Was wäre Ihnen lieber: allein in einer Tiefgarage zu sein oder inmitten einer wütenden Menge?« Er erinnerte sich nicht mehr, was die Mehrheit der Leute darauf geantwortet hatte. Aber er wusste noch genau, wie seine Antwort gelautet hatte. Sie war aus dem Bauch herausgekommen: »Allein in der Tiefgarage.« Im Grunde war die Frage dämlich, denn in einer Tiefgarage drohte einem keine Gefahr, während sie in einer dichten, bedrohlichen Menschenmenge greifbar war. Das bedeutete schlicht: Er hatte vor etwas Angst, das allein sein Verstand fantasiert hatte – es gab wohl keinen besseren Regisseur, als das eigene Selbst, um seine schlimmsten Alpträume auf einen inneren Bildschirm zu projizieren: eine mögliche Verhaftung, ein Leben hinter Gittern, zusammengepfercht mit anderen, in einer schmuddeligen Zelle dahinvegetierend. Dabei war dieses Risiko verschwindend gering, es lag vielleicht gerade mal bei zehn Prozent, wenn man genau überlegte.